Es kommen wochen- und monatelange hysterische Delirien vor, die akut
einsetzen und unter beständigen Schwankungen zwischen schwerer
Bewußtseinstörung mit halluzinatorischer Verwirrtheit und leichteren
Dämmerzuständen und sogar zwischenlaufender relativer Klarheit wechseln.
Verfolgungs- und Versündigungswahn, religiöse Ekstase, geschlechtliche
Delirien pflegen den Hauptinhalt zu bilden. Gesichtstäuschungen wiegen
vor, entweder als einfache Farbenvisionen oder als illusionäre
Verwandlungen der Umgebung, oder als Visionen von Tieren, Leichenzügen,
Gespenstererscheinungen, Himmelsbildern, Engelzügen usw. Oft werden sie
von Geruchshalluzinationen und von Gehörstäuschungen (Musik,
Beschimpfungen) begleitet.
Eine besondere Art des hysterischen Dämmerzustandes ist jüngst von
GANSER beschrieben, in ihrer Zugehörigkeit zur Hysterie allerdings nicht
unbestritten geblieben. Besonders auffallend war dabei die Erscheinung
des =Vorbeiredens=: die Kranken gaben auf Fragen ganz falsche, an
absichtlichen Unsinn erinnernde Antworten, gaben z. B. die Zahl ihrer
Finger falsch an, zählten falsch, behaupteten, die gewöhnlichsten
Gegenstände nicht zu kennen usw. Nach einigen Tagen erwachten sie wie
aus einem Traum und gaben an, nichts von dem Vorgefallenen zu wissen.
Die Art des Zustandes erinnert sehr an gewisse Erscheinungen aus dem
Krankheitsbilde der Dementia praecox.
Die früher übliche Aufstellung einer Anzahl von chronischen hysterischen
Psychosen, einer hysterischen Melancholie, hysterischen Paranoia usw.
wird von den meisten neueren Autoren abgelehnt. Es ist erklärlich, daß
hysterische Kranke nicht gegen andere Geistesstörungen geschützt sind,
und daß die Hysterie den gewöhnlichen Krankheiterscheinungen
gelegentlich eine besondere Färbung gibt. Es führt aber entschieden zu
weit, wenn man daraus dann noch wieder besondere Krankheiten machen
will.