Die Anwendung des Kokains als Linderungsmittel bei der
Morphiumentziehung hat eine der Morphiumsucht ganz entsprechende, aber
noch verderblichere Kokainsucht kennen gelehrt. Die geistige und
ethische Abnahme erfolgt noch schneller als dort, zugleich treten
schwere Ernährungstörungen, Schlaflosigkeit, Halluzinationen, Delirien
und häufig ausgesprochene Geistesstörungen in der Form des akuten
halluzinatorischen Wahnsinns (vgl. S. 100) mit ziemlich erhaltener
Besonnenheit auf. In den Wahnvorstellungen spielt als Gegenbild zu dem
gesteigerten Erotismus der ersten Zeit des Kokainmißbrauchs der Wahn
ehelicher Untreue eine große Rolle; nicht selten führt er zu
gefährlichen Angriffen u. dgl. Das Kokain verschlimmert diese Zustände
erheblich, während seine Entziehung, die ungefährlich ist, sofort die
Erregungszustände beseitigt; die Wahnvorstellungen pflegen erst nach
längerer Zeit zurückzugehen. Bei der großen Gefährlichkeit des Kokains
darf es weder innerlich noch subkutan, und auch örtlich nur mit Vorsicht
angewendet werden.
B. Selbstvergiftungen des Körpers.