3. Der Kokainismus.

Die Anwendung des Kokains als Linderungsmittel bei der

Morphiumentziehung hat eine der Morphiumsucht ganz entsprechende, aber

noch verderblichere Kokainsucht kennen gelehrt. Die geistige und

ethische Abnahme erfolgt noch schneller als dort, zugleich treten

schwere Ernährungstörungen, Schlaflosigkeit, Halluzinationen, Delirien

und häufig ausgesprochene Geistesstörungen in der Form des akuten

halluzinatorischen Wahnsinns (vgl. S. 100) mit ziemlich erhaltener

Besonnenheit auf. In den Wahnvorstellungen spielt als Gegenbild zu dem

gesteigerten Erotismus der ersten Zeit des Kokainmißbrauchs der Wahn

ehelicher Untreue eine große Rolle; nicht selten führt er zu

gefährlichen Angriffen u. dgl. Das Kokain verschlimmert diese Zustände

erheblich, während seine Entziehung, die ungefährlich ist, sofort die

Erregungszustände beseitigt; die Wahnvorstellungen pflegen erst nach

längerer Zeit zurückzugehen. Bei der großen Gefährlichkeit des Kokains

darf es weder innerlich noch subkutan, und auch örtlich nur mit Vorsicht

angewendet werden.

B. Selbstvergiftungen des Körpers.

Kompendium der Psychiatrie für Studierende und Ärzte · 第 32 / 133 题