A. Vergiftungen durch Arznei- und Genußmittel.
Von den Genußmitteln, die bei allen Kulturvölkern trotz staatlicher
Verbote und Einschränkungen eine ungeheure Verbreitung gefunden haben,
sind einige als Gifte für den menschlichen Organismus zu betrachten. Für
abendländische Verhältnisse kommen dabei Alkohol, Morphium und Kokain in
Frage. Die allgemeine Schädlichkeit geringer Alkoholmengen ist sicher
zuweilen übertrieben dargestellt worden, aber es ist nicht zu
bestreiten, daß unsere gesellschaftlichen Gewohnheiten (Trinkunsitten)
ein gefährliches Übermaß sehr begünstigen. Unverstand von Eltern,
Erziehern und Ärzten, unbegründete Meinungen über die stärkende Wirkung
der geistigen Getränke, Leichtsinn und Verführung haben in dieser
Richtung unendlich viel gesündigt. Besonders gefährlich ist aber der
Umstand, daß zumal bei Menschen, die erblich belastet oder durch
Kopfverletzungen, Gehirnkrankheiten usw. in jugendlichem Alter weniger
widerstandsfähig geworden sind, der Alkohol ebenso wie das Morphium und
Kokain ein deutliches, immer steigendes Verlangen nach Wiederholung
ihres Genusses erzeugen. Nur zum Teil läßt sich dies Begehren aus der
Abspannung erklären, die nach dem Schwinden der einmaligen Wirkung eine
neue Anregung wünschen läßt. Vielfach sind es schon zuvor bestehende
Schwächen des Charakters oder auch triebartige Neigungen, die zur
Wiederholung des gefährlichen Genusses trotz aller entgegenstehenden
Bedenken drängen.