III. Intoxikationspsychosen.

A. Vergiftungen durch Arznei- und Genußmittel.

Von den Genußmitteln, die bei allen Kulturvölkern trotz staatlicher

Verbote und Einschränkungen eine ungeheure Verbreitung gefunden haben,

sind einige als Gifte für den menschlichen Organismus zu betrachten. Für

abendländische Verhältnisse kommen dabei Alkohol, Morphium und Kokain in

Frage. Die allgemeine Schädlichkeit geringer Alkoholmengen ist sicher

zuweilen übertrieben dargestellt worden, aber es ist nicht zu

bestreiten, daß unsere gesellschaftlichen Gewohnheiten (Trinkunsitten)

ein gefährliches Übermaß sehr begünstigen. Unverstand von Eltern,

Erziehern und Ärzten, unbegründete Meinungen über die stärkende Wirkung

der geistigen Getränke, Leichtsinn und Verführung haben in dieser

Richtung unendlich viel gesündigt. Besonders gefährlich ist aber der

Umstand, daß zumal bei Menschen, die erblich belastet oder durch

Kopfverletzungen, Gehirnkrankheiten usw. in jugendlichem Alter weniger

widerstandsfähig geworden sind, der Alkohol ebenso wie das Morphium und

Kokain ein deutliches, immer steigendes Verlangen nach Wiederholung

ihres Genusses erzeugen. Nur zum Teil läßt sich dies Begehren aus der

Abspannung erklären, die nach dem Schwinden der einmaligen Wirkung eine

neue Anregung wünschen läßt. Vielfach sind es schon zuvor bestehende

Schwächen des Charakters oder auch triebartige Neigungen, die zur

Wiederholung des gefährlichen Genusses trotz aller entgegenstehenden

Bedenken drängen.

Kompendium der Psychiatrie für Studierende und Ärzte · 第 28 / 133 题