Bei den Geistesstörungen tritt es für den Arzt noch deutlicher als bei
körperlichen Leiden hervor, daß er nicht mit der Krankheit, sondern mit
dem kranken Menschen zu tun hat. Gerade dadurch ist die Psychiatrie für
jeden Arzt unentbehrlich, daß sie ihn mehr als jedes andere Fach der
Medizin darauf hinweist, ja ihn geradezu durch Zwang dazu bringt, in dem
Kranken den ganzen Menschen zu studieren und bei der Behandlung jeden
Augenblick sein gesamtes leibliches und geistiges Befinden zu
berücksichtigen.
Auch bei der Erforschung der Ursachen des Irreseins ist diese Wahrheit
unverkennbar. Wie alle Krankheiten, so stellen auch die des Geistes das
Ergebnis äußerer Schädlichkeiten und innerer Anlage dar, wobei je nach
dem Einzelfall der eine oder der andere Faktor überwiegt. Für die
Geisteskrankheiten hat nun die Erfahrung die größere Wichtigkeit der
=inneren Ursachen=, also der ganzen Anlage des betreffenden Menschen,
erwiesen. Man stellt sie als =persönliche= und als =allgemeine
Veranlagung= (Prädisposition) den =äußeren Ursachen= gegenüber, die
ihrerseits =geistig= oder =körperlich= einwirken können.