III. Ursachen der Geistesstörungen.

Bei den Geistesstörungen tritt es für den Arzt noch deutlicher als bei

körperlichen Leiden hervor, daß er nicht mit der Krankheit, sondern mit

dem kranken Menschen zu tun hat. Gerade dadurch ist die Psychiatrie für

jeden Arzt unentbehrlich, daß sie ihn mehr als jedes andere Fach der

Medizin darauf hinweist, ja ihn geradezu durch Zwang dazu bringt, in dem

Kranken den ganzen Menschen zu studieren und bei der Behandlung jeden

Augenblick sein gesamtes leibliches und geistiges Befinden zu

berücksichtigen.

Auch bei der Erforschung der Ursachen des Irreseins ist diese Wahrheit

unverkennbar. Wie alle Krankheiten, so stellen auch die des Geistes das

Ergebnis äußerer Schädlichkeiten und innerer Anlage dar, wobei je nach

dem Einzelfall der eine oder der andere Faktor überwiegt. Für die

Geisteskrankheiten hat nun die Erfahrung die größere Wichtigkeit der

=inneren Ursachen=, also der ganzen Anlage des betreffenden Menschen,

erwiesen. Man stellt sie als =persönliche= und als =allgemeine

Veranlagung= (Prädisposition) den =äußeren Ursachen= gegenüber, die

ihrerseits =geistig= oder =körperlich= einwirken können.

Kompendium der Psychiatrie für Studierende und Ärzte · 第 4 / 133 题