§ 70. =Böschungslinien auf einer Fläche.= Auf einer durch ihre

Schichtlinien gegebenen Geländefläche lassen sich von jedem Punkte aus

zwei Kurven von konstantem Gefälle (Böschungslinien, § 50) ziehen,

wenn nur das Gefälle nicht größer ist als das der Fallinien der Fläche

in den Punkten der beiden Kurven. Um diese zu konstruieren, ermittle

man zunächst aus dem gegebenen Böschungsverhältnis das Intervall

der Böschungslinie. Unter der Voraussetzung, daß die Schichtlinien

genügend nahe gezeichnet sind, zieht man mit dem Intervall als Radius

um den gegebenen Punkt als Mittelpunkt einen Kreis. Entweder schneidet

dieser eine der beiden nächstfolgenden Hauptschichtlinien in zwei

Punkten, die auch zusammenfallen können, oder er schneidet sie nicht;

im letzteren Falle ist das gegebene Gefälle zu groß, im ersteren sind

reelle Böschungslinien der vorgeschriebenen Böschung von dem gegebenen

Flächenpunkte aus möglich, und man erhält weitere Punkte von ihnen,

indem man dieselbe Konstruktion von jedem der beiden Schnittpunkte

aus fortsetzt. Wenn man die erhaltenen Punkte in geeigneter Weise

verbindet, bekommt man die gesuchten Böschungslinien mit oder ohne

Kehren (Fig. 72). Im allgemeinen gehen von jedem Flächenpunkte zwei

verschiedene Böschungslinien aus, längs deren das Gefälle einen

gegebenen Wert hat.

Die auf einer Geländefläche angelegten Wege, Eisenbahnlinien u. dgl.

verlaufen in der Regel auf längere Strecken mit unveränderlichem

Gefälle. Die Konstruktion von Böschungslinien hat daher ein gewisses

praktisches Interesse. Wenn auch durch Aufschüttung und Abtrag des

Geländes größere Krümmungen eines anzulegenden Weges vermieden werden,

so wird seine Führung doch im allgemeinen durch eine Böschungslinie

bestimmt. Dabei wird besonders die im folgenden Paragraphen erörterte

Aufgabe benutzt.

[Illustration: Fig. 73.]

§ 71. _Aufgabe._ Bei der Lösung der Aufgabe, zwei gegebene Punkte

einer Fläche durch eine Kurve von konstanter Steigung zu verbinden,

hat man sich eines geometrischen Näherungsverfahrens zu bedienen.

Man konstruiert zunächst, von dem einen der gegebenen Punkte _A_

(Fig. 73) ausgehend, eine solche Böschungslinie, die in der Nähe des

andern gegebenen Punktes _B_ die durch diesen gehende Schichtlinie

schneidet. Die Ausführung der Konstruktion zeigt, ob das benutzte

Intervall zu groß oder zu klein ist, wonach man es zu verbessern hat.

Mit dem verbesserten Intervall wiederholt man dieselbe Konstruktion

usw., und nähert sich auf diese Weise mehr und mehr dem passenden

Werte des Intervalls. Zweckmäßig ist es dabei, den Punkt _B_ zwischen

zwei der gezeichneten Böschungslinien einzuschließen; _AB₁_, _AB₂_,

... seien solche Näherungskurven, _B₁'B₁_ und _B₂'B₂_ ... seien die

zugehörigen Intervalle. Man trage in den Punkten _B₁_, _B₂_, _B₃_ usw.

diese zugehörigen Intervalle normal zur Schichtlinie, also längs der

Fallinien auf und verbinde die erhaltenen Endpunkte durch eine glatte

Kurve (§ 38); diese gestattet das gesuchte Intervall zu entnehmen.

§ 72. =Schnitt zweier Flächen.= Das Verfahren, nach dem die

Schnittlinie einer Geländefläche mit einer Ebene konstruiert wird, läßt

sich genau ebenso anwenden auf die Bestimmung der Schnittkurve zweier

beliebiger Flächen miteinander. Denn die Punkte dieser Schnittkurve

gehören beiden Flächen gemeinsam an, müssen also auf den gleichhohen

Schichtlinien der beiden Flächen gelegen sein: man erhält sie als

Schnittpunkte gleichkotierter Schichtlinien.

Davon macht man sehr häufig Gebrauch bei der Bestimmung der Grenzlinie

einer Böschungsfläche mit der gegebenen Geländefläche. Darauf bezieht

sich die Fig. 74, in der die Aufschüttung einer Halde oder eines Dammes

mit wagerechter Krone dargestellt ist. Die wagerechte Verbindungslinie

der beiden Punkte _A_ und _B_ (Höhe 20) kann etwa als Führungslinie

eines auf einem Gestänge angelegten Schienengeleises für Kippwagen

aufgefaßt werden, von dem aus die Halde aufgestürzt wird. Kennt man

den Böschungswinkel, unter dem das Fördergut der Halde sich ablagert,

so kann man nach § 65 ihre Schichtlinien als Parallelkurven der

Geleisführung konstruieren. Die Schnittpunkte dieser Parallelkurven mit

den gleichkotierten Schichtlinien des Geländes bestimmen alsdann nach

dem oben Gesagten die Schnittkurve der Halde mit dem Gelände. – Die

damit gelöste Aufgabe ist eine Erweiterung der in § 32 besprochenen.

[Illustration: Fig. 74.]

§ 73. =Durchdringungspunkte einer Raumkurve mit einer Geländefläche.=

Man legt durch die gegebene Raumkurve eine beliebige Fläche, bestimmt

deren Schnittkurve mit dem Gelände, wie in § 72 angegeben, und

konstruiert schließlich die gemeinsamen Punkte dieser Schnittkurve mit

der gegebenen Raumkurve. Offenbar wird man die Hilfsfläche selber nur

in der Nähe der Durchdringungspunkte benötigen.

[Illustration: Fig. 75.]

Als Hilfsfläche nimmt man zweckmäßig die windschiefe Planierungsfläche

(§ 51), weil ihre Schnittkurve mit dem Gelände, die _Nullinie_, am

besten darüber Aufschluß gibt, welche Teile der Raumkurve oberhalb des

Geländes und welche unterhalb gelegen sind (Fig. 75; die Nullinie ist

ganz gestrichelt).

Die Bestimmung der Durchstoßpunkte einer Kurve mit dem Gelände ist

oft bei der Linienführung einer Eisenbahnlinie oder dgl. in gebirgigem

Gelände auszuführen. Sie zeigt dann, an welchen Stellen die Bahnlinie

in den Erdkörper eindringt, welche Erdbewegungen, Tunnelanlagen u. dgl.

vorzunehmen sind.

Um zu bestimmen, ob ein Punkt des Geländes von irgendeinem anderen

Punkte aus _sichtbar_ ist, braucht man nur festzustellen, ob die

Verbindungsgerade das Gelände nicht trifft. Es genügt dazu, diese

Gerade zu graduieren und nachzusehen, ob in der Projektion für jeden

Punkt der Geraden die Höhenzahl auch nicht kleiner ist als für

denselben Punkt auf dem Gelände.

IV. AUFGABEN UND ANWENDUNGEN

§ 74. =Zweck der Aufgaben.= In den folgenden Paragraphen werden

eine Reihe von Aufgaben besprochen, die zu ihrer Lösung der in den

früheren Abschnitten entwickelten Konstruktionen bedürfen. Zumeist

sind sie praktischen Fragen entsprungen oder doch unmittelbar auf

solche anwendbar, die sich bei der Benutzung der Karte eines Geländes

darbieten. Der Kürze wegen sind den gestellten Aufgaben nicht die

Lösungen in ausführlicher Darstellung, sondern nur allgemeine Angaben

über den einzuschlagenden Weg beigegeben, die indessen in jedem Falle

zur Konstruktion ausreichen. Der Leser wird gut tun, die angedeutete

Lösung wirklich zeichnerisch auszuführen, und zwar dürfte es sich in

der Regel empfehlen, den Maßstab mindestens doppelt so groß zu wählen,

als ihn die Figuren angeben, die ja nur als Skizzen dienen sollen.

§ 75. =Aufschüttung und Abtrag eines Eisenbahndammes= zu konstruieren,

von dem die Führungslinie, die Breite, das Gefälle und die

Dammböschungen gegeben sind. Die Dammkrone bildet einen Streifen der

zur gegebenen Führungslinie gehörigen Planierungsfläche (vgl. § 51).

Man graduiert die Führungslinie nach dem gegebenen Gefälle – in der

Figur ist das Gefälle in der Kurve geringer angenommen als auf der

geraden Strecke –, wodurch dann zugleich auch die beiden Begrenzungen

der Dammkrone mit graduiert sind. Jetzt zeichnet man nach § 69

beiderseits die Böschungsflächen der Dammbegrenzungen, schließlich

nach § 72 die Schnittlinien mit dem Gelände. In der Figur 76 sind die

ursprünglichen, aber durch den Damm verschütteten oder durch den Abtrag

weggenommenen Schichtlinien des Geländes punktiert gezeichnet; und die

ausgezogenen Schichtlinien stellen somit diejenigen des Geländes _nach_

der Anlage des Dammes dar.

[Illustration: Fig. 76.]

§ 76. =Die Ausstrichlinie einer Mulde mit dem Gelände zu bestimmen.=

Die Mulde soll ellipsoidische Gestalt haben mit einer lotrechten

Hauptachse; ihre Abmessungen sind durch zwei lotrechte Hauptschnitte

gegeben (Fig. 77).

[Illustration: Fig. 77.]

Die Schichtlinien der Mulde sind Ellipsen (Fig. 78), deren Hauptachsen

aus den beiden gegebenen Querprofilen zu entnehmen sind. Die Ellipsen

werden hier am einfachsten nach der bekannten Papierstreifenmethode

gefunden. Durch die Schnittpunkte dieser Ellipsen mit den

gleichkotierten Höhenlinien des Geländes ist dann, wie in der vorigen

Aufgabe, die gesuchte Verschneidung bestimmt. Wenn es nur auf diese

Verschneidung ankommt, braucht man von den Ellipsen ersichtlich

jedesmal nur die Punkte in der Nähe der gleichkotierten Schichtlinien

zu bestimmen.

[Illustration: Fig. 78.]

§ 77. =Schnittkurve einer zylindrischen Fläche mit dem Gelände.= Diese

Aufgabe kommt in der Geologie vor, wenn es sich darum handelt, die

Ausstrichlinie einer gefalteten Schicht (Sattelfalte) zu ermitteln.

Durch die Beobachtung gefunden seien das Streichen und Einfallen

der Schicht an irgendeinem Punkte, d. h. Streichen und Fallen der

Zylindergeraden; ferner sei gegeben ein scheinbares Profil der

Schicht, d. h. die Schnittkurve des Zylinders mit einer beliebig

gegebenen Ebene. In der Fig. 79 sei _g_ eine Zylindergerade, deren

Graduierung aus dem beobachteten Streichen und Fallen ermittelt sei.

Der Gefällemaßstab der Ebene des aufgenommenen Profils _p_ sei (_E_),

ebenfalls aus den beobachteten Daten konstruiert. Um die gesuchte

Schnittkurve zu zeichnen, bestimme man zunächst die Höhenlinien des

Zylinders. Zu dem Zwecke ziehe man durch die Punkte des scheinbaren

Profils _p_, das durch die Streichlinien seiner Ebene (_E_) gestuft

ist, die erzeugenden Geraden des Zylinders, d. h. man ziehe Parallelen

zu _g_, und graduiere diese, von den Punkten des Profils _p_ ausgehend,

mit dem gleichen Intervalle wie _g_. Die Verbindung der Punkte gleicher

Höhenzahlen dieser Geraden ergibt die erwähnten Schichtlinien (in der

Figur gestrichelt); sie sind untereinander kongruent und gehen aus

einer von ihnen durch Parallelverschiebung längs der Richtung _g_

hervor (vgl. § 21). Sie schneiden die gleichkotierten Höhenlinien des

Geländes in Punkten der gesuchten Grenzkurve.

[Illustration: Fig. 79.]

Wenn man sich aus steifem Papier ein Muster der Schichtlinie des

Zylinders ausschneidet und darauf mindestens zwei Punkte bezeichnet,

durch die die entsprechenden Mantelgeraden gehen sollen, so kann

man sich damit die Konstruktion der Grenzkurve sehr erleichtern.

Denn durch Parallelverschiebung des Musters längs zweier gestufter

Mantelgeraden kann man die Schnittpunkte der Geländeschichtlinien mit

den gleichkotierten des Zylinders unmittelbar finden, ohne erst diese

zeichnen zu müssen.

§ 78. =Um eine gegebene Geländefläche einen Zylinder mit wagerechten

Mantelgeraden zu umschreiben.= Die Richtung _g_ der wagerechten

Mantelgeraden des Zylinders sei gegeben. Man hat dann nur an die

Schichtlinien der Geländefläche Tangenten zu legen, die der gegebenen

Richtung parallel sind. Der geometrische Ort der Berührungspunkte ist

die Berührungskurve der Fläche und des Zylinders. Sie ist der _Umriß_

der Fläche, wenn diese in der gegebenen Richtung aus sehr weiter Ferne

betrachtet wird (Fig. 80 gestrichelt).

[Illustration: Fig. 80.]

[Illustration: Fig. 81.]

§ 79. =Durch eine gegebene wagerechte Gerade die Berührungsebenen an

eine Geländefläche zu legen.= Die gesuchten Berührungsebenen stimmen

mit denen überein, die sich durch dieselbe Gerade _g_ an den der

Fläche umschriebenen Zylinder legen lassen, dessen Mantelgeraden

ebenfalls wagerecht und zu _g_ parallel sind. Man konstruiere also

diesen Zylinder, wie in § 78 angegeben. Man lege weiter senkrecht zu

den Mantelgeraden ein Querprofil (§ 54). Es wird auch die gegebene

Gerade _g_ in einem bestimmten Punkte schneiden. Die Tangenten von

diesem Punkte an das Querprofil sind die Durchschnittsgeraden der

gesuchten Berührungsebenen mit der Querschnittsebene. Daraus sind die

Berührungspunkte und die Gefällemaßstäbe der Berührungsebenen leicht zu

entnehmen (Fig. 80 u. 81).

§ 80. =Umschriebener Zylinder mit beliebig gegebener Richtung der

Mantelgeraden.= Die gegebene Richtung sei durch eine gestufte Gerade

_g_ dargestellt. Man legt parallel zu ihr eine genügende Anzahl

Vertikalschnitte durch die gegebene Geländefläche, zeichnet die

zugehörigen Profile (§ 54) und legt an sie Tangenten in Richtung der

gegebenen Geraden. Die Berührungspunkte _B_ überträgt man aus der

Profilzeichnung wieder in die Karte der Fläche und erhält so darin

diejenige Kurve _b_, möglicherweise mehrere, längs denen der oder die

Zylinder die Fläche berühren (Fig. 82 und 83). In der Figur sind vier

zu _g_ parallele Querprofile gezeichnet, die mit 1 bis 4 angemerkt

sind; der Deutlichkeit wegen ist 3 um 30 und 4 um 10 Höheneinheiten

niedriger gelegt, als der Wirklichkeit entspricht. An jedes Profil

lassen sich hier zwei zu _g_ parallele Tangenten legen, es kommen also

je zwei Berührungspunkte _B_, zwei Berührungskurven _b_ und daher auch

zwei Zylinder zum Vorschein, von denen der eine von unten, der andere

von oben der Fläche umschrieben ist.

Überträgt man zu den Berührungspunkten _B_ auch ihre Höhenzahlen aus

der Profilzeichnung, so läßt sich sehr leicht für jeden Zylinder die

Schar der Schichtlinien konstruieren. Da jede Schar aus kongruenten

Kurven besteht, die auseinander durch Parallelverschiebung längs der

Richtung _g_ hervorgehen, so genügt es, je eine der Schichtlinien

zu zeichnen. Man hat zu dem Zweck durch die Punkte _B_ die zu _g_

parallelen Erzeugenden zu ziehen und sie, von _B_ ausgehend mit

demselben Intervall wie _g_ zu graduieren. Die Verbindungslinien der

Punkte gleicher Höhenzahlen ergeben die gesuchten Schichtlinien _s_; in

der Figur ist für den einen Zylinder die Schichtlinie _s_ = 110, für

den anderen die Schichtlinie _s_ = 50 gezeichnet worden.

[Illustration: Fig. 82.]

§ 81. =Berührungsebene.= Man kann die eben ausgeführte Konstruktion des

umgeschriebenen Zylinders benutzen, um an eine gegebene Geländefläche

eine Berührungsebene zu legen, die durch eine gegebene Gerade geht.

– Ist _g_ die gegebene Gerade, so konstruiert man zunächst, wie

eben gezeigt, den umschriebenen Zylinder, dessen Mantelgeraden die

Richtung _g_ haben. Eine Schichtlinie _s_ dieses Zylinders genügt zur

Konstruktion der gesuchten Berührungsebene. Denn zieht man von dem

Punkte der gegebenen Geraden _g_, der genau die Höhe _s_ hat, an die

Schichtlinie _s_ die Tangente (in der Figur 82: _s_ = 110 und _s_ =

50, Berührungspunkte _T_), so ist diese eine Streichlinie der durch

_g_ gehenden Berührungsebene des Zylinders. Diese Berührungsebene

berührt aber auch die gegebene Geländefläche, und man findet ihren

Berührungspunkt _B^*_ als Schnittpunkt der Mantelgeraden _TB^*_ mit der

Berührungskurve _b_. In der Figur sind zwei solche Berührungspunkte

(_B^*_ und _W_) und demnach zwei verschiedene Berührungsebenen

vorhanden; ihre Gefällemaßstäbe (in der Figur angegeben) sind leicht zu

zeichnen.

§ 82. =Andere Konstruktion des umschriebenen Zylinders und der

Berührungsebene.= Die eben auseinandergesetzte Konstruktion der

Berührungsebene ist wegen der zahlreichen Querschnitte, die zu zeichnen

sind, wenig bequem und auch wenig genau; doch ist sie, etwa zur Prüfung

des folgenden Verfahrens, dann gut brauchbar, wenn man die ungefähre

Lage der Berührungspunkte kennt und daher mit wenigen Vertikalschnitten

auskommt.

[Illustration: Fig. 83.]

Der zweite Weg zur Lösung der Aufgabe, an eine Geländefläche eine

Berührungsebene zu legen, die durch eine gegebene Gerade geht, ist

zwar etwas weniger leicht verständlich, aber zeichnerisch einfacher

und meist auch genauer als der obige. – Wenn man von den Punkten

der gegebenen Geraden _g_ an die gleichkotierten Schichtlinien der

Fläche Tangenten legt, so stellen diese die Schichtlinien einer

geradlinigen Fläche dar, die durch die Gerade _g_ geht und die

Geländefläche berührt. Die Berührungskurve (_hh_ in der Fig. 82) ist

als Ort der Berührungspunkte leicht zu zeichnen. Auf ihr muß auch

der Berührungspunkt der gesuchten Tangentialebene liegen; und da

diese durch _g_ geht, ist sie auch berührende Ebene der geradlinigen

Hilfsfläche und hat mit ihr die durch den Berührungspunkt gehende

Gerade _ḡ_ gemeinsam, die, da sie horizontal verläuft, zugleich eine

ihrer Schichtlinien ist. Demnach ist die Aufgabe gelöst, wenn die durch

_g_ gehenden Berührungsebenen der Hilfsfläche gefunden sind.

Man betrachte nun alle durch _g_ gehenden Ebenen, das Ebenenbüschel

mit der Achse _g_; jede von ihnen ist bestimmt durch den Winkel, den

sie mit einer festen ebenfalls durch _g_ gehenden Ebene bildet, etwa

derjenigen (_E_), auf der _g_ eine Fallinie ist. Jede der Ebenen ist

daher auch bestimmt durch den Winkel α, den ihre Streichlinien mit

denen der genannten festen Ebene (_E_) bilden, d. h. mit der zu _g_

senkrechten Richtung.

Zu diesen Ebenen gehören auch alle solche, deren Streichlinien zugleich

der geradlinigen Hilfsfläche angehören, also auch die gesuchten

Berührungsebenen. Man fasse eine solche Ebene ins Auge und verfolge

den Verlauf der geradlinigen Hilfsfläche in der Nähe der Geraden _ḡ_,

die sie mit der Ebene gemeinsam hat. Dann sind drei Möglichkeiten

vorhanden: entweder berührt die Ebene die Fläche von unten, dann

liegen die zu _ḡ_ benachbarten Geraden der Fläche sämtlich oberhalb

der Ebene; oder die Ebene berührt die Fläche von oben, dann verlaufen

die zu _ḡ_ benachbarten Geraden der Fläche sämtlich unterhalb der

Ebene; oder drittens die Ebene durchsetzt berührend die Fläche in

der Geraden _ḡ_, was eintritt, wenn die Fläche hier sattelförmig

verläuft. Im erstgenannten Falle ist der oben erwähnte Winkel α für

die Berührungsebene kleiner als für benachbarte durch _g_ gehende

Ebenen; im zweiten Falle ist er größer. In diesen beiden Fällen wird

man demnach zur Konstruktion der Berührungsebenen die Veränderungen des

Winkels α zu verfolgen haben, den die von Punkten der Geraden _g_ an

die gleichkotierten Schichtlinien der Fläche gezogenen Berührenden mit

der auf _g_ senkrechten Richtung einschließen, und darunter diejenigen

Winkel auszusuchen haben, die größer oder kleiner als die benachbarten

sind, d. h. die ein Maximum oder Minimum bilden. Das Aussuchen dieser

größten und kleinsten Werte des Winkels α nach dem Augenmaß erfordert

ziemliche Übung, wenn die danach ausgeführte Konstruktion einigermaßen

genau sein soll. Man lege dann ein Zeichendreieck gegen _g_ unter dem

Winkel α an, den man als größten oder kleinsten geschätzt hat, und

prüfe durch Parallelverschieben des Dreiecks längs eines zweiten die

Richtigkeit der Schätzung.

§ 83. =Gebrauch einer Hilfskurve.= Durch die folgende Überlegung und

das Zeichnen einer Hilfskurve kommt man genauer zum Ziel (Fig. 82).

Statt den Verlauf des Winkels α selber kann man nämlich auch den

Verlauf einer stetigen Funktion von α, etwa tg α verfolgen, z. B.

indem man eine zu tg α proportionale Strecke jedesmal als Ordinate zur

Höhenzahl als Abszisse aufträgt, die die zugehörige Streichlinie hat.

Zu dem Zweck ziehe man in einem beliebigen nicht zu kleinen Abstand zu

_g_ eine Parallele _g'_; das rechtwinklige Dreieck _kAC_, das bestimmt

wird durch den auf _g_ gelegenen Punkt der Höhe _k_ und die durch ihn

gehenden Streichlinien _Ck_ der Hilfsfläche und _Ak_ (senkrecht auf

_g_) der Ebene (_E_), ergibt

_CA_ = _kA_ · tg α,

und da für alle so entstehenden Dreiecke die entsprechenden Stücke

_kA_ konstante Längen haben, so sind die _CA_ entsprechenden Stücke

proportional zu tg α. Man trägt die Stücke _CA_ von _A_ aus auf _kA_

ab (_C₁A_ = _CA_) und erhält so eine Kurve (1), die den Verlauf von

tg α wiedergibt. Die Maxima, Minima dieser Kurve und, für den erwähnten

dritten Fall einer sattelförmigen Berührung, die Wendepunkte mit einer

zu _g_ parallelen Tangente geben diejenigen Werte von _kA_ · tg α,

zu denen eine einer Berührungsebene zukommende Streichlinie der

Hilfsfläche gehört. Um sie zu zeichnen, hat man nur durch einen solchen

Punkt _M₁_ der Kurve eine Senkrechte _k_{m}M₁D_ zu _g_, _g'_ zu ziehen,

_DE_ = _DM₁_ zu machen, dann ist _k_{m}E_ die gesuchte Streichlinie;

sie schneidet die Berührungskurve _hh_ im Berührungspunkte _B_

der gesuchten Berührungsebene, deren Gefällemaßstab danach leicht

herzustellen ist. Dieselbe Konstruktion ist bei dem Wendepunkt _W₁_

ausgeführt: man zieht _k_{w}W₁G_ senkrecht zu _g_, _g'_, macht _GH_ =

_GW₁_ und zieht _k_{w}H_, die Streichlinie der gesuchten berührenden

Ebene, wodurch zugleich deren Berührungspunkt _W_ als Schnitt mit

der Kurve _hh_ erhalten wird. Die Genauigkeit der Konstruktion kann

noch leicht verbessert werden, wenn man die symmetrische Kurve (2)

zeichnet; man macht _C₂A_ = _CA_ usw.

Übrigens ist noch eine dritte Kontrolle für die gesuchten

Berührungspunkte dadurch gegeben, daß die Berührungskurve _hh_ der

Hilfsfläche und die Berührungskurven _b_ der umschriebenen Zylinder

(§ 80) sich in den gesuchten Punkten _B^*_ und _W_ schneiden müssen.

§ 84. =Schattengrenze.= Wenn die als parallel anzunehmenden

Sonnenstrahlen ein hügeliges Gelände in einer gegebenen Richtung

bescheinen, so liegt ein Teil des Geländes im Schatten. Die Grenze

dieses Schattens ist die Schnittkurve der Geländefläche mit dem

Zylinder, der ihr in der Richtung der Strahlen von oben umschrieben

werden kann. Nachdem man diesen Zylinder nach § 80 oder 82 bestimmt

hat, wozu eine Schichtlinie und zwei gestufte Mantelgeraden genügen,

findet man die gesuchte Schnittkurve mit dem Gelände nach § 77,

am einfachsten nach dem Verfahren des verschiebbaren Musters. Der

Leser führe die Konstruktion an der Fig. 82 aus: mindestens zwei der

Mantelgeraden 1 bis 4 sind zu stufen, indem von der Schichtlinie _s_ =

110 des oberen Zylinders das Intervall von _g_ wiederholt abgetragen

wird; von der genannten Schichtlinie ist auf steifem Papier ein

Muster zu verfertigen, dieses von Stufe zu Stufe der Mantelgeraden zu

verschieben, die Schnittpunkte mit den gleichkotierten Schichtlinien

des Geländes sind aufzusuchen und diese Punkte durch eine glatte Kurve

zu verbinden. Die Schattengrenze wird hier im unteren Teile der Fig. 82

gelegen sein.

§ 85. =Von einem gegebenen Punkte an eine Geländefläche den

Berührungskegel zu zeichnen. Scheinbarer Umriß, Horizont.= Eine

Lösung dieser Aufgabe liegt auf der Hand: man führt durch den im

Raume gegebenen Punkt _A'_ genügend viele Vertikalschnitte, zeichnet

die zugehörigen Profile der Fläche und legt an diese von _A'_ aus

Tangenten; die Berührungspunkte, in die Karte übertragen, ergeben

die gesuchte Berührungskurve. Zweckmäßig nimmt man die Profile, die

in der Karte durch die Tangenten von _A_, der Projektion von _A'_,

an die Schichtlinien der Fläche bestimmt sind, weil man an ihnen

am leichtesten verfolgen kann, wie weit es nötig ist, die Profile

wirklich zu zeichnen. Aber dieses Verfahren ist aus denselben Gründen,

wie sie oben beim umschriebenen Zylinder (§ 82) angegeben wurden,

praktisch wenig bequem und von geringer Genauigkeit. Folgender Weg ist

bequemer, oft auch genauer. Er beruht auf einer Überlegung, die eine

Erweiterung der in § 82 angegebenen darstellt.

[Illustration: Fig. 84.]

Darstellende Geometrie des Geländes und verwandte Anwendungen der Methode der kotierten Projektionen · 第 4 / 7 段