IV.

Es war an einem Sonntag.

Der Regen hatte aufgehört. Ein frischer Wind fuhr über die herbstlichen

Felder. Weit und mächtig spannte sich der blaue Himmel aus, und über

Baum und Strauch, Weg und Steg lag heller Sonnenschein.

Von der Stationsuhr des winzigen Sekundärbahnhofs von Boltenhagen schlug

es elf. -- Um diese Stunde mußte Wilms' junge Schwägerin eintreffen.

Hinter dem Bretterverschlag, welcher den Warteraum vorstellte, obwohl er

vollständig unbedeckt war und mitten auf freiem Felde lag, hielt der

Pächter bereits seit einer Viertelstunde mit einem bequemen Korbwagen

und blickte nachdenklich auf die glänzenden Schienen, die im

Sonnenlichte gleißten und funkelten.

Er dachte daran, ob ihm auf dem eisernen Wege wohl etwas Gutes entgegen

rollen würde? Ob er in Hedwig jene Stütze und Hilfe finden könnte, die

er suchte? -- Merkwürdig, so oft er an das Mädchen dachte, befiel ihn

wieder dasselbe unangenehme Gefühl, das sie ihm als Kind bereits

eingeflößt. -- -- Aber sie konnte sich doch in der Zwischenzeit geändert

haben. Zwei Jahre bewirkten ja viel, und sie hatte gewiß in der

Stralsunder Pension sich außerordentlich vervollkommnet. Natürlich, es

war lächerlich, immerfort an dieser instinktiven Abneigung

herumzugrübeln.

Die Last(#18231) · 第 6 / 38 题