Es war an einem Sonntag.
Der Regen hatte aufgehört. Ein frischer Wind fuhr über die herbstlichen
Felder. Weit und mächtig spannte sich der blaue Himmel aus, und über
Baum und Strauch, Weg und Steg lag heller Sonnenschein.
Von der Stationsuhr des winzigen Sekundärbahnhofs von Boltenhagen schlug
es elf. -- Um diese Stunde mußte Wilms' junge Schwägerin eintreffen.
Hinter dem Bretterverschlag, welcher den Warteraum vorstellte, obwohl er
vollständig unbedeckt war und mitten auf freiem Felde lag, hielt der
Pächter bereits seit einer Viertelstunde mit einem bequemen Korbwagen
und blickte nachdenklich auf die glänzenden Schienen, die im
Sonnenlichte gleißten und funkelten.
Er dachte daran, ob ihm auf dem eisernen Wege wohl etwas Gutes entgegen
rollen würde? Ob er in Hedwig jene Stütze und Hilfe finden könnte, die
er suchte? -- Merkwürdig, so oft er an das Mädchen dachte, befiel ihn
wieder dasselbe unangenehme Gefühl, das sie ihm als Kind bereits
eingeflößt. -- -- Aber sie konnte sich doch in der Zwischenzeit geändert
haben. Zwei Jahre bewirkten ja viel, und sie hatte gewiß in der
Stralsunder Pension sich außerordentlich vervollkommnet. Natürlich, es
war lächerlich, immerfort an dieser instinktiven Abneigung
herumzugrübeln.