der »Helderenbergh«, begleitet von zwei kleineren Schiffen, vor dem
Hafen von Lyme. Diese Stadt ist ein kleiner Knäuel von steilen und engen
Gassen und liegt an einer wilden, felsigen, von einer stürmischen See
gepeitschten Küste. Der Ort war damals besonders wegen eines Dammes
bekannt, der aus unbehauenen und nicht durch Mörtel verkitteten Steinen
zur Zeit der Plantagenets errichtet worden war. Dieses alte, unter dem
Namen Cob bekannte Bauwerk verschloß den auf einer Strecke von vielen
Meilen einzigen Hafen, in den sich die Fischer vor den Stürmen des
Kanals flüchten konnten.
Das Erscheinen der drei Schiffe von fremder Bauart und ohne Flagge
machte die Bewohner von Lyme bestürzt, und die Besorgniß nahm zu, als es
sich zeigte, daß die Zollbeamten, welche dem Gebrauche gemäß an Bord
gegangen waren, nicht zurückkamen. Die ganze Bevölkerung eilte auf die
Klippen und blickte lange ängstlich hinaus, konnte aber keine Lösung des
Räthsels finden. Endlich stießen von dem größten der drei Schiffe sieben
Böte ab und ruderten ans Ufer, wo sie ungefähr achtzig wohl bewaffnete
und ausgerüstete Männer aussetzten. Unter ihnen befanden sich Monmouth,
Grey, Fletcher, Ferguson, Wade und Anton Buyse, ein Offizier, der im
Dienste des Kurfürsten von Brandenburg gestanden hatte[42].
Monmouth gebot Ruhe, kniete am Strande nieder, dankte Gott, daß er die
Freunde der Freiheit und des reinen Glaubens vor den Gefahren der See
behütet, und erflehte den göttlichen Segen für das, was noch am Lande zu
thun sei. Dann zog er sein Schwert und führte seine Leute über die
Klippen in die Stadt.
Sobald es bekannt wurde, unter welchem Führer und in welcher Absicht die
Expedition kam, durchbrach die Begeisterung des Volks alle Schranken.
Die kleine Stadt war in der heftigsten Aufregung, die Leute liefen hin
und her und jubelten laut: »Monmouth! Monmouth! die protestantische
Religion!« Mittlerweile ward die Fahne der Abenteurer, eine blaue
Flagge, auf dem Marktplatze aufgepflanzt, die Kriegsvorräthe wurden im
Stadthause untergebracht und vom Kreuze herab eine Erklärung verlesen,
in der die Zwecke der Unternehmung auseinandergesetzt waren[43].
[Anmerkung 42: Man sehe Bunse's Aussage gegen Monmouth und
Fletcher in der +Collection of State Trials+.]
[Anmerkung 43: +Journals of the House of Commons. June 13. 1685.
Harl. MS. 6845+; +Lansdowne MS. 1152.+]
[_Seine Erklärung._] Diese Erklärung, das Meisterstück von Ferguson's
Genie, war nicht ein ernstes Manifest, wie es von einem Anführer
erlassen werden muß, der für eine große öffentliche Sache das Schwert
zieht, sondern es war nach Inhalt und Sprache ein Libell der gemeinsten
Art[44]. Sie enthielt zwar manche wohlbegründete Angriffe gegen die
Regierung, aber diese Angriffe waren in dem weitschweifigen und
dünkelhaften Style eines schlechten Pamphlets abgefaßt und das Manifest
enthielt andere Beschuldigungen, deren ganze Schmach auf Die
zurückfällt, die sie erhoben. Es wurde mit Bestimmtheit versichert, der
Herzog von York habe London in Brand gesteckt, Godfrey erdrosselt, Esser
die Kehle abgeschnitten und den verstorbnen König vergiftet. Auf Grund
dieser abscheulichen und unnatürlichen Verbrechen, und hauptsächlich der
letztgenannten gräßlichen That, des haarsträubenden, barbarischen
Brudermordes -- so wortreich und glücklich gewählt war Ferguson's
Sprache -- wurde Jakob für einen gefährlichen, blutdürstigen Feind, für
einen Tyrannen, Mörder und Usurpator erklärt. Man werde sich in keine
Unterhandlungen mit ihm einlassen und das Schwert nicht eher wieder in
die Scheide stecken, als bis er seine verdiente Strafe als Verräther
erhalten habe. Die Regierung solle auf Grundlagen basirt werden, die der
Freiheit günstig wären; alle protestantischen Sekten sollten geduldet,
die entzogenen Freibriefe zurückgegeben, alljährlich ein Parlament
gehalten und fernerhin nicht mehr durch königliche Laune prorogirt oder
aufgelöst werden. Das einzige stehende Heer sollte die Miliz sein, die
Miliz sollte von den Sheriffs befehligt und diese von den Freisassen
gewählt werden. Schließlich erklärte Monmouth, er könne es beweisen, daß
er in rechtmäßiger Ehe geboren und daß er dem Geburtsrechte nach König
von England sei, daß er aber für jetzt auf seine Ansprüche verzichten,
sie der Beurtheilung eines freien Parlaments anheim geben und bis dahin
nur als Oberbefehlshaber der gegen Tyrannei und Papismus aufgestandenen
Protestanten betrachtet sein wolle.
[Anmerkung 44: +Burnet I. 641.+; Goodenough's Geständniß in den
+Lansdowne MS. 1152.+ Originalabdrücke der Erklärung sind sehr
selten; einer befindet sich im Britischen Museum.]
[_Seine Popularität im Westen Englands._] So entehrend dieses Manifest
auch für Die war, von denen es ausging, so war es doch zu dem Zwecke,
die Leidenschaften des großen Haufens aufzustacheln, nicht ungeschickt
abgefaßt. Im Westen machte es großen Eindruck. Zwar waren die Gentry und
der Klerus in diesem Theile des Landes mit wenigen Ausnahmen Tories,
aber die Freisassen, die Kaufleute in den Städten, das Landvolk und die
Handwerker waren größtentheils von dem alten Geiste der Rundköpfe
beseelt. Viele von ihnen waren Dissenters und durch kleinliche
Verfolgungen in eine Stimmung versetzt, die sie zu einem verzweifelten
Unternehmen geneigt machte. Die große Masse der Bevölkerung verabscheute
den Papismus und liebte Monmouth. Er war kein Fremder für sie, seine
Reise durch Somersetshire und Devonshire im Sommer 1680 war noch bei
Jedermann in frischem Andenken. Er war bei dieser Gelegenheit von Thomas
Thynne in Longleat Hall, damals und vielleicht jetzt noch dem
prächtigsten Landsitze in England, mit verschwenderischem Aufwande
bewirthet worden. Von Longleat bis Exeter waren alle Hecken und Zäune
mit jauchzenden Zuschauern bedeckt, die Landstraßen mit Zweigen und
Blumen bestreut; die Menge riß in dem Eifer, ihren Liebling zu sehen und
zu berühren, die Umzäunungen der Parke nieder und belagerte die
Schlösser, in denen er bewirthet wurde. Als er in Chard ankam, bestand
sein Gefolge aus fünftausend Reitern; in Exeter hatte sich ganz
Devonshire versammelt, um ihn zu begrüßen. Ganz besonderes Aufsehen
erregte bei dem Triumphzuge eine Schaar von neunhundert jungen Männern
in weißer Uniform, welche vor ihm her in die Stadt marschirten[45]. Der
Wechsel des Geschicks, der die Gentry seiner Sache entfremdet hatte, war
bei dem gemeinen Mann ohne Wirkung geblieben; für diesen war er noch
immer der gute Herzog, der protestantische Herzog, der rechtmäßige
Thronerbe, den eine heimtückische Verschwörung seines Eigenthums beraubt
hatte. Das Volk schaarte sich in Massen um seine Fahne; alle Schreiber,
die er hatte auftreiben können, reichten nicht hin, um die Namen der
Rekruten niederzuschreiben, und noch ehe er vierundzwanzig Stunden auf
englischem Boden war, sah er sich schon an der Spitze von
fünfzehnhundert Mann. Dare langte mit vierzig Reitern von nicht sehr
martialischem Aussehen von Taunton an und brachte ermuthigende
Nachrichten über die öffentliche Stimmung in Somersetshire. Bis jetzt
schien Alles einen glücklichen Erfolg zu versprechen[46].
In Bridport aber sammelte sich eine Streitmacht, um den Insurgenten
Widerstand zu leisten. Am 13. Juni rückte das rothe Regiment der Miliz
von Dorsetshire in jene Stadt ein, und das Regiment von Somersetshire
oder das gelbe Regiment, dessen Oberst, Sir Wilhelm Portman, ein
angesehener Tory war, wurde am folgenden Tage erwartet[47]. Der Herzog
beschloß, sofort loszuschlagen. Schon rüstete sich eine Abtheilung
seiner Truppen zum Aufbruch nach Bridport, da brachte ein unglücklicher
Vorfall das ganze Lager in Verwirrung.
Fletcher von Saltoun war zum Befehlshaber der Reiterei unter Grey
ernannt worden. Er war schlecht beritten, wie sich überhaupt wenige
Pferde im Lager befanden, die nicht vom Pfluge genommen waren. Als er
nach Bridport commandirt wurde, glaubte er, daß der Drang der Umstände
ihn berechtige, ein Dare gehörendes schönes Pferd zu leihen, ohne erst
deshalb um Erlaubniß zu fragen. Dare war entrüstet über diese
Eigenmächtigkeit und überhäufte Fletcher mit groben Beleidigungen.
Fletcher blieb ruhiger als Jeder, der ihn kannte, es erwartet hätte.
Endlich aber wagte es Dare, auf die Geduld, mit der seine
Unziemlichkeiten hingenommen wurden, pochend, gegen den hochadeligen und
stolzen Schotten die Reitgerte zu erheben. Dies brachte Fletcher's Blut
zum Sieden. Er zog ein Pistol hervor und schoß Dare nieder. Eine so
summarische und gewaltthätige Rache würde in Schottland nicht
aufgefallen sein, wo das Gesetz von jeher schwach gewesen war, wo
Derjenige, der sich nicht mit eigner Faust Recht verschaffte, wenig
Aussicht hatte, überhaupt Recht zu bekommen, und wo daher ein
Menschenleben fast eben so wohlfeil war, als in den am schlechtesten
regierten Provinzen Italiens. Im südlichen Theile der Insel aber war das
Volk noch nicht gewohnt, um eines harten Wortes oder einer heftigen
Geberde willen tödtliche Waffen gebrauchen und Blut vergießen zu sehen,
außer im Zweikampf unter Gentlemen mit gleichen Waffen. So erhob sich
denn ein allgemeines Geschrei nach Rache gegen den Fremden, der einen
Engländer ermordet habe, Monmouth konnte sich dem Verlangen nicht
widersetzen und Fletcher, der, nachdem der erste Ausbruch seines Zornes
sich gelegt hatte, von Reue und Angst ergriffen wurde, flüchtete sich
auf den »Helderenbergh«, entkam glücklich auf das Festland und begab
sich nach Ungarn, wo er tapfer gegen den gemeinsamen Feind der
Christenheit focht[48].
[Anmerkung 45: +Historical Account of the Life and magnanimous
Actions of the most illustrious Protestant Prince James, Duke of
Monmouth, 1683.+]
[Anmerkung 46: +Wade's Confession, Hardwicke Papers+; +Axe
Papers+; +Harl. MS. 6845.+]
[Anmerkung 47: +Harl. MS. 6845.+]
[Anmerkung 48: Buyse's Aussage in der +Collection of State
Trials+; +Burnet I. 642+; Ferguson's +MS.+, citirt von Eachard.]
[_Zusammenstoß der Rebellen mit der Miliz in Bridport._] Bei der Lage
der Insurgenten war der Verlust eines Mannes von Talent und Energie
nicht leicht zu ersetzen. Am frühen Morgen des folgenden Tages, dem 14.
Juni, brach Grey in Begleitung Wade's mit fünfhundert Mann auf, um
Bridport anzugreifen. Es fand ein verworrenes und unentschieden
bleibendes Gefecht statt, wie es zwischen zwei Haufen von Bauern, die
von Landedelleuten und Advokaten befehligt wurden, nicht anders zu
erwarten war. Eine Zeit lang drängten Monmouth's Leute die Miliz zurück;
dann aber hielt diese wieder Stand und erstere ergriffen in ziemlicher
Verwirrung die Flucht. Grey und seine Reiter hielten nicht eher an, als
bis sie in Lyme wieder in Sicherheit waren; Wade dagegen sammelte das
Fußvolk und führte es in guter Ordnung zurück[49].
Alles murrte laut gegen Grey, und einige von den Abenteurern drangen in
Monmouth, ein strenges Exempel zu statuiren. Monmouth aber wollte davon
nichts hören. Einige Schriftsteller haben diese Nachsicht seiner
Gutmüthigkeit zugeschrieben, die allerdings oft an Schwäche grenzte;
andere vermuthen, daß er nicht hart gegen den einzigen Peer verfahren
wollte, der in seiner Armee diente. Es ist jedoch wahrscheinlich, daß
der Herzog, der zwar kein ausgezeichneter General war, aber doch
jedenfalls vom Kriege viel mehr verstand als die Priester und Advokaten,
die ihm ihren Rath aufdringen wollten, Rücksichten nahm, an welche
Leute, die in militairischen Angelegenheiten durchaus unerfahren sind,
allerdings nie gedacht hätten. Um einem Manne, der wenig Vertheidiger
gehabt hat, Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, muß bemerkt werden, daß
die Lord Grey während des ganzen Feldzugs zugetheilte Aufgabe von der
Art war, daß er sie, selbst wenn er der kühnste und geschickteste Soldat
gewesen wäre, kaum in einer Weise hätte lösen können, die ihm zum Ruhme
gereichte. Er stand an der Spitze der Reiterei; es ist aber eine
allbekannte Sache, daß ein Kavalerist viel längerer Übung bedarf als ein
Fußsoldat, und daß ein Kavaleriepferd eine noch viel längere Schule
braucht als sein Reiter. Mit einer ungeübten Infanterie, wenn sie von
Begeisterung und physischem Muthe beseelt ist, kann allenfalls etwas
ausgerichtet werden; aber es kann nichts Unbeholfeneres geben als eine
aus Landwirthen und Handelsleuten auf Karrengäulen und Postpferden
bestehende ungeübte Reiterei; und von solcher Art war die, welche Grey
befehligte. Nicht darüber muß man sich wundern, daß diese Leute im Feuer
nicht entschlossen Stand hielten und daß sie nicht tüchtig von ihren
Waffen Gebrauch machten, sondern darüber, daß sie sich überhaupt nur im
Sattel zu erhalten vermochten.
Noch immer langten Rekruten zu Hunderten an, den ganzen Tag wurde
bewaffnet und einexercirt. Inzwischen hatte sich die Nachricht von dem
Aufstande rasch und weit verbreitet. Noch denselben Abend, an welchem
der Herzog gelandet war, schickte der Mayor von Lyme, Gregor Alford, ein
eifriger Tory und ungemein heftiger Verfolger der Nonconformisten, seine
Diener aus, um die Gentry von Somersetshire und Dorsetshire zu
alarmiren, während er selbst zu Pferde nach dem Westen eilte. Spät in
der Nacht hielt er in Honiton an und schickte von dort einige flüchtig
hingeworfene Zeilen mit der schlimmen Botschaft nach London[50]. Dann
eilte er weiter nach Exeter, wo er Christoph Monk, Herzog von Albemarle
fand. Dieser Edelmann, der Sohn und Erbe Georg Monk's, des
Wiederherstellers der Stuarts, war Lordlieutenant von Devonshire und
hielt damals gerade Musterung über die Miliz. Er hatte zur Zeit
viertausend Mann zu seiner Verfügung, und mit dieser Streitmacht glaubte
er den Aufstand mit einem Schlage unterdrücken zu können. Er marschirte
deshalb nach Lyme.
[Anmerkung 49: +London Gazette, June 18. 1685+; +Wade's
Confession+; +Hardwicke Papers.+]
[Anmerkung 50: +Lords' Journals, June 13. 1685.+]
[_Gefecht zwischen den Rebellen und der Miliz bei Axminster._] Als er
aber am Montag Nachmittag den 15. Juni Axminster erreichte, fand er die
Insurgenten schlagfertig aufgestellt, um ihn zu empfangen. Sie zeigten
ihm eine sehr achtunggebietende Fronte; vier Feldstücke waren gegen die
königlichen Truppen gerichtet und die dichten Hecken, welche zu beiden
Seiten die enge Straße beschatteten, waren mit Musketieren besetzt. Die
Vorkehrungen des Feindes beunruhigten jedoch Albemarle weniger als der
Geist, der sich in seinen eigenen Reihen zu äußern begann. Monmouth war
bei dem gemeinen Volke von Devonshire so beliebt, daß die ganze Miliz
wahrscheinlich in Masse zu ihm überging, sobald sie Monmouth's
wohlbekanntes Gesicht und seine Gestalt erblickte.
Albemarle hielt es daher trotz seiner großen Übermacht an Streitkräften
für rathsam, sich zurückzuziehen. Der Rückzug verwandelte sich bald in
wilde Flucht. Die ganze Gegend war mit den Waffen und Uniformstücken
besäet, welche die Fliehenden weggeworfen hatten, und hätte Monmouth die
Verfolgung mit Nachdruck betrieben, so würde er Exeter wahrscheinlich
ohne Schwertstreich genommen haben. Aber er war mit dem errungenen
Vorteile zufrieden und hielt es für wünschenswerth, seine Rekruten erst
besser einzuüben, bevor er sie zu gewagten Unternehmungen verwendete. Er
marschirte daher nach Taunton, wo er am 18. Juni, gerade eine Woche nach
seiner Landung eintraf[51].
[Anmerkung 51: +Wade's Confession+; +Ferguson MS.+; +Axe Papers+;
+Harl. MS. 6845+; +Oldmixon, 701, 702.+ Oldmixon, welcher damals
ein Knabe war, lebte in unmittelbarer Nähe des Schauplatzes der
Ereignisse.]
[_Die Nachricht von dem Aufstande kommt nach London._] Der Hof und das
Parlament waren über die Nachrichten aus dem Westen nicht wenig
erschrocken. Am Sonnabend den 13. Juni um fünf Uhr Morgens hatte der
König den Brief erhalten, den der Mayor von Lyme von Honiton an ihn
abgesandt. Der Geheime Rath wurde augenblicklich zusammenberufen; es
wurden Befehle gegeben, daß die Infanterieregimenter und die
Reiterschwadronen verstärkt werden sollten, und Commissionen zur
Aushebung neuer Mannschaften ernannt.
[_Loyalität des Parlaments._] Alford's Bericht ward den Lords vorgelegt
und der wesentliche Inhalt desselben den Gemeinen mitgetheilt. Diese
untersuchten die aus dem Westen angelangten Nachrichten und brachten
sogleich eine Bill ein, weiche Monmouth wegen Hochverraths verurtheilte.
Adressen wurden votirt, die den König versicherten, daß seine Peers
sowohl wie auch sein Volk entschlossen seien, ihm mit Gut und Blut gegen
seine Feinde beizustehen. In ihrer nächsten Sitzung verfügten die beiden
Häuser, daß die Erklärung der Rebellen durch den Henker verbrannt werden
solle, und ließen die Verurtheilungsbill in allen Stadien durchgehen.
Die Bill erhielt noch denselben Tag die königliche Genehmigung und auf
Monmouth's Ergreifung wurde eine Belohnung von fünftausend Pfund
gesetzt[52].
Die Thatsache, daß Monmouth gegen die Regierung unter Waffen stand, war
so unbestreitbar, daß die Verurtheilungsbill gegen den schwachen
Widerstand von nur einigen wenigen Peers zum Gesetz erhoben ward und
selbst von whiggistischen Geschichtschreibern nur selten streng getadelt
worden ist. Wenn wir indessen erwägen, wie wichtig es ist, daß
gesetzgeberische und richterliche Functionen getrennt bleiben, wie
wichtig es ferner ist, daß ein bloßes Gerücht, so stark und allgemein es
auch sein mag, nicht als gesetzlicher Schuldbeweis angenommen werde, wie
wichtig es endlich ist, die Regel festzuhalten, daß Niemand zum Tode
verurtheilt werden darf, ohne ihm Gelegenheit zu seiner Vertheidigung
gegeben zu haben, und wie leicht und schnell einmal begangene
Verletzungen großer Grundsätze weiter ausgedehnt werden, so dürften wir
wohl zu der Ansicht geneigt sein, daß sich gegen das vom Parlament
beobachtete Verfahren einige Einwendungen machen ließen. Keinem der
beiden Häuser lag das Mindeste vor, was selbst ein so gewissenloser
Richter wie Jeffreys einer Jury als Beweis für Monmouth's Schuld hätte
darstellen können. Die von den Gemeinen verhörten Boten waren nicht
vereidigt und ihre Mittheilungen konnten daher rein aus der Luft
gegriffen sein, ohne daß sie deshalb wegen Meineids hätten bestraft
werden können. Die Lords, welche, als Gerichtshof, einen Eid hätten
abnehmen können, examinirten keinen Zeugen und hatten keinen andren
Beweis vor sich, als den Brief des Mayors von Lyme, der in den Augen des
Gesetzes gar kein Beweis war. Die äußerste Gefahr rechtfertigt
allerdings zuweilen äußerste Mittel, aber die Verurtheilungsacte war ein
Mittel, das erst in Wirksamkeit gesetzt werden konnte, wenn jede Gefahr
vorüber war, und das daher von dem Augenblicke an, wo es aufhörte,
wirkungslos zu sein, ganz überflüssig wurde. So lange Monmouth unter
Waffen stand, war es unmöglich, ihn hinzurichten, und wurde er besiegt
und gefangen genommen, so hatte es weder Gefahr noch Schwierigkeit, ihn
vor Gericht zu stellen. Später hat man es als einen merkwürdigen Umstand
hervorgehoben, daß sich unter den eifrigen Tories, welche die Bill aus
dem Hause der Gemeinen vor die Schranken der Lords brachten, Sir Johann
Fenwick, Abgeordneter für Northumberland, befand[53]. Dieser Herr hatte
einige Jahre nachher Gelegenheit, über die Sache nachzudenken, und er
kam zu dem Schlusse, daß Verurtheilungsbills durchaus nicht zu
rechtfertigen seien.
Das Parlament gab in dieser Stunde der Gefahr noch andere Beweise von
Loyalität. Die Gemeinen ermächtigten den König, zur Bestreitung
augenblicklicher Bedürfnisse eine außerordentliche Summe von
vierhunderttausend Pfund zu erheben, und damit er das Geld ohne
Schwierigkeit bekomme, sannen sie auf neue Steuern. Der Plan, die in der
Hauptstadt unlängst neuerbauten Häuser zu besteuern, wurde wieder
aufgenommen und von den Landgentlemen eifrig unterstützt. Es wurde nicht
allein beschlossen, daß diese Häuser besteuert werden sollten, sondern
auch, daß eine Bill eingebracht werden sollte, die jede neue
Grundsteinlegung innerhalb des Stadtgebiets von London verbot. Der
Beschluß kam jedoch nicht zur Ausführung. Einflußreiche Männer, welche
in den Vorstädten Grund und Boden besaßen und hofften, daß sich auf
ihren Gütern neue Straßen und Plätze erheben würden, boten Alles auf, um
diesen Plan zu vereiteln. Man sah ein, daß es viel Zeit erfordern würde,
um die Einzelnheiten eines solchen Gesetzes zu reguliren, und die
Bedürfnisse des Königs waren so dringend, daß man es für nöthig
erachtete, die Verhandlungen des Hauses durch eine höfliche Ermahnung
zur Eil zu beschleunigen. Die Idee der Häuserbesteuerung wurde daher
aufgegeben und dagegen für die nächsten fünf Jahre neue Zölle auf
ausländische Seidenstoffe, Leinenwaaren und geistige Getränke
gelegt[54].
Die im Unterhause sitzenden Tories schritten nun zur Einbringung einer
sogenannten Bill zur Sicherung der Person und der Regierung des Königs.
Sie schlugen vor, es solle für Hochverrath erklärt werden, wenn Jemand
sagte, Monmouth sei legitim, oder Worte äußerte, welche darauf
abzielten, die Person oder die Regierung des Souverains verhaßt oder
verächtlich zu machen, oder wenn Jemand im Parlament einen Antrag auf
Abänderung der Thronfolgeordnung stellte. Einige von diesen Bestimmungen
erregte allgemeinen Unwillen und Abscheu. Die Whigs versuchten es trotz
ihrer geringen Zahl und ihrer Schwäche, sich zu verbinden, und sie
wurden durch eine bedeutende Anzahl gemäßigter und einsichtsvoller
Kavaliere verstärkt. Worte, sagte man, könnten leicht von
rechtschaffenen Männern mißverstanden, von Schurken aber falsch
ausgelegt werden; bildliche Ausdrücke könnten wörtlich genommen und
scherzhafte Äußerungen als ernstlich gemeint dargestellt werden. Eine
Partikel, ein Tempus, ein Modus, die Betonung könne den ganzen
Unterschied zwischen Schuld und Unschuld begründen. Sei ja der Erlöser
selbst, in dessen reinem Lebenswandel die Böswilligkeit keinen Anhalt zu
irgend einer Beschuldigung finden konnte, wegen gesprochener Worte in
Untersuchung gezogen worden. Falsche Zeugen hätten eine Sylbe
weggelassen, durch welche klar bewiesen worden wäre, daß jene Worte
bildlich gemeint waren, und hätten so dem Sanhedrin einen Vorwand
geliefert, unter welchem der schändlichste aller Justizmorde verübt
worden sei. Wer könne, mit einem solchen Beispiele vor Augen, behaupten,
daß wenn bloße Reden schon eine Anklage auf Hochverrath begründeten, der
loyalste Unterthan sicher sei? Diese Argumente machten einen so großen
Eindruck, daß im Ausschusse Verbesserungsanträge gestellt wurden, welche
die Härte der Bill bedeutend milderten; die Klausel aber, welche es für
Hochverrath erklärte, wenn ein Mitglied des Parlaments die Ausschließung
eines Prinzen von Geblüt vom Throne beantragte, scheint keine Debatte
hervorgerufen zu haben und wurde angenommen. Sie hatte jedoch nur
insofern eine Bedeutung, als sie ein Beweis für die Unwissenheit und
Unerfahrenheit der heißblütigen Royalisten war, welche das Unterhaus
füllten. Hätten sie nur die ersten Anfangsgründe der Gesetzgebung
gekannt, so würden sie eingesehen haben, daß die Bestimmung, auf die sie
so großes Gewicht legten, überflüssig sein mußte, so lange das Parlament
geneigt war, die Thronfolgeordnung aufrechtzuerhalten, und daß sie
widerrufen werden würde, sobald ein Parlament die Absicht hatte,
dieselbe abzuändern[55].
Die Bill ging in ihrer verbesserten Fassung durch und wurde den Lords
überreicht, aber nicht zum Gesetz erhoben. Der König hatte vom Parlament
eine Geldunterstützung erlangt, wie er sie nur erwarten konnte, und er
sah ein, daß, so lange der Aufstand wüthete, die loyalen Mitglieder des
Adels und der Gentry in ihren Grafschaften mehr nützen könnten, als in
Westminster. Er drängte daher ihre Verhandlungen zu einem baldigen
Schlusse und entließ sie am 3. Juli. An dem nämlichen Tage erhielt ein
Gesetz, welches die mit dem Jahre 1679 erloschene Censur wieder
einführte, die königliche Genehmigung. Dieser Gegenstand wurde mit
wenigen Worten am Ende eines gemischten Gesetzes abgethan, welches
verschiedene erlöschende Gesetze verlängerte. Die Anhänger des Hofes
dachten nicht daran, daß sie einen Sieg errungen hätten und die Whigs
äußerten durchaus keine Unzufriedenheit. Weder bei den Lords noch bei
den Gemeinen kam es zu einer Abstimmung, ja, soweit man es jetzt noch
ersehen kann, nicht einmal zu einer Debatte über eine Frage, welche in
unsrer Zeit das ganze Gebäude der Gesellschaft erschüttern würde. Die
Veränderung war auch in der That unbedeutend und kaum bemerkbar, denn
seit der Entdeckung des Ryehousecomplots hatte die Freiheit, ohne Censur
drucken zu dürfen, nur dem Namen nach bestanden. Seit vielen Monaten war
kaum eine gegen den Hof gerichtete Flugschrift anders als heimlich
gedruckt worden, und heimlich konnten solche Flugschriften nach wie vor
herausgegeben werden[56].
Die Häuser schlossen nun ihre Sitzungen; sie wurden nicht prorogirt,
sondern nur vertagt, damit sie bei ihrem nächsten Zusammentritt die
Geschäfte genau in dem Stande wieder aufnehmen könnten, wie sie
dieselben verlassen hatten[57].
[Anmerkung 52: +London Gazette, June 18. 1685+; +Lords' and
Commons' Journals, June 13. & 15.+; Holländische Depesche vom
16.(26.) Juni.]
[Anmerkung 53: Oldmixon hat unrecht, wenn er sagt, daß Fenwick die
Bill überreichte. Aus den Protokollen ergiebt sich, daß sie durch
Lord Ancram überreicht wurde.]
[Anmerkung 54: +Commons' Journals, June 17, 18 & 19. 1685+;
+Reresby's Memoirs.+]
[Anmerkung 55: +Commons' Journals, June 19. 29. 1685+; +Lord
Lonsdale's Memoirs. 8. 9.+; +Burnet I. 639.+ Die Bill ist in ihrer
durch den Ausschuß abgeänderten Fassung in Fox' Geschichtswerke
Anh. III. zu finden. Wenn Burnet's Bericht genau ist, so waren
diejenigen Vergehen, welche die amendirte Bill nur als
Civilvergehen bestraft wissen wollte, in der ursprünglichen Bill
als Kapitalverbrechen behandelt.]
[Anmerkung 56: +1 Jac. II. c. 17. Lords' Journals, July 2. 1685.+]
[Anmerkung 57: +Lords' and Commons' Journals, July 2, 1685.+]
[_Monmouth's Empfang in Taunton._] Während das Parlament auf strenge
Gesetze gegen Monmouth und seine Anhänger sann, fand er in Taunton eine
Aufnahme, die ihn wohl zu der Hoffnung berechtigen konnten, daß sein
Unternehmen gelingen werde. Taunton war wie viele andere Städte im
südlichen England damals viel bedeutender als gegenwärtig. Diese Städte
sind zwar nicht kleiner und ärmer geworden, im Gegentheil, sie sind mit
wenigen Ausnahmen jetzt größer und reicher, besser gebaut und besser
bevölkert als im siebzehnten Jahrhundert. Aber trotz dieser positiven
Fortschritte haben sie doch relativ an Bedeutung verloren. Sie sind von
den Fabrik- und Handelsstädten im Norden, welche zu den Zeiten der
Stuarts kaum erst anfingen, als Sitze des Gewerbfleißes bekannt zu
werden, in Reichthum und Volkszahl weit überflügelt worden. Als Monmouth
in Taunton einzog, war diese Stadt ein ungemein blühender Ort; seine
Märkte waren mit Allem reichlich versorgt und seine Wollenmanufactur
weit und breit berühmt. Die Bevölkerung rühmte sich, in einem Lande zu
leben, wo Milch und Honig flössen, und diese Sprache führten nicht nur
die parteiischen Eingebornen, sondern auch jeder Fremde, der den schönen
Thurm von St. Maria Magdalena bestieg, gestand es zu, daß er zu seinen
Füßen das fruchtbarste Thal Englands erblicke. Die Umgegend war reich an
Obstgärten und grünen Wiesen, zwischen denen in lieblicher Fülle und
Abwechselung Edelhöfe, Hütten und Dorfkirchen zerstreut lagen. Die
Einwohner der Stadt waren schon seit langer Zeit für die
presbyterianische Gottesverehrung und die Whigpolitik eingenommen; in
dem großen Bürgerkriege hatte Taunton durch alle Wechselfälle fest zum
Parlament gehalten, war zweimal von Goring hart belagert und zweimal
durch Robert Blake, den nachmaligen berühmten Admiral der Republik, mit
heldenmüthiger Tapferkeit vertheidigt worden. Ganze Straßen wurden durch
die Bomben und Granaten der Kavaliere in Brand geschossen; der Mangel an
Lebensmitteln wurde so groß, daß der entschlossene Commandant schon die
Absicht angekündigt hatte, die Besatzung auf Pferdefleischrationen zu
setzen; aber weder Feuer noch Hunger hatten den Muth der Stadt brechen
können[58].
Die Restauration hatte in den Gesinnungen der Bewohner von Taunton
nichts geändert. Sie hatten nach wie vor das Jahresfest des glücklichen
Tages gefeiert, an welchem die königlichen Truppen ihre Belagerung
aufgehoben, und ihre starre Anhänglichkeit an die alte Sache hatte in
Whitehall so große Besorgniß und so heftigen Groll erregt, daß auf
königlichen Befehl ihr Wallgraben ausgefüllt und die Wälle bis auf den
Grund zerstört worden waren[59]. Der puritanische Geist war bei ihnen
durch die Lehre und das Beispiel eines der berühmtesten
Dissentergeistlichen, Joseph Alleine's, in seiner ungeschwächten Kraft
erhalten worden. Alleine war der Verfasser eines Tractats, betitelt: +An
Alarm to the Unconverted+, das noch jetzt in England wie in Amerika
populär ist. Aus dem Kerker, in den er von den siegreichen Kavalieren
geworfen wurde, schrieb er an seine lieben Freunde in Taunton viele
Briefe, welche den Geist einer wahrhaft heldenmüthigen Frömmigkeit
athmeten. Sein Leib welkte unter dem Einflusse der Studien,
Anstrengungen und Verfolgungen bald dahin; sein Andenken aber ward von
Denen, die er ermahnt und unterrichtet hatte, noch lange mit
außerordentlicher Liebe und Verehrung bewahrt[60].
Die Kinder der Männer, welche vierzig Jahre früher auf den Wällen von
Taunton gegen die Royalisten gekämpft hatten, bewillkommneten jetzt
Monmouth mit lauten Ausbrüchen der Freude und Zuneigung. Jede Thür und
jedes Fenster war mit Girlanden bekränzt. Niemand zeigte sich auf den
Straßen, ohne einen grünen Zweig, als Zeichen der Volkssache, am Hute.
Die Töchter der angesehensten Familien verfertigten Fahnen für die
Insurgenten. Von diesen Fahnen war besonders eine mit den Zeichen der
königlichen Würde prächtig gestickt und wurde Monmouth durch einen Zug
junger Mädchen überreicht. Er nahm das Geschenk mit der ihm eigenen
liebenswürdigen Artigkeit an. Die Dame, welche den Zug anführte,
beschenkte ihn außerdem noch mit einer kostbaren kleinen Bibel, die er
mit einem Zeichen von Ehrfurcht in Empfang nahm. »Ich komme,« sagte er,
»um die in diesem Buche enthaltenen Wahrheiten zu vertheidigen und sie,
wenn es sein muß, mit meinem Blute zu besiegeln[61].«
Aber während Monmouth sich des Beifalls der Menge erfreute, mußte er mit
Schmerz und Besorgniß bemerken, daß die höheren Klassen fast ohne
Ausnahme seiner Unternehmung feindlich gesinnt waren und daß nur in den
Grafschaften, wo er sich persönlich gezeigt hatte, ein Aufstand erfolgt
war. Es war ihm von Agenten, welche ihre Angaben von Wildman erhalten zu
haben behaupteten, versichert worden, daß der ganze whiggistische Adel
von Kampflust erfüllt sei. Gleichwohl waren bereits über acht Tage
verstrichen, seitdem die blaue Fahne in Lyme aufgepflanzt worden war.
Tagelöhner, kleine Landwirthe, Krämer, Lehrlinge und Dissenterprediger
waren dem Lager der Rebellen zugeströmt, aber nicht ein einziger Peer,
Baronet oder Ritter, nicht ein einziges Mitglied des Unterhauses, und
kaum hin und wieder ein Squire, der sich eines hinreichenden Ansehens
erfreute, um einmal Friedensrichter gewesen zu sein. Ferguson, der seit
dem Tode Karl's von jeher Monmouth's böser Geist gewesen war, hatte eine
Erklärung dieses Umstandes bereit: der Herzog hatte sich durch Ablehnung
des Königstitels in eine falsche Stellung versetzt. Hätte er sich selbst
zum König von England erklärt, so würde seine Sache einen Anschein von
Gesetzlichkeit gehabt haben. Jetzt aber sei es unmöglich, sein Manifest
mit den Grundsätzen der Verfassung in Einklang zu bringen. Es sei klar,
daß entweder Monmouth oder sein Oheim der rechtmäßige König war.
Monmouth wagte es nicht, als rechtmäßiger König aufzutreten, und doch
leugnete er, daß sein Oheim es sei. Diejenigen, welche für Jakob
kämpften, kämpften für die einzige Person, die es wagte, den Thron für
sich in Anspruch zu nehmen, und thaten daher, den Gesetzen des Reiches
gemäß, offenbar ihre Pflicht; Diejenigen aber, welche für Monmouth
kämpften, kämpften für eine unbekannte Verfassung, welche durch eine
noch nicht vorhandene Convention erst entworfen werden sollte. Es sei
also kein Wunder, daß Männer von hohem Range und großem Vermögen sich
von einem Unternehmen fern hielten, welches dem ganzen System, an dessen
Fortbestehen sie das größte Interesse hatten, den Untergang drohte.
Beriefe sich der Herzog auf seine Legitimität und nähme er die Krone an,
so würde er diesen Einwurf mit einem Male entkräften; die Frage würde
dann aufhören, eine Frage zwischen der alten und einer neuen Verfassung
zu sein, sie würde nur eine Erbrechtsfrage zwischen zwei Prinzen werden.
[Anmerkung 58: Savage's Ausgabe von +Toulmin's History of
Taunton+.]
[Anmerkung 59: +Sprat's True Account+; +Toulmin's History of
Taunton.+]
[Anmerkung 60: +Life and Death of Joseph Alleine, 1672+;
+Nonconformists' Memorial.+]
[Anmerkung 61: +Harl. MS. 7006+; +Oldmixon, 702+; +Eachard III.
763.+]
[_Monmouth nimmt den Königstitel an._] Mit solchen Gründen war Ferguson
fast unmittelbar nach der Landung ernstlich in den Herzog gedrungen,
sich zum Könige zu proklamiren, und Grey war derselben Meinung. Monmouth
war auch sehr geneigt, diesen Rath zu befolgen; aber Wade und andere
Republikaner hatten sich widersetzt und ihr Oberhaupt hatte mit
gewohnter Fügsamkeit ihren Gründen nachgegeben. In Taunton kam die Sache
auf's Neue in Anregung; Monmouth sprach privatim mit den
Andersdenkenden, versicherte sie, daß er keinen andren Weg sehe, um die
Unterstützung eines Theils der Aristokratie zu gewinnen, und es gelang
ihm, ihre mit Widerstreben ertheilte Zustimmung zu erpressen. So wurde
er denn am Morgen des 20. Juni auf dem Marktplatze von Taunton zum König
ausgerufen, und seine Anhänger wiederholten seinen neuen Titel mit
theilnehmender Freude. Da indessen leicht eine Verwirrung hätte
entstehen können, wenn er König Jakob II. genannt worden wäre, so
bedienten sie sich gewöhnlich der sonderbaren Bezeichnung »König
Monmouth«, und so wurde ihr unglücklicher Liebling in den westlichen
Grafschaften oft noch zu einer Zeit genannt, deren sich jetzt lebende
Personen noch erinnern können[62].
In den nächsten vierundzwanzig Stunden nach erfolgter Annahme des
Königstitels erließ er mehrere Proklamationen, die seinen eigenhändigen
Namenszug an der Spitze trugen. In einer derselben setzte er einen Preis
auf den Kopf seines Nebenbuhlers. In einer andren erklärte er das zur
Zeit in Westminster tagende Parlament für eine ungesetzliche Versammlung
und befahl den Mitgliedern, auseinanderzugehen. Eine dritte verbot dem
Volke, dem Thronräuber Abgaben zu bezahlen. Eine vierte erklärte
Albemarle für einen Verräther[63].
Albemarle sandte diese Proklamationen blos als Beweise von Thorheit und
Frechheit nach London. Sie machten keinen andren Eindruck als den des
Erstaunens und der Verachtung; auch hatte Monmouth keine Ursache zu
glauben, daß die Annahme der Königswürde seine Stellung verbessert habe.
Erst eine Woche war verflossen, seitdem er sich feierlich verpflichtet,
die Krone nicht eher anzunehmen, als bis ein freies Parlament seine
Rechte anerkannt habe; durch Verletzung dieses Versprechens hatte er
sich den Vorwurf des Leichtsinns, wenn nicht der Treulosigkeit
zugezogen. Die Klasse, die er zu gewinnen hoffte, hielt sich noch immer
fern von ihm. Die Gründe, welche die großen whiggistischen Lords und
Gentlemen abhielten, ihn als ihren König anzuerkennen, waren mindestens
eben so triftig als diejenigen, die sie verhindert hatten, sich um ihn
als Oberbefehlshaber zu schaaren. Zwar haßten sie die Person, die
Religion und die Politik Jakob's; aber er war nicht mehr jung und seine
älteste Tochter mit Recht populär. Sie war dem reformirten Glauben
zugethan und mit einem Prinzen vermählt, der das erbliche Oberhaupt der
Protestanten des Continents, der in einer Republik aufgewachsen war und
dem man solche Gesinnungen zutraute, wie sie sich für einen
constitutionellen König ziemten. War es also weise, sich den Schrecken
eines Bürgerkrieges auszusetzen, nur um vielleicht das sogleich zu
bewirken, was die Natur ohne Blutvergießen, ohne eine Rechtsverletzung
aller Wahrscheinlichkeit nach binnen wenigen Jahren herbeiführen würde?
Es waren vielleicht Gründe vorhanden, um Jakob vom Throne zu stürzen;
aber welche Gründe konnte man für Monmouth's Erhebung auf denselben
anführen? Einen Fürsten wegen Unfähigkeit vom Throne auszuschließen,
entsprach ganz den whiggistischen Grundsätzen; aber nach keinem
Grundsatze konnte es gerechtfertigt erscheinen, legitime Erben
auszuschließen, denen man nicht nur nichts vorzuwerfen hatte, sondern
die man sogar für ausgezeichnet befähigt zu den höchsten Staatsämtern
hielt. Daß Monmouth legitim sei, ja daß er sich selbst nur dafür hielt,
konnten einsichtsvolle Männer nicht glauben; er war also nicht nur ein
Usurpator, sondern ein Usurpator von der schlimmsten Sorte, ein
Betrüger. Er konnte seiner Sache nur durch Fälschung und Meineid einen
Schein von Recht geben. Alle rechtschaffenen und verständigen Leute
sträubten sich dagegen, daß ein Betrug, der, wenn er um der Erlangung
eines bürgerlichen Besitzthums verübt worden wäre, Peitsche und Pranger
als Strafe nach sich gezogen hätte, mit der englischen Krone belohnt
werde. Der alte Adel des Reichs konnte den Gedanken nicht ertragen, daß
der Bastard der Lucie Walters hoch über die rechtmäßigen Nachkommen der
Fitzalan und De Vere erhoben werden sollte. Wer nur ein wenig
politischen Scharfblick hatte, mußte einsehen, daß wenn es Monmouth
gelang, die bestehende Regierung zu stürzen, immer noch ein Krieg
zwischen ihm und dem Hause Oranien übrig blieb, ein Krieg, der länger
dauern und mehr Unheil herbeiführen könnte, als der Krieg der Rosen, ein
Krieg, der voraussichtlich die Protestanten Europa's in feindliche
Parteien spaltete, England und Holland gegen einander bewaffnen und
beide Länder zu einer leichten Beute für Frankreich machen konnte. Fast
alle Whighäupter scheinen daher der Ansicht gewesen zu sein, daß
Monmouth's Unternehmen in jedem Falle der Nation zum Unheil gereichen
mußte, daß aber, Alles erwogen, seine Niederlage ein kleineres Unglück
sein werde als sein Sieg.
Die Theilnahmlosigkeit des whiggistischen Adels war es nicht allein, was
die eingefallenen Verbannten enttäuschte. Der Reichthum und Einfluß
Londons hatten in der vorhergehenden Generation hingereicht und konnten
auch diesmal wieder hinreichen, um in einem Bürgerkriege den Ausschlag
zu geben. Die Londoner hatten früher viele Beweise von ihrem Hasse gegen
das Papstthum und von ihrer Zuneigung zu dem protestantischen Herzoge
gegeben, und er hatte daher zu bereitwillig geglaubt, daß sofort nach
seiner Landung ein Aufstand in der Hauptstadt ausbrechen werde. Aber
obgleich ihm gemeldet worden, daß Tausende von Bürgern sich als
Freiwillige hätten einzeichnen lassen, so geschah doch nichts. Die Sache
war einfach die, daß den Wühlern, die ihn zu einem Einfalt in England
gedrängt, die ihm versprochen, sich auf den ersten Wink zu erheben, und
die vielleicht auch, so lange die Gefahr noch fern war, geglaubt hatten,
daß sie den Muth haben würden, ihr Versprechen zu halten, der Muth sank,
als die entscheidende Stunde heranrückte. Wildman's Angst war so groß,
daß er den Verstand verloren zu haben schien. Der feige Danvers
entschuldigte seine Unthätigkeit zuerst, indem er sagte, er werde nicht
eher zu den Waffen greifen, als bis Monmouth zum König ausgerufen sei,
und als dies geschehen war, lenkte er um und erklärte, daß gute
Republikaner jeder Verpflichtung gegen einen Führer entbunden seien, der
so schamlos sein Wort gebrochen habe. Die gemeinsten Exemplare der
menschlichen Natur findet man zu allen Zeiten unter den Demagogen[64].
Den Tag darauf, als Monmouth den Königstitel angenommen hatte,
marschirte er von Taunton nach Bridgewater. Er selbst befand sich, wie
man bemerkte, nicht in der heitersten Stimmung; die jauchzenden Zurufe
der ihm ergebenen Tausende, die sich allenthalben wohin er kam um ihn
drängten, vermochten nicht die düstern Wolken zu verscheuchen, die sich
auf seine Stirn gelagert hatten. Wer ihn vor fünf Jahren auf seinem
Triumphzuge durch Somersetshire gesehen, bemerkte nicht ohne Mitleid die
Spuren von Angst und Besorgniß in den sanften und freundlichen Zügen,
die ihm so viele Herzen gewonnen hatten[65].
In ganz andrer Stimmung, war Ferguson. Dieser Mann verband mit seiner
Verworfenheit merkwürdigerweise eine maßlose Eitelkeit, die fast an
Narrheit grenzte. Der Gedanke, daß er einen Aufstand herbeigeführt und
eine Krone verliehen, hatte ihm den Kopf verrückt. Er stolzirte, das
entblößte Schwert über dem Kopfe schwingend, umher, und rief den
Zuschauern, die sich versammelt hatten, um die Armee von Taunton
abmarschiren zu sehen, in prahlerischem Tone zu: »Seht mich an! Ihr habt
von mir gehört. Ich bin Ferguson, der berühmte Ferguson, der nämliche
Ferguson, für dessen Kopf so viele Hundert Pfund geboten worden sind.«
Und dieser zugleich characterlose und halb verrückte Mensch beherrschte
den Verstand und die Überzeugung des unglücklichen Monmouth[66].
[Anmerkung 62: +Wade's Confession+; +Goodenough's Confession,
Harl. MS. 1151+; +Oldmixon, 702.+ Ferguson's Ableugnung verdient
keinen Glauben. Eine Abschrift der Proklamation befindet sich in
den +Harl. MS. 7006.+]
[Anmerkung 63: Abschriften von den drei letzten Proklamationen
befinden sich im Britischen Museum, +Harl. MS. 7006.+ Die erste
habe ich nie gesehen, aber sie wird von Wade erwähnt.]
[Anmerkung 64: +Grey's Narrative+; +Ferguson's MS.+; +Eachard III.
754.+]
[Anmerkung 65: +Persecution exposed, by John Whiting.+]
[Anmerkung 66: +Harl. MS. 6845.+]
[_Sein Empfang in Bridgewater._] Bridgewater war eine von den wenigen
Städten, welche noch einige whiggistische Beamten hatten. Der Mayor und
die Aldermen kamen in ihrer Amtstracht, um den Herzog zu begrüßen,
gingen in Prozession vor ihm her bis zum Hohen Kreuze und proklamirten
ihn hier zum König. Seine Truppen fanden vortreffliche Quartiere und
erhielten von den Bewohnern der Stadt und Umgegend Alles, was sie
brauchten, für wenig oder gar kein Geld. Er selbst nahm seine Residenz
im Schlosse, welches vormals oft mit königlichen Besuchen beehrt worden
war; auf der umliegenden Ebene schlug die Armee ein Lager auf. Sie
bestand jetzt aus ungefähr sechstausend Mann und hätte leicht auf die
doppelte Anzahl gebracht werden können, wenn es nicht an Waffen gefehlt
hätte. Der Herzog hatte vom Festlande nur einen geringen Vorrath von
Piken und Musketen mitgebracht; daher hatten viele von seinen Leuten
keine anderen Waffen, als solche, die sie sich aus den von ihnen beim
Acker- und Bergbau gebrauchten Werkzeugen verfertigen konnten. Die
furchtbarste von diesen rohen Kriegswaffen bestand aus einer
Sensenklinge, welche am Ende einer starken Stange der Länge nach
befestigt war[67]. Die Unterconstabler der Umgegend von Taunton und
Bridgewater erhielten Befehl, überall nach Sensen zu suchen und was sie
davon auftreiben konnten, ins Lager zu bringen; aber selbst durch diese
Maßregel war es nicht möglich, dem Bedarf zu genügen, und eine Menge
Leute, die sich einreihen lasen wollten, mußten zurückgewiesen
werden[68].
Das Fußvolk wurde in sechs Regimenter eingetheilt. Eine große Anzahl der
Freiwilligen hatten in der Miliz gedient und trugen noch ihre rothen
oder gelben Uniformen. Die Reiterei war etwa tausend Mann stark, aber
die meisten von ihnen hatten nur rohe junge Pferde, wie sie damals in
großen Heerden in den Marschen von Somersetshire gezogen wurden, um die
Hauptstadt mit Kutschpferden und Karrengäulen zu versehen. Diese Thiere
waren so untauglich für den Militairdienst, daß sie noch nicht einmal
dem Zaume gehorchten und sobald sie einen Schuß oder Trommelwirbel
hörten, nicht mehr zu regieren waren. Monmouth selbst hatte eine kleine
Leibgarde von vierzig wohlbewaffneten und gutberittenen jungen Männern,
die sich auf ihre eigenen Kosten ausgerüstet hatten. Die Bewohner von
Bridgewater, welche durch einen blühenden Küstenhandel wohlhabend
geworden waren, unterstützten ihn mit einer kleinen Summe Geldes[69].
[Anmerkung 67: Eine dieser Waffen ist noch im Tower zu sehen.]
[Anmerkung 68: +Grey's Narrative+; Paschall's Erzählung im Anhange
zu +Heywood's Vindication.+]
[Anmerkung 69: +Oldmixon+, 702.]
[_Vorkehrungen der Regierung zum Widerstande._] Während dieser Zeit
wurden die Streitkräfte der Regierung eiligst zusammengezogen. Westlich
von dem Rebellenheere stand Albemarle noch immer mit einer starken
Abtheilung der Miliz von Devonshire. Im Osten hatte sich die Miliz von
Wiltshire unter den Befehlen von Thomas Herbert, Earl von Pembroke,
gesammelt. Im Nordosten stand Heinrich Somerset, Herzog von Beaufort,
unter den Waffen. Beaufort's Macht hatte einige Ähnlichkeit mit der der
großen Barone des fünfzehnten Jahrhunderts. Er war Präsident von Wales
und Lordstatthalter von vier englischen Grafschaften. Seine amtlichen
Rundreisen durch das weite Gebiet, in welchem er die Majestät des
Thrones repräsentirte, standen an Gepränge kaum den Reisen des Königs
nach; sein Hausstand in Badminton war nach der Sitte eines früheren
Zeitalters eingerichtet. Das Land in großer Ausdehnung um seinen
Wohnsitz bewirthschaftete er selbst, und die Arbeiter, welche es
bestellten, bildeten einen Theil seiner Familie. Neun Tafeln waren
täglich in seinem Hause für zweihundert Personen gedeckt. Eine Menge
Gentlemen und Pagen standen unter den Befehlen seines Haushofmeisters,
ein ganzer Trupp Reiterei gehorchte dem Stallmeister. Die Küche, der
Keller, die Hunde und die Pferde des Herzogs waren in ganz England
berühmt; die Gentry viele Meilen im Umkreise war stolz auf den Glanz
ihres mächtigen Nachbarn und zugleich bezaubert von seiner Leutseligkeit
und Gutherzigkeit. Er war ein eifriger Kavalier aus der alten Schule;
daher bot er in der damaligen Krisis seinen ganzen Einfluß und sein
ganzes Ansehen zur Unterstützung der Krone auf und besetzte Bristol mit
den Milizen von Gloucestershire, welche besser disciplinirt zu sein
schienen, als die meisten anderen derartigen Truppen[70].
Auch in den von Somersetshire weiter entfernten Grafschaften waren die
Anhänger des Thrones in voller Thätigkeit. Die Miliz von Sussex begann
unter dem Commando Lord Richard Lumley's, der zwar erst kürzlich dem
katholischen Glauben entsagt hatte, aber seinem katholischen Könige noch
immer treu ergeben war, nach Westen zu marschiren. Jakob Bertin, Earl
von Abingdon, rief die Mannschaften von Oxfordshire zu den Waffen.
Johann Fell, Bischof von Oxford und gleichzeitig auch Dechant des
Christchurch-Collegiums, forderte die Nichtgraduirten seiner Universität
auf, für die Krone die Waffen zu ergreifen. Die Studenten ließen sich in
Massen einreihen, das Christchurch-Collegium allein stellte nahe an
hundert Pikenmänner und Musketiere. Junge Edelleute und studirende
Gentlemen bekleideten die Offiziersposten und der älteste Sohn des
Lordstatthalters wurde zum Obersten ernannt[71].
Hauptsächlich aber verließ sich der König auf seine regulären Truppen.
Churchill war mit den Blauen in den Westen gesandt worden und Feversham
folgte mit allen Streitkräften, welche in der Umgegend von London
entbehrt werden konnten. Nach Holland war ein Courier mit einem Briefe
an Skelton abgegangen, worin dieser beauftragt wurde, die sofortige
Absendung der in holländischem Dienste stehenden drei Regimenter nach
der Themse zu verlangen. Als diese Aufforderung erfolgte, versuchte es
die dem Hause Oranien feindlich gesinnte Partei, mit den Deputirten von
Amsterdam an der Spitze, abermals eine Verzögerung herbeizuführen. Aber
Wilhelm's Energie, der fast eben so viel zu verlieren hatte, als Jakob,
und der Monmouth's Fortschritte mit ernster Besorgniß betrachtete,
unterdrückte die Opposition und in einigen Tagen segelten die Truppen
ab[72]. Die drei schottischen Regimenter waren schon in England; sie
waren in vortrefflichem Zustande in Gravesend angelangt, und Jakob hatte
sie bei Blackheath gemustert. Er erklärte dem holländischen Gesandten
wiederholt, daß er nie in seinem Leben schönere und besser disciplinirte
Soldaten gesehen habe und daß er dem Prinzen von Oranien, sowie den
Generalstaaten für diese werthvolle und rechtzeitige Verstärkung seinen
wärmsten Dank ausspreche. Diese Freude war jedoch nicht ganz ungetrübt.
So trefflich die Leute auch bei der Musterung bestanden, so waren sie
doch nicht ganz frei von dem Einflusse der holländischen Politik und der
holländischen Gottesverehrung geblieben. Einer von ihnen ward erschossen
und ein Andrer ausgepeitscht, weil er auf die Gesundheit des Herzogs von
Monmouth getrunken hatte. Man hielt es daher nicht für rathsam, sie auf
den gefährlichsten Posten zu stellen und behielt sie bis zur Beendigung
des Feldzugs in der Umgegend von London; aber ihre Ankunft setzte den
König in den Stand, einige Infanterie, die er sonst in der Hauptstadt
gebraucht haben würde, nach dem Westen zu schicken[73].
Während die Regierung sich so zum Kampfe mit den Rebellen im offnen
Felde rüstete, wurden auch Vorsichtsmaßregeln andrer Art nicht
verabsäumt. In London allein wurden zweihundert Personen, von denen man
befürchtete, daß sie sich an die Spitze einer whiggistischen Bewegung
stellen könnten, verhaftet. Unter ihnen befanden sich einige sehr
angesehene Kaufleute. Jedermann, der dem Hof mißliebig war, schwebte in
beständiger Angst. Eine drückende Gewitterluft lagerte über der
Hauptstadt. Die Börsengeschäfte stockten und die Theater waren so wenig
besucht, daß eine neue Oper von Dryden, welche mit noch nie dagewesener
Pracht in Scene gesetzt worden war, wieder zurückgezogen wurde, weil die
Einnahme die Kosten der Aufführung nicht gedeckt haben würde[74]. Die
Behörden und die Geistlichkeit waren allenthalben thätig, die Dissenters
wurden überall scharf beobachtet. In Cheshire und Shropshire wüthete
eine heftige Verfolgung, in Northamptonshire wurden zahlreiche
Verhaftungen vorgenommen und das Oxforder Gefängniß war mit Gefangenen
überfüllt. Kein puritanischer Geistlicher, wie gemäßigt seine Meinung
und wie vorsichtig sein Verhalten auch sein mochte, war sicher, daß er
nicht seiner Familie entrissen und, in den Kerker geworfen wurde[75].
Inzwischen zog Monmouth von Bridgewater weiter, auf dem ganzen Marsche
von Churchill beunruhigt, der Alles that, was ein tapferer und
geschickter Offizier mit einer Handvoll Leute nur irgend auszurichten
vermag. Das vom Feinde sowohl als von heftigem Regen arg belästigte
Rebellenheer machte am Abend des 22. Juni in Glastonbury Halt. Die
Häuser des Städtchens waren zur Aufnahme einer so bedeutenden
Streitmacht nicht ausreichend; daher mußte ein Theil der Truppen in den
Kirchen untergebracht werden und die übrigen zündeten zwischen den
Ruinen der ehrwürdigen Abtei, einst dem reichsten Kloster unsrer Insel,
ihre Wachtfeuer an. Von Glastonbury marschirte der Herzog nach Wells,
und von Wells nach Shepton Mallet.[76]
[Anmerkung 70: +North's Life of Guildford+, 132. Berichte von
Beaufort's Reise durch Wales und die benachbarten Grafschaften
stehen in der London Gazette vom Juli 1684. Brief von Beaufort an
Clarendon vorn 19. Juni 1685.]
[Anmerkung 71: Bischof Fell an Clarendon, 20. Juni; Abingdon an
Clarendon, 20., 25. u. 26. Juni 1685; +Lansdowne MS+, 846.]
[Anmerkung 72: Avaux, 5.(15.) & 6.(16.) Juli 1685.]
[Anmerkung 73: Citters, 30. Juni (10. Juli), 3.(13.) & 21.(31.)
Juli 1685; Avaux, 5.(15.) Juli; +London Gazette, July 6.+]
[Anmerkung 74: Barillon, 6.(16.) Juli 1685; Scotts Vorrede zu
+Albion and Albanius+.]
[Anmerkung 75: Abingdon an Clarendon, vom 29. Juni 1685; +Life of
Philip Henry, by Bates+.]
[Anmerkung 76: +London Gazette. June 22 & 25. 1685+; +Wade's
Confession+; +Oldmixon, 703+; +Harl. MS. 6845.+]
[_Sein Plan auf Bristol._] Bis hierher scheint er zu keinem andren
Zwecke von Ort zu Ort gezogen zu sein, als um Truppen zu sammeln; jetzt
aber wurde es nöthig, daß er einen Plan für seine militairischen
Operationen entwarf. Seine erste Idee war, sich Bristols zu bemächtigen,
denn viele von den angesehensten Bewohnern dieser bedeutenden Stadt
waren Whigs. Eine der Verzweigungen des Whigcomplots hatte sich bis
dahin erstreckt, und die Besatzung bestand nur aus Milizen von
Gloucestershire. Wenn Beaufort mit seiner bäuerlichen Mannschaft
überwältigt werden konnte, ehe die regulären Truppen ankamen, so
befanden sich die Rebellen mit einem Male im Besitz reicher Geldmittel;
dadurch mußte das Vertrauen zu Monmouth's Waffen gehoben und seine
Freunde im ganzen Lande ermuthigt werden, sich für ihn zu erklären.
Bristol hatte Befestigungen, die allerdings auf der Nordseite des Avon
gegen Gloucestershire hin schwach, im Süden gegen Somersetshire aber
weit stärker waren. Es wurde daher beschlossen, den Angriff auf der
Nordseite zu unternehmen. Zu dem Ende aber mußte man einen Umweg machen
und bei Keynsham über den Avon gehen. Die Brücke bei Keynsham war jedoch
von der Miliz theilweis zerstört worden und im Augenblicke ungangbar. In
Folge dessen wurde eine Abtheilung vorausgeschickt, um die nöthigen
Reparaturen vorzunehmen. Die anderen Truppen folgten langsamer und
machten am Abend des 24. Juni in Pensford Halt, um auszuruhen. Hier
waren sie nur noch fünf Meilen von der Südseite von Bristol entfernt;
bis zur Nordseite aber, zu der man nur auf dem Umwege über Keynsham
gelangen konnte, war noch ein starker Tagemarsch.[77]
Diese Nacht befand sich Bristol in geräuschvoller Aufregung und
gespannter Erwartung. Die Anhänger Monmouth's wußten, daß er fast unter
den Mauern der Stadt war, und glaubten, daß er noch vor Tagesanbruch bei
ihnen sein werde. Etwa eine Stunde nach Sonnenuntergang brach auf einem
am Kai vor Anker liegenden Kauffahrteischiffe Feuer aus. Ein solcher
Vorfall mußte in einem mit Schiffen angefüllten Hafen nothwendig große
Bestürzung hervorrufen. Der ganze Strom war in Bewegung, das Volk wogte
durch die Straßen und es ließen sich in der Dunkelheit und Verwirrung
aufrührerische Rufe vernehmen. Whigs und Tories behaupteten nachher, das
Feuer sei von Monmouth's Freunden in der Hoffnung angelegt worden, daß,
während die Milizen damit beschäftigt waren, das Umsichgreifen des
Brandes zu verhindern, das Rebellenheer einen kühnen Handstreich wagen
und von der Südseite her in die Stadt eindringen könnten. Wenn dies
wirklich der Plan der Brandstifter war, so hatten sie sich stark
verrechnet, denn Beaufort ließ seine Truppen die ganze Nacht um die
schöne Kirche St. Mary Redcliff, auf der Südseite des Avon, unter den
Waffen stehen, anstatt sie an den Kai zu senden. Er sagte, er wolle eher
ganz Bristol niederbrennen sehen, ja es selbst niederbrennen, als daß er
es von Landesverräthern nehmen ließ. Mit Hülfe einer regulären Reiterei,
welche vor wenigen Stunden von Chippenham aus zu ihm gestoßen war,
konnte er einen Aufstand verhindern; wahrscheinlich aber würde es seine
Kräfte überstiegen haben, zu gleicher Zeit die Mißvergnügten in der
Stadt im Schach zu halten und einen Angriff von Außen abzuwehren. Doch
es erfolgte kein solcher Angriff. Das Feuer, welches in Bristol so große
Aufregung hervorgerufen, wurde in Pensford deutlich gesehen. Monmouth
hielt es jedoch nicht für rathsam, seinen Plan zu ändern; er blieb bis
Sonnenaufgang ganz ruhig und marschirte dann nach Keynsham, wo er die
Brücke bereits reparirt fand. Er beschloß, seiner Armee den Nachmittag
Ruhe zu gönnen und mit Einbruch der Dunkelheit nach Bristol weiter
vorzurücken.[78]
[Anmerkung 77: +Wade's Confession.+]
[Anmerkung 78: +Wade's Confession+; +Oldmixon, 703+; +Harl. MS.
6845+; Ansprache Jeffrey's an die große Jury von Bristol, am 21.
Sept. 1685.]
[_Er giebt den Plan auf Bristol auf._] Aber es war zu spät. Die
königlichen Truppen waren ganz in der Nähe. Der Oberst Oglethorpe
stürmte an der Spitze von ungefähr hundert Mann Leibgarden nach
Keynsham, zerstreute zwei Reitertrupps der Rebellen, die sich ihm
entgegenwarfen, und zog sich wieder zurück, nachdem er ihnen großen
Schaden zugefügt, selbst aber nur unbedeutenden Verlust erlitten hatte.
Unter diesen Umständen wurde es für nöthig erachtet, den Angriffsplan
auf Bristol aufzugeben.[79]
Aber was war nun zu thun? Verschiedene Pläne wurden vorgeschlagen und
berathen. Es wurde beantragt, Monmouth solle nach Gloucester eilen, dort
über den Severn gehen, die Brücke hinter sich abbrechen und so, auf der
rechten Flanke vom Flusse geschützt, durch Worcestershire nach
Shropshire und Cheshire marschiren. Er war früher einmal durch diese
Grafschaften gereist und daselbst mit der nämlichen Begeisterung
aufgenommen worden, wie in Somersetshire und Devonshire. Sein Erscheinen
regte den Eifer seiner alten Freunde ohne Zweifel von neuem an und seine
Armee konnte binnen wenigen Tagen auf das Doppelte ihrer gegenwärtigen
Stärke anwachsen.
Bei genauerer Überlegung zeigte es sich jedoch, daß dieser Plan, so
vortrefflich er zu sein schien, unausführbar war. Die Rebellen waren für
solche Märsche, wie die eben ausgeführten, zu schlecht mit Fußbekleidung
versorgt, und das tägliche Waten durch tiefen Schmutz unter heftigen
Regengüssen hatte sie erschöpft. Da sie ohne Zweifel bei jedem Haltorte
durch die feindliche Reiterei beunruhigt und aufgehalten werden würden,
durften sie nicht hoffen, Gloucester zu erreichen, ohne von dem
Hauptcorps der königlichen Truppen eingeholt und unter den ungünstigsten
Umständen zu einer Hauptschlacht gezwungen zu werden.
Hierauf wurde vorgeschlagen, in Wiltshire einzurücken. Personen, welche
diese Grafschaft zu kennen behaupteten, versicherten den Herzog, es
würden dort so ansehnliche Verstärkungen zu ihm stoßen, daß er
unbedenklich eine Schlacht annehmen könnte.[80]
Er befolgte diesen Rath und wendete sich nach Wiltshire. Die erste
Stadt, die er aufrief, war Bath. Aber Bath hatte eine starke königliche
Besatzung und Feversham rückte in Eilmärschen heran. Die Rebellen
machten daher keinen Angriffsversuch auf die Wälle, sondern eilten
weiter nach Philip's Norton, wo sie am Abend des 26. Juni Halt machten.
Feversham verfolgte sie dahin, und am frühen Morgen des 27. Juni wurden
sie durch die Nachricht erschreckt, daß er ihnen auf den Fersen sei. Sie
ordneten sich nun und besetzten die nach der Stadt führenden Hecken.
Bald darauf erschien die Vorhut der königlichen Armee, bestehend aus
etwa fünfhundert Mann unter dem Commando des Herzogs von Grafton, eines
jungen Mannes von großer Kühnheit aber rauhen Manieren, der
wahrscheinlich gern zeigen wollte, daß er an den unloyalen Plänen seines
Halbbruders keinen Theil habe. Grafton befand sich bald in einer
tiefliegenden Gasse, mit Zäunen zu beiden Seiten, von denen aus ein
höchst unangenehmes Musketenfeuer unterhalten wurde.
[Anmerkung 79: +London Gazette, June 29. 1685+; +Wade's
Confession.+]
[Anmerkung 80: +Wade's Confession+.]
[_Gefecht bei Philip's Norton._] Er rückte indessen muthig vor bis ans
Thor von Philip's Norton. Hier fand er den Weg durch eine Barrikade
versperrt, von welcher er mit einem dritten Feuer in die volle Fronte
empfangen wurde. Setzt verloren seine Leute den Muth und ergriffen
eiligst die Flucht. Ehe sie aus dem Hohlwege herauskamen, waren mehr als
hundert von ihnen getödtet oder verwundet. Dem Herzoge von Grafton war
von einer feindlichen Reiterabtheilung der Rückzug abgeschnitten; aber
er schlug sich tapfer durch und kam glücklich davon.[81]
Die so zurückgeworfene Vorhut zog sich auf das Hauptcorps der
königlichen Truppen zurück. Die beiden feindlichen Heere standen
einander ganz nahe gegenüber und es wurden einige Schüsse gewechselt,
die wenig oder gar keine Wirkung hatten. Auf keiner Seite war man zu
einer ordentlichen Schlacht geneigt. Feversham wollte erst die Ankunft
seiner Artillerie abwarten und zog sich deshalb nach Bradford zurück;
Monmouth verließ mit Einbruch der Dunkelheit seine Stellung, marschirte
südwärts und erreichte bei Tagesanbruch Frome, wo er Verstärkung zu
finden hoffte.
Frome war seiner Sache zwar eben so eifrig zugethan als Taunton und
Bridgewater, konnte aber nichts zu seiner Unterstützung thun. Die
Bevölkerung hatte sich einige Tage zuvor erhoben und Monmouth's
Erklärung war auf dem Marktplatze angeschlagen worden; aber die
Nachricht von diesem Aufstande war dem Earl von Pembroke zugekommen, der
in geringer Entfernung mit der Miliz von Wiltshire stand; er war
augenblicklich nach Frome marschirt, hatte einen Haufen Landleute, die
sich mit Sensen und Heugabeln ihm widersetzen wollten, in die Flucht
geschlagen, war in die Stadt eingerückt und hatte die Bewohner
entwaffnet. Es gab daher dort keine Waffen mehr und Monmouth war nicht
im Stande, solche zu liefern.[82]
[Anmerkung 81: +London Gazette, July 2. 1685+; Barillon, 6.(16.)
Juli; +Wade's Confession+.]
[Anmerkung 82: +London Gazette, June 29. 1685+; Citters, 30. Juni
(10. Juli).]
[_Monmouth's Verzagtheit._] Das Rebellenheer befand sich in einer
schlimmen Lage. Der Marsch in der vergangenen Nacht war höchst
beschwerlich gewesen; es hatte in Strömen geregnet und die Wege waren
dadurch zu wahren Morästen geworden. Von der aus Wiltshire versprochenen
Verstärkung hörte man nichts mehr; ein Bote brachte die Nachricht, daß
Argyle's Armee in Schottland zerstreut worden sei, ein andrer
berichtete, daß Feversham, nachdem er seine Artillerie an sich gezogen,
wieder anrücke. Monmouth verstand den Krieg zu gut, als daß er nicht
hatte wissen sollen, daß seine Leute bei all' ihrem Muth und all' ihrem
Eifer doch regulären Truppen nicht gewachsen waren. Er hatte sich bis
jetzt noch immer mit der Hoffnung geschmeichelt, daß einige von den
Regimentern, die er früher befehligt, zu ihm übergehen würden, aber
diese Hoffnung mußte er jetzt aufgeben. Da verließ ihn der Muth; er
hatte kaum noch Kraft genug, um Befehle zu geben. In seiner Noth
beklagte er sich bitter über die bösen Rathgeber, die ihn verleitet
hatten, sein glückliches Asyl in Brabant zu verlassen, und besonders
gegen Wildman brach er in heftige Verwünschungen aus.[83] Jetzt stieg in
seiner schwachen und geängstigten Seele ein schimpflicher Gedanke auf.
Er wollte die Tausende, die auf seinen Ruf und für seine Sache ihre
friedlichen Häuser und Felder verlassen hatten, den Händen der Regierung
preisgeben. Er wollte sich mit seinen vornehmsten Offizieren heimlich
entfernen, wollte einen Seehafen zu erreichen suchen, bevor man seine
Flucht ahnete, wollte auf das Festland entfliehen und in den Armen der
Lady Wentworth seinen Ehrgeiz und seine Schande vergessen. Diesen Plan
besprach er ganz ernstlich mit seinen hauptsächlichsten Rathgebern.
Einige von ihnen, denen um ihr Leben bange war, zollten demselben
Beifall; Grey aber, dem selbst seine Verleumder es zugestehen, daß er
überall unerschrocken war, wo nicht Schwertergeklirr und Kanonendonner
ihn umgaben, widersetzte sich mit großer Entschiedenheit dem feigen
Vorschlage und beschwor den Herzog, lieber jeder Gefahr Trotz zu bieten,
als die aufopfernde Anhänglichkeit des westlichen Landvolks mit Undank
und Verrath zu belohnen.[84]
Der Fluchtplan wurde aufgegeben, aber es war jetzt nicht leicht, irgend
einen Operationsplan zu entwerfen. Nach London zu marschiren, wäre
Wahnsinn gewesen, denn der Weg ging über die Ebene von Salisbury, auf
welcher großen Fläche reguläre Truppen, besonders Kavallerie, gegen
undisciplinirte Haufen zu sehr im Vortheil gewesen sein würden. In
dieser kritischen Lage traf plötzlich die Nachricht ein, daß die
Landbewohner der Marschen in der Umgegend von Axbridge zur Verteidigung
des protestantischen Glaubens aufgestanden seien, daß sie sich mit
Dreschflegeln, Knütteln und Heugabeln bewaffnet hätten und sich zu
Tausenden bei Bridgewater sammelten. Monmouth beschloß, dahin
zurückzukehren und sein Heer mit diesen neuen Verbündeten zu
verstärken.[85]
Die Rebellen marschirten demgemäß nach Wells, wo sie in nicht sehr
heitrer Stimmung ankamen. Sie waren, mit wenigen Ausnahmen, erbitterte
Feinde des Prälatenthums und äußerten ihren Haß in einer Weise, die
ihnen wenig Ehre machte. Sie rissen nicht nur das Bleidach von der
prächtigen Kathedrale, um Kugeln daraus zu gießen, eine Handlung, die
sie allenfalls mit den Bedürfnissen des Kriegs entschuldigen konnten,
sondern zerstörten auch muthwilligerweise die Verzierungen des Gebäudes.
Grey schützte nur mit Mühe den Altar vor den Schändungen einiger Buben,
die an demselben zechen wollten, indem er sich mit gezognem Schwerte
davor stellte.[86]
[Anmerkung 83: +Harl. MS.+ 6845; +Wade's Confession+.]
[Anmerkung 84: +Wade's Confession+; +Eachard, III.+, 766.]
[Anmerkung 85: +Wade's Confession+.]
[Anmerkung 86: +London Gazette, July 6. 1685+; Citters, 3.(13.)
Juli; +Oldmixon. 703.+]
[_Seine Rückkehr nach Bridgewater._] Am Donnerstag den 2. Juli zog
Monmouth wieder in Bridgewater ein, aber unter viel weniger erfreulichen
Umständen, als er es vor zehn Tagen verlassen hatte. Die Verstärkung,
die er daselbst fand, war unbedeutend, und die königliche Armee saß ihm
dicht auf den Fersen. Einen Augenblick hatte er die Idee, die Stadt zu
befestigen, und Hunderte von Arbeitern wurden aufgeboten, um Gräben zu
ziehen und Schanzen aufzuwerfen, dann kehrte er wieder zu dem Plane
zurück, nach Cheshire zu marschiren, ein Plan, den er in Keynsham als
unausführbar verworfen und der jetzt, in Bridgewater, sich gewiß nicht
günstiger gestaltet hatte.[87]
[Anmerkung 87: +Wade's Confession.+]
[_Die königliche Armee schlägt bei Sedgemoor ein Lager auf._] Während er
so zwischen gleich hoffnungslosen Projecten schwankte, kamen ihm die
Streitkräfte des Königs zu Gesicht. Sie bestanden aus ungefähr
zweitausendfünfhundert Mann regulärer Truppen und etwa fünfzehnhundert
Mann Miliz von Wiltshire. Sonntag, den 5. Juli, am frühen Morgen,
verließen sie Somerton und schlugen noch denselben Tag ungefähr drei
Meilen von Bridgewater auf der Ebene von Sedgemoor ihre Zelte auf.
Doctor Peter Mew, Bischof von Winchester, begleitete sie. Dieser Prälat
hatte in seiner Jugend im Dienste Karl's I. gegen das Parlament die
Waffen getragen. Weder seine Jahre, noch sein Beruf hatten seinen
kriegerischen Eifer völlig gedämpft, und er dachte wahrscheinlich, daß
die Anwesenheit eines Vaters der protestantischen Kirche im königlichen
Lager einige rechtschaffene Männer, welche zwischen dem Abscheu vor dem
Papstthum und dem Abscheu vor der Rebellion schwankten, in ihrer
Loyalität befestigen könnte.
Auf dem Thurme der Pfarrkirche zu Bridgewater, welcher der höchste in
ganz Somersetshire sein soll, hat man eine weite Aussicht über die
Umgegend. Monmouth bestieg in Begleitung einiger Offiziere die Gallerie
des viereckigen Thurmes, von wo aus die Spitze desselben sich erhebt,
und beobachtete durch ein Fernrohr die Stellung des Feindes. Unter ihm
lag eine flache Ebene, welche jetzt mit Kornfeldern und Obstpflanzungen
bedeckt ist, damals aber, wie schon ihr Name andeutet,[88] ein trauriger
Morast war. Wenn es stark geregnet hatte und der Parret mit seinen
Nebenflüssen austrat, so wurde diese Ebene häufig überschwemmt. Sie
bildete in der That schon in früheren Zeiten einen Theil des großen
Sumpfes, von dem in unseren ältesten Chroniken gesagt wird, daß er die
Fortschritte zweier aufeinanderfolgenden fremden Erobererstämme
aufgehalten habe. Dieser Sumpf hatte lange die Celten gegen die Angriffe
der Könige von Wessex geschützt und hatte Alfred eine Zuflucht vor den
Verfolgungen der Dänen gewährt. In jenen fernen Zeiten konnte diese
Gegend nur in Böten passirt werden; sie war ein großer See, in welchem
eine Menge kleiner Inseln von veränderlicher und trügerischer
Bodenbeschaffenheit zerstreut umherlagen, die mit üppigem Schilfe
bewachsen waren und auf denen es von Rothwild und wilden Schweinen
wimmelte. Noch zu den Zeiten der Tudors mußte der Reisende, den sein Weg
von Ilchester nach Bridgewater führte, des Wassers halber einen Umweg
von mehreren Meilen machen. Als Monmouth auf Sedgemoor niederblickte,
war es durch die Kunst zum Theil entwässert und von zahlreichen tiefen
Gräben durchschnitten, welche dort »Rhines« genannt werden. Inmitten des
Moors erhoben sich in der nächsten Umgebung die Kirchthürme einige
Dörfer, deren Namen andeuten, daß sie einstmals von den Fluthen bespült
wurden. In einem dieser Dörfer, Weston Zoyland genannt, lag die
königliche Reiterei und Feversham hatte daselbst sein Hauptquartier
aufgeschlagen. Viele noch lebende Personen haben die Tochter der Magd
gekannt, die ihn an jenem Tage bei Tische bediente, und eine große
Schüssel von persischem Porzellan, welche ihm vorgesetzt wurde, wird
noch immer in der Nachbarschaft sorgfältig aufbewahrt. Es muß bemerkt
werden, daß die Bevölkerung von Somersetshire nicht, wie die der
Fabrikdistrikte, aus Einwanderern aus entfernten Orten besteht. Man
findet dort häufig Landwirthe, die noch den nämlichen Boden bebauen, den
ihre Vorfahren bebauten, als die Plantagenets in England herrschten. Die
Traditionen von Somersetshire sind daher für den Geschichtsforscher von
nicht geringem Werthe.[89]
In größerer Entfernung von Bridgewater liegt das Dorf Middlezoy. In
diesem Dorfe und seiner Umgebung war die Miliz von Wiltshire unter
Pembroke's Befehlen einquartirt.
Auf offnem Moore, unweit Chozoy, lagerten mehrere Bataillone regulären
Fußvolks. Wehmüthig blickte Monmouth auf sie herab, denn er erinnerte
sich unwillkürlich daran, daß er vor wenigen Jahren an der Spitze einer
aus den nämlichen Leuten bestehenden Colonne die wilden Enthusiasten,
welche die Bothwelbrücke vertheidigten, in völliger Verwirrung vor sich
her getrieben hatte. Er konnte in den feindlichen Reihen die tapfere
Schaar unterscheiden, welche damals nach dem Namen ihres Obersten
Dumbarton's Regiment hieß, schon längst aber als das erste
Linienregiment bekannt war und in allen vier Welttheilen seinen alten
Ruhm stets bewährt hat. »Ich kenne diese Leute«, sagte Monmouth, »die
werden tüchtig kämpfen. Hätte ich nur sie, so würde Alles gut
gehen!«[90]
Der Anblick des Feindes war indessen nicht ganz entmuthigend. Die drei
Divisionen der königlichen Armee lagen weit von einander entfernt, ihre
Bewegungen hatten einen Anschein von sorgloser und lauer Disciplin und
es wurde berichtet, daß sie sich fortwährend in Zoylandcyder betränken.
Die Unfähigkeit Feversham's, der das Obercommando führte, war
allbekannt, und selbst in diesem kritischen Augenblicke dachte er nur an
Essen und Schlafen. Churchill dagegen war zwar ein Anführer, der weit
schwierigeren Aufgaben als der Zerstreuung eines Haufens schlecht
bewaffneter und ungeübter Bauern gewachsen war; aber das Genie, das
später sechs Marschälle Frankreichs demüthigte, war damals noch nicht an
seinem rechten Platze. Feversham sprach wenig mit Churchill und
ermuthigte ihn nicht, Vorschläge zu machen. Aber obgleich der
Unterbefehlshaber sich seiner Überlegenheit an Fähigkeiten und
Kenntnissen bewußt war, obgleich er sich nur mit Unmuth den Befehlen
eines Vorgesetzten unterwarf, den er verachtete, und obgleich er für die
Armee das Schlimmste befürchtete, so bewahrte er dennoch die ihn
auszeichnende Selbstbeherrschung und verbarg seine Gefühle so gut, daß
Feversham seine folgsame Thätigkeit lobte und sich vornahm, dem Könige
davon zu berichten[91].
Nachdem Monmouth die Stellung der königlichen Truppen beobachtet hatte
und von ihrem Zustande benachrichtigt worden war, glaubte er, daß ein
nächtlicher Angriff mit Erfolg gekrönt werden könnte. Er beschloß, sein
Glück zu versuchen und traf sofort die nöthigen Anstalten.
Es war Sonntag und seine Leute, welche zum größten Theile puritanisch
erzogen waten, brachten daher einen großen Theil des Tages in
Andachtsübungen zu. Das Schloßgebiet, auf dem die Armee lagerte, bot ein
Schauspiel dar, wie es England seit der Auflösung von Cromwell's Heer
nicht wieder gesehen hatte. Die Dissenterprediger, welche gegen den
Papismus zu den Waffen gegriffen hatten, und von denen einige vielleicht
schon im großen Bürgerkriege gekämpft hatten, beteten und predigten in
rothen Röcken und hohen Reitstiefeln, mit langen Schwertern an der
Seite. Auch Ferguson gehörte zu Denen, welche Reden hielten. Er wählte
zum Texte die furchtbare Verwünschung, durch welche die jenseits des
Jordan wohnenden Israeliten sich von der Beschuldigung reinigten, die
ihre Brüder am andren Ufer des Flusses aus Unwissenheit gegen sie
erhoben: »Der starke Gott, der Herr, der starke Gott, der Herr weiß, so
weiß Israel auch. Ist es Aufruhr oder ein Vergehen gegen den Herrn, so
helfe er uns heute nicht[92].«
Daß unter dem Schutze der Nacht ein Angriff versucht werden sollte, war
in Bridgewater kein Geheimniß. Die Stadt war von Frauen angefüllt, die
aus der Umgegend herbeigekommen waren, um ihre Gatten, Söhne, Geliebten
und Brüder noch einmal zu sehen. Es gab an diesem Tage manche
schmerzliche Abschiedsscene und Viele trennten sich, um einander nicht
wiederzusehen. Das Gerücht von dem beabsichtigten Angriff kam auch einem
jungen Mädchen zu Ohren, die eine eifrige Anhängerin des Königs war.
Trotz ihres schüchternen Wesens faßte sie den muthigen Entschluß,
Feversham selbst die Nachricht zu überbringen. Sie stahl sich heimlich
aus Bridgewater fort und begab sich in das königliche Lager. Dieses
Lager aber war nicht der Ort, wo die weibliche Unschuld sicher war.
Selbst die Offiziere, welche die irreguläre Streitmacht, der sie
gegenüberstanden, und den nachlässigen General, unter dessen Befehlen
sie kämpfen sollten, in gleichem Grade verachteten, waren des süßen
Weines voll und daher zu jedem Exceß der Sinnlichkeit und Grausamkeit
geneigt. Einer von ihnen ergriff das junge Mädchen, weigerte sich, auf
ihre Botschaft zu hören und that ihr auf die roheste Weise Gewalt an.
Vor Scham und Wuth der Verzweiflung nahe, entfloh sie wieder und
überließ das gottlose Heer seinem Schicksale[93].
Die Zeit zum Beginn des großen Wagstücks rückte jetzt heran. Die Nacht
war nicht ungünstig für ein solches Unternehmen. Es war zwar Vollmond
und ein glänzendes Nordlicht erschien am Horizont; aber der Sumpfnebel
lag so dicht über Sedgemoor, daß man auf funfzig Schritt die Gegenstände
nicht unterscheiden konnte[94].
[Anmerkung 88: +Sedgemoor+: Schilf-Moor.]
[Anmerkung 89: +Matt. West. Flor. Hist. A.D. 788+;
Handschriftliche Chronik, citirt von Sharon Turner in seiner
Geschichte der Angelsachsen, Buch IV. Kap. 19; +Drayton's
Polyolbion, III.+; +Leland's Itinerary+; +Oldmixon, 703.+ Oldmixon
befand sich damals in Bridgewater und sah wahrscheinlich den
Herzog auf dem Kirchthurme. Die oben erwähnte Schüssel ist im
Besitz eines Herrn Stradling, der sich die lobenswerthe Mühe
gegeben hat, die Überbleibsel und Traditionen des Aufstandes im
Westen aufzubewahren.]
[Anmerkung 90: +Oldmixon, 703.+]
[Anmerkung 91: Churchill an Clarendon, vom 4. Juli 1685.]
[Anmerkung 92: Paschall's Erzählung in Heywood's Anhang.]
[Anmerkung 93: +Kennet, ed. 1779, III. 432.+ Ich muß leider
glauben, daß diese traurige Geschichte wahr ist. Der Bischof
erklärt, daß sie ihm im Jahre 1718 von einem wackeren Offizier der
Blauen mitgetheilt worden sei, der bei Sedgemoor mitgefochten und
selbst das arme Mädchen in völliger Verzweiflung hat fortgehen
sehen.]
[Anmerkung 94: Erzählung eines Offiziers von den Gardereitern in
Kennet, Ausg. v. +1719, III. 432+; +MS. Journal of the Western
Rebellion, Rept. by Mr. Edward Dummer+; +Dryden's Hind and
Panther, part. II.+ Die Zeilen von Dryden sind schön:
Dies war des Himmels heitre Strahlenpracht
Bei Jakob's letztem Sieg in stiller Nacht,
Der Liebe seines mächt'gen Schutzherrn Pfand,
Das Feuerwerk von hehrer Engel Hand.
Ich selbst das helle Licht vergolden sah
Die düstren nächt'gen Schatten, fern und nah'.
Fort trug der Bote eiligst seine Kunde,
Zu dreier Völker Trost in banger Stunde,
Doch überall fand er des Himmels Boten schon.]
[_Schlacht von Sedgemoor._] Es schlug elf Uhr, als der Herzog mit seiner
Leibgarde aus dem Schlosse abritt. Er befand sich durchaus nicht in der
Gemüthsstimmung, wie sie einem Manne ziemt, der im Begriffe ist, einen
entscheidenden Schlag zu führen. Selbst die Kinder, die sich
herbeidrängten, um ihn vorüberreiten zu sehen, bemerkten, daß sein
Aussehen traurig und voll düsterer Ahnungen war, und erinnerten sich
dessen noch lange nachher. Seine Armee marschirte auf einem fast sechs
Meilen langen Umwege gegen das königliche Lager von Sedgemoor. Ein Theil
dieses Weges wird noch heute die Kriegsstraße genannt. Das Fußvolk
führte Monmouth persönlich an, und die Reiterei war trotz der
Gegenvorstellungen Derer, die sich des Unfalls bei Bridport erinnerten,
Lord Grey anvertraut worden. Es war Befehl gegeben, das strengste
Stillschweigen zu beobachten, keine Trommel zu rühren und keinen Schuß
abzufeuern. Das Losungswort, an dem die Insurgenten einander im Dunkeln
erkennen sollten, war Soho. Wahrscheinlich war dieses Wort in Anspielung
auf Soho-Fields in London gewählt, wo der Palast des Anführers
stand[95].
Montag den 6. Juli gegen ein Uhr in der Nacht kamen die Rebellen auf dem
offnen Moore an. Aber zwischen ihnen und dem Feinde befanden sich drei
mit Wasser und dünnem Schlamm gefüllte Gräben, und Monmouth wußte, daß
er zwei davon, den sogenannten »schwarzen Graben« und den
»Langmoor-Rhine« passiren mußte. Sonderbarerweise aber hatte ihm keiner
seiner Kundschafter etwas von der Existenz des dritten Grabens gesagt,
welcher »Bussex-Rhine« hieß und das königliche Lager unmittelbar deckte.
Die Munitionswagen blieben am Rande des Moors zurück. Die Reiterei und
das Fußvolk gingen auf einem Damme in einer langen und schmalen Colonne
über den schwarzen Graben. Ein ähnlicher Damm war auch durch den
Langmoor-Rhine geworfen, aber der Führer verirrte sich im Nebel. Es
entstand einiger Aufenthalt und Tumult, ehe man den rechten Weg wieder
fand; endlich wurde der Übergang noch glücklich bewerkstelligt, aber in
der Verwirrung ging ein Pistol los. Einige Wache haltende Gardereiter
hörten den Knall und bemerkten eine große Truppenmasse, die sich im
Nebel vorwärts bewegte. Sie feuerten ihre Karabiner ab und sprengten in
verschiedenen Richtungen davon, um Lärm zu machen. Einige eilten nach
Weston Zoyland, wo die Kavallerie lag. Ein andrer Reiter galoppirte in
das Lager der Infanterie und rief aus voller Kehle, daß der Feind in der
Nähe sei. Die Trommeln des Regiments Dumbarton schlugen Generalmarsch
und die Mannschaft trat sogleich unter's Gewehr. Es war die höchste
Zeit, denn Monmouth stellte seine Armee schon in Schlachtordnung auf. Er
befahl Grey, mit der Reiterei vorzugehen, und folgte selbst an der
Spitze des Fußvolks. Grey stürmte vorwärts, bis er plötzlich ganz
unvermuthet durch den Bussex-Rhine aufgehalten wurde. Jenseit des
Grabens stellte sich die königliche Infanterie eiligst in
Schlachtordnung auf.
»Für wen seid Ihr?« rief ein Offizier von der Fußgarde. »Für den König«,
antwortete eine Stimme in den Reihen der Rebellen-Kavallerie. »Für
welchen König?« wurde hierauf gefragt. Die Antwort war das
Jubelgeschrei: »Für König Monmouth!« vermischt mit dem Feldgeschrei, das
vierzig Jahre früher auf den Fahnen der Parlamentsregimenter stand:
»Gott mit uns!« Die königlichen Truppen gaben nun augenblicklich eine so
kräftige Musketensalve, daß die ganze Reiterei der Aufständischen
alsbald nach allen Richtungen auseinanderstob. Die Welt schrieb diese
schmachvolle Flucht allgemein der Feigherzigkeit Grey's zu. Aber es ist
keineswegs erwiesen, ob Churchill an der Spitze von Leuten, welche noch
nie im Sattel gekämpft hatten, und deren Pferde weder ans Feuer, noch
überhaupt an den Zügel gewohnt waren, besseren Erfolg gehabt haben
würde.
Wenige Minuten nachdem die Reiterei des Herzogs sich über den ganzen
Moor zerstreut hatte, kam seine Infanterie, der die brennenden Lunten
des Regiments Dumbarton als Wegweiser in der Dunkelheit dienten, im
Sturmschritt heran.
Monmouth erschrak nicht wenig, als er sah, daß ein breiter und tiefer
Graben ihn von dem Lager trennte, das er zu überrumpeln gehofft hatte.
Die Insurgenten machten am Rande des Grabens Halt und feuerten; ein
Theil der königlichen Infanterie am anderen Ufer erwiederte das Feuer.
Dreiviertel Stunde lang knatterte das Kleingewehrfeuer ununterbrochen.
Die Landleute von Somersetshire benahmen sich wie alte gediente
Soldaten, nur daß sie zu hoch hielten.
Jetzt aber hatten sich auch die anderen Abtheilungen der königlichen
Armee in Bewegung gesetzt. Die Leibgarben und die Blauen kamen von
Weston Zoyland herangesprengt und zerstreuten in einem Nu die wenigen
Reiter Grey's, die sich wieder zu sammeln versucht hatten. Die
Fliehenden verbreiteten einen panischen Schrecken unter ihren Kameraden
in der Nachhut, welche die Munition zu decken hatten. Die Wagen fuhren
in hastiger Eile davon und hielten nicht eher an, als bis sie mehrere
Meilen vom Schlachtfelde entfernt waren. Bis jetzt hatte Monmouth sich
als tapfrer und befähigter Krieger gezeigt; man hatte ihn zu Fuß
gesehen, wie er, mit einer Lanze in der Hand, seine Infanterie durch
Wort und Beispiel anfeuerte. Aber er war zu erfahren in militärischen
Angelegenheiten, als daß er nicht hätte wissen sollen, daß Alles vorbei
war. Seine Leute hatten den Vortheil, den ihnen die Überrumpelung und
die Dunkelheit gegeben, verloren; sie waren von der Reiterei und den
Munitionswagen im Stiche gelassen, und die königlichen Truppen waren
jetzt in bester Ordnung beisammen. Feversham war durch das Feuer geweckt
worden, war aus dem Bett gesprungen, hatte seine Halsbinde umgelegt,
sich gebührend im Spiegel gemustert, und war endlich herbeigekommen, um
zu sehen, was seine Leute thaten. Inzwischen hatte Churchill, was von
weit größrer Wichtigkeit war, eiligst eine ganz neue Aufstellung der
königlichen Infanterie vorgenommen. Der Morgen brach an; der Ausgang
eines Kampfes im offnen Felde und bei hellem Tageslichte konnte nicht
zweifelhaft sein. Aber Monmouth hätte fühlen sollen, daß er nicht
fliehen durfte, während Tausende, die ihre Zuneigung zu ihm ins
Verderben gestürzt, noch immer mannhaft für seine Sache kämpften. Aber
eitle Hoffnungen und die unüberwindliche Liebe zum Leben behielten bei
ihm die Oberhand. Er sah, daß, wenn er zögerte, die königliche Reiterei
ihm den Rückzug abschneiden würde; er stieg daher zu Pferde und ritt vom
Schlachtfelde.
Doch sein Fußvolk, obgleich von seinem Führer verlassen, hielt noch
tapfer Stand. Die Leibgarden griffen es von der rechten, die Blauen von
der linken Seite an; aber die Bauern von Somersetshire kämpften mit
ihren Sensen und ihren Gewehrkolben wie alte Soldaten gegen die
königlichen Reiter. Oglethorpe machte einen ungestümen Versuch, ihre
Reihen zu durchbrechen, und wurde tapfer zurückgeschlagen. Sarsfield,
ein wackrer irländischer Offizier, dessen Name später eine traurige
Berühmtheit erlangte, griff auf der andren Flanke an. Seine Leute wurden
ebenfalls zurückgeworfen. Er selbst wurde zu Boden geschlagen und blieb
eine Zeit lang für todt liegen. Der Widerstand der tapfren Landleute
konnte jedoch nicht mehr von langer Dauer sein, denn Pulver und Blei
waren völlig ausgegangen. Man hörte den Ruf: »Munition! um Gottes Willen
Munition!« Aber es war keine mehr zur Hand. Jetzt rückte überdies auch
die königliche Artillerie heran, die eine halbe Meile davon auf der
Straße von Weston Zoyland nach Bridgewater gestanden hatte. Die
Ausrüstung des englischen Heeres war damals noch so mangelhaft, daß es
ungeheure Mühe gekostet haben würde, die schweren Geschütze auf den
Platz zu schleppen, wo der Kampf wüthete, hätte nicht der Bischof von
Winchester seine Wagenpferde und seine Geschirre zu diesem Zwecke
hergegeben. Diese Einmischung eines christlichen Prälaten in eine
blutige Angelegenheit ist mit sonderbarer Inconsequenz von einigen
whiggistischen Schriftstellern verdammt worden, während sie nichts
Verbrecherisches in dem Benehmen der zahlreichen puritanischen
Geistlichen finden, welche damals gegen die Regierung unter Waffen
standen. Und als die Kanonen endlich angekommen waren, fehlte es so sehr
an Kanonieren, daß ein Sergeant vom Regimente Dumbarton die Bedienung
mehrerer Geschütze übernehmen mußte[96]. So schlecht indessen die
Geschütze auch bedient wurden, so brachten sie doch das Gefecht rasch zu
Ende. Die Lanzen der aufständischen Bataillone begannen sich zu senken,
die Reihen wurden durchbrochen; die königliche Reiterei machte einen
nochmaligen Angriff und warf Alles vor sich nieder, während zu gleicher
Zeit auch die Infanterie in großen Massen über den Graben kam. Selbst in
dieser höchsten Bedrängniß hielten die Bergleute von Menrix noch tapfer
Stand und verkauften ihr Leben theuer. Aber in wenigen Minuten war die
Niederlage vollständig. Dreihundert königliche Soldaten waren getödtet
oder verwundet, und von den Rebellen lagen mehr als tausend todt auf dem
Moor[97].
So endete der letzte, den Namen einer Schlacht verdienende Kampf, der
auf englischem Boden stattgefunden hat. Der Eindruck, den derselbe bei
den einfachen Bewohnern der Umgegend zurückließ, war tief und
nachhaltig. Allerdings ist dieser Eindruck auch häufig wieder
aufgefrischt worden, denn selbst noch in unseren Tagen haben Pflug und
Spaten nicht selten schauerliche Erinnerungszeichen von dem Gemetzel,
wie Schädel, Gebeine und seltsame Waffen, aus Ackergeräthen verfertigt,
zu Tage gefördert. Alte Landleute erzählten noch vor Kurzem, daß sie in
ihrer Kindheit oft auf dem Moore das Gefecht zwischen König Jakob's und
König Monmouth's Soldaten gespielt und daß die letzteren stets »Soho«
gerufen hätten[98].
Was bei der Schlacht von Sedgemoor am meisten auffällt, ist der Umstand,
daß der Ausgang nur einen Augenblick zweifelhaft sein konnte und daß die
Rebellen so lange Widerstand leisteten. Gegenwärtig würde es als ein
Wunder betrachtet werden, wenn fünf- oder sechstausend Kohlengräber und
Bauern nur einer halb so großen Anzahl von regulärer Kavallerie und
Infanterie eine halbe Stunde lang Stand hielte. Unser Erstaunen wird
sich jedoch vielleicht vermindern, wenn wir berücksichtigen, daß zu den
Zeiten Jakob's II. die Disciplin der regulären Armee außerordentlich
lax, und daß auf der andren Seite das Landvolk daran gewöhnt war, in der
Miliz zu dienen. Der Unterschied zwischen einem Regiment Fußgarden und
einem Regiment eben angeworbener Bauern war daher, obwohl schon sehr
bedeutend, doch keineswegs so groß, als er jetzt ist. Monmouth führte
nicht bloße Pöbelhaufen zum Angriff gegen geübte Soldaten; seine Leute
waren nicht ganz ohne allen militärischen Anstrich, während Feversham's
Truppen im Vergleich zu den englischen Truppen der Jetztzeit fast ein
Pöbelhaufe genannt werden könnten.
Es war vier Uhr, die Sonne ging auf und das geschlagene Heer ergoß sich
massenhaft in die Straßen von Bridgewater. Das Getümmel, das Blut, die
Wunden, die geisterhaften Gestalten, welche zu Boden sanken, um nicht
wieder aufzustehen, verbreiteten Entsetzen und Bestürzung in der Stadt.
Dazu kam noch, daß die Verfolger ihnen auf den Fersen waren. Die
Einwohner, welche den Aufstand begünstigt hatten, erwarteten
ausgeplündert und niedergemetzelt zu werden, und flehten ihre Nachbarn,
die sich zum römisch-katholischen Glauben bekannten oder sich durch
toryistische Gesinnung auszeichneten, um Schutz an. Auch, die heftigsten
whiggistischen Geschichtsschreiber erkennen es an, daß dieser Schutz
freundlich und hochherzig gewährt wurde[99].
[Anmerkung 95: Es ist von vielen Schriftstellern, unter Anderen
auch von Penant, behauptet worden, der Soho-Bezirk in London habe
seinen Namen von jener Parole in Monmouth's Armee bei Sedgemoor.
Aber man findet die Soho-Fields in Büchern erwähnt, welche vor dem
Aufstand im Westen gedruckt waren, z.B. in +Chamberlayn's State of
England, 1684.+]
[Anmerkung 96: Es existirt eine Verfügung von Jakob, welche
anbefiehlt, daß dem Sergeanten Weems vom Regiment Dumbarton »für
die guten Dienste, die er in der Schlacht von Sedgemoor durch
Abfeuern der großen Kanonen auf die Rebellen geleistet«, vierzig
Pfund Sterling ausgezahlt werden sollen. +Historical Record of the
First of Royal Regiment of Foot+.]
[Anmerkung 97: Jakob's II. Bericht von der Schlacht von Sedgemoor
in Lord Hardwicke's Staatsschriften; +Wade's Confession+;
Ferguson's handschriftliche Erzählung in Eachard III. 768;
Erzählung eines Offiziers von der Leibgarde in Kennet, Ausg. v.
1719, III. 432; +London Gazette, July 9. 1685+; +Oldmixon, 703+;
+Paschalle's Narrative+; +Burnet, I. 643+; +Evelyn's Diary, July
8.+; Citters, 7.(17.) Juli; Barillon 9.(19.) Juli; +Reresby's
Memoirs+; +the Duke of Buckingham's Battle of Sedgemoor, a Farce+;
+MS. Journal of the Western Rebellion, kept by Mr. Edward Dummer,
then serving in the train of artillery employed by Hir Majesty for
the suppression of the same+. Die letztgenannte Handschrift
befindet sich in der Pepys'schen Bibliothek und ist von großem
Werthe, nicht wegen der Erzählung, die wenig Bemerkenswerthes
enthält, sondern wegen der Pläne, welche die Schlacht in vier oder
fünf verschiedenen Stadien darstellen.
»Die Geschichte einer Schlacht«, sagt der größte der jetzt
lebenden Generale, »ist der Geschichte eines Balles nicht
unähnlich. Einige mögen sich wohl noch der kleinen Vorfälle
erinnern, welche den Gewinn oder den Verlust der Schlacht
herbeiführten; aber kein Einzelner kann sich erinnern, in welcher
Aufeinanderfolge oder in welchem Augenblicke sie sich ereigneten,
und davon hängt stets ihr Werth und ihre Bedeutung ab ... Um Ihnen
zu beweisen, wie wenig man sich auch auf die besten
Schlachtberichte verlassen kann, will ich nur sagen, daß in dem
Berichte des Generals * * einige Umstände erwähnt sind, die sich
nicht so zugetragen haben, wie er sie erzählt. Es ist unmöglich zu
sagen, wann und in welcher Ordnung jedes wichtige Ereigniß
eintrat.« -- +Wellington Papers, Aug. 8. & 17. 1815.+
Die Schlacht, in Bezug auf welche der Herzog von Wellington dies
schrieb, war die von Waterloo, die wenige Wochen vorher am hellen
Tage unter seinen eigenen scharfblickenden und erfahrenen Augen
geschlagen worden war. Wie schwierig muß es daher sein, aus zwölf
oder dreizehn Rapporten einen Bericht über eine Schlacht zusammen
zu stellen, die vor mehr als hundertsechzig Jahren in einer
Dunkelheit geschlagen wurde, daß man nicht fünfzig Schritt weit
vor sich sehen konnte? Die Schwierigkeit wird dadurch noch
vergrößert, daß die Augenzeugen, welche die beste Gelegenheit
hatten, die Wahrheit zu erfahren, durchaus nicht geneigt waren,
sie zu sagen. Das Dokument, das ich an die Spitze meiner
Quellenverzeichnisse gestellt habe, war unverkennbar mit der
größten Parteilichkeit für Feversham geschrieben. Wade schrieb in
der Angst vor dem Strange. Ferguson, der es überhaupt mit der
Wahrheit seiner Aussagen nicht genau nahm, log bei dieser
Gelegenheit wie Bobadil oder Parolles. Oldmixon, der zur Zeit der
Schlacht in Bridgewater noch ein Knabe war und einen großen Theil
seines spätren Lebens daselbst zubrachte, stand so unter dem
Einflusse örtlicher Leidenschaften, daß seine an Ort und Stelle
vorgenommenen Forschungen ihm nichts nützten. Der Wunsch, die
Tapferkeit der Landleute von Somersetshire zu preisen, eine
Tapferkeit, die selbst ihre Feinde anerkannten und welche nicht
erst durch Übertreibungen und Erdichtungen in ein glänzendes Licht
gestellt zu werden brauchte, verleitete ihn, einen lächerlichen
Roman zusammenzusetzen. Das Lob, welches Barillon, ein Franzos,
der gewöhnt war, ungeübte Schaaren zu verachten, der besiegten
Armee zollt, hat weit mehr Werth. +»Son infanterie fit fort bien.
On n'eut de la peine à les rompre, et les soldats combattoient
avec les crosses de mousquet et les scies, qu'ils avoient au bout
de grands bastons au lieu de picques.«+
Jetzt ist durch einen Besuch des Schlachtfeldes nicht viel mehr zu
lernen, denn die Gestalt der Gegend hat sich zu sehr verändert; so
ist der alte Bussex-Rhine, an dessen Ufern das Haupttreffen
stattfand, längst verschwunden. -- Von großem Nutzen ist mir
Robert's Schlachtbericht gewesen. +Life of Monmouth chap. 22.+
Seine Erzählung wird in der Hauptsache durch Dummer's Pläne
bestätigt.]
[Anmerkung 98: Ich weis dies aus dem Munde von Leuten, welche
unweit Sedgemoor wohnen.]
[Anmerkung 99: +Oldmixon, 704.+]
[_Verfolgung der Rebellen._] Die Sieger verfolgten die Fliehenden den
ganzen Tag. Die Bewohner der umliegenden Dörfer erinnerten sich noch
lange des Getöses und der Verwünschungen, womit die Reiterei
vorüberstürmte. Noch vor dem Abend waren fünfhundert Gefangene in der
Pfarrkirche zu Weston Zoyland eingesperrt. Achtzig von ihnen waren
verwundet und fünf starben innerhalb der heiligen Mauern. Eine große
Menge Landleute wurde herbeigetrieben, um die Gefallenen zu begraben,
und einige, deren Parteilichkeit für die Sache der Besiegten bekannt
war, wurden für das grauenvolle Geschäft bestimmt, die Gefangen zu
viertheilen. Die Unterconstabler der benachbarten Kirchspiele mußten
Galgen aufrichten und Ketten herbeischaffen. Währenddem läuteten
fröhlich die Glocken von Weston Zoyland und Chedzoy und die Soldaten
sangen und zechten auf dem Moore mitten unter den Leichen, denn die
Landwirthe der Umgegend hatten, sobald der Ausgang des Gefechts bekannt
war, sich beeilt, den Siegern ganze Fässer ihres besten Obstweines als
Friedensopfer darzubringen.[100]
[Anmerkung 100: +Locke's Western Rebellion, Stradling's Chilton
Priory.+]
[_Militärische Hinrichtungen._] Feversham galt für einen gutherzigen
Mann, aber er war ein Ausländer, der die Gesetze der Engländer nicht
kannte und sich um ihre Gefühle nicht kümmerte. Er war an den
kriegerischen Übermuth Frankreichs gewohnt und hatte von seinem hohen
Verwandten, dem Eroberer der Pfalz, nicht erobern, sondern nur verwüsten
und zerstören gelernt. Eine beträchtliche Anzahl Gefangener wurde sofort
zur Hinrichtung ausgewählt. Unter diesen befand sich ein junger Mann,
der wegen seiner Schnelligkeit im Laufen berühmt war. Man machte ihm
Hoffnung, daß er mit dem Leben davon kommen könne, wenn er aus einem
Wettlaufe mit einem Fohlen der Marschen siegreich hervorginge. Der Raum,
den dieser Mann in gleichem Schritt mit dem Pferde durchlief, ist noch
jetzt durch wohlbekannte Markzeichen auf dem Moore angegeben und war
ungefähr dreiviertel Meile lang. Feversham schämte sich nicht, den
unglücklichen Schnellläufer nach vollbrachter Leistung dennoch an den
Galgen zu schicken. Am nächsten Morgen sah man eine lange Reihe von
Galgen auf der Straße von Bridgewater nach Weston Zoyland, und an jedem
derselben hing ein Gefangner. Vier von den Duldern ließ man in ihren
Ketten verfaulen.[101]
[Anmerkung 101: +Locke's Western Rebellion+; +Stradling's Chilton
Priory+; +Oldmixon, 704.+]
[_Monmouth's Flucht._] Unterdessen entfloh Monmouth, begleitet von Grey,
Buyse und einigen andren Freunden, vom Schlachtfelde. In Chedzoy machte
er einen Augenblick Halt, um ein frisches Pferd zu besteigen und sein
blaues Knieband und seinen St. Georg[102] zu verbergen. Dann eilte er
weiter nach Bristol Channel. Auf den Anhöhen im Norden des
Schlachtfeldes sah er noch den Blitz und den Rauch der letzten Salve,
die seine verlassenen Getreuen abfeuerten. Vor sechs Uhr war er schon
zwanzig Meilen von Sedgemoor entfernt. Einige von seinen Begleitern
riethen ihm, über den Kanal zu setzen und in Wales eine Zufluchtsstätte
zu suchen, was unzweifelhaft das Klügste gewesen wäre. Er hätte längst
in Wales sein können, ehe die Nachricht von seiner Niederlage dahin
gelangte, und würde in einer so unwirthbaren, vom Sitze der Regierung
weit entfernten Gegend lange unentdeckt geblieben sein. Aber er
beschloß, nach Hampshire zu eilen, in der Hoffnung, sich in den Hütten
der Wilddiebe unter den Eichen des Neuen Waldes so lange verbergen zu
können, bis sich eine günstige Gelegenheit zum Entkommen auf das
Festland darbot. Daher wendete er sich mit Grey und Buyse südöstlich.
Aber der Weg war voll von Gefahren, denn die Flüchtlinge reisten durch
eine Gegend, wo Jedermann den Ausgang der Schlacht schon kannte und kein
Reisender von verdächtigem Aussehen sich einer genauen Untersuchung
entziehen konnte. Sie ritten den ganzen Tag, indem sie Städte und Dörfer
sorgfältig vermieden. Das war auch nicht so schwierig, als es jetzt
scheinen mag, denn damals lebende Leute konnten sich noch sehr gut der
Zeit erinnern, wo sich das Rothwild in einer Reihenfolge von Wäldern von
den Ufern des Avon in Wiltshire bis zur südlichen Küste von Hampshire in
ungestörter Freiheit tummelte.[103] Auf Cranbourne Chase konnten endlich
die Pferde vor Erschöpfung nicht weiter. Man nahm ihnen daher Sattel und
Zaum ab, welche sorgfältig versteckt wurden, und ließ sie laufen.
Monmouth und seine Freunde verschafften sich nun Bauernanzüge, und so
verkleidet wanderten sie zu Fuß durch den Neuen Wald. Sie brachten die
Nacht unter freiem Himmel zu, aber noch vor dem Morgen waren sie auf
allen Seiten umzingelt. Lord Lumley, der mit einer starken Abtheilung
der Miliz von Sussex in Ringwood stand, hatte nach allen Richtungen hin
Detaschements ausgesandt und Sir Wilhelm Portman mit der Miliz von
Somerset vom Meeresufer bis ans nördliche Ende von Dorset eine
Postenkette aufgestellt. Am siebenten um fünf Uhr Morgens wurde Grey,
der sich von seinen Freunden entfernt hatte, von zwei Sussexer Spionen
ergriffen. Er ergab sich in sein Schicksal mit der Ruhe eines Mannes,
dem die Ungewißheit unerträglicher war als die sichere Aussicht auf
seinen Untergang. »Seit unsrer Landung«, sagte er, »habe ich weder eine
einzige ordentliche Mahlzeit, noch eine ruhige Nacht gehabt.« Man konnte
kaum daran zweifeln, daß der Hauptrebell nicht weit entfernt war, und
die Verfolger verdoppelten daher ihre Wachsamkeit und Thätigkeit. Lumley
ließ alle auf dem Haidelande an den Grenzen von Dorsetshire und
Hampshire zerstreut liegenden Hütten genau durchsuchen, und der
Landmann, mit welchem Monmouth die Kleider gewechselt hatte, wurde
entdeckt. Portman kam mit einer starken Abtheilung Reiterei und Fußvolk,
um Lumley bei seinen Nachforschungen zu unterstützen. Bald wurde ihre
Aufmerksamkeit auf eine Stelle gelenkt, die sich zum Versteck für
Flüchtlinge vortrefflich eignete. Es war ein bedeutender Landstrich,
welcher durch ein Gehege von dem offnen Lande getrennt und durch
zahlreiche Hecken in kleine Feldparcellen abgetheilt war. Auf einigen
dieser Felder waren der Roggen, die Erbsen und der Hafer hoch genug, um
einen Menschen zu verbergen; andere waren mit Farrnkraut und
Brombeersträuchern bedeckt. Eine arme Frau berichtete, daß sie in dem
Gehege zwei Fremde gesehen habe, die sich zu verbergen schienen. Die
nahe Aussicht auf eine Belohnung erhöhte den Eifer der Truppen. Es wurde
verabredet, daß jeder Mann, der bei der Durchsuchung seine Pflicht thue,
einen Antheil von den versprochenen fünftausend Pfund bekommen sollte.
Die äußere Umzäunung wurde mit Wachen besetzt und der innre Raum mit
unermüdlicher Sorgfalt durchforscht; mehrere gute Spürhunde durchsuchten
das Gebüsch. Der Abend brach herein, ehe das Geschäft beendigt war, aber
die ganze Nacht hindurch wurde sorgfältig Wache gehalten. Wohl
dreißigmal wagten es die Flüchtlinge, durch die äußere Umzäunung zu
blicken, aber überall fanden sie eine aufmerksam umherspähende
Schildwache. Einmal wurden sie gesehen und auf sie geschossen; dann
trennten sie sich und verbargen sich in verschiedenen Schlupfwinkeln.
[Anmerkung 102: Die Insignien des Hosenbandordens. D. Übers.]
[Anmerkung 103: +Aubrey's Natural History of Wiltshire, 1691.+]
[_Seine Gefangennehmung._] Am nächsten Morgen mit Tagesanbruch begann
das Suchen von neuem und Buyse wurde gefunden. Er gestand, daß er sich
erst vor wenigen Stunden von dem Herzoge getrennt habe. Das Getreide und
das Gesträuch wurde nun mit noch größerer Sorgfalt untersucht. Endlich
wurde eine abgezehrte Gestalt in einem Graben gefunden. Die Verfolger
stürzten sich auf ihre Beute und einige von ihnen wollten feuern, aber
Portman verbot jede Gewaltthätigkeit. Der Gefangne trug die Kleidung,
eines Hirten, sein frühzeitig ergrauter Bart war seit mehreren Tagen
nicht rasirt. Er zitterte heftig und konnte nicht sprechen. Selbst
Diejenigen, die ihn oft gesehen hatten, zweifelten anfangs, ob dies
wirklich der glänzende und liebenswürdige Monmouth sei. Portman
untersuchte seine Taschen und fand darin unter grünen Erbsen, die er in
seinem quälenden Hunger abgepflückt hatte, eine Uhr, eine mit Gold
gefüllte Börse, ein kleines Werk über die Befestigungskunst, ein Album
mit Gedichten, Recepten, Gebeten und Zaubersprüchen, und den St. Georg,
mit dem König Karl II. vor vielen Jahren seinen Lieblingssohn geschmückt
hatte. Es wurden nun sogleich Boten mit der erfreulichen Nachricht nach
Whitehall abgesandt und der Gefangene unter starker Bedeckung nach
Ringwood gebracht.[104]
So war denn Alles verloren und es blieb ihm nichts mehr übrig, als daß
er sich vorbereitete, dem Tode so entgegenzugehen, wie es einem Manne
ziemte, der sich nicht für unwürdig gehalten, die Kronen Wilhelm's des
Eroberers und Richard's Löwenherz, des Helden von Cressy und des Helden
von Agincourt zu tragen. Der Gefangne hätte sich leicht noch anderer
Beispiele aus seiner Familie erinnern können, welche auf seine
gegenwärtige Lage besser paßten. In einem Zeitraume von hundert Jahren
waren zwei Souveraine, deren Blut in seinen Adern floß, darunter ein
zartes Weib, in der nämlichen Lage gewesen, in der er sich jetzt befand.
Sie hatten im Gefängniß und auf dem Schaffot einen Heldenmuth gezeigt,
dessen sie in den Tagen des Glücks nicht fähig gewesen waren, und hatten
ihre großen Fehler und Verbrechen zum Theil gesühnt, indem sie Alles,
was ihre siegreichen Feinde ihnen zufügen konnten, mit christlicher
Ergebung und majestätischer Würde ertrugen. Der Feigheit war Monmouth
nie beschuldigt worden, und hätte es ihm auch an natürlichem Muthe
gefehlt, so ließ sich erwarten, daß dieser Mangel durch den Stolz und
die Verzweiflung ersetzt werden würde. Die Augen der ganzen Welt waren
auf ihn gerichtet; die spätesten Geschlechter sollten es erfahren, wie
er sich in dieser kritischen Lage gezeigt hatte. Er war es den wackeren
Landleuten im Westen schuldig, ihnen zu beweisen, daß sie ihr Blut nicht
für einen ihrer Aufopferung unwürdigen Führer vergossen hatten, und dem
Weibe, die ihm Alles geopfert, war er es schuldig, sich so zu benehmen,
daß sie wohl um ihn weinen durfte, sich seiner aber nicht zu schämen
brauchte. Ihm stand es nicht an, zu jammern und um Gnade zu flehen; auch
mußte ihm schon sein Verstand sagen, daß er durch Klagen und Bitten
nichts erreichen würde. Er hatte etwas gethan, was nie vergeben werden
konnte, und er war in der Gewalt eines Mannes, der nie vergab.
Aber Monmouth's Muth war nicht jener erhabne Muth, der das Resultat der
Überlegung und der Selbstachtung ist; die Natur hatte ihm keines jener
starken Herzen verliehen, denen weder Mißgeschick noch Gefahren ein
Zeichen von Schwäche entreißen können. Sein Muth wuchs und sank nach
Maßgabe der auf ihn einwirkenden äußeren Eindrücke. Auf dem
Schlachtfelde wurde er durch die Aufregung des Kampfes, durch die
Hoffnung auf den Sieg und durch den mächtigen Einfluß der Sympathie
aufrecht erhalten. Alle diese Stützpunkte waren ihm jetzt entzogen. Das
verwöhnte Schooßkind des Hofes und des Volks, daran gewöhnt, überall wo
er sich zeigte, geliebt und vergöttert zu werden, war jetzt von
finsteren Kerkermeistern umgeben, in deren Blicken er sein Schicksal
las. Noch einige Stunden düstrer Abgeschiedenheit, und er mußte eines
gewaltsamen und schimpflichen Todes sterben. Sein Muth war völlig
gebrochen. Das Leben schien ihm werth, durch jede Erniedrigung erkauft
zu werden, und sein stets schwacher, jetzt aber noch durch die Angst
verwirrter Verstand sah nicht ein, daß Demüthigungen ihn herabwürdigen
mußten, aber nicht retten konnten.
[Anmerkung 104: +Account of the manner of taking the late Duke of
Monmouth, published by His Majesty's command. Gazette de France,
July 18.(28.) 1685+; +Eachard III. 770+; +Burnet I. 644+, und
Dartmouth's Note; Citters, 10.(20.) Juli 1685.]
[_Sein Brief an den König._] Sogleich nach seiner Ankunft in Ringwood
schrieb er an den König. Aus seinem Briefe sprach feige Angst, die kein
Ehrgefühl mehr kennt. Er versicherte in Ausdrücken der heftigsten
Verzweiflung, daß er seinen Verrath bereue und daß es zu der Zeit, als
er seinen Verwandten versprach, keine Unruhen in England hervorzurufen,
sein fester Vorsatz gewesen sei, sein Wort zu halten. Leider hätten
nachher einige abscheuliche Menschen ihn seiner Unterthanentreue
entfremdet, indem sie sein Blut durch Verleumdungen erhitzten und seinen
Verstand durch Sophismen irreleiteten; jetzt aber verabscheue er sie
sowohl als sich selbst. In kläglichen Ausdrücken flehte er um die Gunst
einer Unterredung mit dem Könige. Es handle sich um ein Geheimniß, das
er dem Papiere nicht anvertrauen könne, um ein Geheimniß, das in einem
einzigen Worte enthalten sei und das, wenn er es ihm mittheile, den
Thron gegen jede Gefahr sicherstellen werde. Am folgenden Tage schrieb
er auch noch an die Königin Wittwe und an den Lordschatzmeister, die er
beide dringend bat, sich für ihn zu verwenden.[105]
Das Erstaunen war groß, als es in London bekannt wurde, wie tief er sich
erniedrigt hatte, und Niemand wunderte sich mehr darüber, als Barillon,
der zwei blutige Proscriptionen in England erlebt und zahlreiche Opfer,
sowohl von der Opposition als vom Hofe, gesehen hatte, die sich ohne
weibisches Flehen und Jammern in ihr Schicksal ergaben.[106]
[Anmerkung 105: Der Brief an den König wurde damals auf besondren
Befehl gedruckt, der an die Königin Wittwe befindet sich unter Sir
H. Ellis' Originalbriefen; der an Rochester in Clarendon's
Correspondenz.]
[Anmerkung 106: Er schrieb: +»On trouve fort à redire icy qu'il
ayt fait une chose si peu ordinaire aux Anglois.«+ 13.(23.) Juli
1685.]
[_Er wird nach London abgeführt._] Monmouth und Grey blieben zwei Tage
in Ringwood und wurden dann unter Bedeckung eines starken Detaschements
regulärer Truppen und Milizen nach London abgeführt. Im Wagen des
Herzogs saß ein Offizier, welcher Befehl hatte, den Gefangnen sofort
niederzustoßen=, wenn er einen Fluchtversuch machen sollte. Auf dem
ganzen Wege war in jeder Stadt die Miliz der Umgegend unter dem Commando
der vornehmsten Gentry versammelt. Die Reise dauerte drei Tage und
endete zu Vauxhall, wo ein von Georg Legge, Lord Dartmouth, befehligtes
Regiment die Gefangenen in Empfang nahm. Sie wurden hierauf zu Wasser in
einer Staatsbarke nach Whitehall gebracht. Lumley und Portman hatten
abwechselnd Tag und Nacht den Herzog bewacht, bis sie ihn wohlbehalten
in den Mauern des Palastes ablieferten.[107]
Sowohl Monmouth's als auch Grey's Benehmen während der Reise erfüllte
jeden Beobachter mit Erstaunen; Monmouth war gänzlich zu Boden
geschmettert; Grey dagegen war nicht nur gefaßt, sondern sogar heiter,
sprach ganz vergnügt von Pferden und Hunden, von Jagd und Wettrennen,
und machte selbst scherzhafte Anspielungen auf die gefährliche Lage, in
der er sich befand.
Man kann den König wegen seines Entschlusses, daß Monmouth den Tod
erleiden sollte, nicht tadeln. Wer sich an die Spitze eines Aufstandes
gegen die bestehende Regierung stellt, setzt sein Leben aufs Spiel, und
Auflehnung gegen die königliche Gewalt war nur der geringste Theil von
Monmouth's Verbrechen. Er hatte seinem Oheim einen Krieg ohne Pardon
erklärt. In dem zu Lyme erlassenen Manifeste war Jakob als Brandstifter,
als Meuchelmörder, der einen Unschuldigen erdrosselt und einem Andren
die Kehle abgeschnitten, und schließlich als Vergifter seines eignen
Bruders der öffentlichen Verwünschung preisgegeben worden. Einen Freund
zu schonen, der sich kein Gewissen daraus gemacht, zu so schändlichen
Mitteln zu greifen, würde ein Act seltner, vielleicht tadelnswerther
Großmuth gewesen sein; ihn aber zu empfangen und dann nicht zu schonen,
dies war ein Frevel an der Humanität und der Schicklichkeit.[108] Der
König beging diesen Frevel. Dem Gefangnen wurden vermittelst einer
seidnen Schnur die Hände auf den Rücken gebunden, und nachdem man ihn
auf diese Weise unschädlich gemacht, wurde er bei dem unversöhnlichen
Verwandten, den er so schwer beleidigt hatte, eingeführt.
[Anmerkung 107: +Account of the manner of taking The Duke of
Monmouth+; +London Gazette, July 16. 1685+; Citters, Juli
14.(24.)]
[Anmerkung 108: Barillon nahm unverkennbar großes Ärgerniß daran.
Er schreibt: +»Il se vient de passer icy une chose bien
extraordinaire et fort opposée à l'usage ordinaire des autres
nations.«+ 13.(23.) Juli 1685.]
[_Seine Unterredung mit dem Könige._] Monmouth warf sich nieder und
kroch bis zu den Füßen des Königs. Er weinte und versuchte mit seinen
gefesselten Armen die Knie seines Oheims zu umfassen; er flehte um sein
Leben, nur um sein Leben, um sein Leben um jeden Preis. Er gestand, daß
er sich eines großen Verbrechens schuldig gemacht habe, versuchte es
aber, die Schuld auf Andere zu wälzen, namentlich auf Argyle, der eher
seine Füße in die spanischen Stiefeln gesteckt, als sein Leben durch
eine solche Gemeinheit gerettet haben würde. Bei den Banden der
Verwandtschaft, bei dem Gedächtniß des verstorbnen Königs, des besten
und aufrichtigsten Bruders, beschwor der Unglückliche den König, einige
Gnade walten zu lassen. Jakob erwiederte in ernstem Tone, diese Reue
komme zu spät, er bedaure das Unglück, das der Gefangne selbst über sich
gebracht habe, aber der Fall sei nicht geeignet, zur Milde zu stimmen.
Der Herzog habe eine mit den abscheulichsten Verleumdungen angefüllte
Erklärung erlassen und sich den Königstitel angemaßt; für einen unter so
erschwerenden Umständen verübten Verrath könne es diesseit des Grabes
keine Verzeihung geben. Der unglückliche Herzog betheuerte, daß er nie
nach dem Besitz der Krone getrachtet habe, sondern daß er nur durch
Andere zu dem unheilvollen Beginnen verleitet worden sei. Die Erklärung
habe er nicht geschrieben, ja nicht einmal gelesen, er habe sie
unterzeichnet, ohne sie nur anzusehen, sie sei lediglich das Werk
Ferguson's, des blutdürstigen Schurken Ferguson. »Ihr werdet mich doch
nicht glauben machen wollen«, sagte Jakob mit nur zu wohl verdienter
Verachtung, »daß Ihr Euren Namen unter ein Dokument von solcher
Bedeutung setztet, ohne den Inhalt desselben zu kennen?« Jetzt blieb nur
noch eine Stufe der Infamie übrig, und selbst zu dieser stieg der
Gefangne herab. Er war vorzugsweise als Vertheidiger der
protestantischen Religion aufgetreten. Das Interesse dieses Glaubens war
der Vorwand gewesen, unter dem er sich gegen die Regierung seines Vaters
verschwor und die Drangsale eines Bürgerkrieges über sein Vaterland
brachte; dennoch schämte er sich nicht, anzudeuten, daß er geneigt sei,
sich mit der römischen Kirche wieder auszusöhnen. Der König bot ihm
bereitwilligst geistlichen Beistand an, sagte aber kein Wort von
Begnadigung oder Aufschub. »Ich habe also keine Hoffnung?« fragte
Monmouth. Jakob wendete sich schweigend von ihm ab. Der Herzog raffte
nun seinen ganzen Muth zusammen, erhob sich und verließ mit einer
Festigkeit, die er seit seinem Sturze noch nicht gezeigt hatte, das
Gemach.[109]
Nach ihm wurde Grey eingeführt. Er benahm sich mit so edlem Anstande und
solcher Fassung, daß selbst der finstre und rachsüchtige König davon
ergriffen wurde, gestand seine Schuld offen ein, versuchte es nicht,
sich zu entschuldigen, und ließ sich nicht ein einziges Mal herab, um
sein Leben zu bitten. Beide Gefangene wurden zu Wasser in den Tower
geschickt. Es gab keinen Tumult, aber viele Tausende suchten mit
ängstlicher und betrübter Miene einen Blick auf die Gefangenen zu
werfen. Den Herzog verließ seine Festigkeit wieder, sobald er dem Könige
aus dem Gesicht war. Auf dem Wege in sein Gefängniß bejammerte er laut
sein Geschick, klagte seine Anhänger an und bat in erniedrigender Weise
Dartmouth um seine Verwendung. »Ich weiß, Mylord,« sagte er zu ihm, »daß
Sie meinen Vater liebten. Um seinetwillen und um Gotteswillen versuchen
Sie es, Gnade für mich zu erwirken!« Dartmouth antwortete ihm, der König
habe die Wahrheit gesagt: ein Unterthan, der sich den Königstitel
angemaßt, habe sich selbst jeder Hoffnung auf Gnade begeben.[110]
Bald nach seiner Ankunft im Tower wurde Monmouth gemeldet, daß seine
Gemahlin auf königlichen Befehl zu ihm gesandt sei, um ihn zu besuchen.
Sie war begleitet vom Geheimsiegelbewahrer, Earl von Clarendon. Ihr
Gemahl empfing sie sehr kalt und sprach fast nur mit Clarendon, den er
dringend um seine Fürsprache bat. Der Earl machte ihm keine Hoffnung,
und noch den nämlichen Abend kamen zwei Prälaten, Turner, Bischof von
Ely, und Ken, Bischof von Bath und Wells, mit einer feierlichen
Botschaft vom Könige in den Tower. Es war Montag Nacht. Am Mittwoch
Morgen sollte Monmouth sterben.
Er war heftig erschüttert, alles Blut trat aus seinen Wangen, und es
dauerte eine Weile, ehe er sprechen konnte. Den größten Theil der kurzen
Zeit, die ihm noch vergönnt war, verschwendete er in nutzlosen
Versuchen, wenn nicht Begnadigung, doch einen Aufschub zu erlangen. Er
schrieb klägliche Briefe an den König und an mehrere Höflinge, aber
vergebens. Von Seiten des Hofes wurden einige katholische Geistliche zu
ihm gesandt, sie überzeugten sich jedoch bald, daß er zwar gern durch
Abschwörung des Glaubens, als dessen Vertheidiger er sich ganz speciell
erklärt hatte, sein Leben erkaufen würde, daß er aber, wenn er einmal
sterben müßte, eben so gern ohne ihre Absolution als mit derselben
sterben würde.[111]