Dritter Band

Leipzig, 1854.

_G. H. Friedlein._

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Fünftes Kapitel.

Jakob II.

=Inhalt.=

Seite

Whiggistische Flüchtlinge auf dem Festlande 5

Ihre Correspondenten in England 5

Character der Oberhäupter der Flüchtlinge 6

Ayloffe 6

Wade 7

Goodenough 7

Rumbold 7

Lord Grey 8

Monmouth 9

Ferguson 10

Schottische Flüchtlinge 13

Der Earl von Argyle 13

Sir Patrick Hume und Sir Johann Cochrane 15

Fletcher von Saltoun 16

Unverständiges Benehmen der schottischen Flüchtlinge 16

Anstalten zu einem Unternehmen gegen England

und Schottland 17

Johann Locke 19

Vorkehrungen der Regierung zur Vertheidigung Schottlands 20

Unterredung Jakob's mit den holländischen Gesandten 20

Vergebliche Versuche, Argyle am Absegeln zu verhindern 20

Argyle's Abreise von Holland 22

Argyle landet in Schottland 22

Argyle's Zwistigkeiten mit seinen Begleitern 23

Stimmung der schottischen Nation 24

Argyle's Truppe zerstreut 27

Argyle gefangen genommen 28

Argyle's Hinrichtung 31

Rumbold's Hinrichtung 32

Ayloffe's Tod 33

Verwüstung von Argyleshire 34

Erfolglose Versuche, Monmouth's Abreise von Holland

zu verhindern 35

Monmouth's Ankunft in Lyme 36

Seine Erklärung 37

Seine Popularität im Westen Englands 38

Zusammenstoß der Rebellen mit der Miliz in Bridport 39

Gefecht zwischen den Rebellen und der Miliz bei Axminster 41

Die Nachricht von dem Aufstande kommt nach London 41

Loyalität des Parlaments 41

Monmouth's Empfang in Taunton 44

Monmouth nimmt den Königstitel an 46

Sein Empfang in Bridgewater 49

Vorkehrungen der Regierung zum Widerstande 50

Sein Plan auf Bristol 53

Er giebt den Plan auf Bristol auf 53

Gefecht bei Philip's Norton 54

Monmouth's Verzagtheit 55

Seine Rückkehr nach Bridgewater 56

Die königliche Armee schlägt bei Sedgemoor ein Lager auf 56

Schlacht von Sedgemoor 59

Verfolgung der Rebellen 63

Militairische Hinrichtungen 64

Monmouth's Flucht 64

Seine Gefangennehmung 65

Sein Brief an den König 67

Er wird nach London abgeführt 67

Seine Unterredung mit dem Könige 68

Seine Hinrichtung 71

Wie das niedere Volk sein Andenken ehrte 73

Grausamkeiten der Soldaten im Westen 75

Kirke 75

Jeffreys reist zu den westlichen Assisen ab 79

Prozeß der Alice Lisle 79

Die blutigen Assisen 82

Abraham Holmes 85

Christoph Battiscombe 85

Die Gebrüder Hewling 86

Tutchin's Strafe 88

Deportation von Rebellen 87

Confiscationen und Erpressungen 88

Habgier der Königin und ihrer Hofdamen 89

Verfahren gegen Grey, Cochrane, Storey, Wade,

Goodenough und Ferguson 91

Jeffreys zum Lordkanzler ernannt 93

Cornish's Prozeß und Hinrichtung 94

Prozeß und Hinrichtung Fernley's und der Elisabeth Gaunt 95

Prozeß und Hinrichtung Bateman's 97

Grausame Verfolgung der protestantischen Dissenters 97

[_Whiggistische Flüchtlinge auf dem Festlande._] Gegen das Ende der

Regierung Karl's II. hatten einige Whigs, welche in das ihrer Partei so

verderblich gewordene Complot verwickelt waren und wußten, daß man ihnen

den Untergang geschworen, in den Niederlanden eine Zufluchtsstätte

gesucht.

Diese Flüchtlinge waren größtentheils Leute von heißblütigem

Temperament, aber schwachem Urtheile, und überdies waren sie von der

sonderbaren Täuschung befangen, die ihrer Lage eigen zu sein scheint.

Ein Politiker, welcher durch eine feindliche Partei in die Verbannung

getrieben wurde, erblickt die Gesellschaft, die er verlassen, in der

Regel in einem falschen Lichte. Jeder Gegenstand erhält durch den

Schmerz, durch die Sehnsucht und durch den Haß eine andre Gestalt und

Färbung. Jede kleine Unzufriedenheit scheint ihm eine Revolution zu

verkünden, jeder Tumult dünkt ihm ein Aufstand. Er ist nicht davon zu

überzeugen, daß sein Vaterland sich nicht eben so schmerzlich nach ihm

sehnt, wie er sich nach demselben sehnt, er bildet sich ein, daß alle

seine alten Gesinnungsgenossen, die noch in der Heimath und im

ungestörten Genusse ihres Vermögens sind, von den nämlichen Gefühlen

gequält werden, welche ihm das Leben zu einer Last machen. Je länger

seine Verbannung dauert, um so größer wird diese Täuschung. Die Zeit,

welche den Feuereifer der zurückgelassenen Freunde dämpft, schürt den

seinigen nur noch mehr an. Mit jedem Monate wird sein sehnsüchtiges

Verlangen nach der Heimath stärker, und mit jedem Monate denkt sein

Vaterland seltener an ihn und vermißt ihn weniger. Diese Täuschung wird

fast zum Wahnsinn, wenn viele Verbannte, die um der nämlichen Sache

willen leiden, an einer fremden Küste beisammenwohnen. Ihre

Hauptbeschäftigung ist, davon zu sprechen, was sie einst waren und was

sie vielleicht noch einmal werden können, einander zum Hasse gegen den

gemeinschaftlichen Feind aufzustacheln und sich gegenseitig mit

überspannten Hoffnungen auf Sieg und Rache zu nähren. So werden sie reif

zu Unternehmungen, welche Jedermann, den die Leidenschaft nicht der

Fähigkeit beraubt hat, die Wahrscheinlichkeiten zu berechnen, von

vornherein für hoffnungslos erklären würde.

[_Ihre Correspondenten in England._] In dieser Stimmung waren viele der

Verwiesenen, die sich auf dem Continent gesammelt hatten. Der

Briefwechsel, den sie mit England unterhielten, diente größtentheils nur

dazu, ihre Gefühle noch mehr aufzureizen und ihr Urtheil irre zu führen.

Ihre Nachrichten von dem Zustande der öffentlichen Meinung erhielten sie

hauptsächlich von den schlimmsten Mitgliedern der Whigpartei, von

Männern, welche Verschwörer und Pasquillanten von Profession waren, die

von den Gerichten verfolgt wurden, die nur verkleidet durch abgelegene

Gassen schleichen und sich zuweilen Wochen lang auf Böden oder in

Kellern versteckt halten mußten. Die Staatsmänner, welche die Zierden

der Vaterlandspartei gewesen waren, die Staatsmänner, welche später die

Berathungen des Convents leiteten, würden ganz andere Rathschläge

gegeben haben, als Männer wie Johann Wildman und Heinrich Danvers sie

gaben.

Wildman hatte vierzig Jahre früher im Parlamentsheere gedient, sich aber

in dieser Stellung mehr als Wühler, denn als Soldat ausgezeichnet, und

hatte das Waffenhandwerk bald wieder aufgegeben, um andere Zwecke zu

verfolgen, die seinem Character mehr zusagten. Sein Haß gegen die

Monarchie hatte ihn angetrieben, sich in eine lange Reihe von

Verschwörungen einzulassen, zuerst gegen den Protector und dann gegen

die Stuarts. Wildman verband jedoch mit seinem Fanatismus eine zärtliche

Sorge für seine persönliche Sicherheit. Er besaß eine seltene

Geschicklichkeit darin, die Schwelle des Hochverraths nicht zu

überschreiten. Niemand verstand es besser als er, Andere zu

verzweifelten Unternehmungen durch Worte anzureizen, welche vor Gericht

unschuldig, oder schlimmsten Falls doch nur zweideutig erscheinen

konnten. Seine Verschlagenheit war so groß, daß er, obgleich er

beständig complotirte, obgleich er von jeher als Verschwörer bekannt war

und obgleich ihn eine rachsüchtige Regierung lange Zeit mit feindseligem

Argwohn beobachtete, doch immer jeder Gefahr entging und ruhig in seinem

Bette starb, nachdem er zwei Generationen seiner Mitschuldigen am Galgen

hatte enden sehen.[1] Danvers war ein Mensch von gleichem Schlage,

heißblütig, aber kleinmüthig, durch glühende Begeisterung fortwährend

bis an den Rand der Gefahr getrieben, durch die Feigheit aber immer

wieder an diesem Rande zurückgehalten. Er hatte unter einem Theile der

Baptisten großen Einfluß, hatte viel zur Vertheidigung ihrer sonderbaren

Ansichten geschrieben und sich durch den Versuch, das Verbrechen des

Matthias und Johann von Leyden zu beschönigen, den strengen Tadel der

ehrenwerthesten Puritaner zugezogen. Hätte er ein wenig Muth besessen,

so ist es wahrscheinlich, daß er in die Fußtapfen der Elenden getreten

wäre, die er vertheidigte. Er mußte sich damals vor den Beamten der

Justiz verbergen, da wegen einer grobverleumderischen Schrift, als deren

Verfasser die Regierung ihn entdeckt hatte, Verhaftsbefehle gegen ihn

erlassen waren.[2]

[Anmerkung 1: +Clarendon's History of the Rebellion, book XIV.+;

+Burnet's Own Times, I. 546, 625+; +Wade's and Ireton's

Narratives, Lansdowne M.S. 1152+; West's Anklage im Anhange zu

+Sprat's True Account.+]

[Anmerkung 2: +London Gazette, Jan. 4. 1684/85+; +Ferguson M.S. in

Eachard's History, III. 764+; +Grey's Narrative+; +Sprat's True

Account+; +Danvers's Treatise on Baptism+; +Danvers's Innocency

and Truth vindicated+; +Crosley's History of the English

Baptists.+]

[_Character der Oberhäupter der Flüchtlinge._] Man kann leicht denken,

welcher Art die Mittheilungen und Rathschläge waren, die solche Männer

den Geächteten in den Niederlanden zukommen ließen. Nach einigen wenigen

Proben wird man sich eine Vorstellung von dem allgemeinen Character der

Letzteren bilden können.

[_Ayloffe._] Einer der hervorragendsten unter ihnen war Johann Ayloffe,

ein Jurist, der mit den Hyde, und durch die Hyde wieder mit Jakob

verwandt war. Er hatte sich schon frühzeitig durch eine sonderbare

Beleidigung der Regierung bemerkbar gemacht. Zu der Zeit nämlich, als

der Einfluß des Hofes von Versailles allgemeinen Unwillen erregte, hatte

er einen hölzernen Schuh, bei den Engländern das feststehende Sinnbild

der französischen Tyrannei, auf den Präsidentenstuhl des Hauses der

Gemeinen gelegt. Später hatte er an dem whiggistischen Complot Theil

genommen, aber man hat keinen Grund zu der Vermuthung, daß er um den

Plan, die königlichen Brüder zu ermorden, gewußt habe. Er war ein Mann

von Talent und Muth, sein moralischer Charakter aber stand auf keiner

hohen Stufe. Die puritanischen Theologen raunten einander zu, daß er ein

gewissenloser Gallio oder etwas noch Schlimmeres sei und daß bei all

seinem Eifer für die bürgerliche Freiheit die Heiligen wohl daran thun

würden, jeden Umgang mit ihm zu vermeiden.[3]

[Anmerkung 3: +Sprat's True Account+; +Burnet I. 634+; +Wade's

Confession, Harl. M.S. 6845.+ Lord Howard von Escrick beschuldigte

Ayloffe, daß er die Ermordung des Herzogs von York vorgeschlagen

habe; aber Lord Howard war ein abscheulicher Lügner und diese

Erzählung war kein Theil seines ursprünglichen Bekenntnisses,

sondern wurde erst später als Supplement hinzugefügt und verdient

daher durchaus keinen Glauben.]

[_Wade._] Nathaniel Wade war ebenfalls Jurist, wie Ayloffe. Er hatte

lange in Bristol gewohnt und war in seiner Umgebung als ein heftiger

Republikaner gepriesen worden. Einmal hatte er sich vorgenommen, nach

New-Jersey auszuwandern, wo er Institutionen zu finden hoffte, die

seinem Geschmacke besser zusagten als die englischen. Seine Thätigkeit

bei den Parlamentswahlen hatten die Aufmerksamkeit einiger vornehmen

Whigs auf ihn gelenkt, sie bedienten sich seiner als Anwalt und zogen

ihn endlich zu ihren geheimsten Berathungen. Er war bei dem

Insurrectionsplane stark betheiligt und hatte es unternommen, sich in

seiner eignen Stadt an die Spitze eines Aufstandes zu stellen. Ebenso

war er in das verwerflichere Complot gegen das Leben Karl's und Jakob's

eingeweiht gewesen, aber er erklärte stets, daß er zwar davon gewußt, es

aber durchaus verabscheut und sogar versucht habe, seine Mitverschwornen

von der Ausführung ihres Planes abzubringen. Für einen zu bürgerlichen

Berufsgeschäften herangebildeten Mann besaß Wade in seltenem Maße die

Umsicht und Energie, welche die Haupterfordernisse eines guten Soldaten

sind. Leider aber erwiesen sich seine Grundsätze und sein Muth nicht

stark genug, um ihn nach beendetem Kampfe, als er im Gefängniß zwischen

Tod und Schande zu wählen hatte, aufrecht zu erhalten.[4]

[Anmerkung 4: +Wade's Confession, Harl. M.S. 6845+; +Lansdowne

M.S. 1152+; Holloway's Erzählung im Anhange zu +Sprat's True M.S.

Account+. Wade gestand zu, daß Holloway nur die Wahrheit gesagt

hatte.]

[_Goodenough._] Ein andrer Flüchtling war Richard Goodenough, der früher

Untersheriff von London gewesen war. Diesen Mann hatte seine Partei

lange zu Dienstleistungen nicht sehr ehrenwerther Art benutzt, besonders

wenn es darauf ankam, Geschworne zu wählen, von denen man hoffen durfte,

daß sie bei politischen Prozessen nicht allzu gewissenhaft sein würden.

Er war tief verwickelt gewesen in die schwarzen und blutigen Anschläge

des Whigcomplots, welche vor den achtungswertheren Whigs sorgfältig

geheim gehalten wurden. Bei ihm konnte man nicht als mildernden Umstand

anführen, daß er durch übergroßen Eifer für das Gemeinwohl irre geleitet

worden sei, denn wir werden später sehen, daß er, nachdem er eine edle

Sache durch seine Verbrechen geschändet, sie schließlich verrieth, um

der wohlverdienten Strafe zu entgehen.[5]

[Anmerkung 5: +Sprat's True Account+ an mehreren Stellen.]

[_Rumbold._] Ein ganz andrer Character war Richard Rumbold. Er war

Offizier in Cromwell's Leibregiment gewesen, hatte am Tage der großen

Hinrichtung das Schaffot vor dem Bankethause bewacht, bei Dunbar und

Worcester gefochten und stets in hohem Grade die Eigenschaften gezeigt,

durch welche sich das unbesiegbare Heer, in dem er diente, auszeichnete:

einen unerschütterlichen Muth, eine glühende Begeisterung, sowohl in

politischer als in religiöser Hinsicht, und neben dieser Begeisterung

doch die ganze Kraft der Selbstbeherrschung, welche Männern eigen ist,

die in wohldisciplinirten Lagern befehlen und gehorchen gelernt haben.

Nach erfolgter Auflösung der republikanischen Armee wurde Rumbold Mälzer

und betrieb sein Geschäft unweit Hoddesdon in dem Hause, von dem das

Ryehousecomplot seinen Namen hat. Bei den Berathungen der Heftigsten und

Rücksichtslosesten unter den Mißvergnügten war vorgeschlagen, doch nicht

definitiv beschlossen worden, daß bewaffnete Männer in das Roggenhaus

gelegt werden sollten, um die Eskorte anzugreifen, welche Karl und Jakob

von Newmarket nach London begleitete. An diesen Berathungen hatte

Rumbold einen Antheil genommen, von dem er mit Abscheu zurückgebebt sein

würde, wäre nicht durch den Parteigeist sein heller Verstand umnebelt

und sein männliches Herz verdorben gewesen.[6]

[Anmerkung 6: +Sprat's True Account & Appendix+; Untersuchung

gegen Rumbold in der +Collection of State Trials+; +Burnet's Own

Times, I. 633+; Anhang zu +Fox's History No. IV.+]

[_Lord Grey._] Hoch erhaben über die bis jetzt angeführten Verbannten

war Ford Grey, Lord Grey von Mark. Er war ein eifriger Exclusionist

gewesen, hatte Antheil an dem Insurrectionsplane gehabt und war in den

Tower gesperrt worden, wo es ihm jedoch gelang, seine Wächter betrunken

zu machen und auf das Festland zu entkommen. Er besaß hervorragende

Talente und gewinnende Manieren, aber ein großes häusliches Verbrechen

warf einen Flecken auf sein Leben. Seine Gattin war eine Tochter des

edlen Hauses Berkeley, und ihre Schwester, Lady Henriette Berkeley,

durfte mit ihm, als mit einem Blutsverwandten, verkehren und

correspondiren. So entstand eine verhängnißvolle Zuneigung. Der lebhafte

Geist und die heftige Leidenschaft der Lady Henriette durchbrach alle

Schranken der Tugend und Schicklichkeit und eine skandalöse Entführung

enthüllte dem ganzen Königreiche die Schande zweier vornehmen Familien.

Grey nebst einigen von den Helfershelfern, die ihm bei seinem

Liebeshandel gedient hatten, wurden unter der Anklage einer Verbindung

zu gesetzwidrigem Zwecke vor Gericht gestellt und es ereignete sich vor

den Schranken der Kings Bench eine in den Annalen unsrer Justiz ohne

Beispiel dastehende Scene. Der Verführer erschien mit frecher Stirn in

Begleitung seiner Geliebten, und selbst in diesem unerhörten Falle

wichen die großen whiggistischen Lords nicht von der Seite ihres

Freundes. Die, welche er beleidigt, standen ihm gegenüber und wurden

durch seinen Anblick zu Zornesausbrüchen gereizt. Der alte Earl von

Berkeley überhäufte die unglückliche Henriette mit Vorwürfen und

Verwünschungen. Die Gräfin gab unter häufigem Schluchzen ihre

Zeugenaussage ab und fiel endlich in Ohnmacht. Die Geschwornen sprachen

das »Schuldig« aus. Als der Gerichtshof die Sitzung aufhob, forderte

Lord Berkeley alle seine Freunde auf, daß sie ihm beistehen möchten,

seine Tochter zu ergreifen; die Anhänger Grey's schaarten sich um

Letztere, auf beiden Seiten wurden Schwerter gezuckt, es entspann sich

ein Gefecht in Westminster Hall und nur mit Mühe gelang es den Richtern

und Gerichtsdienern, die Streitenden zu trennen. In unsrer Zeit würde

ein solcher Prozeß den Ruf eines der Öffentlichkeit angehörenden Mannes

schänden; damals aber war der Maßstab der Moralität unter den Großen so

niedrig und die Parteiwuth so heftig, daß Grey nach wie vor bedeutenden

Einfluß hatte, wenn auch die Puritaner, welche einen ansehnlichen Theil

der Whigpartei bildeten, ihm mit einiger Kälte begegneten.[7]

Eine Seite von dem Character, oder man sollte vielleicht eher sagen von

dem Schicksale Grey's verdient besondere Erwähnung: man mußte

zugestehen, daß er überall, auf dem Schlachtfelde ausgenommen, einen

hohen Grad von Muth bewies. Mehr als einmal zwang sein würdevolles

Benehmen und die vollkommene Beherrschung aller seiner Fähigkeiten in

schwierigen Lagen, wo sein Leben und seine Freiheit auf dem Spiele

standen, selbst Diejenigen zu lobender Anerkennung, die ihn weder

liebten noch achteten. Als Soldat jedoch zog er sich, vielleicht weniger

durch eigne Schuld als durch unglücklichen Zufall den entehrenden

Vorwurf persönlicher Feigheit zu.

[Anmerkung 7: +Grey's Narrative+; sein Prozeß in der +Collection

of State Trials+; +Sprat's True Account.+]

[_Monmouth._] In dieser Beziehung war er ganz verschieden von seinem

Freunde, dem Herzoge von Monmouth. Monmouth war tapfer und unerschrocken

auf dem Schlachtfelde, sonst aber überall weibisch und zaghaft. Seine

Geburt, sein persönlicher Muth und sein einnehmendes Äußere hatten ihm

eine Stellung verschafft, für die er sich durchaus nicht eignete.

Nachdem er den Untergang der Partei, deren nominelles Oberhaupt er

gewesen war, mit angesehen, hatte er sich nach Holland zurückgezogen.

Der Prinz und die Prinzessin von Oranien erblickten nicht mehr einen

Nebenbuhler ihn ihm, und sie gewährten ihm daher eine gastliche

Aufnahme, denn sie hofften, sich durch freundliche Behandlung des

Herzogs Anspruch auf den Dank seines Vaters zu erwerben. Sie wußten, daß

die väterliche Zuneigung noch nicht erloschen war, daß Monmouth noch

immer im Geheimen Geldunterstützungen von Whitehall erhielt und daß Karl

es sehr ungnädig aufnahm, wenn Jemand von seinem Sohne Übles sprach, in

der Hoffnung, sich dadurch bei ihm beliebt zu machen. Man hatte den

Herzog in der Erwartung bestärkt, daß er, wenn anders er keine neue

Veranlassung zu Mißfallen gab, bald in sein Vaterland zurückgerufen und

in alle seine Ehrenstellen und Befehlshaberposten wieder eingesetzt

werden würde. Von solchen Erwartungen beseelt, war er während des

verflossenen Winters der Lebensnerv des Haags gewesen. Auf einer Reihe

von Bällen in dem prächtigen Oraniensaale, dessen Wände in dem

herrlichsten Farbenreichthum eines Jordaens und Hondthorst prangen,

hatte er die hervorragendste Figur gespielt.[8] Er hatte die

holländischen Damen mit dem englischen Contretanz bekannt gemacht und

seinerseits von ihnen auf den Kanälen Schlittschuh laufen gelernt. Die

Prinzessin hatte ihn bei seinen Ausflügen auf dem Eise begleitet, und es

hatte oft die Verwunderung und die Heiterkeit der auswärtigen Gesandten

erregt, wenn sie dort, in kürzeren Röcken, als sie in der Regel von so

vornehmen, das strengste Decorum beobachtenden Damen getragen wurden,

auf einem Beine dahinglitt. Der Einfluß des bezaubernden Engländers

schien den düstern Ernst, der den Hof des Statthalters characterisirte,

verscheucht zu haben, und selbst der finstre, gedankenvolle Wilhelm

wurde heiterer gestimmt, wenn sein glänzender Gast erschien.[9]

Inzwischen vermied Monmouth sorgfältig Alles, was an dem Orte, von woher

er Schutz erwartete, Anstoß erregen konnte. Er verkehrte überhaupt mit

wenigen Whigs und gar nicht mit den heftigen Männern, welche in den

schlimmsten Theil des Whigcomplots verwickelt gewesen waren. Daher

beschuldigten ihn seine ehemaligen Gesinnungsgenossen laut der

Unbeständigkeit und Undankbarkeit.[10]

[Anmerkung 8: In der Pepys'schen Sammlung befindet sich ein

Kupferstich, der einen der Bälle darstellt, welche zu jener Zeit

von Wilhelm und Marien im »Oranje Zaal« gegeben wurden.]

[Anmerkung 9: +Avaux Neg. Jan. 25. 1685.+ Brief von Jakob an die

Prinzessin von Oranien vom Januar 1684/85, unter Birch's Auszügen

im Britischen Museum.]

[Anmerkung 10: +Grey's Narrative+; +Wade's Confession, Lansdowne

M.S. 1152.+]

[_Ferguson._] Von keinem der Verbannten wurde diese Anklage mit größerer

Heftigkeit und Bitterkeit erhoben, als von Robert Ferguson, dem Judas in

Dryden's großer Satire. Ferguson war ein Schotte von Geburt, aber er

hatte lange in England gelebt. Zur Zeit der Restauration bekleidete er

eine Pfarrstelle in Kent. Er war als Presbyterianer erzogen, die

Presbyterianer aber hatten ihn aus ihrer Mitte gestoßen und er war zu

den Independenten übergegangen. Dann war er Vorsteher einer von den

Dissenters in Islington errichteten Akademie gewesen, welche mit der

Westminsterschule und dem Charterhouse concurriren sollte, und hatte bei

einer Versammlung in Moorfields vor einem großen Zuhörerkreise

gepredigt. Auch hatte er einige theologische Abhandlungen geschrieben,

die sich vielleicht noch in den staubigen Winkeln einiger alten

Bibliotheken finden; aber obgleich er beständig Bibelstellen im Munde

führte, so überzeugte sich doch Jeder, der in Geldangelegenheiten mit

ihm zu thun bekam, sehr bald, daß er nichts als ein Schwindler war.

Endlich entzog er der Theologie fast ganz seine Aufmerksamkeit, um sie

dem schlechtesten Theile der Politik zuzuwenden. Er gehörte zu der

Klasse, die ein Geschäft daraus machen, erbitterten Parteien in

unruhigen Zeiten Dienste zu leisten, vor denen der Rechtschaffene aus

Abscheu, der Kluge aus Furcht zurückschreckt, zur Klasse der fanatischen

Schurken. Er war heftig, bösartig, unempfänglich für die Wahrheit, ohne

Gefühl für die Schande, von unersättlicher Ruhmsucht erfüllt, fand an

Intriguen, Aufruhr und Unheil lediglich um ihrer selbst willen Vergnügen

und arbeitete viele Jahre in den dunkelsten Minen des Parteiwesens. Er

lebte unter Pasquillanten und falschen Zeugen, verwaltete eine geheime

Kasse, aus welcher Agenten besoldet wurden, die zu schlecht waren, als

daß man sie hätte anerkennen dürfen, und war Vorsteher einer geheimen

Druckerei, aus der fast täglich anonyme Pamphlets hervorgingen. Er

rühmte sich, daß er Schmähschriften um die Terrasse von Windsor herum

ausgestreut und selbst unter das Kopfkissen des Königs gebracht habe.

Bei solcher Lebensweise mußte er zu allerhand Listen seine Zuflucht

nehmen, mußte mehrere Namen führen und hatte einmal in vier

verschiedenen Stadttheilen Londons vier verschiedene Wohnungen. Bei dem

Ryehousecomplot war er stark betheiligt und man hat Grund zu der

Vermuthung, daß er der erste Urheber der blutigen Anschläge war, welche

die ganze Whigpartei so sehr in Mißcredit brachten. Als die Verschwörung

entdeckt war und seinen Genossen bange wurde, nahm er lachend Abschied

von ihnen, indem er ihnen sagte, sie wären Neulinge, er sei an Flucht,

Verstecke und Verkleidung gewöhnt und werde Zeit seines Lebens nie

aufhören, zu conspiriren. Er entkam auf den Continent, aber selbst dort

schien er nicht sicher zu sein. Die englischen Gesandten an den

auswärtigen Höfen waren angewiesen, ein scharfes Auge auf ihn zu haben,

und die Regierung versprach Demjenigen, der ihn ergreifen würde, eine

Belohnung von fünfhundert Pistolen. Es war ihm auch nicht leicht,

unbemerkt zu bleiben, denn sein breiter schottischer Accent, seine lange

und hagere Gestalt, seine hohlen Wangen, seine beständig von der

Perrücke beschatteten stechenden Augen, sein von einem Hautausschlage

geröthetes Gesicht, sein gekrümmter Rücken und sein eigenthümlich

wiegender Gang machten ihn überall, wo er sich zeigte, zu einer

auffallenden Erscheinung. Aber obgleich er anscheinend mit ganz

besondrem Eifer verfolgt wurde, so raunte man sich doch im Stillen zu,

daß dieser Eifer eben nur scheinbar sei und daß die Gerichtsbeamten

geheimen Befehl hätten, ihn nicht zu sehen. Es läßt sich kaum

bezweifeln, daß er wirklich ein erbitterter Unzufriedener war, aber man

hat starken Grund, zu vermuthen, er habe für seine Sicherheit dadurch

gesorgt, daß er in Whitehall vorgab, ein Spion gegen die Whigs zu sein

und daß er der Regierung eben nur so viele Mittheilungen zukommen ließ,

als zur Aufrechterhaltung seines Credits genügten. Diese Annahme erklärt

auf die einfachste Weise das, was seinen Gesinnungsgenossen als eine

unnatürliche Sorglosigkeit und Tollkühnheit erschien. Da ihm selbst

nichts geschehen konnte, stimmte er jedesmal für den gewaltthätigsten

und gefährlichsten Weg und lächelte mitleidig über den Kleinmuth von

Männern, welche die schmachvolle Vorsichtsmaßregel, auf die er sich

verließ, nicht getroffen hatten, und die sich daher zweimal besannen,

ehe sie ihr Leben und Alles, was ihnen noch theurer war als das Leben,

auf eine Karte setzten.[11]

Sobald er in den Niederlanden angekommen war, begann er über neue Pläne

gegen die englische Regierung zu brüten und fand unter seinen

Mitverbannten Männer, die seinen bösen Rathschlägen ein geneigtes Ohr

liehen. Monmouth hielt sich indeß beharrlich fern von ihm, und ohne

Beihülfe der ausgedehnten Popularität des Herzogs war unmöglich etwas

auszurichten. Aber die Ungeduld und Tollkühnheit der Verbannten waren so

groß, daß sie sich nach einem andren Führer umsahen. Sie schickten eine

Gesandtschaft an den einsamen Ort am Ufer des Genfer Sees, wo Edmund

Ludlow, einst ein ausgezeichneter Anführer in der Parlamentsarmee und

ein hervorragendes Mitglied des hohen Gerichtshofes, sich schon seit

vielen Jahren vor der Rache der wiedereingesetzten Stuarts verborgen

hielt. Der ernste greise Rebell weigerte sich jedoch, seine Einsiedelei

zu verlassen. Er habe das Seinige gethan, sagte er; wenn England noch zu

retten sei, so müsse es durch jüngere Männer geschehen.[12]

Die unerwartete Erledigung der Krone veränderte die Gestalt der Dinge.

Jede Hoffnung auf friedliche Rückkehr in ihr Vaterland, welche die

verbannten Whigs vielleicht noch hegten, wurde durch den Tod eines

sorglosen und gutmüthigen Fürsten und durch die Thronbesteigung eines in

jeder Beziehung, ganz besonders aber in der Rache ungemein hartnäckigen

Prinzen vernichtet. Ferguson war in seinem Elemente. So vollständig ihm

altes Talent als Schriftsteller und Staatsmann fehlte, in so hohem Grade

besaß er dagegen die nicht beneidenswerthen Eigenschaften eines

Versuchers. So eilte er jetzt mit der tückischen Geschäftigkeit und

Gewandtheit eines bösen Geistes von einem Verbannten zum andren,

flüsterte jedem etwas ins Ohr und erregte in jeder Brust rachsüchtige

Wuth und wilde Begierden.

Jetzt hoffte er auch von Neuem, daß es ihm doch noch gelingen werde,

Monmouth zu verführen. Die Lage dieses unglücklichen jungen Mannes war

eine ganz andre geworden. Während er im Haag tanzte und Schlittschuh

lief und jeden Tag die Einladung zur Rückkehr nach London erwartete,

stürzte ihn die Nachricht von seines Vaters Tode und von seines

Oheims Thronbesteigung plötzlich ins tiefste Elend. Die in seiner

Nähe Wohnenden konnten in der Nacht nach der Ankunft dieser

Schreckensbotschaft seine Seufzer und sein lautes Jammergeschrei hören.

Er verließ am folgenden Tage den Haag, nachdem er sowohl dem Prinzen als

auch der Prinzessin von Oranien sein Ehrenwort gegeben, daß er durchaus

nichts gegen die englische Regierung unternehmen werde, und nachdem sie

ihn mit Geld zur Bestreitung seiner dringendsten Bedürfnisse versehen

hatten.[13]

Monmouth's Aussichten waren nicht glänzend. Es war nicht wahrscheinlich,

daß er aus der Verbannung zurückgerufen werden würde, und auf dein

Festlande konnte er nicht länger inmitten des Glanzes und der

Festlichkeiten eines Hofes leben. Seine Verwandten im Haag scheinen ihn

wirklich zugethan gewesen zu sein, aber sie konnten ihn fernerhin nicht

offen beschützen, ohne ernste Gefahr, einen Bruch zwischen England und

Holland dadurch herbeizuführen. Wilhelm machte ihm einen gutgemeinten

und verständigen Vorschlag. Der Krieg zwischen dem Kaiser und den

Türken, welcher damals in Ungarn wüthete, wurde von ganz Europa mit fast

eben so großem Interesse verfolgt, als fünfhundert Jahre früher die

Kreuzzüge. Viele tapfere Edelleute, Protestanten sowohl als Katholiken,

fochten als Freiwillige für die gemeinschaftliche Sache des

Christenthums. Der Prinz rieth Monmouth, sich in das kaiserliche Lager

zu begeben, und versicherte ihn, daß es ihm dann nicht an Mitteln fehlen

solle, um mit dem eines vornehmen Engländers würdigem Glanze

aufzutreten.[14] Dies war ein vortrefflicher Rath; der Herzog aber

konnte sich nicht dazu entschließen. Er begab sich nach Brüssel,

begleitet von Henriette Wentworth, Baronesse Wentworth von Nettlestede,

einem Fräulein von hoher Geburt und großem Vermögen, die ihn

leidenschaftlich liebte, ihm ihre jungfräuliche Ehre und die Aussicht

auf eine glänzende Verbindung aufgeopfert hatte, ihm in's Exil gefolgt

war und die er vor Gott als seine rechtmäßige Gattin betrachtete. Unter

dem wohlthuenden Einflusse der weiblichen Freundschaft heilten auch bald

die Wunden seines zerrissenen Herzens. Es schien, als hätte er in der

stillen Zurückgezogenheit das Glück gefunden und vergessen, daß er einst

die Zierde eines glänzenden Hofes und das Oberhaupt einer mächtigen

Partei gewesen war, daß er Armeen befehligt und selbst nach dem Besitze

eines Thrones gestrebt hatte.

Doch man gönnte ihm die Ruhe nicht. Ferguson wendete alle seine

Versuchungskünste an. Grey, der nicht wußte, woher er noch eine Pistole

nehmen sollte und der daher zu jedem, wenn auch noch so verzweifelten

Unternehmen bereit war, unterstützte Ferguson. Man ließ seinen

Kunstgriff unversucht, um Monmouth aus seiner Zurückgezogenheit

hervorzulocken. Auf die ersten Einladungen, die er von seinem ehemaligen

Bundesgenossen erhielt, antwortete er ablehnend. Er erklärte die

Schwierigkeiten einer Landung in England für unüberwindlich,

versicherte, er sei des öffentlichen Lebens überdrüssig, und bat darum,

daß man ihn im ungestörten Genusse seines neugefundenen Glücks lassen

möge. Doch er war nicht der Mann, der geschicktem und anhaltendem

Drängen lange widerstehen konnte. Auch sagt man, daß er durch den

nämlichen mächtigen Einfluß, der ihm seine Zurückgezogenheit so angenehm

machte, überredet worden sei, dieselbe wieder aufzugeben. Lady Wentworth

wollte ihn als König sehen. Ihre Einkünfte, ihre Juwelen und ihr Credit

wurden ihm zur Verfügung gestellt, und obwohl Monmouth's Verstand nicht

überzeugt war, so hatte er doch nicht die Kraft, solchen Bitten zu

widerstehen.[15]

[Anmerkung 11: +Burnet I. 342. Wood. Ath. Ox.+ unter dem Namen

Owen; +Absalom and Achitophel, part II.+; +Eachard, III. 682.

697.+; +Sprat's True Account+ an mehreren Stellen;

+Nonconformist's Memorial+; +North's Examen, 399.+]

[Anmerkung 12: +Wade's Confession, Harl. M.S. 6845.+]

[Anmerkung 13: +Avaux Neg. Feb. 20. 22. 1685+; Monmouth's Brief an

Jakob aus Ringwood.]

[Anmerkung 14: +The History of King William the Third, 2d.

edition, 1703, vol. I. 160.+]

[Anmerkung 15: +Welwood's Memoirs, App. XV.+; +Burnet I. 630.+

Grey erzählt die Sache etwas anders, aber er erzählte sie, um sein

Leben zu retten. Der spanische Gesandte am englischen Hofe, Don

Pedro de Ronquillo, spöttelt in einem Briefe, den er um diese Zeit

an den Statthalter der Niederlande schrieb, darüber, daß Monmouth

von der Freigebigkeit eines verliebten Weibes lebe, und äußert den

ganz ungegründeten Verdacht, daß des Herzogs Liebe nicht

uneigennützig sei. +»Hallandose hoy tan falto de medios que ha

menester transformarse en Amor con Miledi en vista de la necesidad

de poder subsistir.«+ -- Ronquillo an Grana vom 30. März

(9. April) 1685.]

[_Schottische Flüchtlinge._] Die englischen Verbannten empfingen ihn mit

großer Freude und erkannten ihn einhellig als ihr Oberhaupt an. Allein

es gab noch eine andre Klasse von Emigranten, welche nicht gemeint

waren, seinen Befehlen zu gehorchen. Regierungsfehler, wie der südliche

Theil unsrer Insel sie nie gekannt, hatte viele Flüchtlinge, deren

maßloser politischer und religiöser Eifer im Verhältniß zu den

Bedrückungen stand, die sie erduldet, aus Schottland auf den Continent

getrieben. Diese Männer aber hatten keine Lust, einem englischen

Anführer zu folgen. Ihr engherziger Nationalstolz verleugnete sich

selbst in Armuth und Verbannung nicht, und sie wollten es nicht zugeben,

daß ihr Vaterland in ihrer Person zu einer Provinz erniedrigt würde.

[_Der Earl von Argyle._] Sie hatten einen eignen Anführer in ihren

Reihen: Archibald, neunten Earl von Argyle, der als Oberhaupt des großen

Stammes der Campbell bei der Bevölkerung der Hochlande unter dem stolzen

Namen Mac Callum More bekannt war. Sein Vater, der Marquis von Argyle,

war das Haupt der schottischen Covenanters gewesen, hatte viel zum

Sturze Karl's I. beigetragen, und die Royalisten waren der Meinung, daß

er dieses Verbrechen dadurch noch nicht gesühnt habe, daß er seine

Einwilligung dazu gab, Karl II. den leeren Königstitel und ein

Staatsgefängniß in der Form eines Palastes zu gewähren. Nach der

Rückkehr der königlichen Familie wurde der Marquis hingerichtet und sein

Marquisat erlosch, aber sein Sohn erhielt die Erlaubniß, das alte

Earlthum zu erben, und er gehörte so noch immer zu dem höchsten Adel

Schottlands. Die politische Haltung des Earl während der zwanzig Jahre,

welche auf die Restauration folgten, war, wie er später meinte, sündlich

gemäßigt gewesen. Zwar hatte er in einigen Fällen der Regierung, unter

deren Joch sein Vaterland seufzte, opponirt; aber sein Widerstand war

schwach und vorsichtig gewesen. Seine Nachgiebigkeit in kirchlichen

Dingen hatte strenge Presbyterianer verdrossen, und er war so weit

entfernt gewesen, irgend eine Neigung zu gewaltsamem Widerstand zu

zeigen, daß, als die Covenanters durch Verfolgung zum Aufstande

getrieben wurden, er eine starke Truppe von Unterthanen ins Feld

stellte, um die Regierung zu unterstützen.

Dies war seine politische Laufbahn gewesen, bis der Herzog von York, mit

der ganzen Autorität eines Königs bekleidet, nach Edinburg kam. Der

despotische Vicekönig überzeugte sich bald, daß er von Argyle keine

ungetheilte Unterstützung zu erwarten hatte. Da der mächtigste Edelmann

des Königreichs nicht gewonnen werden konnte, hielt man es für nöthig,

ihn aus dem Wege zu räumen. Zu dem Ende wurde er auf Verdachtgründe hin,

welche so unhaltbar waren, daß der Geist der Parteilichkeit und Chikane

selbst sich ihrer schämte, wegen Hochverraths in Untersuchung gezogen,

überführt und zum Tode verurtheilt. Die Anhänger der Stuarts

versicherten später, man habe nie beabsichtigt, dieses Urtheil zu

vollziehen, und die Anklage habe nur den Zweck gehabt, um ihn durch die

Angst zur Abtretung seiner ausgedehnten Jurisdiction in den Hochlanden

zu bewegen. Es läßt sich jetzt nicht mehr bestimmen, ob Jakob, wie seine

Feinde argwöhnten, die Absicht hatte, einen Mord zu begehen, oder nur,

wie seine Freunde behaupteten, durch die Androhung eines Mordes ein

Zugeständniß zu erpressen. »Ich kenne das schottische Recht nicht«,

sagte Halifax zum König Karl; »soviel aber weiß ich, daß wir hier in

England aus Gründen wie die, auf welche hin Mylord Argyle verurtheilt

worden ist, keinen Hund hängen würden[16].«

Argyle entkam verkleidet nach England und begab sich von da nach

Friesland. In dieser entlegenen Provinz hatte sein Vater ein kleines Gut

gekauft, das der Familie in bürgerlichen Unruhen als Zufluchtsort dienen

sollte. Unter den Schotten hieß es, daß dieser Ankauf in Folge der

Prophezeiung eines celtischen Sehers geschehen sei, dem die Offenbarung

geworden, daß Mac Callum More dereinst von seinem alten Stammsitze in

Inverary vertrieben werden würde[17]. Es ist jedoch wahrscheinlich, daß

der kluge Marquis mehr durch die Zeichen der Zeit als durch die Visionen

eines Propheten gewarnt wurde. In Friesland lebte Earl Archibald einige

Zeit so ruhig, daß es nicht allgemein bekannt wurde, wohin er geflohen

war. Er unterhielt an seinem Zufluchtsorte einen regelmäßigen

Briefwechsel mit seinen Freunden in Großbritannien, nahm Theil an der

Whigverschwörung und entwarf mit den Oberhäuptern dieser Verschwörung

den Plan zu einem Einfall in Schottland[18]. In Folge der Entdeckung des

Ryehousecomplots gab er diesen Plan auf; nach der Erledigung der Krone

aber wurde derselbe wieder ein Gegenstand seines Nachdenkens.

Während seines Aufenthalts auf dem Continent hatte er über religiöse

Fragen mehr nachgedacht, als in den vergangenen Jahren seines Lebens.

Dieses Nachdenken hatte in einer Beziehung verderblich auf seinen Geist

eingewirkt. Seine Vorliebe für die synodalische Form der

Kirchenverfassung stieg jetzt bis zur Bigotterie. Wenn er bedachte, wie

lange er sich dem eingeführten Gottesdienste unterworfen hatte, ward er

von Scham und Reue ergriffen und zeigte sich nur zu sehr geneigt, seine

Abtrünnigkeit durch Gewaltschritte und Unduldsamkeit wieder gut zu

machen. Bald fand er indeß Gelegenheit zu beweisen, daß seine Furcht vor

einer höheren Macht und seine Liebe zu derselben ihn zu den

furchtbarsten Kämpfen gestählt hatte, durch welche die menschliche Natur

geprüft werden kann.

Für seine Leidensgefährten war sein Beistand vom höchsten Gewicht.

Obgleich geächtet und geflüchtet, war er doch in gewissem Sinne noch der

mächtigste Unterthan des britischen Reiches. An Reichthum stand er

wahrscheinlich, selbst vor seiner Verurtheilung, nicht nur dem hohen

englischen Adel, sondern auch manchem begüterten Squire von Kent und

Norfolk nach. Aber sein patriarchalisches Ansehen, ein Ansehen, das kein

Reichthum geben und keine Verurteilung entziehen konnte, machte ihn als

Oberhaupt eines Aufstandes wahrhaft furchtbar. Kein südlicher Lord hätte

darauf rechnen können, daß wenn er es wagen würde, sich der Regierung zu

widersetzen, auch nur seine Wildhüter und Jäger treu zu ihm gestanden

wären. Ein Earl von Bedford oder ein Earl von Devonshire konnte sich

nicht anheischig machen, zehn Mann ins Feld zu stellen. Mac Callum More

dagegen konnte, obgleich ohne Mittel und seines Earlthums beraubt, jeden

Augenblick einen ernsten Bürgerkrieg hervorrufen. Er brauchte sich nur

auf der Küste von Lorn zu zeigen und binnen wenigen Tagen hatte er eine

Armee um sich versammelt. Die bewaffnete Macht, die er unter günstigen

Verhältnissen ins Feld stellen konnte, belief sich auf fünftausend

Streiter, die ihm unbedingt gehorchten, an den Gebrauch des Schildes und

des breiten Schwertes gewöhnt waren, einen Kampf mit regulären Truppen

selbst im offenen Felde nicht scheuten und solchen Truppen vielleicht in

den Eigenschaften überlegen waren, welche zur Vertheidigung in Nebel

gehüllter und von reißenden Gießbächen zerklüfteter rauher Gebirgspässe

erforderlich sind. Was eine solche Macht bei umsichtiger Leitung selbst

gegen kriegserfahrene Regimenter und geschickte Anführer auszurichten

vermochte, das zeigte sich wenige Jahre später bei Killiecrankie.

[Anmerkung 16: Prozeß gegen Argyle in der +Collection of State

Trials+; +Burnet, I. 521+; +A true and plain Account of the

Discoveries made in Scotland, 1684+; +The Scotch Mist cleared+;

+Sir George Mackenzie's Vindication+; +Lord Fonntainhall's

Chronological Notes.+]

[Anmerkung 17: Untersuchung gegen Robert Smith im Anhange zu

+Sprat's True Account+.]

[Anmerkung 18: +True and plain Account of the Discoveries made in

Scotland.+]

[_Sir Patrick Hume und Sir Johann Cochrane._] So großen Anspruch aber

auch Argyle auf das Vertrauen der verbannten Schotten hatte, gab es doch

eine Partei unter ihnen, die ihn nicht mit wohlwollendem Auge

betrachtete und sich nur seines Namens und seines Einflusses bedienen

wollte, ohne ihn mit einer wirklichen Gewalt zu betrauen. Das Oberhaupt

dieser Partei war ein Edelmann aus dem schottischen Niederlande, der in

das Whigcomplot verwickelt gewesen und nur mit Mühe der Rache des Hofes

entgangen war: Sir Patrick Hume, von Polwart in Berwickshire. Gegen

seine Rechtschaffenheit sind starke Zweifel erhoben worden, aber ohne

haltbaren Grund. Soviel kann man jedoch nicht in Abrede stellen, daß er

seiner Sache durch Verkehrtheit eben so viel schadete, als es durch

Verrath hätte geschehen können. Er war eben so unfähig zum Führen wie

zum Folgen, eingebildet, streitsüchtig und launenhaft, ein endloser

Schwätzer, zaghaft und langsam bei Unternehmungen gegen den Feind, und

nur thätig gegen seine eigenen Verbündeten. Mit Hume eng verbunden war

ein andrer schottischer Verbannter von hohem Ansehen, der viele von den

nämlichen Fehlern hatte, wenn auch nicht in gleichem Grade: Sir Johann

Cochrane, zweiter Sohn des Earl von Dundonald.

[_Fletcher von Saltoun._] Eine weit höhere Stufe gebührte Andreas

Fletcher von Saltoun, einem Manne, der sich ebensowohl durch

wissenschaftliche Bildung und Beredtsamkeit, als durch Muth,

Uneigennützigkeit und Gemeinsinn auszeichnete, aber ein reizbares und

unlenksames Temperament besaß. Gleich vielen seiner berühmtesten

Zeitgenossen, wie Milton, Harrington, Marvel und Sidney, hatte auch ihm

die schlechte Regierung mehrerer aufeinanderfolgenden Fürsten einen

entschiedenen Widerwillen gegen die erbliche Monarchie eingeflößt.

Jedoch war er kein Demokrat. Er war das Oberhaupt eines alten

normännischen Hauses und stolz auf seine Abkunft, war ein feiner Redner

und Schriftsteller und bildete sich auf seine geistige Überlegenheit

etwas ein. Als Gentleman wie als Gelehrter blickte er mit

Geringschätzung auf das gemeine Volk herab und war so wenig geneigt,

demselben eine politische Macht anzuvertrauen, daß er es sogar unfähig

für den Genuß der persönlichen Freiheit hielt. Merkwürdig ist der

Umstand, daß dieser Mann, der rechtschaffenste, furchtloseste und

unbeugsamste Republikaner seiner Zeit, der Urheber eines Planes war,

welcher dahin zielte, einen großen Theil der arbeitenden Klassen

Schottlands zu Sklaven zu machen. Er hatte große Ähnlichkeit mit jenen

römischen Senatoren, die, während sie den Königstitel haßten, doch mit

unbeugsamem Stolze ihre Standesvorrechte gegen die Eingriffe der Menge

vertheidigten und ihre Sklaven und Sklavinnen durch Block und Peitsche

regierten.

Amsterdam war der Ort, wo sich die schottischen und englischen Führer

der Emigranten versammelten. Argyle kam aus Friesland, Monmouth aus

Brabant dahin. Es zeigte sich sehr bald, daß die Flüchtlinge kaum etwas

Andres gemein hatten als den Haß gegen Jakob und den ungeduldigen Drang,

aus der Verbannung in die Heimath zurückzukehren. Die Schotten waren

eifersüchtig auf die Engländer, die Engländer eifersüchtig auf die

Schotten. Monmouth's hohe Ansprüche verdrossen Argyle, der, stolz auf

seinen alten Adel und auf seine legitime Abstammung von Königen,

durchaus nicht geneigt war, dem Sprossen einer flüchtigen und unedlen

Liebe zu huldigen.

[_Unverständiges Benehmen der schottischen Flüchtlinge._] Doch von allen

Mißhelligkeiten, welche die kleine Schaar der Geächteten entzweiten, war

die ernsthafteste das Zerwürfniß, welches zwischen Argyle und einem

Theile seiner eigenen Begleiter ausbrach. Durch den lang andauernden

Widerstand gegen die Tyrannei war der Geist und das Gemüth einiger der

schottischen Verbannten in einen Zustand krankhafter Gereiztheit

versetzt worden, der ihnen auch die vernünftigste und nothwendigste

Beschränkung unerträglich machte. Sie wußten, daß sie ohne Argyle nichts

vermochten. Aber sie hätten auch wissen sollen, daß sie, wenn sie nicht

kopfüber ins Verderben stürzen wollten, entweder ihren Führer volles

Vertrauen schenken, oder jedem Gedanken an ein militairisches

Unternehmen entsagen mußten. Die Erfahrung hat zur Genüge bewiesen, daß

im Kriege jede Operation, von der größten bis zur kleinsten, unter der

unumschränkten Leitung Eines Geistes stehen und daß jeder ihm

Untergeordnete in seiner Stellung blindlings und willig, ja sogar

solchen Befehlen anscheinend freudig gehorchen muß, die er nicht

gutheißen kann oder deren Beweggründe vor ihm geheimgehalten werden.

Repräsentative Versammlungen, öffentliche Discussionen und alle die

anderen Hemmungsmittel, durch welche die Herrscher in bürgerlichen

Angelegenheiten am Mißbrauch der Gewalt verhindert werden, sind in einem

Feldlager nicht angewandt. Macchiavell schrieb viele von den Unfällen,

welche Venedig und Florenz trafen, mit Recht der eifersüchtigen

Einmischung dieser Republiken in alle Schritte ihrer Generäle zu.[19]

Die holländische Sitte, zu einer Armee Abgeordnete zu senden, ohne deren

Einwilligung kein entscheidender Schlag geführt werden durfte, war fast

eben so verderblich. Allerdings ist es keineswegs ausgemacht, daß ein

Anführer, der im Augenblicke der Gefahr mit dictatorischer Gewalt

bekleidet worden ist, diese Gewalt nach errungenem Siege ruhig wieder

niederlegt, und dies ist einer von den zahlreichen Gründen, warum die

Menschen so lange als möglich zögern sollten, ehe sie sich entschließen,

die öffentliche Freiheit mit dem Schwerte zu vertheidigen. Haben sie

sich aber einmal entschlossen, das Kriegsglück zu versuchen, dann werden

sie auch, wenn sie klug sind, ihrem Führer die unumschränkte Gewalt

übertragen, ohne welche ein Krieg nicht gut geführt werden kann. Möglich

daß er sich, nachdem sie ihm diese Gewalt anvertraut haben, als ein

Cromwell oder ein Napoleon erweist; aber es ist so gut als gewiß, daß,

wenn sie ihm seine Autorität vorenthalten, ihre Unternehmungen enden

werden, wie die Unternehmung Argyle's endete.

Einige von den schottischen Emigranten boten, erhitzt von

republikanischer Begeisterung, und des zur Führung großer

Angelegenheiten erforderlichen Geschicks gänzlich bar, ihre ganze

Thätigkeit und ihren ganzen Scharfsinn auf, nicht um Mittel zu dem

Angriffe zu sammeln, den sie gegen einen furchtbaren Feind

beabsichtigten, sondern um Beschränkungen der Macht ihres Führers und

Bürgschaften gegen seinen Ehrgeiz zu ersinnen. Die selbstgefällige

Beschränktheit, mit der sie darauf beharrten, eine Armee so zu

organisiren, wie eine Republik, würde unglaublich erscheinen, wäre sie

nicht von einem der Ihrigen selbst offen und sogar rühmend geschildert

worden.[20]

[Anmerkung 19: +Discorsi sopra la prima Deca di Tito Livio, lib.

II. cap. 33.+]

[Anmerkung 20: Siehe +Sir Patrick Hume's Narrative+ an d. betr.

Stellen.]

[_Anstalten zu einem Unternehmen gegen England und Schottland._] Endlich

wurde aller Zwist geschlichtet und beschlossen, daß unverweilt ein

Angriff auf die Westküste Schottlands versucht werden und daß demselben

eine Landung in England auf dem Fuße folgen sollte.

Argyle sollte in Schottland nominell das Commando führen, wurde aber der

Controle eines Ausschusses untergeordnet, der sich die Anordnung der

wichtigsten militairischen Maßregeln vorbehielt. Dieser Ausschuß war

ermächtigt zu entscheiden, wo die Expedition landen sollte, Offiziere zu

ernennen, die Oberaufsicht über die Truppenaushebungen zu führen und

Proviant und Munition zu vertheilen. Dem General blieb somit weiter

nichts überlassen als die Leitung der eigentlichen Kriegsoperationen im

Felde, und er mußte versprechen, daß er selbst im Felde, außer bei

unerwarteten Überfällen, nichts ohne die Zustimmung eines Kriegsrathes

thun werde.

Monmouth sollte in England commandiren. Sein weiches Gemüth hatte, wie

gewöhnlich, Eindrücke von der ihn umgebenden Gesellschaft angenommen.

Ehrgeizige Hoffnungen, welche anscheinend erloschen gewesen waren,

regten sich aufs neue in seiner Brust. Er erinnerte sich der Liebe, mit

der er jederzeit in Stadt und Land von dem Volke begrüßt worden war, und

er erwartete, daß sie sich zu Hunderttausenden erheben würden, um ihn

willkommen zu heißen. Er gedachte der Zuneigung, welche die Soldaten

stets für ihn gehegt hatten, und schmeichelte sich mit der Hoffnung, daß

sie regimenterweise zu ihm übergehen würden. Ermuthigende Zuschriften

kamen ihm in rascher Aufeinanderfolge von London zu. Man versicherte

ihm, daß die Gewaltthätigkeit und Ungerechtigkeit, mit der bei den

letzten Wahlen verfahren worden war, die Nation empört, daß nur die

Besonnenheit der Whighäupter mit Mühe einen blutigen Aufstand am

Krönungstage verhindert habe und daß alle die vornehmen Lords, welche

die Ausschließungsbill unterstützt, es kaum erwarten könnten, sich um

ihn zu schaaren. Wildman, der gern in Gleichnissen Verrath predigte,

ließ ihm sagen, daß gerade vor zweihundert Jahren der Earl von Richmond

mit einer Handvoll Leuten in England gelandet und wenige Tage später auf

dem Felde von Bosworth mit dem von Richard's Haupte genommenem Diademe

gekrönt worden sei. Danvers unternahm es, die City aufzuwiegeln. Man

machte den Herzog glauben, daß sobald er sein Banner aufgepflanzt,

Bedfordshire, Buckinghamshire, Hampshire und Cheshire zu den Waffen

greifen würden.[21] In Folge dessen konnte er es nicht erwarten, das

Unternehmen zu beginnen, vor dem er noch wenige Wochen vorher

zurückgeschreckt war. Seine Landsleute legten ihm keine so unsinnigen

Beschränkungen auf, wie die schottischen Emigranten sie ausgeklügelt

hatten, man verlangte nichts weiter von ihm als das Versprechen, daß er

den Königstitel nicht eher annehmen wolle, als bis seine Ansprüche dem

Urtheile eines freien Parlaments unterbreitet worden seien.

Es ward beschlossen, daß zwei Engländer, Ayloffe und Rumbold, den Earl

von Argyle nach Schottland begleiten und daß Fletcher mit Monmouth nach

England gehen solle. Fletcher hatte dem Unternehmen von vornherein einen

unglücklichen Ausgang prophezeit, aber sein ritterlicher Sinn gestattete

ihm nicht, ein Wagstück abzulehnen, nach welchem seine Freunde begierig

zu verlangen schienen. Als Grey die Äußerungen Wildman's in Bezug auf

Richmond und Richard beistimmend wiederholte, bemerkte der wohlbelesene

und denkende Schotte sehr richtig, es sei ein großer Unterschied

zwischen dem fünfzehnten und dem siebzehnten Jahrhundert. Richmond war

des Beistandes von Baronen gewiß, deren Jeder ein Heer von Lehnsleuten

ins Feld stellen konnte, und Richard hatte nicht ein einziges Regiment

regulärer Soldaten.[22]

Es gelang den Verbannten, theils aus eigenen Mitteln, theils durch

Beiträge von Freunden in Holland eine für beide Expeditionen genügende

Summe aufzubringen. Von London erhielten sie nur sehr wenig. Sie hatten

von dort sechstausend Pfund erwartet; anstatt des Geldes aber kamen

Entschuldigungen von Wildman, welche Allen, die nicht blind sein

_wollten_, die Augen hätten öffnen sollen. Der Herzog deckte den

Ausfall, indem er seine eigenen Juwelen und die der Lady Wentworth

verpfändete. Es wurden Waffen, Munition und Proviant gekauft und mehrere

in Amsterdam liegende Schiffe damit befrachtet [23].

[Anmerkung 21: +Grey's Narrative+; +Wade's Confession, Harl. MS.

6845.+]

[Anmerkung 22: +Burnet, I. 631.+]

[Anmerkung 23: +Grey's Narrative.+]

[_Johann Locke._] Es ist merkwürdig, daß gerade der ausgezeichnetste und

am gröblichsten beleidigte Mann unter den britischen Verbannten sich von

allen diesen übereilten Beschlüssen fern hielt. Johann Locke haßte

Tyrannei und Verfolgung als Philosoph, aber sein Verstand und sein

Character bewahrten ihn vor der Heftigkeit eines Parteigänger. Er hatte

mit Shaftesbury auf vertrautem Fuße gestanden und sich dadurch das

Mißfallen des Hofes zugezogen. Locke war jedoch so klug und vorsichtig

gewesen, daß es wenig genützt haben würde, wenn man ihn vor die

damaligen Gerichte gestellt hätte, so verderbt und parteiisch diese auch

waren. Nur in einem Punkte war er verwundbar. Er war Mitglied des

Christchurch-Collegiums der Universität Oxford. Es ward beschlossen, von

diesem berühmten Collegium den größten Mann zu vertreiben, dessen es

sich je zu rühmen gehabt hatte. Dies war aber nicht leicht, denn Locke

hatte sich in Oxford sorgfältig gehütet, irgendeine Meinung über die

Tagespolitik zu äußern. Man hatte ihn mit Spionen umgeben. Doctoren der

Theologie und Magister der Philosophie hatten sich nicht geschämt, den

schimpflichsten aller Dienste zu leisten, den Mund eines Collegen zu

bewachen, um etwaige Äußerungen zu seinem Verderben zu hinterbringen.

Das Gespräch in der Halle war absichtlich auf verfängliche Themata

gelenkt worden, wie auf die Ausschließungsbill und auf den Character des

Earl von Shaftesbury, aber vergebens. Locke ließ sich weder ein

unbesonnenes Wort entschlüpfen, noch verstellte er sich, sondern er

beobachtete ein so beharrliches Schweigen und eine so gleichgültige

Ruhe, daß die Werkzeuge der Gewalt zu ihrem Ärger gestehen mußten, nie

habe ein Mann es verstanden, seine Zunge und seine Leidenschaften so

vollkommen zu beherrschen. Als man sah, daß man mit Verrath nichts

ausrichtete, brauchte man willkürliche Gewalt. Nachdem die Regierung es

umsonst versucht hatte, Locke zu einem Fehler zu verleiten, beschloß

sie, ihn ohne einen solchen zu bestrafen. Es kam Befehl von Whitehall,

ihn seines Amtes zu entsetzen, und der Dechant und die Canonici beeilten

sich, diesem Befehle nachzukommen.

Locke reiste zu seiner Erholung auf dem Continent, als er erfuhr, daß er

ohne Untersuchung und selbst ohne Benachrichtigung seiner Heimath und

seines Unterhalts beraubt worden sei. Die Ungerechtigkeit, mit der man

gegen ihn verfahren war, würde es entschuldigt haben, wenn er zu

gewaltsamen Mitteln gegriffen hätte, um sich Recht zu verschaffen. Aber

persönlicher Groll konnte ihn nicht verblenden. Er erwartete nichts

Gutes von den Plänen Derer, die sich in Amsterdam versammelt hatten, und

er zog daher in aller Stille nach Utrecht, wo er sich mit der Abfassung

seines berühmten Briefes über die Toleranz beschäftigte, während seine

Unglücksgefährten auf ihr eignes Verderben hinarbeiteten[24].

[Anmerkung 24: +Le Clerc's Life of Locke+; +Lord King's Life of

Locke+; +Lord Grenville's Oxford and Locke.+ Locke darf nicht mit

dem Anabaptisten Nikolaus Look verwechselt werden, dessen Name in

+Grey's Confession+ Locke geschrieben ist und der auch in den

+Lansdowne MS. 1152+, sowie in der Erzählung von Buccleuch im

Anhange zu Rose's Abhandlung erwähnt wird. Ich würde es kaum für

nöthig gehalten haben, hierauf aufmerksam zu machen, hätte nicht

die Ähnlichkeit dieser beiden Namen einen mit der Geschichte jener

Zeiten so wohlbekannten Mann wie Präsident Onslow irre geführt.

Siehe seine Anmerkung über Burnet +I. 629.+]

[_Vorkehrungen der Regierung zur Vertheidigung Schottlands._] Die

englische Regierung erhielt in Zeiten Kunde davon, daß unter den

Verbannten etwas im Werke war. Einen Einfall in England scheint man

jedoch zuerst nicht erwartet zu haben; wohl aber fürchtete man, daß

Argyle nächstens bewaffnet unter seinen Clansmännern erscheinen werde.

In Folge dessen erschien eine Verordnung des Inhalts, daß Schottland in

Vertheidigungszustand gesetzt werden solle. Die Miliz erhielt Befehl,

sich bereit zu halten. Alle dem Namen Campbell feindlich gesinnten Clans

wurden in Bewegung gesetzt. John Murray, Marquis von Athol, wurde zum

Lordlieutenant von Argyleshire ernannt und er besetzte mit einer starken

Abtheilung seiner Untergebenen das Schloß von Inverary. Einige

verdächtige Personen wurden eingezogen, andere mußten Bürgschaft

leisten. Kriegsschiffe wurden abgesandt, um in der Nähe der Insel Bute

zu kreuzen, und ein Theil der irländischen Arme wurde nach der Küste von

Ulster dirigirt.[25]

[Anmerkung 25: +Wodrow, book III. chap. IX.+; +London Gazette, May

11, 1685+; +Barillon, 11.(21.) Mai.+]

[_Unterredung Jakob's mit den holländischen Gesandten._] Während diese

Vorkehrungen in Schottland getroffen wurden, berief Jakob den Arnold Van

Citters, der lange als Gesandter der Vereinigten Provinzen in England

zugebracht, und Everard Van Dykvelt, der nach Karl's Tode in einer

besonderen Mission zur Beileidsbezeigung und Beglückwünschung von den

Generalstaaten nach London geschickt worden war, in sein Kabinet. Der

König sagte ihnen, daß er aus sicheren Quellen Kenntniß von Anschlägen

gegen seinen Thron erhalten, welche seine verbannten Unterthanen in

Holland schmiedeten. Einige von den Verbannten seien Kehlabschneider,

welche nur die besondere Fügung Gottes verhindert habe, einen

schändlichen Mord zu begehen, und es befinde sich unter ihnen der

Eigenthümer des Ortes, an dem das Gemetzel habe vor sich gehen sollen.

»Von allen Lebenden,« setzte der König hinzu, »hat Argyle die größten

Mittel in den Händen, mir zu schaden, und Holland ist dasjenige Land,

von welchem aus am leichtesten ein Schlag gegen mich geführt werden

kann.« Citters und Van Dykvelt versicherten Seiner Majestät, daß seine

Worte der Regierung, die sie vertraten, unverzüglich mitgeteilt werden

sollten, und daß zuversichtlich Alles gethan werden würde, um ihn

zufrieden zu stellen.[26]

[Anmerkung 26: +Register of the Proceedings of the States General,

May 5.(15.) 1685.+]

[_Vergebliche Versuche, Argyle am Absegeln zu verhindern._] Die

Gesandten waren berechtigt, dieses Vertrauen auszusprechen. Der Prinz

von Oranien sowohl als die Generalstaaten wünschten damals sehnlichst,

daß ihre Gastfreundschaft nicht zu Zwecken gemißbraucht werde, über

welche die englische Regierung sich mit Recht beschweren könnte. Jakob

hatte neuerdings eine Sprache geführt, welche der Hoffnung Raum gab, daß

er sich nicht geduldig dem Einflusse Frankreichs unterwerfen werde. Es

war daher wahrscheinlich, daß er sich zu einem engen Bündnisse mit den

Vereinigten Provinzen und mit dem Hause Österreich bestimmen lassen

werde, und man vermied deshalb im Haag mit ängstlicher Sorgfalt Alles,

was irgend Anstoß bei ihm erregen konnte. Auch vereinigte sich bei

dieser Gelegenheit Wilhelm's eigenes Interesse mit dem Interesse seines

Schwiegervaters.

Aber die Lage war von der Art, daß sie rasches und kräftiges

Einschreiten erforderte, und die Natur der batavischen Institutionen

machte ein solches Einschreiten fast unmöglich. Die Union von Utrecht,

welche unter blutigen Revolutionskämpfen und zu dem Zwecke, den

dringendsten Bedürfnissen zu genügen, flüchtig entworfen worden, war

niemals in ruhiger Zeit sorgfältig revidirt und vervollständigt worden.

Jede von den sieben Republiken, weiche diese Union mit einander

verbunden hatte, besaß fast noch alle Souverainetätsrechte

und behauptete diese Rechte beharrlich der Centralregierung

gegenüber. Gleichwie die Bundesgewalt nicht die Mittel hatte, die

Provinzialgewalten zu pünktlichem Gehorsam zu zwingen, so hatten auch

diese nicht die Mittel, die Municipalbehörden zu pünktlichem Gehorsam zu

zwingen. Holland allein enthielt achtzehn Städte, von denen jede in

vieler Beziehung einen unabhängigen und keine Einmischung von Außen

duldenden Staat bildete. Wenn die Behörden dieser Städte vom Haag einen

Befehl erhielten, der ihnen nicht gefiel, so ignorirten sie denselben

entweder ganz, oder kamen ihm doch nur langsam und zögernd nach. Bei

einigen Stadträthen vermochte allerdings der Wille des Prinzen von

Oranien Alles; unglücklicherweise aber war der Ort, wo sich die

britischen Verbannten gesammelt hatten und wo ihre Schiffe ausgerüstet

worden waren, das reiche und stark bevölkerte Amsterdam, und die

Magistratsbeamten von Amsterdam waren die Oberhäupter der gegen die

Bundesregierung und gegen das Haus Nassau feindlich gesinnten Partei.

Die Marineverwaltung der Vereinigten Provinzen war in den Händen fünf

verschiedener Admiralitätsbehörden; eine dieser Behörden hatte ihren

Sitz in Amsterdam, wurde theilweis von der städtischen Behörde ernannt

und scheint ganz von deren Geiste beseelt gewesen zu sein.

Alle Bemühungen der Bundesregierung, Jakob's Wünsche zu erfüllen, wurden

durch die Ausflüchte der Amsterdamer Beamten und durch die Fehlgriffe

des Obersten Bevil Skelton, der eben als Gesandter Englands im Haag

angekommen war, vereitelt. Skelton war zur Zeit der englischen Unruhen

in Holland geboren und man hatte ihn daher als besonders geeignet für

diesen Posten gehalten[27]; allein er war weder für diese noch für

irgend eine andre diplomatische Stellung befähigt. Leute, die einen

Character gut zu beurtheilen verstanden, erklärten ihn für den

seichtesten, unbeständigsten, leidenschaftlichsten, anmaßendsten und

geschwätzigsten Menschen, den es geben könne[28]. Er kümmerte sich nicht

ernstlich um die Schritte der Flüchtlinge, als bis drei für die

Expedition nach Schottland ausgerüstete Schiffe bereits glücklich aus

der Zuydersee ausgelaufen, sämmtliche Waffen, Munition und Mundvorräthe

an Bord gebracht waren und die Passagiere sich eingeschifft hatten.

Anstatt sich nun, wie er hätte thun sollen, an die Generalstaaten zu

wenden, welche dicht neben seiner Wohnung ihre Sitzungen hielten,

schickte er einen Boten an den Magistrat von Amsterdam mit dem Ersuchen,

die verdächtigen Schiffe nicht abfahren zu lassen. Der Magistrat von

Amsterdam antwortete, daß der Eingang der Zuydersee außer dem Bereiche

seiner Jurisdiction liege, und verwies ihn an die Bundesregierung. Es

lag auf der Hand, daß dies eine bloße Ausflucht war und daß durchaus

keine Schwierigkeiten gemacht worden wären, wenn man im Amsterdamer

Stadthause den ernsten Willen gehabt hätte, Argyle am Absegeln zu

verhindern. Jetzt wendete sich Skelton an die Generalstaaten. Sie

zeigten sich vollkommen geneigt, seinem Ansuchen zu willfahren, und da

die Zeit drängte, wichen sie von dem Verfahren ab, das sie sonst in

ihrem Geschäftsgange zu beobachten pflegten. Noch denselben Tag, an

welchem der Oberst sich an sie gewendet, wurde ein in genauer

Übereinstimmung mit seinem Gesuch abgefaßter Befehl der Admiralität von

Amsterdam zugefertigt. In diesem Befehle aber war in Folge unrichtiger

Andeutungen von Seiten Skelton's die Lage der Schiffe nicht genau

bezeichnet. Es hieß darin, sie lägen im Texel, während sie sich bei

Vlieland befanden. Die Admiralität von Amsterdam nahm diesen Fehler zum

Vorwand, um nichts zu thun, und bevor er berichtigt werden konnte, waren

die drei Schiffe abgesegelt.[29]

[Anmerkung 27: Dies wird in seinem Beglaubigungsschreiben vom 16.

März 1684/85 erwähnt.]

[Anmerkung 28: Bonrepeaux an Seignelay vom 4.(14.) Febr. 1686.]

[Anmerkung 29: +Avaux Neg. April 30. (May 10.), May 1.(11.), May

5.(15.) 1685+; +Sir Patrick Hume's Narrative+; Brief von der

Admiralität von Amsterdam an die Generalstaaten vom 20. Juni 1685;

Memorial Skelton's an die Generalstaaten vom 10. Mai 1685.]

[_Argyle's Abreise von Holland._] Die letzten Stunden, welche Argyle an

der Küste Hollands zubrachte, waren Stunden der größten Angst. In seiner

Nähe lag ein holländisches Kriegsschiff, das mit einer vollen Lage in

einem Augenblicke die ganze Expedition zu Schanden gemacht haben würde.

Auch ruderte ein Boot um seine kleine Flotte herum, in welchem sich

einige Personen mit Fernröhren befanden, die er für Spione hielt. Es

wurde jedoch kein wirklicher Schritt gethan, um ihn zurückzuhalten, und

am Nachmittage des 2. Mai ging er mit günstigem Winde unter Segel.

Die Fahrt war glücklich. Am Sechsten bekam man die Orkneyinseln in

Sicht. Argyle ging sehr unklugerweise auf der Höhe von Kirkwall vor

Anker und gestattete zwei von seinen Begleitern, hier ans Land zu gehen.

Der Bischof gab Befehl, sie festzunehmen. Die Flüchtlinge begannen eine

lange und lebhafte Debatte über diesen Unfall, denn zu Debatten fehlte

es ihnen vom Anfang bis zum Ende der Expedition nie an Energie und

Ausdauer, so zaghaft und unschlüssig sie im Übrigen waren. Einige

stimmten für einen Angriff auf Kirkwall, Andere für unverweilte

Fortsetzung der Reise nach Argyleshire. Endlich ließ der Earl einige an

der Küste der Insel wohnende Gentlemen festnehmen und schlug dann dem

Bischofe die Auswechselung der Gefangenen vor. Der Bischof gab keine

Antwort und die Flotte segelte wieder ab, nachdem sie drei Tage verloren

hatte.

[_Argyle landet in Schottland._] Diese Verzögerung war höchst

gefährlich. Es wurde sehr bald in Edinburg bekannt, daß das Geschwader

der Aufrührer die Orkneyinseln berührt hatte, und man setzte daher

schleunigst Truppen in Bewegung. Als der Earl seine Provinz erreichte,

fand er, daß Vorkehrungen getroffen waren, um seine Landung zu

verhindern. Bei Dunstaffnage schickte er seinen zweiten Sohn Karl ans

Land, um die Campbells zu den Waffen zu rufen. Karl aber kam mit

schlimmen Nachrichten zurück. Die Hirten und Fischer waren wohl bereit,

sich um Mac Callum More zu schaaren, aber von den Häuptlingen der Clans

waren einige gefänglich eingezogen, andere waren geflohen, und die

Zurückgebliebenen hielten es entweder mit der Regierung oder wollten

doch von einem Aufstande nichts wissen und weigerten sich sogar, den

Sohn ihres Stammoberhauptes nur vor sich zu lassen. Von Dunstaffnage

segelte die kleine Flotte weiter nach Campbelltown, unweit der Südspitze

der Halbinsel Kintyre. Hier veröffentlichte der Earl ein Manifest, das

in Holland unter der Leitung des Ausschusses von einem schottischen

Advokaten, Jakob Stewart, abgefaßt war, dessen Feder wenige Monate

darauf zu ganz anderen Dingen verwendet wurde. In diesem Erlasse waren

in einer Sprache, deren starke Ausdrücke zuweilen an possenhafte

Gemeinheit grenzten, viele wahre und einige eingebildete Beschwerden

auseinandergesetzt. Unter Andrem war darin angedeutet, der letzte König

sei an Gift gestorben. Für einen Hauptzweck der Expedition wurde die

völlige Unterdrückung nicht nur des Papismus, sondern auch des

Prälatenthums erklärt, welches die bitterste Wurzel und Frucht des

Papismus genannt war, und alle guten Schotten wurden ermahnt, der Sache

ihres Vaterlandes und ihres Gottes tapfren Beistand zu leihen. So eifrig

Argyle auch für das, was er den reinen Glauben nannte, eingenommen war,

scheute er sich doch nicht, einen halb papistischen, halb heidnischen

Gebrauch in Anwendung zu bringen. Das geheimnißvolle Kreuz von

Eibenholz, das zuerst angezündet und dann in Ziegenblut gelöscht wurde,

ward ausgeschickt, um alle Campbells vom sechzehnten bis zum sechzigsten

Jahre aufzurufen. Die Landenge von Tarbet war zum Sammelplatz bestimmt.

Die Truppe, die sich dort sammelte, war zwar klein im Vergleich zu der,

welche zusammengekommen sein würde, wenn der Muth und die Kraft der

Clans noch ungebrochen gewesen wäre, doch war sie noch immer

achtunggebietend. Sie erreichte die Zahl von achtzehnhundert Mann.

Argyle theilte seine Bergschotten in drei Regimenter und schritt zur

Ernennung der Offiziere.

[_Argyle's Zwistigkeiten mit seinen Begleitern._] Die schon in Holland

begonnenen Zänkereien hatten zwar während des ganzen bisherigen Verlaufs

der Expedition noch nicht aufgehört; in Tarbet aber wurden sie heftiger

als je. Der Ausschuß wollte sich selbst in die patriarchalische

Oberherrschaft des Earl über die Campbells einmischen und ihm nicht

einmal gestatten, den militärischen Rang seiner Stammverwandten nach

eignem Ermessen zu bestimmen. Während diese streitsüchtigen

Friedensstörer ihm seine Macht in den Hochlanden zu entreißen suchten,

unterhielten sie ihre eigne Correspondenz mit dem Niederlande und

wechselten Briefe, die dem nominellen General nie mitgetheilt wurden.

Hume und seine Verbündeten hatten sich die Oberaufsicht über die

Vorräthe vorbehalten und sie führten diesen wichtigen Zweig der

Kriegsverwaltung mit einer Lässigkeit, welche von Treulosigkeit kaum zu

unterscheiden war, ließen die Waffen verderben, vergeudeten die

Lebensmittel und lebten in verschwenderischer Üppigkeit zu einer Zeit,

wo sie allen Untergebenen mit dem Beispiele der Mäßigkeit hätten

vorangehen sollen.

Die große Frage war nun, ob die Hochlande oder die Niederlande[30] der

Schauplatz des Krieges sein sollten. Des Earl's Hauptziel war für jetzt,

seine Autorität über sein eignes Gebiet zu befestigen, die fremden

Clans, welche aus Perthshire in Argyleshire eingedrungen waren, wieder

hinauszutreiben und seinen alten Stammsitz zu Inverary wieder

einzunehmen. Dann konnte er hoffen, vier- bis fünftausend Schwerter zu

seiner Verfügung zu haben, und mit einer solchen Streitmacht würde er im

Stande gewesen sein, diese wilden Gegenden gegen die ganze Macht des

Königreichs Schottland zu vertheidigen, so wie auch eine vortreffliche

Grundlage zu Angriffsoperationen gewonnen haben. Dies scheint der

vernünftigste Weg gewesen zu sein, der ihm offen stand. Rumbold, der

eine ausgezeichnete Kriegsschule durchgemacht hatte und von dem man, da

er Engländer war, erwarten konnte, daß er ein unparteiischer

Schiedsrichter zwischen den schottischen Factionen sein werde, that

Alles, was in seinen Kräften stand, um den Earl zu unterstützen. Hume

und Cochrane aber waren durchaus unfügsam, ihre Eifersucht auf Argyle

war in der That stärker, als der Wunsch, daß die Expedition gelingen

möge. Sie sahen, daß er zwischen seinen Bergen und Seen und an der

Spitze eines hauptsächlich aus Mitgliedern seines eignen Stammes

gebildeten Heeres im Stande sein werde, ihren Widerstand zu brechen und

die volle Autorität eines Generals auszuüben. Sie munkelten, daß die

Niederländer die Einzigen seien, denen die gute Sache wirklich am Herzen

liege, und daß die Campbells weder für die Freiheit, noch für die Kirche

Gottes, sondern lediglich für Mac Callum More die Waffen ergriffen

hätten. Cochrane erklärte, er werde nach Ayrshire gehen, und wenn er

allein, mit nichts als einer Heugabel in der Hand gehen sollte. Nach

langem Widerstreben willigte Argyle endlich gegen seine bessere

Überzeugung darein, daß sein kleines Heer getheilt wurde. Er blieb mit

Rumbold in den Hochlanden und Cochrane und Hume traten an die Spitze des

Korps, das zu einem Einfall in die Niederlande absegelte.

Cochrane's Ziel war Ayrshire; aber die Küste dieser Grafschaft war von

englischen Fregatten bewacht und die Abenteurer mußten daher die Mündung

des Clyde bis Greenock hinauffahren, das damals ein kleines, aus einer

einzigen Reihe von Strohhütten bestehendes Fischerdorf war, jetzt aber

ein großer, blühender Hafen ist, dessen Zolleinnahmen die

Gesammteinkünfte, welche die Stuarts aus dem Königreiche Schottland

zogen, um das Fünffache übersteigen. Bei Greenock stand eine Abtheilung

Miliz; Cochrane aber brauchte Proviant und war daher entschlossen, zu

landen. Hume machte Einwendungen, Cochrane aber bestand fest darauf und

befahl einem Offizier, Namens Elphinstone, mit zwanzig Mann in einem

Boot ans Ufer zu fahren. Aber der streitsüchtige Geist der Führer hatte

alle Reihen angesteckt. Elphinstone antwortete, er sei nur verpflichtet,

vernünftigen Befehlen zu gehorchen, dieser aber sei unvernünftig, kurz,

er werde nicht gehen. Major Fullarton, ein braver Mann, den alle

Parteien achteten, der aber ein spezieller Freund Argyle's war,

unternahm es, mit nur zwölf Mann zu landen und es gelang ihm trotz des

Feuers, das von der Küste aus auf ihn gerichtet wurde. Es entspann sich

ein kleines Gefecht und die Miliz wich zurück. Cochrane rückte in

Greenock ein, verschaffte sich Mehlvorrath, fand aber das Volk nicht

geneigt zum Aufstande.

[Anmerkung 30: Nämlich die schottischen. D. Übers.]

[_Stimmung der schottischen Nation._] Die öffentliche Stimmung in

Schottland war in der That nicht so, wie die Verbannten, welche durch

die ihrer Klasse zu jeder Zeit eigne Verblendung bethört waren, sie

erwartet hatten. Die Regierung war zwar gehässig und gehaßt, aber die

Mißvergnügten waren in Parteien gespaltet, welche gegen einander fast

eben so feindselig gesinnt waren, wie gegen ihre Beherrscher, und keine

von diesen Parteien zeigte sonderliche Lust, sich den Einfallenden

anzuschließen. Viele sprachen dem Aufstande jede Aussicht auf Erfolg ab,

und der Muth vieler Anderen war durch lange und grausame Bedrückung

wirksam gebrochen worden. Allerdings gab es noch eine Klasse von

Enthusiasten, welche nicht gewohnt waren, die Aussichten des Gelingens

zu erwägen, und die der Druck nicht gezähmt, sondern im Gegentheil aufs

Äußerste erbittert hatte; aber diese Leute sahen keinen großen

Unterschied zwischen Argyle und Jakob. Ihr Zorn war auf einen solchen

Grad gestiegen, daß das, was jeder Andere glühenden Eifer genannt haben

würde, in ihren Augen laodicäische Lauheit war. Auf der Vergangenheit

des Earl lastete ein Flecken, den sie als die schändlichste Apostasie

betrachteten. Die nämlichen Hochländer, die er jetzt zur Ausrottung des

Prälatenthums aufrief, hatte er wenige Jahre vorher zur Vertheidigung

desselben aufgerufen. Waren Sklaven, die von Religion nichts wußten und

sich nicht um sie kümmerten, welche bereit waren, für Synodalverfassung,

für Episkopat und für Papstthum zu kämpfen, wie es Mac Callum More

gerade zu befehlen geruhte, würdige Bundesgenossen für das auserwählte

Volk Gottes? Das in unschicklichem und intolerantem Tone gehaltene

Manifest erschien diesen Fanatikern als ein feiges und weltliches

Machwerk. Eine Verfassung, wie Argyle sie ihnen gegeben haben würde und

wie sie nachher ein mächtigerer und glücklicherer Befreier ihnen gab,

schien ihnen keines Kampfes werth. Sie verlangten nicht nur

Gewissensfreiheit für sich, sondern auch unumschränkte Herrschaft über

die Gewissen Andrer, nicht blos presbyterianische Lehre, Verfassung und

Gottesdienst, sondern den Covenant in seiner äußersten Strenge. Sie

waren nur dadurch zu befriedigen, daß alle Zwecke, um deretwillen die

bürgerliche Gesellschaft besteht, der Herrschaft eines theologischen

Systems aufgeopfert wurden. Wer da glaubte, daß keine Form des

Kirchenregiments eine Verletzung der Nächstenliebe werth sei, wer

Verständigung und Toleranz empfahl, der schwankte zwischen Jehova und

Baal, wie sie sich ausdrückten. Wer Handlungen, wie die Ermordung des

Kardinals Beatoun und des Erzbischofs Sharpe verdammte, verfiel in die

nämlichen Fehler, um dessentwillen Saul als König über Israel verworfen

worden war. Alle Maßregeln, durch welche unter civilisirten und

christlichen Menschen die Schrecken des Kriegs gemildert werden, waren

dem Herrn ein Gräuel. Pardon durfte weder genommen noch gegeben werden.

Ein rasender Malaye, ein von einem Haufen verfolgter toller Hund: das

waren die Vorbilder, die sich Krieger, welche zu gerechter

Selbstvertheidigung kämpften, zum Muster nehmen sollten. Für Gründe,

durch die sich Staatsmänner und Generäle bei ihren Schritten, leiten

lassen, waren diese Zeloten durchaus unempfänglich. Wenn ein Mann es

wagte, solche Gründe anzuführen, so war dies schon ein hinreichender

Beweis, daß er nicht zu den Gläubigen gehörte. Wenn der göttliche Segen

fehlte, so konnten auch schlaue Politiker, kriegserfahrene Heerführer,

Waffenkisten aus Holland oder Regimenter nicht wiedergeborener Celten

aus den Gebirgen von Lorn wenig ausrichten. War jedoch auf der andren

Seite die Zeit des Herrn wirklich gekommen, so konnte er noch immer wie

vor Alters durch das, was thöricht ist, die Weisen vor der Welt zu

Schanden machen und durch Wenige eben so gut wie durch Viele erretten.

Die breiten Schwerter Athol's und die Bajonette Claverhouse's konnten

durch eben so bescheidene Waffen wie die Schleuder David's oder die

Krüge Gideon's in die Flucht geschlagen werden.[31]

Nachdem Cochrane die Unmöglichkeit erkannt hatte, die Bevölkerung

südlich vom Clyde zum Aufstande zu bewegen, kehrte er zu Argyle zurück,

der sich auf der Insel Bute befand. Der Earl schlug nun abermals vor,

einen Angriff auf Inverary zu versuchen; allein er stieß abermals auf

hartnäckige Opposition. Die Seeleute hielten es mit Cochrane und Hume,

die Hochländer unterwarfen sich unbedingt den Befehlen ihres Anführers.

Es stand zu befürchten, daß es zwischen den beiden Parteien zu

Thätlichkeiten kommen würde, und die Besorgniß vor einem solchen Unglück

bewog den Ausschuß zu einigen Zugeständnissen. Das Schloß Ealan Ghierig,

an der Mündung des Loch[32] Riddan gelegen, wurde zum Hauptwaffenplatz

erwählt. Die Kriegsvorräthe wurden dort ausgeschifft und das Geschwader

dicht an den Wällen an einer Stelle, wo es durch Felsen und Untiefen,

welche ihrer Meinung nach eine Fregatte nicht passiren konnte, geschützt

war, vor Anker gelegt. Dann wurden Außenwerke aufgeworfen und eine

Batterie von einigen von den Schiffen genommenen kleinen Kanonen

aufgefahren. Das Commando in dem Fort ward höchst unklugerweise

Elphinstone übertragen, der schon Beweise gegeben hatte, daß er weit

mehr geneigt war, sich mit seinen Vorgesetzten zu streiten, als gegen

den Feind zu kämpfen.

Jetzt wurde auf einige Stunden ein wenig Energie entwickelt. Rumbold

nahm das Schloß Ardkingglaß. Der Earl scharmützelte erfolgreich mit

Athol's Truppen und war schon im Anrücken gegen Inverary begriffen, als

er in Folge schlimmer Nachrichten von den Schiffen und durch

Parteispaltungen im Ausschusse gezwungen wurde, wieder umzukehren. Die

königlichen Fregatten waren Ealan Ghierig näher gekommen, als man es für

möglich gehalten, und die Herren vom Niederland weigerten sich auf das

Bestimmteste, noch weiter in's Hochland vorzurücken. Argyle eilte zurück

nach Ealan Ghierig. Dort angelangt, schlug er einen Angriff auf die

Fregatten vor. Seine Schiffe waren zwar zu einem solchen Unternehmen

nicht hinreichend, aber sie wären durch eine Flotille von dreißig großen

mit bewaffneten Hochländern wohlbemannten Fischerböten unterstützt

worden. Der Ausschuß wollte jedoch von diesem Plane nichts hören und

vereitelte denselben auch wirklich durch Anzettelung einer Meuterei

unter dem Schiffsvolke.

Jetzt entstand allgemeine Verwirrung und Entmuthigung. Die Mundvorräthe

waren vom Ausschusse so schlecht verwaltet worden, daß es den Truppen an

Lebensmitteln fehlte. Die Hochländer desertirten daher zu Hunderten und

der durch sein Mißgeschick gänzlich zu Boden gedrückte Earl gab dem

Andringen Derer nach, welche noch immer hartnäckig darauf bestanden, daß

er in das Niederland vorrücken solle.

Die kleine Armee brach demgemäß eiligst nach den Ufern des Loch Long

auf, setzte bei Nacht in Böten über die Einfahrt und landete in

Dumbartonshire. Hier erhielten sie am folgenden Morgen die Nachricht,

daß die Fregatten einen Durchgang forcirt hatten, daß sämmtliche Schiffe

des Earls genommen worden waren, und daß Elphinstone ohne Schwertstreich

aus Ealan Ghierig geflohen sei und das Schloß mit allen Vorräthen dem

Feinde überlassen habe.

Es blieb nun weiter nichts übrig, als auf jede Gefahr hin in das

Niederland vorzudringen. Argyle beschloß einen kühnen Handstreich auf

Glasgow zu wagen. Sobald aber dieser Entschluß bekannt wurde, ergriff

dieselben Männer, die ihn bis zu diesem Augenblicke gedrängt hatten, in

das Niederland zu eilen, ein panischer Schrecken, sie stritten, machten

Gegenvorstellungen, und da ihr Streiten und ihre Vorstellungen erfolglos

blieben, entwarfen sie den Plan, sich der Böte zu bemächtigen, auf eigne

Hand zu entfliehen und es ihrem General und seinen Clansleuten zu

überlassen, ohne Hülfe zu siegen oder unterzugehen. Dieser Plan schlug

jedoch fehl, und die Feiglinge, die ihn gefaßt hatten, waren gezwungen,

mit tapferen Männern die Gefahren des letzten Wagnisses zu theilen.

Auf dem Marsche durch die Gegend zwischen Loch Long und Loch Lomond

wurden die Insurgenten fortwährend durch Abtheilungen der Miliz

beunruhigt. Es fanden einige Gefechte statt, in denen der Vortheil auf

Seiten des Earl blieb, aber die vor ihm her fliehenden Trupps

verbreiteten die Nachricht von seinem Heranrücken und bald nach seinem

Übergang über den Fluß Leven stieß er auf ein zahlreiches Corps

regulärer und irregulärer Truppen, welche bereit waren, sich mit ihm zu

messen.

Er war dafür, eine Schlacht anzunehmen, eben so auch Ayloffe. Hume aber

erklärte es für Wahnsinn, mit dem Feinde anzubinden. Er sah ein Regiment

in scharlachrother Uniform, und es konnten noch mehr dahinter stehen:

eine solche Macht angreifen, hieße einem sicheren Tode in den Rachen

eilen. Das Beste sei, sich bis zur Nacht ganz still zu verhalten und

dann dem Feinde wo möglich zu entschlüpfen.

Es entspann sich ein heftiger Wortwechsel, der nur mit Mühe durch

Rumbold's Vermittelung beschwichtigt wurde. Es war Abend geworden, und

die beiden feindlichen Heere lagerten in nicht großer Entfernung von

einander. Der Earl wagte es, einen nächtlichen Angriff vorzuschlagen,

wurde aber auch diesmal wieder überstimmt.

[Anmerkung 31: Wer etwa glauben sollte, daß ich die Unvernunft und

Wildheit dieser Menschen übertreibe, dem rathe ich, zwei Bücher zu

lesen, die ihn überzeugen werden, daß ich die Farben eher

gemildert als zu stark aufgetragen habe. Die Titel dieser beiden

Werke sind: +Hind let loose+ und +Faithful Contendings

displayed.+]

[Anmerkung 32: See. D. Übers.]

[_Argyle's Truppe zerstreut._] Nachdem der Beschluß gefaßt war, nicht zu

kämpfen, blieb nichts weiter übrig als den Schritt zu thun, den Hume

anempfohlen hatte. Es war einige Möglichkeit vorhanden, daß der Earl,

wenn er in aller Stille aufbrach und die ganze Nacht durch über Haiden

und Moräste davoneilte, dem Feinde einen Vorsprung von mehreren Meilen

abgewinnen und ohne weitere Behinderung Glasgow erreichen konnte. Man

ließ die Wachtfeuer brennen und setzte sich in Marsch. Doch nun folgte

ein Unglück auf das andre. Die Führer verfehlten den Weg durch die Moore

und führten die Armee in weichen Sumpfboden. Eine militairische Ordnung

konnte bei diesen undisciplinirten und entmuthigten Soldaten unter einem

stockfinstren Himmel und auf einem trügerischen, unebenen Boden nicht

aufrecht erhalten werden. Schrecken auf Schrecken verbreitete sich in

den getrennten Reihen. Was man sah und hörte hielt man für ein Anzeichen

vom Herannahen der Verfolger. Einige von den Officieren trugen noch zur

Vermehrung der Angst bei, während es ihre Pflicht gewesen wäre, sie zu

vermindern. Die Armee war ein demoralisirter Haufe geworden und dieser

schmolz rasch zusammen. Große Massen entflohen unter dem Schutze der

Dunkelheit. Rumbold und einige andere Tapfere, die keine Gefahr

schrecken konnte, verirrten sich und waren nicht im Stande, das

Hauptcorps wieder aufzufinden. Als der Tag anbrach, sammelten sich nur

etwa fünfhundert erschöpfte und entmuthigte Flüchtlinge in Kilpatrick.

[_Argyle gefangen genommen._] An eine Fortsetzung des Kriegs war nicht

mehr zu denken und es lag klar auf der Hand, daß es den Anführern der

Expedition schwer genug werden würde, nur ihr Leben in Sicherheit zu

bringen. Sie entflohen in verschiedenen Richtungen. Hume erreichte

glücklich das Festland. Cochrane wurde ergriffen und nach London

gebracht. Argyle hoffte unter dem Dache eines seiner alten Diener, der

in der Nähe von Kilpatrick wohnte, ein sicheres Asyl zu finden. Allein

er sah sich in dieser Hoffnung getäuscht und war gezwungen, über den

Clyde zu gehen. Er verkleidete sich als Landmann und übernahm die Rolle

eines Führers des Majors Fullarton, dessen muthvolle Treue vor keiner

Gefahr zurückschreckte. Die beiden Freunde reisten mit einander durch

Renfrewshire bis Inchinnan. Hier vereinigen sich der schwarze Cart und

der weiße Cart, bevor sie sich in den Clyde ergießen. Diese beiden

Ströme fließen jetzt durch blühende Städte und treiben die Räder

zahlreicher Fabriken; damals aber ging ihr ruhiger Lauf durch

Moorstrecken und Schafweiden. Die einzige Furth, durch welche die

Reisenden den Fluß passiren konnten, wurde von einer Abtheilung Miliz

bewacht. Fullarton versuchte es, den Verdacht auf sich zu lenken, damit

sein Begleiter unbemerkt entschlüpfen könnte; aber die Frager ahneten,

daß der Führer nicht der ungebildete Landmann sei, der er scheinen

wollte. Sie legten Hand an ihn. Er riß sich los und sprang in's Wasser,

ward aber sofort verfolgt. Eine kurze Zeit vertheidigte er sich gegen

fünf Angreifer; aber er hatte keine anderen Waffen als seine

Taschenpistolen, und diese waren in Folge seines Sprunges ins Wasser so

naß geworden, daß sie versagten. Ein Schwerthieb streckte ihn zu Boden

und er wurde festgenommen.

Er gab sich nun als den Earl von Argyle zu erkennen, wahrscheinlich in

der Hoffnung, daß sein angesehener Name bei denen, die ihn ergriffen

hatten, Ehrfurcht und Mitleid erwecken würde. Sie waren auch wirklich

tief erschüttert, denn sie waren einfache Schotten niederen Standes, und

obgleich im Dienste der Krone bewaffnet, hegten sie doch vielleicht

einige Vorliebe für calvinistische Kirchenverfassung und Gottesdienst

und waren überdies gewohnt, ihren Gefangenen als das Oberhaupt eines

erlauchten Hauses und als einen Vorkämpfer des protestantischen Glaubens

zu verehren. Doch obschon sie sichtbar ergriffen waren und obschon

einige von ihnen sogar weinten, so konnten sie sich doch nicht

entschließen, die versprochene ansehnliche Belohnung fahren zu lassen

und sich der Rache einer unerbittlichen Regierung auszusetzen. Sie

brachten daher ihren Gefangenen nach Renfrew. Der Mann, welcher bei der

Verhaftung die Hauptrolle spielte, hieß Riddell. Aus diesem Grunde war

das ganze Geschlecht der Riddell über ein Jahrhundert lang bei dem

großen Stamme der Campbell verhaßt. Noch Lebende können sich erinnern,

daß ein Riddell, der einen Markt in Argyleshire besuchte, es für rathsam

hielt, einen falschen Namen anzunehmen.

Jetzt begann der glänzendste Theil von Argyle's Laufbahn. Sein

Unternehmen hatte ihm bisher nur Tadel und Spott eingetragen. Sein

großer Fehler war, daß er sich nicht entschieden geweigert hatte, den

Titel eines Generals, ohne die Macht desselben, anzunehmen. Wäre er

ruhig in Friesland geblieben, so würde er in wenigen Jahren mit Ehren in

sein Vaterland zurückgerufen worden sein und hätte dann bald eine

hervorragende Zierde und Stütze der constitutionellen Monarchie erden

können. Hätte er die Expedition nach seinen eigenen Ansichten in's Werk

gesetzt und nur solche Begleiter mitgenommen, welche bereit waren, allen

seinen Befehlen unbedingt zu gehorchen, so hätte er möglicherweise etwas

Großes bewirken können, denn es scheint ihm zu einem Befehlshaber weder

an Muth, noch an Thätigkeit oder Geschicklichkeit gefehlt zu haben,

sondern einzig und allein an Autorität. Er hätte wissen sollen, daß von

allen Mängeln dieser der verderblichste ist. Es haben schon Armeen unter

Anführern gesiegt, welche eben keine hervorragenden Eigenschaften

besaßen. Aber welches Heer, das von einem zanksüchtigen Clubb commandirt

wurde, wäre je der Auflösung und Schande entgangen?

Das große Unglück, das Argyle betroffen, hatte das Gute, daß es ihm

Gelegenheit verschaffte, durch unverkennbare Beweise zu zeigen, was für

ein Mann er war. Von dem Tage, an welchem er Friesland verließ, bis zu

dem, wo seine Begleiter sich in Kilpatrick von ihm trennten, hatte er

nie frei handeln können. Er hatte die Verantwortlichkeit für eine Reihe

von Maßregeln auf sich nehmen müssen, die sein Verstand mißbilligte.

Jetzt endlich stand er allein. Die Gefangenschaft hatte ihm die edelste

Art der Freiheit wiedergegeben, die Freiheit, sich in allen seinen

Worten und Thaten nur durch seinen eignen Sinn für Recht und

Schicklichkeit leiten zu lassen. Von diesem Augenblick war es als ob

neue Weisheit und Tugend in ihm eingezogen wären. Sein Verstand schien

geschärft und geläutert, sein sittlicher Character gehoben und zugleich

gemildert. Der freche Übermuth der Sieger unterließ nichts, was den auf

seinen alten Adel und auf sein patriarchalisches Ansehen stolzen Mann

kränken und demüthigen konnte. Der Gefangene ward im Triumph durch

Edinburg geschleppt. Er ging zu Fuß und entblößten Hauptes die ganze

stattliche Straße entlang, welche von düsteren und riesenhaften

steinernen Gebäuden beschattet wird und von Holyrood House nach dem

Schlosse führt. Vor ihm her schritt der Henker mit dem fürchterlichen

Werkzeuge, welches zum Viertheilen auf dem Blocke gebraucht wurde. Die

siegreiche Partei hatte nicht vergessen, daß fünfunddreißig Jahre früher

Argyle's Vater an der Spitze der Faction gestanden, welche Montrose dem

Tode überantwortete. Schon vor diesem Ereignisse waren die Häuser Graham

und Campbell einander nicht zugethan, seitdem aber hatten sie beständig

in blutiger Fehde gelegen. Man nahm darauf Bedacht, daß der Gefangene

durch das nämliche Thor und durch die nämlichen Straßen ging, durch

welche Montrose dem gleichen Schicksale entgegen geführt worden war. Die

Truppen, welche den Zug begleiteten, standen unter dem Commando

Claverhouse's, dem Wildesten und Härtesten vom Geschlechte der Graham.

Als der Earl auf dem Schlosse angelangt war, wurden ihm Ketten an die

Füße geschmiedet und ihm angekündigt, daß er nur noch wenige Tage zu

leben habe. Man hatte beschlossen, ihn nicht seines letzten Vergehens

wegen vor Gericht zu stellen, sondern ihn ohne weiteres hinzurichten in

Gemäßheit eines mehrere Jahre vorher gegen ihn gefällten Urtheils, eines

Urtheils von so empörender Ungerechtigkeit, daß selbst die servilsten

und gefühllosesten Juristen jener schlimmen Zeit nicht ohne Beschämung

davon sprechen konnten.

Aber weder die schimpfliche Prozession durch High Street, noch die nahe

Aussicht auf den Tod vermochte Argyle's edle und majestätische Ruhe zu

erschüttern. Seine Standhaftigkeit wurde indeß auf eine noch härtere

Probe gestellt. Auf Befehl des Geheimen Raths ward ihm ein Papier mit

Fragen vorgelegt. Von diesen Fragen beantwortete er diejenigen, die er

ohne Gefahr für seine Freunde beantworten konnte, und weigerte sich mehr

zu sagen. Hierauf sagte man ihm, daß wenn er nicht vollständigere

Antworten gäbe, er auf die Folter gespannt werden würde. Jakob, der es

gewiß sehr bedauerte, daß er sich nicht persönlich an dem Anblicke

Argyle's in den spanischen Stiefeln weiden konnte, hatte die

gemessensten Befehle nach Edinburg gesandt, daß nichts versäumt werden

solle, was dem Verräther Aufschluß über Alle, die bei dem Verrath

betheiligt waren, erpressen könnte. Doch alle Drohungen waren vergebens.

Trotz unmittelbarer Aussicht auf Folterqualen und Tod dachte Mac Callum

More weit weniger an sich selbst als an seine armen Clansleute. »Ich

versuchte es heute,« schrieb er aus seiner Zelle, »für sie zu

unterhandeln, und ich hatte einige Hoffnung. Aber diesen Abend ist der

Befehl gekommen, daß ich Montag oder Dienstag sterben müsse, und ich

soll auf die Folter gelegt werden, wenn ich nicht alle Fragen beantworte

und eidlich erhärte. Doch ich hoffe, Gott wird mich aufrecht erhalten.«

Die Folter wurde nicht angewendet. Vielleicht hatte die Hochherzigkeit

des Opfers die Sieger zu ungewohntem Mitleid gerührt. Er selbst

bemerkte, daß sie anfangs sehr hart gegen ihn gewesen waren, aber bald

anfingen, ihn mit Achtung und Freundlichkeit zu behandeln. Gott, sagte

er, hat ihre Herzen erweicht. Es ist erwiesen, daß er nicht einen seiner

Freunde verrieth, um der äußersten Grausamkeit seiner Feinde zu

entgehen. Am letzten Morgen seines Lebens schrieb er die Worte: »Ich

habe Niemandem zu seinem Nachtheile genannt. Ich danke Gott, daß er mich

so wunderbar aufrecht erhalten hat.«

Er verfaßte seine eigene Grabschrift, ein sinn- und geistvolles kurzes

Gedicht von einfachem und kräftigem Styl und durchaus nicht zu

verachtendem Versbau. In diesen Strophen beklagte er sich, daß, obgleich

seine Feinde ihn wiederholt zum Tode verurtheilt hätten, seine Freunde

doch noch herzloser gewesen wären. Einen Commentar zu diesen Äußerungen

liefert ein Brief von ihm an eine in Holland wohnende Dame. Sie hatte

ihm eine bedeutende Summe Geldes für seine Expedition gegeben und er

meinte, daß sie deshalb gegründeten Anspruch auf eine ausführliche

Darlegung der Ursachen habe, welche das Mißlingen derselben

herbeigeführt. Von Verrath sprach er seine Gehülfen frei, ihre Thorheit,

Unwissenheit und Parteisucht aber schilderte er in Ausdrücken, die sie,

wie ihre eigenen Aussagen später bewiesen, mit vollem Rechte verdienten.

Es stiegen nachher Zweifel in ihm auf, ob er für einen sterbenden

Christen nicht eine zu harte Sprache geführt habe, und er bat daher

seine Freundin noch auf einem besonderen Blatte, daß sie das von diesen

Männern Gesagte als nicht geschrieben betrachten solle. »Nur dabei muß

ich bleiben« setzte er mild hinzu, »daß sie unlenksam waren.«

Den größten Theil der wenigen Stunden, die er noch zu leben hatte,

brachte er im Gebet und in liebevoller Unterhaltung mit einigen

Mitgliedern seiner Familie zu. Er legte keine Reue über sein letztes

Unternehmen an den Tag, beklagte aber mit schmerzlicher Wehmuth seine

frühere Fügsamkeit in geistlichen Dingen gegen das Belieben der

Regierung. Er sagte, seine Strafe sei gerecht; wer so lange sich der

Feigheit und Verstellung schuldig gemacht habe, sei nicht werth, das

Rettungswerkzeug für Staat und Kirche zu sein. Die Sache aber,

wiederholte er sehr häufig, sei Gottes Sache und werde gewiß

triumphiren. »Ich gebe mich nicht für einen Propheten aus,« sagte er,

»aber ich habe eine bestimmte Ahnung, daß die Befreiung sehr nahe ist.«

Es kann nicht Wunder nehmen, daß einige eifrige Presbyterianer sich

diesen Ausspruch merkten und ihn zu einer späteren Zeit göttlicher

Eingebung zuschrieben.

Frommer Glaube und Hoffnung, verbunden mit natürlichem Muthe und

stoischer Gelassenheit hatten sein Gemüth so vollkommen beruhigt, daß er

noch an dem Tage, an dem er sterben sollte, mit Appetit zu Mittag

speiste, sich bei Tische mit Heiterkeit unterhielt und sich dann, wie

gewöhnlich, niederlegte, um einige Stunden zu schlafen, damit Leib und

Seele in voller Kraft wären, wenn er das Schaffot bestiege. Um diese

Zeit kam ein Lord des Geheimen Raths, der wahrscheinlich von Haus aus

Presbyterianer war und sich nur durch Rücksichten des Eigennutzes hatte

verleiten lassen, zur Unterdrückung der Kirche, der er früher selbst

angehörte, beizutragen, mit einer Botschaft von seinen Kollegen in das

Schloß und verlangte den Earl zu sprechen. Man antwortete ihm, daß der

Earl schlafe. Der Geheimerath hielt dies für eine leere Ausflucht und

bestand darauf, eingelassen zu werden. Die Thür der Zelle ward geöffnet

und da lag der Earl auf dem Bett und schlief in seinen Ketten sanft wie

ein unschuldiges Kind. In dem Renegaten regte sich das Gewissen. Mit

zerknirschtem Herzen wendete er sich ab, eilte aus dem Schlosse und

flüchtete sich zu einer dicht nebenan wohnenden Dame seiner

Verwandtschaft. Hier warf er sich auf ein Sopha und überließ sich dem

Schmerze der Beschämung und Reue. Der Ausdruck seines Blickes und seine

Seufzer beunruhigten die Dame, sie glaubte er sei plötzlich krank

geworden, und bat ihn ein Glas Sekt zu trinken. »Nein, nein«, erwiederte

er, »das kann mir nicht helfen.« Sie bat ihn nun, daß er ihr sagen

möchte, was ihn so ergriffen habe. »Ich war in Argyle's Gefängniß«,

sagte er, »und ich habe ihn eine Stunde vor der Ewigkeit so sanft

schlafen sehen, wie nur ein Mensch schlafen kann. Aber was mich

betrifft --«

Der Earl erhob sich nun von seinem Lager und bereitete sich auf den

letzten Gang vor. Er wurde zuerst die High Street hinab nach dem

Sitzungshause des Geheimen Raths gebracht, wo er die kurze Zeit bis zu

seiner Hinrichtung verweilen sollte. Während dieser letzten Frist bat er

um Schreibzeug und schrieb an seine Gattin: »Liebes Weib, Gott ist

unveränderlich. Er ist stets gütig und gnädig gegen mich gewesen und

keine Lage ändert dies. Vergieb mir alle meine Fehler und suche Trost in

Ihm, in dem allein der wahre Trost zu finden ist. Der Herr sei mit Dir,

Er segne und tröste Dich. Lebe wohl.«

[_Argyle's Hinrichtung._] Es war jetzt Zeit, das Haus des Geheimen Raths

zu verlassen. Die Geistlichen, welche den Gefangenen begleiteten, waren

zwar nicht seines Glaubens, aber er hörte sie artig an und ermahnte sie,

ihre Gemeinden vor denjenigen Lehren zu warnen, welche alle

protestantischen Kirchen einstimmig verdammten. Er bestieg das Schaffot,

wo die alte plumpe Guillotine Schottlands, die Jungfrau genannt, ihn

erwartete, und hielt eine Ansprache an das Volk, die mit den

eigenthümlichen Redensarten seiner Sekte durchwebt war, aber den Geist

wahrer Frömmigkeit athmete. Er sagte, er vergebe seinen Feinden, wie er

hoffe, daß ihm vergeben werden würde. Nur ein bittrer Ausdruck

entschlüpfte ihm. Einer der bischöflichen Geistlichen, die ihn

begleiteten, trat an den Rand des Schaffots und rief mit lauter Stimme

aus: »Mylord stirbt als Protestant.« -- »Ja«, sagte der Earl vorgehend,

»und nicht nur als Protestant, sondern mit dem Hasse gegen Papismus,

Prälatenthum und jeden Aberglauben im Herzen.« -- Dann umarmte er seine

Freunde, übergab ihnen einige Zeichen der Erinnerung für seine Gattin

und seine Kinder, kniete nieder, legte das Haupt auf den Block, betete

eine Weile und gab endlich dem Scharfrichter das Zeichen. Sein Kopf

wurde auf die Spitze des Tolbooth gesteckt, wo vordem Montrose's Haupt

verwest war.[33]

[Anmerkung 33: Die Schriftsteller, denen ich die Erzählung von

Argyle's Expedition entlehnt habe, sind Sir Patrick Hume, der als

Augenzeuge spricht, und Wodrow, dem die werthvollsten Materialien,

darunter des Earls eigene Papiere, zu Gebote standen. Wo die

Glaubwürdigkeit Argyle's oder Hume's in Frage kommt, da zweifle

ich nicht, daß Argyle's Erzählung die richtige ist. Siehe auch

Burnet I. 631 und das Leben Bresson's, herausgegeben von +Dr.+ Mac

Crie. Die Erzählung des schottischen Aufstandes in Clarke's +Life

of James the Second+ ist ein lächerlicher Roman, geschrieben von

einem Jakobiten, der sich nicht einmal die Mühe nahm, eine Karte

des Kriegsschauplatzes anzusehen.]

[_Rumbold's Hinrichtung._] Der Kopf des wackren und aufrichtigen, wenn

auch nicht tadelfreien Rumbold war bereits auf dem Westthore von

Edinburgh aufgesteckt. Umgeben von parteisüchtigen und feigen

Verbündeten, hatte er sich während des ganzen Feldzugs als ein in der

Schule des großen Protectors gebildeter Soldat gezeigt, hatte im Rathe

die Autorität Argyle's kräftig unterstützt und sich im Felde durch

ruhige Unerschrockenheit ausgezeichnet. Nachdem die Armee sich

zerstreut, wurde er von einer Abtheilung Miliz angegriffen. Er wehrte

sich mit verzweifelter Tapferkeit und würde sich auch durchgeschlagen

haben, hätte man seinem Pferde nicht die Fesseln zerschnitten. Tödtlich

verwundet wurde er nach Edinburg gebracht. Die Regierung hätte ihn gern

in England hinrichten lassen, aber er war dem Tode so nahe daß, wenn er

nicht in Schottland gehängt wurde, er gar nicht gehängt werden konnte,

und des Vergnügens, ihn zu hängen, wollten sich die Sieger nicht

entschlagen. Es ließ sich zwar nicht erwarten, daß sie gegen einen Mann,

der als das Haupt des Ryehousecomplots betrachtet wurde und Eigenthümer

des Hauses war, von welchem dieses Complot seinen Namen erhielt,

besondere Milde üben würden; aber die Rücksichtslosigkeit, mit der sie

den Sterbenden behandelten, muß unsrem humaneren Zeitalter fast

unglaublich erscheinen. Einer der schottischen Geheimräthe sagte ihm, er

sei ein verdammter Schurke. »Ich bin im Frieden mit Gott«, erwiederte

Rumbold gelassen, »wie kann ich da verdammt sein?«

Er wurde in aller Eil vor Gericht gestellt, überführt und verurtheilt,

nach wenigen Stunden in der Nähe des Stadtkreuzes in High Street gehängt

und geviertheilt zu werden. Obgleich er ohne die Unterstützung zweier

Männer nicht stehen konnte, bewahrte er doch seine Seelenstärke bis zum

letzten Augenblicke und erhob unter dem Galgen seine schwache Stimme

gegen Papismus und Tyrannei mit solcher Heftigkeit, daß die Offiziere

die Trommeln rühren ließen, damit das Volk ihn nicht hören konnte. Er

sagte, er sei ein Freund der beschränkten Monarchie, aber er könne

nimmermehr glauben, daß die Vorsehung einige wenige Menschen fertig

gestiefelt und gespornt zum Reiten und Millionen gesattelt und gezäumt,

um geritten zu werden, in die Welt gesandt habe. »Ich lobe und preise

Gottes heiligen Namen dafür«, rief er aus, »daß ich hier stehe nicht

wegen eines begangnen Unrechts, sondern weil ich in einer schlimmen Zeit

seiner Sache treugeblieben bin. Und wäre jedes Haar auf meinem Haupte

ein Mann, ich würde sie alle in diesem Kampfe daran setzen.«

Während der Untersuchung sowohl als noch bei der Hinrichtung sprach er

vom Meuchelmorde mit dem Abscheu, der einem guten Christen und einem

tapfren Soldaten ziemt. Er betheuerte auf das Wort eines dem Tode

verfallnen Mannes, daß er nie den Gedanken gehegt habe, eine solche

Schändlichkeit zu verüben. Aber er gestand offen, daß er im Gespräch mit

seinen Mitverschworenen sein eignes Haus als einen Ort bezeichnet habe,

wo Karl und Jakob mit Vortheil angegriffen werden könnten, und daß zwar

viel über die Sache debattirt, doch nichts beschlossen worden sei. Es

mag auf den ersten Anblick scheinen, als ob dieses Geständniß mit seiner

Erklärung, daß er den Meuchelmord stets verabscheut habe, unvereinbar

wäre; aber er ließ sich hierbei durch eine Unterscheidung täuschen,

welche viele seiner Zeitgenossen irre leitete. Nichts hatte ihn dazu

bewegen können, in die Speisen der beiden Fürsten Gift zu werfen, oder

sie im Schlafe zu erdolchen; aber einen unvermutheten Angriff auf die

den königlichen Wagen umgebenden Leibgarden zu machen, Schwerthiebe und,

Pistolenschüsse zu wechseln und es darauf ankommen zu lassen, ob man

tödten oder getödtet werden würde, dies war in seinen Augen eine

durchaus loyale militärische Operation. Hinterhalte und Überrumpelungen

gehörten zu den gewöhnlichen Vorfällen eines Kriegs. Jeder alte Soldat,

Kavalier oder Rundkopf, war bei solchen Unternehmungen betheiligt

gewesen. Fiel der König in dem Gefecht, so fiel er im ehrlichen Kampfe

und nicht durch Mörderhand. Ganz das nämliche Raisonnement stellten nach

der Revolution Jakob selbst und seine tapfersten und ergebensten

Anhänger auf, um einen ruchlosen Anschlag gegen das Leben Wilhelm's III.

zu rechtfertigen. Ein Trupp Jakobiten wurde abgesandt, um den Prinzen

von Oranien in seinem Winterquartiere anzugreifen. Der geheime Sinn

dieser ganz unverfänglich klingenden Redensart war, daß dem Prinzen auf

der Fahrt von Richmond nach Kensington die Kehle abgeschnitten werden

sollte. Es mag auffallend erscheinen, daß solche Trugschlüsse, die Hefe

der jesuitischen Casuistik, im Stande gewesen sind, Männer von

heldenmüthigem Character, sowohl Whigs als Tories, zu einem Verbrechen

zu verleiten, welchem die göttlichen wie die menschlichen Gesetze ganz

besonders den Stempel der Verruchtheit aufgedrückt haben. Aber kein

Sophismus ist so plump, daß er nicht Gemüther, welche vom Parteigeist

verblendet sind, bethören könnte.[34]

Argyle, welcher Rumbold einige Stunden überlebte, gab kurz vor seinem

Tode noch ein Zeugniß für die Tugenden des tapfren Engländers. »Der arme

Rumbold war mir eine große Stütze und ein braver Mann, und er ist

christlich gestorben.«[35]

[Anmerkung 34: +Wodrow III. IX. 10.+; +Western Martyrology+;

+Barnet, I. 633+; +Fox's History, Appendix IV.+ Ich vermag auf

keine andre als die im Texte angegebene Weise Rumbold's

Versicherung, daß er nie den Gedanken an einen Mord gehegt habe,

mit seinem Geständniß, daß er selbst sein Haus als zu einem

Angriff auf die königlichen Brüder passend bezeichnet habe, in

Einklang zu bringen. Die Unterscheidung, die ich ihm zuschreibe,

wurde auch noch von einem andren Ryehouseverschwornen gemacht, dem

Kapitain Walcot, ebenfalls einem ehemaligen Soldaten der Republik.

Bei Walcot's Verhör fragte der Kronzeuge: »Ihr habt zugegeben,

Kapitain, daß Ihr einer von Denen waret, welche gegen die Garden

kämpfen sollten.« -- »Aus welchem Grunde wollte er denn aber den

König nicht umbringen?« fragte hierauf der Oberrichter Pemberton.

»Er sagte«, antwortete West, »es sei ruchlos, einen wehrlosen

Menschen zu tödten, und dies könne er niemals.«]

[Anmerkung 35: +Wodrow III. IX. 9.+]

[_Ayloffe's Tod._] Ayloffe zeigte keine geringere Todesverachtung als

Argyle und Rumbold, nur war sein Ende für fromme Gemüther nicht so

erbaulich wie das ihrige. Wenn auch politische Sympathie ihn zu den

Puritanern hingezogen, so hatte er doch keine religiösen Sympathien für

sie und galt auch in ihren Augen für wenig besser als ein Atheist. Er

gehörte zu dem Theile der Whigs, der seine Vorbilder lieber unter den

Patrioten Griechenlands und Roms, als unter den Propheten und Richtern

Israels suchte. Er wurde gefangen genommen und nach Glasgow gebracht.

Hier versuchte er es, sich mit einem kleinen Federmesser zu entleiben,

aber obgleich er sich mehrer Wunden beibrachte, war doch keine davon

tödtlich, und er hatte noch Kraft genug, um eine Reise nach London

auszuhalten. Er ward vor den Geheimen Rath gestellt und vom Könige

selbst verhört, war aber zu hochsinnig, als daß er sich durch

Denuncirung Anderer hätte retten sollen. Unter den Whigs erzählte man

sich, der König habe zu ihm gesagt: »Ihr thätet besser, wenn Ihr offen

gegen mich wäret, Herr Ayloffe; Ihr wißt, daß es in meiner Macht steht,

Euch zu begnadigen.« Der Gefangne sollte hierauf sein düstres Schweigen

gebrochen und geantwortet haben. »In Ihrer Macht mag es stehen, aber in

Ihrem Character liegt es nicht.« Er wurde in Gemäßheit seines früheren

Ächtungsurtheils vor dem Thore des Tempels hingerichtet und starb mit

stoischem Gleichmuth.[36]

[Anmerkung 36: +Wade's Narrative, Harl. MS. 6845+; +Burnet I.

634+; Citters' Depesche vom 30. Oct. (9. Nov.) 1685; +Luttrell's

Diary+ von dem nämlichen Datum.]

[_Verwüstung von Argyleshire._] Inzwischen übten die Sieger eine

erbarmungslose Rache an dem Volke von Argyleshire. Athol ließ viele

Campbells ohne gerichtliche Untersuchung hängen und nur mit Mühe wurde

er durch den Geheimen Rath verhindert, noch mehr Menschenleben zu

opfern. Dreißig Meilen im Umkreise von Inverary wurde das Land

verwüstet. Häuser wurden angezündet, Mühlsteine zertrümmert, Obstbäume

umgehauen und selbst die Wurzelstöcke derselben verbrannt. Die Netze und

Fischerböte, die einzigen Mittel, durch welche viele von den

Küstenbewohnern ihren Unterhalt erwarben, wurden vernichtet, und mehr

als dreihundert Rebellen und Unzufriedene nach den Colonien

transportirt. Viele von ihnen wurden auch zur Verstümmelung verurtheilt.

An einem einzigen Tage schnitt der Henker von Edinburg fünfunddreißig

Gefangenen die Ohren ab; eine Menge Weiber wurden über das atlantische

Meer geschickt, nachdem man sie mit einem glühenden Eisen auf der Wange

gebrandmarkt hatte.[37] Man ging sogar mit dem Plane um, von dem

Parlamente eine Acte zu verlangen, durch welche der Name Campbell

geächtet werden sollte, wie achtzig Jahre früher der Name Mac Gregor

geächtet worden war.

Argyle's Unternehmung hatte im Süden der Insel wenig Aufsehen gemacht.

Die Nachricht von seiner Landung traf unmittelbar vor dem Zusammentritt

des englischen Parlaments in London ein. Der König erwähnte die Sache in

der Thronrede, und die Häuser versicherten ihn, daß sie gegen jeden

Feind zu ihm halten würden. Mehr wurde von ihnen nicht verlangt. Über

Schottland hatten sie keine Gewalt, und ein Krieg, dessen Schauplatz so

weit entfernt und dessen Ausgang fast von vornherein leicht

vorauszusehen war, erregte in London nur geringes Interesse.

[Anmerkung 37: +Wodrow III. IX. 4+, und +III. IX. 10.+ Wodrow

führt aus den Acten des Geheimen Rathes die Namen aller der

Gefangenen auf, welche transportirt, verstümmelt oder gebrandmarkt

wurden.]

[_Erfolglose Versuche, Monmouth's Abreise von Holland zu verhindern._]

Aber eine Woche vor der schließlichen Zerstreuung von Argyle's Armee

wurde ganz England durch die Nachricht erschüttert, daß ein weit mehr zu

fürchtender Mann in feindlicher Absicht an seiner eignen Küste gelandet

sei. Die Flüchtlinge waren dahin übereingekommen, daß Monmouth sechs

Tage nach der Abfahrt der Schotten von Holland unter Segel gehen sollte.

Er hatte seine Expedition wahrscheinlich deshalb kurze Zeit

aufgeschoben, weil er hoffte, daß, sobald der Krieg in den Hochlanden

ausbrach, die meisten Truppen nach dem Norden gesandt werden und er

daher keine zu seinem Empfange gerüstete Streitmacht vorfinden würde.

Als er endlich abzusegeln wünschte, war der Wind ungünstig und heftig

geworden.

Während seine kleine Flotte im Texel hin und her getrieben wurde, lagen

die holländischen Behörden mit einander im Streit. Auf der einen Seite

standen die Generalstaaten und der Prinz von Oranien, auf der andren der

Magistrat und die Admiralität von Amsterdam.

Skelton hatte den Generalstaaten ein Verzeichniß derjenigen Flüchtlinge

übergeben, deren Aufenthalt in den Vereinigten Provinzen seinem Gebieter

Besorgnisse einflößte. Die Generalstaaten, welche dringend wünschten,

jedes billige Verlangen Jakob's zu erfüllen, sandten Abschriften der

Liste an die Provinzialbehörden, und diese wieder an die

Municipalbehörden. Sämmtlichen Stadtmagistraten wurde bedeutet, daß sie

die erforderlichen Maßregeln ergreifen sollten, um die geächteten Whigs

zu verhindern, die englische Regierung zu beunruhigen. Im Allgemeinen

wurde diesen Befehlen Folge geleistet, und besonders in Rotterdam, wo

der Einfluß Wilhelm's Alles vermögend war, wurde eine Thätigkeit

entwickelt, welche Jakob zu dankbarer Anerkennung veranlaßte. Allein der

Hauptsitz der Emigranten war Amsterdam, und die Regierungsbehörde dieser

Stadt wollte nichts sehen, nichts hören und nichts wissen. Der

Schultheiß, der selbst in täglichem Verkehr mit Ferguson stand,

berichtete nach dem Haag, daß er nicht einen einzigen von den

Flüchtlingen zu finden wisse, und die Bundesregierung mußte sich mit

dieser Entschuldigung begnügen. In Wirklichkeit aber waren die

englischen Verbannten in Amsterdam allgemein bekannt und wurden auf den

Straßen ebenso angestaunt, als wenn sie Chinesen gewesen wären.[38]

Wenige Tage darauf erhielt Skelton von seinem Hofe den Befehl, darum

anzusuchen, daß in Betracht der Gefahren, welche dem Throne seines

Gebieters drohten, die drei im Dienste der Vereinigten Provinzen

stehenden schottischen Regimenter unverzüglich nach Großbritannien

zurückgesandt werden sollten. Er wendete sich an den Prinzen von

Oranien, und dieser übernahm die Erledigung dieser Angelegenheit, sagte

aber voraus, daß Amsterdam einige Schwierigkeiten machen würde. Seine

Besorgniß erwies sich als gegründet. Die Deputirten von Amsterdam

verweigerten ihre Zustimmung und es gelang ihnen, eine Verzögerung

herbeizuführen; aber die Frage war nicht eine von denen, hinsichtlich

derer nach der Verfassung der Republik eine einzelne Stadt die

Verwirklichung des Wunsches der Mehrheit verhindern konnte. Wilhelm's

Einfluß überwog und die Truppen wurden mit großer Eil eingeschifft.[39]

Zu gleicher Zeit bemühte sich Skelton, allerdings mit geringer Einsicht

und Mäßigung, die von den Flüchtlingen ausgerüsteten Schiffe

zurückzuhalten. Er beschwerte sich in heftigen Ausdrücken bei der

Admiralität von Amsterdam. Die Nachlässigkeit der Behörde, sagte er,

habe schon eine Horde von Rebellen in den Stand gesetzt, einen Einfall

in Großbritannien zu machen, ein zweiter derartiger Fehler sei durch

nichts zu entschuldigen, und er verlangte mit peremptorischer

Bestimmtheit, daß ein großes Schiff, der »Helderenbergh«, zurückgehalten

werden solle. Dieses Schiff war angeblich nach den Canarischen Inseln

bestimmt, wahrend es thatsächlich von Monmouth ausgerüstet war,

sechsundzwanzig Kanonen führte und Waffen und Munition geladen hatte.

Die Admiralität von Amsterdam erwiederte, daß die Freiheit des Handels

und der Schifffahrt geringfügiger Gründe wegen nicht beschränkt und der

»Helderenbergh« nicht ohne Befehl der Generalstaaten zurückgehalten

werden könnte. Skelton, dessen unveränderliche Art es gewesen zu sein

scheint, Alles beim unrechten Ende anzugreifen, wendete sich nun an die

Generalstaaten, und diese erließen die nöthigen Befehle. Jetzt aber gab

die Amsterdamer Admiralität vor, es sei keine hinreichende Seemacht im

Texel, um sich eines so großen Schiffes, wie des »Helderenbergh«

bemächtigen zu können, und ließ Monmouth ungehindert absegeln.[40]

Das Wetter war schlecht, die Reise lang und mehrere englische

Kriegsschiffe kreuzten im Kanal. Aber Monmouth entging dem Meere und dem

Feinde. Als er bei den Klippen von Dorsetshire vorüberkam, wurde es für

wünschenswerth erachtet, ein Boot mit einem der Flüchtlinge, Namens

Thomas Dare, ans Ufer zu schicken. Dieser Mann hatte trotz seiner

niedrigen Denkungsart und seines gemeinen Wesens in Taunton großen

Einfluß. Er erhielt die Weisung; durch das Land nach dieser Stadt zu

eilen und seinen Freunden anzukündigen, daß Monmouth bald auf englischem

Boden sein werde.[41]

[Anmerkung 38: Skelton's Schreiben ist vom 7.(17.) Mai 1686. Es

findet sich nebst dem Briefe des Schout oder Schultheißen von

Amsterdam in einer kleinen Schrift, die einige Monate später

erschien unter dem Titel: +Histoire des Evènemens Tragiques

d'Angleterre+. Die in diesem Werke angeführten Actenstücke sind,

so weit ich sie geprüft habe, genau aus den holländischen Archiven

mitgetheilt, nur mit der Ausnahme, daß Skelton's ziemlich unreines

Französisch ein wenig verbessert ist. Siehe auch +Grey's

Narrative+.

Goodenough sagte in seinem Verhöre nach der Schlacht von

Sedgemoor: »Der Schout von Amsterdam war ein besondrer Freund

dieses letzten Planes«. +Lansdowne MS. 1152.+

Es ist nicht der Mühe werth, die Schriftsteller zu widerlegen,

welche den Prinzen von Oranien als an Monmouth's Unternehmung

betheiligt darstellen. Sie stützen sich dabei besonders auf dem

Umstand, daß die Behörden von Amsterdam keine energischen Schritte

thaten, um das Absegeln der Expedition zu verhindern. Dieser

Umstand ist aber gerade der stärkste Beweis, daß das Unternehmen

von Wilhelm nicht begünstigt wurde. Wer nicht gänzlich unbekannt

ist mit den Institutionen und der Politik Hollands, wird den

Statthalter für die Handlungen der Oberhäupter der

Loevestein'schen Partei nicht verantwortlich halten.]

[Anmerkung 39: +Avaux, Neg. June 7.(17.), 8.(18.), 14.(24.)

1685.+; Brief des Prinzen von Oranien an Lord Rochester vom

9. Juni 1685.]

[Anmerkung 40: Citters, 9.(19.) und 12.(22.) Juni 1685. Die

Korrespondenz Skelton's mit den Generalstaaten und der Admiralität

von Amsterdam befindet sich in den Archiven im Haag. Einige Briefe

findet man in den +Evènemens Tragiques d'Angleterre+. Siehe auch

Burnet I. 640.]

[Anmerkung 41: Wade's Bekenntniß in den +Hardwicke Papers, Harl.

MS. 6845.+]

Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. Dritter Band · 第 3 / 11 题