Mittelstück.]
Für den Druck des äußeren Deckels gelten bezüglich des Übertragens der
Zeichnung, des Auswaschens und Grundierens dieselben Vorschriften wie
für den Druck der Innenseiten, bez. des Rückens.
Außer und neben der Goldverzierung wendet man zum Schmuck der äußeren
Decke auch die Farbe an, entweder in der Gestalt der sog. Ledermosaik
oder durch Auftragen mit dem Pinsel.
[Illustration: Fig. 99. Spiegel mit breiten Eckfüllungen und
symmetrischem Mittelstück.]
[Illustration: Fig. 100. Spiegel mit unsymmetrischer Füllung.]
Die +Ledermosaik+ ist eine Musterung des Lederüberzugs mittelst anders
gefärbter Lederstücke, die entweder eingelegt oder aufgelegt werden.
Für +eingelegte+ Arbeit nach Art der Holzintarsia eignet sich aber das
Material sehr wenig, da sich keine scharfen Konturen herstellen lassen,
wie sie zur Hervorhebung der Zeichnung erforderlich sind. Dagegen
lassen sich mit der Lederauflage reiche und gefällige, dem Stoff
angemessene Wirkungen erzielen. Die Teile der Zeichnung -- vorzugsweise
sind es die bandartigen Ornamente, indes auch Blätter, Rosetten und
kleinere, durch Bandverschlingungen gebildete Felder -- welche, wie der
Fachausdruck lautet, »ausgelegt« oder »unterlegt« werden sollen, müssen
vorerst ausgeschnitten werden. Das dazu zu verwendende Leder wird zuvor
in entsprechend großen Stücken so weit ausgeschärft, daß es nicht viel
stärker ist als ein Blatt Seidenpapier. Die +Vorderseite+ wird danach
auf kräftiges Schreibpapier oder Aktendeckel mit Kleister aufgeklebt
und angepreßt. Auf das Papier wird nun die Form des aufzulegenden
Stückes genau aufgezeichnet und danach mit einem scharfen, spitzen
Messer ausgeschnitten.
[Illustration: Fig. 101. Albumdecke mit Lederauflage. (M. Göhre in
Leipzig.)]
Nachdem alle farbigen Lederteile auf diese Weise vorbereitet sind, wird
die Zeichnung auf dem Leder vorgedruckt und diesem Vordruck gemäß Stück
für Stück auf den Deckel aufgeklebt, natürlich mit der Fleischseite des
Leders, so daß das aufgeklebte Papier oben aufliegt. Das Anschmieren
wird dabei in der Weise bewerkstelligt, daß man die einzelnen Teilchen
auf ein mit Kleister bestrichenes Blech legt und gut andrückt; man
hebt sie danach mit der Messerspitze ab und klebt sie an der Stelle,
für die sie bestimmt sind, auf. Ist die ganze Klebearbeit besorgt, so
wird ein Blatt Papier über den Deckel gelegt und der Band einige Zeit
zwischen Blechen oder Platten eingepreßt. Die Pressung bewirkt, daß
die aufgelegten Teile sich in Papierstärke in den Grund eindrucken.
Der aus der Presse kommende Band wird nunmehr mit Wasser überfahren,
um das Papier loszuweichen. Nachdem dies abgelöst worden ist, legt man
abermals ein Blatt Papier, besser noch ein Blatt Staniol auf den Deckel
und preßt den Band von neuem ein. Vollendet wird die Arbeit zuletzt
durch das Konturieren der eingelegten Teile mit Goldlinien. Der Kontur
darf dabei die Auflage nur so weit treffen, daß sie gewissermaßen
angeklemmt und die Verbindungsstelle zwischen Grund und Auflage gedeckt
wird.
[Illustration: Fig. 102. Oktavdecke mit Ledermosaik (M. Göhre in
Leipzig).]
[Illustration: Fig. 103. Oktavdecke mit Lederauflage (Horn in Gera).]
Die beigefügten Abbildungen Fig. 101 bis 104 geben einige Muster
von Buchdecken mit Lederauflage und dienen der obigen Darlegung zur
Erläuterung.
[Illustration: Fig. 104. Deckenentwurf für Lederauflage (P. Adam).]
Eine ähnliche Verbindung von Farbe und Gold läßt sich auch, wie schon
bemerkt, durch das Bemalen einzelner Teile der Zeichnung erzielen,
ein Verfahren, das schon im 16. Jahrhundert geübt wurde. Man benutzt
dazu nur Deckfarben, die mit Lack angerieben sind, auch wohl Ölfarben,
die freilich den Fehler haben, daß sie nur langsam trocknen. Durch
Beimischung von Sikkativ kann man dem Übelstande etwas abhelfen. Im
vorigen Jahrhundert und auch noch im gegenwärtigen hat man namentlich
gern Pergamentdecken mit gemalten Verzierungen versehen und in der That
ist Pergament wohl der am meisten für die farbige Behandlung geeignete
Deckelüberzug. Nach dem Vergolden werden die Deckel mit einem mäßig
warmen Glättkolben abgeglättet, und der Band dann zwischen Blechen
oder Platten, um welche vorher ein Staniolblatt zu schlagen ist, in
die Presse gebracht. Nach dem Auspressen wird die ganze Decke mit
einem Flanellläppchen und einigen Tropfen gutem Lack recht gleichmäßig
überfahren. Bände mit Bemalung müssen vor dieser Arbeit eingepreßt
werden.
* * * * *
Eine verhältnismäßig einfache Art, eine Decke mit Linienornamenten
in Gold zu verzieren, ist die +Stiftvergoldung+, die besonders in
solchen Fällen gute Verwendung findet, wo rasch und ohne große Kosten
eine Vergoldung in reicherer Zeichnung ausgeführt werden soll. Man
kann die Stiftvergoldung nur auf glattem oder geglättetem Leder
anwenden, das wie bei der Handvergoldung ausgewaschen, grundiert und
mit Gold aufgetragen wird. Das Verfahren erfordert eine Vorzeichnung
auf Pauspapier, welches über dem aufgetragenen Golde unverrückbar
aufgespannt wird. Die gepausten Linien werden dann mit einem
Messingstifte (Punktstifte) nachgefahren, der etwas heißer sein muß als
bei der Handvergoldung, da das zwischenliegende Papier etwas von der
Hitze wegnimmt. Nachdem die Arbeit beendet ist, nimmt man das Papier
fort, wischt das Gold herunter und glättet die Fläche ab.
* * * * *
Die Vergoldung der Decke erfordert mitunter die Zuhilfenahme der
+Presse+. Abgesehen von umfangreichen, die ganze Deckenfläche
einnehmenden Platten, die nur mit der Presse gedruckt werden können,
ist die Anwendung derselben auch bei größeren Mittel- und Eckstücken
sowie bei Inschriften erforderlich. Der +Pressendruck+ war schon im
16. Jahrhundert in Übung, und zwar für Blinddruck. Man kannte auch
damals schon Vollplatten zum Bedrucken der ganzen Buchfläche. Die
Platten sind meist auf beiden Seiten graviert; bei Eckstücken, die
so behandelt sind, vereinigte man auf diese Weise das rechts- und
das linksseitige Stück in einer Platte. Jede Plattenverzierung wurde
einzeln gedruckt, nicht, wie in unserer Zeit, alle Teile, die die
Deckenverzierung bilden, gleichzeitig mit einem Druck. Die Presse, die
zum Drucken diente, war die sog. +Stockpresse+. Mit der Einbürgerung
der Handvergoldung kam der Pressendruck mehr und mehr außer Gebrauch
und beschränkte sich im 17. und 18. Jahrhundert fast ausnahmslos auf
die die Mitte einnehmenden Wappen oder Bibliothekszeichen.
In der heutigen Buchbinderei ist die +Vergolderpresse+ eine für den
Großbetrieb unumgängliche Maschine, die aber nicht bloß zum Golddruck,
sondern auch zum Aufdruck von Farben dient, deren bis zu zwölf und
mehr hintereinander gedruckt werden, um buntfarbige Bilder, figürliche
wie landschaftliche, auf die Kalikodecke zu bringen. Es wird dem
Buchdeckel damit eine Verzierung aufgenötigt, die seiner Natur und der
Natur des ihn überziehenden spröden Stoffes wenig entspricht. Da aber
über den Geschmack sich streiten läßt, würde es vergeblich sein, gegen
diese Verirrung desselben sich aufzulehnen. Unsere Abbildung (Fig.
105) gibt die jetzt allgemein übliche Gestalt der Presse wieder. Der
Druck wird von unten her mittelst eines Hebels ausgeübt. Der Kopf der
Maschine ist unbeweglich; er hat unten eine glatte Fläche, den sog.
+Tiegel+, mit drei Heizröhren darunter, die zur Aufnahme glühender
Bolzen dienen. Diese geben die Hitze an die Druckplatte ab, die mit
der Rückseite an den Tiegel befestigt wird. Zu dem Ende leimt man, da
Metall auf Metall nicht festklebt, ein kräftiges Stück Papier auf die
Druckplatte und diese mit dem Papier an den Tiegel an. Besteht die
Verzierung aus einzelnen Stücken, so werden diese in der entsprechenden
Zusammenstellung aufgeleimt. Unter dem Tiegel und von diesem durch
einen Zwischenraum getrennt befindet sich der sog. +Schlitten+,
eine Platte, die vorgezogen werden kann und zum Auflager für die zu
pressende Decke dient. Beim Niederdrücken des Schwengels wird der
Schlitten gegen den Tiegel gedrückt und auf diese Weise die Pressung
bewirkt.
In der Regel kommt eine und dieselbe Decke mehrere Male in die Presse,
zumal bei vielfarbiger Zeichnung. Um nun ohne weiteres jedes folgende
Mal die Decke genau in dieselbe Lage zu bringen, wie die beim ersten
Druck, ist eine +Punktur+ erforderlich. Man schafft dieselbe mit
Hülfe von zwei Reißzwecken mit nicht zu kurzem Stift, die man auf dem
Schlitten festklebt. Die Decke selbst wird nach einer aufgelegten
Schablone mit zwei Punktierlöchern versehen, die der Stellung der
beiden Stifte genau entsprechen. Bei jedem neuen Druck wird die Decke
mit den Punktierlöchern auf die Stifte gebracht, so daß genau Druck
auf Druck paßt. Für Blinddrucke und Pressungen, die nur einen Druck
erfordern, bedient man sich zur Anlage eines angeschraubten Metall-
oder angeklebten Pappwinkels; besser noch sind die Klötzchen, die auf
den Schlitten aufgeleimt werden, zwei für die seitliche Führung und
eins hinten zum Anstoßen.
Für jede Art der Pressung: Blinddruck, Golddruck, Farbendruck, ist je
eine Platte notwendig. Bei mehrfarbigem Druck erfordert jede Farbe ihre
Platte, ganz wie beim lithographischen Farbendruck. Bei sehr dichter
Zeichnung, die vom Grunde des Überzugs nichts oder wenig mehr sehen
läßt, wird die Fläche vorweg mit einer Platte ohne Gravierung glatt
gepreßt.
[Illustration: Fig. 105. Vergoldepresse von Mansfeld in Leipzig.]
Kommt Gold- und Farbendruck zusammen auf einer Decke zur Anwendung, so
wird erst das Gold, dann die Farbe gedruckt. Die Farben werden kalt
gedruckt, beim Golddruck wird der Tiegel in der schon oben erwähnten
Weise heiß gemacht. Statt der Bolzen kann man auch Gas oder überhitzten
Dampf zu diesem Zwecke benutzen.
Die Grundierung der Decke ist bei der Preßvergoldung wesentlich
einfacher als bei der Handvergoldung. Sowohl für Kaliko wie für Leder
überfährt man die ganze Fläche mit verdünntem Eiweiß (halb Eiweiß,
halb Essig oder Lagerbier); nur bei feinen Lederbänden werden die zu
vergoldenden Stellen ausgepinselt. Das Gold wird mit Öl aufgetragen.
Kaliko erfordert einen schärferen Druck als Leder; die Hebelpresse wird
demgemäß mit einer daran befindlichen Vorrichtung schärfer eingestellt,
ebenso verlangt Kaliko einen größeren Hitzegrad als Leder.
+Samt+, der freilich nur noch selten vergoldet wird, muß vorerst sehr
heiß vorgedruckt werden, damit die Haare wie niedergebrannt erscheinen;
dann wird mit der abgekühlten Presse das Gold aufgedruckt. Als
Grundiermittel dient _Vergoldepulver_, das aus zwei Teilen Kopal und
einem Teil Dammarharz oder aus ostindischem Kopal und weißem Schellack
zu gleichen Teilen -- alles fein pulverisiert -- besteht. Das Pulver
wird mit einer Büchse aufgestäubt, die an Stelle des Bodens mit dünnem
Webstoff (Gaze) überspannt ist. Wenn Samt +mit der Hand+ vergoldet
werden soll, wird das Gold mit den Stempeln, Fileten etc. aufgenommen;
der Hitzegrad darf etwas höher sein, als bei der Eiweißvergoldung; es
muß aber etwas langsamer gedruckt werden. Statt mit Pulver kann man
auch mit Eiweiß grundieren, doch muß in diesem Falle der Vordruck erst
mit gewöhnlichem Lack ausgepinselt werden und ganz trocken geworden
sein, ehe man mit Eiweiß nachpinselt. Beim Pressendruck wird die oben
ausziehbare Platte des Pressenkopfes mit der angeklebten Druckplatte
über Gas oder Spiritus stark erwärmt. Während des Erwärmens wird Gold
auf die Platte aufgetragen, dann die Ausziehplatte wieder in die Presse
geschoben, die eingestäubte Decke auf den Schlitten aufgenadelt, dieser
ebenfalls eingeschoben und nun die Presse zugedrückt. Die Decke wird
nicht eher aus der Presse genommen, bis die Platte völlig erkaltet ist.
Gewöhnlich bringt man auf den ersten Goldauftrag sofort einen zweiten
aus Blattmetall (unechtes Gold), das dann beim Druck unter dem ersten
Golde liegt. Auf diese Weise wird der Glanz der Vergoldung wesentlich
erhöht.
Bei der Verzierung der Lederdecke spielt auch die Farbe derselben eine
Rolle, zumal wenn das Ornament selbst farbig behandelt wird. Heutzutage
ist das Leder in den verschiedensten Farben käuflich, ebenso wie der
Kaliko. In früheren Zeiten färbte der Buchbinder das Leder (Kalb-
oder Schafleder) selbst, das er in lohgarem Zustande vom Händler
bezog. Außer der einfachen +Färbung+ gab man dem Leder auch wohl ein
buntes Aussehen durch +Marmorierung+. Sämtliche Farben: Schwarz,
Braun in verschiedenen Tönen, Rot, seltener Blau und Violett, wurden
durch Beizen hervorgebracht. Für +Schwarz+ diente Eisenschwärze, auch
Eisenfeile, die man längere Zeit in Bier stehen ließ und darin kochte,
für +Braun+ Pottaschenwasser oder eine leichte Lösung von Ätzkali oder
Ätznatron, für +Rot+ ein Auszug aus Fernambukholz oder Alkannawurzel,
mit Kochenille zusammengekocht; durch einen Zusatz von Zinnsalzlösung
erhielt die Farbe ein lebhafteres Aussehen. Zur +Blau+färbung nahm
man Blauholz oder Indigokarmin. Die Beize wurde auf das ausgespannte
Fell, nachdem es ausgewaschen, gekleistert und wieder getrocknet
war, mit einem Schwamme oder Hasenfuß aufgetragen. Das Marmorieren
wurde durch Aufsprengen von Beizen und Farben mittelst eines kleinen
Reiswurzelbesens bewerkstelligt. Zuerst wurden die Farben auf das
dunkel gefärbte Leder aufgesprengt, dann die zur Entfärbung einzelner
Stellen dienenden stark verdünnten Beizen, aus Scheidewasser, Salz-
oder Zitronensäure bestehend. Das Durcheinanderlaufen der Farben wurde
auch dadurch bewirkt, daß das beim Aufsprengen flach liegende Fell
hinterher nach einer Seite geneigt wurde, so daß die verschiedenen
Flüssigkeiten in kleinen Rinnsalen ab- und zusammenliefen. Man erzielte
dadurch eigentümlich abschattierte Adern; der Grund wurde vorher mit
reinem Wasser oder einer Galläpfelabkochung besprengt. Auch das bereits
fertig mit Leder überzogene Buch verstand man auf diese Weise zu
marmorieren; indem man die Deckel ein wenig nach innen bog, das Buch
dabei schräg nach unten neigte, liefen die Adern nach der Mitte zu
zusammen und es entstand der sog. +Baummarmor+.
Das Marmorieren des Leders ist jetzt fast nur noch in England üblich.
Zur Vergoldung auf marmoriertem Grunde bedient man sich nur weniger
Linien und Stempel von kräftigen Formen, da zierliches und reiches
Ornament auf buntem Grunde nicht gut wirkt.
Andere Arten der Ledermarmorierung seien hier noch kurz angemerkt. Der
Marmor mit rotem Grunde hieß +Feuermarmor+, eine durch Tupfen mit dem
Schwamme hergestellte Art +Schwammmarmor+; +Kalkmarmor+ wurde durch
Aufsprengen von dünnem Kalkwasser statt reinen Wassers hergestellt.
Wie die ganze Decke marmorierte man auch wohl nur Teile derselben,
indem man die übrige Fläche durch Überkleben zudeckte. Auch wurden mit
der Reißfeder vollständige Liniaturen ausgeführt, zwischen denen sich
Vergoldungen recht gut ausnahmen.
* * * * *
Nachträglich sind noch einige Bemerkungen über die Behandlung des
+Pergamentes+ (vergl. S. 124) und des +Samts+ (vergl. S. 151) zu
machen.
Pergament, gleichviel ob Schaf- oder Kalbspergament, wird vor dem
Überziehen mit reinem Papier gefüttert (zum Aufkleben ist Kleister zu
verwenden) und zum Trocknen zwischen Pappen gelegt. Der so vorbereitete
Überzug wird auf den Buchkörper aufgepaßt und an der Stelle, wohin
die Fälze kommen, ein Bruch und in Falzbreite daneben, nach der
Deckelseite zu, ein zweiter Bruch gemacht, ähnlich wie dies bei dem
sog. gebrochenen Rücken (vergl. S. 92) zu geschehen pflegt. Das so
vorbereitete Pergament wird dann mit Leim angeschmiert und über den
Band gezogen.
+Samt+ kann man auf zweierlei Weise verarbeiten. Entweder wird der
Pappdeckel mit Leim angeschmiert, der Samt darüber gezogen und der
Einschlag besonders mit Leim angeschmiert, oder der zugeschnittene Samt
wird mit nicht zu dünnem Kleister angeschmiert und in gewöhnlicher
Weise behandelt. Die Behandlung des Buchkörpers ist die gleiche wie
beim Halbfranzbande. Samtbände nehmen sich stets am besten aus, wenn
sie, sofern nicht Stickerei in Frage kommt, nur durch silbernes oder
vergoldetes Beschläge verziert werden.
NACHTRAG.
Die Wiederherstellung alter Einbände.
Schon bei einer früheren Gelegenheit (Seite 28) ist von der Behandlung
alter Bücher die Rede gewesen, die mit einem neuen Einbande versehen
und dabei womöglich in den Zustand versetzt werden sollen, in dem sie
sich zur Zeit ihrer Entstehung befanden. Es wird nicht überflüssig
sein, hier noch einige Bemerkungen über die Wiederherstellung, bez.
Reinigung alter Einbände zu machen, da die Liebhaberei an alten
Erzeugnissen des Kunstgewerbes immer mehr zunimmt und die Gemeinde der
Sammler ebenso wie die Sammlungen täglich neuen Zuwachs erhalten.
Die Grundregel bei der Wiederherstellung beschädigter Einbände ist,
daß man zu erhalten sucht, was eben noch zu erhalten ist. Es ist nicht
gleichgültig, ob ein Stück des Einschlages einer alten Decke erhalten
bleibt oder durch neues Leder ersetzt wird. Besonders wichtig ist es,
etwaige sich vorfindende handschriftliche Bemerkungen zu erhalten, da
sie mitunter Auskunft über die Geschichte des Bandes, seine Vorbesitzer
u. s. w. geben. Wichtig ist auch die Bloßlegung der bei einer früher
stattgefundenen Ausbesserung verklebten ersten Vorsätze, da sie häufig
wertvolle alte Marmor- und Brokatpapiere zu Tage fördert.
Sind Bünde zu erneuern, so wählt man denselben Bundstoff, Leder,
Pergament oder Schnur, der ursprünglich verwandt worden ist. Ist ein
neuer Goldschnitt nicht zu umgehen, so wird dieser nach dem Trocknen
nur +unter Papier+ angeglättet; er erscheint dadurch alt. Alte
Goldschnitte preßt man fest ein, bestreicht ein Stück weiches Leder mit
einer erbsegroß Vaseline und reibt damit die Fläche einige Male recht
fest ab. Aufgemalte Schnitte lassen sich erforderlichen Falles mit
Aquarellfarben aufmuntern. Kapitale, die zu erneuern sind, werden mit
Faden von blasser Färbung frisch umstochen.
Sind Fälze unter einer Decke zu ergänzen, so muß man die alten Decken
ablösen; beim Wiederüberziehen sind die Bünde gut einzureiben, nach dem
Einschlagen aber recht straff in den Rücken hereinzuziehen.
Bei Pergamentbänden müssen die Bünde durch den Falz gezogen werden,
ebenso das verlängerte Kapital.
Überraschenden Erfolg hat häufig das Abwaschen der Deckenvergoldung.
Laues Wasser und Schmierseife genügen in den meisten Fällen, um
Jahrhunderte alten Schmutz zu entfernen. Die Ergänzung einzelner
Fehlstellen in der Vergoldung bewirkt man am besten durch Einmalen von
Muschelgold. Mit Rollen und Fileten erhält man ein zu blankes Gold, das
man erst trüben muß, um es in Übereinstimmung mit der alten Vergoldung
zu bringen.
Beschläge dürfen nur mit Sodawasser oder Seife ausgewaschen, nicht
aber geputzt oder gar blank gebeizt werden. Sind die Knöpfe an den
Ecken vom Gebrauch durchgerissen, so müssen sie unter Einlage eines
abgepaßten und nachgetriebenen Stückchens Messing ausgelötet werden.
Neu einzunietende Stifte läßt man vorher ausglühen, damit sie dunkel
anlaufen.
Die erneuerten alten Decken mit Lack zu überstreichen, ist nicht
ratsam, da der Glanz des Lackes unangenehm ins Auge fällt. Am besten
ist es, die Fläche mit ein wenig Olivenöl einzufetten und mit einer
Wachsbürste abzubürsten.
[Illustration: Eckstück von einer abgeriebenen Decke, Ende des 17.
Jahrh. Kunstgewerbemuseum zu Leipzig.]
[Illustration: Abgeriebene Decke. Ende des 17. Jahrh.
Kunstgewerbemuseum zu Leipzig.]
II.
GESCHICHTE DER BUCHDECKE.
[Illustration: Leiste von einem Einbande der Bibliothek zu
Wolfenbüttel.]
Vorbemerkung.
Im Verlaufe unserer Darstellung der Technik des Bucheinbandes haben wir
bereits hin und wieder auf die geschichtliche Entwickelung derselben
hingewiesen und auch die künstlerische Seite unseres Gegenstandes dabei
berührt. Im nachfolgenden werden wir der letzteren ausschließlich
unser Augenmerk zuwenden und der Geschichte des Geschmackes nachgehen,
wie er sich zu verschiedenen Zeiten und bei den zumeist in Betracht
kommenden Völkern in Bezug auf den Schmuck des Einbandes entwickelt
hat. Wiederholungen werden dabei nicht ganz zu vermeiden sein, da der
Zierat bei jedem Gebrauchsgegenstande abhängig ist von dem Material,
aus dem dieser hergestellt, und von dem Zweck, zu dem er gebraucht wird.
Die Quellen, aus denen die Geschichte des Bucheinbandes zu schöpfen
ist, sind leider nicht sehr ergiebig, und man ist häufig auf das Gebiet
der Mutmaßung verwiesen, um für diese oder jene Erscheinung eine
angemessene Erklärung zu finden. Dagegen sind uns eine große Anzahl
Namen von Buchbindern, hauptsächlich deutschen, überliefert worden,
da diese häufig das Werk ihrer Hände mit vollem Namen gekennzeichnet
haben, und zwar sowohl im ausgehenden Mittelalter als auch zur Zeit
der Renaissance. Diese Thatsache ist um so merkwürdiger, als wir
bei den dem 16. Jahrhundert angehörigen Einbänden italienischen und
französischen Ursprungs, die heutzutage die Augenlust der Sammler
und Kenner sind, den nach Majoli, Grolier und anderen Bibliophilen
benannten Bänden fast niemals auf den Namen des Binders stoßen.
Auch über die Lebensverhältnisse und die Werkstatteinrichtungen
einzelner deutscher Buchbinder sind wir dank der archivalischen
Forschungen Steches, Kirchhofs u. a. unterrichtet. So über den
Leipziger Buchbinder +Christoph Birck+, der 1578 starb, über +Jakob
Krauße+, den der Kurfürst August an seinen Hof berief, über +Jörg
Bernhard+ aus Görlitz, der 1550 in die Dienste des Pfalzgrafen Otto
Heinrich, des kunstsinnigen Erbauers des Heidelberger Schlosses, trat
und im Dienste seines hohen Herrn nicht bloß für Einbände, sondern
auch für die Hausverwaltung, für Vögel, Pferde und Kellerei zu sorgen
hatte. So ließen sich noch viele Namen nennen, ohne daß sie viel mehr
als Namen böten; auf einige mit bestimmten, noch vorhandenen Bänden in
Beziehung stehende Meister werden wir später zurückkommen.
Aus den häufig vorkommenden Berufungen von Buchbindern an Fürstenhöfe,
wo sie als »Hofhandwerker« nebenbei auch wohl noch mit anderen,
außerhalb ihrer Berufsthätigkeit liegenden Diensten betraut wurden,
läßt sich schließen, daß ihre bürgerliche Stellung im 15. und 16.
Jahrhundert in gewissem Sinne eine bevorzugte war. Es läßt sich
dies leicht aus dem Verhältnis erklären, in welchem die Buchbinder
ursprünglich zur Kirche und zu der gelehrten Welt standen.
Buchschreiber, Buchmaler und Buchbinder waren in den Klöstern oft
eine und dieselbe Person. Dies läßt sich mit einzelnen urkundlich
nachgewiesenen Beispielen belegen. Mit der Erfindung Gutenbergs tritt
darin zwar eine Änderung ein, aber der Bucheinband blieb auch dann noch
lange Zeit Mönchsarbeit und einzelne Mönchsorden, wie z. B. die »Brüder
vom gemeinsamen Leben«, befaßten sich ebensowohl mit dem Einbinden wie
mit dem Druck, also mit der vollständigen Herstellung von Büchern.
In dieser Hinsicht folgten ihnen die großen Drucker des 16.
Jahrhunderts, die zugleich Verleger waren, wie die Koberger in
Nürnberg, die Aldus in Venedig, die Elzevier in Leiden, die Stephanus
in Paris u. s. w.; sie brachten ihre Ware gebunden auf den Markt und
trafen daher auch die zur Herstellung der Einbände erforderlichen
Einrichtungen.
Immerhin wurde die Buchbinderei auch unabhängig von dem Buchhandel
betrieben. Sie blieb lange Zeit wie der Buchdruck ein vornehmes
Gewerbe. Nicht selten erscheinen die Buchbinder als Schutzverwandte der
Universitäten und suchen sich, gestützt auf dieses Verhältnis, auch
wohl den strengen Vorschriften der Zunftordnungen zu entziehen.