grundiert. Grüne, braune und die helleren, sog. Modefarben drucken sich
leicht und halten gut, was bei schwarzem Leder weniger der Fall zu sein
pflegt.
3. +Bastardleder+ gleicht dem Bockleder, ist aber, wie der
Kunstausdruck lautet, »glänzend gestoßen«. Die hellen Farben sind meist
nicht waschecht. Dem Abfärben wird einigermaßen dadurch vorgebeugt,
daß man dem Leder erst einen Leimgrund und danach doppelten Eiweißgrund
gibt.
4. +Saffian+ (+Maroquin+ [franz.] oder +Levant Marocco+ [engl.]), d.
h. genarbtes Ziegenleder, wird mit Wasser ausgewaschen und einfach
mit Eiweiß grundiert. Nur in dem Falle, wo das Korn +niedergeglättet+
worden ist, wird zweimal grundiert und bei sehr reichen Vergoldungen
vorher ein Leimgrund aufgestrichen.
5. +Schweinsleder.+ Bei diesem genügt das Auswaschen mit Wasser und
einfacher Eiweißgrund. Wenn, wie das bei Schweinslederbänden meist der
Fall ist, Golddruck in Verbindung mit Blinddruck zur Anwendung kommt,
so ist ein weiteres Auswaschen nicht mehr nötig. Die Goldverzierungen
werden vorgedruckt und halten nach nur einmaliger Grundierung mit
Eiweiß sehr gut.
6. +Kalbleder.+ +Farbiges+ Kalbleder wird mit Wasser, +ungefärbtes+,
sog. weißes Kalbleder ebenfalls mit Wasser, in dem aber ein wenig
Kleesalz oder Zitronensäure aufgelöst ist, ausgewaschen.
7. +Pergament+ wird zweimal mit gesättigter Alaunlösung abgewaschen
und muß danach völlig austrocknen. Nachdem dies geschehen ist, wird
es zweimal mit reinem Eiweiß grundiert. Der Eiweißgrund muß dann
mindestens eine Stunde lang trocknen. Der Alaun bewirkt eine Verseifung
der im Pergament enthaltenen Leimteile und erhält die Oberfläche sauber.
8. +Kaliko+ wird mit Eiweiß einmal grundiert.
9. +Seide+, +Samt+ und andere Webstoffe werden mit Pulver gedruckt,
wovon weiter unten die Rede sein wird.
Bei allen Lederbänden werden die zu vergoldenden Stellen zuerst blind
+vorgedruckt+ und dann mit Eiweiß ausgepinselt. Bei größeren, dicht mit
Ornamenten zu bedruckenden Flächen bedient man sich statt des Pinsels
eines Schwämmchens. Da das Eiweiß gern schäumt, so begegnet man diesem
Übelstande dadurch, daß man mit dem Pinsel oder dem Schwämmchen vor
dem Eintauchen leicht über das Kopfhaar streicht. Das Haar gibt einige
wenige Fettteile ab, die genügen, um das Schäumen zu verhindern.
Da nicht alle Ledersorten von gleicher Art durchaus übereinstimmende
chemische oder struktive Eigenschaften haben, so können die oben
aufgestellten Regeln nur als allgemeine Erfahrungssätze gelten, von
denen unter Umständen auch abgewichen werden muß. Nur Übung und
praktische Erfahrung lassen den Vergolder in jedem einzelnen Falle das
Richtige treffen.
Die +Rückenvergoldung+. Die Rücken von einfachen Bänden, welche glatt,
d. h. ohne Bünde ins Leder gemacht sind, erhalten entweder eine
+Bundeinteilung+ (Fig. 72, 73 u. 74), oder einen sog. +langen Rücken+
(Fig. 75, 76 u. 77), oder auch einen +liegend gedachten Rücken+ mit
einem langen Felde, das den Titel enthält oder ornamentiert wird. (Fig.
78 u. 79.)
Die nach Bünden eingeteilten Rücken haben entweder gleich große oder
verschieden große Felder. In beiden Fällen wird zunächst für die
Verzierung des Kopfendes, je nach der Größe des Buches, eine Breite
von ½ bis 1½ cm, für die Verzierung des Schwanzendes eine solche
von 1 bis 3 cm vorgesehen. Die Felder werden abgezirkelt und der
Bundstrich an einem Streifchen Karton oder Pergament mit dem Falzbein
genau rechtwinkelig zu der Falzkante gezogen. Dieser Vorzeichnung
folgt man mit einer Linienfilete, die wiederholt aufgedruckt wird,
bis der Strich blank erscheint. Der Band, der in eine Klotzpresse
oder Einspannvorrichtung (vgl. S. 117) fest eingeklemmt ist, muß bei
dieser Arbeit genau quer vor dem Arbeiter mit der Rückenfläche etwa
in Brusthöhe stehen. Die Druckbewegung muß leicht mit dem Handgelenk
ausgeübt werden, nicht mit dem vollen Gewicht des Armes. Die
Geschicklichkeit, mit der stark gewölbten Filete eine genaue gerade
Linie über den in umgekehrter Spannung gebogenen Rücken zu drucken,
wird nicht in einem Tage erreicht, sondern erfordert eine längere
Übung. Die Hauptsache ist, daß der Anfänger sich gewöhnt, +das Ende
der Linie beim Drucken im Auge zu behalten+, nicht aber mit dem Auge
der sich über den Rücken neigenden Linie zu folgen oder gar von der
Seite unter die Filete zu sehen.
Gewöhnlich nimmt man drei Linien für jeden Bund an, von denen die
mittlere, mindestens doppelt so stark als die anderen, blind gedruckt
wird. (Vergl. Fig. 72.) Hat man eine dreifache Filete, so wird mit
dieser der Bund blind gedruckt und danach die beiden feinen Linien
mit der Filete in Gold gedruckt. Bei solchen einfachen Bänden wird
gewöhnlich an Kopf und Schwanz nur eine doppelte oder mehrfache Linie
als Abschluß angeordnet; besser sieht es natürlich aus, wenn ein
Ornament mit freien Endigungen (Spitzen- oder Blattwerk) den Rücken an
beiden Enden abschließt, wie auf Fig. 72 u. 73.
Die Fileten haben je nach der Art des Ornaments, das durch den Aufdruck
hervorgebracht wird, verschiedene Bezeichnungen. Die +Linienfilete+
(einfach, doppelt, dreifach und in verschiedenen Stärken) lernten wir
bereits kennen. Die +Punkt-+ oder +Tippelfilete+ bildet eine punktierte
Linie. (Fig. 80 bei a.)
Die +Filete mit laufendem Muster+ gibt ein bandartiges Ornament, bei
dem keine bestimmte Richtung oder nur die seitliche (Wellenbewegung)
betont ist. (Fig. 80 bei b, c, e, f, g und h.) Für die Verzierung des
Kopf- und Schwanzendes dient die +Schluß-+ oder +Endfilete+ mit nach
unten, bez. nach oben gerichtetem Muster (Fig. 80 bei i und k). Eine
besondere Art bilden dann noch die +Bundfileten+, welche zur Vergoldung
erhabener Bünde und Kanten verwendet werden (wozu übrigens auch jedes
laufende Muster zu gebrauchen ist), und sich aus einfachen Linien, die
senkrecht oder schräg, auch wohl mit punktierten Linien wechselnd,
dicht nebeneinander angeordnet sind, zusammensetzen. (Fig. 80 bei d.)
[Illustration: Fig. 72.]
[Illustration: Fig. 73.]
[Illustration: Fig. 74.]
[Illustration: Fig. 75.]
[Illustration: Fig. 76.]
[Illustration: Fig. 77.]
[Illustration: Fig. 78.]
[Illustration: Fig. 79.]
[Illustration: Fig. 80. Verschiedene Filetenmuster.]
Kehren wir zur Rückenvergoldung zurück, so ist zunächst noch zu
bemerken, daß man die Titelfelder auch seitlich mit einer Linie
begrenzen, sowie auch die Bundlinien verdoppeln, bez. eine punktierte
oder schmale Zierlinie anbringen kann, wie es eben dem Geschmack des
Arbeiters oder dem Wunsche des Bestellers entspricht. Nachdem sämtliche
Linien vorgedruckt sind, kommt die Reihe an den Titel. Die Titel und
sonstigen schriftlichen Bezeichnungen werden aus Schriftsatz gebildet.
Die +Schriften+, d. h. die einzelnen zum Drucken dienenden Buchstaben,
sind entweder aus Schriftgut, wie die Buchdruckerlettern, oder in
Messing gegossen. Messingschriften sind selbstverständlich vorzuziehen,
weil das Metall härter ist und nicht Gefahr läuft zu schmelzen. Die
Lettern werden zum Zweck des Druckens in den +Schriftkasten+ gesetzt,
der in Deutschland mit sog. Zentralstellung eingerichtet ist (Fig.
81), während die ältere Form, bei der die Schrift an einem Ende
eingeschraubt wird, nur noch selten gebraucht wird. Vor dem Gebrauch
wird jede Zeile mit einem weichen Läppchen abgerieben.
[Illustration: Fig. 81. Schriftkasten.]
Die Größe und Art der Schriften, die man im einzelnen Falle verwendet,
richtet sich natürlich nach der Größe des Feldes, das mit Titel,
Bandzahl u. s. w. zu bedrucken ist. Am besten nehmen sich bei
Verwendung lateinischer Schrift (Antiqua) die sog. Majuskeln oder
Versalien, Anfangs- oder großen Buchstaben aus, weil sie, abgesehen
von der klaren und deutlichen Form, oben wie unten eine gerade Linie
bilden. Bei der gotischen Schrift (Fraktur), die nur noch im deutschen
und dänischen Sprachgebiet gebräuchlich ist, sind Majuskeln wegen der
krausen, schwer lesbaren Form nicht anwendbar. Hauptsache bei einem
Titel ist immer, daß er deutlich erscheint. Deshalb sind auch allzu
schlanke Lettern (wie in Fig. 77), ebenso solche, die mit Zierat
überladen oder zu Mißformen umgestaltet sind, vom Übel.
Bei dieser Gelegenheit ist noch zu bemerken, daß Lesezeichen
(Interpunktionen) bei Titeln mindestens überflüssig sind. (Auf Fig.
74 ist ein Punktum und auf Fig. 76 sind zwei Kommata versehentlich
stehen geblieben.) Nur bei Abkürzungen, wie bei Fig. 74 REC., darf der
Punkt nicht weggelassen werden. Ferner sei darauf aufmerksam gemacht,
daß ein Rückentitel um so ruhiger und deshalb gefälliger aussieht, je
weniger die darauf angebrachten Schriften in der Form der Buchstaben
von einander abweichen. Zu empfehlen sind für den Druck auf Leder und
Kaliko namentlich die Schriften mit gleichstarkem Zuge, also ohne
scharf abstechende Haarstriche. (Vergl. Fig. 72 und dagegen Fig. 74,
wo der Zusatz »Rec. Frey« einen anderen Schriftschnitt zeigt als der
Haupttitel, übrigens auch zu groß gegen jenen erscheint). Bei der
Wahl der Schriften hat man noch zu berücksichtigen, daß Titelzeilen
von gleicher und annähernd gleicher Länge sich nicht gut ausnehmen,
namentlich nicht, wenn sie unmittelbar unter einander stehen. Man hilft
sich in gegebenem Falle durch Sperren mit Durchschuß (zwischen die
Lettern gesetzten Metallplättchen, auch +Spatien+ genannt) oder durch
schmalere, bez. fettere Schriften, nur muß man sich hüten, nicht die
Hauptsache durch kleinere oder weniger fette Schrift zur Nebensache zu
machen.
Selbstverständlich ist es unmöglich, hier die Regeln für geschmackvolle
und verständige Anordnung von Titeln zu erschöpfen, da jeder einzelne
Fall besondere Überlegung erfordert. Erst die Praxis schärft den Blick
für das Richtige und Angemessene, und nur durch Sehen und Vergleichen
gewinnt man die Reife des Urteils, die Schönheit mit Zweckmäßigkeit in
vollen Einklang zu bringen weiß.
Jede eingesetzte Zeile wird mit dem Zirkel genau gemessen, das
gefundene Maß auf ein schmales Papierstreifchen, und von diesem
auf das Titelfeld übertragen. Sind mehrere Bände gleichen Titels
vorhanden, so werden diese alle in gleicher Weise vorgezeichnet und
blind vorgedruckt. Der Schriftkasten wird natürlich ebenso wie die
Fileten vor dem Druck heiß gemacht. Bleischriften kann man natürlich
nicht mit über das Feuer bringen, sondern muß sie in den angewärmten
Schriftkasten nachträglich einsetzen.
Beim Drucken mit dem Schriftkasten wie mit den Fileten ist es
notwendig, den Ansatz mit der Daumenspitze der linken Hand zu regeln.
Indem das hintere Ende des Werkzeugs auf diese aufgesetzt wird, erhält
es einen Stützpunkt, der das Auffinden des Ansatzpunktes erleichtert.
Im übrigen sei auf die früheren Bemerkungen über den Blinddruck (S.
116) verwiesen.
Sobald der blinde Vordruck ganz ausgeführt ist, wird der Rücken
ausgewaschen und erforderlichen Falles mit Leimtränke überfahren. (Bei
Ledersorten, die Kleistergrund bedingen, muß dieser schon vor dem
Blinddruck aufgestrichen sein.) Nachdem der Leimgrund trocken geworden
ist, werden alle Vordruckstellen, welche vergoldet werden sollen, mit
Eiweiß ausgepinselt, und zwar mit Vorsicht, damit nicht das Eiweiß über
die Grenzen hinauskommt und hier graue Stellen hinterläßt.
Wo es sich um das Drucken einzelner Linien handelt, kann das Gold, das
man vorher in der oben (S. 75) angegebenen Weise in kleine Streifchen,
etwas breiter als die Filete, zerlegt hat, mit der Filete aufgefangen
werden. Diese muß vorher mit Öl oder anderem Fett leicht überfahren
sein. Indem man sie mit einem Ende beginnend, leicht aufsetzt und über
den Streifen wegführt, hängt sich das Gold an und wird danach auf die
zu bedruckende Stelle gebracht.
Über das Erwärmen der Druckwerkzeuge ist schon oben (S. 115) das
Erforderliche gesagt worden. Es sei hier nur noch bemerkt, daß man gut
daran thut, bei jeder Ledersorte vorerst eine Probe für den Hitzegrad
zu machen. Bei zu geringer Wärme hält das Gold nicht und löst sich ab,
wenn man das Leder mit dem Goldlappen abwischt; bei zu großer Wärme
läuft man Gefahr, das Leder zu verbrennen. Kalbleder verträgt eine
etwas stärkere Erwärmung als andere Ledersorten, erfordert aber sehr
raschen Druck.
Beim Vergolden des Titels wird auf das ganze Titelfeld Gold
aufgetragen, nachdem man es mit einem Hauch Fett überfahren hat. Das
Auftragen des Goldes geschieht in derselben Weise wie beim Goldschnitt
(s. S. 75) mittelst eines Streifchens Papiers. Das aufgetragene Gold
wird mit sauberer Watte leicht betupft, damit es sich an die Fläche
anschmiegt. Durch das Gold hindurch wird dann der Vordruck sichtbar,
der nun Zeile für Zeile nachzudrucken ist. Sobald der Druck einer
Linie oder eines Titels ausgeführt ist, wischt man das überschüssige
Gold mit einem weichen, wollenen Lappen, dem +Goldlappen+, ab; bleiben
dabei noch kleine Teilchen hängen, so werden diese mit schwarzem Gummi
abgerieben oder mit einem spitzen Hölzchen entfernt. Der Goldlappen
wird nach längerer Benutzung verkauft; das darin haftende Gold ist
nämlich nicht verloren, sondern kann durch Ausbrennen wiedergewonnen
werden.
Die fertige Vergoldung soll blank und selbst unter der Lupe fehlerlos
erscheinen. Solange dies nicht der Fall ist, genügt der Druck nicht und
muß nachgedruckt werden.
+Pergamentbände+ erfordern besonders sorgfältige Behandlung, da das
Material sehr leicht Schmutz annimmt. Deshalb schlägt man, wenn man
den Rücken vergolden will, einen breiten Streifen Papier der Länge
nach um den Band, so daß nur der Rücken heraussieht. In ähnlicher
Weise schützt man den einen Deckel, wenn man den anderen in Arbeit
nimmt. Die Vergoldung wird wie beim Leder vorgedruckt, aber nicht mit
Eiweiß ausgepinselt; das Gold wird mit reichlichem Öl aufgetragen. Die
Rückenvergoldung geschieht in der Weise, daß die Bundlinien, nachdem
die Einteilung mit dem Zirkel abgestochen ist, auf dem aufgetragenen
Golde vorgezeichnet werden. Der Vorzeichnung gemäß spannt man einen
dünnen Zwirnsfaden quer über den Rücken und zieht denselben einmal kurz
hin und her. Das Titelfeld besteht stets aus einem aufgeklebten Stück
farbigen Leders.
Dies Überkleben des Titelfeldes mit andersfarbigem Leder läßt sich
natürlich auch bei allen anderen Ledersorten anwenden, und dient zur
Belebung der eintönigen Rückenfläche, die dadurch ein gefälligeres
Ansehen gewinnt. Man nimmt dazu ganz dünn ausgeschärftes Saffian- oder
Bockleder, schneidet das Stück genau passend und klebt es mit Kleister
auf. Die Titelfelder werden vor und nach dem Golddruck ausgeglättet.
[Illustration: Fig. 82.]
[Illustration: Fig. 83.]
[Illustration: Fig. 84.]
[Illustration: Fig. 85.]
[Illustration: Fig. 82-85. Verschiedene Rücken mit Bundeinteilung.]
[Illustration: Fig. 86.]
[Illustration: Fig. 87.]
[Illustration: Fig. 88.]
[Illustration: Fig. 86-88. Verschiedene Rücken mit Bundeinteilung.]
Von den verschiedenen Einteilungsweisen des Rückens war schon
oben (S. 124) die Rede. Natürlich sind damit nicht alle Abweichungen
erschöpft, sondern nur die hauptsächlichsten Schemata gegeben. Der
sog. +lange Rücken+ ist eine englische Bezeichnung und in England
zumeist üblich. Fig. 76 und 77 geben zwei derartige Rücken, die
mit Stempeldruckverzierungen versehen sind und in England als
+herabhängende Rücken+ bezeichnet werden. Fig. 75 ist ein +filetierter
Rücken+, bei dem die Fläche zwischen Titel und Schwanz mit einer
gemusterten Filete vollständig bedruckt ist. Flächen, die filetiert
werden sollen, müssen vorher nach der Breite der Filete ausgemessen
werden, damit man mit der letzteren genau auskommt; der ganze Rücken
wird mit Eiweiß überfahren, mit Gold aufgetragen und nach dem Druck der
Fileten und Titel abgewischt und ausgeputzt.
Die +Stempel+ werden beim Aufdruck etwas anders gehandhabt als die
Fileten. Ihre Oberfläche ist leicht nach der Mitte zu gewölbt, so daß
beim Aufsetzen nicht die ganze Druckfläche das Leder berührt, die Hand
aber im stande ist, nach jedem einzelnen Punkte der Gravierung hin
einen kräftigen Druck auszuüben. Größere Stempel werden zunächst mit
der Mitte senkrecht aufgesetzt und dann mit der Hand in kreisförmiger
Bewegung, ohne von der Stelle zu rücken, zum Abdruck gebracht.
Bei kleineren, einfacheren Stempeln genügt das einmalige Hin- und
Herbewegen, um einen guten Abdruck zu erzielen. Daß die Stempelabdrücke
durchaus gleichmäßig erscheinen müssen, bedarf wohl kaum der Erwähnung.
Um beim Aufsetzen der Stempel auf den Rücken genau Mitte zu halten,
zeichnet man, soweit der Stempel reicht, eine Mittellinie vor, die als
Anhalt dient. Seitliche Linien (einfache oder doppelte), wie sie bei
Fig. 78 und 79 zur Einrahmung des ganzen Rückens angeordnet und bei
Rücken ohne Bundeinteilung üblich sind, streicht man mit dem Falzbein
vor und druckt in Gold mit der Rolle nach. Dazu ist es aber nötig, den
Band entweder auf ein schräg stehendes Brett mit einer vorstehenden
Leiste, ähnlich einem Lesepult, zu legen oder ihn in eine Klotzpresse
(vgl. S. 117) zu setzen und diese schräg zu stellen.
Feine Halbfranz- und Ganzlederbände erhalten stets +erhabene Bünde+,
die eigentlich an der Stelle sitzen sollten, wo sich auf dem inneren
Rücken die Bünde befinden, indes oft ganz beliebig angeordnet werden.
Titelfelder ebenso wie verzierte Felder pflegt man mit einer einfachen
oder einer Doppellinie einzufassen, die mit kurzen Linienstücken, deren
etwa 10 von verschiedener Länge einen Satz bilden, gedruckt werden
(sog. Karreedruck). (Fig. 84-88.) Es empfiehlt sich nicht, das Gold mit
den Linienstücken aufzunehmen, da die kleinen Stücke leicht erkalten,
ehe man zum Drucken kommt.
Beim Karreedruck ist vor allem darauf zu achten, daß die Linien an
den Ecken genau zusammentreffen und den Eindruck machen, als sei das
Viereck mit einem Stempel gedruckt.
Felder, die ganz oder zum größeren Teile mit Zierat bedeckt werden
sollen, also unter Verwendung von Eckstücken neben dem Mittelstück,
grundiert man in der ganzen Fläche mit Eiweiß und trägt danach Gold
auf, von dem der Überschuß, wie oben erwähnt, hinterher abgewischt
wird.
Verwickelte Stempelzusammenstellungen erfordern einen vorausgehenden
Entwurf, der auf dünnem aber festem Papier gemacht werden muß. Das
Papierstück mit dem Entwurf wird auf das Feld aufgelegt und an den vier
Ecken leicht mit Kleister angehängt. Zum Vordruck werden die mäßig
gewärmten Stempel durch das Papier durchgedruckt. Ganz kleine Teile,
die etwa noch hier und da anzusetzen sind, druckt man aber nicht mit
vor, sondern richtet sich dabei nach dem Augenmaß.
Außer den geraden Linien bedarf der Vergolder auch der gebogenen. Für
eine gut eingerichtete Werkstatt sind mehrere +Bogensätze+ bis zu
dreißig Nummern erforderlich, so daß man im stande ist, Kreise von
4-5 mm ebenso wohl wie solche von 8-10 cm Durchmesser zu drucken. Je
größer die Bogenlinie ist, um so flacher ist die Krümmung, oder um so
größer der Kreis, von dem sie einen Teil bildet. Der Bogendruck ist
die schwierigste Arbeit des Vergolders, der es erst nach langer Übung
zu vollkommener Sicherheit bringt. Da die einzelnen Bogenlinien nicht
scharf aneinander gesetzt werden können, sondern ein allmähliches
Übergehen von der einen in die andere erfolgen muß, so erfordert der
Druck namentlich kleiner Bogen viel Geduld, insofern häufig Fehlstellen
vorkommen, die wiederholtes Grundieren und Nachdrucken nötig machen.
* * * * *
[Illustration: Fig. 89.]
[Illustration: Fig. 90.]
[Illustration: Fig. 91.]
[Illustration: Fig. 92.]
[Illustration: Innere Kantenvergoldungen.]
Die +Deckelvergoldung+ erstreckt sich bei reich ausgestatteten
Lederbänden nicht nur auf die äußeren, sondern auch auf die inneren
Seiten. Wir beginnen mit diesen, da sie bei der Arbeit ebenfalls den
Anfang machen. Die Verzierung der Innenseite besteht stets aus einer
+Kante+ (Umrahmung), die entweder an allen vier Rändern hinläuft oder
nur an den drei äußeren, während die innere Seite am Falz her durch
das Vorsatz, einen Leder- oder Stofffalz gedeckt wird. Das umrahmte
Feld, der +Spiegel+, kann auf die verschiedenste Weise, symmetrisch
(Fig. 96-99) und unsymmetrisch (Fig. 95 und 100), voll (Fig. 100),
oder mit einem frei in der Fläche stehenden Zierstück (Fig. 95 und
98), ornamentiert werden; nur ist darauf zu achten, daß die Kante ein
dichteres und kräftigeres Muster zeigt als die Mitte. In ihr soll die
Festigkeit des Rahmens gewissermaßen zum Ausdruck kommen, ähnlich wie
dies bei der Verzierung von Zimmerdecken der Fall ist, wo die tiefere
Färbung die Ränder gegen die lichter behandelte mittlere Fläche
absetzt. In dieser Hinsicht unterscheidet sich die Verzierungsweise
der Innenseiten von derjenigen der Außenseiten, bei denen man Kante
und Spiegel nicht so scharf hervorhebt, sondern auf eine allmähliche
Überleitung vom Rande nach der Mitte zu Bedacht nimmt, sei es durch
vermittelnde Linien, sei es durch Anordnung von Eckstücken, die das
Mittelfeld zu einem Oval oder zu einer dem Oval sich nähernden Form
gestalten. Der Grund für diese gegensätzliche Art der Ornamentierung
liegt wohl nur in dem Reiz des Gegensatzes, nicht aber in dem Wesen der
Sache.
[Illustration: Fig. 93.]
[Illustration: Fig. 94.
Innere Kantenvergoldungen.]
Der Arbeit voraus geht wieder der Entwurf, der, wenn er nicht ganz
einfacher Art ist, wie beim Rücken, zu Papier gebracht wird. Nachdem
man die geraden Linien mit Bleistift gezogen hat, läßt man das zur
Verzierung dienende Werkzeug, Fileten, Stempel, Rollen, über der Flamme
einer Kerze anrußen und druckt damit die Verzierung auf das Papier.
Dies Verfahren ist dem Druck mit Druckerschwärze vorzuziehen, da diese
die feinen Gravierungen leicht vollschmiert und nicht so leicht zu
entfernen ist wie Ruß.
Dem Entwurfe gemäß, mag er nun bloß im Kopfe oder auf dem Papier
vorhanden sein, werden alle Linien mit einem Stellzirkel parallel mit
der Kante vorgestrichen. Wo Doppel- oder Dreilinien in Frage kommen,
wird stets nur die äußere vorgezeichnet. Nun werden alle Linienrollen
genau mit Gehrungsansatz in den Ecken lau vorgedruckt, danach folgen
die Punktlinien und Fileten, zuletzt die Stempel. Gemusterte Rollen
werden nicht vorgedruckt, da ein genaues Nachdrucken derselben kaum
möglich ist.
Beim Vordrucken des Spiegels verfährt man ebenso wie beim Vordruck des
Rückens, indem man, wo es nötig ist, eine Papiermuster benutzt und die
Stempel hindurchdruckt.
[Illustration: Fig. 95. Spiegel mit unsymmetrischer Mittelverzierung.]
Vor dem Vordrucken und nach dem Vergolden werden Kanten und Spiegel
stets abgeglättet.
[Illustration: Fig. 96. Spiegel mit eingesetztem Rahmen und freiem
Mittelfelde.]
Bei breiten Kanten werden die Fälze aus dem zum Überzug verwendeten
Leder gebildet, und wie die anderen drei Kanten vergoldet. Das
Vergolden dieser hinteren Kanten erfordert eine Unterstützung des
Deckels bis in den Falz hinein. Man bedient sich dazu eines mit Tuch
bezogenen Unterlagsbrettes, das an einer Kante schräg ausgekehlt ist
[Bild] und sich mit der Kehlung hart bis an den Rücken heranschieben
läßt. Unter allen Umständen liegt das Buch, um keinen Schaden zu
leiden, beim Vergolden auf einem mit weichem Tuch überspannten Brett
oder Pappdeckel.
[Illustration: Fig. 97. Spiegel mit eingesetztem Rahmen und freiem
Mittelfelde.]
In Fig. 89 bis 94 geben wir sechs verschiedene Kantenvergoldungen
und in Fig. 95 bis 100 sechs Entwürfe zu inneren Deckelvergoldungen,
von denen sich Fig. 99 und Fig. 100 übrigens auch zur Verzierung der
Außenseiten eignen.
Bevor die Vergoldung der äußeren Decke an die Reihe kommt, werden auch
noch die sog. Stehkanten des Deckels, die schmalen äußeren Ränder mit
einer feinen Linie, einer Doppellinie oder einer Tippellinie bedruckt.
Will man ein übriges thun, so bedruckt man die den Ecken zunächst
liegenden Stellen auf 3 bis 4 cm Länge mit einer Bundfilete und die
übrigen Teile mit einer glatten oder punktierten Linie.