vergoldet und erhalten demnach einen +Lederspiegel+. Besteht derselbe
aus dünnem Leder, so wird er stets eingelassen, d. h. es wird ein etwas
größer als notwendig zugeschnittenes Stück Leder an einigen Stellen
des Deckels mit Leim befestigt, mit einem Zirkel die Kantenparallelen
gezogen, diesen gemäß durch Spiegel und Einschlag hindurch bis auf die
Pappe mit einem scharfen, spitzen Messer ein Schnitt gemacht, wobei in
schon erwähnter Weise das Messer ein wenig schräg gehalten wird. Das
unter dem Spiegel innerhalb des Schnittes klebende Leder wird abgelöst,
der Spiegel angeschmiert und mit Kleister eingeklebt. Dickere Leder
werden ringsherum geschärft, passend geschnitten und aufgeklebt. Das
fliegende Blatt besteht dabei ebenfalls meist aus farbigem Papier.
+Seidenspiegel+ und fliegendes Blatt mit Seidenbespannung kommt
ebenfalls vor, wenn jetzt auch seltener als früher. Seide wird stets
gespannt, d. h. um ein Blatt Papier an den Kanten umgeschlagen, während
die Fläche selbst hohl aufliegt. Für Spiegel und fliegendes Blatt
wird je ein Blatt kräftiges, jedoch nicht allzudickes Papier genau
zugeschnitten, dazu passend je ein Stück Seide nebst Zurechnung von 1
cm Umschlag. Die Rückseite dieser Papiereinlagen wird an den Kanten her
1 cm breit mit Leim angeschmiert, das Blatt mit der Vorderseite von
hinten auf die Seide gelegt und deren Umschlag um die Kante geklebt.
Zweckmäßig ist es, ein Blatt Papier unterzulegen, welches breit
übersteht, mit diesem überstehenden Teile den Seideneinschlag um die
Kante zu ziehen und anzureiben. Die Seide soll auf der Vorderseite
durchaus glatt und ohne Falten oder sichtbare Brüche sein, muß deshalb
nötigenfalls vorher ausgebügelt werden; ein besseres, dem weichen
Stoffe angemessenes Ansehen gewinnt die Seide dadurch, daß auf das
Papier erst eine dünne Lage Watte geklebt wird. Die so vorbereiteten
Seidenteile werden auf dem Deckel sowohl, wie auf dem fliegenden Blatte
aufgeklebt. Es ist zweckmäßig, das ganze Blatt aufzukleben und einige
Zeit einzupressen. Durch die Feuchtigkeit des Leimes zieht die Seide
etwas an, legt sich nach dem Trocknen in der Presse aber wieder glatt.
[Illustration: Fig. 59. Großer Glättkolben.]
Bei jedem Einpressen der Bände auf tiefen Falz werden unter die Deckel
Zinkbleche bis an den Falz eingeschoben; stehen weiße oder helle
Seidenvorsätze in Frage, so schlägt man um die Bleche erst ein Blatt
weißes Papier. Die Bretter werden nicht in den Falz gelegt, sondern
über denselben herausgerückt, die Presse nicht zu fest angezogen.
Auf jeden Fall bleibt der fertige Band längere Zeit, am besten
über Nacht, in der Presse. Bände, welche nach dem Vergolden auch
auf der Außenseite abgeglättet wurden -- diese Arbeit wird später
näher behandelt -- preßt man zwischen vorgelegten Zinkblechen ein.
Empfehlenswerter sind lackierte Eisentafeln. Das Lackieren muß jedoch
im heißen Ofen besorgt worden sein, weshalb nicht jeder Lackierer,
sondern nur gut eingerichtete Lackieranstalten brauchbare Tafeln zu
liefern im stande sind.
* * * * *
Wertvolle Einbände, die man gern in der Weise erhalten will, wie
sie aus der Hand des Buchbinders hervorgingen, bedürfen noch einer
Schutzvorrichtung in Gestalt eines Futterals oder eines Kastens. Unsere
Vorfahren in früheren Jahrhunderten bedienten sich zu dem Ende einer
Büchse oder eines Kastens von Holz, auch wohl eines ledernen oder
leinenen Sackes. Im vorigen Jahrhundert gab man dieser Schutzhülle
die Form des Buches selbst und druckte auch wohl den Titel darauf.
Gegenwärtig werden dergleichen Bände entweder mit einem Pappfutteral
versehen, an dessen offener Seite der Rücken heraussieht, oder man legt
den Band in ein pappenes Kästchen, das gewöhnlich als Karton bezeichnet
wird. Um ein Futteral herzustellen, wird die Pappe nach Maßgabe der
Größenverhältnisse des Buches geritzt und an den geritzten Stellen
zusammengebogen. Die Kanten, mit denen die Seitenteile zusammenstoßen,
werden überklebt und das Ganze entweder mit Papier oder besser mit
Kaliko überzogen. In ähnlicher Weise wird der Karton hergestellt; doch
kann man die einzelnen Teile auch aus der Pappe ganz herausschneiden
und dann zusammenkleben; der Rückenteil wird beiderseits an Gelenke
gehangen, so daß sich der Kasten flach auseinander legen läßt. Außerdem
erhalten die Bände auch wohl noch Schutzumschläge von festem Papier,
das, um es noch haltbarer zu machen, mit Stoff gefüttert zu werden
pflegt.
[Illustration: Gotische Randleiste mit dreieckiger Rosette.]
DRITTER ABSCHNITT.
Das Verzieren der Einbanddecke.
1. Die farblose Verzierung.
Ritzarbeit und Punzung. -- Lederschälarbeit. -- Der Blinddruck.
Wenn man von den kostbaren Einbänden absieht, deren Zierat
hauptsächlich der Goldschmied oder der Elfenbeinschnitzer oder beide
vereint besorgten, so kann man von alters her zweierlei Arten der
Musterung des Einbandes unterscheiden, die +blinde+ und die +farbige+,
zu der auch die Vergoldung zu rechnen ist.
Das Wesen des Blinddrucks, der selbstverständlich die gleichzeitige
Verwendung von Gold und Farbe nicht ausschließt, beruht auf dem
Umstande, daß durch den Druck eines erwärmten Stempels die von ihm
getroffenen Stellen des zuvor gefeuchteten Leders einen dunkleren Ton
annehmen und glänzend erscheinen. Ist der Stempel ein Hohlstempel,
bei dem also die Zierform eingegraben (graviert) ist, so erscheint
die Verzierung erhaben, in der Weise wie bei Siegelabdrücken, und der
Grund blind; im entgegengesetzten Falle tritt der Grund heraus und die
Verzierung erscheint blind.
Ehe wir auf das beim Blinddruck anzuwendende Verfahren eingehen, sei
zuvor der +Ritzarbeit+ und der +Punzung+ des Leders gedacht, beides
Techniken, die, vermutlich erst von anderen Lederarbeiten auf den
Einband übertragen, oft gemeinsam angewandt wurden, um das Bild oder
die Zierform in Umrissen darzustellen. Zur Herstellung der Ritzarbeit
bedurfte man nur eines Messers und zur Punzung eines einfachen Punzens,
dessen Fuß eine Höhlung hatte, die beim Einschlagen eine ganz kleine
halbkugelförmige Erhöhung hervorbrachte. Schlag an Schlag gesetzt,
wurde die Fläche auf diese Weise genarbt.
[Illustration: Fig. 60. Gepunzte Decke von Maroquin aus dem Kloster
Votopodos am Berge Athos.]
In neuester Zeit hat man die Ritzarbeit mit Glück wieder zu beleben
gewußt, auch durch kräftige Modellierung der Formen, die sich unter
Anfeuchtung des Leders von der Rückseite her durch eine Art Treibarbeit
bewirken läßt, die alten Vorbilder noch zu überbieten versucht. Für
Buchdecken wird diese Art der Lederverzierung aber immer nur eine
beschränkte sein, schon weil sie ein künstlerisches Geschick erfordert,
das sich nicht jedermann zu geben vermag.
[Illustration: Fig. 61. Deutscher Einband mit Lederritzung und
gepunztem Grunde. 15. Jahrh. Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum.]
In Figur 60 geben wir als Beispiel der Punzung ohne Ritzung einen Band,
der aus einem der Klöster am Berge Athos stammt und vermutlich dem 16.
Jahrhundert angehört. Er zeigt eine an Eisentechnik (Thürbeschläge)
erinnernde, symmetrisch angeordnete Verzierung mit Knöpfen
(Nagelköpfen), die mit größeren Punzen teils in den Grund, teils in das
Ornament eingeschlagen sind. Eine gepunzte Ritzarbeit zeigt uns Fig.
61 in freier künstlerischer Anwendung der Technik. Dieser Einband ist
deutschen Ursprungs und stammt aus dem Anfange des 15. Jahrhunderts.
Als drittes Beispiel (Fig. 62), auf dem zwei phantastische Bestien, wie
sie das germanische Mittelalter gern bildlich darstellte, erscheinen,
geben wir die Rückseite eines Pergamentbreviers vom Ende des 15.
Jahrhunderts, das der Nürnberger Familie Löffelholz gehörte und wie der
vorher erwähnte Band im Germanischen Nationalmuseum zu Nürnberg bewahrt
wird.
Für Lederschnitt eignet sich am besten +Rindsleder+, weniger gut
Kalbleder. Maroquin und Schafleder sind dazu ganz ungeeignet.
Eine verwandte Technik ist die ebenfalls schon im 15. Jahrhundert
geübte +Lederschälarbeit+, zu der sich jedoch nur Saffian oder
Bockleder eignet. Die Konturen des Ornaments werden dabei ebenfalls mit
dem Messer eingeritzt und dann die Oberhaut des Leders an einem Ende
gehoben und abgeschält. Statt das Ornament auf diese Weise zu behandeln
und hell erscheinen zu lassen, kann man auch die Oberhaut des Grundes
abschälen, um die umgekehrte Wirkung zu erzielen. Ist diese Arbeit für
die Außenseite der Decken auch wenig empfehlenswert, so ist sie doch
gut anwendbar zur Verzierung der Spiegel auf den inneren Deckelflächen,
wenn es sich um einen in nicht gewöhnlicher Weise auszustattenden
Einband handelt.
Die umständliche und zeitraubende Ritzarbeit konnte ebenso wenig wie
die Schälarbeit bei Büchern Anwendung finden, die in kurzer Frist und
ohne erhebliche Kosten hergestellt sein wollten. Für diese diente das
einfache Verfahren des Blinddrucks, zu dem auch die Verzierung mittelst
glatter Linien zu rechnen ist, die vielleicht mit einem Falzbein am
Lineal entlang gezogen wurden, um eine Einrahmung der inneren Fläche
des Deckels herbeizuführen, dann auch um die innere Fläche rautenförmig
zu mustern. Derartige gestrichene Linien finden sich auf unserer
Abbildung Fig. 61. (Vergl. auch Fig. 67.)
[Illustration: Fig. 62. Rückseite von einem Brevier. Ende des 15.
Jahrhunderts. Nürnberg, Germanisches Museum.]
Die Werkzeuge, welche zur Herstellung der Blindpressung des Leders
dienen und, abgesehen von dem Streicheisen, auch bei der Handvergoldung
gebraucht werden, sind folgende:
1. Das +Streicheisen+, von welchem schon die Rede war, zeigte nach
einer Abbildung von Jobst Amman im 16. Jahrhundert die Form einer spitz
zulaufenden Schaufel und zog auf der einen Seite einen doppelten, auf
der anderen einen dreifachen Strich. Heutzutage unterscheidet man die
+deutsche+ und die +französische+ Form. Erstere ist da zweckmäßig, wo
es sich um gebogene Linien handelt, letztere (vergl. Fig. 64 unten
links) ist vorteilhaft bei geraden Linien, besonders wenn bedeutende
Kraft bei der Arbeit erforderlich ist. Die Streicheisen haben ein
langes Heft, dessen Ende gegen die Schulter gestemmt werden kann. Beim
Gebrauch werden sie erwärmt, da sonst der Strich nicht blank werden
würde, dürfen aber nicht allzu heiß sein, damit sie den Grund nicht
versengen. Zweckmäßige Wärmvorrichtungen für Streicheisen, Stempel u.
s. w. liefert die Firma Wilh. Leo in Stuttgart. (Fig. 65).
[Illustration: Fig. 63. Deutsches Streicheisen.]
[Illustration: Fig. 64. Streicheisen, Rolle, Stempel und Filete.]
[Illustration: Fig. 65. Wärmapparate von Wilh. Leo in Stuttgart.]
Das Leder wird an den Stellen, die zu streichen sind, mit einem in
reines Wasser getauchten Schwamme gefeuchtet. Sind nur einzelne Teile,
Linien oder Bogen zu streichen, so wird die leicht vorgemerkte Stelle
mit einem Haarpinsel gefeuchtet. Nachdem das Leder trocken geworden
ist, werden alle Striche nochmals mit einem etwas wärmeren Eisen
nachgestrichen. Der Strich erscheint dann auf hellem Leder dunkel und
zeichnet sich bei dunklem Leder immer noch durch sein blankes Aussehen
von dem Grunde ab. Wenn der Glanz mit dem wiederholten Streichen noch
nicht erreicht wird, muß nochmals nachgestrichen, nötigen Falls auch
das Leder noch einmal gefeuchtet werden.
2. +Die Stempel+ sind in Hartmetall graviert und mit einem hölzernen
Handgriff versehen. Sie dienen dazu, kleine Figuren in das Leder
einzudrucken. Diese Figuren stellen entweder ein kleines, geschlossenes
Ornament von meist quadratischer, auch kreisrunder und länglicher
Grundform dar, oder kleine Zierformen (Blüten, Blätter, auch Ranken
oder sog. Schnecken), mit denen sich durch Neben- und Aneinanderdruck
größere Verzierungen, wie sie gerade für den gegebenen Raum passen,
zusammenstellen lassen. Die Stempelfläche ist nicht ganz eben, sondern
nach der Mitte zu etwas erhaben, wodurch ein schärferes Ausdrucken des
Musters ermöglicht wird.
3. +Die Rolle+ ist eine kreisrunde Scheibe aus Rotguß bis zu 1½ cm
dick und mit 4-8 cm Durchmesser, deren Achse eine Führung hat, die
wiederum mit einem Hefte versehen ist (Fig. 64 rechts). Mit dem Hefte
wird die Rolle wie ein Rad über das Leder bewegt, so daß sich das
in die Umfangsfläche eingeschnittene Ornament abwickelt und auf dem
Leder abdruckt. Ursprünglich war die Rolle nur für glatte Linien
eingerichtet, an deren Stelle nach und nach eine mehr oder weniger
reiche Musterung mit sich stets wiederholenden Motiven trat. Die
gemusterte Rolle dient vornehmlich zur Herstellung der mit den Rändern
des Deckels parallel laufenden Einfassungen oder Borden.
4. +Die Filete+ (Fig. 64 in der Mitte) ist ein Druckwerkzeug in Form
einer Leiste, jedoch mit etwas gebogener Druckfläche. Wie schon der
Name erkennen läßt, ist die Filete französischen Ursprungs, und als
Erfinder wird ein Pierre Gaillard genannt. Sie hat wie die Rolle
auf der Druckfläche eine oder mehrere erhabene Linien oder aber ein
fortlaufendes Ornament mit sich wiederholenden Motiven und wird mit
Vorteil namentlich für die Ornamentierung des Buchrückens verwendet,
ersetzt aber auch die Rolle.
Zu diesen vier Druckwerkzeugen kommt noch die +gravierte Platte+,
die sowohl als +abgepaßte+ Platte für bestimmte Buchgrößen oder als
zusammenstellbare Platte für die verschiedensten Formate benutzt wird.
Zum Aufdruck bedient man sich heutzutage nur noch eiserner Pressen mit
Hebeldruck, Schwungrad oder Balancier.
Der Blinddruck mit Streicheisen, Stempeln u. s. w. erfordert außer der
Vorzeichnung der Verzierung auf Papier und der Abzirkelung derselben
auf der Decke keine besonderen Vorbereitungen. Etwaige Hilfslinien
werden vor dem Druck mit Lineal und Falzbein vorgezogen. Beim
Bedrucken der inneren Kanten der Decke ist es erforderlich, den Deckel
zurückzuschlagen und flach auf eine feste Unterlage zu legen; der Druck
erfolgt also bei offenem Deckel.
Beim Bedrucken des Rückens wird das Buch in eine sog. Klotzpresse
gespannt, eine kleine hölzerne Vorrichtung, die auf den Tisch gestellt
wird. An ihrer Stelle benutzt man jetzt vielfach eine zum Anschrauben
an die Tischkante eingerichtete Vorrichtung aus Eisen, die ein bequemes
Drehen und Wenden des Oberteils mit dem eingespannten Buche gestattet
(Fig. 66).
Zum Bedrucken des Rückens eignet sich, wie schon bemerkt, die Filete
besser als die Rolle; für den glatten Liniendruck ist dabei die Filete
dem Streicheisen vorzuziehen. Aus diesem Grunde ist es zweckmäßig,
bei Anschaffung dieser Werkzeuge darauf zu sehen, daß Linienfileten
und Streicheisen zusammenpassen. Beide müssen in der Werkstatt in
verschiedenen Stärken, d. h. auf jede ein- oder mehrfache Linienfilete
ein gleichartiges Streicheisen vorhanden sein. Die untenstehend
bezeichneten Nummern 1-5 genügen für den gewöhnlichen Gebrauch. Weitere
Nummern vereinfachen die Arbeit.
[Illustration: Fig. 66. Klemmvorrichtung von Wilh. Leo in Stuttgart.]
Am besten nimmt sich der Blinddruck auf naturfarbigem Schweinsleder
(sog. Schweinssaffian) aus, steht auch gut auf mattem Kalbleder von
nicht zu dunkler Färbung. Schafleder eignet sich nicht für Blinddruck.
[Illustration]
Bevor man zum Bedrucken der Decke übergeht, hat man, wie schon oben
bemerkt, einen Entwurf für die Verzierung auf Papier aufzuzeichnen und
nach diesem die Linienabstände sowie die Anordnung der Stempel auf die
Decke zu übertragen, wozu man sich des Falzbeins bedient. Die ganze
Fläche wird nun mit einem mäßig nassen Schwamme leicht überfahren, so
daß die Feuchtigkeit in kurzer Zeit wieder verschwindet. Nach etwa fünf
Minuten wird das Feuchten wiederholt, und nun beginnt die Streich- und
Druckarbeit, deren Verlauf wir an einem Beispiel, einem in gotischem
Stile zu verzierenden Bande, erläutern wollen. Der Entwurf (Fig. 67)
beschränkt sich, abgesehen von dem in Lederschnitt herzustellenden
Mittelfelde, auf die Anwendung von drei Stempeln (Fig. 68 a, b und
d) und der Dreilinie des Streicheisens. Die Dreilinie kommt zunächst
an die Reihe. Auf dem Wärmapparate heiß gemacht, wird sie in einer
flachen Schale mit Wasser und einem Schwamme »abgelöscht«, d. h. mit
dem letzteren in Berührung gebracht, wobei ein leicht zischender Ton
sich bemerkbar machen muß; sodann streicht man sie über ein gewachstes
Stück Leder und führt sie nun am Lineal der Vormerkung gemäß hin.
[Illustration: Fig. 67. Modern-gotischer Einband.]
Das beste Material für das +Lineal+ ist, nebenbei bemerkt, +Zinkblech+.
Dasselbe liegt gut und fest auf dem Leder auf, ist leicht und nimmt,
im Gegensatze zum Holz, keine Feuchtigkeit an, hinterläßt auch keine
Flecken. +Eiserne Lineale+ dürfen mit feuchtem Leder überhaupt nicht
in Berührung gebracht werden, da der chemische Prozess, der sich dabei
entwickelt, sogleich schwarze Flecke zur Folge hat.
Beim Ansetzen des Streicheisens darf man sich nicht lange besinnen.
Wenn die Striche nicht flott hintereinander an den betreffenden Stellen
gezogen werden, so verdunstet die Feuchtigkeit des Leders, der Strich
wird nicht dunkel und nicht glänzend; das Feuchten und Streichen muß
also wiederholt werden. Ist das Leder zu trocken oder das Eisen zu
kalt, so wird der Zweck des Streichens verfehlt. Schlimmer als ein zu
kaltes ist ein zu heißes Eisen, da dieses die Oberfläche verbrennt, so
daß sie zusammenschrumpft und schwarz wird, ein Fehler, der sich auf
keine Weise wieder gutmachen läßt. Auf naturfarbigem Kalbleder soll der
Blinddruck glänzend kastanienbraun erscheinen.
[Illustration: Fig. 68. Gotische Stempel.]
Durch das wiederholte Anfeuchten werden die blindgedruckten Stellen
wieder etwas heller, verlieren auch den Glanz. Doch schadet dieses
insofern nicht, als nachträglich alles nochmals nachgedruckt wird.
[Illustration: Fig. 69. Randverzierung in Blinddruck.]
Nachdem das Streicheisen seinen Dienst verrichtet hat, kommen die
Stempel einer nach dem andern an die Reihe. Der dreieckige Stempel
füllt die Rauten und die halben Rauten abwechselnd mit dem eine halbe
Kreuzform darstellenden Stempel, der auch zur Umrahmung benutzt wird.
Hier bildet er eine Reihe von Vielecken, die nachher mit der Rosette
ausgefüllt werden. Wer noch ungeübt in der Handhabung der Stempel
ist, thut gut daran, jeden Stempel zunächst ungewärmt und leicht
vorzudrucken, dann das Leder nochmals zu feuchten und nun mit dem
warmen Stempel den Druck zu wiederholen, bis der Farbenton die richtige
Tiefe hat. Auf die Gleichmäßigkeit des Farbentons ist besonderes
Gewicht zu legen, da der gefällige Eindruck der Verzierung zum Teil
durch das gleichmäßige Aussehen bedingt ist.
[Illustration: Fig. 70. Moderner Renaissanceband mit
Blinddruckverzierung.]
Wie schon bemerkt, wird die ganze Decke, nachdem sie ihre vollständige
Verzierung erhalten hat, noch einmal mit dem Streicheisen sowohl wie
mit den Stempeln übergangen, wobei die Werkzeuge etwas wärmer sein
sollen als bei dem ersten Druck. Daß diese, wie vorher, jedesmal vor
dem Ansetzen über ein gewachstes, auf ein Stück Pappe geklebtes Leder
gestrichen werden müssen, braucht kaum besonders erwähnt werden. Das
Streicheisen muß bei dieser nochmaligen Behandlung der Decke mit
besonderer Vorsicht geführt werden, um das sog. Dublieren der Linien zu
vermeiden, das der Arbeit ein liederliches Aussehen verleiht.
Das Bedrucken des Rückens erfolgt ganz in derselben Weise. Die Stempel
werden vorgezeichnet, dann kalt und leicht vorgedruckt, und der Druck
mit dem warmen Stempel wiederholt. In unserem Falle sind an den Bünden
mit der Filete Doppellinien gedruckt, die sich bis auf die Decke
fortsetzen.
Um zu zeigen, in welch verschiedener Weise ein und derselbe Stempel
zur Bildung von Verzierungen verwendet werden kann, geben wir
zwei Zusammenstellungen von zwei Stempeln, die bei dem uns vorhin
beschäftigenden Bande zur Musterung verwendet wurden in der Kopfleiste
S. 170 und in Fig. 69.
Zur weiteren Veranschaulichung der Kunst, mit dem Streicheisen und
wenigen Stempeln den Deckel in Blinddruck zu verzieren, möge die
Abbildung Fig. 70 dienen. Die hier verwendeten spitzenartigen Motive
sind im Sinne der italienischen und französischen Renaissance gedacht.
Bei den im Stilcharakter der Gotik und Frührenaissance behandelten
Bänden pflegt man die Kanten der Decke, namentlich wenn es sich um
größere Formate handelt, abzuschrägen. Um der schrägen Kante ein mit
der blinden Verzierung der Decke übereinstimmendes Aussehen zu geben,
wird sie mit einem +kleinen Glättkolben+ (Fig. 71), der zu diesem
Zweck mäßig erwärmt werden muß, ausgeglättet. Selbstverständlich wird
das Leder vorher mit dem Schwamme gefeuchtet und das Glätten, wenn
nötig, wiederholt, bis der entsprechende dunkle Ton erreicht ist.
[Illustration: Fig. 71. Kleiner Glättkolben.]
[Illustration: Gotische Randverzierung.]
2. Die Vergoldung und farbige Verzierung der Decke. Nachträgliches.
Auswaschen, Grundieren und Kleistern des Leders. -- Ledersorten. --
Rückenvergoldung. -- Äußere und innere Deckelvergoldung. -- Ledermosaik
und Bemalung. -- Pressendruck auf Leder, Kaliko, Samt. -- Färbung und
Marmorierung des Leders. -- Verarbeitung des Pergaments und des Samts.
Die +Handvergoldung+, d. h. das Aufdrucken von Stempelverzierungen
auf Leder unter Anwendung von Blattgold war schon in spätrömischer
Zeit bekannt. Zur Verzierung von Buchdecken wurde sie zuerst im Orient
verwendet, von dem das Abendland überhaupt die kunstvolle Bearbeitung
des Leders erlernt hat.
Den ältesten Ledervergoldungen auf europäischem Boden begegnen wir
in Italien. Sie erscheinen matt und grieselig, was sich aus dem
Umstande erklärt, daß das Gold auf das feuchte Leder ohne vorherige
Grundierung aufgetragen wurde. Erst im Laufe der Zeit kam man darauf,
dem Leder einen Leim- oder Eiweißgrund zu geben, wie solcher noch heute
angewendet wird.
Dem +Grundieren+ voraus geht das +Auswaschen+ und in bestimmten Fällen
das +Kleistern+ des Leders.
Das Auswaschen geschieht mit einem Schwamm und reinem Wasser, in
besonderen Fällen auch mit Essig. Der Zweck des Waschens ist nicht nur,
das Leder von etwa an demselben haftenden Unreinigkeiten zu befreien,
sondern ihm den Grad von Feuchtigkeit zu verleihen, den es haben muß,
wenn das Gold gut »halten« soll. Auf trockenem Leder läßt sich auch
nicht der lebhafte Glanz des Goldes erzielen; es »+steht+« nicht, wie
der Kunstausdruck lautet.
Zum Auswaschen bedient man sich auch mit gutem Erfolge einer +Beize+,
die zu zwanzig Teilen aus Kornbranntwein, einem Teil Scheidewasser
und einem Teil Meerzwiebelsaft besteht, und der man auch noch einige
Tropfen Ammoniak zuzusetzen pflegt. Das Waschen mit dieser Beize erhält
selbst an heißen Tagen den Grund einige Stunden lang frisch, so daß
langsamer gedruckt werden kann. Auch brauchen die Stempel weniger heiß
zu sein, wodurch die Schönheit der Vergoldung wesentlich gewinnt.
Das +Kleistern+ ist nur bei Ledersorten erforderlich, die geneigt sind,
aus den Grundiermitteln die Feuchtigkeit schnell aufzusaugen, so daß
sich der Klebstoff auf der Oberfläche als graue Schicht ablagert. Man
nimmt dazu gewöhnlichen Kleister, der mit so viel Wasser versetzt wird,
daß er einer Mehlsuppe gleicht. Zum Auftragen, das recht gleichmäßig zu
geschehen hat, bedient man sich des Kleisterpinsels, und reibt dann mit
dem Ballen der Hand, besser mit einem Hasenfuß, aus dem aber die Zehen
ausgebrochen sein müssen, den Kleister in das Leder ein.
Die Grundierung erfolgt erst mit +Leim+ und danach mit +Eiweiß+.
Der für den +Leimgrund+ oder die »Leimtränke« dienliche Leim ist
+Fischleim+, von dem man 4 bis 5 Tropfen auf eine halbe Tasse lauwarmen
Wassers nimmt und mit diesem gut vermischt. Die Flüssigkeit wird
leicht, aber gleichmäßig aufgestrichen. (Der unter der Bezeichnung
»colle liquide« in den Handel kommende flüssige Gummi ist für diesen
Zweck durchaus unbrauchbar.)
Den zweiten und letzten Grund stellt man mit einer Mischung her, die
zu ⅔ aus Eiweiß und zu ⅓ aus Essig, Lagerbier oder Apfelmost besteht.
Die Mischung muß gut durchgequirlt werden. Um sie haltbarer zu machen,
setzt man ihr einige Tropfen Ammoniak oder ein Stückchen Kampfer zu.
Wir unterscheiden in bezug auf die Behandlung harte und weiche Leder,
erstere müssen rasch und heiß, letztere mäßig warm und langsam gedruckt
werden; dabei steht das Gold besser. Dazu gehören alle Saffiane.
Im nachfolgenden geben wir eine Übersicht über die verschiedenen
Ledersorten und Stoffe, die zu Buchdecken verwandt werden, und bemerken
bei jedem einzelnen Material die Art der Behandlung, der es vor der
Vergoldung zu unterwerfen ist.
1. +Schafleder.+ Man unterscheidet +lohgares+ und +gekörntes+ oder
anderweitig appretiertes Schafleder. Ersteres, gefärbt oder ungefärbt,
wird mit Wasser ausgewaschen, mit Kleisterwasser bestrichen, erst mit
Fischleim und nach dem Abtrocknen mit Eiweiß grundiert. Letzteres wird
mit Essig oder Beize ausgewaschen und dann ohne vorherigen Leimgrund
mit Eiweiß behandelt.