Ist die Ecke am Buche festgemacht, so werden mit dem Falzbein alle

Kanten noch genau scharf und winklig gerieben, damit das Ganze ja recht

zierlich aussieht.

Der Rücken wird so über das Buch gezogen, daß er an beiden Seiten

gleichbreit auf die Deckel herübergreift; sind erhabene Bünde

vorhanden, so muß an diesen das Leder besonders kräftig angezogen

werden, auch der Bund rechts und links mit einem Falzbein gut

eingerieben werden. Mit Vorteil bedient man sich dabei eines besonders

geformten Holzes von Buchsbaum; dieses trägt auf seiner unteren

Seite eine Kerbe, in welche der Bund paßt, und mit dieser wird der

Bund von beiden Seiten gleichzeitig eingerieben. Die Einschläge am

Kapital werden nun nach innen umgeklebt. Es ist dazu notwendig, etwa

zwei cm lang den Rücken an allen Fälzen vom Buche abzulösen, indem

man mit einem dünnen, spitzen Falzbein unter den geklebten Rücken

fährt und ihn in den Fälzen aufschlitzt. Während man mit der linken

Hand den Buchkörper etwas aus den aufgeschlagenen Deckeln heraushebt,

schiebt man mit der Spitze eines Falzbeins den Ledereinschlag unter

dem Kapital in den inneren Rücken und das Buch ein, wobei sorgfältig

jede Verunreinigung des Kapitals mit Kleister zu vermeiden ist. Dieser

Einschlag muß völlig glatt liegen, darf weder Falten haben noch

zusammengeschoben sein. (Fig. 54.)

Sind beide Kapitaleinschläge ausgeführt, so legt man den Band quer vor

sich, drückt die Fälze scharf ans Buch heran, jedoch so, daß sie oben

wie unten völlig gleich, nicht etwa an einer Seite breiter sind, als

an der anderen. Der Einschlag im Falz muß ebenfalls durchaus glatt und

straff anliegen. War vor den Endlagen eine Lage Makulatur vorgeklebt,

so kann der Deckel alsbald zugeschlagen werden, anderenfalls geschieht

dies Verkleben nachträglich.

Die andere Seite wird in gleicher Weise zugerichtet und das Kapital

dann äußerlich behandelt, zu welchem Ende der Band im Falz mit einem

Zwirnfaden umschnürt wird. Dadurch wird an den Kapitalen das Leder nach

innen geschnürt. Indem man nun dicht neben dem Faden mit der Spitze

des Falzbeins in die Kapitalecke fährt, drückt man diese wieder nach

auswärts. Den Band legt man flach auf den Schärfstein, drückt auch

die Deckelkanten an der Umschnürung recht glatt und flach, reibt die

Schnittkante des Deckels eben und winkelig und wiederholt dies an allen

Kapitalecken.

[Illustration: Fig. 54. Das Einschlagen des Kapitals.]

Das Kapital selbst, das durch Herüberreiben mit der hohlen Hand recht

gleichmäßig über den seidenen Saum herübergeholt werden muß, wird oben

mit dem Falzbein gleichmäßig und nicht zu kräftig flachgerieben, so daß

das Seidenkapital wie mit einer Haube bedeckt ist. Schließlich streicht

man mit dem Falzbein unten einige Male um das Kapital herum, wodurch

auch hier ein scharfes und sauberes Aussehen erreicht wird, und legt

den Band zwischen Brettern mit frei herausragendem Rücken -- etwas

beschwert -- zum Trocknen hin.

Ähnlich, nur noch etwas umständlicher ist der +Ganzlederband+

zu bearbeiten, bei welchem noch mehr auf gutes Schärfen Gewicht

gelegt werden muß. Das Leder wird mit Kleister angeschmiert, bleibt

kurze Zeit liegen, wird noch einmal angeschmiert und das Buch dann

so daraufgelegt, daß die beste Seite des Leders nach vorn kommt.

Wird aber die Vorderseite reich verziert, während auf der Rückseite

größere Flächen unverziert bleiben, so bringt man die bessere Seite

nach hinten. Die ausgearbeiteten Fälze des Überzuges müssen genau

mit den Buchfälzen übereinstimmen. Unter kräftigem Anziehen über die

Bünde wird das Leder nach den Seiten herübergeklebt, der Deckel halb

geöffnet, an der Vorderkante der Einschlag ohne Rücksicht auf die Ecken

nach innen geschlagen und der Deckel geschlossen. Das Leder zieht sich

auf diese Weise recht glatt über die Bünde und den Deckel weg. Genau

so wird die andere Seite behandelt. Man achte darauf, daß die dünn

gearbeiteten Stellen für die Fälze sich nicht seitwärts auf den Rücken

oder den Deckel verschieben, sondern gerade sitzen. Der Einschlag muß

gleichfalls so zubereitet sein, daß die Abschärfung bereits auf dem

Deckel beginnt, um die Kanten herum aber völlig dünn geschärft ist, so

daß das Leder fast wie ein Kissen sich nach den Rändern zu verjüngt.

Hat man sich von der Richtigkeit der Arbeit überzeugt, so wird oben

und unten eingeschlagen, zunächst wieder ohne Rücksicht auf die Ecken;

vorher jedoch sind die Lederecken mit einem spitzen Schärfmesser schräg

wegzustoßen, zu welchem Zwecke der Vordereinschlag teilweise wieder

abgelöst wird. Je dünner der Deckel, desto näher an, je dicker der

Deckel, desto weiter von der Deckelecke wird das Leder weggestoßen.

Dazu wird die Klinge im halben rechten Winkel schräg gehalten und so

an der Pappenecke vorbeigeführt, daß das Messer mit seiner flachen

Seite den Deckel gerade noch streicht. Je dicker der Deckel ist, desto

breiter wird also das Leder stehen bleiben.

Wird das Leder nun über die Kanten eingeschlagen, so muß es genau im

halben rechten Winkel zusammenstoßen und sich so weit decken, als die

Schrägung ausmacht. Die Ecke selbst kann auf zweierlei Weise behandelt

werden; einmal kann sie, wie die Ecke des Halbfranzbandes, eingekniffen

werden. Dann kann auch folgendes Verfahren eingeschlagen werden, sofern

man ein besonders dehnbares Leder verarbeitet. Indem mit der hohlen

Hand von der Außenseite her das Leder über die Ecke weggestrichen

wird, schiebt sich dasselbe in einer Anzahl ganz kleiner Fältchen

zusammen, und nach dem Trocknen sieht der Zusammenstoß fast wie aus

einem Stück gemacht aus. In beiden Fällen werden die Kanten mit dem

Falzbein rechtwinkelig und scharf angestrichen. Damit die Ecke selbst

scharfkantig ausfällt, schlägt man den Deckel auf und legt ihn mit der

Innenseite flach auf den Schärfstein, während man die Kanten mit dem

Falzbein behandelt; die Verarbeitung des Kapitals bleibt dieselbe.

Dünnes Kalbleder, wie es neuerdings häufig im Handel vorkommt, wird

meist nur an den Kapitalen, soweit solche in den Rücken eingeschlagen

werden, geschärft, während der übrige Einschlag ungeschärft bleibt. Wir

kommen später auf die weitere Behandlung des ungeschärften Einschlages

zurück.

Über die Behandlung von +Kalikobänden+ ist folgendes zu bemerken.

Der Kaliko wird mit dem Messer und dem Lineal zugeschnitten, und zwar

groß genug, damit die Einschläge später unter dem aufzupappenden

Vorsatz gleichmäßig in der Breite von ½ cm zu sehen sind. Einzelne

Fäden, rauhe Stellen oder gar schräg geschnittene Einschläge

dürfen nicht zu sehen sein. Das zugeschnittene Stück wird mit Leim

angeschmiert, das Buch aufgelegt, der Kaliko angerieben und scharf

eingeschlagen. Die Ecken werden mit der Schere schräg abgeschnitten,

jedoch so, daß noch genug zum Einkneifen stehen bleibt; die Einschläge

sollen sich an den Ecken nicht mehr als 2 mm decken.

+Halbfranzbände+ werden, sobald der Rücken ganz trocken ist, mit

Papier oder Kaliko überzogen. Ehe dies geschieht, wird das Leder am

Rücken her und an den Ecken abgeschnitten. Mit dem Zirkel wird von der

Vorderkante nach dem Leder zu die Breite des zu überziehenden Stückes

abgestochen und durch einen Falzbeinstrich markiert; ebenso werden

die Ecken mit Hilfe einer kleinen, auf die Ecke gelegten Schablone

gleichmäßig gestrichen. Auf diesen Marken wird aus freier Hand mit

einem scharfen Messer das Leder schräg nach der Mitte zu eingeschnitten

und das Überstehende abgezogen. Der Überzug ist so zuzuschneiden,

daß er auf allen Seiten -- also am Rücken und den Ecken -- ans Leder

anstößt, dasselbe aber nur soweit deckt, als es schräg abgestoßen ist.

Vor dem Zuschneiden des Papieres (meist marmoriert, seltener einfarbig

und gepreßt) hat man zu überlegen, wie sich der einzelne Bogen am

vorteilhaftesten einteilt. Für den Einschlag rechnet man nicht über

2 cm an den Vorder- und Oberkanten zu. Der Schnitt wird mit einem

scharfen Messer am Lineal oder Winkel ausgeführt.

Das Ausschneiden der Ecken erfordert besondere Sorgfalt. Am

zweckmäßigsten ist es, ein Überzugsteil dem Bande an das Leder

anstoßend aufzulegen mit der erforderlichen Zugabe für den Einschlag.

Die beiden unteren Ecken werden nach oben zurückgeschlagen und an

den Stellen, wo sie an die Lederecken anzustoßen haben, wird ein

scharfer Bruch gemacht. Streicht man nun mit der Hand scharf über die

drei Kanten nach unten, indem die andere Hand das Blatt unverrückbar

festhält, so erhält man eine genaue Marke, nach welcher das

Ausschneiden der Ecke zu erfolgen hat. (Fig. 55.)

Die zugeschnittenen Überzugsteile werden nun mit Leim

»+angeschmiert+«, zu welchem Zwecke sie genau geradegestoßen auf einer

Unterlage, der »+Anschmierpappe+«, aufgelegt werden. Zweckmäßig dafür

sind dicke, nicht zu große Pappen, die mit Papier, besser noch mit

Wachstuch bespannt werden; ist das Papier wiederholt benutzt, so wird

es von den Deckeln abgenommen, eingeweicht und der Leim ausgekocht.

Von Wachstuch löst sich nach dem Trocknen der Leim von selbst ab. Auch

Zinkblech wird als Unterlage zum Anschmieren benutzt mit ähnlichem

Vorteil wie Wachstuch.

Nicht alle Bände werden +angesetzt+, in vielen Fällen werden Buch

und Buchdecke gesondert hergestellt und ersteres dann in letztere

»+eingehangen+«. Dies Verfahren wird hauptsächlich bei den in Massen

angefertigten Schulbänden eingeschlagen, ebenso bei den Bänden, zu

denen der Verleger fertige Decken, »Verlagsdecken«, liefert, ferner

auch bei den Photographie-Albums, auf deren Herstellung, da sie in das

Gebiet der Portefeuille-Arbeit gehören, hier nicht näher eingegangen

werden kann. Hat auch die Kunstbuchbinderei als solche mit der

Verlagsdecke wenig zu thun, da diese ein Erzeugnis des Großbetriebes

ist, so soll hier doch deren Herstellung der Vollständigkeit halber

einen Platz finden.

Deckel wie Rücken werden nach Maßgabe des beschnittenen und abgepreßten

Buches passend geschnitten. Der Überzugsstoff, meist Kaliko, wird

unter Zugabe des Einschlages zugeschnitten, angeschmiert, Rücken und

Deckel unter Berechnung des Falzes aufgelegt, der, je nach Dicke der

Deckel, 1½ bis 3 mm beträgt. Die Kanten werden eingeschlagen, das Ganze

durch die Anreibemaschine geführt, bei welcher die Decken zwischen

zwei Gummiwalzen durchgehen. Sollen »+Halbfranzbanddecken+« (das

Wort ist unrichtig, da ein Halbfranzband und Decken sich gegenseitig

ausschließende Begriffe sind) hergestellt werden, so klebt man sowohl

die Rückeneinlage als auch die Deckel mit Leim auf dem Lederrücken auf;

eingeschlagen wird jedoch mit Kleister, damit die Gelenke nicht spröde

werden. Dann werden Ecken angemacht und die Decken in üblicher Weise

mit Papier oder Kaliko überzogen.

[Illustration: Fig. 55. Ausschneiden der Überzugsecken.]

Soll ein Band in eine solche Decke möglichst haltbar befestigt

werden, so ist dazu erstlich ein Kalikofalz im Vorsatz erforderlich,

dann aber auch möglichst viele Bünde, bei 8^o Format mindestens vier.

Überhaupt muß man einen solchen Buchkörper behandeln, als sollte er in

Halbfranz gebunden werden. Man macht zunächst aus Papier, besser aus

Stoff eine »Hülse«, d. h. man biegt ein Stück Papier oder Stoff, das

genau so lang wie der Rücken ist, von beiden Seiten in der Breite des

Rückens zusammen, so daß sich die Ränder in der Mitte treffen, wo sie

übereinander geklebt werden. Beistehende Figur [Bild] gibt das Schema.

Diese Hülse wird mit einer Seite fest auf den Rücken der Decke geklebt,

während auf der anderen Seite der gut gerundete Buchrücken aufgeklebt

wird. Zu weiterer Befestigung müssen die Bünde und die Fälze des Bandes

recht sorgfältig und sauber am Deckel festgeklebt werden. Ein Blatt

Vorsatzpapier, nach Maßgabe der Kanten passend geschnitten, deckt

schließlich die Innenseite des Deckels.

Daß ein solcher Band trotz der vorhandenen Decke sich nicht »für

wenige Groschen« herstellen läßt, sei hier ausdrücklich zum Troste

der Fachleute betont. Für alle Fälle sollte ein wirklich gutes Buch

+gebunden+ und nicht +eingehängt+ sein.

[Illustration: Randleiste von einem Bande der Wolfenbütteler

Bibliothek. 1572.]

3. Das Fertigmachen vor und nach dem Vergolden.

Anpappen -- Offen Anpappen -- Aufpappen des fliegenden Blattes --

Tiefer Falz, Stoff- und Lederfalz -- Seidenspiegel, Lederspiegel --

Abglätten, Einpressen -- Futteral und Karton.

Nachdem der Buchkörper mit der Einbanddecke, dem äußeren Teile des

Buches, verbunden ist, werden die Deckel auch auf der Innenseite

bekleidet. Diese Arbeit heißt das »+Anpappen+« und hat nicht allein

den Zweck, die Spuren der vorhergehenden Arbeiten zu verdecken,

sondern soll auch die Haltbarkeit des Buches in den Gelenken möglichst

verstärken. Die einfachste Art, einen Band anzupappen, ist folgende:

Das erste Blatt des Vorsatzes wird mit Kleister angeschmiert, der

Deckel zugeschlagen, das Buch herumgewendet und die andere Seite in

derselben Weise behandelt; das Buch wird danach sofort eingepreßt.

Solange der Falz noch einigermaßen feucht ist, darf der Band nicht

geöffnet werden, anderenfalls würden sich im Falz Falten bilden.

Diese Art des Anpappens vertragen alle die Bände, welche nicht auf

tiefen Falz angesetzt sind, die also weder durch den Deckel gezogene,

noch äußerlich auf den Deckel geklebte Bünde haben. Dahin gehören

außer den einfachsten Steifbänden die Halbleinen- und gewöhnlichen

Halblederbände, sowie die Ganzleinen- und die »eingehängten« Bände ohne

Leinenfalz.

Es empfiehlt sich sehr, die eingepreßten Bände nach einiger Zeit

wieder aus der Presse zu nehmen, um, ohne daß der Band geöffnet wird,

hinter die ersten fünf bis sechs Blätter vorn und hinten ein Zinkblech

einzulegen, mit welchem die Bände dann von neuem in die Presse gebracht

werden, in der sie mindestens über Nacht, womöglich noch länger

verbleiben. Die Endlagen sowohl als auch der innere Deckel erscheinen

infolge dieser Maßregel durchaus glatt und die Bünde zeichnen sich

weniger scharf ab. Schließlich ist zu bemerken, daß nur +Schreib-+ und

+Naturpapiere+ diese Art des Anpappens vertragen, alle anderen Vorsätze

müssen »offen« angepappt werden.

»+Offen anpappen+« heißt das Buch in aufgeschlagenem Zustande

anpappen und trocknen lassen; dies geschieht bei allen Bänden mit

Buntpapier-Vorsätzen, bei den fabrikmäßig hergestellten, mit Draht

gehefteten Bänden, und bei allen Bänden mit tiefem Falz.

Die Bände mit bunten Vorsätzen erhalten immer einen Leinenfalz; die

Bünde werden bis auf etwa 2 cm Länge abgeschnitten, sehr glatt und

gleichmäßig strahlenförmig auseinander gestrichen und mit Leim auf

den Deckel herübergeklebt, wobei dieser fest gegen das Buch gedrückt

wird; der Kalikofalz wird auf einem untergelegten Blatte Makulatur

angeschmiert, stramm und gleichmäßig auf den Deckel herübergezogen und

gut angerieben, wobei besonders auf die Ansetzkante des Deckels zu

achten ist, da hier der Falz nicht gut haftet und leicht »hohl« wird.

Das Anpappen der fabrikmäßig hergestellten Bände ist gleich dem

Verfahren, das bei Bänden mit tiefem Falz angewandt wird; im folgenden

wird nur von diesem die Rede sein.

Schon oben (S. 35) sprachen wir von der Zurichtung der Vorsätze; doch

ist es in vielen Werkstätten üblich, erst kurz vor dem Anpappen die

Bunt- oder Brokatpapiere einzukleben. +Notwendig+ ist dieses spätere

Einkleben des farbigen Vorsatzes da, wo ein tiefer Falz ohne Kaliko-

oder Lederfalz in Anwendung kommt.

[Illustration: Fig. 56.]

[Illustration: Fig. 57. Anreiben des Vorsatzes im tiefen Falz.]

In diesem Falle werden zwei Doppelblätter des erwählten Papieres, etwas

größer als der Band mit der farbigen Seite zusammengebrochen, am Bruch

3 mm breit mit Leim angeschmiert und genau +in+ den Falz, nicht aber

+auf+ den Falz und bis an den Rücken eingeklebt. Nach dem Anhängen des

farbigen Papieres wird dieses zurückgeschlagen, das erste weiße Blatt

mit mäßig dünnem Leim recht gleichmäßig und sauber angeschmiert, das

bunte Blatt zugelegt und leicht angerieben. Nachdem die andere Seite

des Buches in derselben Weise behandelt ist, wird der Band leicht

eingepreßt. Ist das Geklebte etwas abgetrocknet, so wird ein Zinkblech

zwischen die farbigen Blätter eingeschoben und am Buche her das

Überstehende sauber abgeschnitten. Nun wird die andere Blatthälfte auf

den Deckel »+angepappt+«, muß aber vorher passend geschnitten werden.

Zu diesem Ende legt man dieselbe in der Lage, wie sie aufzukleben ist,

auf den Deckel herüber und zeichnet mit dem Zirkel der Kante parallel

ringsum eine Linie vor, deren Abstand von der Kante sich nach der

Breite zu richten hat, die man dem inneren Rande geben will. In Fällen,

wo dieser Rand vergoldet werden soll, hat man sich darauf Rücksicht zu

nehmen. Diesem Zirkelstrich nach wird das Blatt auf einem untergelegten

Zinkblech bis an den Falz abgeschnitten; in dem Falz selbst bleibt das

Papier in ganzer Länge stehen, d. h. die auf dem Deckel aufgeklebte

Hälfte wird oben und unten kürzer als das erste Vorsatzblatt und der

Falz. An diesem her, genau in der Biegung, welche das Deckelblatt, der

»Spiegel«, um die Deckelkante macht, wird bis an den Zirkelstrich heran

mit der Schere eingeschnitten, so daß der vorhergehende Messerschnitt

mit dem Schereneinschnitt auf unserer Fig. (56) bei a zusammentrifft.

Nun wird unter das beschnittene Blatt zum Schutze von Vorsatz und

Buchschnitt Makulatur eingelegt, das Blatt sauber angeschmiert und

auf den Deckel geklebt. Das Anschmieren muß, wie beim Aufpappen des

ersten, sogenannten »+fliegenden Blattes+«, sehr gleichmäßig geschehen;

besonders aber ist das Anhäufen von Leim im Falz nachteilig, weil

erstlich das Gelenk unsauber, zweitens aber nicht trocken wird. Das

angeschmierte Blatt wird vorsichtig auf den Deckel herübergezogen,

wobei der Falz nochmals recht genau zu richten, der Deckel beizudrücken

ist. Zweckmäßig ist es, das Buch quer zu legen, die vordere Deckelkante

gegen den Körper zu stemmen und mit Daumen und Zeigefinger beider Hände

den Falz gut anzureiben; zu dieser Arbeit wird ein Stück Makulatur

vorgelegt, über das angerieben wird. Unsere Abbildung (Fig. 57) zeigt

das Anreiben des Falzes, doch ohne Papiervorlage.

In vielen Werkstätten wird diese Art des Vorsatzanpappens in der

Weise gehandhabt, daß das Doppelblatt auf den Falz bis in den Rücken

hereingeklebt wird. Das innere Blatt wird aufgepappt, und beide

Doppelblätter am Buche ringsherum abgeschnitten. Auf eingelegter

Makulatur wird angeschmiert und das nicht weiter abgeschnittene Blatt

angepappt. Diese Weise hat den Nachteil, daß der scharfe Bruch in das

Gelenk kommt und leicht durchreißt; zudem sieht das abgeschnittene

Blatt auf dem Deckel bei der vorher genannten Weise besser und

zierlicher aus. Vergl. Fig. 58.

[Illustration: Fig. 58. Tiefer Falz mit eingeklebtem Papiervorsatz.]

In den Grundzügen genau dasselbe Verfahren beobachtet man bei den

Bänden mit Kaliko- oder Lederfalz. Ersterer ist entweder mit dem

Vorsatz bereits vorgeheftet oder wird jetzt eingeklebt; Lederfalz

wird stets eingeklebt, und muß in allen den Fällen angewendet werden,

wo im Deckel eine breite vergoldete Kante den ganzen Spiegel umfaßt.

Die Breite des Lederfalzes richtet sich demgemäß auch nach der Breite

der Vergoldung. Selbst in dem Falle aber, daß die hintere Deckelkante

+nicht+ vergoldet wird, muß der eingeklebte Falz (Leder oder Kaliko)

auf den Deckel, wie auf das fliegende Blatt je 1 cm herübergehen.

Lederfälze werden vor dem Einkleben +durchaus+ dünn geschärft und mit

+Kleister+ eingeklebt. Kaliko wird mit +Leim+ geklebt. Der Falz muß

vorher auf Höhe passend, der auf den Deckel herüberreichende Flügel an

beiden Enden etwas schräg nach innen abgeschnitten werden. Scharfes

Anreiben und Beidrücken des Falzes ist hier genau wie bei der vorher

erwähnten Weise erforderlich. Ein mit dem Vorsatz +umstochener Falz+

wird über sich selbst zurückgeklebt, so daß er in der Breite des

Abpreßfälzchens doppelt liegt.

Wenn es sich darum handelt, die Kante ringsum zu vergolden, so muß

beim Einkleben des Lederfalzes, wie folgt, verfahren werden. Der auf

Höhe passend geschnittene Lederstreif wird eingeklebt, muß aber auf

dem Deckel genau nach der Gehrung geschnitten werden, d. h. er muß mit

den Rändern der Ober- und Unterkante im halben rechten Winkel wie ein

Bilderrahmen zusammenstoßen. Würde man den Streifen einfach über den

Kanteneinschlag des Deckels kleben, so läge das Leder an diesen Stellen

doppelt und bildete eine Erhöhung. Zur Vermeidung dieses Übelstandes

zeichnet man auf dem frisch geklebten Falze den Gehrungsschnitt vor und

durchschneidet auf diesem Lederfalz und Einschlag bis auf die Pappe,

indem man das scharfe, spitze Messer etwas schräg nach außen zu hält;

dadurch wird der Falz etwas unterschnitten, der Kanteneinschlag etwas

abgeschrägt. Indem der Falz nun ein wenig gehoben wird, löst man das

darunter liegende Lederstückchen des Einschlages bis an den Schnitt ab

und klebt den Falz so fest, daß er mit dem Einschlag zusammenstößt,

aber denselben nur so viel deckt, als dies durch den schrägen Schnitt

bedingt ist.

Nach dem Anpappen des ersten Falzes kann der ganze Band mit

aufgeschlagenem Deckel gewendet und sofort der zweite Falz eingeklebt,

bez. das Vorsatz angepappt werden, doch muß er nachher ruhig liegen

bleiben bis zum vollständigen Abtrocknen, was beim Lederfalz natürlich

länger dauert als beim Papier- oder Kalikofalz. Damit der unten

liegende, zuerst behandelte Falz nicht leidet, wird ein Preßbrett

untergelegt.

Bei eingeklebten Fälzen wird das Vorsatz hinterher so angehängt, daß

es genau bis an den Abpreßfalz reicht; war ein Falz mit umstochen, so

reicht es bis dicht an den zurückgebogenen Falz. Das Blatt für den

Deckel wird entweder bis dicht an die hintere Deckelkante herangesetzt,

oder aber, wenn die Kantenvergoldung ringsherum läuft, wird er dieser

gemäß eingesetzt. Hiernach hat man sich beim Zuschneiden zu richten.

Sollen die Kanten vergoldet werden, so hat dies vor dem Einkleben

des Spiegels zu geschehen. Es bedarf wohl kaum der Erwähnung, daß

gewisse Muster sowohl von marmorierten als gedruckten oder gepreßten

Papieren, die eine nach aufwärts gehende Richtung haben, nicht auf den

Kopf gestellt werden dürfen. Buntpapiervorsatz wird sofort nach dem

Einkleben mit einem heißen »+Glättkolben+« (Fig. 59) »+abgeglättet+«,

damit der Deckel sich nicht nachträglich wirft. Der Deckel soll nach

dieser Arbeit völlig eben erscheinen, auf keinen Fall darf er sich nach

außen Wölben, eher kann er nach innen zu eine leichte Wölbung haben.

Bei allen diesen Arbeiten wird auf den Arbeitstisch ein Tuch gelegt, um

ein Verkratzen der Außenseite des Buches zu vermeiden.

Der Bucheinband: Seine Technik und seine Geschichte · 第 9 / 18 段