Ist der Schnitt trocken, so beginnt das Glätten. Es erfordert einige

Übung, dem Schnitte den richtigen Grad von Trockenheit anzusehen, und

doch kommt viel darauf an, da bei zu geringer sowohl wie bei zu großer

Trockenheit der Schnitt matt bleibt. Am besten zeigt das Anhauchen des

Schnittes, ob man abglätten darf oder nicht. Steht der Hauch längere

Zeit, so ist der Schnitt zu naß; verschwindet er sofort, so ist die

Fläche zu trocken geworden. Den richtigen Zeitpunkt erkennt man

daran, daß der Hauch nicht zu langsam vom Rande her nach der Mitte zu

verschwindet, während nach dem hinteren Ende zu die Feuchtigkeit etwas

länger sichtbar bleibt.

Der erste Akt beim Glätten ist das sogenannte +Anglätten+. Ein Stück

Schreibpapier, das man zuvor erst leicht mit beiden Seiten über das

Haar zieht, wird über den Schnitt gelegt und dann der Zahn in Bewegung

gesetzt. Nach dem Anglätten überzeugt man sich, daß keine Fehler oder

Risse vorhanden sind, welche sonst durch aufgelegte Goldflicken

ausgebessert werden müssen. Zu dem Zwecke wird auf die schadhafte

Stelle gehaucht, und, solange der Hauch noch steht, das Gold aufgelegt

und angeglättet oder mit dem Zahne leicht aufgeklopft -- Schlag an

Schlag.

Nachdem man den Schnitt mit einem Wachsläppchen leicht überfahren

hat, wird die ganze Fläche Strich an Strich nicht zu kräftig und ohne

Hasten abgeglättet, dann nochmals mit dem Wachslappen überfahren und

beim dritten Male fertig geglättet. Finden sich dann noch schadhafte

Stellen, die stets eine Folge unvorsichtigen Glättens sind, so müssen

diese geflickt werden. Dabei wird auf die fehlerhafte Stelle ein

Tropfen reiner Spiritus gebracht und dann der Fleck +der Länge nach+

geglättet, während im übrigen, wie auch beim farbigen Schnitte, +quer+

geglättet wird.

Stellen sich weiße oder graue Stellen ein, so ist der Schnitt noch zu

feucht, oder aber er ist nicht genügend fest eingepreßt.

Sehr lange Goldschnitte pressen sich meistens in der Mitte schlecht,

da die Preßbalken bei längerem Gebrauche die Neigung haben, sich zu

biegen; man hilft sich, indem in der Mitte zwischen die erste und

zweite Spalte Abschnitte von Aktendeckeln oder dünnen Kartons eingelegt

werden.

[Illustration: Fig. 41. Zum Vergolden eingesetzter Oberschnitt.]

Der Vorderschnitt wird, nachdem er vergoldet worden ist, wieder

gerundet. Das Vergolden des Ober- und Unterschnittes erfolgt in

gleicher Weise wie beim Vorderschnitte. Beim Einpressen hat man aber

eine Vorsichtsmaßregel zu beobachten, damit der hohle Vorderschnitt

keinen zu starken Druck erhält und infolgedessen sich +verpreßt+, d. h.

runzelig wird. Dies geschieht, indem man eine zweite Spalte vorlegt,

diese aber nicht allein hinter dem oberen Schnittrande, sondern auch

hinter den Vorderschnitt etwas zurücksetzt, so daß dieser selbst keinen

eigentlichen Druck erhält. (Fig. 41).

Man nimmt zum Einpressen von Oberschnitten meist zwei Querbretter,

welche besonders zum Goldschnittmachen gehalten werden; diese müssen

scharf in den Falz gesetzt sein. Zum Zurücksetzen werden dann

Längebretter genommen, die nicht Gefahr laufen, abzubrechen.

Es ist hier noch nachzutragen, daß der Goldschnitt, wenn er in geradem

Zustande vergoldet wird, doch vorher gerundet und abgepresst sein

muß; er wird zum Beschneiden dann aufgebunden. Immerhin kann es auch

einmal vorkommen, daß ein Band vor dem Abpressen vergoldet werden muß.

In diesem Falle ist es erforderlich, daß das Buch erst rundgeklopft

und dann wieder geradegestoßen wird; geschieht dies nicht, so ist zu

besorgen, daß die Bogen beim späteren Runden vorschießen.

Bei dem Vergolden des ausgerundeten Schnittes (Hohlschnitt) ist das

Verfahren im allgemeinen dasselbe. Zum Schaben bedient man sich in

diesem Falle einer Ziehklinge mit gerundeter Schneide, die bequem in

die Rundung des Schnittes paßt und darin hin- und hergeführt werden

kann. Bei Bänden, in denen Karten oder Photographien vorkommen, oder

bei Photographie-Album-Bänden wird der Schnitt vorher +ausgeraspelt+.

Es dient hierzu eine sogenannte Strohfeile, deren beide Enden nach oben

gebogen und die dann mit Handgriffen versehen sind.

Zum Auftragen des Goldes kann man beim Hohlschnitt den Anschießer

nicht gebrauchen. Statt seiner bedient man sich zweier Fäden, die auf

ein leichtes Rähmchen von Holzstäbchen verschiebbar gespannt sind.

Die Breite der Hohlkehle wird durch Einlegen eines Streifens Papier

genau ausgemessen und mit einer Zugabe für ungenaues Auftragen auf

die Fäden übertragen, d. h. die Fäden werden auf die gefundene Breite

eingestellt. Ebenso wird in dieser Breite das Gold zugeschnitten;

jedoch werden die Blattlängen nicht einzeln aufgenommen, sondern in

der Ausdehnung des ganzen Schnittes aneinander gehängt. Ein Blatt wird

ans andere so angeschoben, daß es das vorhergehende etwa 2 mm deckt,

bis die lange des Schnittes erreicht ist. Die Ränder werden aneinander

befestigt, indem man sie mit der flachen Kante des Messers an der

Verbindungsstelle aufeinander drückt. Dieser lange Streifen wird nun

mit dem Rähmchen, bez. mit den beiden Fäden, mit denen man wie bei

dem Anschießer zuvörderst über das Haar fährt, an den Längsseiten

aufgenommen. Damit nun das Gold in die Rundung paßt, werden die Fäden

so weit zusammengeschoben, daß die Rundung der Goldstreifen ungefähr in

die Höhlung paßt; auf genaues Passen kommt es dabei nicht an, da die

Feuchtigkeit das Gold schon anzieht.

Die weitere Behandlung des Hohlschnittes ist dieselbe wie diejenige des

flachen Schnittes.

Eine eigentümliche Verzierung wird dem Goldschnitt durch Untermalung

(auch durch Unterfärbung und Untermarmorierung) gegeben, welche

erst bemerkbar wird, wenn man das Buch aufschlägt und der Schnitt

sich lockert. Die Bemalung, bez. Marmorierung geschieht dann nicht

an dem festen Schnitte, sondern die Blätter des Buches werden ein

wenig schräg aufgeschoben und in dieser Stellung durch ein Band

festgehalten; die schräge Fläche wird entweder mit Aquarellfarben

bemalt, in gewöhnlicher Weise marmoriert, oder mit dem Pinsel gefärbt.

Eine besondere künstlerische Fertigkeit erfordert die erstere Art,

während beim Marmorieren und Färben nur einige Vorsicht zu empfehlen

ist, damit die Farben nicht in das Buch laufen; beim Färben darf der

Pinselstrich nicht mit den Blättern gleichlaufen, sondern muß von oben

über dieselben herabgeführt werden. Wer nicht selbst malt, sondern die

Arbeit von einem Künstler fertigen läßt, der halte denselben dazu an,

die Farben vorsichtig und sparsam aufzutragen, kräftige Deckfarben

aber ganz auszuschließen. Anderenfalls kleben sehr leicht die Blätter

aneinander, und nicht allein der darüber kommende Goldschnitt, sondern

auch die Malerei leiden Schaden.

Ist ein solcher Schnitt völlig trocken geworden, so wird er aus

der schrägen Stellung gelöst, gerundet oder in gerader Stellung

in gewöhnlicher Weise vergoldet, wobei aber mit Vorsicht geschabt

wird, damit keine Stellen der Untermalung verloren gehen. Diese Art

Doppelschnitte, die sich erst während des Aufblätterns zeigen, sind

erst in der Mitte des 18. Jahrhunderts in Aufnahme gekommen und haben

nie eine ausgebreitete Verwendung gefunden. Das Beste derart, was

dem Verfasser bekannt geworden, ist eine im Besitze des Buchhändlers

Lempertz zu Köln befindliche Geschichte des siebenjährigen Krieges mit

Aquarellen in Chodowieckischer Darstellungsweise.

Ungleich bestechender auf den ersten Blick sind die +punzierten

Schnitte+, deren Ausführung für den, der etwas zeichnen kann, eine

verhältnismäßig leichte ist. Es gibt dabei zwei Arbeitsweisen mit

verschiedenem Erfolge: Grund matt, Ornament hochglanz, und umgekehrt

Ornament matt, Grund hochglanz.

Die Herstellung ist folgende. Genau zur Größe und Breite des Schnittes

passend, wird eine Zeichnung entworfen und mit Pauspapier in der Weise

übertragen, daß auf der mit Reißzwecken über dem in gewöhnlicher Weise

hergestellten Schnitte befestigten Pause der Kontur mittelst eines

stumpfen Metallstiftes nachgefahren wird. Die Zeichnung wird dann,

wenn auch sehr leicht, doch deutlich sichtbar auf dem Schnitte stehen.

Wenn die Vorderschnitte nicht zu schmal sind, können sie auch als

Rundschnitte in dieser Weise behandelt werden. Derselbe Stift, mit

dem die Zeichnung aufgepaust wurde, dient nun auch zum Punktieren des

Konturs auf dem Schnitte selbst. Am besten macht man sich einen solchen

Stift selbst aus einer stählernen Häkelnadel zurecht, indem man das

kleine Häkchen an der Spitze abzwickt, die Spitze stumpf-kegelförmig

anfeilt und auf einem Ölsteine durch fortwährendes Hin- und Herziehen

unter drehender Bewegung poliert. Ein solcher Stift, der in einen

handlichen Holzgriff eingesetzt wird, soll nicht kratzen oder reißen,

vielmehr, auf dem Schnitte hingezogen, eine hochglänzende, wenig

vertiefte Rinne hinterlassen.

Mit diesem Stifte drückt man, Pünktchen an Pünktchen, den Kontur

der Zeichnung nach, so daß diese wie aus fortlaufenden Perlenlinien

zusammengesetzt erscheint. Adern, Blattrippen können dann als gezogene

Linien, also nicht punktiert, eingetragen werden, was sehr zur Hebung

der Wirkung beiträgt. Das Mattieren des Ornaments, oder auch, wenn

die umgekehrte Behandlung beabsichtigt ist, des Grundes, auf dem das

Ornament steht, wird mit einem +Mattierpunzen+ erzielt, indem dieser

den Umrissen gemäß mit der linken Hand geführt wird, während die

rechte ihn mit einem kleinen, leichten Hämmerchen von oben trifft. Die

Schläge müssen ganz leicht geführt werden, da schon der leiseste Druck

das Muster des Punzens in den Schnitt eindrückt und zu starker Druck

Quetschungen des Papieres verursacht, die beim Aufblättern sichtbar

werden. Je kleiner das Muster, desto schöner ist die Mattierung. Im

allgemeinen ist es zweckmäßig, sofort nach Übertragung des Musters

zu punzieren und dann erst den Umriß zu punktieren, da der vorher

ausgeführte Kontur durch das Mattieren an Stärke verliert.

[Illustration: Fig. 42 u. 43. Stempel zum Punzieren der Schnitte (um

1700, Wetzlar).]

Durch Anbringen kleiner Stern- oder Ringpunzen an geeigneter Stelle

kann noch vielfache Abwechselung in den Schnitt gebracht werden.

Im 17. und 18. Jahrhundert bediente man sich häufig gravierter Stempel

zum Punzieren, die dann in vielfacher Abwechselung zum Abdruck gelangen

konnten. (Fig. 42 und 43.) Doch erlangten solche Schnitte nie den Reiz

der in obiger, ältester Weise verzierten Arbeiten.

Diese Zierschnitte lassen sich auch herstellen mit +zweierlei Gold+

derart, daß der Grund oder das Ornament sich in der Goldfarbe

unterscheiden. Die Arbeit ist ebenfalls nicht schwer, wenn auch etwas

umständlich. Man wählt dazu ein Muster, das kräftige, nicht kleinliche

Formen zeigt. Dieses wird auf Pauspapier übertragen und dann durch

Ausschneiden eine Schablone hergestellt. Es leuchtet ein, daß man

schon beim Entwerfen darauf bedacht sein muß, daß die einzelnen Teile

genügenden Zusammenhang haben; deshalb ist es zweckmäßig, den Grund

der Schablone stehen zu lassen, das Ornament aber herauszuschneiden.

Nachdem der Goldschnitt in einer Farbe (meist Dunkelorange) aufgetragen

und fertig geglättet worden, macht man Gold zu einem zweiten Auftrage

zurecht, am besten Zitron- oder Grüngold. Der ganze Schnitt wird

nun rasch, aber reichlich mit klarem Brunnenwasser überfahren, die

Schablone so aufgelegt, daß das Muster in der Mitte steht, nochmals

das Ganze mit Wasser überfahren, das zweite Gold aufgetragen und der

Band zum Abtrocknen beiseite gestellt. Sowie der Schnitt halbtrocken

ist, beginnt die Schablone sich abzulösen; man glättet über dieselbe

unter Auflage von glattem Papier den Schnitt an, läßt noch kurze Zeit

abtrocknen, entfernt die Schablone und glättet fertig. Auf einem

dunklen Grunde erscheint dann das hellere Ornament, welches jedoch

erst durch das Konturieren und Punzieren den rechten Reiz erlangt. Die

weitere Behandlung stimmt mit der oben angegebenen überein.

Das Bemalen, richtiger das Ausschaben und Ausmalen von Goldschnitten,

ist eine Fortsetzung oder weitere Ausführung des punzierten Schnittes;

einzelne Teile des Ornaments werden mit einem feinen Messer, dessen

Spitze diesen Schliff hat [Bild] ausgeschabt und mit Aquarellfarben

ausgemalt. Es ist dabei zweckmäßig, den Grund zu mattieren, vom

hochglänzenden Ornament aber überall da Teile stehen zu lassen, wo

grelle Lichter oder etwa Blattrippen, einzelne Punkte oder dergleichen

im farbigen Ornament stehen sollen. Selbstverständlich kann auch

zweierlei Gold, wie vorstehend beschrieben, Verwendung finden.

Erwähnt sei hier noch, daß gegen das Jahr 1880 eine Neuerung auf dem

Gebiete des Zierschnittes viel von sich reden machte. Aber so plötzlich

sie auftauchte, so spurlos verschwand sie auch wieder; es war dies eine

Art +Überdruck+ auf den fertigen Schnitt. Eine gravierte Platte oder

ein Klischee wird mit einem hellen Überdrucksfirnis eingewalzt und mit

einer dünnen Leimhaut -- Buchdrucker-Walzenmasse -- bedeckt, so daß

das Muster sich auf diese überträgt. Diese Leimhaut wiederum wird auf

den Schnitt übertragen und das Muster durch leichtes Andrücken dort

abgedruckt. Indem nun der ganze Schnitt mit Bronze eingestäubt wird,

vollendet man die Musterung des Schnittes.

Wir tragen noch die Bemerkung nach, daß bei Photographie-Albums der

Vorderschnitt, der des dicken Kartons wegen Absätze zeigt, mit einer

sogenannten +Rund+schneide-Maschine ausgefräst wird. Auch zum Abglätten

des Goldschnittes sind Maschinen erfunden, haben sich aber nicht

einzubürgern vermocht.

* * * * *

Wir kommen nun zu der Besprechung des +Kapitals+ oder +Kapitälchens+,

der schon oft erwähnten Ziernaht am Kopf- und Schwanzende des

Buchrückens. Im allgemeinen wird heute das gewebte Kapital in solchem

Umfange angewendet, daß es sich kaum verlohnen würde, die Anfertigung

des von der Hand des Arbeiters durch Umstechen hergestellten

Kapitals zu beschreiben, wenn nicht neuerdings wieder darauf Gewicht

gelegt würde, daß besonders bei feinen Einbänden, namentlich guten

Halbfranzbänden, das Kapital durch Handarbeit beschafft wird.

[Illustration: Fig. 44. Mit Seide vierteilig umflochtenes Kapital

(italienisch, um 1500).]

Schon oben S. 33 erwähnten wir, daß in frühester Zeit, wie auch beim

orientalischen Bande, der unbeschnitten bleibt, das Kapitälchen während

der Arbeit des Heftens angestochen wurde.

[Illustration: Fig. 45. Mit zweifarbener Seide umflochtenes Kapital.]

[Illustration: Fig. 46. Mit Lederriemen durchflochtenes Kapital (von

außen gesehen).]

Das älteste Kapital war demnach ein Streifchen Leder oder Pergament,

das an jeder Lage ober- und unterhalb mit angeheftet wurde. Später

umwebte man dieses Kapital noch in der mannigfachsten Weise, und zwar:

schräg umflochten

a) mit Seide als 4teilige Flechtung (Fig. 44);

b) mit Leder als 4- oder 6teilige Flechtung;

gerade umstochen

a) mit 2 Farben Seide und kleiner Kettennaht daneben (Fig. 45);

b) mit 1 Lederriemchen und Kette (Fig. 46);

c) mit 2 Riemchen und Kette daneben;

d) mit 2 Farben Seide, kleiner Kette und doppelter Einlage

(Fig. 47).

[Illustration: Fig. 47. Zweifarbiges Seidenkapital mit doppelter

Einlage (italien., 16. Jahrh.).]

[Illustration: Fig. 48. Kapital vom Berge Athos.]

Diese ältesten Kapitale sind stets mit durch den Deckel des Buches

gezogen ganz in der Weise, wie es mit den Bünden der Fall ist. Sehr

eigentümlich erscheint die Behandlung bei den Bänden, die in der

uralten, aus 23 Klöstern bestehenden Mönchskolonie am +Berge Athos+,

einem Vorgebirge der chalcidischen Halbinsel, hergestellt wurden,

ebenso bei einzelnen frühen Bänden italienischen Ursprungs. Das Kapital

ist hier erst nach dem Ansetzen der Deckel umstochen; die Einlage

besteht aus einer kräftigen, gedrehten, auf der hohen Kante des Deckels

etwa 5 cm langen, in eine kleine Rinne eingelassenen Hanfkordel, die

durch ein Loch in den Deckel selbst hineingeklebt, auch wohl noch mit

einem Holzpflöckchen darin eingekeilt und dann erst mit dem Faden

umnäht worden ist. Beim Überziehen des Deckels mit Leder wurde der

Einschlag, soweit notwendig, unter dem auf der Deckelkante aufliegenden

Kapitalstück durchgeschoben. Sehr zierlich sah es eben nicht aus;

gehalten hat es aber. (Fig. 48.)

Die ältesten, mit Leder umflochtenen Kapitale sind nicht selten,

nachdem der Einband fertig war, durch das Leder des Rückens hindurch

angeflochten, was recht gut aussieht und dem Rücken vorzüglichen Halt

gewährt.

Eine einfache Art, das Kapital am fertigen Buche anzubringen, findet

man an alten Einbänden dadurch erreicht, daß der Einschlag des Rückens

über ein in beiden Deckeln befestigtes Stück Hanfkordel eingeschlagen

und nachher mit einigen großen Stichen durch Rücken, Einschlag und

oberen Teil des Buches hindurch kunstlos durchnäht ist, wie etwa

heute der Sattler die Kanten der Lederkoffer durchnäht. Diese Art war

ebenfalls nicht schön, aber dauerhaft.

Aus jener Zeit -- 14. Jahrhundert -- kann man fast an jedem Bande

eine andere, wenn auch auf demselben Grundsatz, nämlich dem der

größtmöglichen Haltbarkeit beruhende Form des Kapitals finden. Dies

änderte sich erst, als die Buchbinderei zu einem bürgerlichen Gewerbe

wurde.

Das Kapital wird nun meist mit farbigem Leinengarn, oft mit Seide nach

dem Ansetzen der Deckel umstochen, ohne daß schon beim Heften hierzu

Vorkehrungen getroffen werden können. Noch heute wird in +England+ und

+Frankreich+ in derselben Weise umstochen, und zwar der Hauptsache

nach immer in gleicher Weise, wenn auch in der Anordnung Abänderungen

vorkommen. Stets werden dabei zwei Seidenfäden von verschiedener

Farbe verwendet, die an den Enden oder in der Mitte durch kurze,

andersfarbige Zwischensätze unterbrochen werden. Das Kapital, das

aus einem eingelegten Leder- oder Pergamentstreifen besteht, wird

dabei lediglich mittelst der Seidenfäden am Buche festgehalten. Am

schwierigsten ist der Anfang, bis die erste Befestigung zwischen Buch,

Einlage und den umstechenden Seidenfäden hergestellt ist. Diese werden

in dünne, lange Nadeln gefaßt, bleiben der ganzen Länge nach doppelt

und werden an den Enden aneinander geknüpft. Mit dem ersten Bogen

links wird begonnen und durch dessen Bruch vom Rücken her der eine

Faden eingeführt; derselbe tritt dann auf dem Schnitte dicht am Rande

heraus, wird bis an den Knoten durchgezogen und einstweilen beiseite

gelegt; am besten hängt man den jeweilig nicht arbeitenden Faden mit

Nadel in die Höhlung des Vorderschnittes. Zum Kapitalumstechen kann

man den Band auf die hohe Kante stellen; besser ist es, den Band,

etwas mit dem Rücken zurückgeneigt, in einen Vergoldeklotz zu spannen.

(Fig. 49.) Das am Rücken heraushängende Ende wird über den aufrecht

gestellten Einlagestreifen weg durch den ersten Stich wieder nach

außen und nochmals über die Einlage geführt; die Nadel wird an Stelle

der ersten weggelegt. Der erste Faden übergreift jetzt den zweiten und

zieht ihn als beginnendes Kettennähtchen in das Kapital herein, indem

ersterer unter der Einlage nach außen geführt, angezogen, über die

Einlage zurück und in der Nähe des zweiten Bogens durch den Rücken nach

außen gestochen wird; nochmals umschlingt man die Einlage und wechselt

die Nadeln. Der vorhergehende Faden übergreift den letzteren, zieht

denselben ins Kettennähtchen herein, geht über die Einlage nach vorn

durch den Bogen nach außen, umschlingt zum zweitenmale und wird von

der anderen Nadel abgelöst. So geht es fort, bis am Schlusse die Fäden

verknüpft, die Enden verklebt werden (Fig. 50).

[Illustration: Fig. 49. Ein zum Umstechen des Kapitals in den

Vergoldeklotz eingesetzter Band.]

[Illustration: Fig. 50. Zweifarbig umstochenes Kapital.]

In +Deutschland+ machte man die Arbeit ein wenig anders. Am Rücken

klebte man ein Stückchen dünnes Schafspergament so an, daß es am

Kapital schmal überstand; an dieses wurde ein Streifchen Leder angelegt

und in ähnlicher Weise wie vorstehend umstochen, nur mußte bei jedem

Stich durch das Pergament durchgestochen werden; alle 3 bis 4 Stiche

stach man tief in den Band unter dem Fitzbund, sonst aber nur unter

der Einlage durch. Auch bei der vorgenannten französischen Art stach

man nicht bei jeder Tour ein, sondern ließ ebenfalls einige Stiche

vorübergehen.

Unsere jetzige, in Deutschland meist angewendete Art ist folgende. Ein

Streifchen steifes Pergament oder rundgedrehtes Leder wird auf einen

etwa 3 cm breiten, an einem Rande mit Kleister angeschmierten Streifen

Baumwollzeug so geklebt, daß noch ein schmales Rändchen des Stoffes

über die Einlage herüber eingeschlagen werden kann. Dadurch erhält man

einen an einer Seite mit einem Wulst versehenen Streifen, der nach dem

Abtrocknen am Rücken mit Leim festgeklebt und, an beiden Enden mit

dem Falz abgleichend, passend geschnitten wird. Wie bei den ältesten

Bänden ist auch hier eine bereits befestigte Grundlage für das Kapital

geschaffen, welche, wie oben angegeben, umstochen wird.

Soll auf dem Kapital noch ein zweites Leistchen, also eine doppelte

Einlage vorhanden sein, so wird ein dünnes Fädchen oder rundgedrehtes

Lederstreifchen eingelegt und, bevor man den Faden nach vorn bringt,

jedesmal zuvor umschlungen. An älteren griechischen Bänden findet sich

eine ähnliche Weise, doch wurde jede Farbe mit 2 Nadeln gestochen, so

daß im ganzen 4 Nadeln im Gange waren; es wurden von derselben Farbe

dann etwa 6 Stiche hintereinander gemacht und bei jedem Stiche die eine

Nadel der vorhergehenden Farbe oberhalb der Einlage mit umschlungen.

Nach dem letzten Stiche jeder Farbe zog man die Nadel mit dem Faden bis

ans Ende durch, welcher dann als zweite Einlage diente, und nun kam

die andere Farbe in derselben Länge und in derselben Anwendung an die

Reihe. Diese Kapitale sehen sehr regelmäßig und gut aus, sind aber nur

für dickere Bände verwendbar.

Ein Gegenstück möglichst liederlicher Arbeit, leider deutschen

Ursprungs, finden wir am Ende des 18. Jahrhunderts. In der Zeit

der farbigen Pergamentbände wurde ein Streifchen Pergament, wenig

überstehend, am Rücken angeklebt und mit einem farbigen Faden --

meistens nicht einmal Seide -- überwendlings und in recht langen

Stichen übernäht, ohne daß auch nur einmal das Buch selbst angestochen

wurde. Ein derartiges Kapital gab dem Buche keinerlei Halt, eine

Verzierung war es ebensowenig.

Als besondere Eigentümlichkeit sei noch das +orientalische Kapital+

vorgeführt. Während unsere abendländischen Kapitale das Bestreben

haben, aufwärts zu stehen, so liegt das orientalische flach auf dem

Buchschnitte auf, und zwar mit Recht. Unsere Einbanddecken haben

ausnahmslos vorstehende Kanten; der orientalische Band behilft sich

ohne dieselben, die Deckel gleichen mit dem Buche völlig ab. Es wurde

schon gesagt, daß das orientalische Kapital beim Heften der Blätter mit

angeheftet wird. Die Art, wie dies geschieht, läßt unsere Abbildung

(Fig. 51) erkennen.

Zwei verschiedenfarbige, zusammengedrehte Doppelfäden werden in der

Mitte zusammengeschlagen und an einem Endbogen fest geheftet, durch

jeden Bogen, über den Schnitt und zwischen den 4 Fäden durch wird der

webende Seidenfaden geführt, so daß die gleichfarbigen Fäden je einmal

über und einmal unter denselben zu liegen kommen, d. h. zu jedem Stich

werden alle Fäden derselben Farbe hochgehoben und unter denselben der

Faden durchgeführt; zum nächsten Stiche kommen dann die anderen hoch.

Meistens liegt unter dem Ziermäschchen noch ein dünnes Streifchen Leder.

[Illustration: Fig. 51. Orientalisches Kapital.]

Der Bucheinband: Seine Technik und seine Geschichte · 第 7 / 18 段