Erstere werden, soviel man deren bequem fassen kann, zwischen Spalten

geradegestoßen und sofort getaucht. Das Geradestoßen erfolgt auf

einem anderen Tische, auf einem Steine oder einer Eisenplatte. Das

Eintauchen erfolgt, wie beim Papier, von einer Ecke nach der schräg

gegenüberliegenden zu, damit keine Luftblasen entstehen. Besonders fest

satinierte Papiere nehmen nicht gern Feuchtigkeit an; es empfiehlt sich

deshalb in solchem Falle, die Schnitte mit Essig oder Alaunwasser zu

überfahren, worauf sie die Farbe willig annehmen.

Sowie der Farbenteppich abgehoben ist, werden die Spalten von den

Bänden entfernt und diese verschränkt übereinander gesetzt, damit der

anhaftende Grund bequem ablaufen kann. In vielen Werkstätten werden

sofort nach dem Abheben der Farbe die Schnitte in ein Becken mit klarem

Wasser getaucht, um den Grundüberschuß abzuschwemmen; wieder andere

Meister lassen die Schnitte abblasen oder mit einem großen Schwamme

abtupfen.

Diese Art Marmor nennt man +Großmarmor+, da die Tropfen verhältnismäßig

groß bleiben, oder auch türkischen Marmor. Als türkischen Marmor

bezeichnet man jeden großaderigen Marmor, der nur aufgesprengt, nicht

aber mittelst eines Kammes, eines Stiftes oder dergleichen gezogen

wurde. In der That finden sich an orientalischen Bänden aus dem 17.

Jahrhundert Vorsätze von derartigem Großmarmor.

Wie die zweifarbigen, werden auch die mehrfarbigen Schnitte behandelt,

nur muß dabei das Abstimmen der Farben untereinander mit viel Sorgfalt

geschehen; auch ist es notwendig, auf die Zusammenstellung der Farben

zu achten, die wieder von der Farbe des Leders, Überzugs und Vorsatzes

bedingt sein kann.

Wenn die Farben vor dem Abheben mit einem Hölzchen nach folgendem

Schema quer, nachher mit einem Kamme, dessen Herstellung weiter unten

angegeben ist, der Länge nach durchzogen werden, so entsteht der

sogenannte +Kammmarmor+. Nur die Spitze des Hölzchens darf dabei die

Oberfläche des Grundes berühren; die Farben ziehen dem Stifte nach und

folgen seiner Spur, und es entsteht die eigentümliche, federähnliche

Verschiebung der Farben (Federschnitt). Zu diesem Zwecke müssen die

Farben recht vorsichtig aufgesprengt werden, denn wenn statt zwei

Farben ihrer fünf die Oberfläche decken sollen, darf jede einzelne nur

ein Fünftel des Raumes für sich beanspruchen. Die Farben werden stets

über die Mitte gesprengt; doch soll vor Aufsprengen der letzten Farbe

nach den Rändern zu immer noch so viel Raum vorhanden sein, daß die

getriebenen Farben sich noch ausbreiten können. Ist dies nicht der

Fall, so laufen sie ab, da sie nicht mehr nebeneinander Platz finden,

schieben sich übereinander und vermischen sich.

[Illustration]

Man achte bei der Zusammenstellung auf hübsche Kontraste, sprenge auch

zuletzt einige Tropfen einer Mischung von Galle und Wasser auf, um

weiße Adern zu erzielen.

Wenn beim Durchziehen mit dem Stifte eine oder die andere Farbe nicht

folgen will (Gelb z. B. schiebt sich gern in unregelmäßigen, krausen

Linien zwischen die anderen hinein), so setze man sie hinter den

folgsameren zurück. Ist sie aber schon die letzte, so wird sie mit

etwas Wasser wenig verdünnt, erhält auch nötigenfalls einen Tropfen

Galle.

Wenn der Grund zu kräftig ist, so folgen die Farben dem Stifte nicht

genügend; fährt man zu tief in den Grund hinein, so werden durch die

Bewegung des Grundes die Linien unruhig und schwankend, deshalb soll

nur die äußerste Spitze die Farben führen. Ganz ebenso handhabt man den

+Marmorierkamm+, über dessen Herstellung folgendes zu bemerken ist.

Zwei Pappstreifen, jeder 5 cm breit und so lang, wie das Becken

breit ist, werden zugeschnitten. Der eine wird mit kräftigem Leim

angeschmiert und auf demselben eine Anzahl langer Stecknadeln so

geordnet, daß deren Köpfe etwa einen cm weit auf der Pappe kleben,

die Spitzen aber über den Rand hervorsehen. Die Nadeln selbst werden

genau in gleicher Entfernung aufgeklebt, und zwar so, daß auf je 10 cm

Kammlänge etwa 35 Nadeln kommen. Man kann indes, je nachdem man die

Musterung breit oder schmal halten will, die Nadelweite geringer oder

größer machen. Die Köpfe werden sämtlich genau in eine Linie gerichtet,

so daß auch die Spitzen in gleicher Länge hervorsehen. Der zweite

Streifen wird ebenfalls angeschmiert, auf den ersten aufgeklebt und der

so hergestellte Kamm fest eingepreßt; später kann er dann noch mit

festem Papier oder mit Leinwand überzogen werden.

Um die erste Farbe, welche aufgesprengt wurde, recht gleichmäßig

in den ganzen Schnitt zu verteilen, durchzieht man diese vor dem

Aufsprengen der weiteren Farben mit dem Stifte, wie dies vorhin gesagt

wurde, jedoch nicht quer, sondern der Länge nach. Hat man die Farben

für einander passend zugerichtet, so halte man auch stets dieselbe

Reihenfolge genau ein; hat man eine Anzahl von Schnitten gemacht,

so versäume man nicht, den ganzen Grund wieder umzurühren. Viele

Marmorierer sprengen die Farben nicht nach der Mitte zu auf, sondern

die erste auf die Mitte, die zweite längs den beiden Rändern, die

dritte zwischen diese Farbenreihen; es hat dies allerdings einige

Vorzüge, weil man die Farben kräftiger zur Wirkung bringt, dagegen

den Nachteil, daß dieselben nicht so gleichmäßig verteilt sind, was

besonders bei breiten Schnitten sich bemerkbar macht.

Eine beliebte Art der Marmors ergibt sich, wenn man die erste Farbe,

Rot oder Blau, als Grundfarbe behandelt, der Länge nach durchzieht, und

dann nur noch eine oder zwei dunklere Farben, die nicht allzukräftig

treiben, einsprengt.

Der Kammmarmor läßt sich noch mit einigen Abänderungen ausführen, die

eine besondere Kunstfertigkeit nicht voraussetzen.

Erstlich kann ein Kamm verwendet werden, dessen Nadeln nicht

gleichmäßig stehen, sondern so, daß nach je einem oder zwei engen

Zwischenräumen ein breiterer kommt.

Zweitens kann, indem man den Schnitt mit dem Kamme ein zweitesmal,

aber in der entgegengesetzten Richtung durchzieht, der sogenannte

zurückgezogene Kammmarmor hergestellt werden.

Drittens kann der Kammschnitt nochmals in bestimmten Formen gezogen

werden, indem mit einem zweiten Kamme, ähnlich dem ersten, Figuren,

Windungen oder Schnecken beschrieben werden. Der zu diesem Zwecke

dienende Kamm wird nicht aus Nadeln, sondern aus hölzernen Stiften

gebildet, die gleichweit, je 3 bis 6 cm, von einander stehen, weil der

erste Marmor den Nadeln nicht genügend folgen würde. Der Kamm muß in

diesem Falle schmaler sein als das Becken der freien Bewegung wegen,

die man mit ihm auszuführen hat.

[Illustration: Fig. 39 a. Zugformen für Kammschnitt.]

Der verwendbarste Marmor dieser Art ist der sogenannte +Pfauenmarmor+;

er erfordert jedoch eine besondere Art Doppelkamm zum Durchziehen, der

folgendermaßen angefertigt wird.

Ein kleines Brettchen, etwas kürzer als das Becken breit ist, wird mit

zwei Reihen kleiner Bohrlöcher versehen, deren eins vom anderen etwa 2

bis 2½ cm entfernt ist; die Löcher der zweiten Reihe stehen jedesmal

genau mitten zwischen denen der ersten. In jedes Bohrloch wird ein

dünner, unten leicht zugespitzter Holzstift eingeleimt.

[Illustration: Anordnung der Holzstifte des Doppelkammes für

Pfauenmarmor.]

Mit dieser Vorrichtung wird der gewöhnliche Kammmarmor der Länge nach

durchzogen, indem man jedoch zugleich eine Querbewegung nach Art einer

Zickzacklinie macht, etwa so:

[Illustration]

Stellt man sich in derselben Weise einen Kamm her, dessen Stifte nur

halb so weit voneinander entfernt sind, und durchzieht man mit diesem

den nur quer mit dem Stift, aber nicht mit dem gewöhnlichen Kamme

gezogenen Farbenteppich, so erhält man den sogenannten +Augenmarmor+.

Der zum Durchziehen zu benutzende Stift besteht am besten aus einem

etwa 4 bis 5 mm breiten und 2 mm dicken Stäbchen. Alle Werkzeuge,

Pinsel, Kämme und Stifte müssen stets durchaus sauber gehalten und nach

jedesmaligem Gebrauch gereinigt werden.

Die während des Marmorierens verwendeten Spalten und Bretter müssen

nach jedesmaligem Tauchen sofort gut abgetrocknet werden; kommen

sie nur noch etwas feucht bei einer neuen Partie mit dem Grunde in

Berührung, so stoßen sie sofort die Farben beiseite und der Schnitt

ist verdorben. Es empfiehlt sich deshalb, eine Reihe von Spalten und

Brettern nacheinander zu benutzen; die Spalten werden dann wieder

völlig trocken sein, wenn die Bretter ihren Dienst geleistet haben.

Ein etwas anderes Verfahren, als das für den Kammmarmor geeignete,

erfordert der sogenannte +Schmaladerschnitt+, auch wohl +französischer

Marmor+ genannt, weil er meist die französischen Landesfarben, Blau,

Rot und Weiß, zeigt.

Der Grund, wie er für Kammmarmor paßt, wird mit etwa dem vierten Teile

Wasser verdünnt; desgleichen müssen auch die Farben durch Zusatz von

Wasser verdünnt werden, so daß die Flüssigkeit um etwa ein Drittel

vermehrt wird. Nötigenfalls werden auch einige Tropfen Galle zugegeben.

Die Arbeit wird wieder mit einer Probe eingeleitet, indem man einen

Tropfen auf den Grund fallen läßt. Derselbe muß sich sofort bis

zur Breite des Beckens ausdehnen, anderenfalls erhält er einen

Gallenzusatz. Zieht er sich wieder stark zusammen, so ist der Grund zu

dick und muß verdünnt werden. Erst wenn die Farbe ganz genau abgepaßt

ist und mehrere aufgesprengte Tropfen das Becken fast bedecken, kann

zum Treiben der Adern übergegangen werden. Man bedient sich dazu

neuerdings des Seifenspiritus, der in jeder Kräuterhandlung zu haben

ist, an Stelle der früher üblichen verdünnten Galle. Mit dem dicken

Pinsel (Schlagpinsel), dessen Anfertigung oben (S. 64) beschrieben

wurde, spritzt man lauter feine Tropfen auf den Grund, die auf diesem

Augen bilden und alsbald die erste auf dem Grunde schwimmende Farbe zu

mehr oder weniger feinen Adern zusammentreiben. Der Pinsel wird dabei

lebhaft über eine Leiste geschlagen und das Augenmerk darauf gerichtet,

daß die Tropfen gleichzeitig die ganze Breite des Grundes besprengen,

damit nicht, wie es beim Aufsprengen mit dem kleinen Pinsel der Fall

ist, die Farbe von der Mitte nach den Rändern zu treibt. Anderenfalls

würde die sehr verdünnte Farbe nicht genügend zusammengetrieben werden.

Um einen ganz feinen Marmor zu erzielen, bedient man sich statt des

Schlagpinsels besser eines Sprenggitters nebst Bürste, mit deren Hilfe

eine gleichmäßigere Äderung erreicht wird.

Ebenso kann man den Grund farbig machen, wenn man der letzten Farbe

einige Tropfen Seifenspiritus zusetzt, wie auch bei weißem Grunde dem

reinen Wasser; auf 1/10 Liter genügen etwa 20 Tropfen Seifenspiritus.

Zu viel Seifenspiritus giebt keinen Schmaladerschnitt; die Farben

können dann nicht dem kräftigen Triebe standhalten, haben aber auch

nicht den Raum zum Ausweichen; sie werden deshalb von dem Grunde

überlaufen und schwimmen vom eingetauchten Schnitte ab. Außerdem aber

vereinigen sich die Spiritusteilchen mit dem Grunde und dieser läßt die

Farben überhaupt nicht mehr zum Treiben kommen.

Gelingt der einfarbige Schnitt zur Genüge, so versucht man es mit einer

zweiten Farbe, welche auf die erste recht gleichmäßig verteilt wird;

die erste Farbe muß in gleichmäßigen Adern zwischen den Augen der

zweiten verteilt sein. Im übrigen ist das Verfahren genau dasselbe.

Mehr als zwei Farben für die Adern wendet man selten an; indes kann man

durch besondere Kunstgriffe mancherlei eigentümliche Farbenwirkungen

erzielen.

Gibt man z. B. als Grund eine dunkle Farbe, aber mit Galle ohne

Anwendung von Seifenspiritus, und setzt einen bis zwei Tropfen

gewöhnliches Terpentin zu, so erhalten die Augen ein eigentümliches,

porphyrartiges Aussehen. +Kremser Marmor+, welcher rote und schwarze

Adern mit graublauen Augen (verdünntes Schwarz mit wenig Blau) hat,

wird in dieser Weise hergestellt.

Eine besondere Art der Schnitte, aber bei uns wenig in Anwendung, sind

die sogenannten +griechischen Schnitte+; der Grund erscheint bei diesen

in breiteren oder schmäleren Streifen abschattiert.

Ein +türkischer Schnitt+ mit kräftigem, dunklen Grunde wird auf die

Art hergestellt, daß der Schnitt während des Eintauchens, das ja von

einer Ecke aus beginnt, absatzweise auf den Grund gebracht wird;

dadurch kommt dieser in eine wogende Bewegung, und diese teilt sich dem

Schnitte mit.

Wir haben hiermit die Kunst des Marmorierens in allen ihren Zweigen

vorgeführt, ohne freilich das Kapitel erschöpft zu haben. Nur mit

dem Pinsel in der Hand und den Farben vor sich kann man es zu einem

geschickten Marmorierer bringen. Immerhin wird man dabei gewisse

Erfahrungssätze verwerten können, die wir hier kurz zusammenfassen.

+Mangelhaftes Treiben+ wird bewirkt durch zu geringen Zusatz von

Galle, durch zu dicken Grund, zu dicke Farbe und durch zu niedrigen

Wärmegrad (unter 13° Reaumur).

+Zu kräftiges Treiben+ rührt von zu dünnem oder zu altem Grunde,

oder fehlender Galle her.

+Ablaufen der Farbe+ kommt von zu dicker Farbe her oder von

ungenügendem Zusatz an Galle.

+Blasse Farbe+ enthält zu viel Wasser oder Galle oder beides, oder

der Grund ist zu dünn.

+Untersinken der Farbe+ ist eine Folge zu dicker Farbe, auch eines

ungenügenden Gallenzusatzes oder eines zu alten Grundes.

Daß Marmorschnitte ebenso wie andere farbige Schnitte geglättet werden

müssen, bedarf kaum der Erwähnung.

Bei der Wahl der Farben zum Marmorschnitt richtet man sich am besten

nach der Farbenzusammenstellung, die das zu verwendende Vorsatzpapier

zeigt. Eine völlige Übereinstimmung braucht dabei nicht erzielt zu

werden, aber wohl ist darauf zu halten, daß die Farben von Vorsatz und

Schnitt harmonisch zusammenpassen.

5. +Der Goldschnitt.+ Die Herstellung des Goldschnittes galt in

früheren Zeiten für eine ganz besonders schwierige Arbeit, für eine

Art Geheimnis. Heutzutage werden indes mit einfacheren Mitteln weit

vollkommenere Goldschnitte hergestellt als in alten Zeiten, wo man nach

einem Rezepte verfuhr, das viel überflüssige, ja selbst ungeeignete

Zuthaten enthielt. Das Gelingen ist abhängig von der Beobachtung der

größten Sauberkeit und von der Sorge für einen möglichst staubfreien

Arbeitsraum. Sodann muß darauf gesehen werden, daß das Bindemittel für

das Gold nicht zu dick ist. Beim Glätten muß man einen möglichst hohen

Glanz zu erreichen suchen.

Der Vorderschnitt läßt sich sowohl in geradem wie in gerundetem

Zustande vergolden. In ersterem Falle, der auch für Ober- und

Unterschnitt gilt, wird der Schnitt zuvörderst geschabt. Man bringt

zu dem Ende das Buch nicht mit seiner ganzen Fläche, sondern nur mit

dem dem Schnitte zunächstliegenden Teile in die Presse unter Vorlage

der schon erwähnten keilförmigen Bretter (Spalten). Um das Bearbeiten

des Schnittes zu erleichtern, legt man auf jeder Seite eine zweite

Spalte vor. Während die am Buche liegenden Spalten mit diesem genau

abgleichen, werden die Vorlegespalten um 3 mm zurückgesetzt. Dadurch

wird erreicht, daß der Schnitt in der Presse etwas zurückgesetzt und

dadurch schärfer gepreßt werden kann. (Fig. 40a.) Mehr, als angegeben,

dürfen jedoch die Spalten nicht abstehen, da sonst der scharfe Druck

verloren geht. Genau in derselben Weise wird auch der später zu

behandelnde Hohlschnitt eingesetzt.

[Illustration: Fig. 40a. Zum Vergolden eingesetzter Vorderschnitt.]

Vor dem Einpressen muß man sich überzeugen, daß die Spalten genau

Linie halten, anderenfalls stößt man sie mit einem Tischlerhobel etwas

ab, da dies in der Presse weniger gut möglich ist. Jetzt wird der

ganze Schnitt mit einer guten, etwas biegsamen Ziehklinge geschabt.

Die Klinge muß auf Vorder- und Rückseite einen Grat haben, der mit

einem Stahle daran gestrichen wird. Sehr brauchbar zum Schaben sind

abgebrochene Sägeblätter, die man bei Tischlern leicht erhalten kann.

Klingen derart werden am Rande auf einem Drehsteine geradegeschliffen.

Die Klinge wird dabei in der Richtung des drehenden Steines, niemals

quer gehalten. Nicht jedes Mal, wenn die Klinge stumpf geworden,

wird sie neu geschliffen, vielmehr hilft hier der Stahl nach, indem

die Klinge an die Tischkante gelegt und der Grat nach dem Rande zu

heruntergestrichen wird. Ist dies an beiden Seiten der Fall, so wird

die Klinge auf die hohe Kante gestellt und der Grat nach rechts und

links zurückgelegt.

Beim Schaben ist darauf zu achten, daß weder das Kapital noch das Ende

am Vorderschnitte heruntergeschabt werde. Am Kapital, besonders wenn es

sehr auseinandergetrieben ist, kann man mit einer Schlichtfeile etwas

nachhelfen.

Während der Arbeit liegt die Presse flach, mit dem einen Ende des

Balkens auf dem Tische, mit dem anderen auf dem Preßknecht. Damit die

Presse ihre Lage nicht ändern kann, zieht man eine Schieblade etwas

aus dem Tische heraus und legt die Presse darauf, so daß sie gegen die

Tischkante fest anliegt.

Schnitt und Spalten müssen nach dem Schaben eine völlig ebene Fläche

ohne Vertiefungen oder Scharten bilden. Man dreht deshalb die Presse,

wenn das eine Ende geschabt ist, herum, um das andere Ende bequemer

vollenden zu können. Ein gut geschabter Schnitt soll gleichmäßig blank

sein, auch keine Spuren vom Beschneiden zeigen.

Das Schaben glättet einmal den Schnitt, hat aber den ferneren Zweck,

die Poren des Papieres möglichst zu schließen. Um das Zudrücken

derselben noch zu verstärken, wird der Schnitt mit Wasser, unter

das ein wenig Kleister gerührt wurde, überfahren und mit einem Pack

Papierspäne so lange fest abgerieben, bis die Fläche in hohem Glanze

erscheint. Auf diesen ersten »+Grund+« kommt ein zweiter aus Bolus.

Dieser ist durch Abschlämmen und vielfaches Reiben aus armenischem

Bolus gewonnen und erscheint gebrauchsfertig im Handel. Ein wenig davon

wird mit einem Messer in ein Gefäß geschabt und mit Schnitteiweiß --

wir werden dessen Herstellung alsbald kennen lernen -- angerührt,

so daß eine gut streichende Farbe entsteht, die durchaus frei von

Körnern oder Unreinigkeiten sein muß. Mit einem Haarpinsel wird diese

Grundfarbe gleichmäßig aufgestrichen. Dieser Bolusgrund hat den Zweck,

dem Golde mehr Feuer und Glanz zu erteilen.

Die Schnitte des vorigen Jahrhunderts sind meist ohne farbigen

Untergrund hergestellt, dagegen rieb man sie mit einer Meerzwiebel

statt des Kleisters ab; später, im Anfange unseres Jahrhunderts, wurden

dem Kleisterwasser einige Tropfen Scheidewasser beigemengt.

Nach dem Abtrocknen des Bolusgrundes wird das Gold auf den letzten

Grund -- stark verdünntes Eiweiß -- aufgetragen. Dazu muß das Gold

genügend zurechtgeschnitten vor dem Arbeiter auf dem Kissen liegen.

Das zum Vergolden dienende legierte Gold kommt als +Blattgold+ in den

Handel und bildet ein so ungemein feines Häutchen, daß der geringste

Zugwind es fortführt. Deshalb muß der Vergolder darauf sehen, daß

der Arbeitsraum ganz zugfrei ist. Selbst ein lebhafter Atemzug ist

genügend, das Blättchen fortzutreiben. Damit von dem leichten,

kostbaren Stoffe nichts verloren gehe, darf man ihn auch nicht mit

den Fingern anfassen. Man bedient sich deshalb des sogenannten

+Goldmessers+, das eine etwa 20 cm lange, zweischneidige, aber stumpfe

Klinge hat, die mit dem Stahle etwas angeschärft wird, jedoch nur so

weit, daß sie ein Blättchen zerschneidet, ohne das Kissen zu verletzen.

Mit dem Goldmesser werden die Blättchen, die zwischen getalktem

Seidenpapier in Büchelchen liegen, auf das Kissen gebracht. Man fährt

dabei mit dem abgerundeten Ende des Messers vorsichtig mitten unter

das Goldblatt, hebt es in die Höhe, daß die beiden Enden rechts und

links frei herunterhängen, und legt es auf das Kissen. Dabei dreht

man das Messer ein wenig nach einer Seite, was zur Folge hat, daß das

eine Ende des Goldes etwas tiefer herabhängt und das Kissen berührt;

eine Drehung des Messers um sich selbst läßt das Goldblatt völlig eben

auf das Kissen gleiten. Die Arbeit ist leicht, will aber einige Male

geübt sein. Liegt das Blatt nicht ganz glatt auf, so hilft man dem

Übelstande dadurch ab, daß man mit dem Messer auf das Kissen klopft

oder leicht mitten auf das Blatt haucht. Das +Goldkissen+ besteht aus

einem mit nur ganz wenig unterpolstertem Kalbleder fest überspannten

Brettchen. Das Leder zeigt dabei die rauhe Seite, die man, um das

Anhängen des Goldes zu verhüten, mit Kreide oder Thonerde einreibt.

Zu Goldschnitten wird meist +Rotgold+, zu Handvergoldungen +Orangegold+

genommen. +Grüngold+ ist zwar billiger, sieht aber weniger fein aus.

Zum Zwecke des Vergoldens wird das Goldblättchen in Streifen zerlegt,

die etwas breiter als der Schnitt selbst sind. Wie viele Streifen

man für die ganze Länge des Schnittes haben muß, hat man im voraus

zu berechnen, um während des Auftragens nicht erst neues Gold

hervorholen zu müssen. Auch soll stets noch ein Streifchen im Vorrat

liegen bleiben, damit man kleine Risse oder Fehler im Golde sofort

mit einem Stückchen bedecken kann. Unmittelbar vor dem Auftragen wird

der abgetrocknete Bolus mit einer scharfen Bürste gut abgebürstet, um

Staub, Körnchen oder Pinselhaare zu entfernen.

Das +Schnitteiweiß+ bereitet man, indem man das Weiße von einem Ei in

ein Halbliter-Glas mit klarem Wasser schlägt und das Ganze schaumig

quirlt. Wenn die Flüssigkeit gleich gebraucht werden soll, muß sie

filtriert werden; hat sie einen Tag gestanden, so genügt es, wenn die

obere Schaumschicht abgehoben wird. Wie der Bolus wird auch das Eiweiß

mit einem Haarpinsel aufgetragen, der nur diesem Zwecke dienen darf und

nach jedesmaligem Gebrauche gründlich gereinigt werden muß.

Das Eiweiß wird recht dick, sozusagen schwimmend aufgetragen, damit

bis zum Aufbringen des Goldes stets noch ein reichlicher Überschuß an

Feuchtigkeit vorhanden ist.

Zum Auftragen des Goldes dienen verschiedene Vorrichtungen, deren

einfachste und zweckmäßigste der +Anschießer+ ist. Unter diesem Namen

ist in allen Farbenhandlungen ein handbreiter Pinsel von Dachshaaren

zu haben, dessen Haare in ganz dünner Lage in gleicher Länge zwischen

Karton gefaßt sind.

Mit einem solchen Anschießer wird einige Male durch das Haar

gestrichen, damit dieses etwas von seinem Fettgehalt abgebe, und das

Gold vom Kissen abgehoben, indem man es mit den Haaren des Anschießers

aufnimmt. Das Gold wird dann auf das Eiweiß gebracht, auf welchem es

sofort haftet. Wenn nach und nach der ganze Schnitt mit Gold belegt

ist und etwaige Fehlstellen mit einem Flickchen versehen worden sind,

so läßt man den Überschuß des Grundes ablaufen, indem die Presse

aufgehoben und quer auf den Tisch gestellt wird, bis das noch reichlich

vorhandene Eiweiß unter dem Golde hervorgequollen und abgetropft ist.

Danach erst wird die Presse zum Trocknen beiseite gesetzt, doch so,

daß der Oberschnitt nach unten gekehrt ist. Dies hat seinen Grund

darin, daß die Feuchtigkeit, die sich natürlich nach unten zieht, am

Oberschnitte nicht so leicht in den Band eindringen kann als an dem

rauhen Unterschnitte, an welchem auch das Papier meist weniger fest ist.

Das Auftragen kann auch mit einem in Rahmen gespannten Flor, mit

zwei in Rahmen stellbaren parallelen Fäden oder mit Papierstreifen

geschehen; diese letztere Art ist noch vielfach in Gebrauch und hat

den bei einer größeren Anzahl von gleichgroßen Goldschnittbänden ins

Gewicht fallenden Vorteil, daß sämtliche Goldstreifen zum Auftragen

fertig vorbereitet und einer nach dem anderen sofort aufzutragen sind.

Man verfährt dabei so, daß man die Papierstreifen, die mindestens

so breit wie der Schnitt und einige cm länger als die Goldstreifen

sind, leicht über das Haar streift und mit ihnen die einzelnen

Streifen aufnimmt, doch so, daß das Gold etwa einen Messerrücken breit

übersteht, damit die genaue Anlage des Goldes erfolgen kann.

Das Auftragen mit Flor geschieht oder geschah in ganz derselben

Weise; es bietet den Vorteil, daß die ganze Schnittlänge auf einmal

aufgenommen werden kann. Die Auftragerahmen mit +Fäden+ finden

beim Hohlschnitt, auf den wir noch zu sprechen kommen, zweckmäßige

Verwendung.

Der Bucheinband: Seine Technik und seine Geschichte · 第 6 / 18 段