deren Herstellung aber meist sehr umständlich ist. Dazu gehören
+Wachsschnitte+ (mit aufgetröpfeltem Wachs als Deckmittel),
+Körnerschnitte+ (mit aufgestreuten Körnern verschiedener
Hülsenfrüchte) und +Stärkeschnitte+. Die letztgenannten werden noch
heute dann und wann in Anwendung gebracht. Mit Geschick hergestellt,
kann ein derartiger Schnitt recht gut aussehen und läßt mancherlei
Abwechselungen zu. Die Stärke wird dabei zu einem honigdicken Brei
mit Wasser angerührt und mit einem Pinsel aus Wurzeln, wie solche bei
den Bürstenbindern zu kaufen sind, in groben Tropfen aufgespritzt.
Nachdem die Tropfen ihre Feuchtigkeit an den Schnitt abgegeben haben
und oberflächlich trocken geworden sind, wird die Farbe aufgesprengt,
die Stärke später abgeklopft. Damit dies Abtrocknen schneller geht,
überführt man den Schnitt vor dem Aufspritzen der Stärke mit einem
Schwämmchen, das mit Spiritus getränkt ist; der Spiritus entzieht
der Stärke den Wassergehalt. Um einen bunten Schnitt herbeizuführen,
stellt man mehrere Näpfchen mit Stärke auf und gibt jedem einen Zusatz
von Farbe, dem einen Blau, dem anderen Rot u. s. w. Die Stärke gibt
dann einen Teil der Farbe an den Schnitt ab. Natürlich muß man darauf
achten, daß schließlich noch einige Stellen von Farbe frei bleiben.
Über das Ganze wird die Farbe dann recht kräftig dunkel aufgesprengt
(Fig. 34).
[Illustration: Fig. 33. Sandschnitt, auch mit Kleie oder Sägemehl
herzustellen.]
Außerdem bediente man sich ehedem auch noch ausgeschnittener
Schablonen, über welche der Schnitt gesprengt wurde, oder an ihrer
Stelle durchsichtiger gemusterter Webstoffe. Als die sogenannte
+Spritzmalerei+ in den siebziger Jahren in Aufnahme kam, wurde dieselbe
auch wohl auf Bücherschnitte mit Erfolg angewandt.
2. +Der Kleisterschnitt.+ Älter als der Sprengschnitt ist der
Kleisterschnitt. Die Schnittfläche wird bei Herstellung desselben
kräftig mit gefärbtem Kleister bestrichen. Bevor der Farbenauftrag
trocknet, wird mit einem etwas zugespitzten Kork ein Bandornament
gezogen, wodurch die Farbe an den betreffenden Stellen zum Teil
entfernt wird und heller erscheint. Zwischen dieses Bandornament
werden dann mit einem stumpfen Holz- oder Metallstift noch Blüten,
Blattmotive, Ranken oder dergleichen eingezeichnet. Die Arbeit ist für
Luxusbände, besonders für solche, die im Sinne früherer Zeiten gebunden
und verziert werden sollen, durchaus passend, nur muß der Arbeiter
etwas vom Zeichnen verstehen. Als Farbe dient am besten Indigokarmin
für Blau, dem man jedoch etwas Braun zusetzt, damit die Farbe gedämpft
werde, und das oben genannte Kasseler Braun. Helle und grelle Farben
zur Anwendung zu bringen, ist nicht ratsam, da der Schnitt dadurch
ein auffälliges, für das Auge unangenehmes, weil mit dem sonstigen
Äußeren des Buches im Widerstreit stehendes Aussehen erhält. Nur bei
marmorierten Schnitten bedient man sich ungebrochener und leuchtender
Farben, weil diese in der Marmorierung nicht grell hervorstechen.
[Illustration: Fig. 34. Stärkeschnitt, mit eingefärbter Stärke.]
Der Kleisterschnitt wird stets am eingepreßten Buche gemacht; der
Vorderschnitt kann sowohl in geradem, als auch, wenn der Band nicht zu
dünn ist, in gerundetem Zustande auf diese Weise behandelt werden. Die
Farbe soll dabei kräftig aufgetragen werden, jedoch nicht so dick, daß
sie beim Aufblättern des Buches abspringt.
Es empfiehlt sich, ehe man die Verzierung ausführt, an beiden Seiten,
gleichlaufend mit dem ersten Bogen, eine Linie zu ziehen und dadurch
dem Ornamente einen Abschluß zu geben. Fig. 35-38 sind Beispiele
solcher Kleisterschnitte.
3. +Der Farbschnitt.+ Der Farbschnitt, d. h. der mit dem Pinsel durch
Aufstreichung der Farbe hergestellte einfarbige Schnitt, ist, nachdem
er jahrzehntelang von dem Marmorschnitte verdrängt war, in neuerer
Zeit wieder allgemein üblich geworden. Außer dem Goldschnitt und dem
Kleisterschnitt ist kein Schnitt so dauerhaft. Seine Herstellungsweise
ist verhältnismäßig einfach. Die Farbe, vorher aufs feinste gerieben,
wird mit einem Bindemittel, am besten mit Fischleim, Gelatine oder Leim
(weniger gut mit Kleister oder Eiweiß) angerührt unter Zusatz einer
nicht zu reichlichen Menge Wasser. Die Farbe muß so kräftig sein, daß
sie die Schnittfläche deckt, ohne daß ein zweiter Aufstrich notwendig
wäre. Die Verwendung von Anilinfarben ist nicht ratsam, da diese unter
dem Einfluß des Lichtes sehr bald verblassen.
[Illustration: Fig. 35.]
[Illustration: Fig. 36.]
[Illustration: Fig. 37.]
[Illustration: Fig. 38.]
Zum Aufstreichen der Farbe bedient man sich eines Haarpinsels. Der
Band braucht dabei nicht eingepreßt zu werden; man hat nur nötig, ihn
zwischen Spalten oder Brettern an die Tischkante zu legen und mit
der linken Hand fest zusammenzudrücken. Schöner wird der Schnitt
allerdings, wenn er in der Presse recht fest eingepreßt und mit einer
Ziehklinge geschabt wird, ehe der Farbenauftrag erfolgt.
Besteht der Band aus ungeleimtem oder halbgeleimtem Papier, so muß der
Schnitt vor dem Färben mit einer dünnen Leimlösung, der etwas Alaun
zugesetzt wurde, überfahren werden; indes genügt schon das Überfahren
mit Alaunwasser allein. Geschieht dies nicht, so saugt das Papier die
Feuchtigkeit der Farbe allzurasch auf, während diese selbst sich sehr
dick außen aufsetzt und später abblättert.
Als Farbstoffe dienen Karmin, Indigo, Berliner Blau, das oben genannte
Kasseler Braun und grüner Zinnober. Früher wurde auch Chromgelb
vielfach verwendet, während heute sich dessen Gebrauch sehr vermindert
hat; wenn wirklich noch ein gelber Schnitt verlangt wird, so erreicht
man seinen Zweck durch eine Beize mit Pikrinsäure.
Für schwarze Schnitte, die bisweilen auch vorkommen, dient am besten
chinesische Tusche; dieselbe ist so ergiebig, daß der Preis kaum ins
Gewicht fällt. Einen besonderen Reiz hat der Graphitschnitt, zumal wenn
er -- wie wir weiterhin sehen werden -- mit Stempeln vergoldet wird; zu
seiner Herstellung kann man sich der Ofenschwärze unter Zusatz eines
Bindemittels bedienen.
Jeder Schnitt, der mittelst Farbe hergestellt wird, muß nach dem
Trocknen geglättet werden. Der Vorderschnitt wird dabei zwischen
Spalten, Ober- und Unterschnitt zwischen Längebretter so eingepreßt,
daß Schnitte und Spalten oder Bretter genau eine Fläche bilden,
aber hinter der Oberfläche der Preßbalken etwa einen Finger breit
zurückstehen. Dies hat den Zweck, ein schärferes Pressen zu erzwingen;
würden die Bände mit dem Preßbalken Linie halten oder diese gar
überragen, so wäre der Druck wesentlich geringer. Bei mangelhaftem
Druck aber glätten sich leicht Runzeln oder Falten in das Papier.
Nach dem Einpressen wird jeder Schnitt durch Abbürsten mit einer
harten Bürste von etwa anhaftenden Unsauberkeiten befreit; damit der
+Glättzahn+ gut gleitet, reibt man vorsichtig jeden Schnitt mit einem
weichen, etwas gewachsten Lappen ab. Die Glättzähne sind entweder flach
oder rund und bestehen aus Achat oder Blutstein. Der Zahn ist in eine
Metallhülse gefasst und an einem hölzernen Stiele befestigt. (Fig. 39.)
[Illustration: Fig. 39. Glättzähne, flach und rund.]
Mit dem flachen Zahne allein läßt sich zur Not auskommen, da man
auch den runden Vorderschnitt mit diesem, quer über den Schnitt
gehend, glätten kann; nur muß man dann erst die eine und nach Drehung
der Presse die andere Hälfte abglätten. Immerhin ist es besser,
nachträglich noch mit dem runden Zahne der Länge nach zu glätten. Das
Hin- und Herfahren mit dem Zahne darf nicht zu schnell geschehen, sonst
erwärmt sich dessen Oberfläche und zieht Streifen. Langsame Bewegung
unter kräftigem Druck bei stetigem Zuge gibt den besten Erfolg,
namentlich, wenn nach jedesmaligem Durchglätten mit dem gewachsten
Lappen die Fläche abgerieben wird. Beim Glätten stemmt man das obere
Ende des Holzgriffes gegen die Schulter und neigt den Körper so weit
nach vorn, daß der Zahn, dessen unteren Teil man an der Metallfassung
fest mit beiden Händen umfaßt, schräg, und zwar in einem Winkel unter
45° zum Schnitt steht. Die Presse ruht während der Arbeit mit ihren
Spindeln auf der Tischkante und ihr unterer Balken wird durch den
Preßknecht unterstützt. Gegen diesen stemmt man das eine Knie, wodurch
der vorgeneigte Körper einen festen Halt gewinnt.
Die Arbeit hat mit schwachem Druck zu beginnen und erst beim zweiten
oder dritten Durchglätten wendet man die volle Kraft an. Es genügt,
wenn ein matter Glanz in möglichster Gleichmäßigkeit erzielt wird;
Spiegelglanz, wie beim Goldschnitt, ist nicht erforderlich.
Ober- und Unterschnitt wird ebenfalls quer geglättet, können jedoch
schließlich der Länge nach fertig geglättet werden.
Farbschnitte lassen sich sehr schön verzieren durch Goldornamente,
die man ihnen mit Rollen und Stempeln aufdruckt. Nach dem Glätten,
und während noch der Schnitt in der Presse steht, wird Blattgold
aufgetragen, nachdem man den Platz für das Ornament abgezirkelt oder
leicht vorgedruckt hat. Mit einem ganz schwach gefetteten Läppchen
überfährt man den Schnitt und bringt mit einem sogenannten Anschießer
das Gold auf, welches dann mit Watte leicht angedrückt wird. Man sieht
nun durch dasselbe hindurch den Vordruck oder die Vormerkung, nach der
man sich beim Aufsetzen der Stempel oder Rollen, die leicht angewärmt
sein müssen, zu richten hat. Nach dem Aufdruck wird der Schnitt mit
einem sauberen Lappen abgewischt, alles überflüssige Gold völlig
abgeputzt, und kann nochmals leicht abgeglättet werden. Im übrigen
verweisen wir auf den Abschnitt »Handvergoldung«; genau dasselbe
Verfahren, wie dort beschrieben, kommt hier zur Anwendung, nur ist ein
ebener Schnitt mit dem Farbgrunde leichter zu behandeln.
4. +Der marmorierte Schnitt.+ Das Marmorieren des Papieres war ein
schon im 16. Jahrhundert bekanntes Verfahren. Marmoriertes Papier wurde
damals bereits zu Vorsätzen verwendet und als Nürnberger Papier in
den Handel gebracht. Auf Buchschnitten findet sich die Marmorierung
erst seit dem vorigen Jahrhundert, und zwar meist in großen, groben
Mustern mit kräftigen Farbentropfen und groben Adern. Erst im 19.
Jahrhundert, besonders in den sechziger Jahren, wurde das Verfahren
zur höchsten Vollendung gebracht. Es wird seitdem nicht allein in den
Buntpapierfabriken, sondern auch in fast allen Großbuchbindereien von
besonders darauf eingeübten Arbeitern (Marmorierern) als Spezialität
betrieben. Das Wesentliche an der Sache ist, daß die auf einer
schleimigen Flüssigkeit schwimmende Farbenschicht durch leichtes
Eintauchen der Schnittfläche abgehoben wird und nun auf dieser sich
festsetzt. Der Schleimgrund wird hergestellt durch eine Abkochung von
Caragheenmoos oder Tragantgummi; früher nahm man auch Flohsamen oder
Leinsamen dazu.
Die zum Marmorieren gebräuchlichen Farbstoffe sind gegenwärtig fertig
im Handel zu haben.
Man unterscheidet zwei Sorten: die nach älterer Weise hergestellten,
wie sie von den Buntpapierfabriken benutzt werden, und die sogenannten
Halferschen Farben, die zum Zwecke des Schnittmarmorierens besonders
bereitet werden. Sie decken zwar nicht so kräftig wie jene, sind dafür
aber ungemein feurig und leuchtend. Es empfiehlt sich nicht, beide
Sorten durcheinander zu benutzen, da sie sich nicht gut miteinander
vertragen. Die Halferschen Farben haben noch den Vorzug, daß sie
sich leichter verarbeiten lassen als die anderen und dabei sehr
haltbar sind, während einzelne der nach der älteren Bereitungsweise
hergestellten Farben gern sauer werden und verderben, mitunter auch den
Ton ändern.
Gute Farbe muß ganz fein verrieben sein und im aufgesprengten
Tropfen klar und gleichmäßig aussehen, darf also keine grieseligen,
scheinbar gerinnenden Teile oder gar Körnchen zeigen. Der Grund
wird folgendermaßen hergestellt: 10 gr. Caragheenmoos werden in ein
sauberes Gefäß gethan, das noch keinem anderen Zwecke diente, mit
einem Liter kochenden Wassers übergossen und staubfrei zugedeckt. Die
Flüssigkeit wird, ehe sie völlig erkaltet ist, d. h. solange sich
der Topf noch angenehm warm anfühlt, durch ein Tuch, besser durch
ein Haarsieb geschüttet, damit alle ungelösten Teile zurückbleiben.
Da der größte Feind des Marmorierers die Staubteilchen sind, welche
sich auf die Oberfläche des Grundes setzen, so muß das Gefäß mit der
Schleimflüssigkeit stets fest zugedeckt gehalten werden.
Der so gewonnene Grund arbeitet am besten am dritten Tage für +dichten+
Farbenauftrag, nach dem fünften Tage für +leichtere+ Marmorarten mit
feinen Adern. Benutzt man Gummitragant, so wird im gleichen Verhältnis
wie vorhin +kaltes+ Wasser darübergegossen und bleibt bis zur Auflösung
des Gummis stehen, doch muß die Flüssigkeit öfters, am besten durch
Quirlen, durcheinander gerührt werden. Erst wenn alle Teile gelöst
sind, kann man die Masse verwenden. Seiht man den Grund von den noch
nicht ganz gelösten Teilen ab, so kann man ihn früher benutzen,
während der Rückstand zur weiteren Lösung wieder zurückgeschüttet
wird. Am besten ist der Tragantgrund nach dem fünften Tage, bis zu
welchem er fortwährend nachdickt. Tragant bleibt länger brauchbar als
Caragheenmoos, ist aber etwas teurer.
Das Wasser, welches den genannten Stoffen zugesetzt wird, muß weich
sein; am besten ist Regen- oder destilliertes Wasser.
[Illustration: Fig. 40. Marmorierkasten mit Zubehör. (Wilh. Leo in
Stuttgart.)]
Zur Aufnahme des Grundes während der Arbeit dient ein etwa 4 cm tiefes
Becken von Zinkblech, das so lang ist, daß man selbst das längste Buch
noch bequem eintauchen kann, und so breit, daß man so viele Bücher
eintauchen kann, als man mit der geöffneten Hand zu fassen im stande
ist. Das Verhältnis von 20 zu 50 cm dürfte vollauf ausreichen. An einem
der schmalen Enden lasse man eine kleine Abteilung anbringen, welche
den Farbenrückstand von jeder einzelnen Farbenschicht aufnimmt, der
nach jedesmaligem Gebrauch entfernt wird. Damit dieses Entfernen der
Oberfläche bequem zu bewerkstelligen sei, wird die Scheidewand zwischen
beiden Abteilungen schräg eingesetzt, wie aus unserer Abbildung (Fig.
40) eines vollständigen Marmorierapparates zu ersehen ist. Um die große
Abteilung bequem entleeren zu können, empfiehlt es sich, eine kleine
Abzugsröhre seitwärts anbringen zu lassen, welche während des Gebrauchs
mit einem Korkstopfen verschlossen bleibt.
Man muß so viele Farbennäpfe zur Hand haben, als man Farben anwendet.
Die Näpfe sollen einen oberen Durchmesser von 8 cm haben, innen recht
rund sein, damit sich die Farbe nicht in Ecken einsetzen kann und stets
nach der Mitte zu läuft. Zu jeder Farbe fertigt man sich einen Pinsel
von Reiswurzel, welches Material bei jedem Bürstenmacher käuflich ist,
indem man um einen runden, hölzernen Stiel in Länge und Dicke eines
Bleistiftes so viel von dem Reisstroh mit festem Bindfaden anschnürt,
daß ein kleiner Besen entsteht, der an der Bundstelle etwa fingerdick
ist; die freistehenden Spitzen werden gleichlang abgeschnitten und
müssen unterhalb der Bundstelle eine Länge von 5-8 cm haben. Die Pinsel
sind stets sauber zu halten und nach jedem Gebrauch zu reinigen.
Einen besonders dicken Pinsel fertigt man, indem man ein kräftiges
Bündel Wurzeln, so viel, als man deren mit Daumen und Zeigefinger
umspannen kann, in zweidrittel der ganzen Länge zusammenbindet und
unten glatt schneidet. Das Einsetzen eines hölzernen Stieles ist dabei
nicht nötig, da der zusammengeschnürte obere Teil genügenden Widerstand
leistet.
Wenn wir nun noch die Galle eines Ochsen zubereitet haben, so sind wir
gerüstet, um marmorieren zu können.
Zu dem Ende läßt man von einem Metzger, von dem man überzeugt ist, daß
er Ochsen schlachtet, eine Galle vorsichtig herausschneiden. Bevor
man die Gallenblase öffnet, um die Flüssigkeit zu benutzen, wiegt man
eine Halbliterflasche, bringt auf dieselbe einen gläsernen Trichter
mit einem Einsatz von Filtrierpapier und öffnet über demselben die
Gallenblase. Hat der Trichter alle Flüssigkeit aufgenommen, so wird
Flasche, Trichter und Galle beiseite gesetzt, bis eine vollständige
Filtration stattgefunden hat. Nun wird die Flasche abermals gewogen,
um das Gewicht der erhaltenen reinen Galle festzustellen; den sechsten
Teil dieses Gewichtes setzt man an reinem Weingeist zu, schüttelt
die Masse durcheinander und kann am nächsten Tage schon die so
zubereitete Galle benutzen. Der Gallenzusatz erfolgt tropfenweise. Aus
diesem Grunde erscheint es zweckmäßig, etwas von der Galle in einem
sogenannten Tropfgläschen zum Gebrauch bereit zu halten, während der
Rest als Rückhalt und zum Nachfüllen dient.
Die Arbeit des Marmorierens wird nun an einem Tische vorgenommen, von
dem man sich überzeugt hat, daß er durchaus feststeht. Im Umkreise
von etwa einem Meter darf sich nichts befinden als das zur Arbeit
erforderliche Material und Gerät. Das Marmorierbecken wird dicht an die
Tischkante gestellt, mit der Schlammabteilung nach rechts. Hinter dem
Becken stehen die Farbennäpfe, hinter diesen die Farbenflaschen, jede
bei ihrem Napf.
Wir schütten nun von dem Marmoriergrunde so viel in das Becken, daß
es beinahe gefüllt ist. In das erste Farbengefäß kommt etwas Farbe,
nicht zu wenig, aber auch nicht mehr, als erforderlich, um den Pinsel
bequem benetzen zu können. Die hellsten Farben beginnen den Reigen.
Wie wir sehen werden, treibt jede Farbe die vorhergehende und schiebt
sie zusammen. Sind nun die am meisten zusammengetriebenen Farben helle
Farben, so werden sie sehr kräftig und leuchtend hervortreten. Jeder
Farbe werden vor dem Gebrauch je nach der Menge 5 bis 10 Tropfen der
präparierten Ochsengalle zugesetzt. Dieser Zusatz bewirkt, daß der
Farbstoff nicht untersinkt, wenn er auf den Schleimgrund getröpfelt
wird, und sich nicht mit diesem mischt. +Die Galle macht die Farben auf
dem Grunde schwimmen und treibt sie nach Maßgabe der zugesetzten Menge
auseinander.+
Wir nehmen nun mit einem sauberen Pinsel etwas Farbe auf und lassen
einen Tropfen auf den Grund fallen; derselbe wird schwimmen, ein
wenig auseinander treiben, sich aber alsbald wieder zusammenziehen,
wenn der Schleimgrund nicht vorher abgezogen wurde. +Vor jedesmaligem
Aufsprengen von Farbe muß die Oberfläche des Grundes abgezogen werden.+
Der Schleimgrund bildet nämlich auf seiner Oberfläche nach nur einer
Minute schon ein kaum bemerkbares Häutchen, welches das Ausbreiten
der Farben verhindert; dieses Häutchen wird abgezogen, indem man mit
einem Streifchen Papier, nicht unter 3 cm breit, die ganze Oberfläche
abzieht oder eigentlich in die Schlammabteilung schiebt. Man faßt dabei
das Streifchen mit beiden Daumen und Zeigefingern an den Enden, setzt
es etwas schräg gegen die Oberfläche auf, drückt es an beiden Enden
leicht gegen die Längsseiten und zieht es dicht auf der Oberfläche
her, so daß gerade die oberste Schicht abgestreift wird. Auch kleine
Staubteilchen, die ja fortwährend in der Luft herumschweben und sich
auf der Oberfläche des Beckens niederlassen, werden in dieser Weise mit
hinweggenommen.
In ähnlicher Weise streicht man auch den Grund mit einem Brettchen
ab, welches, in der Breite des Beckens zurechtgeschnitten, sich
leicht zwischen den beiden Seiten herziehen läßt. Doch entfernt der
Papierstreifen sicherer alle Farbenreste.
Jeder aufgeworfene Farbentropfen dehnt sich auf dem abgezogenen Grunde
sofort aus und zieht sich dann um ein weniges wieder zusammen. +Geht
die Farbe mehr als ein Sechstel des Durchmessers zusammen, so ist der
Grund zu dick.+
Ebenso müssen die Ränder des Farbentropfens völlig glatt sein. +Sind
die Ränder des Probetropfens nicht glatt, treiben sie vielmehr
strahlenförmig in den Grund hinein, so ist dieser zu dick.+ Zu dicker
Grund wird mit Regenwasser oder in Ermangelung dessen mit abgekochtem
Wasser, welches stets Stubenwärme haben muß, verdünnt.
Treibt eine Farbe zu rasch, also etwa bis zu 8 cm Durchmesser, dann ist
der Gallenzusatz zu stark; man gibt in diesem Falle etwas Farbe zu und
versucht dann abermals.
+Sind Grund und Galle in rechtem Verhältnis, so treibt der erste
Tropfen bis zur Größe eines Fünfmarkstückes.+ Zu wenig Galle in der
Farbe bewirkt, daß der Farbstoff untersinkt, wenn auch nur teilweise.
Ist die Farbe zu dick, so sinken Teile davon zu Boden, auch wenn der
Gallenzusatz richtig ist.
Breitet sich ein Tropfen ganz plötzlich und fast über das ganze Becken
aus, so ist der Grund für dichten Farbenteppich zu dünn und nur für
Adermarmor verwendbar; es muß dicker Grund zugesetzt werden.
Nehmen wir an, daß die erste Farbe, es sei Rot, unseren Ansprüchen
durchaus genügt, nachdem wir wiederholt Proben gemacht, Grund und
Farben in Übereinstimmung gebracht, das Mangelhafte mit Papierstreifen
oder Streichbrett stets von der Oberfläche entfernt hatten. Nun wird
die zweite Farbe gerichtet, sagen wir Blau. Ein Tropfen dieser Farbe,
die ebenfalls mit Galle versetzt ist, fällt mitten in einen roten Fleck
und soll denselben so auseinander treiben, daß es selbst sich fast über
die ganze Fläche ausdehnt, die das Rot einnahm, das nun als Ring den
blauen Fleck einfaßt. Um diese Wirkung zu erzielen, ist die Zurichtung
zwar dieselbe wie bei der ersten Farbe, nur hat man noch einen Tropfen
Galle zuzusetzen.
+Jede nachfolgende Farbe muß stärker treiben als die vorhergehende.+
Kommen viele Farben zugleich in Anwendung, so darf der Unterschied in
der Triebkraft allerdings kein allzugroßer sein.
Diese Farbenproben müssen stets gemacht werden, ehe man die Arbeit
beginnt, und selbst der erfahrenste Marmorierer läßt sie sich nicht
verdrießen.
Beim Ausprobieren der Farben kommt es oft vor, daß eine oder die
andere nicht stehen will, sondern abläuft, besonders Braun und Schwarz
thun dies mit Vorliebe; man wechsele dann eine solche Farbe mit der
vorhergehenden und probiere von neuem. Häufig wird es helfen, wenn man
der zurückgesetzten einige Tropfen Galle zugibt.
Die Farben werden in der Reihenfolge der Treibfähigkeit hinter dem
Becken geordnet, jedes Näpfchen erhält seinen Pinsel. Der Marmorierer,
der beispielsweise nur mit zwei Farben, Rot und Blau, zu arbeiten hat,
sprengt, nachdem er den Grund richtig abgezogen hat, der Länge nach
auf die Mitte des Beckens eine Reihe großer, roter Tropfen, indem er
den reichlich gefüllten Pinsel, der in der Nähe des hinteren Endes
leicht gehalten wird, über den Zeigefinger der linken Hand schlägt.
Statt des Zeigefingers kann man auch ein Stäbchen, einen Hammerstiel
oder dergleichen benutzen, doch ist der Finger das Einfachste; vor
Farbentropfen kann man die Hände doch nicht hüten.
Rasch, noch ehe die Hautbildung der Oberfläche eintreten kann, wird
mit der zweiten Farbe aufgespritzt, so daß die Tropfen mitten auf
und zwischen die vorhergehenden fallen und alle noch gebliebenen
Zwischenräume ausfüllen. Nun wird der Schnitt vorerst mit Papier
abgehoben: ein Stück desselben, in der Größe des Beckens, wird, von
einer Ecke beginnend, quer nach der gegenüberliegenden zu auf den Grund
gelegt, unter Vermeidung von Luftblasen. In derselben Weise wird das
Blatt abgehoben und muß nun die Farben völlig sauber, ohne daß sie
verlaufen, aufweisen. Weiße Adern sollen, wenigstens in der Mitte,
nicht sichtbar sein, sondern nur die Farben, welche man aufsprengte.
Die Tropfen, welche den Grund bilden, welche also zuletzt aufgebracht
wurden -- in diesem Falle Blau -- sollen annähernd gleichgroß und
gleichmäßig verteilt sein, wie auch von den Adern dasselbe gilt. Ist
dies alles erreicht und laufen die Farben nicht ab, so können die
Bücherschnitte eingetaucht werden. Vorderschnitte werden zwischen
»Spalten«, Ober- und Unterschnitte zwischen Brettern getaucht.