legt dabei den Band quer vor sich, den Vorderrand nach dem Körper
zu gerichtet, und klopft vorsichtig den Rücken herüber, während der
Daumen der linken Hand sich gegen den Vorderschnitt stemmt und die
übrigen Finger den oberen Teil des Rückens seitwärts herüberzerren.
Man muß sich dabei hüten, den Falz des Buches zu stark mitzunehmen und
den Rücken stärker zu klopfen, als gerade notwendig ist. Ist die eine
Seite des Rückens genügend rund, so wird das Buch gewendet und von der
anderen Seite in derselben Weise behandelt. Das Wenden geschieht so
oft, wie zur Erreichung einer guten Rundung erforderlich ist, und dies
ist der Fall, wenn die Rundung etwa dem dritten Teile eines Kreisbogens
entspricht, dabei aber, und das ist die Hauptsache, weder Buckel noch
Ecken zeigt und oben wie unten ganz gleichförmig ist. Hat der Band die
richtige Form erlangt, so wird er zwischen zwei Brettern in die Presse
gesetzt; die Bretter stehen so weit vom Rücken ab, daß ein schmaler,
hinten wie vorn ganz gleichbreiter Falz entsteht. Die Breite dieses
Falzes richtet sich nach Größe und Dicke des Buches, oder, richtiger
gesagt, nach der Stärke der zur Verwendung kommenden Deckel, die
ja von der Buchgröße abhängt. Der Falz darf eher etwas kleiner, als
notwendig, sein, nie größer, da sonst das Buch plump ausfällt und
weniger haltbar wird.
[Illustration: Fig. 14 u. 15. Prüfen und Nachrichten abgepresster
Bücher.]
Diese Arbeit heißt das »Abpressen des Buches«, und durch ihre
sorgfältige Ausführung ist die Güte und Dauerhaftigkeit des Einbandes
hauptsächlich bedingt.
Zu gutem Abpressen gehört
1. daß die beiden Endbogen am Vorderschnitt genau parallel und in
gleicher Höhe stehen,
2. daß die Preßbretter am Rücken an beiden Seiten in genau gleicher
Höhe stehen,
3. daß der Oberschnitt am Rücken sowohl wie vorn mit den Seiten
rechtwinkelig steht,
4. daß die Rundung des Buches oben wie unten die gleiche ist.
Um sich zu überzeugen, daß ein Band zum Abpressen gut eingestellt ist,
wird die Presse mit beiden Balkenenden auf den Tisch gestellt, etwas
gegen den Arbeiter zu geneigt und von diesem über die Rückenflächen hin
verglichen und geprüft. (Fig. 14.) Dann richtet man die Presse auf und
prüft die winkelige Lage der Oberschnitte, indem man das Auge in deren
Höhe bringt und -- gewissermaßen zielend -- jedes einzelne Buch auf
seine Lage prüft (Fig. 15.) Bei jedem Geraderücken hat man dann wieder
zu prüfen, ob die anderen Bände nicht etwa verschoben wurden.
Das Abpressen der Bände hat nicht allein den Zweck, die Rundung des
Rückens zu sichern, sondern auch, wie bereits oben bemerkt, den
Raum für den anzusetzenden Deckel zu schaffen. Dazu dient der sog.
+Falz+, d. h. die an beiden Längsseiten des Rückens durch das
Herüberbiegen des letzteren entstehende Kante.
Um den Falz in der erwünschten Schärfe herüberzutreiben, bedient man
sich wieder des Hammers, mit dessen spitzer Schlagfläche die äußeren
Lagen seitlich über die Kanten der Preßbretter hinausgetrieben werden.
Die Schläge sind dabei parallel der Rückenrichtung zu führen, da sich
die Bogen sonst stauchen und in dem Buche Quetschfalten entstehen
würden, die man nicht wieder beseitigen kann. Es handelt sich bei
diesem Vornehmen nur um die ersten, bez. die letzten 5 bis 6 Bogen, da
die mittleren von selbst folgen und deshalb nicht geklopft zu werden
brauchen. Man macht das Papier fügsamer, wenn man den Rücken, bevor
man ihn mit dem Hammer behandelt, etwas einkleistert; dadurch weicht
der Leim auf, die Bogen geben besser nach, platzen nicht voneinander,
und die etwa entstehenden Lücken werden sofort wieder mit Klebstoff
ausgefüllt. Zum schärferen Herübertreiben des Falzes bedient man sich
auch wohl besonders zugerichteter Bretter, die auf der hohen Kante mit
einer in der Mitte ausgekehlten Eisenschiene versehen sind, so daß
die Fälze sich stärker, als im rechten Winkel herüberlegen müssen. In
England und Frankreich wird jedes Buch einzeln abgepresst, und zwar
ohne vorheriges Einkleistern; haben Rücken und Falz ihre Form erhalten,
so kommt das Buch sofort mit anderen in eine Presse zwischen Bretter,
und der Rücken wird dann erst eingekleistert und mit der Spitze des
Hammers abgerieben. In England reibt man den Rücken auch wohl mit
einem ausgehöhlten Stück Buchsbaumholz ab, um die Rundung recht glatt
und gleichmäßig zu machen. Eine ähnliche Vorrichtung findet sich
bei uns noch in dem sog. +Cachiereisen+, einem kurzen, nach beiden
Seiten breit abgeflachten Eisen, dessen eine Seite in der Form des
Buchrückens ausgerundet ist und zum Abreiben dient, dessen anderes Ende
dagegen gerade und mit stumpfen Zähnen versehen ist, mit denen man den
Falz herüberklopft (Fig. 16). Dies Werkzeug kann in der Hand eines
ungeschickten Arbeiters für den Einband leicht verhängnisvoll werden,
da mit demselben sehr leicht der Zwirn zerstört und Löcher und Falten
in das Buch geschlagen werden können.
[Illustration: Fig. 16. Cachiereisen.]
Die abgepressten Bände werden zu Stößen vereinigt, wieder eingepresst
und dann in der bereits angeführten Weise gekleistert und abgerieben.
[Illustration: Fig. 17. Scharf abgepresstes Buch.]
[Illustration: Fig. 18. Buch, für Pappband abgepresst.]
Etwas abweichend ist das Verfahren des Abpressens bei
Halbleinwandbänden, die namentlich für Schulbücher der Billigkeit
halber verwendet werden. Die Art der Verbindung des Buchkörpers mit
der Decke, von der später die Rede sein wird, macht das scharfe
Hinübertreiben der seitlichen Rückenteile überflüssig und nicht einmal
wünschenswert. Der Rücken wird deshalb nicht mit dem Hammer bearbeitet
sondern nur so weit gerundet, als dies durch das Abpressen sich von
selbst ergibt (Vergl. Fig. 17 u. 18).
Für den Großbetrieb empfiehlt es sich, sowohl zum Runden des Rückens
wie zum Abpressen sich der Maschinen zu bedienen, die zu diesem Zwecke
in Leipzig und an anderen Orten gebaut werden. (Fig. 19 u. 20.)
Seine fernere Zurichtung erhält der Buchkörper nun durch das
+Beschneiden+, sofern nicht etwa die rauhen Ränder stehen bleiben
sollen, wie es von manchem Bücherliebhaber, der auf breite Ränder hält,
beliebt wird. In manchen privaten Bibliotheken, namentlich in England,
findet man die Bände nur oben mit einem Goldschnitt versehen, während
seitwärts und unten die Ränder unbeschnitten sind.
Die ursprünglich allgemein übliche, am nächsten liegende Art des
Beschneidens geschah mittelst Messer und Lineal. Indes kam schon im
15. Jahrhundert der +Buchbinderhobel+ in Gebrauch in der Form des sog.
+Scheibenhobels+. Bei diesem besteht das Messer aus einer runden,
ringsherum geschliffenen, 8 cm im Durchmesser haltenden Scheibe, die
den Vorteil bietet, daß man durch Drehung eine stumpf gewordene Stelle
durch eine scharfe ersetzen kann. Zweckmäßiger ist der in dem laufenden
Jahrhundert in Gebrauch gekommene +Zungenhobel+, der seinen Namen von
der zungenförmigen Gestalt der einseitig spitzgeschliffenen, 1-2 cm
breiten Klinge hat, weil er ein rasches Wechseln der Klinge, wenn diese
stumpf geworden ist, ermöglicht.
[Illustration: Fig. 19. Rückenrundemaschine von Fomm in Leipzig.]
[Illustration: Fig. 20. Abpressmaschine von Chr. Mansfeld in Leipzig.]
Die Einrichtung des Hobels und seine Handhabung wird aus der
beigegebenen Abbildung (Fig. 21) zur Genüge ersichtlich. An dem unteren
Pressbalken ist eine Schiene angebracht, an welcher der hintere Backen
des Hobels hergleitet. Der Vorderbacken trägt die Zunge und wird
mittelst eines Schraubengewindes während des Hin- und Herfahrens
langsam gegen den Hinterbacken hin bewegt, so daß das Messer immer
tiefer in die Papierlage einschneidet, während die abgeschnittenen
Späne unten herausfallen.
Jedes +gerundete+ Buch, muß vor dem Beschneiden »aufgebunden« und
wieder gerade gerichtet werden. Man schlingt deshalb ein breites Band
etwa 2 cm vom Rücken entfernt fest um das Buch herum, und stößt dieses
am Rücken wieder gerade. An den Bünden muß man dabei durch Zurückziehen
derselben, sowie durch Klopfen mit dem Hammer auf die Mitte des
aufgestellten Buchrückens nachhelfen, bis der Band am Vorderschnitt
wie am Rücken völlig gerade geworden ist. Ist dies der Fall, so
wird das »aufgebundene« Buch zwischen die Pressbalken gebracht und
geradegerichtet.
[Illustration: Fig. 21. Beschneiden des Buches.]
[Illustration: Fig. 22. Einsetzen des Buches mit dem Sattel.]
Am Vorderschnitt wird nun ermessen, wie weit man mit dem Abschneiden
gehen will. Selbstverständlich nimmt man, um die Ränder so breit wie
möglich zu lassen, nur so viel ab, wie eben erforderlich ist, um alle
Blätter mit dem Messer zu treffen. Das abzuschneidende Stück wird mit
dem Zirkel genau »abgestochen« und die Schnittseite genau abgerichtet.
Statt des Zirkels benutzt man auch ein sog. +Punktiereisen+. Dasselbe,
aus einer schmalen, mit stellbarem Stift versehenen Eisenschiene
bestehend, ist jedoch nur noch wenig im Gebrauch. Zu demselben Zweck
dient auch der sog. +Sattel+, dessen Einrichtung aus der beigefügten
Abbildung (Fig. 22) ersichtlich ist und der, wie folgt, verwendet wird.
Das zuerst abgestochene, d. h. abgezirkelte Buch wird eingesetzt, die
Presse festgedreht und auf der Rückseite der Sattel auf dem Rücken
des Buches eingestellt und festgeschraubt. Man hat dann nur nötig, je
einmal oben und unten am Rücken den Sattel aufzusetzen und das Buch
gegen denselben anzustoßen, um ohne jedesmaliges Abstechen sämtliche
Bände genau in derselben Breite zu beschneiden. Außerdem aber zeigt der
Sattel noch, ob das Buch winkelig oder etwa nach einer Seite schräg
verschoben ist. Diese Arbeit wird mit +Absatteln+ bezeichnet.
Der Hobel wird gegenwärtig, in Deutschland wenigstens, nur noch
beim Kleinbetriebe gebraucht. Der Großbetrieb bedient sich dagegen
der Beschneidemaschine, die eine ähnliche, als Sattel bezeichnete
Vorrichtung hat. Derselbe wird dabei mittelst einer Kurbel eingestellt,
der Pressbalken alsdann niedergelassen und das Messer entweder mittelst
einer Hebelvorrichtung oder auch mittelst eines Schwungrades in
Bewegung gesetzt. (Fig. 23 u. 24.)
[Illustration: Fig. 23. Beschneidemaschine mit Hebelwerk von Dietz &
Listing in Leipzig.]
Neuerdings sind an den Beschneidemaschinen noch Vorrichtungen
angebracht worden, die das selbstthätige Ausrücken und die
selbstthätige Pressung bewirken, mit Maß am Sattel u. s. w. Jeder
Fabrikant sucht darin Neues zu leisten und die Konkurrenz zu
überbieten; doch erhöhen die Zugaben den Wert des Werkzeuges nur wenig,
verteuern es aber um so mehr.
[Illustration: Fig. 24. Beschneidemaschine mit Schwungrad von Dietz &
Listing in Leipzig.]
Um den Band +oben+ und +unten+ zu beschneiden, wird derselbe mit dem
Falz an die Kante eines Brettes angeschoben, zum Schutze des oberen
Falzes aber ein genau rechtwinkeliges, kräftiges Stück Pappe aufgelegt,
und zwar so, daß es genau mit der Stelle abgleicht, an welcher der
Rand abzuschneiden ist. Es ist Gebrauch, den Unterschnitt vor dem
Oberschnitt zu machen, und es genügt beim Maschinenschnitt, den oberen
Rand am Sattel anzustoßen und diesen auf die Buchhöhe einzustellen.
Auch kann die obere Pappe zum Schutze des Falzes an den Pressbalken
angeklebt, oder eine ähnliche Vorrichtung angeschraubt oder mittelst
Federn angeklemmt werden. Dieses Anstoßen am Sattel ist jedoch nur
dann thunlich, wenn es sich entweder um ein Buch mit gefalzten Bogen
handelt, oder um einen Band, der oben zuverlässig rechtwinkelig
abgeschnitten wurde. Anderenfalls muß erst der rechte Winkel genau
vorgezeichnet werden. Dieses kann geschehen an einem vorgelegten Winkel
her mit Bleistift. Ein einfacheres Verfahren ist es, wenn man das erste
Blatt des Buches in der Mitte leicht zusammenbiegt, den Vorderrand mit
dem Falz geraderichtet und in der Nähe des Rückens mit dem Messer da
einen Einstich macht, wo das Schneidemesser einsetzen soll; legt man
das Blatt wieder flach, so hat man am Rücken und am Vorderschnitt je
eine Marke; eine dieselben verbindende Linie muß mit dem Rücken und
dem Vorderschnitt im genauen rechten Winkel stehen, vorausgesetzt, daß
diese selbst genau parallel sind. Diesen Marken nach wird das Buch
eingesetzt und beschnitten.
Der Oberschnitt wird in der Maschine in allen Fällen angestoßen, da er
dem unteren parallel werden muß.
Beim Beschneiden mit dem Hobel ist das Verfahren dasselbe, nur fällt
das Anstoßen am Sattel fort, und das genaue Abrichten des Buches muß
genügen. Erleichtert wird hier das Einsetzen noch durch das Auflegen
einer genau winkelig geschnittenen Pappe, insbesondere wenn auf diese
Auflegepappe eine zweite so aufgeleimt ist, daß dieselbe hinter dem
Pressbalken an diesen anstößt. Man hat dann nur nötig, Unterlagsbrett,
Buch und Auflegepappe so einzusetzen, daß die letztere von hinten mit
dem Absatz gegen den oberen Pressbalken anstößt.
Zur Herstellung glatter und guter Schnittflächen sind scharfe
Schneidemesser die erste Vorbedingung. Neuerdings werden in
Fachzeitschriften alle möglichen Vorrichtungen angepriesen, welche das
Einreißen an Kapital und Vorderschnitt verhindern sollen. Sie leisten
vielleicht, was man erwartet, sind aber meist überflüssig, wenn nur das
Werkzeug gehörig scharf, der Rücken nicht überrundet und der Falz nicht
allzugroß ist.
In bezug auf besondere Fälle ist noch einiges über das Beschneiden
zu bemerken. Es kommt häufig vor, daß Tafeln, Karten, Fälze,
Photographien im Buche selbst Lücken verursachen, die beim Beschneiden
Unannehmlichkeiten im Gefolge haben können, da das beste Messer da
einreißen kann, wo das zu Beschneidende nicht unter Druck steht. Es
ist deshalb notwendig, solche Stellen durch Einlagen von Karton oder
Makulatur auszufüllen; diese Einlagen müssen vor dem Beschneiden
eingelegt und erforderlichen Falles leicht befestigt werden, damit sie
während der ganzen Arbeit des Bindens im Buche bleiben; später werden
sie selbstverständlich herausgenommen.
[Illustration: Fig. 25. Schmalschneidevorrichtung von Leo in Stuttgart.]
In jeder Buchbinderei kommt es vor, daß Karten oder schmale Streifen
geschnitten werden müssen. Geschieht dies mit der Hand am Lineal mit
dem Messer, so werden auf dem obersten Bogen alle Schnitte ausgezirkelt
und in höchstens 8 mm dicken Stößen geschnitten, wobei man darauf zu
achten hat, daß die Messerführung stets eine ganz senkrechte ist. Ist
eine Maschine zur Verfügung, so dürfen die Stöße wesentlich dicker
sein; doch wird bei sehr schmalen Streifen (weniger breit als der
Preßbalken) das Abrichten mit dem Sattel seine Schwierigkeiten haben.
Um diese zu heben, dient eine von der Firma +Leo+ in Stuttgart in den
Handel gebrachte +Vorrichtung zum Schmalschneide+n. Mehrere bewegliche
Platten geben die Parallele an, und da dieselben durch Federn stets
wieder nach oben gedrückt werden, dagegen auch jedem Druck der Presse
nachgeben, so können schmale Stöße jeder Breite parallel am Sattel
angestoßen werden, wenn diese Vorrichtung zwischen diesen und das
Papier eingelegt wird (Fig. 25).
* * * * *
Zum Gelingen eines guten Einbandes tragen wesentlich gut bereitete
Klebstoffe, +Leim+ und +Kleister+, bei. Der beste Leim ist der als
+Kölner Leim+ in den Handel kommende; da er am ausgiebigsten ist,
ist er auch der billigste -- trotz seines höheren Preises. Die
Leimtafeln werden in so viel Wasser eingeweicht, daß sie damit völlig
bedeckt sind. Nach vierundzwanzig Stunden wird der aufgeweichte,
gallertartige Stoff bei mäßiger Wärme, am besten im Wasserbade unter
fortwährendem Umrühren zerlassen, nicht aber gekocht. Gekochter Leim
hat den besten Teil seines Klebstoffes eingebüßt. Guter Leim soll
geruch- und geschmacklos sein; minderwertige Leime werden gesalzen,
um sie haltbarer zu machen. Übelriechende Leime sind aus verdorbenem
oder unreinem Rohstoff hergestellt. Vor dem Zergehenlassen kann man
einen Teil des Wassers abgießen, wenn ein sehr kräftiger Leim erzeugt
werden soll, jedoch nicht zu viel, da der Klebstoff allmählich
nachdickt und das Wasser verdunstet. Während des Gebrauchs hält man
den Leim am besten in einem Gefäß, das durch den Wasserdampf eines
zweiten, darunter befindlichen heiß erhalten wird. Die hier (Fig. 26)
abgebildete Wärmvorrichtung hat noch den Vorteil, daß in deren unterem
Teile Platz ist zur Erwärmung von Vergoldewerkzeugen, Streicheisen oder
Glättkolben, deren Gebrauch wir später kennen lernen werden.
[Illustration: Fig. 26. Leimkessel mit Petroleumheizung von Wilhelm Leo
in Stuttgart.]
Der Kleister, zu dem nur die beste Weizenstärke verwendet werden
sollte, wird ebenfalls nicht gekocht, sondern mit siedend heißem Wasser
angebrüht. Die Stärke, mit etwas kaltem Wasser besprengt, zerfällt
rasch und läßt sich dann zu einem honigdicken Brei verrühren. Im Winter
soll das Gefäß etwas erwärmt, das Wasser zum ersten Anrühren lauwarm
sein. Auf ein Teil Stärke nimmt man etwa fünf Teile siedendes Wasser
für kräftigen, bis zu zehn Teile für schwachen Kleister. Das Wasser
wird unter tüchtigem Rühren erst langsam, gegen Ende rasch zugegossen,
damit die Umwandlung in Klebstoff recht gleichmäßig vor sich gehe
und Knoten vermieden werden. Ist so lange gerührt worden, bis das
Ganze eine gleichmäßige Masse bildet, so setzt man auf jedes halbe
Pfund Stärke etwa einen Theelöffel voll gewöhnliches Terpentin zu.
Dieser Zusatz erhält den Klebstoff schimmelfrei und schützt die Bücher
einigermaßen vor Wurmfraß, da die Milben den so zubereiteten Kleister
scheuen.
Zur Aufbewahrung während des Gebrauchs dient eine glasierte Schüssel
von Steingut, der Haltbarkeit wegen besser noch ein emaillierter
eiserner Napf. Die oben genannte Fabrik bringt auch Kleistertöpfe in
den Handel, die in der Mitte eine Vorrichtung zum Abstreichen und zum
Auflegen des Kleisterpinsels haben.
Die Pinsel für Kleister dürfen nicht mit einer Eisenblechhülse, einem
Eisenring oder Eisendraht versehen sein, da das Eisen leicht rostet und
der Rost auf weißem Papier gelbe, auf Leder schwarze Flecke erzeugt.
Bei Leimpinseln ist die eiserne Hülse unbedenklich, weil der Leim nicht
ansäuert und keine Rostbildung veranlaßt.
[Illustration: Fig. 27. Zierschnitt, farbig ausgemalt, von einer
Kölnischen Bibel, 17. Jahrh.]
ZWEITER ABSCHNITT.
Der Buchschnitt und die weitere Bearbeitung bis zur äusseren Verzierung.
1. Der Buchschnitt und seine Verzierung.
Älteste Schnitte. -- Neuere Schnitte. -- Sprengschnitte,
Kleisterschnitte, Farbschnitte. -- Marmorschnitte. -- Der Goldschnitt.
-- Doppelschnitte. -- Verzierte Goldschnitte, ziselierte und bemalte
Schnitte. -- Das Kapital. -- Älteste Kapitale, neuere Kapitale, unser
jetziges Kapital, orientalisches Kapital.
Von gewöhnlichen Schulbüchern geringen Umfangs abgesehen, wird bei fast
allen Büchern der Schnitt ringsum gefärbt oder vergoldet, da weißer
Schnitt leicht schmutzt.
Die frühesten Schnitte an gebundenen Büchern sind einfarbig, meist
zinnoberrot oder auch gelb. Der Goldschnitt kommt zuerst im 16.
Jahrhundert auf, in der Regel schon als Zierschnitt, d. h. die
vergoldete Fläche wurde unter Anwendung der Punze mit einem meist
linearen Ornament versehen. Man begnügte sich indes nicht immer mit
dieser einfachen Ornamentierung, sondern nahm auch die Farbe zu Hilfe,
schabte die farbig zu behandelnden Stellen aus und malte mit dem Pinsel
die Verzierung hinein. Diese Behandlung der Schnittfläche steigerte
sich bei besonders kostbaren, bez. zum Gottesdienst bestimmten Werken
nicht selten bis zu den herrlichsten Kunstleistungen, mit denen der
berufsmäßige Maler dem Buchbinder ebenso zu Hilfe kam, wie anderseits
der Goldschmied bei der Verzierung des Deckels mit dem Silberbeschlag.
[Illustration: Fig. 28. Frühitalienischer Zierschnitt mit Flechtwerk.]
[Illustration: Fig. 29. Italienischer Zierschnitt des 16. Jahrhunderts.]
[Illustration: Fig. 30. Gemalter Zierschnitt. Frankreich, 17. Jahrh.]
Die liebevolle Sorgfalt, welche das 16. Jahrhundert, die Zeit der
Renaissance, auf den Schnitt verwendet, läßt im 17. Jahrhundert
allmählich nach. Die Zeichnung des Ornaments vergröbert sich, immerhin
werden die Schnitte aber wenigstens noch an den Ecken und am Kapital
verziert. In Fig. 27-31 geben wir einige Zierschnitte des 16. und 17.
Jahrhunderts in Abbildung.
Gegen Ende des 17. und im 18. Jahrhundert verschwindet nach und nach
der gemalte Schnitt, die Punzierung wird nachlässiger und an deren
Stelle tritt der Stempeldruck. Die Ornamentierung wird dabei von dem
Geschmack der Zeit (Rokoko) beeinflußt, zeigt indes häufig noch klare,
auf geometrischer Einteilung der Fläche beruhende Formen, wie aus der
Abbildung (Fig. 32) zu ersehen ist.
[Illustration: Fig. 31. Gemalter Zierschnitt. Sachsen, 17. Jahrh.]
[Illustration: Fig. 32. Gepunzter Zierschnitt. Deutschland, 18. Jahrh.]
Im Anfange des 18. Jahrhunderts findet sich bereits der +Spreng-+
oder +Sprenkelschnitt+ mit seinen Abänderungen als +Kleien-+,
+Sand-+, +Körner-+, +Wachs-+ und +Stärkeschnitt+, mehr aber noch der
+Kleisterschnitt+ und gegen Ende des Jahrhunderts der +marmorierte
Schnitt+. -- Das laufende Jahrhundert brachte uns in seinen ersten
Jahrzehnten den +untermalten+ und +unterfärbten Goldschnitt+, den
Goldschnitt mit Marmorierung darunter und darüber, vor allem aber
die vollkommenste Ausgestaltung des Marmorschnittes. In der neuesten
Zeit kamen hierzu der +Zierschnitt mit Überdruck+, welcher sich aber
für die Dauer nicht zu halten vermochte, und der +Goldschnitt+ mit
mehrfarbigem Golde.
Über das zur Herstellung der verschiedenen Arten des farbigen
Schnittes anzuwendende, bez. früher angewandte technische Verfahren
geben wir im folgenden das Nähere an. Unter allen Umständen muß vor
dem Beginn der Arbeit der Vorderschnitt sowohl wie der Oberschnitt mit
dem Messer abgeputzt, d. h. die beim Beschneiden zurückgebliebenen
Unebenheiten beseitigt, auch die ersten und letzten vorgeschossenen
Blätter mit dem Lineal, besser noch aus freier Hand etwas schräg nach
außen abgeschnitten werden.
1. +Der Sprengschnitt.+ Noch in den dreißiger Jahren dieses
Jahrhunderts stellte man die Bücherschnitte durch Spritzarbeit her,
indem man eine +Bürste+ mit etwas Farbe befeuchtete, und, mit dem
Finger über die Borsten streichend, die Farbentröpfchen gegen den
Schnitt spritzen ließ. Jetzt bedient man sich eines +Gitters+, über
das man mit der Farbenbürste streichend, einen Staubregen farbiger
Tröpfchen auf die eingepreßten Schnitte fallen läßt. Zu diesem Ende
werden die Bücher, sofern es sich um Vorderschnitte handelt, in
handlichen Stößen übereinander geschichtet, und so in die Presse
gesetzt, daß die Schnittränder den Balken gleichstehen. Oben und unten
fügt man eine sog. +Spalte+ ein, d. h. ein schmales Brett, etwas
länger als die zu bearbeitenden Bücher und ungefähr 6 cm breit. Das
Brett ist aber der Breite nach nicht gleichdick, sondern verläuft
keilförmig. Dies hat den Zweck, das Buch am vorderen Rande kräftiger
zu pressen als an den übrigen Stellen. Solche Spalten sind überall
da unentbehrlich, wo Schnitte unter scharfem Druck mit einem Zahn
geglättet werden sollen. Bei der Färbung der Oberschnitte legt man die
Bände verschränkt, so daß der Vorderrand im Falz des nächstfolgenden
Bandes liegt; oben und unten wird je ein Längenbrett vorgelegt.
Je feiner die Farbentropfen auffallen, desto schöner der Schnitt. Damit
nun nicht größere Tropfen oder gar Klexe auf den Schnitt kommen, ist
es notwendig, daß schon in der Bürste die Farbe gleichmäßig verteilt
ist. Dies geschieht, wenn man etwas Farbe auf einen Stein oder ein
Brett schüttet und mit der Bürste verreibt; außerdem übt man die
Vorsicht, die gröbsten Tropfen vorher noch über ein Stück Makulatur
auszuspritzen. Als beste Farbe zum Sprenkeln empfiehlt sich Kasseler
Braun oder Nußholzbeize, die in jeder Farbwarenhandlung käuflich ist,
da sie nur mit Wasser angerührt wird und keines weiteren Bindemittels
bedarf.
Außerdem verwendete man früher mit Vorliebe Rot, Blau und wohl auch
Grün. Heute sind diese Farben seltener geworden, wie denn überhaupt
gesprenkelte Schnitte allmählich außer Gebrauch kommen. Am meisten
werden sie noch als sog. +Sand-+ oder +Kleienschnitte+ angewendet.
Das Verfahren ist folgendes. Auf einen weißen Schnitt wird leicht
gefeuchteter Sand, Sägemehl oder Kleie aufgestreut, diese Stoffe
decken einzelne Teile des Schnittes zu, welche weiß bleiben, während
die unbedeckten Teile von der Farbe getroffen werden. Auf diese Weise
entsteht eine Art marmorierter Schnitt (Fig. 33): Um Gleichmäßigkeit
zu erzielen, hat man dafür zu sorgen, daß die aufgestreute Menge
recht gleichmäßig verteilt ist, was mitunter die Nachhilfe mit einer
Messerspitze erfordert.