Sidonie saß mit gefalteten Händen still daneben, und wagte kaum die

Gegenstände zu berühren, während sie Olnitzki langsam eins nach dem

anderen in die Hand nahm, lächelnd herüber und hinüber drehte, und dann

auf den, zu dem Zweck abgeräumten Tisch hinstellte.

»Hahahaha,« brach er endlich in einem wilden, unnatürlichen Humor heraus,

»wie die Burschen, unsere ungeschlachten Nachbarn schauen sollen, wenn

sie die wunderlichen »_fixins_« zum ersten Male sehn, wie sie staunen

und sich den Kopf zerbrechen werden, zu was dieß und das, und jenes da

bestimmt ist -- hab' ich's doch selber fast vergessen« -- setzte er

leise, und unheimlich dabei lachend hinzu. -- »Und wie prächtig das

Dejeuner zu dem alten Blechtopf paßt, und die Glacéhandschuh hier zu

_den_ Fäusten; Schwägerin, Schwägerin, ich fürchte Sie haben da viel

Geld nutzlos verschwendet, und uns nur Illustrationen zu dem Bilde

mitgebracht, wie Sie sich, trotz allen unseren Schilderungen vom

Gegentheil, unser Wald- und Jägerleben hier eigentlich ausgemalt. Es

fehlte jetzt nur noch ein Kronleuchter -- erinnerst Du Dich noch,

Sidonie, wie so ein Ding aussieht? -- unseren _Salon_ würdig zu

schmücken.«

»Aber Sie wollen doch nicht immer ein solches Leben fortführen,

Olnitzki?« sagte Amalie mit vor Angst und innerer Aufregung fast

erstickter Stimme -- »wenn auch _Ihr_ kräftiger Körper solche

Entbehrungen leicht erträgt, sehen Sie dagegen wie die Schwester

hingewelkt -- denken Sie sich das junge lebenslustige glückliche Weib,

das sie aus ihrer Eltern Haus mit sich hineinnahmen in die Welt, und

sehen Sie _jetzt_ die arme Gattin an.«

»_Arme_ Gattin?« wiederholte Olnitzki, finster die Stirn runzelnd, »das

Weib soll dem Mann folgen in Glück und Leid, und wo sie _zusammen_

tragen, hat sich, meiner Meinung nach, kein Theil zu beklagen.«

»Aber Sidonie -- « wollte Amalie erwiedern, doch ein ängstlich flehender

Blick der Frau hielt das Wort auf ihre Lippen gebannt und Olnitzki, eine

mit den Farben seines Vaterlands gestickte Cigarrentasche in der Hand,

saß lange in dumpfem Brüten darauf niederstarrend. -- Aber der böse

Geist wich von ihm; tief aufseufzend strich er sich mit der Hand die

Falten von der Stirn und die Tasche auf den Tisch, zu den übrigen Sachen

legend, sagte er mit freundlicherem Ausdruck in den Zügen:

»Nichts für ungut, Schwägerin, die verdammten Risse, die mir der Bär

heute versetzt, brennen mich, morgen ist das vorüber -- herzlichen Dank

für alles das was Sie uns so weit herüber gebracht; es war ja so gut

gemeint, und wird Sidonie viele Freude machen; sie hängt doch wohl noch

ein wenig an den alten Geschichten. Bereite der Schwester dann ihr Lager

auf meinem Bett, Dony, ich lege mich hier zum Kamin -- keine Umstände

Schwägerin,« setzte er lachend hinzu, als er sah daß sie dagegen

protestiren wollte, »Sie kommen um Nichts besser weg, denn es ist hart

genug, und ich weiß wahrhaftig nicht, ob ich auf meinem alten Bärenfell

hier dicht am Feuer nicht am Ende noch weicher und wärmer liegen werde,

wie Sie da drüben. Jetzt aber gute Nacht, mir fängt der Kopf so wieder

an zu schwindeln, und ich muß morgen früh hinaus, den Bär zum Haus zu

holen, der noch draußen, eben nur aufgebrochen, im Walde liegt. So mein

Kind --das thuts -- das ist gut genug,« sagte er zur Frau, die ihm das

Fell indeß vor das Camin gezogen und ein Kopfkissen mit einer wollenen

Decke darauf gelegt hatte -- »das ist gut genug, nun laßt mich schlafen,

und morgen früh, soll uns die Schwägerin recht viel von zu Haus -- von

Deutschland erzählen.«

Capitel 3.

Der alte Herr Hamann.

Das Kost- und Logirhaus oder »Bordinghaus« nach dem Amerikanisch-deutschen

Ausdruck in New-Orleans, dessen Schenk- und Gastzimmer wir schon einmal

besucht haben, war eins jener alten französischen Gebäude, welche von

den ersten Ansiedlern der Stadt noch in einer Zeit errichtet worden,

wo der Platz selber, auf dem es stand, wenig Werth hatte, und nahm

deshalb, für seine niedrige Dachung, einen unverhältnißmäßig großen

Flächenraum ein. Auch das darauf errichtete Haus sah verwittert und

baufällig genug aus, mit den alten Hohlziegeln auf dem Dach und den,

ihres Kalkes an vielen Stellen beraubten Wänden, der halben hölzernen

Verandah oder Gallerie vor der ersten Etage, und dem entschieden in

sich zusammengeknickten Giebel. Der Eigenthümer aber, ein schon einige

zwanzig Jahr im Lande ansässiger Deutscher Namens Hamann, wollte das

alte Nest, trotz recht guten Geboten, die ihm darauf gemacht worden,

nicht verkaufen, und behauptete jedesmal, wenn wieder dazu gedrängt, so

lange _er_ lebe, halte es auch, ernähre ihn dabei gerade, und sei seit

so langen Jahren nun eine Heimath ankommender Deutscher gewesen, daß es

diese vermissen würden, wenn sie nach Amerika kämen, und das könne er

nicht über's Herz bringen.

Es war etwa drei Wochen nach der Landung der Haidschnucke in New-Orleans,

als der biedere Christoph Hamann in seiner eigenen Wohnstube oben saß,

und emsig beschäftigt war einen ziemlich ansehnlichen Koffer mit

Chirurgischen Instrumenten, der vor ihm im Zimmer stand, einzupacken und

die auf dem Tisch umherliegenden Instrumente selber, wo sie hie und da

etwas von Rost gelitten hatten, zu putzen und wieder herzustellen.

An einem erhöhten Pult, neben dem nächsten Fenster, stand ein junger,

vielleicht vierundzwanzigjähriger Mann, der Sohn des alten Hamann, in

weißer Jacke und Hose, den breiträndigen Strohhut neben sich auf dem

Stuhle, und notirte die einzelnen Gegenstände, die ihm der Vater, wie er

sie in den Koffer legte, diktirte.

»So« -- sagte der Alte, der mit dem Einpacken ziemlich fertig war, und

eben noch ein Etui mit verschiedenen Messern und Lanzetten vom Tisch

nahm und öffnete -- »hier noch das Besteck mit -- Donnerwetter da sind

eine ganze Menge Geschichten darin -- mit einer Quantität Messer und

Eisen und Feilen -- was weiß ich wie die Dinger alle heißen -- warte

einmal wir können sie wenigstens zählen -- fünf, acht, elf, fünfzehn,

und hier noch vier sind neunzehn, und hier die drei kleinen Dinger sind

zweiundzwanzig Stück. Das Leder außen sieht ebenfalls noch ganz wie neu

aus -- na Du wirst schon sehen was Du dafür bekommst.«

»Vater, die eine Tasche ist fast so viel werth, wie Euch der Mann im

Ganzen schuldig war,« sagte der Sohn.

»Was verstehst denn _Du_ davon?« brummte aber der Alte mit einem

mürrischen Seitenblick auf den jungen schlanken Burschen, dessen

gutmüthig offene Züge tiefes Roth in diesem Augenblick färbte --

»bekümmere Du Dich da um Deine Schreiberei, und misch Dich nicht in

Sachen die Dich nichts angehn, und von denen Du keine Idee hast.«

»Der Mann war bei mir und hat mir seine Noth geklagt!« sagte Franz, der

Sohn.

»Noth geklagt?« fuhr aber der Alte unwillig auf, »der hat auch noch über

Noth zu klagen; erst liegt er bei mir hier fünf Wochen im Haus und ißt

und trinkt, ohne einen Pfennig zu zahlen, nachher geb' ich ihm noch

Reisegeld und ein Gewehr, das mich selber fünfundsiebzig Dollar gekostet

hat, und schicke ihn in's Innere, und nun soll ich auch noch seine

Sachen wieder herausgeben und gar Nichts haben, heh? -- Und ist die

Zeit, in der er es abholen mußte nicht etwa schon seit acht Tagen

verfallen? Hätt' er mir _vor_ der Zeit gezahlt was er mir schuldig war,

so konnte er seinen Bettel, der mir überdieß hier lange genug im Wege

gestanden, ruhig wieder mit fortnehmen, ich wäre der letzte gewesen, der

ihn daran verhindert hätte -- hab' ich so vielen Deutschen fortgeholfen,

würd' ich den auch nicht haben sitzen lassen, aber jetzt ist die Zeit

vorbei -- die ganze Sache ist ohnedieß schriftlich abgemacht, und wenn

er sich im Recht glaubt, soll er mich verklagen; Christoph Hamann ist

nicht der Mann, der einer gerechten Sache aus dem Wege geht.«

Der Sohn seufzte tief auf und begann wieder, ohne etwas weiter gegen den

Vater zu äußern, an seiner Arbeit, bis ihn der alte Herr Hamann mit einer

neuen Frage unterbrach.

»Ist der Elsasser wieder da gewesen, wegen dem Land?«

»Ja, gestern Abend.«

»Nun? -- und hat das Geld nicht mitgebracht?«

»Er hatte es, verlangte aber von mir vorher eine genaue Beschreibung des

Landes, wie es gelegen sei, ob sumpfig oder gesund und da -- «

»Hast Du ihm doch wohl nicht etwa in Deiner Dummheit von dem Bischen

Wasser darauf erzählt?« fuhr der Alte heftig in die Höhe.

»Ich mochte nicht lügen, Vater« sagte der junge Bursche entschlossen.

»Na nun wird's Tag!« schrie aber der Alte, mit der geballten Faust

zornig auf den Tisch schlagend -- »füttern soll ich Euch Alle hier, und

die theuere Wirthschaft in Stand halten, Taxen soll ich bezahlen und

Provisionen für alles mögliche Lumpengesindel, das hier herüberkömmt von

Europa, und wenn sich die Gelegenheit bietet einen ehrlichen Pfennig zu

verdienen, schlägt mir den der eigene Sohn vor der Nase weg.«

»Ich hielt das für keinen _ehrlichen_ Pfennig, Vater« sagte Franz

entschlossen.

»_Du_ hieltest es nicht dafür, Holzkopf -- _nun_ freut mich mein Leben,

_Du_ also hieltest es nicht dafür. Ich will Dir einmal sagen was ich von

_Dir_ halte: daß Du ebenso nach Amerika paßt, wie ein wilder Ochse in

eine Porcellanhandlung. Wenn _das_ also Alles ist, was Du während den

zwei Jahren die ich Dich zu Deiner Ausbildung in Deutschland in einem

Geschäft gehabt, gelernt hast, dann kann ich mir gratuliren das

Reisegeld aus dem Fenster geworfen zu haben, und je eher Du machst daß

Du wieder hinüber kommst, desto besser.«

»Aber Vater diese unglücklichen Menschen die hier nach Amerika

herüberkommen, sind ja so schon arm und elend genug -- wir wollen uns

doch nicht an ihnen bereichern.«

»Wollen wir nicht, so? -- aber von was wollen wir denn _leben_ heh?«

rief der Alte -- »der Mosje schwatzt da in's Blaue hinein und bringt mir

moralische Grundsätze auf einen Amerikanischen Markt, die gerade so gute

Geschäfte machen würden, wie ein Zahnarzt bei den Indianern. Junge,

Junge ich glaubte Du hättest ausgelernt, und sehe jetzt daß Du wieder

ganz von vorne anfangen mußt. Die Reise nach Arkansas wird Dir übrigens

gut thun, mein Geschäftsfreund dort, der einen besonders lebhaften

Whiskeyhandel nach dem Indianischen Territorium treibt, ist ein höchst

praktischer gewiegter Bursche, und wird Dir die deutsche Schlafmütze

schon aus den Gliedern treiben, und Du mußt dann endlich einmal lernen,

daß das deutsche Gesindel, das hier zu uns herüberkommt und mit seiner

Überklugheit immer unser ganzes Amerika verbessern will, nicht eher

Verstand bekommt, bis es seinen letzten Groschen an den Mann gebracht

hat; wer also dazu beiträgt daß das recht bald geschieht, thut den

Leuten nur einen Gefallen, und ist ihr wahrer Freund, und nach _den_

Grundsätzen handle ich, wie sich der junge Herr merken kann, und wonach

er zu achten hat -- verstanden?«

»Lieber Vater« sagte Franz, der sein Pult verlassen und die Feder

niedergelegt hatte, ruhig und bestimmt »Sie haben sich da einen Weg

vorgezeichnet, dem ich im Leben nicht folgen kann und will. Es mag,

wie Sie vielleicht recht haben, viel Gesindel aus Europa zu uns

herüberkommen, aber es kommen auch viele wackere, wenngleich arme

Familien herüber, und die gerade sind es dann, die von Agenten und

Seelenverkäufern ausgezogen und beraubt, anstatt von dem Staat, dem sie

ihre Kräfte weihen wollen, dem sie ihr Alles herüberbringen was sie auf

der Welt noch das ihre nennen, unterstützt und geschützt zu werden.«

»Auch noch?« rief der alte Hamann verwundert aus -- »wir sollen wohl

noch überselig sein wenn sie ankommen, und sie füttern und pflegen und

sie noch bitten nur um Gottes Willen Nichts zu arbeiten, daß sie sich ja

nicht die faulen Knochen strapeziren. Gott verdamm mich, Junge, Du

schwatzest da Zeug daß man verrückt werden möchte.«

»Ich spreche nur von etwas« rief sein Sohn, in edlem Eifer erglühend,

»das mir schon lange auf der Seele brennt und das, neben der Sclavenfrage,

ein Schandfleck für die Union ist -- ich spreche von dem unbeschätzten

Zustand, in dem sie gerade _die_ Menschen an ihrer Küste berauben und

plündern läßt, die das Mark ihrer Bevölkerung bilden, und ohne welche

die einzelnen Staaten schon in ihren Schulden erstickt und zu Grunde

gegangen wären -- die fleißigen Ackerbauer die den Boden urbar machen,

die den Verkehr brechen für Dampfschiff und Eisenbahn, die den Werth

des Landes in den meisten Staaten um das zehnfache, in vielen um das

hundertfache vermehrt haben, und anspruchslos und thätig dabei ihre

stille ruhige Bahn fortgehn.«

»Und was soll der Staat mit denen anfangen? was sollte er für die thun?«

sagte der Alte mit einem spöttischen, ja fast verächtlichen Lächeln, »die

der Mosje da für die _Geplünderten_ und _Beraubten_ hält, und seinem

eigenen Vater dabei gewissermaßen _Plünderung_ und _Raub_ unter die Nase

reibt, heh?«

»Er sollte in den Haupthafenplätzen seines großen Reiches, in New-Orleans

und New-York, in Philadelphia, Baltimore und wie sie heißen, Häuser

errichten, in denen die Armen, wenigstens die ersten Wochen hindurch,

ein Unterkommen, im Nothfall _unentgeltlich_ fänden, und wo ihr

Eigenthum, wenn sie in das Land hinein müssen Arbeit zu suchen, von

geschworenen Beamten, sicher und vor Verfall geschützt, aufbewahrt

würde, bis sie im Stande wären es zu reclamiren.«

»Könnte gleich eine Kleinkinderbewahr-Anstalt damit verbunden werden«

lachte der Alte.

»Wollte Gott es geschähe« rief Franz, »tausende von Kindern, die später

einmal unsere besten und kräftigsten Bürger bilden, würden dann vor

Elend und Untergang bewahrt.«

»Aber was sagst Du _mir_ das hier?« rief der Alte endlich ungeduldig

werdend -- »was hab' _ich_ damit zu schaffen? warum gehst Du damit nicht

zum Gouverneur oder zum Präsidenten, und stellst ihm einmal die

Geschichte vor? Der wird mit dem größten Vergnügen darauf eingehn.«

»Der Präsident kann dabei noch Nichts thun,« sagte aber der Sohn, den im

Spott gemachten Vorschlag ganz ernsthaft nehmend -- »nein, die einzelnen

Staaten müssen das aus sich selber kräftig schaffen und herstellen; die

einzelnen wohlhabenden Bürger zusammentreten, und zum Besten ihrer

eigenen Stadt ein solch Asyl gründen. Wie viel tausend Menschen sehen

in Amerika die Hand, die sich ihnen und ihrer Noth Hülfe bietend

entgegenstreckt -- wie viel tausend finden aber nur daß eben die Hand,

anstatt sie zu stützen und zu halten, in ihre Taschen greift, und sie

des letzten beraubt was sie noch mitgebracht, sich selbst zu helfen. Oh

Vater, Sie sind reich -- wenn Sie den Anfang machten zu solchem großen

Werk.«

»Du bist ein Esel hätt' ich bald gesagt« unterbrach ihn der Alte aber

hier mürrisch, »Donnerwetter, jetzt hab' ich den Unsinn satt, nun mach

daß Du fortkommst, und sieh daß Du mir vor allen Dingen den Elsasser

wieder findest -- schick' ihn mir nur herauf; ich will schon mit ihm

fertig werden.«

»Vater!« rief Franz in edler Entrüstung sich gegen einen Auftrag

sträubend, den er selber für unredlich und schlecht hielt, »Vater ich

passe nicht zu dem, zu dem Sie mich machen wollen; lassen Sie mich fort,

allein in die Welt hinaus und ich will mir mein eignes Fortkommen schon

gründen, mir schon Bahn brechen zu einem neuen frischen Leben, und wenn

ich mir mein Brod im Anfang mit der Schürstange, oder mit Axt und

Schaufel verdienen sollte.«

»Und das Geld das ich für Deine Erziehung verwandt?« rief der Alte

ärgerlich -- »wer zahlte mir denn die Zinsen? Schöne Wirthschaft das,

nicht wahr, wenn die Zeit jetzt gekommen ist, wo Du Deinen alten Vater,

der Niemanden auf der Welt weiter hat auf den er sich verlassen kann,

unterstützen solltest, und dann von ihm fortlaufen willst ein eignes

Geschäft anzufangen? Was würde dann aus den paar Dollarn, die ich

mir erspart, wenn ich die Augen einmal zudrücke, und fremde Menschen

dann hier um mich her säßen, die sich die eigenen Taschen in aller

Geschwindigkeit füllen würden? was würde aus dem Geschäft selbst, das

ich seit ein paar Jahren endlich zu einer Art Aufschwung gebracht, und

das nie, so lange ich und Du es verhindern können, in fremde Hände

fallen darf? -- Unsinn Franz, Du weißt gar nicht _was_ Du von Dir stoßen

willst, irgend einer fixen wahnsinnigen Idee, die eben unausführbar ist,

nachzulaufen. Mach jetzt daß Du fortkommst und thue was ich Dir befohlen

habe; ich will Nichts mehr wissen sag ich Dir,« schrie er den Sohn

unwillig an, als dieser wieder etwas entgegnen wollte, und Franz

verließ, tief aufseufzend, aber mehr als je entschlossen seine Hand zu

Nichts zu bieten, was er nicht vor dem eigenen Gewissen verantworten

könne, das Zimmer.

In diesem aber ging, die Arme auf den Rücken gekreutzt mit raschen,

unruhigen Schritten der alte Hamann auf und ab, leise Flüche in den

Bart murmelnd, und mit dem Kopfe dazu finster und unwillig schüttelnd.

Draußen klopfte Jemand leise an die Thür.

»Herein!« rief der Alte barsch.

»Herr Hamann zu sprechen?« frug eine freundliche Stimme.

»Ah, Sie kommen mir gerade wie gerufen, Messerschmidt« rief ihm der Alte

rasch entgegen -- »sind Sie meinem Jungen begegnet?«

»Herr Hamann _junior_ waren eben so freundlich mich auf der, etwas

dunklen Treppe, beinah über den Haufen zu rennen.«

»Er ist verrückt der Bengel!« rief der Vater.

»Verliebt vielleicht« lächelte Herr Messerschmidt.

»Gott bewahre; er will eine deutsche Kleinkinderbewahr-Anstalt, und ein

_gratis_ Einwanderungshaus gründen.«

»Bah,« sagte Herr Messerschmidt, »das ist eine Idee die am Besten durch

dasselbe Mittel curirt wird, das sie allein in's Leben rufen könnte.«

»Und das wäre? -- «

»Geld,« sagte der Agent, achselzuckend -- »das ist die alte Geschichte

die nur von solchen immer vorgebracht wird, die gerade kein eignes Geld

zur Verfügung haben, es darauf zu verwenden. Überweisen Sie Ihrem Herrn

Sohn ein Vermögen, und er wird etwas Gescheidteres damit anfangen.«

»Vermögen überweisen,« brummte der Alte -- »Sie reden da hinaus, als ob

ich zwei oder mehr zu vergeben hätte. _Das_ ärgert mich ja gerade, daß

der junge Laffe eben das ruiniren will, womit sich sein armer alter

Vater das Brod verdienen muß; unter dem Leib will er mir den Stuhl

fortziehn, und sein schmutziges Zwischendecksgesindel darauf setzen; es

ist zum Verzweifeln.«

»Unsinn,« lächelte Herr Messerschmidt -- »lassen Sie uns von etwas

Vernünftigerem reden; das ist eine Idee die in schönen, wohlklingenden

Redensarten verraucht, und wenn Sie mir folgen, geben Sie ihm vollkommen

recht, muntern ihn noch dazu auf etwas derartiges zu beginnen und

versprechen ihm ihre thätige Hülfe und Unterstützung.«

»Daß ich ein Narr wäre,« rief der Alte, »der Junge hielte mich beim Wort,

und was das Schlimmste ist, er jagt mir schon jetzt die Kunden aus dem

Haus hinaus, und wäre im Stande den eigenen Vater an den Pranger zu

stellen.«

»Das wäre allerdings fatal,« sagte Herr Messerschmidt, die Augenbrauen in

die Höhe ziehend und plötzlich ganz ernsthaft werdend, »wenn die Sache

_so_ steht, bester Herr Nachbar, da möchte ich Ihnen denn doch rathen,

den Burschen lieber aus dem Haus zu thun, und Jemanden hinein zu nehmen,

auf den Sie sich sicher verlassen können. Ich selber würde -- «

»Ihnen meinen eigenen Sohn vorschlagen, heh?« fiel ihm der Alte kurz

und mit einem mistrauischen Blick in die Rede -- »hab' ich recht oder

nicht?«

»Nun der Junge hat Talent und guten Willen.«

»Glaub' ich,« brummte der Alte, »aber mein eigen Fleisch und Blut steht

mir näher, und ich werde den Jungen schon zur Raison bringen; er muß mir

gehorchen, oder -- aber hol's der Teufel, wir wollen von 'was Anderem

reden,« unterbrach er sich plötzlich selbst, -- »kommen Sie wegen der

Pfandgeschichte?«

»Oh Gott bewahre,« lachte Herr Messerschmidt, »die Sache ist ganz

einfach; der junge Bursche behauptet, die beiden goldenen Uhren bei

Ihrem früheren Barkeeper, von dem er auch die Quittung hat, versetzt

zu haben; der ist jetzt fort, Niemand weiß wohin, und ich habe ihm

nun den guten Rath gegeben, einen Aufruf an ihn in dem New-Orleans

Advertiser abdrucken zu lassen, daß ihm nachher Niemand darauf antwortet,

versteht sich von selbst. Nein, lieber Hamann, ich wollte unsere kleine

Speditionsrechnung in Ordnung bringen -- brauche gerade Geld, und muß

vor dem neuen Jahr meine Casse jedenfalls reguliren.«

»Und wie viel macht's im Ganzen?«

»Hundert und sieben und neunzig Dollars fünfzig Cent.«

»Seit zwei Monaten?«

»Ja, und einige Tage -- Ihre Geschäfte sind brillant gegegangen, hier

ist übrigens auch die specifirte Note.«

»Hm, hm,« sagte Herr Hamann, das ihm überreichte Papier öffnend und

langsam durchlesend -- »da steht ja der Goldschmied mit 10 Dollarn

darauf, der nur acht Tage im Hause blieb und nicht einmal sein Boarding

zahlte, -- was fällt Ihnen denn ein? -- den müssen Sie streichen.«

»Er war gestern bei mir;« sagte Herr Messerschmidt lächelnd, »und frug

mich um Rath wie er wohl wieder zu der Tuchnadel kommen könne, die wohl

einige achtzig Dollar werth sein soll.«

»Bah, Unsinn, der Quark war nachgemacht -- fünf und siebzig Cent hat mir

der Jude dafür gegeben.«

»Das hab ich ihm auch gesagt,« schmunzelte der Agent, »und ihm sogar

versichert, ich würde es im Nothfall bezeugen können.«

»Nichtsnutziges Gesindel,« brummte Herr Hamann, in gerechter Entrüstung

über die Schlechtigkeit der Welt, erwähnte aber weiter nichts von den

zehn Dollarn. Der Agent beobachtete ihn indessen schweigend, während er

las, und trommelte dabei auf dem Hut den er zwischen den Knieen hielt,

einen Marsch.

»Hier ist noch ein Posten, der nicht hierher gehört.«

»Und? -- «

»Die Oldenburger -- ich bitte Sie um Gottes Willen, was schaffen Sie mir

für Volk in's Haus. Drei Wochen füttere ich jetzt die ganze Gesellschaft,

und habe ihnen heute Morgen, weil _gar_ nichts aus ihnen herauszukriegen

ist, gekündigt -- wie kann ich Ihnen demnach zwei Dollar für den Kopf

zahlen?«

»Sie haben recht, das wäre unbillig,« sagte Herr Messerschmidt

freundlich -- »wir wollen es dann lieber so machen -- ich zahle Ihnen

den »Boarding« für die Leute, ziehe aber, was sie indessen an Arbeit im

Hause geleistet haben, ab, und bekomme dann ihr Gepäck so lange

überliefert.«

Herr Hamann sah mit einem nichts weniger als freundlichen Blick nach ihm

hinüber, faltete aber das Papier zusammen, hielt es ein paar Secunden

wie nachdenkend in der Hand und sagte dann kopfschüttelnd:

»Das würde eine Masse Umstände und Rechnereien machen -- da, gehen Sie

an den Pult und schreiben Sie mir Ihre Quittung, ich hole Ihnen indessen

das Geld.«

»Alter Gauner,« murmelte Herr Messerschmidt, dem Wirth aber unhörbar,

freundlich zwischen den Zähnen durch, und ging mit einer höflichen

Verbeugung zu dem Stehpult, dem Verlangen Folge zu leisten. Wenige

Minuten später war dieß Geschäft zwischen den beiden Männern abgemacht.

Wie Herr Messerschmidt das Geld gerade nachgezählt, die einzelnen

Banknoten sehr genau betrachtet, und dann in sein Taschenbuch gelegt

hatte, klopfte es wieder an die Thür, und auf das mürrische »Herein« des

Hausherrn, drückte sich, ängstlich und verlegen, seinen Hut dabei unter

den Arm quetschend, der eine der Oldenburger in's Zimmer und blieb an

der Thüre stehn.

»Nun, was soll's,« sagte Herr Hamann, während Herr Messerschmidt

aufstehend an das Fenster ging und hinaus auf die Straße sah.

»Herr Wirth,« sagte der Oldenburger mit bittendem Ausdruck in der

Stimme, »Ihr Ausschenker hat uns vorhin gesagt, daß Sie uns nicht länger

in Kost behalten wollen.«

»Füttern wollen, meint Ihr wohl?« sagte Herr Hamann, »wie komme ich

dazu, ganze Schiffsladungen voll Menschen zu ernähren, ohne daß ich

einen Pfennig Bezahlung bekäme?«

»Wir wollen ja gern gehn,« sagte der Mann, »und Ihnen später Alles auf

Heller und Pfennig bezahlen, aber er will uns unsere Koffer nicht

mitgeben.«

»Auch noch, nicht wahr? -- erst hier Gott weiß wie lange mit den ganzen

Familien zehren, und dann auch noch mit Sack und Pack abziehen -- dumm

seid Ihr nicht, das muß wahr sein, und blöde auch nicht.«

»Wir wollen Ihnen ja gern den Werth der gehabten Kost in Sachen

zurücklassen, wenn wir nur das Übrige mit fortnehmen dürfen. Wir können

doch nicht _so_ in die Welt hineinziehn?«

»Das geht mich Nichts an,« entgegnete aber mürrisch der Wirth, -- »ich

habe hier keinen Handel mit alten Kleidern, sondern ein Gasthaus, in dem

ich für jedes Pfund Fleisch, was ich haben will, baar mit meinem Gelde

zahlen muß -- «

»Aber was sind wir Ihnen denn eigentlich schuldig?« frug der Mann, »der

Ausschenker hat uns eine Rechnung gegeben, auf der eine Menge Gläser

Getränke stehn, von denen wir Nichts wissen, aber nicht einen Pfennig

für die Arbeit abgerechnet, die wir in der Zeit für Sie gethan, und die

Frauen haben doch Woche ein Woche aus gewaschen und wir selber all ihr

Holz gespalten und gesägt, Ihren Mist gefahren, Ihre Kartoffeln

ausgemacht im Feld, und hereingeschafft.«

»Die Arbeitstage sind Euch nicht mit aufgeschrieben,« sagte Herr Hamann.

»Nein, das ist wahr, aber auch Nichts dafür zu Gute, lieber Gott, wir

haben uns unsere Kleider dabei herunter gerissen und tüchtig zugegriffen,

das wissen Sie selber am Besten.«

»Mein Essen war auch nicht schlecht, und bei den theueren Zeiten könnt'

ich's vor meinen Kindern nicht verantworten, wenn ich andere Leute

umsonst fütterte; warum sucht Ihr Euch keine feste Arbeit.«

»Lieber, guter Gott,« sagte der Mann, »da der Herr, der da am Fenster

steht, kann Ihnen darauf die beste Antwort geben; hat er uns nicht von

Woche zu Woche hingehalten und immer und immer versprochen, und immer

Nichts gebracht?«

»Na ja, nun macht _mir_ auch noch Vorwürfe, daß ich mir Euretwegen die

Schuhsohlen abgelaufen, ohne einen rothen Dreier dafür zu haben,« rief

Herr Messerschmidt, sich rasch und ärgerlich nach dem Manne umdrehend,

»kann _ich_ die Leute _zwingen_, Euch Arbeit zu geben, oder habe ich

mich überhaupt dazu verpflichtet?«

»Nichts für ungut,« bat der arme Teufel kleinlaut, »es war ja gar nicht

so bös gemeint, und ich habe es nur erwähnt, um dem Herrn da zu beweisen,

daß wir ja Alles thun wollten, was eben nur in unseren Kräften

stand.«

»Gut, ich will Euch was sagen,« rief Herr Hamann nach einer kleinen

Pause, in der er wie überlegend vor sich niedergesehen, »da es Euch doch

zu viel Schererei machen würde die Frauen mitzunehmen, wenn Ihr Arbeit

suchen geht, so mögen die beiden Frauen mit den beiden Kindern hier bei

mir im Hause bleiben, und für ihre Kost die Wäsche besorgen, bis Ihr

wieder kommt. Seid Ihr das zufrieden?«

»Aber würden Sie ihnen denn da nicht wenigstens einen kleinen, nur ganz

geringen Lohn aussetzen?« bat der Mann, »damit wir -- «

»Nun ja, reicht dem Volk einen Finger und sie greifen nach der ganzen

Hand,« rief Herr Hamann sich entrüstet gegen den Agenten wendend -- »geht

zum Teufel mit Eurer ganzen Sippschaft, ich will meinem Gott danken,

wenn ich Euch Alle los bin.«

»Aber, so war es ja gar nicht gemeint,« sagte der Mann schüchtern, »wir

sehen ja ein daß sie Noth und Mühe genug mit uns gehabt haben, und die

Frauen nur aus Gefälligkeit hier so lange im Hause lassen wollen -- nichts

für ungut, und wir Anderen wollen dann unser Mögliches thun, und finden

wir nur Arbeit, gewiß unsere Schuld bald abtragen. Etwas Wäsche dürfen

wir uns doch aus unseren Koffern nehmen, nicht wahr Herr Hamann.«

»Ja, meinetwegen, der Barkeeper soll Euch das nachher herausgeben; jetzt

macht aber, daß Ihr fortkommt, ich habe mehr zu thun, und wenn der

Barkeeper Zeit hat, soll er einmal einen Augenblick heraufkommen.«

Der arme Teufel von Bauer dankte dem Mann auf das Herzlichste, und würde

ihm gern die Hand zum Abschied in aller Freundschaft gereicht haben,

wenn er sich's eben getraut hätte. So verbeugte er sich nur gegen die

beiden Männer, die seiner gar nicht achteten, und zog die Thür hinter

sich in's Schloß, die aber gleich darauf wieder, und zwar rascher als

vorher, aufflog.

Unwillig sah Herr Hamann dorthin, eine nochmalige Störung des Bauern mit

Entrüstung zurückzuweisen, als er in das rothe, halb spöttische, halb

kecke Gesicht Eines seiner Irischen Boarders schaute, der ihm ganz

respektswidrig vertraulich zunickte, die Thür hinter sich zumachte und

dann auf Herrn Hamann zuging.

»Nun, was soll's, Patrick? -- was habt Ihr hier oben zu suchen?« rief

ihm der Wirth, mit der Nähe des stets halbtrunkenen Burschen eben nicht

recht zufrieden, mürrisch entgegen, -- »weshalb hat Euch der Barkeeper

hier heraufgelassen?«

»Konnt's eben nicht verhindern, mein Herzchen,« sagte Patrick lachend,

»denn wie er mir in den Weg treten wollte, legte ich ihn ganz sanft -- ich

habe dem süßen Burschen nicht ein Bischen weh gethan, -- unter den

Schenktisch.«

»Was wollt Ihr denn da von _mir_?« rief Herr Hamann bestürzt aus -- »was

habt Ihr vor, daß Ihr mit Gewalt hier zu mir heraufbrecht, und meine

Leute mishandelt.«

»Frieden, bei Jäsus mein Herzchen,« beschwichtigte ihn aber der

rauflustige Ire, »Nichts _honey_, wie eine kleine Abrechnung zwischen

uns Beiden, von denen Jeder glaubt, daß der Andere in seiner Schuld

ist.«

»Ich in Deiner Schuld Patrick?« rief aber Herr Hamann rasch erstaunt

aus -- »wohl deshalb, weil Du beinah drei Wochen bei mir gegessen und

getrunken hast?«

»An der _bar_ ist jeder Schluck bei Cent und halbem Cent bezahlt,«

betheuerte der Ire.

»Aber das Essen, wer hat das berichtet?«

»Hab ich Euch nicht den Graben um den Hof gezogen?«

»Den Graben,« rief Herr Hamann verächtlich, »Du hast Dich drei volle

Tage, das heißt die Stunden abgerechnet, die Du dabei im Schenkzimmer

gesessen mit dem kleinen Graben -- «

»Über Mittag, Herzchen.«

»Nun ja, das wollen wir nicht untersuchen -- drei volle Tage mit dem

kleinen Graben herumgeschlagen, den ein tüchtiger Arbeiter in _einem_

Tage beendigen würde. Doch bin ich auch Willens Dir selbst _das_ zu

vergüten.«

»Nun ja, _honey_, da sind wir ja schon in Ordnung,« lachte der Ire,

»Dein Holzkopf von Barkeeper hätte mir mein Bündel gleich herausgeben

und sich selber eine Unannehmlichkeit ersparen können.«

»Wenn Du den Rest herauszahlst.«

»Welchen Rest -- «

»Der mir noch zu Gute kommt -- «

»Verdammt der Cent, den Ihr da noch kriegt,« lachte der Ire -- »drei

Tage Arbeit pr. Tag zwei Dollar, sind sechs Dollar.«

»Drei Tage und zwei Dollar den Tag? -- Ihr seid verrückt.«

[Illustration: Capitel 3.]

»_Never mind_,[10] immer noch genug bei Verstand meinen eigenen Vortheil

wahrzunehmen,« spottete der Ire -- »macht also sechs Dollar, zwei eine

halbe Woche für drei Dollar geboardet, bleiben anderthalb Dollar Rest,

die ich dem Fischkopf von Barkeeper unten auf den Schenktisch gezählt

habe, und die der Töffel nicht nehmen wollte. Natürlich steckt' ich sie

wieder ein, und nun kann er sehn, wie er sie zum zweiten Mal aus

Patricks Tasche kriegt.«

»Ihr könnt Euere Sachen nicht eher bekommen bis Ihr Euere Rechnung

bezahlt habt,« mischte sich in diesem Augenblick Herr Messerschmidt in's

Gespräch, wünschte aber auch gleich darauf gar Nichts gesagt zu haben,

denn der Ire, durch den Streit unten und ein paar Gläser Whiskey

erhitzt, fuhr jetzt dermaßen gegen ihn an, und drohte ihm bei der

geringsten Sylbe, die _er_, den die Sache auf der Welt Nichts anginge,

wieder hineinwürfe, mit einer so ungemessenen Anzahl Hiebe, daß sich der

feige Bursche schon langsam nach der Thüre zurückziehn wollte. Doch

auch hieran wurde er von dem aufmerksamen Iren verhindert, der nicht mit

Unrecht fürchtete, der Agent würde dann unten vielleicht Lärm machen und

einen Constabler herbeiholen; den beiden Männern aber dabei erklärte,

daß er ihnen alles was im Zimmer stände kurz und klein schlagen und ihre

eigenen beiden erbärmlichen Cadaver noch dazu vor sich her die Treppe

hinuntertreten wolle, wenn ihm nicht augenblicklich sein Bündel Wäsche

ausgeliefert würde.

Hamann und Messerschmidt, obgleich der letztere von derber, untersetzter

Statur war, getrauten sich nicht den Burschen zum Ärgsten zu treiben und

Hamann besonders sagte schnell und höflich:

»Aber so machen Sie doch nur nicht solch einen Lärm, bester Herr Patrick

-- wenn Sie Ihre Arbeit für so viel werth halten, habe ich auch nicht

das Mindeste dagegen -- lassen Sie sich nur unten Ihr Bündel geben.«

»Natürlich,« sagte Patrick, der seinen Vortheil rasch übersah, lachend,

»Alles in Ordnung Mr. Hamann -- geht wie geschmiert, bitte dann nur um

die Quittung für bezahlte Kost.«

Hamann wollte sich noch weigern etwas Schriftliches zu geben, er sah

aber auch bald daß er den Burschen nicht anders los würde, und schrieb

ihm rasch ein paar Zeilen für den _barkeeper_ auf.

»Danke Sir,« sagte der Ire, das Geschriebene durchbuchstabirend und dann

in die Westentasche drückend -- »jetzt ist's aber an mir zu traktiren

-- wollen Sie nicht mit hinunter gehn und eins mit mir trinken?«

»Sie haben doch jetzt Alles was Sie wollen?« sagte Herr Hamann, nun auch

endlich ungeduldig werdend.

»Haha, nichts für ungut,« rief aber der Ire, »wenn ein Gentleman den

andern traktiren will, ist das eine Höflichkeit und muß auch als solche

betrachtet werden; aber _never mind_ -- wenn Sie nicht wollen, so viel

besser, und nun _good bye_ Gentlemen.« Und die Hände in die Tasche

schiebend, während er sich eine seiner Irischen Jigs pfiff, verließ

Patrick, mit vollem Grund höchst zufrieden über seinen Erfolg, das

Zimmer, und eine Viertelstunde später, mit seinem Bündel unter dem Arm

auch das Haus, in dem er sich fast drei Wochen Kost und Logis durch ein

paar Tage leichte Arbeit ertrotzt hatte.

»Sie sollten einen Constabler rufen und den Burschen arretiren lassen,«

sagte Herr Messerschmidt ärgerlich, wie der Ire das Zimmer verlassen

hatte.

»Daß mir die Schufte nachher das Haus oder den Schenkstand demoliren,«

knurrte Herr Hamann, »nein der Lump mag laufen, fällt mir vielleicht

einmal wieder auf andere Art unter die Hände, aber eine Warnung soll

mir's für die Zukunft sein, keine Iren wieder in mein Haus zu nehmen --

es ist trunknes, rauflustiges, betrügerisches Volk; da lob' ich mir die

Deutschen, die nehmen Vernunft an, und haben vor der Polizei Respekt.

Aber lieber Gott, mir ist der Ärger ordentlich in die Glieder geschlagen,

und Sie thäten mir einen großen Gefallen, Herr Messerschmidt, wenn Sie

mir durch einen der Leute unten ein Glas Wein heraufschickten.«

»Mit Vergnügen,« sagte Herr Messerschmidt, seinen Hut aufgreifend und im

Begriff das Zimmer zu verlassen -- »apropos Herr Hamann -- die Aktien,

die Sie im vorigen Jahr gekauft haben, sind ja in den letzten Wochen

fabelhaft gestiegen -- Sie müssen ein rasendes Geld daran verdient

haben.«

»Wenn ich sie hätte behalten können,« entgegnete mürrisch der Wirth,

»glauben Sie ich verdiene hier Capitalien zum Hinlegen? -- Gott sei's

geklagt, meine deutschen Landsleute, mit den Verlusten die ich allein an

Auslagen für Proviant und Getränke habe, machen mich, wenn ich noch

länger das Geschäft fortsetze, zum Bettler, und bin mehr als je

gesonnen, mich ganz zurückzuziehn und es meinem Sohn zu übergeben, dem

ewigen Ärger und Skandal zu entgehn. Wäre mit dem thörichten Gesellen

nur ein vernünftiges Wort zu reden -- bitte den Wein, lieber Herr

Messerschmidt.«

»Guten Morgen Herr Hamann.«

»Guten Morgen Herr Messerschmidt« -- und der Alte ging mit auf den

Rücken gekreuzten Händen und fest und ärgerlich zusammengezogenen Brauen

wieder in seinem Zimmer auf und ab, bis der Barkeeper, einen kleinen

Präsentirteller in der Hand, auf dem eine Karaffe Rothwein und ein

Wasserglas stand, herein kam und dieses auf den Tisch setzte. Hamann sah

ihn an, nickte ihm zu daß es gut sei, und setzte seinen Marsch im Zimmer

fort, während Jimmy jedoch auf seiner Stelle stehen blieb, und -- einer

leidigen Gewohnheit nach, einen seiner Finger nach dem anderen

abknackte, daß es klang als ob er sich die Glieder vom Leibe bräche.

»Nun was giebt's noch?« sagte Herr Hamann, mürrisch vor ihm stehen

bleibend -- »was wollen Sie?«

»Verdammt feines Mädchen unten, _Sür_,« sagte Jimmy, zog die Augenbrauen

in die Höhe, und streckte, die Schultern zurückpressend, den Kopf so

weit nach vorn, als er nur möglicher Weise konnte.

»Verdammt feines Mädchen?« sagte Herr Hamann erstaunt, »was zum Teufel

schiert denn das _mich_? -- sind Sie betrunken?«

Jimmy behielt seine Stellung bei, zog aber den Mund, wie in freundlicher

Anerkennung des huldreichen Scherzes, von einem Ohr bis zum andern, ohne

übrigens auch nur eine Sylbe weiter zu erwiedern.

»Nun zum Wetter noch einmal, was wollen Sie denn von mir? stehn da und

ziehen das Maul breit, als ob Sie eine Schlehe verschluckt hätten;

glauben Sie daß ich Zeit habe Ihren Albernheiten zu folgen?«

Wie man, mit einem einzigen Ruck einen Tabacksbeutel zusammen und in

zahllose Falten legen kann, so zuckte das Gesicht des eben noch so

freundlichen Mannes nach dem Mittelpunkt der zu einer Spitze

vorgeschobenen Lippen, von denen sich die Augenbrauen wo möglich noch

weiter entfernten, und eine halbe Minute vielleicht in dieser Stellung

bleibend sagte er ruhig:

»Setzt Jemand irgend etwas in irgend eine Zeitung, wenn Jemand von

irgend etwas nachher nichts wissen will?«

Herr Hamann wollte noch heftiger darauf erwiedern, als ihm plötzlich

einfiel daß er allerdings eine Annonce hatte in das deutsche Blatt

einrücken lassen, wonach er ein junges deutsches Mädchen suchte, die

Aufwartung bei Tisch, das Einschenken des Kaffee und Thee, und die

Überwachung seines Geschirrs und seiner Wäsche zu übernehmen. Jimmy

aber, als er merkte daß sein Principal jetzt wußte was er wollte, begann

wieder seine Fingergelenke zu revidiren und überzuknacken, als ob er

sich von der Brauchbarkeit derselben zu überzeugen wünsche.

»Sie bringen Einen noch zur Verzweiflung, mit Ihrem verfluchten

Gesichter schneiden und Finger brechen« sagte Herr Hamann aber

ungeduldig -- »können Sie das nicht gleich, und gerad' heraussagen?«

»Verdammt feines Mädchen unten, _Sür_!« begann Jimmy wieder, genau wie

im Anfang! seine Rede, den Principal vielleicht zu überzeugen daß er

eben gar nichts anderes gleich gesagt habe.

»Wird wieder so ein Rüpel mit Holzschuhen sein, wie sich schon ein

Dutzend gemeldet hat,« brummte der Alte.

»Venus!« sagte Jimmy, und drohte sich wirklich seine Finger zu

verrenken.

»Esel -- hätte ich bald gesagt« zischte Herr Hamann zwischen den Zähnen

durch und setzte dann lauter hinzu -- »und warum schicken Sie mir sie

nicht herauf?«

Jimmy hielt darauf eine Antwort für unnöthig, und verschwand blitzschnell

durch die noch offene Thür, wenige Minuten später mit der Angemeldeten

zurückzukommen, die er aber, da in diesem Augenblick unten nach ihm

gerufen wurde, allein oben mit seinem Herrn zurücklassen mußte. Aber,

schon in der Thür, drehte er sich noch einmal nach dem jungen, in seiner

dunklen einfachen Tracht wirklich bildhübschen Mädchen um, starrte ihr

vielleicht eine halbe Minute lang stier in die Augen, und war dann in

wenigen Sätzen die Treppe hinunter.

Vor Herrn Hamann indessen, mit, von der Erregung des Augenblicks, der

vielleicht über ihr künftiges Schicksal entscheiden sollte, etwas

gebleichten Wangen, stand Hedwig Loßenwerder, und sagte mit noch ein

wenig zitternder aber bald wieder fest werdender Stimme:

»Sie haben, mein Herr, eine Wirthschafterin für Ihr Hauswesen gesucht,

und ich bin gekommen mich Ihnen dafür anzubieten.«

»Hm« sagte Herr Hamann dicht vor dem jungen Mädchen stehen bleibend, und

sie so, fest und aufmerksam von Kopf bis zu Füßen betrachtend, daß dem

armen Kinde das Blut in Stirn und Schläfe stieg, und es verlegen den

Blick zu Boden senkte -- »hm -- nicht übel, aber -- Sie sind zu jung

mein Kind -- «

»Ich habe in ähnlicher Weise schon drei Jahre in Dienst gestanden« sagte

sie leise.

»_Drei_ Jahre? und wie alt sind Sie jetzt?«

»Ich werde im nächsten Monat sechzehn Jahr.«

Hamann schüttelte mit dem Kopf und setzte, die Fremde dabei dann und

wann von der Seite ansehend, seine Wanderung im Zimmer wieder fort,

während Hedwig indessen still und regungslos stehen blieb, eine

entscheidende Antwort des Mannes zu erwarten.

Die letzten Wochen hatten eine große Veränderung in Hedwigs ganzem

Äußeren hervorgerufen, und das ängstlich schüchterne, fast kindliche

Mädchen, das sie noch an Bord gewesen, war zur ernsten, selbstständigen,

selbsthandelnden Jungfrau herangereift, in der kurzen Zeit. Schwere

Stunden waren es aber gewesen, die das bewirkt, schwere, herbe Stunden,

in denen die selber so unglückliche Clara ihr Alles vertraut, was das

eigene Herz bedrückte, von dem ersten Verdacht des Diebstahls an, bis zu

dem Augenblick wo sie die Gewißheit in Mark und Seele traf, daß der

eigene Gatte der Verbrecher sei, und weit schlimmer und entsetzlicher

als ein bloßer feiger Dieb, nicht allein den treuen schuldlosen Diener

ihres Vaters, nein auch ihr eignes Glück und Leben kalt und meuchlerisch

gemordet habe.

Der Schmerz um den Bruder war damit, wenn nicht aus ihrer Brust

gewichen, doch von anderen, mächtigeren Gefühlen die sie früher nie

gekannt, abgestumpft, ja fast verdrängt -- von einem Gefühle der

Bitterkeit gegen die Menschen, die einen armen Unglücklichen kalt und

theilnahmlos verderben ließen, ohne sich viel um seine Schuld oder

Unschuld zu kümmern, und dem Gemordeten kaum ein einsam verachtetes

Plätzchen an der Kirchhofsmauer gönnten; von einem Gefühle des Hasses

gegen den Mörder selbst, der frei und ledig, in Glück und Reichthum --

der Beute seines Verbrechens -- unter Gottes Sonne wandelte. Nur an

Clara hing sie mit aller Liebe und Aufopferung, deren ihr warmes,

weiches Herz fähig war, nur in Clara sah sie die Leidensschwester --

nicht mehr die Gebieterin -- die mit ihr, noch stärker fast getroffen

und geschlagen worden, und einem Schatten gleich, lag eine dunkle

Ahnung, der sie nicht Ausdruck, Form zu geben wußte, auf ihrer Seele,

daß der Verstorbene in größerem Schmerz und Weh dahin geschieden, auch

von _ihr_ verkannt zu sein.

»Und Sie glauben daß Sie der Sache vorstehen könnten?« -- sagte Hamann

endlich, wieder vor ihr stehen bleibend und ihr scharf und forschend

in's Auge schauend. --

»Ich glaube es« sagte Hedwig, dem Blick fest begegnend.

»Haben Sie Zeugnisse?«

»Ja -- hier.«

Der Wirth überlas die Papiere und gab sie ihr zurück.

»Ja, das klingt Alles recht schön« sagte er, »aber ist weit von hier, und

irgend ein Thorschreiber oder Bäcker kann das eben so gut geschrieben

haben, aber« -- setzte er rasch hinzu, als er sah daß sich die Wangen

des jungen Mädchens unter dem halben Verdacht tiefer färbten, und sich

ihre Gestalt höher emporrichtete -- »aber das kann und wird auch wohl

Alles in Ordnung sein, nur darauf gehn können wir hier nicht, und müssen

selber sehn und prüfen. Sind Sie das zufrieden?«

»Ich will eine Woche auf Probe meinen Dienst antreten« sagte Hedwig,

»wenn Ihnen das genügt.«

»Das wäre gut« sagte Herr Hamann, leise mit dem Kopfe nickend -- »und

wie viel Lohn verlangen Sie?«

»Keinen.«

»Ich meine nicht für die Probewoche, sondern überhaupt.«

»Keinen« sagte die Jungfrau fest und entschieden.

»Keinen Lohn?« rief Herr Hamann, überrascht zu ihr aufschauend -- »und

was sonst dafür? denn um gar Nichts kann ich mir doch nicht gut denken

daß Sie arbeiten wollen?«

»Nein« sagte Hedwig mit leiserer Stimme als vorher -- »ich verlange

vielleicht mehr dafür, als Sie gesonnen sind mir zu bewilligen, könnte

aber auch nur unter der Bedingung die Stelle, die ich gewiß zu Ihrer

Zufriedenheit ausfüllen würde, annehmen.«

»Und das wäre?«

»Ich habe eine kranke Schwester in der Stadt« sagte Hedwig -- »das

wenige was wir mitgebracht ist bald verzehrt, und ich suche deshalb

einen Dienst, uns Beide zu erhalten, bis meine Schwester wieder zu

Kräften gekommen ist. Alles was ich bis dahin für meine Arbeit verlange

ist, daß sie mein Zimmer mit mir bewohnen, mein Lager mit mir theilen

darf, und die wenige Nahrung erhält die ihr Körper verträgt.«

»Eine Kranke in's Haus nehmen?« sagte Herr Hamann, kopfschüttelnd, »nein

Mamsell, das ist eine misliche Sache, davon hat man nur Schererei und

Kosten, und darauf kann ich mich nicht einlassen.«

»Sie ist nicht mehr _krank_« sagte Hedwig rasch, »nur noch schwach und

erschöpft von schwerem doch _überstandenen_ Leiden. Nur Ruhe bedarf

sie, keiner Pflege mehr; auch verlange ich nicht daß sie mit an der

Wirthstafel ißt; das Wenige was sie braucht würd' ich ihr selber

bringen.«

»Wie heißen Sie?« frug Herr Hamann.

»Hedwig. -- «

»Und Ihre Schwester?«

»Clara.«

»Mit Zunamen?«

»Loßenwerder« sagte Hedwig, und wie sie den Namen aussprach färbten sich

ihr Stirn und Schläfe dunkelroth.

»Clara Loßenwerder?« wiederholte Hamann.

»Ich heiße _Hedwig_!« sagte das junge Mädchen, und eine eigene, ihr

selbst unerklärliche Angst schoß ihr bei der Verbindung jener beiden

Namen durch das Herz.

»Ja ja, Hedwig« wiederholte Herr Hamann, sie wieder dabei betrachtend,

als ob er ihr mit dem Blick bis in das innerste Herz hineinsehn wollte

-- »nun ich will Ihnen einmal etwas sagen -- Ihr Gesicht gefällt mir,

obgleich man danach nicht recht gehn kann, und durch eine hübsche Firma

oft genug hinter's Licht geführt wird; aber -- wir könnens ja einmal mit

einander versuchen. Ich brauche zwar eine derartige Wirthschafterin

gerade jetzt nicht mehr so unumgänglich nöthig, und würde auch nur wenig

Lohn geben können; vielleicht, wenn wir einander zusagen, ließe sich's

aber auch auf die Art einrichten, erst müssen wir jedoch Beide wissen,

woran wir miteinander sind; wären Sie das zufrieden?«

»Ich habe nicht mehr verlangt« sagte Hedwig.

»Gut, dann können Sie heute noch anziehn, wenn Sie wollen -- aber die

Schwester bringen Sie mir noch nicht in's Haus« setzte er rasch hinzu

»es ist das mit kranken Leuten eine eigene Sache.«

»Aber darf ich sie in der Woche jeden Tag wenigstens einmal besuchen?«

frug Hedwig.

»Zwischen dem Mittag- und Abendessen ist nicht viel Zeit« sagte Herr

Hamann, »aber die Abende _nach_ dem Essen, können Sie benutzen wie Sie

wollen -- also wann kommen Sie?«

»Noch heute Mittag finde ich mich ein« sagte Hedwig, »und hoffe recht

von Herzen daß Sie mit mir zufrieden sein werden.«

Sie verließ nach kurzem Abschiedsgruß, aber Trost und Hoffnung im

Herzen, das Gemach, während Herr Hamann sich aus der, bis jetzt noch

nicht berührten Karaffe ein volles Glas Wein einschenkte, und dann,

wieder vollkommen zufrieden mit sich selber, seinen Spatziergang im

Zimmer aufnahm.

Für die Besetzung einer solchen Stelle hatte er schon gefürchtet

ziemlich beträchtlichen Lohn zahlen zu müssen, denn er konnte sich eine

Person dazu nicht aus dem Haufen der Auswanderer heraussuchen, und jetzt

war alle Wahrscheinlichkeit vorhanden, daß er sie durch ein ganz junges

hübsches Mädchen, was ihm jedenfalls eine Masse Kostgänger in's Haus

ziehn würde, und für wenig mehr als Nichts, für die doppelte Kost von

ein paar Frauen, die überdieß nicht viel aßen und gar Nichts tranken,

bekommen konnte.

Capitel 4.

Verschiedene Beschäftigungen.

Vor der Thüre des deutschen Wirthshauses in ---- _street_, standen die

armen Oldenburger, jeder ein kleines Bündel unter dem Arm, und schauten

trübselig und trostlos die Straße hinauf und hinab, die nach Norden und

Süden hin in die Welt, die weite Welt hinaus führte. Und immer noch

hatten sie nur erst deren Schwelle betreten, immer noch hoben sie

zögernd den Fuß, und wagten ihn nicht niederzusetzen, weil er nicht

gleich den altgewohnten Boden unter sich fühlte, und während der eine

seufzte und den Kopf hängen ließ, kratzte sich der Andere mit der

rechten Hand hinter dem Ohr, und zerrieb einen halbgemurmelten Fluch

zwischen den fest übereinander gedrückten Zähnen.

»In Amerika können die Bauern in den Kuts-chen fahren« sang da plötzlich

eine wohlbekannte Stimme ein nur zu wohlbekanntes, aber schon lange

nicht mehr angestimmtes Lied.

»In den Kuts-chen mit Sammet und mit Sa-i-de!« und als sie sich eben

nicht freudig überrascht, nach dem Sänger umdrehten, rasselte eben der

kleine wunderliche Karren Maulbeeres, von diesem geschoben, an ihnen

vorüber, und der Dampf aus der kleinen schmutzigen Pfeife zog in

zusammengedrängten kurzen Kräuselwolken, regelmäßig auspuffend wie von

einer Diminutiv-Locomotive hinter ihm drein. Übrigens that er gar

nicht, als ob er die Oldenburger sähe, und war auch schon an ihnen

vorbei, als ihn der Ruf des Einen -- »Herr Maulbeere -- « erreichte und

anhalten machte.

Es ist ein eigenthümliches Gefühl nach einer gewissen Zeit wieder mit

früheren Reisegefährten zusammenzutreffen, von denen es sich dabei

wunderbarer Weise ganz gleich bleibt, ob man sie gern gehabt unterwegs,

oder gar nicht mit ihnen verkehrt hat, vielleicht die ganze Reise über.

Was da unterwegs auch mag vorgefallen sein, wie man übereinander

gedacht, und sich vielleicht ganz besonders danach gesehnt hat das

Schiff verlassen zu können, von solcher Gesellschaft endlich einmal

fortzukommen; ein kurzer Aufenthalt an Land, mit dem Fremden,

Ungewohnten um sich her, hat das Alles verscheucht, wir haben es

vergessen, und begrüßen mit aufrichtiger Freude den früheren Reise- und

Leidensgefährten.

»Guten Tag Herr Maulbeere« sagte der eine Oldenburger, der, sein Bündel

in der Linken, die paar Schritte hinter ihm hergegangen war und jetzt,

neben ihm stehen bleibend, die Rechte nach ihm ausstreckte -- »wie gehts

hier in Amerika?«

»Hallo« sagte Maulbeere, sein Tragband von den Handgriffen seines

Karrens ziehend und, indem er sich aufrichtete, die gebotene Hand, aber

noch etwas zögernd annehmend -- »hallo Ihr Leute -- immer noch zu Fuß?

-- Donnerwetter, wo sind denn die »Kuts-chen«?«

»Ja Kuts-chen« sagte der Oldenburger in seinem eigenthümlichen Dialekte,

»es fährt sich hier was in Kuts-chen -- wir sind froh daß wir zu Fuß

gehn dürfen -- «

»Ich fahre,« sagte Maulbeere mit einem wohlwollenden Seitenblick auf

seinen Karren.

»Soweit haben wir's noch nicht einmal gebracht,« sagte der Andere, jetzt

ebenfalls hinzutretend, »guten Tag Herr Maulbeere.«

»Guten Morgen meine Herren, guten Morgen; irgend etwas zu schleifen? --

Scheeren, Messer, Rasirmesser, Lanzetten, Pflugschaaren, Sensen?« rief

Maulbeere, mit einer Geschäftsmiene dabei wieder auf seine Schleifsteine

deutend -- »stehe zu Diensten und sollen billig bedient werden -- sehe

mehr auf gute Behandlung, als schlechten Gehalt.«

»Ach lassen Sie das Spaßen, Herr Maulbeere,« meinte der Erste wieder,

einen tiefen Seufzer ausstoßend -- »die Geschichte hier ist verzweifelt

ernsthaft, und wenn man nicht weiß wo man Brod hernehmen soll, ist Einem

nicht gerade wie Lachen zu Muthe.«

»Hoho,« sagte Maulbeere, die Augenbrauen in die Höh ziehend, »schon drei

Wochen in Amerika und noch kein Brod? -- das ist Pech!«

»Ist es Ihnen denn geglückt?«

»Harte Arbeit Schentelmen,« sagte aber der Scheerenschleifer

achselzuckend -- »_sehr_ harte Arbeit -- habe im Sinn die Residenz zu

verlassen.«

»Und wo gehn Sie hin?«

»Den Fluß hinauf, versteht sich; werde das Land durchziehn, hier ist

wenig zu verdienen. Es giebt eben hier zu viel Mäuler die Brod haben

wollen. Apropos, wo sind denn Ihre Frauen?«

»Arbeiten da drin,« sagte der Eine, mit dem Kopf nach dem Haus

hinüberzeigend.

»So? -- untergebracht?« frug der Scheerenschleifer, »nun da kann man ja

gratuliren.«

»Aber kriegen Nichts« sagte der Andere.

»Desto längere Aussicht auf stete Beschäftigung« bemerkte Maulbeere.

»Aber wovon nachher leben?«

»Vielleicht von den großen Rosinen, die Sie früher im Kopf gehabt,«

meinte Maulbeere -- »ist ein merkwürdiges Land das Amerika; guten Morgen

meine Herren!« und mit den Worten tauchte er wieder mit den Ösen seines

Tragbands nach den beiden Griffen des Karrens, warf sie in das richtige

Gleichgewicht und schob, während ihm die weiße Wolke folgte, rasch die

Straße nieder, ohne sich um die beiden Bauern weiter zu bekümmern.

Die nächste Straße rechts einbiegend, die zum Fluß nieder führte,

erreichte er dort die sogenannte Flatbootlandung, und das Ufer sah hier

kahl, und keineswegs so belebt aus als weiter oben, wo die rauchenden

dunklen Schornsteine und oberen Decks der Cajüten, oder die mit ihren

wie spinnwebartig durchflochtenen Masten über die hohe, mit Gütern und

Waarenballen bedeckte Levée hervorragten. Der Strom hatte in dieser

Jahreszeit wenig Wasser, und die niederen flachen Boote schwammen, nur

erst bemerkbar wenn man auf die Levée selber trat, tief unter der

steilen schmutzigen Bank, mit Tauen an diese befestigt am Ufer.

Alligator ähnlich lagen sie dabei in der trüben Fluth, hie und da mit

den Vordertheilen auf dem Schlamm, und nur mit schmalen Laufplanken von

diesem aus nach trockenem Boden oder Sand hinüberreichend.

Wunderbare Fahrzeuge sind aber diese _Flatboats_ des Mississippi, allem

Anschein nach aus den ersten Urzuständen des Schiffsbaues herrührend,

und doch noch nicht, weder durch Dampf- noch Segelschiffe aus ihrer

Wirksamkeit verdrängt, ja eher mit diesen anwachsend und an Zahl

zunehmend.

Ein langes aus derben Planken mit hölzernen Pflöcken zusammengenageltes

und mit Werg und Theer dicht gemachtes, vielleicht sieben Fuß tiefes

Boot mit vollkommen flachem Boden, das, wenn geladen, fünf bis sechs Fuß

im Wasser geht, ist es mit einer Art, vielleicht vier bis fünf Fuß hohem

Fachwerk umgeben, und mit zölligen oder halbzölligen Bretern, die in der

Mitte etwas gewölbt, quer von einem Bord nach dem andern hinübergebogen

sind und ziegelartig übereinander liegen, gedeckt. Diese Boote gehen nur

mit der Strömung, wie wir ihnen schon auf dem Mississippi begegnet sind,

manchmal gradaus, manchmal über Steuer, nicht selten Meilen weit seitwärts,

den Krabben ähnlich, ihre Bahn entlang, hier der Strömung folgend, dort,

durch eine Rückströmung gehalten, daß die Leute mit den langen Finnen

ähnlichen »_sweeps_« oder Rudern Stunden lang arbeiten müssen, nur

wieder los und in freies Fahrwasser zu kommen. Und wie manches sinkt

und verdirbt auf der langen mühseligen, und so oft gefährlichen Bahn;

plötzliche Stürme und Unwetter -- der _Hurricane_ in Natchez 1841

zerstörte damals 112 in wenigen Meilen Entfernung -- im Wasser

verborgene Snags, Untiefen und festgeschwemmtes Driftholz sinken manches

von ihnen, und man kann immer rechnen, daß kaum drei Viertel der Zahl

ihr Ziel erreichen.

So unscheinbar dabei ihr Äußeres ist, so werthvolle Ladungen bergen sie

nicht selten in dem rohen unbehülflichen Kasten, die der Führer, wo er

einen Markt für seine Waaren zu finden glaubt, oder zuletzt in

New-Orleans selber, mit dem Vordertheil an Land schiebt, und seinen,

weder Steuer noch Abgaben zahlenden Laden gleich fix und fertig

errichtet hat, den er, wenn die Waaren abgesetzt sind, auseinander

schlägt und mit verkauft.

Und wie wunderlich sieht es in den Booten selber aus -- hier das erste

-- der Weg ist etwas steil, die schlüpfrige Bank hinunter -- birgt in

seinem Innern ein buntes Gemisch von Allem, was das Herz eines richtigen

Yankees erfreuen könnte, Butter, Schmalz, Kartoffeln, Hühner, Apfelwein

und Whiskey, Heu, Zwiebeln, getrocknetes Obst, und Fässer mit Makrelen,

Kisten mit Stockfisch und Traubenrosinen, Krachmandeln, Nudeln, Käse,

Alles steht bunt und wild durcheinander gepackt, hier in Proben

aufgestellt, dort in angerissenen Fässern und Kisten, unter Deck --

daneben liegt ein Boot mit eingesalzenem Schweinefleisch von Cincinnati,

und das Fett mit dem das Deck beschmiert ist, dampft in der Sonne; dort

liegt ein anderes mit Baumwolle von Tennessee, da ein anderes mit Taback

von Kentucky geladen; und da strecken Rinder und Schaafe den Kopf aus

den offen gelassenen Luftlöchern anderer, und blöken und brüllen ihren

Kameraden zu. Die Staaten Arkansas, Missouri, Texas, Tennessee, Kentucky

und Illinois senden jährlich wohl dreißig tausend Stück lebendigen

Hornviehs nach New-Orleans, und von Ohio werden ebenfalls hunderte

solcher »schwimmenden Sauställe« mit ihren grunzenden Bewohnern der

»Königin des Südens« zugeführt.

Was das für ein Leben ist, zwischen den, einen schauerlich warmen

Fettgeruch und Dunst faulenden Obstes und angegangenen Fleisches

ausstoßenden Fahrzeugen; wie die Eigenthümer auf der Levée stehn, oder

vorn in ihren Booten sitzen, Käufer herbeizurufen, und ihre Waaren dabei

ausschreien, die vorzügliche Qualität derselben anpreisend. Dazwischen

durch dann das Drängen und Treiben der Arbeiter, die hier ein verkauftes

Boot entladen, damit es nachher auseinander geschlagen und in seinen

Planken noch verwerthet werden könne, dort eine Parthie aufgekaufter

Fässer und Kisten die steile Levée mühselig hinaufschaffen, und von Fett

und Schmutz bedeckt unter ihren Lasten keuchen und schwitzen, bis sie

die Höhe der Levée erreicht haben, dort sich einen Augenblick die

glühende tropfende Stirn abtrocknen, und dann wieder schwanken Schritts

niedersteigen, ihr Werk von Neuem zu beginnen.

Maulbeere fuhr mit seinem Schleifkarren, seinem Grundsatz treu keinen

Fleck unbesucht zu lassen wo er die Hoffnung hatte etwas verdienen zu

können, oben an der Levée hin, dann und wann stehen bleibend, seine

schon auswendig gelernten Rufe -- _no knives, no scissors to grind_?[11]

ertönen zu lassen. Hie und da bekam er auch wirklich zu thun; dort und

da schaute ein behaubter Kopf unter einem der niederen Flatboot-Decke

vor, eine rauhe Stimme rief ihm ein »_stop_!« zu, und irgend ein

rothwollener Unterrock, oder auch dann und wann ein schlankes hübsches

Kind in dem kleidsam eng anschließenden Mieder der Backwoodsfrauen, nur

die feinen rosigen Züge von dem unförmlichen Sonnenbonnet fast verhüllt,

stieg die Bank zu ihm hinauf, eine widerspenstige Scheere, mit der der

Vater oder Gatte so lange Bindfaden geschnitten hatte bis sie jeden

weiteren Dienst verweigerte, wieder zu stellen und zu schärfen; oder der

Flatbootman selber stieg langsam das Ufer hinan, ein riesiges langes

Messer in der Hand, mit dem er Speck und Käse schneiden mußte, und das

er auch gern schärfer haben wollte als es war. So lange er seinen Stein

dann drehte, daß die hellen blitzenden Funken daraus vorblitzten,

drängte sich ein Kreis von neugierigen Müßiggängern, von denen die Levée

schwärmt, um ihn her, nicht selten fast mehr von der wunderlichen

Gestalt des Mannes selber, als von seiner Arbeit ergötzt, bis er die ihm

gebrachten Instrumente in Stand gesetzt, sein Geld dafür eingestrichen

und sein Tragband wieder eingehakt hatte, mitten zwischen die Schaar,

die ihm lachend Raum gab, mit einem deutschen »bitt' um Verzeihung«

hineinzufahren.

An manchen Stellen wurde er übrigens durch die dort aufgestapelten

Fässer und Waaren in seiner Bahn aufgehalten, und mußte einen Umweg

machen, den Hindernissen aus dem Weg zu kommen. Eben auch war er wieder

einer Anzahl fettglänzender und entsetzlicher duftender Porkfässer

ausgebogen, als er eine lachende Stimme seinen Namen nennen hörte. Wie

er aber stehen blieb und sich überall vergebens nach einem bekannten

Gesicht umschaute -- denn auf die Arbeitsleute, von denen ein großer

Theil gerade Mittag gemacht, während das Ausladen noch nicht wieder

begonnen hatte, achtete er gar nicht -- rief Einer der Flatboatleute,

die zwischen den heraufgerollten Pork- oder Schweinefässern standen, und

von der schmutzigen Arbeit und Schweiß und Sonne in ihren kurzen blauen

Oberhemden und abgetragenen oder zerdrückten Strohhüten kaum eine

Physionomie erkennen ließen, indem er dem Scheerenschleifer freundlich

zunickte:

»Aber Herr Maulbeere, kennen Sie mich nicht mehr?«

»Wetter noch einmal,« sagte dieser, seinen Karren niedersetzend und die

Gestalt erstaunt von oben bis unten betrachtend, »die Stimme ist mir

bekannt und das Gesicht auch, hat wenigstens, wie Herr Schultze sagen

würde, eine merkwürdige Ähnlichkeit mit einer Nebelkrähe oder einem

Schornsteinfeger.« --

»Habe ich mich denn in den paar Tagen so merkwürdig verändert,« lachte

der Mann, seinen Hut abnehmend, unter dem eine Fülle kastanienbraunen

lockigen Haares vorfiel, »daß mich ein Reisegefährte und Coyennachbar

nicht einmal mehr kennt?«

»Herr Eltrich -- so wahr ich lebe,« sagte Maulbeere, jetzt aber wirklich

auf das Äußerste erstaunt, »wie um Gottes Willen sehn Sie denn aber

aus, und was machen Sie hier in _dem_ Aufzug und bei _der_ Arbeit?«

»Mein Schicksal ist bald erzählt,« sagte der junge Mann mit lachendem

Gesicht, aber doch kaum im Stand einen gewaltsam aufsteigenden Seufzer

zu unterdrücken -- »kaum hier in New-Orleans angekommen ließ ich mir auf

leichtsinnig kindische Weise -- ich war genug davor gewarnt worden -- und

von dem Neuen was mich überall umgab beirrt, von dem Neger, der mein

sämmtliches Gepäck auf seinem Karren hatte, dieses mit allen unseren

Effekten, ein paar Kleinigkeiten die meine Frau in der Hand trug

ausgenommen, entführen. Von Allem entblößt, was schon der einzelne Mann,

wie viel mehr dann eine Familie zu ihrem Leben braucht, sah ich, wenn

ich nicht rasche Anstalt machte Geld zu verdienen, unseren Untergang,

oder doch einen Zustand grenzenloser Noth vor Augen. Vergebens lief ich

dabei herum in meiner Kunst Beschäftigung zu erhalten -- ich konnte mich

nicht einmal anständig kleiden, denn es war ja Alles zum Teufel, und mit

dem etwas abgerissen aussehenden Menschen wollte sich Niemand einlassen.

Wir aber brauchten auch außerdem Brod, die paar Dollar, die ich noch im

Vermögen besaß, nahmen schon in der ersten Woche so rasend schnell ab,

daß ich mir genau die Zeit berechnen konnte wo wir, wenn nicht irgend

etwas geschah das aufzuhalten, auch ohne einen Pfennig dasitzen würden,

und ich entschloß mich kurz und gut Arbeit zu suchen und zu nehmen, wo

ich sie finden würde. Drei Tage lief ich auch hiernach vergebens herum;

der gute Wille that es nicht allein, denn die wieder gesündere

Jahreszeit in New-Orleans hatte eine wahre Unmasse von Arbeitern hierher

zurückgeworfen, bis ich, eigentlich in letzter Verzweiflung diese Boote

besuchend, Arbeit und guten Lohn auf einem von ihnen fand, das seine

Leute, Streites halber, den sie mit dem Eigenthümer gehabt, entlassen

hatte.«

»Und _die_ Arbeit hier können Sie thun?« sagte Maulbeere, abwechselnd

und erstaunt bald die leichte schmächtige Gestalt, und die sonst so

feinen, jetzt fettbeschmutzten Hände des jungen Mannes, bald die

schweren Pork- und Mehlfässer betrachtend, die um ihn her aufgestapelt

lagen.

»Der Mensch kann Alles was er _muß_,« lachte der junge Mann, »früher

hab' ich es freilich selber nicht für möglich gehalten, jetzt aber geht

es, und Alles berücksichtigt, sogar vortrefflich, denn ich verdiene,

außer der Kost, einen Dollar den Tag, und befinde mich vollkommen wohl

und gesund dabei.«

»Und Ihre Frau?«

»Pflegt zu Hause das Kind und weint und lacht, wenn sie mich in diesem

Aufzug ankommen sieht -- ich habe sie aber noch nicht bewegen können,

einmal mit dem Kleinen hier herunterzukommen und unserer Arbeit

zuzusehen -- sie meint es bräche ihr das Herz.« --

»Bah,« sagte Maulbeere kopfschüttelnd, »wenn _Sie_ sich nicht den Rücken

bei den verdammt schweren Fässern brechen, glaube ich nicht daß Gefahr

für ihrer Frau Herz zu fürchten ist, aber -- was Leichteres wäre mir

doch auch lieber -- ich weiß nicht, den Begriff Amerika habe ich mir

anders gedacht, als Fässer gepökelten Schweinefleisches bergauf zu

kullern.«

»Ich auch lieber Maulbeere, ich auch, aber was wollen wir machen?«

lächelte Eltrich, »Hunger thut weh und ehrliche Arbeit schändet hier

nicht, das ist schon ein ungeheuerer Vortheil dieses freien Landes --

andere habe ich allerdings noch keine Gelegenheit gehabt kennen zu

lernen.«

»Es ist eine kleine, aber doch immer eine Empfehlung,« sagte Maulbeere

achselzuckend, »und ungefähr so, als ob ich Jemanden in's Wasser werfe,

und erlaube ihm dann das Maul zuzumachen und zu schwimmen -- und dafür

35 Thaler Gold Passage -- kommt mir beinah ein wenig theuer vor -- haben

Sie die Fässer Pech -- oder ist das etwa gar Kolophonium? auch mit

heraufgewälzt?«

»Ja,« lachte Eltrich.

»Stoffverschwendung,« murmelte Maulbeere zwischen den Zähnen durch, und

setzte dann lauter hinzu, »nein, zu _solcher_ Arbeit möchte ich mich

doch nicht verstehen; werde wenigstens suchen mich so lange davor zu

bewahren als möglich. Meine Absicht ist hier in Amerika, so bald sich

eine schickliche Gelegenheit dazu bietet, meinen Händen wie meinemersten

linken Hinterbein, das nun so lange Jahre hat das Rad treten müssen,

Ruhe zu gönnen, und mit dem Geist zu arbeiten.«

»Aber wie wollen Sie das anfangen Herr Maulbeere?«

»Daran arbeitet mein Geist eben noch,« sagte der Scheerenschleifer

etwas geheimnißvoll, »der passende Zeitpunkt ist auch noch nicht

gekommen -- sollte er nahen werde ich ihn nicht versäumen.« --

»Hallo _boys_ -- hier, macht daß die Sachen hinaufkommen!« unterbrach

da eine Stimme vom Flatboot herauf, die Unterhaltung der beiden

Reisegefährten -- »die Karren kommen da oben schon wieder zurück und

wollen Ladung haben.«

»Ich muß fort Herr Maulbeere,« rief Eltrich rasch, dem Mann die Hand

entgegenstreckend, sie aber wieder zurückziehend -- »ich mache Sie

schmutzig,« setzte er, dabei leicht erröthend, hinzu.

»Ich wasche mich wieder,« sagte Maulbeere, ohne eine Miene zu verziehn,

nahm die nochmals dargebotene Hand, schüttelte sie weit wärmer als das

sonst seine Gewohnheit war, und blieb dann, während Eltrich wieder nach

dem Boot hinuntersprang, noch eine Weile oben auf der Levée, die heiß

niederbrennende Sonne nicht weiter beachtend, halten, zuzusehn wie sein

Reisegefährte arbeite. Eltrich war dabei vielleicht der Einzige von den

Zwischendeckspassagieren gewesen, mit dem er nie ein unfreundliches Wort

gehabt, der ihn nie verspottet oder geärgert; Einer der Wenigen, dem,

wie seiner Frau, man es auf den ersten Blick ansah, daß sie einst in

besseren Verhältnissen und größeren Bequemlichkeiten gelebt, während sie

sich doch alle Beide nie, auch über die größten Unannehmlichkeiten

nicht, weder über Kost noch Raum beklagten. Das besonders hatte ihnen

die Achtung dieses wunderlichen Zwitterdings von Thier und Mensch, des

Scheerenschleifers, gewonnen, und wenn dieses Herz überhaupt einer

solchen Regung fähig gewesen wäre, würde er den jungen Mann, der sich

mit seinem schmächtigen Körper jetzt gegen ein ziemlich dreihundert

Pfund schweres Porkfaß legte, und es mit triefender Stirn den Hang

hinaufarbeitete, bemitleidet, ja ihm vielleicht irgend eine Hülfe

angeboten haben, er hätte von vornherein überzeugt sein können daß sie

Eltrich nicht annahm. Maulbeere wollte etwas derartiges aber auch nicht

einmal riskiren, und nur nach einer Weile auf das Entschiedenste mit dem

Kopfe schüttelnd, drehte er sich um, hakte sein Tragband wieder ein, und

fuhr in seinem gewöhnlichen schwankenden Gang die Levée hinauf, der

Dampfbootlandung zu.

Über den freien, vor dieser Landung liegenden Platz, schritt ein Mann

mit einer Frau. Der Mann trug einen Jagdranzen über der Schulter, die

Frau ein, in ein rothes Tuch eingeknüpftes Bündel in der Hand, aber

den Kopf blos dabei, die Haare wirr und ungemacht, und nur mit einem

schwarzsammetnen Stirnband zusammengebunden, das vorn eine kleine

unächte emaillirte Broche trug. Ohrringe und Halskette waren von

demselben Metall, paßten aber wie das in grellbunten Farben prangende

seidene Tuch, das sie um den Hals trug, schlecht zu den bleichen Wangen,

den hohl liegenden stieren Augen, und die Leute die ihnen begegneten,

und nicht gerade zu viel mit sich selber zu thun hatten, noch auf irgend

etwas anderes zu achten, blieben stehn und schauten der wunderlichen, ja

fast unheimlichen Gestalt nach, die wankenden Ganges neben dem Mann

hinschritt, mit den Händen dabei focht, und einzelne unzusammenhängende

Worte ausstieß.

»Sei jetzt vernünftig Jule!« flüsterte ihr da der Mann, ihren Arm zu

gleicher Zeit fassend daß sie vor Schmerz einen leisen Schrei ausstieß,

zu -- »zum Donnerwetter noch einmal, alle Menschen, die uns begegnen,

stieren uns an, und halten Dich am Ende noch für verrückt. Laß doch zum

Teufel die Arme ruhig, was hast Du denn damit in einem fort in der Luft

herumzufahren? Wenn Du mir nicht unterwegs wieder vernünftig wirst, weiß

ich wahrhaftig gar nicht was ich mit Dir anfangen soll.«

»Unterwegs? -- ja -- das ist gut,« sagte die Frau, leise vor sich

hinlachend, »unterwegs -- wenn wir nur erst unterwegs wären -- ich sehne

mich danach.«

»Na dann geh auch ordentlich zu, und betrage Dich nicht so albern,«

brummte der Mann, »sieh' das Boot raucht schon, wir müssen machen daß

wir hinunter kommen.«

»Herr Gott!« rief die Frau da, plötzlich stehen bleibend, und sich mit

der linken Hand wild über die Stirn streichend, »wir haben -- wir haben

etwas zu Haus vergessen!«

»Vergessen?« sagte der Mann, sie fragend anschauend, »na was ist nun

wieder los -- die Brieftasche? -- nein die habe ich hier, und das Geld

ist auch da -- was hast Du denn vergessen?«

»Die _Kinder_,« flüsterte die Frau, und ergriff heftig seinen Arm, der

Mann aber schleuderte sie wild von sich; wie er jedoch sah daß mehr und

mehr Menschen auf sie aufmerksam wurden, und stehen blieben und ihnen

nachschauten, trat er rasch an die Frau wieder hinan, zog ihren linken

freien Arm in den seinen, und sie wie mit eisernem Griffe haltend und

mit sich fortziehend, zischte er ihr in's Ohr:

»Bist Du denn ganz des Teufels, sinnloses Weib, hier auf offenem

Platze den Unsinn auszuschreien? -- oder möchtest Du etwa mit den

Amerikanischen Zellengefängnissen Bekanntschaft machen? Komm -- halte

Dich fest an mich an und verlier Dein Bündel nicht; ein Glück daß die

Leute kein Deutsch verstehn.«

»Gehn wir denn hin wo sie sind?« frug die Frau rasch, immer noch an dem

einen Bild sich anklammernd.

»Mir wär's recht wenn Du's thätest,« rief der Mann in finsterem, kaum

zurückgehaltenem Groll, »ich habe das Gewinsele und Geklage satt --

begreife überhaupt nicht, wie ich es so lang ausgehalten, und geb' Dir

meinen Segen auf die Reise.«

»Und ich _dürfte_ zurück?« rief die Frau rasch und heftig bewegt zu ihm

aufschauend.

»Treib' keinen Unsinn,« knurrte der Mann, »Du wärst's am Ende im Stande,

ihnen gerade wieder in den Rachen zu laufen, und die Freude zu machen,

daß sie Dich eine halbe Lebenszeit in's Spinnhaus stecken könnten. --

Dort liegt unser Boot -- alle Wetter, da geht auch ein alter Bekannter;

noch von Bord her; kennst Du den, Jule?«

»Laß den widerlichen Menschen,« sagte die Frau, in sich zusammenschaudernd.

»Guten Tag Herr _Meier_!« rief in diesem Augenblick Maulbeere, der mit

seinem Karren gerade an ihnen vorüber fuhr und den Hut in spöttischer

Ehrerbietung tief gegen ihn schwenkte -- »bitte mich Ihrer Frau Gemahlin

auf das Gehorsamste zu empfehlen.«

Steffen, der seine rechte Hand in der Hosentasche stecken hatte, zog sie

heraus, griff an die Mütze und ging steif und finster an dem, ihm aus

mehr als einer Hinsicht verhaßten Scheerenschleifer vorüber.

»Ein nobeles Pärchen,« murmelte dieser aber vor sich hin, als er, ohne

sich nach den Beiden weiter umzusehn, an ihnen vorbei gefahren war, »ein

_sehr_ nobeles Pärchen, das muß wahr sein. Gäbe auch was drum wenn ich

wüßte was die einmal für ein Ende nehmen hier in Amerika -- jedenfalls

auf Staatsunkosten, oder müßte mich sehr irren.«

»Hallo Scheerenschleifer!« rief da eine laute fröhliche Stimme hinter

ihm her -- »halt da, hier ist Arbeit für Euch.«

Maulbeere hielt rasch still und sah sich nach dem Rufer um, der vorn auf

dem Bug desselben Bootes stand, das der Mann von der Haidschnucke mit

seiner Frau eben betreten hatte, und das an seinem Boilerdeck ein großes

Schild mit seinem Namen »_The backwoods queen_« und dem Bestimmungsort

_St. Louis_ trug.

»Ist denn heute die ganze Haidschnucke über die Landung hier

weggeschüttelt?« murmelte der Scheerenschleifer erstaunt zwischen den

Zähnen durch, als er wieder einen seiner Reisegefährten, ebenfalls als

Bootsmann gekleidet, gar nicht weit von sich entfernt stehen und winken

sah, »und blaue verdammt kurze Hemden scheinen ein ordentlicher

Modeartikel zu sein -- hm, hm, hm, Herr Donner als Matrose auch nicht

übel; Zachäus Maulbeere darf da, seinen größeren Fähigkeiten

entsprechend, wohl bald erwarten Capitain zu werden.«

»Nun Maulbeere wie gehn die Geschäfte?« rief ihm Georg Donner noch

einmal zu, und kam dann über die Laufplanke, seine beiden Daumen vorn in

dem breiten Ledergürtel, der seine Hüften umschloß, herüber an Land --

»Wetter noch einmal Mann, Ihr seht noch genau so aus wie an Bord, und

habt Euch nicht im mindesten amerikanisirt.«

»Hätte bald 'was gesagt« brummte Maulbeere, die Gestalt vor sich mit

einer eigenen Mischung von Spott und Humor betrachtend; »aber was thun

Sie hier eigentlich, und wie sehn Sie aus?«

Maulbeere hatte allerdings Ursache so zu fragen, denn mit Georg Donner

schien jedenfalls eine ganz eigenthümliche und große Veränderung

vorgegangen zu sein. Schon in seinem Äußeren war er ein anderer Mensch

geworden, der den dunklen Rock ab- und ein kurzes blaues Matrosenhemd

übergeworfen hatte, das in der Mitte von dem schon erwähnten Ledergürtel

zusammengehalten wurde. Die Beine staken in Hosen von demselben

einfachen Stoff, sein blaugestreiftes Hemd hielt ein schwarzseidenes in

einen Matrosenknoten geschlagenes Halstuch zusammen, und das dunkle

lockige Haar deckte eine blauwollene schottische Mütze, während an dem

Gürtel ein kurzes Matrosenmesser mit hölzernem Griff und in lederner

Scheide hing. Aber das nicht allein -- sein ganzes Wesen hatte das

ernste, träumerische verloren das ihm an Bord so eigen gewesen, und war

frei und entschlossen, ja fast keck geworden, ohne jedoch dadurch irgend

etwas von seiner offenen Ehrlichkeit verloren zu haben.

Er lachte, als er den schmutzigen verdrossenen Burschen, der ihm immer

in seinem ganzen Wesen viel Spaß gemacht, noch eben so sauertöpfisch,

bis in dasselbe Knopfloch hinauf eingeschnürt, und ohne die Spur von

irgend einer reinen Wäsche vor sich stehen sah, besserte aber dadurch

Maulbeeres Laune keinenfalls.

»Wie ich aussehe, mein würdiger Maulbeere?« lachte Donner, »wie ein Mann

der entschlossen ist seinen Weg in Amerika zu machen, und das Land zu

sehn und kennen zu lernen.«

»Um das Land kennen zu lernen gehn Sie auf's Wasser?« sagte der

Scheerenschleifer, seine Stirnhaut zu unzähligen Falten zusammenziehend

-- »auch nicht übel, und als was? -- Capitain, Steuermann, Koch,

Ingenieur?«

»Nichts von alle dem Kamerad« lachte der junge Mann, »zu so hohen Posten

kann man erst avanciren, wenn man von der Pike auf gedient hat; vorerst

mache ich eine Reise als Feuermann mit.«

»Als Heizer an Bord?« frug Maulbeere wirklich erstaunt.

»Als Heizer« bestätigte Donner lachend, »mit dreißig Dollar monatlichem

Gehalt, und frei Kost und Logis, Whiskey, Zucker, Kaffee und wie die

Vortheile alle heißen, die uns das wackere Boot bietet.«

»Sind Sie bei dieser Anstellung als _Lehrling_ oder gleich als _Geselle_

eingetreten?« frug Maulbeere, der sich noch immer nicht an dem Costüm

seines früheren Reisegefährten satt sehn konnte.

»Als Geselle, Herr Maulbeere, als Geselle, und Sie sollten einmal sehn

wie ich die Schürstange schwingen werde.«

»Kann ich mir lebhaft denken« betheuerte der Scheerenschleifer, sein

Gesicht in einen förmlichen Knoten zusammendrückend -- »kann ich mir

lebhaft denken -- ist auch eine recht passende Beschäftigung für einen

Pastors-Sohn.«

»Schadet Nichts Maulbeere« lachte aber der junge Mann, »nur ehrlich und

rechtschaffen gehandelt und sich sein Brod selber erarbeitet, auf das

Übrige kommts dann nicht an; ob ich einen Frack oder ein Schurzfell

trage, und _durch_ komm' ich, darauf können Sie sich verlassen, so lange

mir Gott meine Gesundheit und meine gesunden Glieder läßt. Übrigens

sind noch ein paar Bekannte von Ihnen hier an Bord« setzte er rasch

hinzu -- »Carl Berger, der Deserteur, und Herr Schultze aus Hannover.«

»_Auch_ Feuermann?« rief Maulbeere rasch und erstaunt.

»Der erste ja, der letzte nicht« lachte Georg Donner -- »sollte sich

nicht übel mit der Schürstange ausnehmen, und würde das Feuern wohl kaum

vierundzwanzig Stunden aushalten; er geht als Passagier, glaub' ich,

nach St. Louis.«

»Hm« brummte Maulbeere vor sich hin -- »alle Welt geht fort von hier;

wenn ich wüßte daß es im Lande besser wäre, schöb ich meinen Karren auch

an Bord.«

»Scheeren und Messer wird's überall zu schleifen geben« sagte Donner.

»Die Möglichkeit ist vorhanden daß ich mir in Zukunft meine eignen

Messer schleifen _lasse_« sagte Maulbeere.

»Oho?« rief Donner verwundert aus, »ja wenn Sie solche Pläne haben,

Freund Scheerenschleifer, dann ist doch wohl New-Orleans der beste

Platz, galopirende Speculationen rasch zur Ausführung zu bringen; ich

wüßte übrigens eine für Sie.«

»Eine Speculation? -- und die wäre?«

»Haben Sie die riesenhaften Ankündigungen von Stiefelwichse gesehn, die

überall in der Stadt an den Straßenecken kleben?«

»Allerdings -- wo sich der Neger vor dem Stulpenstiefel rasirt« feixte

Maulbeere, dem die Idee ungemein gefallen.

»Dieselbe!« lachte Donner, »wenn Sie Ihren Stiefeln im Stande sind halb

den Glanz zu geben den das Schultertheil Ihres Rockes hat, so ist Ihr

Glück gemacht.«

»Hören Sie einmal mein lieber Herr Donner« sagte aber jetzt Maulbeere

gereizt, und mit einem fast boshaften Lächeln in den entsetzlich

häßlichen Zügen -- »wenn Ihre Feuer nicht besser scheinen werden als Ihr

Witz, so glaub' ich, käm' ich eher mit meinem Schiebkarren nach St.

Louis hinauf, wie Sie mit Ihrem Dampfboot -- wer weiß ob mein blanker

Rock nicht noch länger hält als Ihr blaues Hemd, und Sie im nächsten

Winter nicht vielleicht Gott danken würden, einen so warmen Überzieher

zu haben.«

»Frieden, würdiger Greis, Frieden« lachte der junge Mann, »die Bemerkung

war keineswegs böse gemeint und sollte Sie nicht beleidigen -- im

Gegentheil hab' ich sogar eine Bitte an Sie, mir nämlich über ein paar

junge Leute von unserem Schiff Auskunft zu geben, die Sie gewiß nicht,

wenigstens trau' ich das Ihrem Scharfblick kaum zu -- aus den Augen

verloren haben.«

»Und die wären?« -- sagte Maulbeere immer noch mistrauisch den jungen

Burschen dabei betrachtend.

»Was ist aus dem Doktor Hückler geworden?« sagte dieser -- »ich habe ihn

nicht wieder gesehn, seit er an jenem ersten Landungsabend unser Schiff

verließ.«

»Wohnt jetzt in ---- _street_« sagte Maulbeere, »führt ein großes Schild

über der Thür _J. A. Hückler_, deutscher Doktor und Geburtshelfer«

schmunzelte Maulbeere -- »und rechts und links an dem Schild hat er sich

ein paar große schwarz-roth-goldene Kokarden malen lassen.«

Georg Donner lachte.

»Der wird sein Brod schon hier finden« sagte er achselzuckend, »wer

kann's ändern; vielleicht haben die Leute recht, die da behaupten, in

Amerika _wollten_ die Menschen betrogen sein.«

»_Vielleicht_ haben sie recht,« brummte Maulbeere vor sich hin -- »da

ist gar kein vielleicht dabei, und wer hier seine _Knochen_ einsetzt,

muß gewöhnlich die Haut mit in Kauf geben -- ich gedenke hier _Gerber_

zu werden -- aber nach wem wollten Sie noch fragen?«

»Haben Sie von Henkel und seiner Frau Nichts gehört?«

»Hm -- « sagte Maulbeere, sich mit der linken Hand die grauen

Kinnstoppeln streichend -- »gehört gerade nicht, aber gesehn.«

»Gesehn? -- was?«

»Nun wie sie von Bord ging« sagte Maulbeere.

»Die arme Frau -- ob sie sich wohl erholt hat -- «

»Wunderliche Geschichte das,« meinte Maulbeere.

»Ich glaube nicht daß die Krankheit von Bedeutung war« sagte Donner, die

Bemerkung darauf beziehend -- »Ruhe und nahrhafte Kost werden sie wohl

bald wieder hergestellt haben. Ich hätte sie gern einmal wieder besucht

und mich nach ihrem Befinden erkundigt, mochte sie aber doch auch nicht

stören -- wissen Sie nicht wo sie wohnen?«

»Wer? -- die Frau mit dem Mädchen?«

»Henkels -- «

»Möglich daß sie sich wieder zusammengefunden haben,« meinte Maulbeere

trocken -- »im Anfang waren sie auseinander.«

»Wie so?« frug Donner erstaunt.

»Nun die Madame ist in _ein_ Hotel gezogen, und der Herr in ein anderes«

meinte Maulbeere -- »waren lange genug zusammen an Bord, und Amerika ist

ein freies Land.«

»Unsinn« sagte der junge Mann lachend, »da haben Sie sich etwas aufbinden

lassen, Herr Maulbeere -- Henkel wird sich hüten und seine junge,

wunderhübsche Frau in ein anderes Hotel ziehen lassen -- ich möchte nur

wissen ob sie sich wieder vollkommen wohl fühlt.«

»Könnten Sie am Besten wissen, wenn Sie wären zu finden gewesen« sagte

Maulbeere trocken.

»Zu finden gewesen? -- was wollen Sie damit sagen?«

»Daß Sie das kleine Ding -- wie hieß das Mädchen doch, das in der Cajüte

die Kammerjungfer spielte? -- «

»Hedwig!« rief Donner schnell.

»Ja wohl, Hedwig, daß Sie die wie eine Stecknadel in der ganzem Stadt

gesucht und mich, den sie zufällig auf der Straße traf, auch nach Ihnen

gefragt hat.«

»Guter Gott, hätte ich nur eine Ahnung davon gehabt« rief Georg, »aber

was wollte sie von mir -- ärztliche Hülfe?«

»Nun was sonst? -- die Frau lag lebensgefährlich krank und sie hatten,

wie sie sagte, kein Vertrauen zu einem Amerikanischen Arzt; müßte mich

übrigens sehr irren, wenn nicht vielleicht ebenso wenig Geld wie

Vertrauen -- .«

»Eben so wenig Geld? -- Unsinn, ihr Vater ist Einer der reichsten Leute

in Heilingen und ihr Gatte Herr oder Erbe einer halben Million -- .«

»Ja -- ist recht schön, aber wie mir jetzt scheint, ist die halbe

Million noch nicht reif, und muß erst noch eine Weile hängen. Die junge

Mamsell habe ich indessen zu Herrn Doktor Hückler geschickt, der sein

Schild gerade an dem Tage aufgemacht; von dem wollte sie aber Nichts

wissen und ging traurig fort.«

»Und welches Hotel war das?« rief Georg rasch.

»Ja, das weiß ich nicht mehr« sagte Maulbeere.

Das scharfe Läuten der Bootsglocke von der _Backwoods queen_ unterbrach

ihre Unterhaltung.

»An Bord da Ihr Leute, an Bord! Höll' und Verdammniß, was steht Ihr da

draußen herum und habt Maulaffen feil. -- An Bord jeder Mutter Sohn von

Euch, wenn ich Euch nicht Beine machen soll -- .«

»Wenn ich nicht irre« sagte Maulbeere freundlich, »so ersucht sie der

Mann da drinnen doch gefälligst zum Kaffee hinein zu kommen, nicht

wahr?«

»Lieber Gott!« rief Georg, die spöttische Bemerkung ganz überhörend,

»daß ich jetzt hierher gebannt sein muß, und keine Zeit mehr übrig habe

sie aufzusuchen.«

»Würden in dem Costüm auch außerordentlich achtbar und vertrauenweckend

aussehn« bemerkte der Scheerenschleifer.

»Holla an Bord da -- Ihr, Dutchman dort drüben mit der schottischen

Mütze -- wie heißt der Bursche gleich -- heh, George, an Bord hier, hört

Ihr nicht, oder soll' ich Euch Beine machen?«

»Gleich, gleich!« rief der junge Mann ängstlich und ungeduldig mit dem

Fuße stampfend, »ich wollte meine acht Tage Lohn, die ich hier schon an

Bord gearbeitet habe, einbüßen, wenn ich nur zwei Stunden Raum jetzt

hätte die arme Dame zu suchen, und zu erfahren wie es ihr geht.«

»Haben drei Wochen Zeit gehabt und nicht daran gedacht« meinte Maulbeere

ruhig, »woher kommt jetzt auf einmal die Eile?«

»Wollen Sie mir einen Gefallen thun, lieber Maulbeere?«

»_Lieber_ Maulbeere« sagte der Scheerenschleifer still vor sich hin

lachend -- »_lieber_ Maulbeere, wie zärtlich das klingt -- und was

wär's?«

»Wollen Sie die Frauen auskundschaften?«

»Die Mamsell meinte, Madame Henkel hätte sich schon unendlich nach mir

gesehnt -- wenn die Sache nur nicht zu gefährlich ist.«

»Wollen Sie ihnen sagen, daß ich keine Ahnung gehabt hätte, sie

bedürften meiner Hülfe, in vierzehn Tagen aber spätestens kehre mein

Boot nach New-Orleans zurück und ich stünde dann ganz zu ihren Diensten,

ihre Adresse sollen sie mir unter meinem Namen auf die Post legen.«

»Ich soll doch sagen, daß Sie _Schiffsdoktor_ an Bord geworden wären?«

frug Maulbeere.

»Sagen Sie die _Wahrheit_,« rief Georg, »das ist immer das Beste; aber

adieu Maulbeere -- ich muß wahrhaftig fort.«

»Der Kaffee wird kalt« meinte dieser. --

»Sie ziehen die Planken schon ein!« rief der junge Mann, »leben Sie

wohl, und wenn ich Ihnen je wieder einen Dienst erweisen kann, zählen

Sie auf mich!«

»Werft das Tau da los!« rief ihm in diesem Augenblick die Stimme des

Steuermanns zu, der vorn auf dem Bug stand und das in den Strom Gehen

des Bootes leitete -- »das Tau da vorn in dem Ring an Land, wo der

Baboon von einem Menschen steht -- siehst Du nicht?«

Maulbeere, der mit dem Baboon gemeint war, verstand glücklicher Weise

nicht was der Mann auf Englisch rief, Georg aber warf das Springtau, an

dem der Vordertheil des Bootes noch an Land befestigt war, los, wieder

tönte die Glocke, die letzte Planke, auf der der junge Mann kaum Zeit

behielt an Bord zu laufen, wurde eingezogen, und Georg Donner winkte

noch einmal von Bord aus, dem am Ufer zurückbleibenden Maulbeere mit der

Hand, was dieser, sehr zum Ergötzen der übrigen Feuerleute und

Deckhands, mit einer sehr tiefen und ehrfurchtsvollen Verbeugung, bei

der er den alten Hut in der Luft schwenkte, erwiederte, dann aber seinen

Karren aufnehmend vor sich hinmurmelte:

»Lieber Maulbeere, ja wohl -- _lieber_ Maulbeere -- Angenehmen spielen

und Maulbeere soll Bote spielen -- bah -- werde ihm selber eine Adresse

auf die Post legen, die ihn freuen soll -- .« Und der Scheerenschleifer

fuhr, von dem Gedanken ergötzt, still vor sich hinschmunzelnd die Levée

entlang.

Capitel 5.

Literarische Bekanntschaften.

In New-Orleans, in der ---- Straße, an der untern Ecke des Marktes stand

ein schmales hohes, aus rothen, unbeworfenen Backsteinen errichtetes

Haus, das über seine ganze Breite hin ein mächtiges, weißlackirtes

Schild und auf diesem die Worte:

_»Expedition der New-Orleans Biene«_

trug. An der Thüre unten war noch ein kleines deutsches Schild

angebracht, das die »Office« des »Editors« oder Redakteurs als eine

Treppe hoch liegend, und die Stunden von zehn bis zwölf Vormittags, wie

von drei bis fünf Uhr Nachmittags als die passendsten bezeichnete, ihn

zu sprechen.

Es war etwa halb vier Uhr Nachmittags Anfangs November jenes Jahres, als

ein junger Mann, sehr anständig gekleidet, in schwarzem Frack, dunklen

Beinkleidern und Handschuhen, seinen Hut vielleicht der Wärme wegen in

der Hand, das Haus erreichte, das kleine Schild unten durchlas, sein

Haar dabei etwas ordnete, und dann die ziemlich steile, noch ganz neue

Treppe langsam hinanstieg. Er trug ein fest eingeschlagenes Packet, das

möglicher Weise Manuscript enthielt, unter dem linken Arm, und klopfte

leise an die mit einem entsprechenden Schild bezeichnete Thür.

»_Walk in!_«[12]

»Habe ich das Vergnügen mit Herrn Doktor Rosengarten zu sprechen?«

»Bitte -- ich bin kein Doktor -- aber mein Name ist Rosengarten; mit wem

habe ich die Ehre?«

»Theobald -- Fridolin Theobald -- Lyrischer Dichter und Schriftsteller

im Allgemeinen, aus Deutschland« stellte sich unser Freund dem kleinen,

etwas schwärzlich aussehenden Manne selber vor, indem er ihm eine,

gewissenhaft an der Ecke eingedrückte Visitenkarte überreichte.

»Und womit kann ich Ihnen dienen?« sagte Herr Rosengarten, einen etwas

mistrauischen Blick nach dem Packet werfend, das jener unter dem Arme

trug -- »wohl erst ganz kürzlich von Deutschland gekommen, wenn man

fragen darf?«

»Seit etwa drei Wochen« sagte Herr Theobald, indem er anfing sein Packet

aus einem großen Bogen Makulatur herauszuwickeln, »und wollte mir nur

die Freiheit nehmen, Ihnen hier Einiges für Ihr sehr geschätztes Blatt

anzubieten.«

»Ah, Sie sind sehr freundlich« sagte Herr Rosengarten etwas verlegen,

indem er nach seiner Brille auf dem neben ihm stehenden Schreibtisch

herumfühlte, die gefundene aufsetzte und beide Hände dann, als ob er

nicht voreilig damit zu sein wünschte, in seine Rocktaschen schob.

»Ich habe hier zweierlei,« sagte Herr Theobald mit einer leichten

Verbeugung, »was Beides, wie ich kaum zweifle und wovon Sie sich auch

wohl bald überzeugen werden, nicht geringes Furore beim Publicum machen

wird. Ich will und möchte nicht gern unbescheiden sein, aber ich weiß,

daß der Erfolg nicht fehlen kann. Sie haben doch vollständige

Preßfreiheit hier in Amerika?«

»Vollständige« versicherte Herr Rosengarten, mit einem sehr

entschiedenen Kopfnicken.

»Ihre Constitution garantirt es Ihnen wenigstens -- .«

»Ah, und wir wissen es aufrecht zu erhalten« betheuerte Herr Rosengarten

»der Präsident in seinem Weißen Hause ist nicht sicher angegriffen und

seiner verborgensten Fehler wegen öffentlich an den Pranger gestellt zu

werden.«

»Schön -- sehr schön« rief Herr Theobald -- »Gott sei ewig gedankt, daß

ich endlich einmal diesen Engelsgruß, wenn ich mich so ausdrücken darf,

von geweihten Lippen aussprechen hören kann. -- Sie sind auch

Schriftsteller, nicht wahr? -- «

»Hm -- ja« sagte Herr Rosengarten mit einem bescheidenen Blick nach dem

breiten, halbgeöffneten Glasfenster, das ihn von der Druckerei trennte

-- »eigentlich Buchdrucker -- die Ausstattung unserer Sachen läßt Nichts

zu wünschen übrig, aber die leichten Sachen, die Leitartikel vorn im

Blatt, und die Angriffe auf die Gegenparthei, schreib ich gewöhnlich

selber.«

»Ihr Blatt ist rein demokratisch?«

»Diamant« sagte Herr Rosengarten, »das heißt« setzte er rasch hinzu --

»Sie werden mich wohl verstehn, was man damit sagen will -- Demokrat den

Grundsätzen, aber nicht immer den Principien nach.«

»Das verstehe ich allerdings _nicht_« sagte Theobald erstaunt.

»Nun ich meine« versicherte der Editor der New-Orleans Biene, »daß wir

grundsätzlich reine Demokraten sind, und die demokratischen Principien

auch in unserem Blatt, gerade im demokratischen Sinne aber auch die

allgemeinen Menschenrechte vertreten, zu denen die Whigs als unsere

Brüder eben so gut gehören, und solcher Art denn eine Verschmelzung der

beiden Partheien zu vermitteln suchen. Wissen Sie« fuhr er fort, als ihn

der Fremde immer noch nicht zu begreifen schien, »die Demokraten sind

gewöhnlich ungemein enthusiasmirt für ihre Sache, aber -- nur ein sehr

geringer Theil von ihnen befindet sich in hinlänglich günstigen

pecuniären Verhältnissen, nicht allein eine Zeitung zu lesen, sondern

auch zu halten und -- was die Hauptsache ist, auch zu bezahlen, während

die Whigs besonders zeitweise, auf höchst liberale Weise auch die

kleinste Vergünstigung anerkennen -- ich weiß nicht ob ich mich deutlich

genug ausgedrückt habe.«

»Ich muß allerdings gestehn, daß ich das noch nicht ganz vollkommen

begreife« sagte Herr Theobald.

»Es ist unser Princip, im ächt demokratischen Sinne« sagte Herr

Rosengarten, »_beiden_ Theilen _gerecht_ zu werden; wir stehen, um ihnen

gewissermaßen durch ein Beispiel unser Ziel anschaulich zu machen, in

Fechterstellung, bei zurückgeworfenem Körper mit dem linken Fuß auf der

Demokratie, mit dem rechten den Whiggismus nur allerdings leicht

berührend, nur danach fühlend, aber jeden Augenblick bereit uns im

Angriff momentan ganz darauf zu werfen, und dann nur wieder zum Schutz

auf den linken Fuß zurückzufallen.«

»Aber gegen _wen_ kämpfen Sie dann?« sagte Herr Theobald, wirklich

selber confus gemacht durch diese Erklärung, in sehr natürlicher Frage.

»Gegen Jeden der uns angreift,« sagte Herr Rosengarten schnell -- »die

Biene kann auch stechen, mein verehrter Herr« -- er warf einen raschen

Blick auf die vor ihm liegende Karte -- »mein verehrter Herr Theobald;

die Biene kann auch stechen, trotz ihrem Fleiß mit dem sie Wachs für

ihre Zellen, Honig für ihre Leser einträgt. Wir haben uns dabei mit den

besten Kräften Amerikas verbunden,« setzte er mit innigem Selbstgefühl

hinzu, »und wissen, daß wir dem Publikum etwas Gediegenes, Solides

bieten können.«

»Sie bringen aber, wie ich gesehen habe, außer der Politik auch

Erzählungen, Novellen und Lyrik« sagte Herr Theobald.

»Gewiß, oh sicher« betheuerte Herr Rosengarten, »nur durch

Mannichfaltigkeit kann sich ein Blatt in Amerika halten.«

»Und verschmähen dabei gewiß nicht Artikel, welche auf die Verbesserung

der Cultur, der Zustände hinarbeiten, und diese, wo sie unzweckmäßig

oder faul sind, rügen?«

»Gewiß nicht« sagte Herr Rosengarten rasch und erfreut, »wir suchen

sogar etwas darin, mit sämmtlichen Zuständen unzufrieden zu sein, und

indem wir Viel, _sehr_ viel verlangen, wenigstens _etwas_ dadurch zu

erreichen. Wenn sie Amerika näher kennen lernen, werden Sie uns ganz

recht geben.«

»Ich habe schon jetzt einige Erfahrungen gemacht« versicherte ihm Herr

Theobald, »die mich veranlassen Ihnen in mancher Hinsicht beizustimmen,

und die Zeit die ich in Amerika zubringe, nicht allein benutzt frische

Eindrücke zu sammeln und Beobachtungen und Vergleiche anzustellen,

sondern auch diese Beobachtungen und Resultate niederzuschreiben. Nun

muß ich Ihnen aufrichtig gestehen, daß ich bis jetzt der Tagespresse

nicht solche Macht zutraute, auf die öffentliche Meinung zu wirken,

indem ein Journal, ob es nun täglich oder wöchentlich erscheint, mit

der nächsten Nummer schon gewissermaßen bei Seite geschoben wird und

veraltet ist; der Buchhandel dagegen auf einer, von jedem anderen Lande

unerreichten Stufe steht, und die Exemplare populär gewordener, oder in

die Zeitumstände eingreifender Werke, in einer enormen Masse in das Volk

geworfen und verbreitet werden. Ich habe in diesen letzten Tagen deshalb

auch versucht meine Beobachtungen, in Verbindung mit einigen anderen

literarischen -- und wie ich mir schmeicheln will nicht ganz werthlosen

Artikeln, als Band vereinigt, hier bei einem der ziemlich zahlreich

vertretenen Buchhändler herauszugeben, aber eine solche grenzenlose

Apathie bei ihnen gefunden, daß ich wirklich erstaunt bin.«

»Sie haben es nicht drucken wollen?« sagte Herr Rosengarten, etwas derb

der Sache gleich auf den Grund gehend.

»Nun das will ich gerade nicht sagen,« parirte Theobald den Stoß auf

seine Eitelkeit, »aber sie machten mir so viele Umstände und

Schwierigkeiten, daß ich es in Widerwillen aufgab mit ihnen in irgend

eine Geschäftsverbindung zu treten. Die Sache selber aber ist zu

wichtig, im speciellen Fall für Louisiana, in seinem ganzen Umfang aber

auch für die Vereinigten Staaten von Amerika, sie aufzugeben, und ich

bin es als Schriftsteller der Welt schuldig dem Ungethüm, das seine

Fittige drohend über das wunderschöne Land breitet, wenn ich ihm nicht

gleich einen Stoß in's Herz versetzen kann, eine so gefährliche Wunde

als möglich beizubringen, damit es unter den nach und nach auf es

geführten Streichen endlich verblutet.«

»Und welches Ungeheuer meinen Sie?« frug Herr Rosengarten gespannt.

»Welches Ungeheuer? -- die Sclaverei!«

»Ja mein lieber Herr Theobald,« sagte da der kleine Redakteur, sich wie

verlegen die Hände reibend, und die Schultern hinaufziehend, »da sind

Sie allerdings gleich auf den wundesten Fleck gekommen.«

»Nicht wahr?« rief der Dichter erfreut.

»Ja wohl, ja wohl, aber -- «

»Aber?« --

»Das ist eine Geschichte,« setzte Herr Rosengarten hinzu, »an der wir

uns nicht die Finger verbrennen dürfen.«

»Die Finger verbrennen? -- ich verstehe Sie nicht -- haben Sie mir nicht

selbst gesagt daß Sie hier vollständig freie Presse -- «

»Ja, vom Staat aus,« unterbrach ihn der Redakteur, »aber was will ich

machen, wenn mir ein Haufen zügellosen Gesindels hier in meine Officin

bricht, meine Pressen zerstört, meine Buchstaben aus dem Fenster

wirft, und mich selber mishandelt oder gar todt schlägt?«

»Aber ich bitte Sie um Gotteswillen, so etwas kann doch in einem

gesetzlich organisirten Staat nicht vorkommen?«

»_Kann_ nicht vorkommen,« wiederholte Herr Rosengarten achselzuckend,

»_ist_ aber vorgekommen, und zwar schon diverse Male in den civilisirtesten

Staaten, in Philadelphia und New-York, in Cincinnati und hier selbst in

New-Orleans. Lassen Sie hier Jemanden leichtsinnig, oder ich möchte fast

sagen _wahnsinnig_ genug sein den Beinamen _Abolitionist_ zu verdienen,

und er wird finden daß es etwa denselben Erfolg hat, als ob man irgend

einem ausreißenden Köter das Wort »toller Hund« nachruft; wer irgend

etwas Werfbares in der Geschwindigkeit aufraffen kann, wirft es nach

ihm, und haben sie ihn dann todt geschlagen, geben sie sich vielleicht

die Mühe sich zu erkundigen ob er auch wirklich toll, oder was hier

dasselbe sagen will, ein Abolitionist gewesen.«

»Aber das können sie ja dann doch keine freie Presse nennen?« rief der

Dichter in Verzweiflung aus.

»Warum nicht?« sagte Herr Rosengarten achselzuckend, »wir dürfen über

Alles schimpfen was vorkommt. Lesen Sie die verschiedenen Zeitungen der

Gegenparthei bei einer Präsidentenwahl, und sein Sie versichert daß Sie

glauben würden der Candidat für diese erste Würde der Vereinigten

Staaten verdiene eher lebenslängliche Zuchthausstrafe, als den Ehrensitz

im weißen Hause zu Washington, so wird über ihn los gezogen. Alle unsere

Institutionen dürfen Sie angreifen, jede Magistratsperson nach

Herzenslust, natürlich vorausgesetzt daß Sie sich außer dem Bereich

einer Privat-Injurienklage halten, und Sie werden durch Niemanden darin

beschränkt werden.«

»Nur nicht die Sclaverei darf man bei ihrem Namen nennen?« rief Theobald

in gereizter Bitterkeit.

»Beileibe nicht,« sagte der Redakteur, »das ist der wunde Punkt der

südlichen Staaten, die recht gut wissen welchen Makel sie dadurch auf

sich haften haben, aber auch nicht Aufopferung genug besitzen ihn mit

einem Schlage von sich abzuschütteln, und nun ängstlich wachen daß

Niemand an die schon so oft berührte und allerdings etwas schadhaft

gewordene Geschichte stößt, sie nicht am Ende doch einmal über den

Haufen zu werfen. Aber lassen Sie das gut sein, damit werden Sie, nur

erst einmal ein halbes Jahr bei uns, schon noch vertrauter werden, und

dann wohl einsehn wie recht ich heute habe Ihnen das zu sagen. Für jetzt

zeigen Sie mir einmal was Sie sonst noch -- das heißt _nicht_ die

Sclavenfrage, selbst nicht im Gedicht berührend -- bei sich haben, und

wir wollen dann sehn was wir davon gebrauchen können. Ich weiß schon,

junge Schriftsteller wünschen ihre Sachen gern gedruckt zu haben, und

man muß sie darin unterstützen.«

»Sie sind unendlich freundlich, bester Herr Doktor, Herr Rosengarten

wollte ich sagen -- aber sollte es denn gar nicht möglich sein auf

irgend eine Weise gerade dieser Frage beizukommen?«

»Thun Sie mir den einzigen Gefallen und bleiben Sie mir mit allen

solchen Sachen vom Leibe,« rief aber der Redakteur ganz entschieden,

indem er seine Hand in Erwartung des Manuscripts dem jungen Mann

entgegenstreckte; »lassen Sie uns sehn was sie sonst haben, und Alles

was sich auf Sclaverei etc. bezieht schließen Sie, wenn Sie meinem Rath

folgen wollen, so lange Sie sich in irgend einem Sclavenstaat aufhalten,

in Ihren Koffer, oder noch besser, stecken es in das erste beste Kamin

das Sie erreichen können; da sind Sie sicher daß es Ihnen weiter keine

Unannehmlichkeiten über den Hals bringt. Also was haben wir denn hier?«

fuhr er, die überreichten Papiere durchblätternd, fort, »ein kleines

Bändchen Gedichte.«

»Werden wir in des Lebens Wirren

Manchmal fehlen, manchmal irren,

Oder giebt unsres Sternes Sichtung

Unserem Dasein andere Richtung,

Blüht uns doch in des Herzens Tiefen,

Wo die Gedanken ruhend schliefen,

Neues Gebären, neues Entstehn --

Neues Erwachen -- neues Vergehn!«

»Sehr brav -- vortrefflich -- wirklich neue Gedanken und ganz originell

ausgedrückt; hm -- da sind ja eine ganze Menge; auch an Amerika --

»Ein Fels im Meere -- und doch so warm,

Den Fremden, Bedrückten, politisch Todten

Die helfende Hand und den starken Arm

Gastfrei zu ehrlichem Schutz geboten,

so entsteigst Du dem Meere, so liegst Du da,

Gegrüßt und gesegnet -- Amerika!«

sehr brav, ganz vortrefflich -- ungemein viel Gefühl -- wird meinem

Blatt alle Ehre machen. -- Und das Andere?«

»Sind kleine Erzählungen, die mir in Deutschland die Censur gestrichen

-- Dorfgeschichten aus dem Jammerleben der Proletarier -- Hofgeschichten

aus vorzüglichen Quellen, überall mit den wirklichen Namen, für deren

Wahrheit ich Ihnen garantire.«

»Vortrefflich -- ganz vortrefflich -- etwas derartiges können wir

brauchen, apropos Herr Theobald -- wo logiren Sie denn eigentlich, daß

wir Ihnen ein Exemplar unserer Biene regelmäßig zusenden können?«

»Oh Sie sind zu freundlich,« sagte Herr Theobald, »ich habe die ersten

vierzehn Tage im »deutschen Vaterland« gewohnt, bin aber da so furchtbar

und auf so raffinirte Weise geprellt worden, daß ich, selbst mit

Aufopferung eines Theils meiner Wäsche, die mir abgeleugnet wurde,

auszog, und jetzt in einem anderen deutschen, etwas besseren Kosthaus,

bei Herrn Weiß, logire.«

»Ah ich weiß schon -- nicht weit vom unteren Markt; werde mir Ihre

Adresse notiren, und wenn ich Ihnen sonst mit etwas dienen kann, bin ich

mit Vergnügen dazu bereit.«

Herr Rosengarten war aufgestanden und Theobald fühlte daß der Redakteur

der Biene mehr zu thun hatte, als sich den halben Tag mit ihm zu

beschäftigen. Nichts destoweniger lag ihm noch eine schwere und

jedenfalls unangenehme, aber auch nicht zu umgehende Frage auf den

Lippen, die er lieber von der anderen Seite hätte angeregt gehabt. Da

das aber nicht geschah mußte er es selber thun.

»Und wie halten Sie es mit dem Honorar, wenn ich fragen darf, verehrter

Herr Rosengarten?« sagte er schüchtern.

»Mit dem Honorar?« wiederholte Herr Rosengarten ungemein überrascht.

»Für diese Sachen hier mein ich -- honoriren Sie Gedichte und Prosa in

_einem_ Verhältniß, oder machen Sie einen Unterschied darin?«

»Honoriren? -- ja so, Sie verlangen _Honorar_ für Ihr Manuscript?« sagte

Herr Rosengarten, allem Anschein nach ungemein überrascht.

»Ja mein bester Herr« bemerkte Theobald, sich verlegen lächelnd die

Hände reibend -- »wenn wir _kein_ Honorar bekämen, wovon sollten wir

Schriftsteller denn da eigentlich leben?«

»Ah? -- leben Sie wirklich _nur_ vom Schreiben?« frug der Redakteur mit

unverstellter Überraschung.

»Allerdings -- Sie doch auch.«

»Ich? -- doch nicht so ganz« bemerkte der Redakteur, wieder mit einem

Seitenblick auf die im Nebenzimmer befindliche Druckerei »ich habe auch

durch jene meine Beschäftigung und -- meinen Verdienst -- mit Schreiben

allein wird sich wohl kaum Jemand hier in Amerika ernähren und über

Wasser halten können.«

»Aber es giebt doch eine Menge Amerikanischer Schriftsteller und

Dichter. -- «

»Ja Amerikaner, die haben auch ein großes Publicum, aber wir Deutschen,

mein guter Herr Theobald, sind wiederan gerade nur auf die Deutschen

angewiesen, und wenn Sie _die_ erst einmal hier in Amerika näher kennen,

werden Sie mir vollkommen recht geben wenn ich Ihnen sage, daß man die

eigentlich gar nicht für deutsche Literatur in Anschlag bringen kann.

Die Englisch verstehn, oder sich wenigstens den Anschein geben wollen

als ob sie es verstünden, lesen kein Deutsch mehr, und buchstabiren sich

lieber ihre Englische Nachrichten sylbenweis zusammen, und die, die eben

erst angekommen sind und von Englisch noch gar keine Idee haben, lesen

auch gewöhnlich gar Nichts, oder kaufen sich noch weniger ein Buch oder

eine Zeitung.«

»Wer aber, um Gotteswillen hält da die deutschen Blätter?« frug Theobald

erstaunt.

»Ja lieber Herr Theobald« versicherte Herr Rosengarten »ich gebe Ihnen

mein Ehrenwort, daß mir das manchmal selber ein Räthsel ist.

Kaffeehäuser, selbst Amerikanische, halten allerdings dann und wann

deutsche Zeitungen, und die deutschen Kosthäuser _müssen_ sie haben;

einzelne gehen auch in das innere Land und nach den kleinen Städtchen am

Mississippi hinauf, die mit New-Orleans in lebhafter Verbindung stehn

und in denen Deutsche wohnen, wie Natchez, Vicksburg, Bayou-Sarah, St.

Franzisville, Baton-Rouge etc., der Hauptabsatz geschieht aber auf oft

räthselhafte, jedenfalls sehr geschickte Weise durch die Colporteurs

oder Zeitungsjungen, Individuen von zehn bis dreißig Jahren, die bei

unseren Blättern interessirt sind, d.h. gewisse Procente für jedes

Exemplar bekommen, das sie absetzen. Jemehr die also unterbringen, desto

größer ist ihr eigener Nutzen, und es ist mir gesagt -- selber darum

bekümmern thun wir uns natürlich nicht -- daß sie manchmal zu den

wunderlichsten Listen ihre Zuflucht nähmen, und sei es auch nur

halbjährige Abonnenten zu bekommen; das nächste Semester muß ihnen dann,

wenn ein Theil von diesen abfällt, andere bringen.«

»Nun ich will glauben« sagte Theobald, der auf Kohlen stand, »daß Sie

bei so unsicheren Einkünften nicht gerade im Stande sind ein, wenigstens

nach hiesigen Begriffen, sehr bedeutendes Honorar zu zahlen; wie viel

könnten Sie mir also versprechen, wenn ich mich zugleich dabei

verpflichtete, regelmäßiger Mitarbeiter der Biene zu werden. Meinen

Namen werden Sie sicher schon von Deutschland aus gelesen haben; ich

kann mit aller Bescheidenheit sagen, daß er dort einen guten Klang hat.«

»O gewiß Herr Theobald, gewiß« versicherte Herr Rosengarten, und fuhr

dann, in's Blaue hinein rathend, rasch fort: »Sie haben glaub' ich vor

ganz kurzer Zeit wieder ein paar Bände Novellen herausgegeben.«

»Allerdings.«

»Ich habe sie gesehn -- vortrefflich -- ganz vortrefflich -- doch -- so

leid es mir thut, aber -- ich bin in der That nicht im Stande Ihnen

irgend welches Honorar für Ihre literarischen Beiträge zuzusagen. Ja

wenn wir jetzt nur etwas bessere Zeiten hätten, aber die ältesten Leute

in New-Orleans erinnern sich wirklich nicht eine so gedrückte,

schwierige Stimmung in New-Orleans je erlebt zu haben. -- Wenn Sie

übrigens noch ein oder selbst zwei Exemplare der Biene wünschten -- ich

möchte gern Alles thun was in meinen Kräften steht Sie zufrieden zu

stellen. -- «

»Aber wo bekommen Sie Manuscript her Ihre Spalten zu füllen« rief

Theobald erstaunt aus, »wenn Sie kein Honorar dafür bezahlen -- Sie

können doch nicht Alles selber schreiben?«

»Um Gottes Willen -- nein!« rief Herr Rosengarten, »das wäre ich

allerdings nicht im Stande, schon des Zeitverlustes wegen; aber wir

helfen uns da vortrefflich mit, vor längerer Zeit in Europa gedruckten

Sachen. So hat mir im vorigen Frühjahr ein Freund von dort vier oder

fünf alte Jahrgänge der Didaskalia geschickt, in denen allerliebste

kleine Erzählungen und Gedichte stehn -- unsere Leser sind ordentlich

versessen darauf. Die drucken wir so eine nach der anderen ab, und

füllen damit aus, was die politischen Nachrichten der Grenzboten, der

Kölnischen Allgemeinen und Weserzeitung, die wir nun leider einmal

halten müssen, an Raum gelassen haben.«

»Aber bester Herr Rosengarten!« rief Theobald, der bei so bewandten

Umständen doch einsah daß er hier auf keine Einnahme rechnen konnte, und

in einer Art von Verzweiflung sich das letzte Bret unter den Füßen

fortgehen fühlte -- »Sie nehmen mir das nicht übel, aber das ist ja doch

eigentlich, nach unseren deutschen Begriffen wenigstens, ein reines

Plünderungssystem, das Sie hier befolgen, ein reiner Nachdruck, eine

mechanische Vervielfältigung schon vorhandener Sachen, worauf Sie ja von

den respectiven Zeitungen verklagt werden könnten.«

»Hier in Amerika? nein« lächelte Herr Rosengarten gutmüthig »das nicht

-- nicht einmal _verklagt_, einen ungünstigen Ausfall eines solchen

Processes ganz abgerechnet, denn für deutsches literarisches Eigenthum

besteht hier nicht der geringste Schutz, und kein Amerikanischer

Gerichtshof würde selbst nur eine solche Klage annehmen.«

»Das ist allerdings eine Freiheit« flüsterte Theobald, »auf die ich

nicht ganz vorbereitet war; aber -- nicht wahr es ist _noch_ eine

deutsche Zeitung in New-Orleans.«

»Allerdings« sagte Herr Rosengarten mit einem eigenen Lächeln, das

allerlei bedeuten konnte -- »allerdings existirt hier noch ein Blatt das

mit deutschem Druck herauskommt, nach einem nur oberflächlichen

Vergleich würden Sie aber bald finden, daß es sich mit der _Biene_ nicht

messen kann.«

»Und seine Expedition? -- können Sie mir die vielleicht angeben?«

»O warum nicht« sagte Rosengarten, nach dieser Bemerkung jedenfalls

fest entschlossen das Gespräch sobald als möglich abzubrechen -- »Sie

können nicht fehlen -- Ecke von Fulton und Renaissance-Straße -- großes

Schild über der Thür wie für eine Wirthschaft -- hier Ihr Manuscript

Herr Theobald -- war mir ungemein angenehm Ihre werthe Bekanntschaft

gemacht zu haben.«

Theobald drückte sein Manuscript unter den Arm, machte eine stumme

Verbeugung, und befand sich wenige Augenblicke später wieder vor der

Thür der Officin auf der Straße. Diese sah er eben unschlüssig hinauf

und hinunter, welchen Weg er von hier aus einzuschlagen hätte, als ein

Fremder, in einem blauen Überrock, und mit einer eben solchen Tuchmütze

auf, mit einem vollen, aber etwas krankhaften fleckigen Bart, die Straße

herunterkommend an ihm vorbeiging, stehn blieb, ihn ansah, und dann

wieder zurück und auf ihn zukam.

»Sie sind ein Deutscher« redete er den jungen Mann, der ihn etwas

verblüfft betrachtete, an, »nicht wahr ich habe recht?«

»Allerdings bin ich ein Deutscher.«

»Und eben erst angekommen?«

»Wenigstens erst vor einigen Wochen.«

»Bleibt sich gleich, ist dasselbe« lachte der Fremde -- »ich bin der

Advocat Heindel, jetzt etwa drei Viertel Jahr hier, und eben im Begriff

wieder zurück nach Deutschland zu gehn -- und Sie? -- «

»Theobald ist mein Name.«

»Und Beschäftigung? -- Schullehrer?«

»Literat« sagte Herr Theobald. --

Nach Amerika! Ein Volksbuch. Vierter Band · 第 4 / 10 题