Kongo, wohnen die nicht minder kannibalischen Monbuttu und Abanga,
die gleichfalls durch ~Schweinfurth~ bekannt geworden sind. „Der
Kannibalismus der Monbuttu übertrifft den aller bekannten Völker
in Afrika. Da sie im Rücken ihres Gebiets von einer Anzahl völlig
schwarzer, auf niederer Kulturstufe stehender und daher von ihnen
verachteten Völkern umgeben sind, so eröffnet sich ihnen daselbst die
willkommene Gelegenheit auf Kriegs- und Raubzügen sich mit hinreichend
großen Vorräten von dem über alles geschätzten Menschenfleische
zu versorgen. Das Fleisch der im Kämpfe gefallenen wird auf der
Wahlstatt verteilt und im gedörrten Zustande zum Transport nach
Hause hergerichtet. Die lebendig Eingefangenen treiben die Sieger
erbarmungslos vor sich her, gleich einer erbeuteten Hammelherde, um
sie später einen nach dem andern als Opfer ihrer wilden Gier fallen
zu lassen. Die erbeuteten Kinder verfallen nach allen Angaben, die
mir gemacht wurden, als besonders delikate Bissen der Küche des
Königs. Es ging während unseres Aufenthalts bei Munsa das Gerücht,
daß für ihn fast täglich kleine Kinder eigens geschlachtet wurden.
Jedenfalls bot sich den Blicken der Fremden nur selten Gelegenheit
dar, Augenzeuge von Mahlzeiten der Eingebornen zu sein. Mir selbst
sind nur zwei Fälle bekannt, wo ich die Monbuttu mitten bei der Arbeit
überraschte, Menschenfleisch als Speise herzurichten. Das eine Mal
stieß ich auf eine Anzahl junger Weiber, wie sie eben damit beschäftigt
waren, vor der Thür ihrer Hütte auf dem geglätteten Estrich von Thon
die ganze untere Hälfte eines Kadavers durch Brühen mit kochendem
Wasser von seinen Haaren zu säubern. Durch diese Behandlung war die
schwarze Hautfarbe einem fahlen Aschgrau gewichen. Der ekelhafte
Anblick erinnerte mich lebhaft an das Abbrühen unserer Mastschweine.
Ein anderes Mal fand ich in einer Hütte den noch frischen Arm eines
Menschen über dem Feuer hängend, um ihn zu dörren und zu räuchern.
Sichtbare Spuren und untrügliche Anzeichen von Kannibalismus fanden
sich übrigens auf Schritt und Tritt in diesem Lande.“[107] Dabei sind
diese Monbuttu ein durch Begabung, Urteil und Nationalstolz, ja durch
eine Art Kultur vor den Nachbarn ausgezeichnetes Volk.
Die Nachfolger ~Schweinfurth~s in den Ländern westlich vom weißen Nil
haben dessen Mitteilungen über die Anthropophagie der Niam-Niam und
der Monbuttu vollauf bestätigt. Von den Mambanga, einem der südlichen
Stämme der Niam-Niam, hebt ~Junker~ hervor, daß sie durch geordnete
staatliche Verhältnisse, Lebensweise, Sitten und Kunstleistungen
weit über benachbarten Negerstämmen stehen. Dabei aber findet man
den Kannibalismus in seiner tierischsten Form. Alle Leichen werden
bei diesem Volke verzehrt und der einzige menschliche Zug, der
hierbei den Kannibalen geblieben, ist die Scheu vor dem Fleische der
Blutsverwandten; deren Leichen werden wenigstens an Fernstehende
verschachert. Stirbt ein Mambanga, so kann nach dortigem Aberglauben
dieses nur durch den bösen Willen anderer bewirkt worden sein, da die
Vorstellung des natürlichen Todes jenem Volke fremd ist. Nun wird
das Orakel befragt, welches einen oder mehrere Menschen als Urheber
des Todes bezeichnet und die infolge des Spruchs erdrosselt und auch
verzehrt werden. „Das Lynchen und der Kannibalenschmaus wird stets
abseit der Hütten vollzogen. Die Weiber tragen die Zukost in der Form
des Lugmagerichts, einer Mehlspeise, für die Männer an den Ort der
Greuelthat.“[108]
In meiner ersten Bearbeitung unseres Themas habe ich die Annahme
gewagt, daß das noch unerforscht äquatoriale Afrika als von Kannibalen
bewohnt zu betrachten sei.[109] Damals hatte ~Stanley~ noch nicht seine
epochemachende Fahrt quer durch Afrika gemacht, vom Kongo waren nur
Quellströme und Mündung bekannt, doch der Ausspruch ~Schweinfurth~s,
daß die Sitten der Monbuttu auf das Gabonland deuteten, ließ bereits
auf Verwandtschaft der damals noch unbekannten Centralafrikaner mit den
Fan einerseits, den Monbuttu anderseits schließen. Jetzt hat sich in
der That herausgestellt, daß die Landschaften am mittleren und oberen
Kongo, sowie an den Zuflüssen des letzteren zu der innerafrikanischen
Zone der Kannibalen gehören.
Schon ~Speke~[110] wußte, daß im Westen des Tanganjika Menschenfresser
wohnen und ~Burton~[111] nannte sie Wabembe. Die erste Bestätigung
aber brachte ~Livingstone~, indem er uns die Manjuema kennen lehrte.
Ihr Land liegt zwischen dem nördlichen Teile des Tanganjika-Sees und
dem Lualabaflusse, zwischen 25° und 29° östl. L. v. Gr. und 3° und 6°
s. Br. Erforscht wurde es 1870 und 1871 durch ~David Livingstone~, der
zum ersten Mal während seiner dreißigjährigen Wanderungen in Südafrika
auf Kannibalen stieß. „Die Manjuema, berichtet ~Livingstone~, sind
sicherlich Menschenfresser, aber sie essen nur im Kriege getötete
Feinde, scheinen bei ihren kannibalischen Orgien von Rache angestachelt
zu sein und lassen nicht gerne Fremde als Zuschauer zu. Ich bot
vergebens eine Belohnung jedem, der mir die Gelegenheit verschaffen
würde, ein Kannibalenfest mit anzusehen. Einige intelligente Männer
sagten mir, das Fleisch sei nicht gut, und nach seinem Genüsse träume
man von dem Toten. Frauen nehmen niemals Teil.“[112]
In Nyangwe am oberen Kongo sah ~Livingstone~ auf dem Markte einen Mann,
der zehn menschliche Unterkiefer an einer Strippe über die Schulter
gehängt trug; auf ~Livingstone~s Befragen bekannte er, er habe die
Eigentümer dieser Unterkiefer getötet und gegessen.[113] Nach demselben
zuverlässigen Reisenden endet in dem an den Lualaba angrenzenden
Metambalande ein Streit zwischen Ehegatten oft damit, daß der Mann die
Frau erschlägt, ihr Herz mit Ziegenfleisch zu einem Gerichte bereitet
und dieses verzehrt[114], worin unschwer die Befriedigung der Rachsucht
erkannt werden kann. ~Stanley~ äußert sich über Manjuema in ähnlicher
Art wie ~Livingstone~; er fand dort die Dörfer mit Menschenschädeln
gleichsam gepflastert.[115] Im Dorfe Kimpungu sah er 186 solcher
Schädel.
Leutnant ~Wissmann~ hörte in Manjuema von einem Manne das folgende:
„Bis vor kurzem haben wir auch Menschenfleisch gegessen und zwar
auch das von den an einer Krankheit Gestorbenen, nur haben wir, wenn
jemand an einer Krankheit gestorben ist, die äußersten Glieder der
Finger und Zehen abgenommen, eingesalzen, in Blätter gewickelt und ins
Wasser geworfen, während wir den ganzen andern Körper gegessen haben.“
Durch das Einsalzen und Wegwerfen sollte erreicht werden, daß die
Krankheit nicht auf den Essenden überging. Er erzählte weiter, daß sie
nicht die in ihren eigenen Dörfern Gestorbenen gegessen, sondern die
Leichen gewissermaßen ausgetauscht hätten. Die von einem fremden Dorfe
herübergekommene Leiche wird später wieder erstattet durch einen im
Dorfe selbst Gestorbenen.[116]
Als ~Stanley~ den Kongo abwärts fuhr, war es nichts ungewöhnliches, daß
die feindlich gesinnten Stämme am Ufer nach seinem Fleische schrieen.
„Wir werden Fleisch in Menge haben“ hieß es da. Auf der Insel Asama
im Kongo „verzierten Menschenschädel die Dorfstraße und eine große
Menge Schenkelknochen, Rippen und Rückenwirbel lagen in einem Winkel
voll Unrat, als gebleichte Zeugen ihres gräßlichen Appetits nach
Menschenfleisch.“ Also Küchenabfälle mit Menschenknochen. Und so ganz
ähnlich da, wo der Aruwimi in den Kongo mündet, wo auch die abgenagten
Menschenknochen offen und frei auf den Unrathaufen des Dorfes
umherlagen und „der dünne Vorderarm eines Menschen, der neben einem
Feuer zugleich mit versengten Rippen vorgefunden wurde“, ~Stanley~
einen handgreiflichen Beweis für die gräßliche Gewohnheit bot.[117]
Der Kannibalismus der centralafrikanischen Völker, welche an den
südlichen Zuflüssen des Kongo wohnen, in jenen Gegenden, welche von
~Pogge~ und ~Wissmann~ besucht wurden, tritt nicht so öffentlich
hervor, wie bei den Monbuttu und manchen Westafrikanern. ~Wissmann~
hat dort mit eigenen Augen keinen Fall beobachtet, ist aber durch die
Gesamtheit der Berichte von dem Vorhandensein überzeugt. Nach ihm
sind die Baluba alle Kannibalen; auch die Tuschilange waren früher
Anthropophagen, sind aber seit der Einführung des Hanfrauchens davon
abgekommen. Die Bassange (besonders rein erhaltene Baluba) verzehren
die im Kriege Gefallenen; dies geschieht Nachts und abseits der Dörfer.
Vom Menschenfressen ausgeschlossen sind bei ihnen die Kinder bis zu
einem gewissen Jahre und die Weiber, die schon geboren haben, sowie
jedes Weib bis zu einem bestimmten Alter. Wenn es feststeht, daß sie
unfruchtbar ist, hat sie Teil am Menschenessen.[118] Etwas eingehender
läßt sich ~Pogge~ über den Kannibalismus der Bassange aus. „Die Körper
der im Kriege Erschlagenen werden eine Nacht ins Wasser gelegt und am
nächsten Tage werden die Unterschenkel und Hände abgeschnitten und auf
Ameisenhaufen gelegt. Nach einigen Stunden wird wieder nachgesehen
und wenn die Ameisen an dem Fleische fressen, so ist es gut. Die
betreffenden Körper werden alsdann zerlegt und von bestimmten Männern
mit dem Fleisch der im Kriege erbeuteten Ziegen zusammen gekocht und
dann vor das Haus des Soba (Häuptlings) gebracht, welcher davon genießt
und das Fleisch an die Krieger verteilt.“[119]
Die südlichen Zuflüsse des Kongo, deren Erforschung das Werk deutscher
Reisender ist, haben gleichfalls Kannibalen zu Anwohnern. Vom Tschuapa
und Bussera beglaubigt dieses Leutnant von ~François~. Das Schlachten
von Menschen, bloß um sich Fleisch zu verschaffen, kommt am Bussera
vor; im allgemeinen ist aber Anthropophagie „ein Akt religiösen
Ceremoniells bei besonderen Gelegenheiten.“ Die Anwohner des Tschuapa
riefen dem vorüberfahrenden ~François~ zu: „Wir werden euch den
Kopf abschneiden! Wir werden euch fressen! Buala! Buala! (Fleisch,
Fleisch),“[120] gerade wie es ~Stanley~ auf dem Kongo ergangen war.
Auch an den meisten anderen südlichen Zuflüssen des Kongo, so am Saie
oder Tschia, dem Quilu, dem Sankurru wohnen wilde Kannibalen. „Hier
wird allerdings der Mensch als Nahrungsmittel, gewissermaßen als
Schlachtvieh, betrachtet und die vielen in den Dörfern aufgehäuften
Schädel, sowie die sehr freimütigen Aussagen der Eingeborenen zeugen am
besten für das Blühen des Kannibalismus.“[121]
+Haiti.+ Im Anhange zu Afrika müssen wir hier noch einen Blick auf die
nach Amerika ausgewanderten Neger werfen. Die Negerrepublik Haiti ist
äußerlich ganz nach europäischem Muster eingerichtetes Staatswesen,
in welchem das schwarze Element vollständig dominiert; innerlich aber
ist diese Republik noch stark der afrikanischen Barbarei ergeben. Sie
ist, mit dem ebenbürtigen Liberia, ein wenig günstiges Zeugnis für
die Entwickelungsfähigkeit der Neger, wenn sie sich selbst überlassen
sind. In Haiti ist nämlich der Fetischdienst des Wodu die eigentliche
Religion des Volkes, während amtlich der Katholizismus herrscht und
jener Wodudienst ist mit Menschenopfern und Anthropophagie verknüpft.
Aber auch ohne religiösen Hintergrund herrscht letztere in Haiti. Noch
1878 wurden zwei Frauen auf frischer That ertappt, welche die Leiche
eines Kindes verzehrten. Eine Mutter, die ihre eigenen Kinder verzehrt
hatte, gestand dieses ruhig ein und fügte hinzu: wer hätte denn mehr
Recht gehabt, dieses zu thun, als ich? Habe ich sie doch geboren. Bei
den Wodumysterien wird die „Ziege ohne Hörner“ geopfert, d. h. ein
Kind. Am 13. Februar 1864 wurden zu Port au Prince acht Wodukannibalen
hingerichtet. Auch der Handel mit Menschenfleisch ist, wie in Afrika,
auf Haiti bekannt.[122]
[67] ~Waitz~, Anthropologie der Naturvölker. Leipzig 1860. II. 166.
[68] ~Livingstone~ erwähnt z. B. diesen Ausdruck von den Bangwaketse.
Missionsreisen und Forschungen in Südafrika. Aus dem Engl.
Leipzig 1858. I. 106.
[69] Transact. Ethnolog. Soc. New Series. I. 338. (1861). Die
erwähnte afrikanische Zeitung ist der zu Freetown erscheinende
„African“ vom 5. April 1860. ~Hutchinson~, Ten years wanderings
among the Ethiopians. London. 1861. 58.
[70] ~Fleuriot de Langle~ im Tour du Monde. Bd. XXVI. 382. 374.
[71] ~H. Hecquard~, Reise an die Küste und in das Innere von
Westafrika. Leipzig, s. a. 49.
[72] Mission von Cap Coast-Castle nach Ashantee von ~T. Edward
Bowdich~. Aus dem Englischen. Weimar. 1820. 402.
[73] ~Robert Norris~, Reise nach Abomey im Jahre 1772. In ~M. C.
Sprengel~s Beiträgen zur Länder- und Völkerkunde. XIII. 285.
Leipzig 1790.
[74] ~Labarthe~s Reise nach der Küste von Guinea. Aus dem
Französischen. Weimar 1803. 238.
[75] Ten years wanderings among the Ethiopans. 66.
[76] ~Hutchinson~ a. a. O.
[77] Vor Zeiten ist König Peppel indessen selbst Menschenfresser
gewesen; er hat mit vielem Behagen das Herz des von ihm
gefangenen Königs Amakri von Neucalabar verzehrt. So berichtet
der „Fellow royal geograph. society“, nämlich ~Richard Burton~
in seinen Wanderings in Westafrica from Liverpool to Fernando
Po. London 1863. II. 280. Dort mag man noch mehr über die
Anthropophagie im Nigerdelta nachlesen.
[78] The Mail (Times) vom 26. Dezember 1873.
[79] The Church Missionary Intelligencer. Juli 1866. 223.
Auch ~Hutchinson~ erwähnt die Metzeleien zwischen Okrika und
Neu-Calabaresen und erzählt abscheuliche Einzelheiten, wie
Suppen aus rotem Pfeffer, Palmöl und Menschenfleisch gekocht
wurden!
[80] The Church Missionary Intelligencer. Februar 1873. 48.
[81] Transact. Ethnolog. Soc. New Series. V. 83.
[82] ~Hutchinson~ a. a. O.
[83] Zeitschrift für allgemeine Erdkunde. VI. 482. 484 (1856).
[84] Unter dem Namen Anziko versteht man heute an der Loaugoküste den
Gorilla. Correspondenzblatt der Afrikanischen Gesellschaft.
1873. 36.
[85] ~Huxley~, Zeugnisse für die Stellung des Menschen in der
Natur. Braunschweig 1863. 62. 63. Ein übereinstimmender Bericht
bei ~Dapper~, Beschreibung von Afrika. Amsterdam 1670. 538.
[86] ~Edward Bowdich~ a. a. O. 543.
[87] Wenn ~H. Zöller~ neuerdings (Deutsche Besitzungen an der
westafrikanischen Küste. IV. 95. 97) sagt: „Das meiste, was
über die kannibalischen Sitten der Fan gesagt wird, halte
ich für erdichtet“ und „die Fan stehen in dem wahrscheinlich
ungerechtfertigten Rufe, Menschenfresser zu sein“, so ist die
Widerlegung dieser Ansicht im folgenden enthalten.
[88] ~Paul B. Du Chaillu~, Explorations and Adventures in equatorial
Africa. London 1861. 74.
[89] ~Du Chaillu~ a. a. O. 88.
[90] ~W. Winwood Reade~, Savage Africa. London 1863. 159. Auch
~O. Lenz~ (Skizzen aus Westafrika. 89) sagt, dass die Fan bis
zum heutigen Tage Kannibalen seien, doch würde Menschenfleisch
nur bei Feierlichkeiten verzehrt. Alles aber, was sich auf
Anthropophagie beziehe, würde heimlich betrieben. Vergl. auch
~Petermann~s Mitteilungen. 1875. 128.
[91] Der Glaube, daß die Weißen die schwarzen Sklaven des Fleisches
wegen zum Verzehren exportierten, ist an der Guineaküste weit
verbreitet gewesen. Überhaupt haben die Wilden uns oft für
Menschenfresser angesehen. Der Franzose ~Lambert~ erzählt
dies von Futa Djalon, wo ihm die Fuhlas alle Einzelheiten
berichteten, wie wir Europäer unsere Kannibalenschmäuse
einrichten. Freiherr ~von Wrede~ wurde 1843 im Wadi Schura in
Hadhramaut belehrt, daß der Kaiser von Rußland eine Leibgarde
von 7000 Menschenfressern unterhalte (Reise in Hadhramaut.
Braunschweig 1870. 71). ~Aloisius da Cadamosto~, der 1455
in den Gambia einlief, hörte dort von den Schwarzen, die
Christen fräßen Menschenfleisch und würden nicht so viele
Sklaven kaufen, wenn es nicht in der Absicht, sie zu fressen,
geschähe. (~Cadamosto~s Reise, aus dem Italienischen übersetzt
in ~Sprengel~s Beiträge zur Völker- und Länderkunde. XI. 161.
Leipzig 1789.)
[92] Tour du Monde. XII. 308 (1865).
[93] Tour du Monde. XII. 309.
[94] Journal of the Anthropological Institute. London 1872. I. 187.
[95] ~L. Magyar~, Reisen in Südafrika. Pest 1859. I. 275.
[96] ~Travassos Valdez~, Six years of a traveller’s Life in Western
Africa. London. 1861. II. 159.
[97] The Cave Cannibals of South Africa. Anthropological Review. VII.
121 (1869).
[98] In den Nursery tales, Traditions and histories of the Zulus,
die ~Callaway~ sammelte (Natal and London. 1868), kommt
ein Märchen vor, in dem, wie im deutschen Märchen, die
Menschenfresserin versteckte Kinder wittert und ausruft: „Ich
rieche Menschenfleisch.“ Wie ~Merensky~ (Beiträge zur Kenntnis
Südafrikas. Berlin 1875. 132) hervorhebt, fehlt bei den
Kaffern auch heute der Glaube an die magische Wirksamkeit des
Menschenfleisches nicht. Der Schmied legt erst ein Stückchen
Menschenfleisch in die Kohlen, ehe er die Arbeit beginnt und
der Giftmischer meint in demselben ein Mittel zu haben, seinen
Feind schnell aus der Welt zu schaffen.
[99] Briefliche Mitteilung d. d. Stuttgart 29. November 1873.
[100] ~G. Frisch~, Eingeborene Südafrikas. 147.
[101] ~Werner Munzinger~, Ostafrikanische Studien. Schaffhausen 1864.
558.
[102] Reisen in Hoch-Sennar. In ~Petermann~s geographischen
Mitteilungen. 1872. 455.
[103] ~Theodor v. Heuglin~, Reise in das Gebiet des Weißen
Nil. Leipzig und Heidelberg 1869. 206. Auch ~Rob. Hartmann~,
Naturgeschichtlich-medizinische Skizzen der Nilländer. Berlin
1865. 305, bezweifelte die Anthropophagie der Niam-Niam. --
~W. G. Brown~, der Erforscher Darfors, hörte dort (1798) von
Sklaven aus dem Süden, daß in ihrem Lande die Menschenfresserei
herrsche. ~Brown~s Reisen in Afrika. Aus dem Englischen. Weimar
1800. 364. Richtige Nachrichten über diese Anthropophagen
hatte 1856 bereits ~Brun-Bollet~ eingezogen (~Petermann~s
Mitteilungen. Ergänzungsheft VII. 21).
[104] ~Petermann~s Mitteilungen. Ergänzungsheft X. 79.
[105] ~G. Schweinfurth~, Die Niam-Niam. Globus XXIII. 23.
[106] ~Schweinfurth~ in ~Petermann~s Mitteilungen. 1871. 139 und in
seinem Reisewerk „Im Herzen von Afrika“. II. 240.
[107] ~Schweinfurth~, Im Herzen von Afrika. II. 98.
[108] Dr. ~W. Junker~ in ~Petermann~s Mitteilungen. 1881. 256.
[109] Mitteilungen des Vereins für Erdkunde zu Leipzig. 1873. 39.
[110] Entdeckung der Nilquellen. I. 125.
[111] Transactions of the Ethnological Society. New Series I. 320.
[112] ~Petermann~s Mitteilungen. 1873. 32.
[113] ~Livingstone~s letzte Reise. Deutsche Ausgabe. II. 153.
[114] Daselbst. II. 58.
[115] ~Stanley~, Durch den dunklen Weltteil. II. 157 und Anmerkung
auf S. 159.
[116] Verhandlungen der Berliner Anthropologischen Gesellschaft.
1885. 459.
[117] ~Stanley~ a. a. O. II. 221. 232. 263. 302.
[118] Verhandlungen der Berliner Anthropologischen Gesellschaft.
1883. 458.
[119] Mitteilungen der Afrikanischen Gesellschaft in Deutschland. IV.
259 (1885).
[120] Verhandlungen der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin. 1886.
159. 161.
[121] Leutenant ~Tappenbeck~ in den Mitteilungen der Afrikanischen
Gesellschaft. V. Heft 2 (1886).
[122] Der amtliche Bericht über die Hinrichtung jener Wodukannibalen
ist nach dem Moniteur Haïtien vom 12. März 1864 mitgeteilt im
Globus VIII. 249. Vollauf Material zur Bestätigung aller von
den Negern Haitis begangenen kannibalischen Scheußlichkeiten
enthält das Werk ~Spenser~ St. Johns Hayti or the Black
Republic. London 1884. Der Verfasser war zwölf Jahre englischer
Geschäftsträger in Haiti und ist wegen seiner Zuverlässigkeit
bekannt. Der Missionsbischof ~Cleveland Cox~ hat schon
früher über die zunehmende Verwilderung unter den Schwarzen
Haitis geklagt und dieselben beschuldigt, daß sie bei ihren
Jahresfesten die eigenen Kinder schlachten und fressen. Globus.
XXIV. 48.
+Australien+
Der australische Kontinent zählt heute noch höchstens 50,000
eingeborene Schwarze und diese sind, wo sie sich dem Einflüsse der
Weißen entziehen, Anthropophagen, wofür die bündigsten Beweise
vorliegen.
Er kommt am Schwanenfluß, also Westaustralien, nach Salvado vor, wo
man selbst Tote ausgrub, um sie zu essen[123], und ~John Forrest~,
welcher 1869 längere Zeit in der Umgebung des Barlee-Sees zubrachte,
wurde dort von den Eingeborenen bedroht, daß sie ihn fressen wollten,
auch fand er dort einen Schwarzen, der ihm mitteilte, daß kürzlich sein
Bruder gefressen worden sei.[124] Weiteres über die Anthropophagie der
Westaustralier teilt ~Oldfield~ mit, nach welchem einmal die bei ihnen
allgemein herrschende Blutrache, andererseits Hunger zum Kannibalismus
treiben. Die erschlagenen Feinde werden verzehrt, _the bloodrevergers
subsisting entirely on the flesh of their victims_, wenn sie sich im
feindlichen Gebiete befinden. Dabei wird weder Geschlecht noch Alter
geschont und wenn keine Gelegenheit vorhanden, das Fleisch zu kochen,
so wird es roh verzehrt.[125] Auf reinen Fleischgenuß gerichtet ist
der westaustralische Kannibalismus, wenn sie die Alten erschlagen und
verzehren, _that so much good food may not be lost_. Man glaubt, die
Alten hätten keine Seelen mehr, welche, zurückkehrend, dem Fresser etwa
Ungemach bereiten könnten.[126] In Hungerszeiten töten die Watchandie
in Westaustralien eines ihrer Kinder durch einen Schlag mit der Keule
in den Nacken um das Fleisch zu verzehren. Die Mutter, welche keinerlei
laute Klagen ausstoßen darf, da sie sonst Prügel erhält, bekommt
den Kopf als ihren Anteil; der Mann verzehrt die fetten Stücke, die
übrigen Kinder, wenn vorhanden, werden mit den Eingeweiden abgefunden.
Alles wird roh verzehrt, da solche Greuel gewöhnlich in der nassen
Winterszeit stattfinden, wenn es unmöglich ist, Feuer anzuzünden.
Bei andern Kannibalenschmäusen werden die Eingeweide und Füße nicht
verzehrt; die letzteren häutet man -- aus einem unaufgeklärten Grunde
-- nur ab. Das Fleisch der Europäer, sagen die Westaustralier, schmecke
„salzig“; das Fleisch der Weiber ziehen sie jenem der Männer vor.[127]
Die Anthropophagie wird von ~W. P. Stanbridge~, der 18 Jahre
mit den Schwarzen in naher Berührung lebte, für Südaustralien
nachgewiesen.[128] „Eine ganz abscheuliche Erscheinung im Leben dieser
Wilden, sagt er, ist ihr Kannibalismus, der sich auf die gräßlichste
Weise äußert. Die Eltern ermorden nicht selten ihre neugeborenen
Kinder, um sie aufzufressen. Auch herrscht ein entsetzlicher
Aberglaube, demgemäß ein älterer Bruder in dem Wahne lebt, daß er
sofort auch die Körperkraft seines jüngeren Bruders sich aneignen
könne, wenn er diesen erschlägt und verzehrt. Das geschieht unter
Festlichkeiten und bei diesen dringen Vater und Mutter mit eifriger
Ermahnung in den älteren Sohn, so viel Fleisch von dem Leichnam
hinabzuwürgen, als irgend möglich ist.“ Hier liegt also entschieden
Aberglauben als Beweggrund vor. Übrigens herrscht in Südaustralien
auch der Kannibalismus aus reiner Gourmandise, wenigstens bei den
Narrinyeri. _If a man had a fat wife, he was always particulary careful
not to leave her unprotected lest she might be seized by prowling
cannibals._[129]
Am Cooper Creek, nördliches Südaustralien, sind deutsche Missionare
angestellt, die dort (1868) vollauf Gelegenheit hatten den
Kannibalismus der Schwarzen zu beobachten. Einer derselben schreibt:
„Die zahlreichen Arten von Ratten und Mäusen liefern hauptsächlich die
Fleischkost der Eingeborenen. -- Die zahlreichen kleinen Eidechsen
schmecken den Kindern gut. Zudem fangen sie vier Arten Fische und
essen eine große Anzahl von Würmern, die als eine Delikatesse gelten.
Kannibalismus ist hier eine Thatsache und eine Mutter verzehrt mit
lächelnder Miene ihr eigenes Kind. Die Schwarzen essen Teile von
jeder Leiche, wenn etwas Eßbares daran ist. Vor einiger Zeit starb
der Älteste des Stammes. Als ich fragte, ob sie diese Leiche auch
verzehren würden, antwortete mir einer der Schwarzen: ‚Nein, der Kerl
ist zu mager, er hat kein Fett.‘“[130] Bedarf man einer Bestätigung
dieses Berichtes, so giebt sie ~Warburton~, nach dem die Bewohner des
untern Barkuthales (Cooper Creek, Lake Eyre) entschieden Anthropophagen
sind.[131] Auch am Peakfluß werden die gestorbenen Kinder verzehrt,
als Grund wird von den Schwarzen angegeben, daß, wenn sie dieses nicht
thäten, sie sich fortwährend grämen müßten. Den Kopf bekommt die
Mutter und die Kinder im Lager bekommen auch ihr Teil, damit sie gut
wachsen. Auch verzehren sie einzelne Teile von verstorbenen Männern und
Frauen, namentlich solche, in denen sie den Sitz gewisser tüchtiger
Eigenschaften wähnen.[132]