Zentralkörper, der Erde, eine Achsenrotation haben. Wir verstehen:
der beständige Wechsel von Repulsion und Kontraktion kann eine solche
nicht aufkommen lassen. Es ist denn auch kennzeichnend, daß die
Körper mit mehr oder weniger _fester_ Oberfläche, außer der Erde,
deren Ausnahme wir verstanden und erklärt haben, daß Mond, Venus
und Merkur bekanntlich eine Achsenrotation nicht nachgesagt werden
konnte, während alle Körper mit _beweglicher_ Oberfläche eine haben
sollen oder zu haben scheinen. Zwar scheint auch Mars eine zu haben.
Aber man weiß heute, daß auch Mars eine bewegliche Oberfläche hat;
wenn sie auch bereits einen milder feurig geronnenen und in diesem
Sinn leicht konsistenten Zustand besitzt. Die große und beständige
Veränderlichkeit der sogenannten »Kanäle« weist deutlich genug darauf
hin! Da wir sie im wesentlichen als Brüche zwischen den einzelnen
Flecken anzusehen haben werden, an den Flecken als solchen aber so
gut wie keine besonders starke Deformierung wahrzunehmen ist, so
ist dennoch an ihren _Bruchstellen_, den so sehr wechselnden und
sich verschiebenden, zu erkennen, daß die Marsflecke tatsächlich
veränderlich, beweglich und stark verschiebbar sind. Also bedeuten auch
die etwas über 24 Stunden, in denen die Marsoberfläche umläuft, keine
Achsenrotation, sondern ebensogut, wie bei Jupiter, Saturn usw. nur
einen regelmäßigen Umlauf der _Oberfläche_; der hier so viel langsamer
ist, als bei den andern »oberen Planeten« aus dem Grunde, weil die
Marsoberfläche, die dichtere, einem gewissen Andruck, den die Körper
von Ost, ihrer Umlaufsrichtung her empfangen, einen besseren Widerstand
entgegensetzt, als die Oberflächen der andern, viel undichteren Körper!
-- Es ist übrigens mit _wirklicher Sicherheit_ bis jetzt noch an
keinem _einzigen_ kosmischen Körper außer der Erde eine Achsenrotation
nachgewiesen worden!
Auf alle weiteren kosmischen Angelegenheiten kann ich mich hier, wie
schon gesagt, nicht einlassen. Nur soviel sei noch hervorgehoben,
daß je weiter nach der kosmischen Peripherie hin die Körper immer
leichter werden; daß also die Existenz von _harten_ oder _festen_
Körpern in jenen Umlaufsregionen vollständig ausgeschlossen sein muß!
Nur die dem Zentralkörper nächsten sind, aus Gründen, die wir bereits
verstanden haben, mehr oder weniger fest und hart. Mond, der also nicht
im _bisherigen_ Sinne ein Trabant der Erde ist, nächst der Erde am
härtesten, weniger fest als er Venus, weniger fest als Venus Merkur,
die Sonne in ihrem Innern zähglühend, Mars wieder weniger dicht als
die Sonne und ungleich minder feurig usw. Daß die Sonne größer als
der Mond ist -- indessen auch nicht im entferntesten so groß, als
die kopernikanische Astronomie dies annimmt! -- liegt daran, daß sie
noch lange nicht hinreichend genug kontrahiert ist. Ausgeschlossen
ist ferner die Möglichkeit irgend welcher Parallaxensrechnung! Und
ferner sind die periodischen planetarischen Rückläufigkeiten, wie sich
von selbst verstehen muß, nicht scheinbar, wie die kopernikanische
Astronomie annimmt, sondern tatsächlich sich vollziehende! Sie
werden verursacht durch Rucke der in direkte Einwirkung tretenden
Rotationskraft des Zentralkörpers, der Erde; nämlich dann, wenn die
Sonne ihren Oppositionsbogen zu dem betreffenden Planeten beschreibt!
Sobald sie in ihren Konjunktionsbogen eintritt, irritiert sie die
Einwirkung der zentralen, kontrahierenden Rotation, treibt den Planeten
und seine Sphäre wieder von der Erde ab und bringt ihn wieder in
rechtläufige Bewegung. (Die tatsächliche Rückläufigkeit der Planeten
muß übrigens, was eigentlich kaum besonders betont zu werden braucht,
eine Achsenrotation derselben auch ihrerseits vollständig ausschließen
und unmöglich machen!)
* * * * *
Alle diese astronomisch-kosmogonischen Ausführungen müssen nun, um zu
unserem hauptsächlichsten Zusammenhang zurückzukehren, durchaus die
bedenkliche Krise, in welche die exakte Wissenschaft heute geraten
ist dadurch, daß sie an den beiden Tatsachen der Entwicklung und
der Einheit der Kraft wieder irre werden konnte, vollständig lösen!
Und das bedeutet, daß nicht nur die Astronomie, sondern auch alle
übrigen wissenschaftlichen Disziplinen sich endlich wirklich exakt und
endgültig ausbauen können! Biologie, Physiologie, Chemie, Geologie,
Geographie und wie sie sonst heißen mögen.
Zugleich aber ist die Wissenschaft jetzt, wo sie aus der Schwebe der
Hypothese heraus ist, endlich auch wirklich imstande, ihrerseits zur
endgültigen Lösung der noch ungleich bedenklicheren gegenwärtigen
_religiösen_ Krise beizutragen! Und zwar damit, daß sie die
Grundprämisse und Grundtatsache aller Religion jetzt erst, nicht etwa
auch nur im geringsten _aufhebt_, sondern mit allersichersten und
exaktesten Ausmachungen erst recht _stützt_ und bestätigt und sie
zugleich zu ihrer höchsten formalen Vollendung bringt! Fassen wir den
Umfang dieser Bestätigung, was sicher von größter Wichtigkeit ist,
jetzt etwas näher ins Auge.
* * * * *
Vergleichen wir zunächst die religiöse Anschauung des Menschen der
Urzeit und der Antike mit den Ausmachungen, die wir in kosmischen
Dingen gewonnen haben.
Der Mensch der Urzeit und der Antike wußte eine rund in sich
abgeschlossene Welt. Nun, wir sind genötigt, diese Auffassung
vollständig zu bestätigen! Nur daß unsere Anschauung sich im einzelnen
nicht mehr so naiv äußert, wie die des Urmenschen und des antiken
Menschen, und daß wir die Ausdehnung und Gliederung des Kosmos exakt
erkennen und sie ihrem Entstehen und Vergehen nach aus ihrem Urzustand
heraus festzustellen in der Lage sind.
Die Erde befand sich für den Menschen der Vorzeit und der Antike in der
Mitte der Welt. Auch wir erkannten in ihr den kosmischen Zentralkörper.
Wenn auch mit dem Unterschied, daß sie dem Menschen der Vorzeit
stillstand, während wir wissen, daß sie rotiert; daß wir außerdem eine
exakte Vorstellung von ihrem Inneren haben, von ihrer Kugelgestalt
ferner und von der Beschaffenheit ihrer Oberfläche.
Es fragt sich also nur noch, ob sich auch die Haupt- und Grundtatsache
der Religion bestätigt; das Urpaar und seine Elite, oder das oberste
Gottpaar und seine Neben- und Untergötter; bezw. die Identität der
Götter mit Urpaar und seiner Elite, oder beider mit der absoluten
Weltindividualität; oder vielmehr mit dem zweiseitigen absoluten
Welt_individuum_, denn um ein _solches_ und _nur_ um ein solches kann
es sich in Wirklichkeit handeln, während die Begriffe »Gottheit« oder
»absolute Individualität« viel zu unbestimmte, flache und also in jedem
_wesentlichen_ Betracht _unrichtige_ sind! Es handelt sich durchaus
um einen _persönlichen_ Gott, um ein _absolutes Gottindividuum_! --
Wir sahen, daß diese Tatsache und Prämisse der Religion, unter welchen
Ausgestaltungen auch immer, sich von der Urzeit bis auf die neuste und
vorgeschrittenste Religionsform, die christliche, in Bestand erhalten
hat.
Wie aber stellt sich also die exakte Wissenschaft zu dieser religiösen
Grundtatsache, oder vielmehr: wie einzig hat sie sich mit jeder
Notwendigkeit zu ihr zu stellen?
* * * * *
Gleich gesagt: sie vermag nichts anderes, als sie in jedem wesentlichen
Betracht zu bekräftigen und bringt sie lediglich zu ihrer letzten und
vollkommensten, endgültigsten Ausgestaltung!
Denn so viel hat sich bereits aus all unserem bisherigen Zusammenhange
ergeben, daß eins hier das andere mit jeder Notwendigkeit einschließt:
nämlich die Tatsache eines elliptisch endlich in sich geschlossenen
Kosmos und kosmischen Systems, ferner seiner einheitlichen Entwicklung
aus einem einpolaren Ur- und Grundzustand ∞ hervor und der absoluten
Einheit seiner Kraft und Polarität die andere, daß das bewußtheitliche
Leben dieses elliptischen Wesens ein einheitliches, absolutes und
ihm unteilbar unveräußerliches ist, und daß also der Träger dieser
Bewußtheitlichkeit, daß das höhere organische Leben und daß der Mensch
mit dem elliptischen Weltwesen vollständig identisch ist!
Doch bedarf es noch einer besonderen Erörterung, damit wir zur
endgültigen Bestätigung der religiösen Grundtatsache gelangen.
* * * * *
Und zwar bleibt noch die Tatsache des Bewußtseins des näheren zu
erörtern.
Für die bisherige mechanistische Wissenschaft war die Erscheinung des
Bewußtseins eine bestimmte höhere und höchste, vorgeschrittenste Phase
und Komplikation in der Entwicklung der physiologisch-organischen
Chemie. Und zwar ist das Bewußtsein hierbei in Betracht gezogen als
eine Eigenschaft von Einzelwesen, die mit der physischen Entwicklung
derselben zu einer höchsten Ausbildung gelangt, um mit dem Tode des
Individuums alsdann als persönliches Bewußtsein ein für allemal zu
erlöschen.
Der Fehler dieser Auffassung muß sofort auf der flachen Hand liegen!
Er besteht aber darin, daß das Bewußtsein hier offenbar nicht als ein
Continuum erkannt ist, das, da es niemals in seiner Gesamtheit anders
erlöschen kann als in den einpolar neutralen Zustand ∞ hinein, hier
aber dem Pol mit allen seinen sonstigen Auswirkungen immanent bleibt,
mit dem Pol und dem einheitlichen absoluten Individuum ewig und absolut
ist und daher auch in schlechterdings keinem Einzelfalle für immer
verloren gehen und vernichtet werden kann, was aber die ewige Dauer
auch eines jeden, schlechterdings _jeden_ bewußtheitlichen Einzelwesens
durchaus einschließt!
Im übrigen besagt also der Umstand, daß die exakte Wissenschaft
das Bewußtsein bis daher noch nicht hinreichend als vollständig
einheitliche Eigenschaft eines einheitlichen absoluten Individuums
erfaßt und erkannt hat, was sie doch schon längst hätte tun müssen,
zugleich auch, daß die Wissenschaft das organische Leben und die
Stufenfolge seiner Entwicklungsphasen noch nicht hinreichend als eine
einheitliche Ganzheit erfaßt und erkannt hat; was wiederum, da sie
doch die Entwicklungstatsache und die Tatsache einer einheitlichen und
ewigen Kraft ausgemacht hat, eine kaum begreifliche Kurzsichtigkeit
bedeutet!
* * * * *
Das Problem des organischen Lebens und des Bewußtseins kann uns jetzt
aber nicht einen Augenblick mehr entgehen, da wir die elliptisch
in sich abgeschlossene Endlichkeit des Kosmos, ein einheitliches
allgemeines kosmisches System und eine ewige, einheitliche, absolute,
zentrale Kraft und Polarität endgültig erkannt haben! -- Dieser Kosmos,
dieses System aber ist nichts anderes als ein einheitliches, absolutes,
lebendiges und bewußtheitliches Individuum und Lebewesen, das sein
Bewußtsein zwar in einen einpolaren neutralen Urzustand einzieht,
sich seiner aber niemals entäußert. Das Bewußtsein ist also ein im
absoluten Sinne ursprungsloses und unvergängliches, identisches, das,
als solches exakt und endgültig erkannt und festgestellt, keiner
weiteren Erklärung mehr bedarf, dafür aber nach allen Richtungen hin
selbst absolute erklärende Kraft besitzt; wie auch das absolute
Individuum, dem es eignet, seinerseits keine weitere Erklärung mehr
bedarf, dafür aber absolut erklärende Kraft besitzt! -- (Wir dürfen
das absolute Individuum nach wie vor den alles umfassenden und in
sich beschließenden zweiseitigen Ein-Gott nennen, der als eine
vorgeschrittenste Errungenschaft der religiösen Entwicklung bereits
in den Mysterien der antiken Nationalreligionen gelehrt und verehrt
wurde! Und zwar ist außerdem nichts selbstverständlicher und exakter
ausgemacht als die absolut geistige, d. h. alle Phänomenalität in sich
beschließende Eigenschaft Gottes und des absoluten Individuums, die
auch ihrerseits schon von den antiken Mysterien erkannt und gelehrt
wurde! Er hat sich als solcher durch eine ihren wichtigsten und
exaktesten Ausmachungen gegenüber konsequente Wissenschaft lediglich
mit endgültiger und absoluter Sicherheit bestätigt!)
* * * * *
Aber muß das absolute Individuum, muß Gott, da es, da er absolut
einheitliche Persönlichkeit ist, nicht ganz unerläßlicher Weise auch
als sich selbst Phänomenalität gewordenes organisches bewußtheitliches
Wesen eine einheitliche Persönlichkeit und Person (Individuum immer,
auch organisch, zweiseitig, also als Mann _und_ Weib genommen!) sein?
-- Fürwahr! Was denn sonst könnte die notwendige absolute Einheit des
Bewußtseins besagen? Wieder wäre ja sonst Bewußtsein nichts als die
völlig isolierte Eigenschaft von Einzelwesen, die mit deren Geburt wird
und mit ihrem Tode beständig für immer vergeht, wie die mechanistische
Wissenschaft annahm, und die also nur deshalb immer und ewig vorhanden
ist, weil auch ewig wieder organische Einzelwesen vorhanden sind!
Da aber Bewußtsein eine absolut einheitliche Eigenschaft des absoluten
Individuums ist, so kann diese Einheitlichkeit schlechterdings keinen
anderen Sinn haben, als daß Bewußtsein auch die Eigenschaft _eines
einzigen_ organischen Paar-Individuums ist!
Nichts wird sich der mechanistischen Wissenschaft von heute paradoxer
ausnehmen, als diese Tatsache! Aber nichtsdestoweniger bleibt sie eine
vollständig exakte und endgültige Tatsache!
Da nun aber, wie wir alle wissen, unabzählbar viele bewußtheitliche
Paar-Individuen leben, gelebt haben und leben werden, so kann diese
Tatsache offenbar nicht einen Augenblick mehr anders verstanden
werden, als daß alles Sonderbewußtsein all dieser Individuen sich
zentral eint und verknüpft in der Bewußtheitlichkeit eines einzigen
Paar-Individuums, und daß aller Bewußtseinsbestand -- wie natürlich
auch aller organische! -- sich einheitlich und kontinuierlich
ausgliedert und abstuft von diesem Paar-Individuum aus bis in das
Unterbewußtsein der niedrigsten organischen Wesen und des anorganischen
Bestandes hinein! Ein anderes ist offenbar ganz unmöglich und undenkbar!
Haben wir jetzt aber die endgültige Bestätigung der religiösen Prämisse
und Grundtatsache? Haben wir die Bestätigung des Urahnpaares und seiner
Elite und beider Göttlichkeit gewonnen? Das haben wir indertat!
* * * * *
Dennoch werden wir uns aber noch damit abzufinden haben, daß zwar
die Tradition eines Urahnpaares und seiner Elite, in welcher Form
auch immer bis heutigen Tages festgehalten wurde, zugleich aber
doch entschieden sehr viele solche göttlichen Paar-Individuen und
solche Eliten vorhanden gewesen sind. Daß sie als solche wirklich da
waren und daß sie in ihrer göttlichen Ausnahmenatur erkannt wurden,
lehrt uns ja die Religionsgeschichte, und es kann also ein Zweifel
an dieser Tatsache keinen Augenblick statthaft sein. Trotzdem aber:
es muß ja doch alle, schlechterdings alle Bewußtheitlichkeit in ein
und demselben Paar-Individuum und ein und derselben Elite verkörpert
sein und sich zentral verknüpfen; wenn anders die Tatsache des
einheitlichen absoluten Individuums und seiner einheitlichen absoluten
Bewußtheitlichkeit zu recht bestehen soll.
Wie also ist dieser Widerspruch zu lösen?
Soviel zwar steht fest, daß man schlechterdings alle Bewußtheitlichkeit
der Gattung Mensch in einem Urahnpaar und seiner Elite gar wohl sich
verknüpfen und von ihm aus bis daher sich als Bewußtheitlichkeit
menschlicher Gattung entwickeln und ausweiten lassen kann. Indessen
wäre dabei sofort einerseits einzuwenden, daß sie sich offenbar nur
für Lebzeiten des Urahnpaares und der Elite in diesen menschlich
sonderpersönlich vereinte. Hernach aber sterben ja Urahnpaar und Elite.
Somit war in einem und _diesem_ Paar und _dieser_ Elite vereinte
menschliche Gesamtbewußtheitlichkeit nicht mehr solchermaßen vorhanden,
sondern organisch-physisch nur in allem von da ab sich entwickelnden
menschlichen Gattungsbestand indirekt und abgeleitet und direkt nur in
Gestalt einer festgehaltenen geistigen Tradition und Erinnerung. Muß
sie indessen nicht immer und jederzeit auch in aller Folgezeit von da
an sich entwickelnder menschlicher Gattung in einem gegenwärtigen Paar
und einer ihm angegliederten Elite vorhanden oder wenigstens direkt
persönlich immer von neuem, wohl in den großen Hauptübergangsperioden
menschlicher Entwicklung, vorhanden sein, während sie in der übrigen
Zeit in Gestalt einer geistigen Tradition und Erinnerung und überdies
in Gestalt einer persönlichen _Repräsentanz_ vorhanden sein könnte?
Müßte alsdann aber nicht auch dieses jeweilige Paar-Individuum
und seine Elite, d. h. in den Hauptübergangsperioden, vollständig
persönlich mit dem einstmals vorhanden gewesenen Urahnpaar und seiner
Elite identisch sein, also direkt deren persönliche Wiedergeburt sein?
Aber ehe wir dieser Frage näher treten und sie erledigen können, ist
erst noch ein anderer Einwand in Rücksicht zu ziehen. Nämlich man
könnte andrerseits sagen: ist es denn wirklich möglich, anzunehmen,
daß sich menschliche Gattung von einem einzigen menschlichen
Urahnenpaar und seiner Elite aus entwickelt hat, also direkt von ihnen
organischphysisch erzeugt wurde?
Zeigt die exakte Empirie der biologischen Entwicklungstheorie nicht
vielmehr, daß es sich angesichts des Entstehens menschlicher Gattung
um einen langen und allmählichen Übergang handelt? Dergestalt also,
daß aus vorgeschrittensten Affenarten erst allmählich von diesen ihrem
Ursprung sich noch kaum besonders unterscheidende Wesen abgeartet sind,
deren Abartung alsdann allmählich dergestalt weiterging, daß endlich
ein ganz entschieden _wesentlich_ neues Gattungsmerkmal erreicht wurde?
Ganz gewiß: so und nicht anders verhält es sich! Aber wir dürfen eins
nicht vergessen: Daß nämlich die erste Abartung immerhin im Bereich
der alten Art numerisch eine Minderzahl bedeutete; ferner aber, daß
sie sich zu irgend einem Zeitpunkt direkt als solche ganz besonders
auffallend markieren und zum deutlichsten Bewußtsein sowohl der alten
wie der neuen Artgenossen gelangen mußte. Ferner: daß das Gebiet,
wo dieses markante Merkmal sich zuerst zeigte, ein Gebiet einer
lebhaften physischen Krisis sein mußte, die wiederum nur eine kleine
Elite in ganz besonders entscheidender und neuartbestimmender Weise
durchmachte! Was aber ist alsdann selbstverständlicher, als daß _ein_
individuelles Paar wieder im Bereich dieser kleinen Elite das neue
physiologische Artmerkmal in allerdeutlichster und bedeutsamster Weise
erlitt? Wie anders jedenfalls wäre wohl sonst die allgemeine und mit
solcher Unausrottbarkeit bis heute festgehaltene religiöse Tradition
vom Urahnenpaar und seiner Elite zu erklären? Denn wir dürfen doch
ganz unmöglich dem Urmenschen eine geistig »mythenbildende« Fähigkeit
zutrauen, wie sie in der späteren Antike auftauchte, wo man allerdings,
wenn auch nur in Decadencezeiten, allgemeine kulturelle Neuströmungen
in eine Kollektivperson dichterisch zusammentrug. Vielmehr muß ein
anderes ausgeschlossen sein, als daß die Urmenschen die Erinnerung
eines tatsächlich vorhanden gewesenen Urahnpaares und seiner Elite
bewahrten, verehrten und weitertrugen.
Es ist nun ferner nichts sicherer, als daß tatsächlich dieses
Urahnenpaar, entweder ganz allein oder mit einem kleinen Anhang, aus
einem bisherigen sozialen Bestand ausgeschieden und verbannt, in
einer neuen Umgebung und unter neuen Lebensverhältnissen aus sich
heraus organisch-physisch ein Geschlecht zeugte, das wir, da es die
neuen in wesentlichem Betracht ausschlaggebend markant gewordenen
Gattungseigenschaften in reinster und fruchtbarster Weise zeigte, als
den eigentlichsten Anfang _menschlicher_ Gattung anzusprechen haben.
Und so bliebe denn die religiöse Bedeutung des Urahnpaares und seiner
Elite, wie wir sie oben gekennzeichnet haben, tatsächlich zu recht
bestehen. Ein einziges Urpaar und eine kleine, ihm innig organisch
angegliederte Elite haben die gesamte menschliche Gattung aus sich
hervor erzeugt und sich organisch zu ihr ausgeweitet!
* * * * *
Genau auf die gleiche Weise werden wir uns natürlich die Auslösungen
auch der übrigen vorhergehenden organisch-tierischen Hauptgattungen
und aller Hauptstufen der organischen Entwicklung vorzustellen haben.
Und nichts weniger also ist das jedesmalige Vorhandensein dieses
die eigentliche Konstituierung der neuen Gattung vollziehenden
Paarindividuums und seiner Elite als ein Zufall oder eine bloße
Erdichtung! Vielmehr, da die organische Entwicklung sich in Stufen
und Gattungen gliedert, die sich jedesmal erst von einem Zeitpunkt
an mit aller Entschiedenheit eine aus der anderen hervor entfalten,
und da die organische Entwicklung als Entfaltungsprozeß des absoluten
Individuums in völliger, und zwar einer absolut _persönlichen_
Einheit steht, ist jenes Paarindividuum und seine Elite, die wir das
_motorische_ Individuum und die _motorische_ Elite nennen wollen,
eine in aller Entfaltung des absoluten Individuums mit dem Zeitpunkt
seines Auftretens immanent fest bestimmte und enthaltene, urnotwendige
Erscheinung und Tatsache!
Sie setzt sich ganz selbstverständlicherweise alsdann weiter fort
zurück in die anorganische Welt hinein. Es kann sich schlechterdings
nicht anders verhalten, als daß in Gestalt von chemisch-elementaren
Wesenheiten dasselbe motorische Individuum und seine Elite auch die
Hauptstadien der anorganisch-chemischen Entwicklung vom Urelement an
auslösten; und daß das Urelement die allererste substanzielle Form
des motorischen Individuums und seiner Elite war. Die allererste
reine Kraft- und unsubstanzielle Atomenform aber war es in Gestalt
des rotierenden zentralen Uratoms und der diesem sich anschließenden
unsubstanziellen Atomenformation.
* * * * *
Aber es bleibt jetzt noch nachzuweisen, daß motorisches Paarindividuum
und seine Elite, die die einzelnen Hauptstufen der Entfaltung des
absoluten Individuums auslösen -- die Neben- und Unterstufen werden
nach gleichem Prinzip von stellvertretenden Paarindividuen und
Eliten ausgelöst und weiter ausgebaut. Wie denn allenthalben in
jeglichem sozietären Betracht alles nach Maßgabe dieses gleichen
heiligen Prinzips organisiert ist, und eine Repräsentanz des
motorischen Individuums bis in die politischen und in andere sozietäre
_Unterformen_ und Verbände hinein eine wichtige Rolle spielt in der
Entwicklung und Ausgliederung aller Kultur -- in welcher organischen
oder anorganischen Gestalt auch stets das persönlich gleiche, also vom
zentralen Uratom ab immer wieder hervorgebrachte, neuerzeugte, als
ein und dasselbe wiedergeborene ist aus allem Zusammenhang und aller
Ausweitung seiner von ihm bewirkten Entfaltung heraus.
So unmöglich eine solche Ausmachung auch der mechanistischen
Wissenschaft sein muß, ja so phantastisch und ungeheuerlich sie ihr
erscheinen wird, so ist sie dennoch vollständig exakt, endgültig und
nachgerade sogar unschwer zu leisten!
Ich habe von alledem in meinem Buche »Das absolute Individuum und die
Vollendung der Religion« (Oesterheld & Co., Berlin W.) sehr ausführlich
gehandelt und dort auch das wichtigste biogenetische Gesetz formuliert,
nach welchem alle Entfaltung durch ein und das gleiche motorische
Individuum und seine Elite bewirkt wird. Ich darf mich hier also kurz
fassen.
* * * * *
Unsere Ausmachung hat zunächst eine Tatsache in Rücksicht zu ziehen,
die sich wieder geradezu auf der flachen Hand darbietet.
Nämlich die, daß die Erscheinung des Bewußtseins auf der Erde räumlich
und auch sonst in jeder Hinsicht einen überraschend eingeschränkten
organischen Bestand besitzt!
Im übrigen verhält es sich so, daß kein einziger kosmischer Körper, mit
einziger Ausnahme des am edelsten entwickelten, des Zentralkörpers,
der Erde, bewußtheitliches Leben trägt. Die übrigen Körper, soweit sie
nächst der Erde die festesten des absoluten kosmischen Systems sind,
entbehren der elementarischen Vielseitigkeit und edlen Kompliziertheit,
welche dem bewußtheitlichen und organischen Leben vonnöten ist.
Die übrigen Körper aber schließen organisches und bewußtheitliches
Leben durch ihre gegen die kosmische Peripherie hin immer leichtere
Beschaffenheit aus, anderer sehr wichtiger Gründe hier nicht zu
gedenken.
Was den anorganischen Bestand anbelangt, so nimmt er als Grundlage des
organischen Lebens den weitaus größten Raum ein.
Alsdann schließt sich, man darf sagen: gleichfalls noch als
Grundlage des höheren organischen Lebens, der sehr mannigfaltige
Formenbestand des niederen und unterbewußtheitlichen an, wozu wir
auch die pflanzlich-vegetabilische Welt zu rechnen haben. Dann
folgt, als ein all diesem anorganischen und organisch niederen und
unterbewußten gegenüber bereits sehr eingeschränkter Kontigent, der
des niederen bewußtheitlichen Lebens. In all diesem Bereich nun aber:
welch eine überraschend kleine Elite des entschiedener und höher
bewußtheitlichen Lebens! Und schließlich, welch kleinster Bestand die
höchstbewußtheitliche Gattung Mensch!
* * * * *
Dabei tritt nun aber gerade, je höher die bewußtheitliche Stufe,
ein außerordentlich wichtiger Umstand in Erscheinung. Nämlich eine
immer mehr sich steigernde freie Bewegung und Beweglichkeit der
bewußtheitlichen Kontingente. Und zugleich eine Tendenz zu überaus
vielseitiger artlicher Differenzierung und Ausbreitung.
Diese Erscheinung nun aber hat sich abzufinden mit jenem ein für
allemal in den engen Grenzen seines Umfanges gehaltenen Bezirk des
höher- und höchstbewußtheitlichen Lebens.