geschieht, wie die Biologie ja schon längst nachgewiesen hat, freilich
ohne sich der ungeheuer wichtigen Tragweite dieser Ausmachung bis jetzt
auch nur im entferntesten bewußt zu werden! --, indertat so: nämlich
vermöge einer Abtragung oder Resorbtion der überwundenen Gattungen und
Arten, welche sich durchaus nach Maßgabe der jeweiligen Vitalität und
Beweglichkeit und der Weiterentwicklung der vorgeschrittensten und
höchsten Gattung vollzog und vollzieht und je nachdem, wie diese die
überholten Gattungen und Arten noch als ihre Ausgliederung für ihren
vorschreitenden Lebensprozeß vonnöten hat.
Diese Abtragung und Resorbtion ist eine dem organischen Leben ganz
besonders eigene Funktion und Erscheinung.
In der anorganischen Welt besteht sie nicht. Denn hier wurden alle
Hauptstadien der Entwicklung ein für allemal statisch festgehalten. Es
blieben alle ausgewirkten Elemente bestehen. Sie verbinden sich zwar
in der mannigfachsten Weise, resorbieren sich aber nicht. Auch alle
sonstigen anorganischen Bildungen blieben statisch bewahrt, wie sie
sich gegenseitig auch immer beeinflussen, verschieben oder umwandeln
mögen.
Das wird aber sofort anders, sobald das organische Leben erreicht
ist! Hier werden die früheren Arten von den späteren resorbiert; sie
verschwinden und sterben hinter den letzteren aus, je mehr von ihnen
aus die Entwicklung weiter geht.
Nun verhält es sich allerdings aber so, daß diese Abtragung oder
Resorbtion im Bereich des sehr ausgedehnten unterbewußten organischen
Lebens vorerst noch eine ganz geringfügige ist. Je edler und
vorgeschrittener indessen das unterbewußte, organische Leben, um so
auffallender setzt auch bereits die Abtragung und Resorbtion der Arten
ein. So z. B. in der Pflanzenwelt. Die Urformen derselben gibt es heute
nicht mehr; wesentlich andere sind an ihre Stelle getreten.
Sobald aber erst das bewußtheitlich organische Leben erreicht ist,
wird die Abtragung und Resorbtion immer auffallender! So sind die
Urwürmer, Urfische, Uramphibien, ist die Echsenwelt heute so gut wie
gänzlich ausgestorben, abgetragen, resorbiert. Noch auffallender
wird dann die Erscheinung in der Welt des höheren Bewußtseins. Am
allerauffallendsten aber im Bereich der höheren Säugetiere und
menschlicher Gattung! Wieviel Arten und Rassen sind nicht seit der
Urzeit vergangen und entstanden und welche ungeheueren, rastlosen
Verschiebungen, Resorbtionen und Neuentwicklungen haben sich nicht
im Zeitraum der Historie vollzogen! -- Ziehen wir nun noch einmal
den sehr eingeschränkten Spielraum in Betracht, der dem höher- und
höchstbewußtlichen Leben ein für allemal und immanent absolut eignet,
ziehen wir ferner in Betracht, daß ja nichts anderes als die jeweilig
dominierende vorgeschrittenste organische Formation oder Gattung selbst
es ist, die sich in die nächsthöhere und neueste durch Weiterzeugung
transformiert, und daß ein und der gleiche organisch-bewußtheitliche
Bestand selbst es ist, der sich in immer höhere Stufen weiterzeugt;
erwägen wir schließlich, daß jede Transformation nicht anders sich
vollzieht als durch ein motorisches Individuum und seine Elite, so
ist mit all diesen Momenten endgültig die persönliche Identität eines
jeden motorischen Individuums mit allen und dem ersten, dem Urahn-Paar,
gegeben! Damit ist aber die persönliche Unsterblichkeit eines jeden
einzelnen Menschen ein für allemal exakt ermittelt und sichergestellt!
Und zugleich die Unsterblichkeitslehren der Religionen! Dies alles
aber schließt wieder ein, daß nicht nur die organisch-bewußtheitlichen
Formen des motorischen Individuums und seiner Elite in der Identität
eines und des gleichen Paar-Individuums stehen, sondern auch jene
Formen, welche die Hauptstadien der anorganischen Entwicklung vom
zentralen Uratom und seiner Atomenelite ab bewerkstelligten und eine
aus der anderen hervor entfalteten! So daß also das menschliche
Urahnen-Paar zugleich vollständig persönlich identisch ist mit dem
zentralen Uratom, einem ersten substanziellen Verdichtungsansatz beim
Entstehen des Urelementes usf. Was aber das noch heute bestehende
rotierende zentrale Uratom anbetrifft, so ist zu sagen, daß es nicht
nur das motorische Individuum selbst, sondern zugleich auch, indem es
vormals ganz und gar dieses Individuum persönlich war, eine _Form_
desselben war. Als solche _Form_ wurde es statisch festgehalten, auch
als das motorische Individuum weitergerückt und Urelement geworden war,
und als solche _Form_ und _Funktion_ desselben funktioniert es auch
heute noch und weiter. Das motorische Individuum _selbst_ aber befindet
sich stets in der vorgerücktesten und höchsten Form der Entwicklung;
alles was es hinter sich gelassen hat, besteht als sein Sediment und
Fundament weiter und hat eine Repräsentanz des motorischen Individuums;
im übrigen aber ist zu sagen, daß aller Bestand der Entwicklung sich
stets nur im motorischen Individuum selbst polar verknüpft, und daß
nichts anderes als dieses der Schwerpunkt der ganzen Entwicklung des
absoluten Individuums ist!
Da sich nun aber das absolute Individuum und das motorische Individuum
absolut nicht anders bestimmen kann, als nach der Form seiner höchsten
Bewußtheitlichkeit, so hat sich durch die ganze Entwicklung hindurch
vom einpolaren Zustand ∞ ab schlechterdings nichts anderes entwickelt
als diese Form. -- Ich habe in meinem früher erwähnten Buche »Das
absolute Individuum und die Vollendung der Religion« nachgewiesen, daß
diese höchste bewußtheitliche Form keine andere ist, als der Mensch.
So daß also absolutes und motorisches Individuum sich endgültig und
exakt bestimmt als Individuum Mensch!
So entwickelt sich denn ewig nur ein und das gleiche Individuum,
nämlich das _absolute_ in Gestalt eines _motorischen Individuums_ und
einer Elite desselben weiter; und somit entfaltet sich auch nur _eine_
Gattung, als und durch _eine_ Art, _eine_ Rasse und _eine_ Familie!
Nur daß sie ihre überwundenen Stufen und Ausgliederungen statisch als
solche festhält oder, im höher und höchstentwickelten bewußtheitlichen
Leben, resorbiert, was gleichbedeutend ist mit organischer Neu-,
Weiter- und Wiedergeburt!
Im übrigen wird sich das motorische Paar-Individuum _persönlich_
und selbst, als solches, immer da finden und wiedergebären, wo eine
_Hauptphase_ der Entfaltung erzeugt wird und sich konstituierte
(im übrigen natürlich _wiedererreicht_ wird, denn sie ist ja mit
dem absoluten Individuum und all seinem Bestand und Umfang ewig
und absolut an ihrer Stelle. Auch wenn sie mit allem anderen im
Nu des einpolar neutralen Zustandes ∞ latent ist!). Es wird sich
aber auch wiedergebären da, wo es darauf ankommt, die Hauptphasen
einer bestimmten neuen Form und Gattung zu entfalten. Also wird das
motorische Individuum mit seiner Elite sicherlich jeweilig z. B.
jene Rasse erzeugt haben, welche der Grundstock einer der großen
menschlichen Hauptkulturen war! So daß also den Göttern gewisser
großer menschlicher Hauptreligionen ohne jeden Zweifel jedesmal eine
menschlich persönliche Form des motorischen Individuums und seiner
Elite entsprochen hat! -- Z. B. steht es über jedem Zweifel, daß ein
menschliches Paar einst gelebt hat, dem die mythischen Vorstellungen
von Osiris und Isis oder Odhin und Frigga entsprechen!
* * * * *
Wir sehen also, daß, wenn sich die gegenwärtige Krisis der exakten
Wissenschaft dahin löst, daß die Wissenschaft die notwendigen und sich
von selbst ergebenden Konsequenzen aus den beiden endgültig exakt von
ihr ausgemachten Tatsachen der Entwicklung und der Einheit und Ewigkeit
von Kraft und Polarität zieht, wie das nur ganz unerläßlich und
unausweichlich ist, nicht nur die Wissenschaft selbst erst _wirklich_
exakt wird und ihre Disziplinen endgültig ausbauen kann, sondern daß
sich, was noch ungleich wichtiger ist, auch die gegenwärtige, so
überaus brennende und bedenkliche _religiöse_ Krisis lösen kann! Dies
kann aber nur dadurch und in dem Sinne geschehen, daß Hauptprämisse
und Grundtatsache der Religion, wie sie von allem Uranfang an durch
im wesentlichsten Betracht unerschütterliche Tradition bis hierher
sich erhalten hat, in ihrer absoluten Gültigkeit endgültig von der
Wissenschaft in dem Sinne bestätigt wird, wie es in diesem unseren
Zusammenhange geschehen ist, der die _endgültige exakteste_ Bestätigung
der religiösen Haupttatsache geleistet hat!
Im näheren Betracht aber kann die Lösung der religiösen Krisis nur
erreicht werden in Gestalt einer Lösung des christlichen Problemes!
Diese Lösung kann uns indessen nicht mehr schwer fallen.
Denn offenbar hat der Christus eine Hauptfunktion der Entwicklung
geübt, nämlich er hat im Prinzip menschliche Gattung als solche zu
ihrem umfassendsten Abschluß gebracht. Wir wissen aber, daß dies eine
Funktion ist, die nur das motorische Individuum selbst und persönlich
leistet. Also ist Christus, ist Jesus von Nazareth das motorische
Individuum selbst gewesen! Und also hat das Dogma der christlichen
Religion, welches ausspricht, daß Jesus »Gottes eingeborener Sohn« und
Gott selbst in organisch-menschlicher Erscheinung ist, vollständig
recht! Denn diese Fassung des Dogmas kann nichts anderes bedeuten, als
daß Jesus von Nazareth, der »Christus«, die organische Erscheinung des
absoluten Individuums (der »Vater«), das motorische Individuum (der
»Sohn«) ist!
Wir werden, da ja das motorische Individuum Paar-Individuum ist, nach
der weiblichen Ergänzung Jesu fragen? Aber es kann gar kein Zweifel
bestehen, daß diese vorhanden gewesen ist! Wenn sie aber nicht als
sein _Weib_, d. h. als seine _gattlich_ zeugerische und gebärende
Ergänzung vorhanden war, so kann das seinen Grund einzig darin haben,
daß das motorische Individuum, wenn es eine organische Form, die ihre
äußerste Entwicklungsmöglichkeit erreicht hat, zunächst als solche
_abschließt_, nicht seine Funktion als patriarchalischer Erzeuger einer
neuen Gattung übt! -- Aber es ist gesagt worden, daß der Christus
wiederkommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten. Da das
aber nur heißen kann, daß das motorische Individuum, Gott selbst als
organisches Individuum, wiederkommen wird, und da es ferner nur heißen
kann, daß, da menschliche Gattung alsdann durch das fortwirkende
Prinzip des Christus wirklich vollkommen fertig geworden ist, eine
_neue_ organische Form erzeugt wird, so wird der »Christus«, d. h. das
motorische Individuum, wenn es einst persönlich wieder da sein wird,
durchaus seine patriarchalische zeugerische Funktion üben. Mag sein,
daß alsdann »die Toten« aller überwundene menschliche Bestand bedeutet
und »die Lebendigen« die neuwerdende Gattung; denn »lebendig« im
polar-zentralen Sinne ist ja stets nur die organische Form, in welcher
das motorische Paar persönlich vorhanden ist und zeugend wirkt oder
weiter wirkt. (Die »Himmel«- und »Hölle«-Vorstellungen der christlichen
_Mythe_ werden also in ihrer _Wirklichkeit_ nicht gar so entsetzlich
sein, denn ein _ewiger_ »Himmel« und eine _ewige_ Seligkeit, wie sie
die christliche _Mythe_ sich vorgestellt, ist gewiß auf die Dauer kaum
weniger fürchterlich als eine ewige »Hölle« und »Höllenstrafe«. Aber
die große religiöse Grundtatsache hat neben allem anderen wohl auch
stets so ihren »Witz«, der ganz gewiß auch seinen praktischen Wert
haben wird.)
* * * * *
Man könnte nun aber fragen, ob es sich wirklich auch diesmal um die
Erzeugung einer wesentlich neuen und höheren organischen _Gattung_
handeln wird? Ob also wirklich der heute so viel herumspukende
»Übermensch« eines Tages vorhanden sein wird?
Die Frage wäre nicht ohne Sinn und Berechtigung. Denn es ist zu
bedenken, daß ja die Entwicklung und auch die des Bewußtseins einmal
ein Ende nimmt, daß eine wirklich _höchst_bewußtheitliche organische
Gattung eines Tages die _letzte_ und daß der Abschluß derselben der
_letzte_ Abschluß sein wird, den das motorische Individuum vollzieht.
Es ist nun sehr bezeichnend, daß die deutsche Metaphysik in ihren
äußersten Ausläufern so viel vom »letzten Ende«, vom »Unbewußten«
gehandelt hat. Sehr schön ist z. B. auch gelegentlich einmal von
Friedrich Schlegel Novalis gegenüber die christliche Religion die »des
Todes« genannt und Novalis als Jemand bezeichnet worden, der »Sinn für
den Tod« hat.
Da nun aber, wie ich in meinem erwähnten Buche nachgewiesen habe,
menschliche Gattung wirklich die höchste Bewußtseinsstufe des absoluten
Individuums bedeutet, so ist sie auch wirklich die _letzte_ Stufe und
Gattung der Entfaltung des absoluten und motorischen Individuums und
wird sich eine wesentlich neue und höhere über sie hinaus _nicht_ mehr
auswirken. Hat also das motorische Individuum in Gestalt und Person
Jesu des Christus menschliche Gattung zu ihrem Abschluß gebracht, so
hat es, hat Jesus von Nazareth die absolute Entwicklung selbst zu ihrem
Abschluß gebracht!
Man wird nun freilich einwenden wollen, daß der Mensch, dessen
Weisheit und Bewußtheitlichkeit doch nachgewiesenermaßen so gar sehr
»Bruchstück« gewesen ist, unmöglich die höchste Stufe absoluter
Bewußtheitlichkeit bedeuten könne. Dennoch verhält sich das so! Es
ist nämlich zu bedenken, daß die Menschheit je und je das absolute
Wissen von der religiösen Grundtatsache gehabt hat. Nur seine höchste
_Form_ hatte dieses Wissen bis daher noch nicht erreicht. Immer wieder
traten Decadenceperioden ein, in denen eine Form dieses Wissens nicht
mehr genügte und Wissen selber an seinem unveräußerlichen absoluten
Gegenstand irre wurde. Dennoch restituierte sich die religiöse
Grundtatsache und absolutes Wissen in einer höheren Form immer wieder
und wieder und von neuem. So daß schlechterdings ausgesagt werden muß,
daß die Entwicklung dieses Wissens in einem absoluten kontinuierlich
aufsteigenden Zusammenhang vor sich ging. Da dieses absolute
bewußtheitliche Wissen von der religiösen Grundtatsache ehemals aber
überhaupt von dem _Menschen_, dem Urmenschen, zum ersten Mal erreicht
wurde, und da der Mensch es bis daher beharrlich weiter entwickelt
hat, so muß es denn auch unfehlbar zu seiner höchsten, exaktesten,
endgültigsten Form gelangen!
Nun, wir haben uns aber selbst unseren ganzen Zusammenhang hindurch
überzeugt, daß die exakte Wissenschaft, die die letzten und
unvermeidlichsten Konsequenzen ihrer beiden Hauptausmachungen, der
Tatsache der Entwicklung und der ewigen einheitlichen Kraft und
Polarität vollzog, wirklich diese höchste und endgültigste Form
religiösen Wissens -- und Wissen ist _nur_ religiöses Wissen! --
erreicht hat! -- Also ist absolutes und motorisches Individuum
im Menschen zu seiner höchsten gattlich-organischen Form und
Selbsterfassung gelangt! Und also ist menschliche Gattung der
Abschluß der Entfaltung, die von ihr an nur mehr noch die Wendung zum
Unterbewußtsein und zum einpolar neutralen Urzustand ∞ hin nehmen kann!
* * * * *
Bedenken wir, daß der Christus bis heute und dieser Form höchsten und
endgültigsten Wissens her an der Vollendung der Menschheit gewirkt
hat! Tritt nun dieses heute erreichte Wissen, wie es gar nicht anders
sein kann, endgültig in Kraft, so kann das schlechterdings nichts
anderes bedeuten, als daß die Menschheit und menschliche Gattung
endlich in ihre _Höhenperiode_ eingetreten ist, wo ihr die höchsten
und letzten Lebenserfüllungen reifen müssen! Und dies ist der Blick
in die jetzt bevorstehende Zukunft! -- Sie wird die letzte und
umfassendste _Einheit_ der Menschheit erleben und die höchsten Triumphe
menschlichen Geistes, menschlichen Gattungsgefühles und menschlicher
Kultur! -- Sie kann nur die Periode eines allgemeinen großen Welt-
und Menschheitsfriedens, eine Periode der _Freude_ und eines großen
_Weltfeierabends_ sein! -- In ihr werden sich die gegenwärtigen
Rassenbestände der Menschheit ausleben, bis zu einer Grenze hin,
wo höchste Bewußtheitlichkeit anfängt sich in eine _unbewußtere_
physiologische Sensibilität umzuwandeln. Das wird der Zeitpunkt
einer endgültigen, letzten menschheitlichen Decadence bedeuten, und
in dieser Zeit wird das motorische Individuum (»Wiederkunft des
Christus«) wiedererscheinen, um aus menschlicher Gattung hervor eine
Abart organisch auszulösen und zu konstituieren, bei welcher sich die
Umwandlung höchster Bewußtheitlichkeit in eine überaus verfeinerte,
neue physiologische Sensibilität endgültig vollzogen haben wird, welche
Sensibilität alsdann im weiteren Verlauf zum völligen Erlöschen des
Bewußtseins führen wird. -- Die Erde alsdann aber alt geworden, wird
ihr altes organisches Leben immer mehr eingezogen haben. (Man bedenke
hier nur das zunehmende Aussterben der wilden Tiere, das befremdliche
Aussterben in der Vogelwelt, das heutzutage festzustellen ist!) Nur
ganz unterbewußte Überbleibsel der alten organischen Wesensreihen
werden noch vorhanden sein, und soweit sie noch den letzten Untergang
des Kosmos -- der sich durch umfassendste Einziehung einheitlicher
Polarität vollziehen wird -- erleben, werden sie nichts von ihm wissen
und fühlen!
Es wird also dem motorischen Individuum und seiner Elite diesmal nichts
weiteres mehr übrig sein, als den Übergang des bewußtheitlichen Lebens
in das Unterbewußtsein zeugerisch zu vollziehen. Und es wird nichts
weiter mehr zu tun haben, als das Grausen einer allgemeinen Katastrophe
auf solche Weise zu verhüten, das für jedes bewußtheitliche Wesen
unausdenkbar fürchterlich sein müßte!
* * * * *
Aber kehren wir wieder zu unserem eigentlicheren Zusammenhange, zur
Lösung der gegenwärtigen religiösen Krisis, zurück. Man ist neuerdings
geneigt zu meinen, es werde eine wesentlich neue Religionsform aus ihr
hervorgehen und die christliche ersetzen. Man wird aber jetzt erkennen,
daß das gänzlich ausgeschlossen ist.
Religionsform bedingt sich durch Bewußtheitlichkeit und durch
bewußtheitlich-intellektuale Formulierung; da wir nun aber sahen, daß
der Christus im Prinzip die höchste religiöse Stufe ausgelöst hat, so
kann eine noch vollkommnere Religionsform, als die von ihm geschaffene
nicht mehr möglich sein!
Es ist denn auch nur zu kennzeichnend, daß alle neusten, monistischen
Versuche, zu einer neuen Religionsform zu gelangen, nichts sind
als, leider aber nur zu vage, Versuche zu einem weiteren Ausbau des
christlichen Prinzips!
Ist aber eine wesentlich neue Religionsform über die christliche hinaus
nicht mehr möglich und denkbar, so wird allerdings nur noch eins übrig
bleiben: nämlich der letzte Ausbau der christlichen Religionsform!
Wie aber wird er sich einzig vollziehen können?
Durch Anwendung der Ausmachungen über die religiöse Grundtatsache, die
wir hier geboten haben!
Nach deren endgültigem und exaktem Maßgabe aber bleibt vor allem die
Tatsache bestehen, daß Christus »Gottes Sohn« und Gott selbst »ins
Fleisch geboren«, d. h. als menschlich organisches Individuum ist.
(Was der »Monismus« von heute nicht mehr Wort haben wollte!). Ferner
bleibt die Heiligkeit und Göttlichkeit seiner nächsten Elite bestehen.
(Apostel und eine gewisse Anzahl von männlichen und weiblichen
Märtyrern und sonstigen seitherigen großen Auswirkern christlicher
Religiosität.) Auch die Vorstellung des Erlösungs- und Heilandswerkes
bleibt bestehen. Denn Christus erlöste die Menschheit insofern, als
er sie vollendete und einte, und damit im Prinzip den unsäglichen
menschlichen Bruderzwisten der Historie ein Ende setzte.
Freilich aber wird verschiedenes aus dem Apostolikum ausgeschieden
werden müssen, was veraltete _ethnische_ Vorstellungsform ist. Doch
nicht die Form einer _Kirche_ selbst! Diese noch nicht! Da sie sich
durchaus bedingt durch die sonstige staatliche Form der Sozietät, die
zwar in Zukunft mehr und mehr ihre schroffen nationalen Gegensätze
verlieren, als solche aber noch lange nicht aufhören wird.
* * * * *
Das alles schließt ein, daß zunächst die katholische Form, in ihren
Hauptdogmen endgültig gekräftigt, ihre Bestätigung empfängt. Es ist
eigentlich ihr Vorteil, daß sie die Göttlichkeit des Christus und der
Heiligen am konsequentesten festgehalten hat. -- Man mißverstehe mich
aber nicht: ich habe durchaus keine Restituierung eines eigentlichen
Heiligen_kultus_ nun auch für den Protestantismus im Sinn! Überhaupt
wird sicherlich ein _Kult_ im antiken, ethnischen Sinne immer mehr in
Wegfall kommen. Er wird durch eine gemeinsame religiöse Andacht und
Versenkung ersetzt werden, die ja eigentlich nichts anderes sein kann
als eine Selbstversenkung des weiteren organisch sozietären Bestandes
des motorischen Individuums in dieses selbst (Verhältnis der Gemeinde
zu Christus, ihrem Haupt) und damit in das absolute Individuum, in
Gott, aus welcher Versenkung je und je und nach wie vor alle sozietäre
Bestätigung und Kraft sich ergeben muß.
Obgleich nun aber die katholische Kirche die religiöse Grundtatsache
am treusten festgehalten hat, und der Protestantismus ihr gegenüber
nachgerade fast bis zum Unmöglichen _lau_ geworden ist -- so bleibt
der Katholizismus dennoch eine _überwundene_ Form der christlichen
Religion. Und zwar wegen ihrer allzuvielen ethnischen Bestandteile.
Ich weiß nicht, wieviel der Modernismus davon in Zukunft wird
beseitigen können: ganz frei von ihnen wird der Katholizismus nicht
zu bekommen sein. Umsoweniger, als sich sein ethnischer Charakter ja
lediglich durch die Bekräftigung der Hauptdogmen auch seinerseits
bekräftigen muß! Denn diese Bekräftigung erstreckt sich ja überhaupt
auf _jede_ menschliche Religions- und Kultform _deren ganzem Umfang_
nach. Da im übrigen jede Religionsform naturgemäß auf das engste dem
sozialen, oder dem Rassebestand entspricht, der sie hervorbrachte
oder der sich ihr anpaßte, so wird es alles in allem so stehen, daß
die katholische Konfession sich mit den Rassenbeständen, denen sie
entspricht, ruhig ausleben wird. --
Was die protestantische Konfession anbetrifft, so wird sie vor allem
zu beachten haben, daß das Dogma von der Einheit Christi mit Gott
endgültig fest bleibt, und daß dies gleichbedeutend damit ist, daß
Jesus von Nazareth wirklich gelebt hat und der Christus gewesen ist!
(Unsere heutigen Drews, die das in Abrede stellen wollen und eine
gewisse radikale Richtung der liberalen Theologie stehen vollständig
und ein für allemal im Unrecht!) Im übrigen aber wird sich der
Protestantismus durch eine neue und endgültige Reformation von seinen
letzten ethnischen Bestandteilen befreien. Und außerdem wird sein
Gottesdienst immer mehr und endgültig den Charakter eines _Kultus_
verlieren, statt dessen wird er jenen Charakter der Selbstversenkung
der Gemeinde in das Wesen des Urhebers christlicher Religion und
christlichen Prinzipes und damit in Gott, d. h. das absolute
Individuum, annehmen, das vorhin angedeutet wurde. -- Mit dieser
Reformation des vorgeschrittensten christlichen Bekenntnisses wird
christliche Religionsform zu ihrer letzten und endgültigen Vollendung
gelangen. Sie wird die Religion der menschlichen Rassen sein, welche
die Träger der künftigen Menschheitskultur sein werden.
Alle weitere Entwicklung von Religion kann nur jener dereinstigen über
die heutigen menschlichen Rassen hinausgehenden Rasse entgegenführen,
in deren Bezirk einstmals in einer noch fernen Zukunft das motorische
Individuum entstehen wird, um die Entwicklung der Menschheit zeugerisch
dem Unterbewußtsein entgegenzuführen. Diese Endgattung aller
Entwicklung aber wird nicht mehr in solchen sozialen Formen leben,
wie wir, sie wird die Begriffe eines Staates, einer Kirche und einer
intellektuell fixierten Religionsform und Konfession nicht mehr kennen
und bedürfen!
Aber das geht die Lösung der gegenwärtigen religiösen Krisis nichts
an. Genug, daß wir unter allen Umständen um die einstmalige Existenz
von Jesus und seiner Eigenschaft als Gottes wahrer und eingeborener
Sohn endgültig nicht herumkönnen. --