Doch auch dieser Zustand kann noch nicht der allererste Urzustand des

Kosmos gewesen sein. Immer noch ermöglicht sich eine Zurückführung der

Entwicklung zu einem noch einfacheren Zustand.

Die zwiepolare _Spannung_ (bezw. beständige zwiepolare Auslösung)

des Atoms bedeutet noch einen _aktiven_ Zustand von Kraft; und also

einen immer noch komplizierten, wenn auch schon in keiner Weise mehr

substanziell komplizierten. Es kann und wird sich also noch ein

weiteres vollziehen; freilich nur mehr noch ein alleräußerstes: nämlich

diese zwiepolare Spannung und Aktivität kann sich noch einziehen. D. h.

der eine Pol kann den anderen in sich aufnehmen. Alsdann aber besteht

weder mehr eine substanzielle noch eine unsubstanzielle Körperlichkeit,

besteht keinerlei aktive Kraft mehr, sondern nur noch der einpolar

neutrale Zustand ∞, der alle Entwicklungsformen sowohl ein- wie

ausschließt und schlechthin punktuell ist! --

_Wir wären mit alledem aber zu dem überaus wichtigen Ergebnis gelangt,

daß die Substanz keine selbständige Bedeutung besitzt, sondern

lediglich die einer vorgerückteren Form und Komplikation von Kraft._ So

daß also die Kraft der Substanz gegenüber -- die überdies bekanntlich

noch niemals anders als _schematisch_ begrifflich von jener getrennt

werden konnte! -- ein übergeordneter Zustand ist. -- Im übrigen aber

ist sie offenbar keineswegs der letzte Urgrund des Kosmos und aller

kosmischen Erscheinung, sondern lediglich eine _Eigenschaft_! Nämlich

eine Eigenschaft des punktuellen Ein-Pols, der sie in dem Augenblick zu

betätigen anfängt, sobald er zwiepolar wird, einen Gegenpol aus sich

heraussetzt, um alsdann alle weitere Stufenfolge von Entwicklung zu

bewirken.

Diesen einpolar neutralen Zustand ∞ gewonnen, werden wir jetzt auch

in der Lage sein, das Urelement im Kosmos exakt zu lokalisieren; und

zugleich werden wir mit aller Sicherheit erkennen, daß es tatsächlich

unmöglich den Kosmos seiner ganzen elliptischen Ausdehnung nach

eingenommen haben oder einnehmen kann. Mit anderen Worten: daß sich

zugleich das Vorhandensein eines sogenannten »Weltäthers« als ein

für allemal unmöglich erweist! Denn wenn jetzt die Entwicklung aus

dem einpolaren Zustand hervor von neuem beginnt, so muß sich auch

Zustandekommen und Ort des Urelementes auf das genauste feststellen

lassen. --

* * * * *

Entwicklung und eine einheitliche zentrale Kraft als Eigenschaft eines

punktuellen Ein-Pols sind also zwei mit jeder Sicherheit ausgemachte

und feststehende Tatsachen.

Die elliptisch endlich in sich geschlossene Ausdehnung des Kosmos und

die Einheitlichkeit des allgemeinen, absoluten kosmischen Systems

ergibt sich von diesen beiden Tatsachen aus mit jeder Notwendigkeit;

des näheren aber die Tatsache einer ehemalig einheitlichen

Urelementformation und von ihr aus eine Entfaltung von Substanz und

kosmischen Körpern, deren es von vornherein in einem elliptisch

_endlichen_ Kosmos nur eine endlich bestimmte Anzahl geben kann.

Aber wir können auch noch von einer anderen Seite her die elliptische

Endlichkeit des Kosmos und die Einheit eines absoluten kosmischen

Systems mit jeder Sicherheit nachweisen.

Ohne weiteres bieten sich uns nämlich im Kosmos Systeme dar. Diese

Systeme bestehen wieder aus Untersystemen. Daraus ergibt sich die

notwendige Folgerung, daß alle kosmischen Systeme Glieder eines

einzigen allgemeinen kosmischen Systems sind. Weiterhin aber ergibt

sich, daß, wie jedes Untersystem einen Zentralkörper und eine

Peripherie hat, als welche letztere sich die Umlaufsbahn seines

äußersten Körpers darstellt, auch das allgemeine kosmische System einen

Zentralkörper und eine Peripherie, bezw. eine äußerste Umlaufsbahn

besitzt.

Wollte man nun aber diese Peripherie und diese äußerste Umlaufsbahn

ihrer Ausdehnung nach für unendlich halten, so wäre ein anderes

vollständig ausgeschlossen, als daß auch der Zentralkörper des Systems

räumlich unendlich wäre; denn einer _unendlichen_ Peripherie könnte

notwendigerweise auch nur eine _unendliche_ Zentrale entsprechen.

Alsdann wären ja aber Zentrum und Peripherie in eins zusammengezogen:

nämlich in den Zustand ∞, der, da eine Zentrale gegen eine Peripherie

nicht mehr unterschieden wäre, nicht anders als seiner Eigenschaft nach

einpolar und neutral ist, so daß also keinerlei System und keinerlei

kosmische Körper vorhanden sein würden. Da nun aber in Wirklichkeit

doch kosmische Körper und Systeme vorhanden sind, so kann es sich nicht

anders verhalten, als daß sie in einem allgemeinen elliptisch endlichen

System stehen, in dem sich ein endlicher Zentralkörper gegen eine

endliche Peripherie unterscheidet!

Also auch auf solchem Wege gelangen wir zu der unausweichlichen

Erkenntnis, daß der Kosmos seiner Ausdehnung nach elliptisch endlich in

sich abgeschlossen ist.

Übrigens fängt die Astronomie neuerdings selbst an, einen seiner

Ausdehnung nach elliptisch geschlossenen Kosmos und ein solches

allgemeines kosmisches System anzunehmen. (Nachdem aber schon lange von

Dühring und Helmholtz die Endlichkeit der kosmischen Raumausdehnung

nachgewiesen wurde.) Von welch' ungeheurer und überraschender

Tragweite aber die Tatsache eines elliptisch endlichen Kosmos und

eines einheitlichen kosmischen Systems ist, davon werden wir uns

gleich nachher überzeugen können. Die Astronomie hat denn heute auch

ein Bewußtsein davon, daß sie vor einer großen fundamentalen Umwälzung

steht. Einer ihrer namhafteren Vertreter, Prof. Turner in Cambridge,

hat das ja auch anfangs dieses Jahres in einer öffentlichen Rede, die

großes Aufsehen erregt hat, direkt ausgesprochen.

* * * * *

In was für unmögliche und geradezu unsinnige Hypothesen sich indessen

die exakte Wissenschaft, nachdem sie selbst an den beiden Tatsachen der

Entwicklung und der Erhaltung einer einheitlichen Kraft wieder unsicher

geworden ist, vorderhand, und besonders gerade die Astronomie, noch

verstrickt zeigt, dafür ein Beispiel.

Es ist bekannt, daß man neuerdings die Kant-Laplacesche Kosmogonie ein

für allemal hat fallen lassen. Mit vollem Recht; denn sie ist wirklich

nicht mehr aufrechtzuerhalten, und am allerwenigsten läßt sie sich noch

mit der Tatsache eines elliptisch in sich geschlossenen kosmischen

Raumes vereinbaren.

Wir wollen sie uns aber trotzdem hier in aller Kürze noch einmal

vergegenwärtigen.

Im unendlichen Raum zieht sich überall Substanz zusammen. Sie befindet

sich in einem feurig gasigen Nebelzustande, der rotiert. Diese

Rotation vollzieht sich zunächst noch ganz langsam. Da aber der Nebel

beständig Wärme in den kalten Weltraum hinein abgibt, so zieht der

Nebel sich zusammen und in gleichem Maße nimmt auch seine Rotation

zu, beschleunigt sich und wird kräftiger. Die Folge davon ist, daß von

einer zentralen Verdickung aus, die sich später zum Zentralkörper des

im Entstehen begriffenen Systems entwickelt, die Substanz ringförmig

abgeschleudert wird. Diese Ringe zerreißen und ziehen sich zu Körpern

zusammen, die alsdann den Zentralkörper in der Richtung von dessen

Rotation umkreisen, festgehalten von seiner Gravitation und zugleich

von einer Zentrifugalkraft, die ihnen eignen soll, von ihm abgedrängt

und zu ihm in bestimmter Distanze gehalten.

Man sieht sofort, daß diese Kosmogonie sich mit einem elliptisch

endlichen Kosmos und einem einheitlichen kosmischen System nicht mehr

vereinbaren läßt. Denn hier wäre ja weder ein kalter, abkühlender

Weltraum mehr, noch auch wäre für das Gesamtsystem noch ein Raum zu

einer solchen Abschleuderung. Nur bei der Annahme eines unendlichen

Weltraums konnte eine solche Hypothese Sinn und Überzeugungskraft

haben. Auch verträgt sich im übrigen die mechanisch von außen her

erfolgende Beschleunigung der zentralen Rotation keinen Augenblick

mehr mit der Einheitlichkeit und Polarität der Kraft, die doch

unbedingt verlangt, daß die Rotation sich durch sich selbst und aus

zentraler Polarität heraus beschleunigt. Weiter aber ist überhaupt in

der Kant-Laplaceschen Hypothese das Zustandekommen einer zentralen

Rotation weder erklärt noch auch verständlich. Auch das Zustandekommen

der Rotation der Trabanten bleibt durchaus unverständlich und ohne

Erklärung. Ja sogar die Abschleuderung!

Aber das alles beiseite. Trotz allem eignete dieser Theorie an und für

sich immerhin eine gewisse einleuchtende Kraft. Es muß einem sofort

plausibel sein, daß kosmische Bewegung und Kraft die Substanz lokal

kontrahiert und daß alsdann von einem durch solche Kontraktion sich

ausbildenden Zentralkörper aus ganz einheitlich die weitere Ausbildung

des Systems erfolgt. Auch die Rotation des Zentralkörpers, ob erklärt

oder nicht, mußte die Ausbildung der Umlaufsbewegung des Systems sehr

gut und mit geschlossener Einheitlichkeit einleuchtend machen. Außerdem

durfte man ja an und für sich aus der tatsächlichen Rotation der Erde

sehr wohl auch auf eine Rotation der übrigen Himmelskörper schließen.

Um es also banal zu sagen: Die Kant-Laplacesche Kosmogonie war

sicherlich nichts weniger als dumm und bleibt nach wie vor, obgleich

sie nachgerade nur noch historisch in Betracht kommt, aller Ehren wert.

Nun wollen wir uns aber mal ihr gegenüber einer der neuesten

kosmogonischen Hypothesen ansehen, die prätentiert, die

Kant-Laplacesche endgültig überwunden und erledigt zu haben!

* * * * *

Es handelt sich um die von Svante Arrhenius in seinem Buch »Das

Werden der Welten« entwickelte sogenannte Explosionstheorie. Auch

einem weiteren Publikum ist nicht unbekannt, welches Aufsehen ihr

nobelpreisgekrönter Urheber mit ihr hervorgerufen und wie die

astronomische Wissenschaft sie, wenn auch nicht mit vollständiger

Einstimmigkeit, ernst genommen hat.

Wir bieten zunächst in aller Kürze den wesentlichsten Inhalt dieser

Explosionstheorie.

Sie knüpft an die so interessante Erscheinung der »Novae«, jener

plötzlich mit gewaltiger Kraft und ganz spontan aufleuchtenden

Gestirne an, die mit diesem Aufleuchten zum ersten Mal in Erscheinung

treten, um alsdann, nachdem ihre Leuchtkraft sich wieder vermindert

hat, einen gewissen Ausbildungsprozeß zu zeigen, der im allgemeinen

dem der kosmischen Spiralnebel entspricht. Man hat besonders im

Laufe der letzten beiden Jahrzehnte der Erscheinung der »Novae«

eine nachhaltigere Aufmerksamkeit zugewandt und große Erwartungen

für wichtigste Aufschlüsse in kosmogonischen Angelegenheiten an sie

geknüpft; Erwartungen, die Arrhenius jetzt mit seiner Explosionstheorie

gerechtfertigt haben soll.

Aber der Inhalt seiner Theorie!

Zwei erkaltete große Sonnen treffen im Weltraum aufeinander. Sie sind

nicht vollständig erkaltet, sondern bergen in ihrem Innern noch heißen

gasigen Stoff. Der Zusammenstoß macht die beiden Körper bersten und ihr

heißgasiges Innere explodieren. Es entsteht eine ungeheure Erhitzung

und eine zweiseitige Ab- und Ausschleuderung der erhitzten und gasig

gewordenen Materie, die sich mit zwei Armen spiralig neblig um eine

zentrale kugelige Verdickung herumlegt.

Nun sollte man meinen, die weitere Ausbildung des im Entstehen

begriffenen Systems gehe dergestalt vor sich, daß infolge zentraler

Rotation die beiden spiraligen Nebelarme selbständig Zentren ausbilden,

die später als Trabanten den Zentralkörper in der Richtung der

zentralen Rotation begleiten; indessen keineswegs! Zwar gibt Arrhenius

zu, daß bis zu einem gewissen Grade eine solche Zentrenbildung

stattfindet, aber trotzdem ist durchaus nicht sie es, welche die

späteren Trabanten zustandebringt. Vielmehr sollen diese in der

Hauptsache auf folgende Weise entstehen:

Beständig dringen nicht nur zahllose Meteoriten, sondern sogar größere

Körper in den Nebel hinein. Die meisten durchschlagen ihn zwar und

setzen ihre Bahnen in den Raum hinein fort, immerhin aber werden diese

und jene dennoch von dem Nebel festgehalten, geraten -- obgleich sie

doch an und für sich die Kraft haben, diese Rotation zu durchbrechen?!

-- in die Richtung von dessen Rotation, ziehen die Materie des Nebels

und etwaige durch die Rotation bereits entstandenen Zentren an sich

heran und werden so zu Trabanten des Zentralkörpers; wogegen die

eigene Zentrenbildung des Nebels überhaupt so gut wie ganz und gar

bedeutungslos bleiben soll!

* * * * *

Das ist die kosmogonische Theorie, die sogenannte »Explosionstheorie«

von Svante Arrhenius! --

Sehen wir zu, was es mit ihr auf sich hat.

Ich glaube, der aufmerksamere Leser, der sie inzwischen mit der vorhin

skizzierten Kant-Laplaceschen Hypothese verglichen hat, wird bereits

bedenklich den Kopf geschüttelt haben. Wahrhaftig nur mit vollem

Recht! Denn diese Explosionstheorie von Arrhenius ist nichts als eine

unglaubliche Absurdität. (Ein Astronom, mit dem ich in Briefwechsel

stand, hat sie mir gegenüber denn auch direkt als »lächerlich«

bezeichnet.)

Zunächst, was für eine bedenkliche und befremdliche Freizügigkeit

der kosmischen Körper! Nicht nur, daß überhaupt zwei »erkaltete

Sonnen« solchermaßen und ganz ohne Rücksicht darauf, ob sie andere

Systeme dabei etwa zerstören oder nicht, aufeinandertreffen und

explodieren können, sondern auch noch alle diese zahllosen Meteoriten

und Großkörper, die da kreuz und quer durcheinanderfahren und dabei,

wie es gerade der Zufall fügt, zugleich den Nebel durchbrechen und

sich von ihm fangen lassen sollen. Welche regellose Willkür in

der kosmischen Bewegung, die wir uns doch -- Einheit und Erhaltung

der Kraft und zentrale Polarität! -- als eine völlig einheitliche

und streng geregelte vorzustellen haben! Oder geben etwa die so

befremdlich und problematisch exzentrischen Bahnen von Kometen und

Sternschnuppenschwärmen Berechtigung zur Annahme einer derartigen

Freizügigkeit? Unmöglich, da die Kometen und Sternschnuppen ihre

Umlaufsbahnen ja immerhin einhalten und nach irgend einer offenbaren

gesetzlichen Ordnung vollziehen, von den schweren Großkörpern aber,

zwischen denen sie passieren, wohl Ablenkung erfahren, diese selbst

aber und ihre Bahnen und Systeme nicht einen Augenblick zu stören

vermögen. Zwar können Kometen sich sogar auflösen, indessen haben wir

alle Ursache anzunehmen, daß die Sternschnuppenschwärme, in die ein

Komet sich aufgelöst hat, sich gleichfalls, wie die anderen, in einer

streng innegehaltenen Umlaufsbahn bewegen.

Im übrigen aber: wie sollte es wohl denkbar sein, daß Fremdkörper

in einer Weise, wie Arrhenius dies annimmt, in den Bereich eines

werdenden Systems hineingeraten und es in seinem Werdeprozeß stören

könnten! Die Kraft der Rotation des Systems -- man denke: die Wucht

zweier aufeinanderprallender erkalteter großer Sonnenkörper: welch eine

ungeheuere Rotationskraft und welch einen ungeheueren wirbelnden Reflex

derselben nach allen Seiten hin müßte sie zur Folge haben! -- läßt das

ja nicht einen Augenblick zu!

Und würden nicht auch wir selbst, würde nicht auch unser Planetensystem

täglich und stündlich erleben können, daß uns bei solch einer

regellosen Freizügigkeit große Körper aus kosmischen Fernen zugelangten

und Bestand und Gefüge der Erde und des Systems in schwerster

katastrophaler Weise gefährdeten?!

Im übrigen zeigt gerade diese willkürliche, chaotische Freizügigkeit

der kosmischen Körper, die von Arrhenius hier wieder angenommen wird,

so drastisch wie möglich, wie völlig unsicher die Wissenschaft der

Entwicklungstatsache und der Tatsache der ewigen einheitlichen Kraft

und Polarität gegenüber inzwischen wieder geworden ist!

Aber ermessen wir jetzt die Theorie von Arrhenius erst noch in ihrer

ganzen Unsinnigkeit! Wir haben nämlich noch lange nicht ihre ärgste und

unbegreiflichste Gedankenlosigkeit ins Auge gefaßt!

Sie besteht aber darin, daß jene beiden »erkalteten Sonnen,« die da

aufeinanderstoßen und explodieren, ihrerseits nicht einen Augenblick

eine Erklärung erfahren!

Wenn nämlich die kosmischen Systeme auf eine Weise entstanden sein

sollen, wie Arrhenius dies beschreibt, so frägt man ja sofort: ja

wie sind denn aber, wenn _alle_ kosmischen Körper solchermaßen

zustandekommen, ihrerseits diese beiden »erkalteten Sonnen«

entstanden? Kommen sie aus einem anderen, zugrundegegangenen System

her? Zweifellos! Aber auch das ist ja durch Explosion zweier

aufeinandergestoßener »erkalteter Sonnen« entstanden? -- Kurzum:

es bleiben schließlich diese beiden Körper völlig unerklärt; und

Arrhenius hat auch noch nicht einmal den leisesten Versuch zu einer

solchen Erklärung gemacht; ja, man muß sogar annehmen, daß, was das

allerböseste und unbegreiflichste ist, Arrhenius diese Problematik

seiner beiden »erkalteten Sonnen« da noch nicht einmal zu Bewußtsein

gekommen ist!

Übrigens bleiben genau so alle die Meteoriten und Großkörper

vollständig unerklärt, die der Nebel eingefangen haben soll!

Unbedingt müssen doch nun aber alle diese Körper eine Entstehung gehabt

haben, und _müssen_ sie also erklärt werden! Wahrhaftig: da bliebe

doch der alten, jetzt historisch gewordenen Kant-Laplaceschen Theorie

noch zehnmal der Vorzug zu geben! Was man auch immer und zwar mit

vollem Recht nachgerade gegen sie einzuwenden hat: solche faustdicken

Gedankenlosigkeiten läßt sie sich denn doch nicht zu schulden kommen;

vielmehr ist sie, wie wir gleich sehen werden, bis daher, obwohl

_nicht_ mehr möglich, immer noch die in ihrer Logik geschlossenste und

einwandfreiste aller neueren Kosmogonien.

* * * * *

Denn auch die ernster zu nehmenden neusten kosmogonischen Theorien sind

kaum um ein Haar besser, als die von Arrhenius!

Und zwar lediglich aus demselben Grunde: weil nämlich die zentralen

Großkörper der Systeme ohne auch nur die leiseste Spur einer Erklärung

bleiben!

So besteht augenblicklich z. B. folgende, an die Theorien von den

Kometen und Sternschnuppen anknüpfende Kosmogonie, die jüngst von der

Astronomie, scheints, so ziemlich allgemein angenommen wurde.

Ein vorhandener rotierender Großkörper zieht vermöge seiner Schwerkraft

Massen von in seiner Nähe vorübergehender, leichter verteilter Substanz

an. Diese umkreist ihn, von ihm festgehalten, und durch Zentrenbildung

zieht sie sich zu Trabanten zusammen, von denen der Großkörper alsdann

umkreist wird.

Hier kommen nun zwar keine Meteoriten und andere Körper mehr in

einen Nebel hinein, auch ist der rotierende Großkörper, was die

Zentrenbildung und Ausbildung des Systems anbetrifft, nicht mehr

so machtlos wie in der Theorie von Arrhenius: indessen scheitert

auch diese Hypothese vollständig und ein für allemal daran, daß das

Zustandekommen des rotierenden Großkörpers nicht einen Augenblick

erklärt ist; ja die Problematik desselben auch noch nicht mal einen

Augenblick bewußt erkannt und ins Auge gefaßt wurde! -- Nochmals:

wahrhaftig auch diese kosmogonische Hypothese hat nicht die mindeste

Berechtigung zu prätentieren, daß sie die Kant-Laplacesche erledigt

hätte. Auch sie ist eine ganz unmögliche Theorie.

* * * * *

Und doch ermöglicht sich eine endgiltig exakte Kosmogonie nachgerade

unschwer.

Und zwar, immer wieder sei es betont, von der Entwicklungstatsache

und von der einer einheitlichen zentralisierten Kraft und Polarität,

und weiter von jenem einpolar neutralen Zustand ∞ aus, zu dem wir mit

unantastbarer Sicherheit von der Tatsache des Urelementes aus gelangten.

Wir erkannten schon früher, daß der Kosmos und das allgemeine

einheitliche kosmische System nur eine elliptisch in sich abgerundete,

endliche Ausdehnung haben kann, und daß der absoluten elliptischen

Peripherie ein allgemeiner kosmischer Zentralkörper entsprechen muß.

Die Astronomie, die, wie wir schon sahen, neuerdings selbst zu der

Annahme eines elliptisch endlichen Kosmos und eines einheitlichen

kosmischen Systems -- des sogenannten »Milchstraßensystems« -- gelangt

ist, muß unbedingt auf der Stelle die Notwendigkeit folgender Aussagen

zugeben, die sich von diesem allgemeinen kosmischen System von

vornherein ergeben:

1. Das System hat eine einheitliche Bewegung, die sich im

wesentlichsten Betracht als Umlaufsbewegung darbietet.

2. Diese Umlaufsbewegung geht vom allgemeinen kosmischen Zentralkörper

aus und wird beständig von ihm in Gang gehalten und geregelt.

3. Sie vollzieht sich, als deren Ausweitung, in der Richtung der

zentralen Rotation.

4. Sie gliedert sich in eine Reihe von Zonen und Sphären, die sich

durch die jeweilige Intensität des Umlaufs bestimmt.

5. Diese Intensität ist je näher die betreffende Zone und Sphäre dem

Zentralkörper und der zentralen Rotation geht, um so stärker und um so

schwächer je mehr gegen die kosmische Peripherie hin.

6. Zentrale Rotation und ihre Ausweitung, bezw. kosmischer Umlauf und

seine Intensität, bedingen in den einzelnen Zonen und Sphären die

Verarbeitung der Substanz, bezw. die Beschaffenheit der umlaufenden

Körper.

7. Da der zentralen Rotation und ihrer Ausweitung eine zusammenziehende

Kraft eignet und diese notwendigerweise am Zentralkörper selbst und in

seiner Nähe am stärksten ist, so ist nichts anderes denkbar, als daß

der Zentralkörper ein harter Körper ist (aber _kein_ »Sonnenkörper«!),

und daß die ihm nächst umlaufenden Körper mehr oder weniger _feste_

Körper sind!

8. Aus alledem ergibt sich aber sofort hinsichtlich des Entstehens

und Werdens des allgemeinen kosmischen Systems, daß die Entstehung

der einzelnen Körper und Systeme nicht willkürlich hier und da durch

eine Kontraktion vor sich geht, die auch kaum jemals in auch nur

einigermaßen zureichender Weise erklärt werden konnte, sondern daß

sie zentral streng geregelt ist nach Zonen und Sphären und nach

Intensitätsstufen des allgemeinen kosmischen Umlaufes, bezw. der

Ausweitung der zentralen Rotation!

* * * * *

Das alles durften wir, da die Tatsache eines elliptisch endlichen

Kosmos und kosmischen Systems feststeht, auf der Stelle mit jeder

Sicherheit und Zuverlässigkeit folgern. Und zugleich sind wir nunmehr

in der Lage zu einer allgemeinen Kosmogonie wie auch zu der eines

jeglichen Einzel- und Untersystems zu gelangen. Und zwar zu einer

wirklich exakten, mit unantastbarer Lückenlosigkeit geschlossenen und

endgültigen!

Vergegenwärtigen wir uns jetzt diesen kosmogonischen Vorgang:

Wir sahen weiter oben, daß Urelement und Substanz keine selbständige

Erscheinung neben der Kraft sind, sondern nichts als eine Komplikation

der letzteren, so daß Substanz sich also auf die ihr übergeordnete

Erscheinung der Kraft zurückführen läßt. Kraft erkannten wir dann

wieder als absolute Eigenschaft eines Ein-Pols. Und alle Entwicklung

sahen wir uns genötigt bis auf einen einpolar neutralen Zustand ∞

zurückzuführen.

Von diesem aus tritt dann das allgemeine kosmische System wieder in

Entfaltung. Und zwar unbedingt durch einen Akt von Kraft und Bewegung.

Denn zeigte Pol-Kraft Bewegung, zeigte das kosmische System sich im

ausgelösten Zustande zwiepolar, und sind im einpolar neutralen Zustande

zwei Pole in einen übergegangen, so muß zunächst der eine Pol sich

wieder vom anderen trennen und sich gegen ihn in Distanze setzen.

Das aber kann sich offenbar nur in Gestalt eines spontanen Ruckes

vollziehen.

Da nun ferner, bevor Substanz erreicht wird, zunächst die

unsubstanzielle Atomen-Formation zustandekommen muß, und da ferner,

damit alle Atome zustandekommen können, zunächst _ein_ Atom erreicht

werden muß, so beginnt die kosmische Entwicklung uranfänglich mit der

Ausbildung _eines_ Atoms!

Religion und Kosmos · 第 2 / 6 段