XXI.

Der Wagen war vorgefahren. Ilse stieg ein. Die Sachen wurden

aufgeladen. Niemand begleitete sie -- niemand bot ihr den

Abschiedsgruß. Nur der alte Jochen Hindorf kam und machte den

Wagenschlag zu. Ein breites Lächeln glitt über sein Gesicht, als die

Pferde anzogen.

»Sie hat nicht einmal schön Dank gesagt, und das Portemonnaie saß ihr

verteufelt fest in der Tasche. Na -- es ist gut, daß sie weg ist. Nun

wird mein lieber Wolf wohl wieder vernünftig sein,« brummte er und

ging an seine Arbeit. --

Auf dem Bahnhof angelangt, übergab Ilse ihre Koffer einem Gepäckträger

und trat an den Billettschalter. Sie sah sich scheu um. Vielleicht

fürchtete sie, beobachtet zu werden. Sie nahm ein Billett bis zur

nächsten Station und begab sich dann nach dem großen Wartesaal. Hier

hielt sie sich eine Zeitlang auf, um anscheinend den Schnellzug

abzuwarten.

Als er donnernd in die Halle fuhr, hatte sie einen Augenblick das

Gefühl, daß es für sie besser wäre, mit einzusteigen. Dann kam aber

der Gedanke wieder: »Es ist unmöglich! Ich darf Smiders nicht

freigeben! Für mich ist kein Raum mehr daheim, -- ich will in die Welt

hinaus. Der Kampf mit ihm war nicht leicht. Nur gut, daß er gerade

auf längere Zeit nach London gehen muß, dort ist eine Verbindung ohne

Schwierigkeit zu bewerkstelligen.« --

In später Nachtstunde löste sich ein kleiner Dampfkutter von der

Landungsstelle in Bredow ab und fuhr die Oder hinunter. Sowie sich

gegen Morgen der Landwind stärker erhob, schaukelte das kleine

Fahrzeug heftig auf den kurzen Stoßwellen des Haffes. Außer dem

Maschinisten und dem Heizer waren nur noch ein Herr in langem dunklem

Mantel und eine dichtverschleierte junge Dame an Bord.

»Ich tue es um deinetwillen, Ilse,« sagte Alfred Smiders, »es braucht

niemand zu wissen, daß du mit mir fortgegangen bist. Am Bollwerk gibt

es beim Einsteigen hundert neugierige Menschen, die jedes Vorkommnis

beobachten und weitertragen.«

»Was mache ich mir jetzt daraus,« antwortete Ilse, »für mich ist alles

vorbei! Du hast mich doch besitzen wollen, -- nun bin ich bei dir, und

du mußt für mich sorgen.«

Das Gesicht von Alfred Smiders zeigte bei ihren Worten ein höhnisches

Lächeln.

»Ich werde es auch tun,« erwiderte er. »Du verstehst es ja

meisterhaft, deinen Willen durchzusetzen.«

Die Wellen im Haff wurden immer höher, und ihr weißer Gischt schlug

zuweilen über die Spitze des kleinen Kutters hinweg. Er lag hart an

der Swinemünder Fahrt. Alfred Smiders hatte den Auftrag gegeben, den

dänischen Dampfer ›Klampenborg‹, der am frühen Morgen von Stettin

abging, anzulaufen.

Ilse, die das Seefahren nicht gewohnt war, befand sich in schlechter

Stimmung. Das fortgesetzte Schaukeln des kleinen Kutters verursachte

ihr das größte Unbehagen.

»Wenn nur erst der Dampfer kommen möchte,« sagte sie, »ich fühle mich

grenzenlos elend!«

Smiders erwiderte nichts darauf. Er starrte in die Wellenberge

hinein, die sich gegen das kleine Fahrzeug auftürmten. Würde nicht

jetzt das Leben ebenso auf ihn hereinbrausen? Viel hatte er aus dem

Zusammenbruch, der ihm nachfolgen mußte, nicht retten können, und nun

hängte sich dieses Geschöpf noch an ihn. --

Es war bereits heller Tag, als endlich die Signalmasten und das

Bugspriet des großen dänischen Schiffes sichtbar wurden.

»Geschickt anfahren!« befahl Smiders.

Der Dampfer kam rasch näher. Der Maschinist des Kutters gab mit

der Dampfpfeife ein Zeichen, daß er Passagiere abgeben wollte. Der

Kapitän des Dänen, der oben auf der Kommandobrücke stand, winkte ab.

Die Wellen gingen zu hoch, so daß ein sicheres Anlaufen während der

Fahrt nicht möglich war. Der kleine Kutter legte sich aber beharrlich

in den Weg, und trotz der Warnungszeichen vom Schiff schoß er im

nächsten Augenblick hart an dieses heran. Der Heizer griff nach einem

vom Steuerbord herabhängenden Tau, und nun flog das kleine Fahrzeug

äußerst gefährdet neben dem großen Dampfer hin.

Die Weilen schlugen darüber hinweg. Die Mannschaft des Dampfers kam

auf Deck zusammen und schaute hinunter.

»Laßt ab!« donnerte der Kapitän oben. Der Kutter hielt aber stand.

Seine Insassen schwebten in größter Lebensgefahr. Schlugen die Wellen

in die Maschine hinein, so war eine Explosion des Kessels sehr leicht

möglich.

Die Aufnahme wurde gewaltsam erzwungen. Es öffnete sich die

tiefgelegene Schiffsluke, eine Strickleiter wurde hinuntergeworfen.

Alfred Smiders brachte im nächsten Augenblick die vor Aufregung und

Angst halb bewußtlose Ilse hinauf. Der Heizer gab rasch das Gepäck

nach, dann löste sich der Kutter ab und blieb mit den starken Wellen

kämpfend zurück.

Ilse Hergenbach stand gänzlich durchnäßt und fröstelnd auf dem Deck.

Der Kapitän, der herangekommen war, geriet mit Alfred Smiders in

heftigen Wortwechsel. Sie sprachen dänisch miteinander. Dann mußten

sie sich aber geeinigt haben. Es wurde kurz darauf den beiden

Passagieren eine Kabine zur Überfahrt nach Kopenhagen eingeräumt. Der

Dampfer ›Klampenborg‹, der des Kutters wegen leicht gestoppt hatte,

nahm jetzt wieder volle Fahrt auf und ging mit nördlichem Kurs in die

See hinaus.

* * * * *

Wochen waren verstrichen. Herta hatte es vermieden, an Frau Hergenbach

zu schreiben. Sie erwartete deshalb auch keine Nachricht aus

Nordhausen. Die beiden Geschwister hatten sich beraten, was sie Wolfs

wegen tun wollten.

»Ich kann ihn bloß noch mit vieler Mühe fernhalten,« meinte Jürgen.

»Wenn er nur mit anderer Anschauung zurückkäme, als er fortgegangen

ist!«

»Nein, Jürgen,« erwiderte seine Schwester, »du hältst Wolf für

oberflächlicher, als er es in der Tat ist. Ich fürchte nach den

Briefen an mich, daß sich die starke Neigung zu Ilse nicht vermindert,

sondern durch seine Abwesenheit sogar noch vertieft hat. Der Schlag

wird so gewaltig für ihn sein, daß wir das Schlimmste dabei befürchten

können. Was sollen wir ihm nur bei seiner Rückkehr sagen?«

»Weiß nicht,« brummte Jürgen, »Wolf ist nun einmal aus anderem Holz,

als wir Plüddekamps sonst geschnitzt wurden. Wir rütteln und schütteln

uns Gutes und Böses ab. Einen Augenblick mag es uns im Innern stark

erfassen, dann aber sind wir wieder gefestigt und lassen uns nicht

mehr beirren.«

»Wolf ist das Bild meiner lieben Mutter, dieser schönen, gütigen

und lebenslustigen Frau. Auf ihn haben sich alle ihre herrlichen

Eigenschaften vererbt,« erwiderte Herta.

Jürgen nickte mit dem Kopf.

»Es wäre besser, er gliche unserem Vater, wie du, Herta. Sein Weg in

der Welt würde ihm leichter werden.«

Beide Geschwister waren schwer bedrückt. Sie liebten Wolf zärtlich

und empfanden, welcher Schmerz ihn bei der bevorstehenden Eröffnung

treffen mußte. Jürgen versuchte Wolfs Aufenthalt in Spanien durch

Depeschen zu verlängern. Er bat ihn in einem Schreiben, sich durch die

Schönheiten und den Reiz der alten Städte Südspaniens festhalten zu

lassen. Es sei doch zweifelhaft, ob er noch einmal dorthin käme. Wolfs

Briefe lauteten aber entgegengesetzt.

So eifrig er alles Geschäftliche erledigte, die Sehnsucht nach Ilse

sprach aus den Schlußzeilen im erhöhten Maße hervor. In Spanien trat

bereits die wärmere Jahreszeit ein, und Wolf liebte als guter Pommer

die starke kühle Seebrise seiner Heimat.

»Du meinst es gut mit mir, Jürgen,« schrieb er in seiner Antwort. »Es

nutzt dir aber nichts, lieber Bruder, die Sehnsucht nach Hause ist

stärker in mir, als der Drang, alte arabische Kunst und spanische

Schönheit näher kennen zu lernen. Es wird mir im Leben schon noch

einmal vergönnt sein, diese mit Ilse zusammen anschauen zu können.«

Jürgen sandte wieder Depesche auf Depesche. Er fürchtete geradezu die

Stunde der Heimkehr Wolfs. In einem folgenden Briefe schien es sogar,

als wenn sich dieser noch zur Reise nach Südspanien entschließen

wolle. --

Eines Tages jedoch gegen Mittag hielt plötzlich eine Droschke vor dem

Plüddekampschen Hause an. Wolf sprang heraus und eilte ins Kontor.

Als Jürgen ihn so frisch und lebenslustig, voll glücklicher Erwartung

in den Zügen kommen sah, breitete er unwillkürlich seine Arme aus und

drückte den Bruder an seine breite Brust.

»Wölfchen, du bist ein Prachtkerl!« rief er aus. »Wie dunkelgebräunt

du von Spaniens Sonne ausschaust! Hast deine Sache wacker gemacht,

mein Junge. Komm, setz dich auf deinen alten Platz und erzähle uns.«

Der Prokurist war ebenfalls hinzugetreten und hatte seinem zweiten

Chef kräftig die Hand geschüttelt. Wolf war so erregt von dem

augenblicklichen Gefühl des Glückes, wieder in der Heimat zu sein,

daß er seine Erlebnisse fast übersprudelnd hervorbrachte. Er hatte

vorzüglich abgeschnitten. Die spanischen Firmen waren ihm in der

liebenswürdigsten Weise entgegengekommen und verhalfen ihm trotz

der Schwierigkeiten zum Ankauf von Korn. Ebenso fand er die größte

Bereitwilligkeit bei den Leitern der spanischen Brennereien, ihre

Anforderungen zu ermäßigen. Er brachte sogar noch bedeutende Aufträge

mit. Die Verbindungen waren durch sein persönliches Eingreifen stark

gefestigt worden.

»Du bist ein famoser Minister des Auswärtigen,« lobte ihn Jürgen, »nur

schade, daß du so wenig an dich selbst gedacht hast. Du konntest dir

viel mehr Zeit gönnen und brauchtest dich nicht abzuhetzen. Hier ist

es geschäftlich glatt gegangen.«

Der Prokurist lächelte fein. Unter Jürgen Plüddekamps Leitung war

stets ein ruhiger, sicherer Betrieb.

»Was sagst du zu Alfred Smiders?« fuhr Jürgen jetzt fort. »Ein netter

Bursche! Er hat sich stark hineingebuddelt und auf alle mögliche Weise

Geld verschafft. Der Sturz mußte endlich kommen. Er war schon vorher

verschwunden.«

»Es ist ein betrügerischer Bankrott,« setzte Armin hinzu. »Alfred

Smiders wird steckbrieflich verfolgt.«

»So weit ist es mit ihm gekommen?« rief Wolf erstaunt aus und sah zu

seinem Bruder fragend hinüber.

Jürgen vermied den Blick und schaute zur Seite. Die Hand des sonst so

ruhigen Mannes zuckte nervös.

»Ich bedaure den alten Herrn Smiders. Er wird aus dem Zusammenbruch

kaum etwas retten. Die Werft hat die Dampfer mit Beschlag belegt und

baut den ›Friedrich Barbarossa‹ auf eigene Rechnung fertig. Es sind

eine ganze Anzahl Banken stark in Mitleidenschaft gezogen worden.

Alfred Smiders hat in unglaublicher Höhe Wechselreiterei getrieben.

Er muß im Auslande sein. Bis jetzt hat man ihn noch nicht erwischen

können.«

»Der Hamburger Großkapitalist, den Smiders hereinhaben wollte, sprang

im letzten Augenblick ab,« fügte der Prokurist hinzu. »Man spricht

alles mögliche. Die Ursache soll auf die Weinstube an der ›Grünen

Schanze‹ zurückzuführen sein, in der sich beide Herren für eines der

Mädchen interessierten.«

Jürgen wurde unruhig.

»Schon gut, Armin,« sagte er, um jedes weitere Wort abzuschneiden.

»Bei solchen Vorfällen wird in der Stadt viel geklatscht.«

Armin schaute betroffen zu Jürgen auf. Warum wies der Freund ihn so

schroff zurück? Lagen noch tiefere Gründe vor? Sein Blick überflog

beide Brüder. Merkwürdig, die Freude des Wiedersehens schien bei

Jürgen in eine stetig wachsende Unruhe übergegangen zu sein, die ihm

bei diesem noch nie aufgefallen war. Zu feinfühlend aber, um nach

der Ursache zu forschen, gab er einen Vorwand an und ging in sein

Arbeitszimmer.

»Jürgen!« rief Wolf sofort aus, als sich die Tür hinter Armin

geschlossen hatte, »mein erster Weg war zu dir! Jetzt aber will ich

hinauf, ich muß Herta und -- Ilse begrüßen. Das eine kann ich dir

sagen, es war gut, daß du mich fortschicktest. Während der Zeit konnte

ich mich prüfen, ob mein Herz Ilse wirklich gehört. Heute gestehe ich

dir offen: ich habe sie mehr denn je lieb, und ich kann den Augenblick

nicht erwarten, sie wiederzusehen!«

Es zuckte gewaltig in den Gesichtszügen des sonst so eisenfesten

Kaufmannes, als er entgegnete:

»Wolf, mein lieber Wolf! Wir wollen zusammen zu Herta gehen!« Der Ton

seiner Stimme mußte diesem aufgefallen sein. Er sah plötzlich scharf

auf den Bruder hin.

»Jürgen, du sprichst so eigenartig zu mir! Ist etwas vorgefallen? Sage

es mir, ehe ich hinaufgehe.«

Jürgen vermochte aber nicht weiter zu sprechen. Er hatte bereits die

Tür geöffnet. Die beiden Brüder stiegen die Treppen nach dem ersten

Stockwerk empor. Bei jeder Stufe, die Jürgen betrat, zögerte sein Fuß.

Es war immer, als ob er Wolf etwas sagen wolle, und doch preßte es ihm

die Kehle zusammen. Er konnte es nicht. Nur in seinem Innern wurde das

Wehgefühl stärker, daß seinem Bruder, den er von Herzen liebte, eine

so schwere Eröffnung bevorstand.

Herta hatte schon erfahren, daß Wolf zurückgekehrt war. Sie erwartete

ihn auf dem oberen Korridor.

»Wölfchen! Gott sei Dank, daß du wieder bei uns bist!« rief sie ihm

entgegen und faßte seine beiden Hände, »ich habe dir schnell ein paar

Brötchen zurechtgemacht, und dein Glas Portwein findest du auch vor.«

Als sie dann in das Speisezimmer eintraten, schlang sie plötzlich

den Arm um seinen Hals und küßte ihn auf beide Wangen. »Wie gut du

aussiehst, Wölfchen!« sagte sie. »Nun setz dich aber und iß in aller

Ruhe.«

Jürgen legte Wolf, der vor einem der hohen Lehnstühle stand, seine

Hand leicht auf die Schulter, damit er sich niederlassen solle. Dieser

sah sich unruhig um.

»Ich freue mich herzlich, wieder bei euch zu sein,« sprach er hastig,

»aber seid mir nicht böse, ich muß -- zu Ilse! Wo ist sie, Herta?«

»In Nordhausen, Wolf!« gab Jürgen anstatt Herta zur Antwort.

»In Nordhausen? Was ist denn geschehen? Ihr habt mir doch versprochen,

sie bei euch zu behalten! Jürgen -- Herta -- habt ihr euch mit ihr

erzürnt? Ist sie freiwillig fortgegangen?«

Seine Fragen überstürzten sich.

»Nichts von alledem,« erwiderte jetzt Herta. »Ich bitte dich noch

einmal, Wolf, nimm zuerst etwas zu dir. Wir werden dann in Ruhe alles

erzählen.«

»Nein, nein! Ich kann keinen Bissen essen!« faßte sich Wolf an die

Stirn. »Das Schönste, das ich mir bei meiner Rückkehr ausmalte, war --

Ilse in die Arme schließen zu können. Und nun --?«

Die beiden Geschwister kämpften mit sich, und keins von ihnen

vermochte das erste Wort herauszubringen, um Wolf die schlimme

Botschaft mitzuteilen.

»Es war sehr unrecht von mir, daß ich Ilses Wunsch erfüllte!« rief er

aus. »Hätte ich nur in voller Offenheit gehandelt, dann konnte ich

mit ihr in Briefwechsel bleiben. -- Sagt mir nur endlich: was ist

geschehen? Haben die Eltern sie zurückgerufen?«

»Nein, Wölfchen! Sie ist schon seit Wochen fort! Wir mußten es dir

verschweigen, damit du nicht unruhig wurdest,« antwortete seine

Schwester.

»Schon seit Wochen!« fuhr Wolf auf. »Ihr habt mir in euren Briefen

doch noch Grüße von ihr bestellt,« und seine blauen Augen richteten

sich drohend auf Herta. »Du -- die Wahrheit selbst! Warum machst du

solche Ausflüchte?«

»Es mußte sein, Wolf! Ich habe es nicht gern getan! Es ist aber um

deiner selbst willen geschehen!«

»Um meinetwillen? Jetzt weiß ich, daß etwas vorgefallen ist. Also

heraus damit! Euer Zögern peinigt mich.«

»Ilse ging aus eigenem Antriebe fort,« erwiderte Herta. »Sie glaubte

erkrankt zu sein und wollte deshalb schnell nach Hause.«

»Sie hat dir aber Nachricht gegeben, Herta, wie es ihr jetzt geht?«

»Nein, Wolf!« entgegnete Herta aufrichtig, »ich habe keine Zeile aus

Nordhausen erhalten.«

»Unmöglich!« rief Wolf erregt aus. »Seit Wochen keine Zeile? Ihr

verbergt mir etwas! -- Ich fühle es! Krankheit kann nicht der Grund

sein, warum sie fortgegangen ist. Erkrankt reist man ohne Not nicht

eine solche Strecke!«

»Es nützt nichts, Herta,« fiel jetzt Jürgen ein, »ich will es Wolf

sagen. Ilse ist abgereist, weil sie von uns fort -- mußte! Es hing

dies mit Alfred Smiders zusammen.«

»Wie? -- Alfred Smiders!« Wolf wurde dunkelrot im Gesicht. »Ich habe

es oft gefürchtet! Er sah sie vom ersten Augenblick so sonderbar an,

und ihr habt sie nicht vor ihm beschützt!«

Er war in solche Erregung geraten, daß er nicht mehr stehen bleiben

konnte, sondern im Zimmer hin und her lief.

»Herta, du vertratest die Stelle der Mutter an ihr! Du hast doch über

sie gewacht! Ist es denn so schlimm, daß ihr mir nicht anvertrauen

könnt, was vorliegt?«

»Komm, Wolf,« sagte Jürgen traurig, »wir wollen in mein Schreibzimmer

gehen. Die Plüddekamps haben dort alle ernsten Sachen überdacht und

sich stets einen neuen festen Boden geschaffen. Wir beide müssen über

Ilse Hergenbach sprechen.«

Geschwister Plüddekamp · 第 27 / 30 题