Die ersten Frühlingsboten kamen ins Land. Oder und Haff waren schon
längere Zeit eisfrei. Die Schiffahrt hatte begonnen. Die meisten
Dampfer befanden sich auf ihren regelmäßigen Fahrten. Nur der
verflossene harte Winter rief eine sonst selten eintretende Pause im
Dampferdienst hervor.
Das Leben im Plüddekampschen Hause lief wie früher eintönig dahin.
Wolf war merkwürdig ruhig geworden, es stand sogar öfters ein
glückliches Lächeln in seinem Gesicht. Herta und Jürgen konnten sich
nicht vorstellen, woher diese Veränderung in seinem Wesen stammte.
Weder Ilse noch Wolf verrieten das Geringste, aus dem die Geschwister
auf irgendeine Annäherung der beiden zu schließen vermochten.
Wolf war eifrig im Geschäft tätig, so daß Jürgen zuweilen ganz
verwundert zu seinem Bruder hinüberschaute, wenn er für verwickelte
Geschäftssachen bereits alles vorgearbeitet fand. Nur mit Smiders
mochte Wolf nicht mehr zusammentreffen, um mit dessen Maßnahmen
vertraut zu bleiben.
»Ich wünschte, Jürgen, ich brauchte es nicht,« sagte er zu diesem,
und es zuckte dabei eigenartig über die Züge des jungen Mannes.
Schließlich mußte er sich doch der Angelegenheit unterziehen. Es war
ihm höchst unangenehm, daß er dabei mit der blonden Rieke in einem
gewissen Einvernehmen stand. Je öfter er gezwungenermaßen dorthin
ging, desto vertraulicher wurde sie zu ihm. Sie sandte ihm sogar
Briefe und machte darin auf manches aufmerksam. Zum Schluß kamen auch
persönliche sehnsüchtige Wünsche hervor. Wolf verbrannte jedes dieser
Schreiben.
Der Hamburger Kapitalist, Herr Kneis, zögerte immer noch, Smiders
seine Zusage zu erteilen. Er wartete auf das Einlaufen der anderen
Dampfer.
»Unsere spanische Lieferung wird außerordentlich dringend,« hatte
Armin zu Jürgen gesagt. »Die Briefe von den Brennereien lassen keinen
Zweifel aufkommen, daß die ganze Ladung zur abgeschlossenen Zeit
verfrachtet sein muß. Es könnten uns große Verluste entstehen.«
Jürgen, der sonst so ruhige und überlegene Kaufmann, kam in eine
gewisse Erregung hinein. Ganz gegen seine Gewohnheit ging er bereits
am Vormittag fort und suchte seinen Freund, Konsul Martens, in dessen
Bankgeschäft auf.
»Tue mir den Gefallen, Charles, und rufe die Direktion der Werft
an, wie es mit dem ›Friedrich Barbarossa‹ steht. Ich habe trotz
aller Bemühungen keinen genügenden Ersatz finden können und bin also
unbedingt auf den Dampfer angewiesen.«
»Lieber Freund,« zögerte Martens etwas, »ganz einfach ist die Sache
nicht. Ich muß dir bereits im voraus sagen, daß Smiders die fälligen
Raten nicht abgeführt hat und unsere Direktion sehr vorsichtig
geworden ist. Sie wartet jetzt ab, ob die Reederei neues Kapital
erhält. Der Überseer scheint ein sehr genau abwägender Kaufmann zu
sein und es ist deshalb augenblicklich eine unangenehme Stockung
eingetreten. Du kannst dich selbst davon überzeugen, -- ich komme
deinem Wunsch jetzt nach.«
Er nahm den Hörer vom Tischtelephon und ließ sich mit der Werft in
Verbindung bringen. Nachdem er das Gespräch einige Zeit geführt, rief
er Jürgen heran.
»Du kannst jetzt mit dem Direktor sprechen, er wird dir bestätigen,
was ich schon sagte.«
Jürgen Plüddekamp machte eine sehr ernste Miene, als er die Auskunft
von der Werft erhielt.
»Die Mitteilung deiner Direktion heißt auf Deutsch: wir stellen die
Arbeit an dem ›Friedrich Barbarossa‹ ein, wenn Smiders nicht zahlt!
Ist dies auch richtig gehandelt?«
»Sein Vertrag mit uns ist hinfällig geworden, Jürgen. Wir sind von
der Konventionalstrafe befreit. Nun wird er wohl bald andere Saiten
aufziehen müssen und sich beeilen, seine Sachen zu ordnen, wenn er
nicht in große Schwierigkeiten geraten will.«
Jürgen schüttelte mit dem Kopf.
»Ich muß immer wieder betonen, Charles: bleibt ihr dabei stehen, so
fällt die Firma um. Ich weiß aus anderer Quelle, welche hohen Summen
auf sie laufen.«
»Stimmt,« meinte der Bankier ruhig. »Smiders gibt sich alle Mühe,
seine Papiere von der Reichsbank fernzuhalten, damit die Höhe seiner
Verbindlichkeiten nicht genau beurteilt werden kann. Er sucht deshalb
in Berlin fragwürdige Diskontstellen auf.«
»Also Akzeptaustausch,« fiel Jürgen ein.
»Mag sein,« erwiderte Martens. »Ich kann es nicht bestimmt behaupten.«
»Smiders senior hat sein ganzes Vermögen im Geschäft stecken,« fuhr
Jürgen fort. »Ein braver alter Herr, mit dem mein Vater und ich lange
Zeit hindurch in angenehmer Verbindung standen. Wohin hat der Sohn die
Reederei nun gebracht!«
Martens zuckte mit den Achseln.
»Wer von alten bewährten Geschäftsgrundsätzen abgeht und schnell
groß werden will, begibt sich auf eine gefahrvolle Bahn. Glückt die
Spekulation, dann preist man den Unternehmer. Im anderen Fall ist er
abgetan.«
»Das hilft mir aber nicht, Charles! Ich muß wirklich sagen, ich komme
jetzt durch euch in eine häßliche Lage hinein.«
»Ich bin dir gern in allen Dingen gefällig, hier hat meine Macht ein
Ende. Ich will dir aber einen anderen Vorschlag machen. Du bist ein
reicher Mann: wie wäre es, wenn du Smiders unter die Arme griffest?
Ich würde mich dann ebenfalls dazu bereit erklären.«
»Alle Wetter!« fuhr Jürgen auf, »du bist ein weißer Rabe, Charles, der
bekanntlich als der Klügste unter den Klugen gilt. Nimm es mir nicht
übel, ich denke nicht daran, diesem Manne mein Geld zu geben.«
»Dann wirst du dich wohl gedulden müssen, was aus der Sache wird,«
bemerkte der Bankier.
»Wolf trifft heute mit Smiders zusammen, um zu erfahren, was dieser
zu tun gedenkt. Er beehrte uns in letzter Zeit schon ein paarmal
in unserer Häuslichkeit. Ich habe mich wegen Arbeit und Jagd
entschuldigen lassen und bin ferngeblieben.«
»Aha!« machte Martens. »Er ist ein lockerer Vogel und interessiert
sich wohl für Fräulein Hergenbach?«
In Jürgens Gesicht zog sich eine drohende Falte zusammen.
»Charles, sage mir kein Wort davon! Ich bin froh, daß Wolf in der
letzten Zeit ein anderes Gesicht zeigt. Er scheint die Krankheit
hinter sich zu haben. Übrigens wird Herta Sorge tragen, daß Ilse
Hergenbach mit Smiders nicht weiter in Berührung kommt.«
Konsul Martens machte eine ziemlich überlegene Miene.
»Du bist zwar das Oberhaupt der Familie, Jürgen, ob du aber in allem
unterrichtet sein kannst, erscheint mir fraglich.«
»Wieso, Charles?«
»Hast du die volle Überzeugung von deinem Bruder, daß er sich nicht
mehr um Ilse Hergenbach bekümmert?«
»Ja,« antwortete Jürgen mit Nachdruck. »Es steckt kein Falsch in Wolf.
Er ist ein offener, aufrichtiger Mensch.«
»Soll mich freuen, wenn du recht hast, Jürgen! Die Leidenschaft spielt
aber Männern manchmal arg mit, und namentlich bei einem so frischen
jungen Menschen, wie deinem Bruder. -- Doch dies nur nebenbei. -- Wie
steht es nun mit Smiders, bist du nicht bereit dazu?«
»Nein,« antwortete Jürgen kurz. »Für Alfred Smiders habe ich keinen
Groschen übrig. Ich muß mir auf andere Weise helfen.«
Jürgen ging. Konsul Martens schüttelte den Kopf.
»Wie sich doch zuweilen der tüchtigste Geschäftsmann verleiten läßt,
durch Antipathien einen falschen Entschluß zu fassen. Wir würden
zusammen das beste Geschäft machen, und Plüddekamp wäre aller Sorge
ledig. Der ›Friedrich Barbarossa‹ wird so gut wie ein neues Schiff,
darin liegt viel Aussicht.« --
»Es wäre das erstemal, daß unsere Firma eine Ladung nicht prompt
absenden würde,« sagte Jürgen mürrisch, als er in das Kontor
zurückkehrte. »Ich mußte aber das Vertrauen in die Reederei setzen.
Nun ist zum Überfluß noch durch den langandauernden Winter keine
Schaluppe zu bekommen.«
»Wir wollen uns doch mit den spanischen Brennereien einigen, Jürgen,«
warf Wolf ein. »Etwas anderes wird kaum übrig bleiben.«
»Du hast gut reden, Wolf!« erwiderte dieser. »Lies die letzten
Antworten. Sie bestehen unbedingt auf den festen Abmachungen.« Er
nahm auf seinem Schreibsessel Platz und legte die breite Hand auf die
hohe Stirn. Sein ganzes Denken drängte auf die eine Sache hin. »Ich
hab's!« rief er plötzlich aus. »Unser Vater stand vor langen Jahren
mit einigen spanischen Getreidefirmen in Verbindung. Es muß einer von
uns sofort dorthin fahren, die erste Lieferung Roggen aufkaufen und
mit der Bahn verfrachten. Alsdann werden die Brennereien wohl mit sich
reden lassen und wir gewinnen Zeit.«
Wolf sah seinen Bruder erstaunt an. War diese Lösung das Ergebnis
kurzen Nachdenkens, oder hatte sich Jürgen mit dem Gedanken schon
länger vertraut gemacht?
»So einfach ist es nicht,« erwiderte er dann. »Der Roggenbau Spaniens
ist nicht bedeutend. Die mit den dortigen Getreidefirmen gepflogenen
früheren Beziehungen sind eingeschlafen. Es wird schwer halten, deinen
Gedanken auszuführen, wenn es überhaupt möglich ist!«
»Möglich!« lachte Jürgen in seiner beliebten breiten Art. »Es ist
alles möglich, sobald man mit einer Brieftasche voller Banknoten
kommt, -- jedenfalls der einzige gescheite Gedanke. Ich bin überzeugt,
daß du die Sache glatt erledigen wirst.«
»Ich soll nach Spanien reisen!« sprang Wolf von seinem Sitz auf. »Ich
denke nicht daran, Jürgen.«
»Wieso?« fragte dieser verblüfft. »Du bist nun einmal der Minister des
Auswärtigen. Übrigens ist es nicht allein eine interessante Aufgabe,
sondern auch eine schöne Reise. Hierbei kannst du dein ganzes Können
zeigen. Es muß dir eine Freude sein, unserer Firma einen solchen
Dienst zu erweisen. Du hast Gewandtheit im Verkehr und sprichst gut
französisch, die Spanier werden es sicherlich ebenfalls verstehen.
Neben dem Geschäftlichen wirst du Vergnügen in Hülle und Fülle finden.
Also woran hapert es noch, Wölfchen?«
Dieser trat unruhig hin und her.
»Ich kann mich nicht dazu verstehen, Jürgen. Die Reise nimmt mehrere
Wochen in Anspruch. Die Sache ist von heute auf morgen nicht zu
erledigen.«
»Es schadet auch nichts! Wenn sie wirklich länger dauert! Ich gebe dir
volle Freiheit des Handelns, und nun sage -- ja!«
»Ich muß es dir leider abschlagen, Jürgen! Ich habe keine Lust dazu.«
»Keine Lust!« fuhr Jürgen auf. »Einen solchen Grund darf ein ernster
Geschäftsmann überhaupt nicht äußern.«
»Ich bitte dich, Jürgen, wir wollen das Thema fallen lassen! Es hat
keinen Zweck. Ich wiederhole dir nochmals, die Reise liegt mir nicht.
Ich kann sie also nicht unternehmen. Es ist richtiger, wir treiben
Smiders in die Enge und drohen ihm die Entziehung aller Frachten an,
wenn er nicht für den ›Friedrich Barbarossa‹ Ersatz schafft.«
»Donner und Doria!« fluchte Jürgen, »das hat doch gar keinen Zweck.
Smiders sitzt schon fest genug. Packen wir auch zu, dann fällt er
noch schneller als es so bereits kommen wird. Du willst heute mit ihm
in der ›Grünen Schanze‹ verhandeln. Glaubst du, daß noch etwas dabei
herauskommt? Er hält dich hin. Du mußt also fahren, Wolf! Es bleibt
gar keine andere Wahl.«
Wolf antwortete nicht, sondern zuckte mit den Achseln und schritt im
Kontor unruhig auf und ab.
»Herta sagte mir übrigens vor längerer Zeit, daß du eine Reise nach
dem Süden machen wollest,« begann Jürgen wieder.
»Ich habe kein Wort davon erwähnt,« erwiderte Wolf, »und weiß nicht,
wie Herta darauf kommt.«
Jürgen rief durchs Haustelephon Prokurist Armin herein und erklärte
ihm seine Absichten.
»In diesem Falle unbedingt das einzig Richtige,« bestätigte Armin,
»ich rate dringend dazu.«
»Du hörst es, Wölfchen,« sagte Jürgen, »Armin ist der gleichen Meinung
wie ich. Sehen Sie doch einmal nach, mit welchen Firmen wir seinerzeit
in Verbindung standen. Es mögen allerdings fünfzehn bis zwanzig Jahre
her sein,« wandte er sich an diesen.
Nachdem der Prokurist das Privatkontor verlassen hatte, stand Jürgen
auf und trat an seinen Bruder heran. Ihm die schwere Hand auf die
Schulter legend, bat er: »Sei gut, Wölfchen, und stimme zu. Du kannst
dabei Lieschen Wichers einen Herzenswunsch erfüllen, indem du ihr die
schönsten Ansichtskarten schickst.«
»Es geht auf keinen Fall, Jürgen,« lehnte dieser kurz ab.
»Dahinter steckt etwas,« wurde Jürgen nun ärgerlich, »gib mir
wenigstens rundheraus an, warum du nicht fahren willst.«
Wolf trat heftig mit dem Fuß auf.
»Ich bin dir darüber keine Rechenschaft schuldig! Meine Ablehnung ist
doch genug.«
»In diesem Falle nicht,« entgegnete Jürgen sehr ernsten Tones. »Es
handelt sich um derart wichtige Geschäftsinteressen, daß alle anderen
Sachen, die dir vielleicht vorschweben, dahinter zurücktreten müssen.«
»So -- -- müssen? Nein!« Es zuckte in Wolfs Zügen unruhig hin und her.
Er wollte etwas sagen und hielt es wieder zurück.
»Sprich dich endlich aus, Wolf,« wiederholte Jürgen, »wir sind doch
Brüder und werden wohl keine Geheimnisse voreinander haben.«
Wolf richtete sich auf und brachte abgerissen hervor:
»Natürlich mußt du es erfahren! Es war auch meine Absicht, aber Ilse
wollte nicht!«
»Wie -- was!« rief Jürgen heftig aus, »Fräulein Hergenbach hat doch
mit unserer Angelegenheit nichts zu tun?«
»Doch -- in diesem Falle wohl, Jürgen! Ich habe mich mit Ilse
Hergenbach verlobt --!«
Es war, als ob ein plötzlicher Blitz über Jürgens Gesicht fuhr. In
seinen Worten wetterleuchtete es weiter.
»Ich glaube -- ich höre nicht recht! Du hast dich mit Fräulein
Hergenbach verlobt -- und kein Wort mit Herta und mir vorher
gesprochen! Das ist doch unerhört! Bei der wichtigsten Frage des
Lebens geht man doch mit sich zu Rate, ehe man so töricht handelt!
Ilse Hergenbach? -- Nie und nimmer können wir das zugeben! Sie muß
sofort aus dem Hause.« Die Zornesader der Plüddekamps schwoll auf
seiner Stirn drohend an. Er hatte in letzter Zeit geglaubt, daß Wolf
zur Vernunft zurückgekehrt war, und nun sah er sich vor eine noch
schlimmere Tatsache gestellt. Es empörte ihn aufs äußerste.
Dieser war bei den Worten seines Bruders vor Aufregung bleich
geworden. Seine sonst so freundlich dreinblickenden Augen funkelten
zornig.
»Ihr wollt mir also das Recht nehmen, mein Glück zu suchen, wo es
mir gefällt! Ich soll nun einmal keinen eigenen Willen haben! Aber
ihr sollt sehen, Jürgen, daß ich ihn habe! -- Ich will gar nicht im
Plüddekampschen Hause bleiben. Ich gründe mir mein eigenes Heim und
lasse mir keine Vorschriften mehr machen.«
»Wolf! Wolf!« rief Jürgen warnend, »ist das der Dank, den du für mich
übrig hast? Kein Vater kann mehr gesorgt haben, wie ich es als Bruder
für dich tat, und nun kommst du mir mit einer solchen Torheit, mit
einem solchen kindischen Trotz! Ilse Hergenbach, -- ich könnte dir
etwas sagen, -- aber ich will es nicht! Verstehst du, -- ich will
es nicht und ich werde es nicht tun! Bei deiner Auffassung würdest
du mir sonst noch selbstsüchtige Gründe unterschieben. Ich sehe das
Unheil über dich hereinbrechen, wenn du an ihr festhältst! Sie ist
keine Mutter für unsere nächste Generation! Dazu gehört Biederkeit und
lautere Gesinnung, aber nicht verstecktes Wesen.«
»Genug, Jürgen!« trat ihm Wolf in voller Aufregung entgegen, »sage
kein Wort weiter! Ilse Hergenbach -- ist meine Braut und ich trenne
mich von euch, wenn ihr sie schmäht!«
Die beiden Brüder sahen sich lange und durchdringend an, dann ließ
Jürgen unwillig den hochgehobenen Arm sinken.
»Ich will dich wegen einer Frau nicht verlieren, und ich sehe, du bist
schon zu weit von uns abgeirrt, -- so magst du denn selbst über dein
Los entscheiden! Ich will es dir nicht verwehren!«
Man sah Jürgen an, wie schwer es ihm wurde, sich diese Worte
abzuringen.
»Ich werde dir nichts in den Weg legen, wenn du jetzt für unsere
Firma die Reise ausführst, die auch für dich von größter Tragweite
ist,« fuhr er fort. »Sie mag der Prüfstein für dich selbst sein. Bist
du nach deiner Rückkehr noch derselben Anschauung wie heute, dann
werde ich dich an deinem Vorhaben nicht mehr hindern. -- Natürlich
kann Fräulein Hergenbach unter diesen Umständen hier im Hause nicht
bleiben, sondern muß zu ihren Eltern nach Nordhausen zurückkehren.«
Wolf schaute prüfend seinen älteren Bruder an.
»Du willst wirklich nachgeben, Jürgen? Wirst du auch Herta dazu
bestimmen?«
»Zweifelst du an meinem Wort, Wolf?«
»Nein, Jürgen! Was du einmal gesagt hast, hältst du. Ich bin damit
einverstanden und will die Reise nach Spanien antreten. Du mußt mir
aber noch einen Gefallen erweisen. Ilse soll bis zu meiner Rückkehr
unter der Obhut von Herta bleiben, dann mag sie nach Nordhausen gehen,
und ich werde mir von ihren Eltern das Jawort holen.«
Die beiden Brüder sahen sich noch einmal ernst an. Dann streckte der
ältere dem jüngeren die Hand entgegen.
»Ich verspreche es dir, Wolf! Welche Folgen auch aus allem entstehen
mögen, wir wollen sie gemeinsam tragen, wie es einem Paar echter
Brüder geziemt!«