XVI.

Die ersten Frühlingsboten kamen ins Land. Oder und Haff waren schon

längere Zeit eisfrei. Die Schiffahrt hatte begonnen. Die meisten

Dampfer befanden sich auf ihren regelmäßigen Fahrten. Nur der

verflossene harte Winter rief eine sonst selten eintretende Pause im

Dampferdienst hervor.

Das Leben im Plüddekampschen Hause lief wie früher eintönig dahin.

Wolf war merkwürdig ruhig geworden, es stand sogar öfters ein

glückliches Lächeln in seinem Gesicht. Herta und Jürgen konnten sich

nicht vorstellen, woher diese Veränderung in seinem Wesen stammte.

Weder Ilse noch Wolf verrieten das Geringste, aus dem die Geschwister

auf irgendeine Annäherung der beiden zu schließen vermochten.

Wolf war eifrig im Geschäft tätig, so daß Jürgen zuweilen ganz

verwundert zu seinem Bruder hinüberschaute, wenn er für verwickelte

Geschäftssachen bereits alles vorgearbeitet fand. Nur mit Smiders

mochte Wolf nicht mehr zusammentreffen, um mit dessen Maßnahmen

vertraut zu bleiben.

»Ich wünschte, Jürgen, ich brauchte es nicht,« sagte er zu diesem,

und es zuckte dabei eigenartig über die Züge des jungen Mannes.

Schließlich mußte er sich doch der Angelegenheit unterziehen. Es war

ihm höchst unangenehm, daß er dabei mit der blonden Rieke in einem

gewissen Einvernehmen stand. Je öfter er gezwungenermaßen dorthin

ging, desto vertraulicher wurde sie zu ihm. Sie sandte ihm sogar

Briefe und machte darin auf manches aufmerksam. Zum Schluß kamen auch

persönliche sehnsüchtige Wünsche hervor. Wolf verbrannte jedes dieser

Schreiben.

Der Hamburger Kapitalist, Herr Kneis, zögerte immer noch, Smiders

seine Zusage zu erteilen. Er wartete auf das Einlaufen der anderen

Dampfer.

»Unsere spanische Lieferung wird außerordentlich dringend,« hatte

Armin zu Jürgen gesagt. »Die Briefe von den Brennereien lassen keinen

Zweifel aufkommen, daß die ganze Ladung zur abgeschlossenen Zeit

verfrachtet sein muß. Es könnten uns große Verluste entstehen.«

Jürgen, der sonst so ruhige und überlegene Kaufmann, kam in eine

gewisse Erregung hinein. Ganz gegen seine Gewohnheit ging er bereits

am Vormittag fort und suchte seinen Freund, Konsul Martens, in dessen

Bankgeschäft auf.

»Tue mir den Gefallen, Charles, und rufe die Direktion der Werft

an, wie es mit dem ›Friedrich Barbarossa‹ steht. Ich habe trotz

aller Bemühungen keinen genügenden Ersatz finden können und bin also

unbedingt auf den Dampfer angewiesen.«

»Lieber Freund,« zögerte Martens etwas, »ganz einfach ist die Sache

nicht. Ich muß dir bereits im voraus sagen, daß Smiders die fälligen

Raten nicht abgeführt hat und unsere Direktion sehr vorsichtig

geworden ist. Sie wartet jetzt ab, ob die Reederei neues Kapital

erhält. Der Überseer scheint ein sehr genau abwägender Kaufmann zu

sein und es ist deshalb augenblicklich eine unangenehme Stockung

eingetreten. Du kannst dich selbst davon überzeugen, -- ich komme

deinem Wunsch jetzt nach.«

Er nahm den Hörer vom Tischtelephon und ließ sich mit der Werft in

Verbindung bringen. Nachdem er das Gespräch einige Zeit geführt, rief

er Jürgen heran.

»Du kannst jetzt mit dem Direktor sprechen, er wird dir bestätigen,

was ich schon sagte.«

Jürgen Plüddekamp machte eine sehr ernste Miene, als er die Auskunft

von der Werft erhielt.

»Die Mitteilung deiner Direktion heißt auf Deutsch: wir stellen die

Arbeit an dem ›Friedrich Barbarossa‹ ein, wenn Smiders nicht zahlt!

Ist dies auch richtig gehandelt?«

»Sein Vertrag mit uns ist hinfällig geworden, Jürgen. Wir sind von

der Konventionalstrafe befreit. Nun wird er wohl bald andere Saiten

aufziehen müssen und sich beeilen, seine Sachen zu ordnen, wenn er

nicht in große Schwierigkeiten geraten will.«

Jürgen schüttelte mit dem Kopf.

»Ich muß immer wieder betonen, Charles: bleibt ihr dabei stehen, so

fällt die Firma um. Ich weiß aus anderer Quelle, welche hohen Summen

auf sie laufen.«

»Stimmt,« meinte der Bankier ruhig. »Smiders gibt sich alle Mühe,

seine Papiere von der Reichsbank fernzuhalten, damit die Höhe seiner

Verbindlichkeiten nicht genau beurteilt werden kann. Er sucht deshalb

in Berlin fragwürdige Diskontstellen auf.«

»Also Akzeptaustausch,« fiel Jürgen ein.

»Mag sein,« erwiderte Martens. »Ich kann es nicht bestimmt behaupten.«

»Smiders senior hat sein ganzes Vermögen im Geschäft stecken,« fuhr

Jürgen fort. »Ein braver alter Herr, mit dem mein Vater und ich lange

Zeit hindurch in angenehmer Verbindung standen. Wohin hat der Sohn die

Reederei nun gebracht!«

Martens zuckte mit den Achseln.

»Wer von alten bewährten Geschäftsgrundsätzen abgeht und schnell

groß werden will, begibt sich auf eine gefahrvolle Bahn. Glückt die

Spekulation, dann preist man den Unternehmer. Im anderen Fall ist er

abgetan.«

»Das hilft mir aber nicht, Charles! Ich muß wirklich sagen, ich komme

jetzt durch euch in eine häßliche Lage hinein.«

»Ich bin dir gern in allen Dingen gefällig, hier hat meine Macht ein

Ende. Ich will dir aber einen anderen Vorschlag machen. Du bist ein

reicher Mann: wie wäre es, wenn du Smiders unter die Arme griffest?

Ich würde mich dann ebenfalls dazu bereit erklären.«

»Alle Wetter!« fuhr Jürgen auf, »du bist ein weißer Rabe, Charles, der

bekanntlich als der Klügste unter den Klugen gilt. Nimm es mir nicht

übel, ich denke nicht daran, diesem Manne mein Geld zu geben.«

»Dann wirst du dich wohl gedulden müssen, was aus der Sache wird,«

bemerkte der Bankier.

»Wolf trifft heute mit Smiders zusammen, um zu erfahren, was dieser

zu tun gedenkt. Er beehrte uns in letzter Zeit schon ein paarmal

in unserer Häuslichkeit. Ich habe mich wegen Arbeit und Jagd

entschuldigen lassen und bin ferngeblieben.«

»Aha!« machte Martens. »Er ist ein lockerer Vogel und interessiert

sich wohl für Fräulein Hergenbach?«

In Jürgens Gesicht zog sich eine drohende Falte zusammen.

»Charles, sage mir kein Wort davon! Ich bin froh, daß Wolf in der

letzten Zeit ein anderes Gesicht zeigt. Er scheint die Krankheit

hinter sich zu haben. Übrigens wird Herta Sorge tragen, daß Ilse

Hergenbach mit Smiders nicht weiter in Berührung kommt.«

Konsul Martens machte eine ziemlich überlegene Miene.

»Du bist zwar das Oberhaupt der Familie, Jürgen, ob du aber in allem

unterrichtet sein kannst, erscheint mir fraglich.«

»Wieso, Charles?«

»Hast du die volle Überzeugung von deinem Bruder, daß er sich nicht

mehr um Ilse Hergenbach bekümmert?«

»Ja,« antwortete Jürgen mit Nachdruck. »Es steckt kein Falsch in Wolf.

Er ist ein offener, aufrichtiger Mensch.«

»Soll mich freuen, wenn du recht hast, Jürgen! Die Leidenschaft spielt

aber Männern manchmal arg mit, und namentlich bei einem so frischen

jungen Menschen, wie deinem Bruder. -- Doch dies nur nebenbei. -- Wie

steht es nun mit Smiders, bist du nicht bereit dazu?«

»Nein,« antwortete Jürgen kurz. »Für Alfred Smiders habe ich keinen

Groschen übrig. Ich muß mir auf andere Weise helfen.«

Jürgen ging. Konsul Martens schüttelte den Kopf.

»Wie sich doch zuweilen der tüchtigste Geschäftsmann verleiten läßt,

durch Antipathien einen falschen Entschluß zu fassen. Wir würden

zusammen das beste Geschäft machen, und Plüddekamp wäre aller Sorge

ledig. Der ›Friedrich Barbarossa‹ wird so gut wie ein neues Schiff,

darin liegt viel Aussicht.« --

»Es wäre das erstemal, daß unsere Firma eine Ladung nicht prompt

absenden würde,« sagte Jürgen mürrisch, als er in das Kontor

zurückkehrte. »Ich mußte aber das Vertrauen in die Reederei setzen.

Nun ist zum Überfluß noch durch den langandauernden Winter keine

Schaluppe zu bekommen.«

»Wir wollen uns doch mit den spanischen Brennereien einigen, Jürgen,«

warf Wolf ein. »Etwas anderes wird kaum übrig bleiben.«

»Du hast gut reden, Wolf!« erwiderte dieser. »Lies die letzten

Antworten. Sie bestehen unbedingt auf den festen Abmachungen.« Er

nahm auf seinem Schreibsessel Platz und legte die breite Hand auf die

hohe Stirn. Sein ganzes Denken drängte auf die eine Sache hin. »Ich

hab's!« rief er plötzlich aus. »Unser Vater stand vor langen Jahren

mit einigen spanischen Getreidefirmen in Verbindung. Es muß einer von

uns sofort dorthin fahren, die erste Lieferung Roggen aufkaufen und

mit der Bahn verfrachten. Alsdann werden die Brennereien wohl mit sich

reden lassen und wir gewinnen Zeit.«

Wolf sah seinen Bruder erstaunt an. War diese Lösung das Ergebnis

kurzen Nachdenkens, oder hatte sich Jürgen mit dem Gedanken schon

länger vertraut gemacht?

»So einfach ist es nicht,« erwiderte er dann. »Der Roggenbau Spaniens

ist nicht bedeutend. Die mit den dortigen Getreidefirmen gepflogenen

früheren Beziehungen sind eingeschlafen. Es wird schwer halten, deinen

Gedanken auszuführen, wenn es überhaupt möglich ist!«

»Möglich!« lachte Jürgen in seiner beliebten breiten Art. »Es ist

alles möglich, sobald man mit einer Brieftasche voller Banknoten

kommt, -- jedenfalls der einzige gescheite Gedanke. Ich bin überzeugt,

daß du die Sache glatt erledigen wirst.«

»Ich soll nach Spanien reisen!« sprang Wolf von seinem Sitz auf. »Ich

denke nicht daran, Jürgen.«

»Wieso?« fragte dieser verblüfft. »Du bist nun einmal der Minister des

Auswärtigen. Übrigens ist es nicht allein eine interessante Aufgabe,

sondern auch eine schöne Reise. Hierbei kannst du dein ganzes Können

zeigen. Es muß dir eine Freude sein, unserer Firma einen solchen

Dienst zu erweisen. Du hast Gewandtheit im Verkehr und sprichst gut

französisch, die Spanier werden es sicherlich ebenfalls verstehen.

Neben dem Geschäftlichen wirst du Vergnügen in Hülle und Fülle finden.

Also woran hapert es noch, Wölfchen?«

Dieser trat unruhig hin und her.

»Ich kann mich nicht dazu verstehen, Jürgen. Die Reise nimmt mehrere

Wochen in Anspruch. Die Sache ist von heute auf morgen nicht zu

erledigen.«

»Es schadet auch nichts! Wenn sie wirklich länger dauert! Ich gebe dir

volle Freiheit des Handelns, und nun sage -- ja!«

»Ich muß es dir leider abschlagen, Jürgen! Ich habe keine Lust dazu.«

»Keine Lust!« fuhr Jürgen auf. »Einen solchen Grund darf ein ernster

Geschäftsmann überhaupt nicht äußern.«

»Ich bitte dich, Jürgen, wir wollen das Thema fallen lassen! Es hat

keinen Zweck. Ich wiederhole dir nochmals, die Reise liegt mir nicht.

Ich kann sie also nicht unternehmen. Es ist richtiger, wir treiben

Smiders in die Enge und drohen ihm die Entziehung aller Frachten an,

wenn er nicht für den ›Friedrich Barbarossa‹ Ersatz schafft.«

»Donner und Doria!« fluchte Jürgen, »das hat doch gar keinen Zweck.

Smiders sitzt schon fest genug. Packen wir auch zu, dann fällt er

noch schneller als es so bereits kommen wird. Du willst heute mit ihm

in der ›Grünen Schanze‹ verhandeln. Glaubst du, daß noch etwas dabei

herauskommt? Er hält dich hin. Du mußt also fahren, Wolf! Es bleibt

gar keine andere Wahl.«

Wolf antwortete nicht, sondern zuckte mit den Achseln und schritt im

Kontor unruhig auf und ab.

»Herta sagte mir übrigens vor längerer Zeit, daß du eine Reise nach

dem Süden machen wollest,« begann Jürgen wieder.

»Ich habe kein Wort davon erwähnt,« erwiderte Wolf, »und weiß nicht,

wie Herta darauf kommt.«

Jürgen rief durchs Haustelephon Prokurist Armin herein und erklärte

ihm seine Absichten.

»In diesem Falle unbedingt das einzig Richtige,« bestätigte Armin,

»ich rate dringend dazu.«

»Du hörst es, Wölfchen,« sagte Jürgen, »Armin ist der gleichen Meinung

wie ich. Sehen Sie doch einmal nach, mit welchen Firmen wir seinerzeit

in Verbindung standen. Es mögen allerdings fünfzehn bis zwanzig Jahre

her sein,« wandte er sich an diesen.

Nachdem der Prokurist das Privatkontor verlassen hatte, stand Jürgen

auf und trat an seinen Bruder heran. Ihm die schwere Hand auf die

Schulter legend, bat er: »Sei gut, Wölfchen, und stimme zu. Du kannst

dabei Lieschen Wichers einen Herzenswunsch erfüllen, indem du ihr die

schönsten Ansichtskarten schickst.«

»Es geht auf keinen Fall, Jürgen,« lehnte dieser kurz ab.

»Dahinter steckt etwas,« wurde Jürgen nun ärgerlich, »gib mir

wenigstens rundheraus an, warum du nicht fahren willst.«

Wolf trat heftig mit dem Fuß auf.

»Ich bin dir darüber keine Rechenschaft schuldig! Meine Ablehnung ist

doch genug.«

»In diesem Falle nicht,« entgegnete Jürgen sehr ernsten Tones. »Es

handelt sich um derart wichtige Geschäftsinteressen, daß alle anderen

Sachen, die dir vielleicht vorschweben, dahinter zurücktreten müssen.«

»So -- -- müssen? Nein!« Es zuckte in Wolfs Zügen unruhig hin und her.

Er wollte etwas sagen und hielt es wieder zurück.

»Sprich dich endlich aus, Wolf,« wiederholte Jürgen, »wir sind doch

Brüder und werden wohl keine Geheimnisse voreinander haben.«

Wolf richtete sich auf und brachte abgerissen hervor:

»Natürlich mußt du es erfahren! Es war auch meine Absicht, aber Ilse

wollte nicht!«

»Wie -- was!« rief Jürgen heftig aus, »Fräulein Hergenbach hat doch

mit unserer Angelegenheit nichts zu tun?«

»Doch -- in diesem Falle wohl, Jürgen! Ich habe mich mit Ilse

Hergenbach verlobt --!«

Es war, als ob ein plötzlicher Blitz über Jürgens Gesicht fuhr. In

seinen Worten wetterleuchtete es weiter.

»Ich glaube -- ich höre nicht recht! Du hast dich mit Fräulein

Hergenbach verlobt -- und kein Wort mit Herta und mir vorher

gesprochen! Das ist doch unerhört! Bei der wichtigsten Frage des

Lebens geht man doch mit sich zu Rate, ehe man so töricht handelt!

Ilse Hergenbach? -- Nie und nimmer können wir das zugeben! Sie muß

sofort aus dem Hause.« Die Zornesader der Plüddekamps schwoll auf

seiner Stirn drohend an. Er hatte in letzter Zeit geglaubt, daß Wolf

zur Vernunft zurückgekehrt war, und nun sah er sich vor eine noch

schlimmere Tatsache gestellt. Es empörte ihn aufs äußerste.

Dieser war bei den Worten seines Bruders vor Aufregung bleich

geworden. Seine sonst so freundlich dreinblickenden Augen funkelten

zornig.

»Ihr wollt mir also das Recht nehmen, mein Glück zu suchen, wo es

mir gefällt! Ich soll nun einmal keinen eigenen Willen haben! Aber

ihr sollt sehen, Jürgen, daß ich ihn habe! -- Ich will gar nicht im

Plüddekampschen Hause bleiben. Ich gründe mir mein eigenes Heim und

lasse mir keine Vorschriften mehr machen.«

»Wolf! Wolf!« rief Jürgen warnend, »ist das der Dank, den du für mich

übrig hast? Kein Vater kann mehr gesorgt haben, wie ich es als Bruder

für dich tat, und nun kommst du mir mit einer solchen Torheit, mit

einem solchen kindischen Trotz! Ilse Hergenbach, -- ich könnte dir

etwas sagen, -- aber ich will es nicht! Verstehst du, -- ich will

es nicht und ich werde es nicht tun! Bei deiner Auffassung würdest

du mir sonst noch selbstsüchtige Gründe unterschieben. Ich sehe das

Unheil über dich hereinbrechen, wenn du an ihr festhältst! Sie ist

keine Mutter für unsere nächste Generation! Dazu gehört Biederkeit und

lautere Gesinnung, aber nicht verstecktes Wesen.«

»Genug, Jürgen!« trat ihm Wolf in voller Aufregung entgegen, »sage

kein Wort weiter! Ilse Hergenbach -- ist meine Braut und ich trenne

mich von euch, wenn ihr sie schmäht!«

Die beiden Brüder sahen sich lange und durchdringend an, dann ließ

Jürgen unwillig den hochgehobenen Arm sinken.

»Ich will dich wegen einer Frau nicht verlieren, und ich sehe, du bist

schon zu weit von uns abgeirrt, -- so magst du denn selbst über dein

Los entscheiden! Ich will es dir nicht verwehren!«

Man sah Jürgen an, wie schwer es ihm wurde, sich diese Worte

abzuringen.

»Ich werde dir nichts in den Weg legen, wenn du jetzt für unsere

Firma die Reise ausführst, die auch für dich von größter Tragweite

ist,« fuhr er fort. »Sie mag der Prüfstein für dich selbst sein. Bist

du nach deiner Rückkehr noch derselben Anschauung wie heute, dann

werde ich dich an deinem Vorhaben nicht mehr hindern. -- Natürlich

kann Fräulein Hergenbach unter diesen Umständen hier im Hause nicht

bleiben, sondern muß zu ihren Eltern nach Nordhausen zurückkehren.«

Wolf schaute prüfend seinen älteren Bruder an.

»Du willst wirklich nachgeben, Jürgen? Wirst du auch Herta dazu

bestimmen?«

»Zweifelst du an meinem Wort, Wolf?«

»Nein, Jürgen! Was du einmal gesagt hast, hältst du. Ich bin damit

einverstanden und will die Reise nach Spanien antreten. Du mußt mir

aber noch einen Gefallen erweisen. Ilse soll bis zu meiner Rückkehr

unter der Obhut von Herta bleiben, dann mag sie nach Nordhausen gehen,

und ich werde mir von ihren Eltern das Jawort holen.«

Die beiden Brüder sahen sich noch einmal ernst an. Dann streckte der

ältere dem jüngeren die Hand entgegen.

»Ich verspreche es dir, Wolf! Welche Folgen auch aus allem entstehen

mögen, wir wollen sie gemeinsam tragen, wie es einem Paar echter

Brüder geziemt!«

Geschwister Plüddekamp · 第 22 / 30 题