In neuerer Zeit ist, hauptsächlich veranlaßt durch Zahn’s Musterbuch
für häusliche Kunstarbeiten (Leipzig bei Georg Wigand), eine decorative
Malerei auf helles Holz mittelst Aquarellfarben in Aufnahme gekommen,
welche zwar mit der Aquarellmalerei, wie ich solche dargelegt, nur
in sehr lockerem Zusammenhange steht, indessen aber ermöglicht,
mit verhältnißmäßig geringer technischer Fertigkeit -- soweit
wenigstens die Malerei in Betracht kommt -- auch in künstlerischer
Hinsicht befriedigende und dabei nicht selten äußerst prachtvolle und
imponirende Arbeiten zu liefern, da in den weitaus meisten Fällen hier
weniger +gemalt+ als vielmehr +colorirt+ wird. Die Malerei auf Holz
gehört der decorativen Kunst an, deren Ziele von jenen der eigentlichen
Malerei sehr verschieden sind, indem letztere die Bildfläche des
Flächencharakters zu entkleiden sucht, während erstere die Fläche
vorzugsweise zur Geltung zu bringen bestrebt ist und selbst den
+Schein+ des Plastischen meidet. Malereien dieser Art repräsentiren
in der Regel Nachahmungen von Intarsien, Arbeiten in eingelegtem
Holz, welchen sie nach der Fertigstellung durch das Poliren mehr
oder weniger täuschend ähnlich sehen und bei exacter Zeichnung und
geschmackvoller Wahl der Farben Anspruch auf gewissen künstlerischen
Werth haben, dabei als sehr nachahmungswerthe Werke häuslicher Kunst
bezeichnet werden dürfen. Ich habe diese Malerei umsomehr hier
anhangsweise berühren wollen, als sie von Dilettanten, welche für das
Schaffen selbstständiger Kunstwerke nicht die genügende Befähigung
besitzen, besonders aber auch von jungen Damen, welchen ich sie für
ihre Mußestunden auch ganz vorzugsweise empfehlen möchte, nebenbei,
gelegentlich passender Anlässe zur Selbstverfertigung von Geschenken
oder auch behufs Ausschmückung der eigenen Wohnräume, betrieben wird.
Ich habe in letzterer Zeit mehrfach Gelegenheit gehabt, größere Partien
solcher Arbeiten nach dem Poliren durchzumustern und hat die Quantität
dieser Leistungen meine Erwartung sehr übertroffen. Leider muß ich
aber zufügen, daß abgesehen von einzelnen Prachtstücken, worunter
Originalentwürfe, das meiste +unter+ und zum Theil +sehr weit+ unter
dem Niveau der Mittelmäßigkeit stand, und sichtlich ohne genügende
Sachkenntniß ausgeführt worden war. Ich dachte dabei lebhaft an Zahn,
welcher sich in der Vorrede zu seinem dritten Heft gegen den Verdacht
der Begünstigung verschiedener ihm zu Gesicht gekommener „+Holzfrevel+“
nachdrücklichst verwahrt.