Was in erster Linie die Gegenstände betrifft, welche sich vorzugsweise
für diese Malerei eignen, so sind es im Allgemeinen ganz besonders
solche, welche +Flächen+ bieten, und, abgesehen von allerlei
Kleinigkeiten, namentlich Kasten und Kästchen aller Arten für
Handschuhe, Cigarren, Thee, Zucker, Spielmarken, Schmuck etc. etc.,
dann Deckel zu Visitenkartentäschchen, Notiz-, Stamm-, Poesie-,
Zeichnen- etc. etc. Bücher, zu Schreib-, Brief-, Zeitungs- etc. Mappen,
Albums, etc. etc., Lampenteller, in höheren Graden Tischplatten,
(besonders kleine runde Tischchen für feine Zimmer und Salons),
Füllungen in Schlüsselschränkchen, Arbeitstischchen u. a. m., und wer
über genügende Geduld und Zeit verfügt, kann schließlich die Täfelung
eines ganzen Zimmers in Angriff nehmen, oder sich einen eingelegten
Renaissanceschrank malen. Alle genannten Gegenstände sind fertig zu
haben, oder können, wie besonders größere Platten zu Mappen, Büchern
etc., von jedem geschickten Tischler schnell angefertigt werden, was
sich namentlich dann empfiehlt, wenn man eine Zeichnung in gegebener
Größe zu übertragen wünscht. Was das Holz betrifft, so wird hierzu
meist Ahornholz und Tannenholz verwendet, in neuerer Zeit trifft man
jedoch auch häufig Linden-, Erlen- und anderes helles Holz. Sehr
geeignet ist auch Kastanien- und helles Birnbaumholz. Zu Gegenständen
von grau gebeiztem Holz, welche man häufig sieht, rathe ich jedoch
nicht, da man dann der hellen Töne entbehrt und sich so eines wichtigen
Hilfsmittels zu contrastirenden Tönen begibt. Ich habe auch nur
selten schön wirkende Arbeiten auf solch grauem Holze gesehen, auf
welchem, nachträglich zu erwähnen, auch die Bleistiftstriche nur sehr
schwer, oder gar nicht zu sehen sind. Auch hüte man sich vor stark
gekrümmten Flächen, auf welche schwierig zu zeichnen ist. Da nun diese
verschiedenen Holzmaterialien nur in großen Städten zu haben sind, so
will ich Interessenten darauf aufmerksam machen, daß sie derartige
Sachen auch direkt aus einer der zahlreichen Fabriken, welche die
Anfertigung derselben als Specialität cultiviren, beziehen können, z.
B. von G. Weber & Co. in Eßlingen a. N. (Württemberg), welche Firma auf
Verlangen ihre sehr reichhaltige mit den Maaßen versehene Preisliste
gerne mittheilt. Schöne Arbeiten habe ich auch vom Hoftischler
Scheidemantel in Weimar gesehen. Interessenten, welche vorzugsweise
viel auf Platten malen, kann ich noch einen andern guten Rath geben,
wie sie sich solche Platten viel billiger beschaffen können, sofern an
ihrem +Wohnorte+ keine Fournirhandlung besteht. Dieselben mögen sich
an Mey & Widmayer in München wenden, welche Holzplatten verschiedener
Größe in reiner, schöner Qualität und fein bearbeitet, zu folgenden
Preisen per 10 □ Decim. (etwas mehr wie 1 □′) liefern:
1. Dicke 2-3½ Millm. ~a.~ Ahorn, Birnbaum, Grau, Weißbuchen M. 0,60. --
~b.~ Linden, Kastanien, Lärchen 0,50. -- ~c.~ Erlen, Fichten 0,35. --
2. Dicke 4-5 Millm. ~a.~ 0,90 ~b.~ 0,60 ~c.~ 0,60.
Aus größeren Platten dieser Art kann man sich dann je nach Bedarf
kleinere heraussägen und solche zu Buchdeckeln etc. von einem Schreiner
mit einer Hohlkehle versehen und herrichten, resp. glatt hobeln und mit
Schachtelhalm schleifen und abreiben lassen. Da nun gewöhnliches d. h.
nicht präparirtes Holz die Farbe fließen lassen würde, so müssen alle
Gegenständen, welche bemalt werden sollen, vorher präparirt werden,
d. h. die Poren und Capillargefäße, welche die Farbe aufsaugen, müssen
verstopft werden, wozu sich Klebstoffe vorzugsweise eignen. Als sehr
probat kann ich empfehlen die Gegenstände gelind zu erwärmen, und
solche dann mit einem wollenen Lappen und +wenigen+ Tropfen nicht zu
kalter +weißer+ Politur einige Male rasch zu überreiben. Die weiße
Politur besteht aus einer Lösung von 1 Gewichtstheil weißem Schellack,
in 4 Gewichtstheilen starkem Weingeist und kann für vorliegenden Zweck
noch etwas mit der Hälfte Weingeist verdünnt werden. Auch Gummiwasser
d. h. eine schwache Lösung von ~gummi arabicum~, oder auch eine
schwache Gelatinelösung thun dieselben Dienste und werden mit wollenen
Lappen auf die etwas erwärmte Platte tüchtig eingerieben. Die käuflich
erhaltenen Objecte sind +angeblich+ schon präparirt, aber schlimme
Erfahrungen in dieser Beziehung veranlassen mich, alles derartige
+schon+ Präparirte nochmals zu übergehen, um mich vor unreinlich
aussehenden Arbeiten sicher zu stellen. Sodann rathe ich nur solche
Sachen in Arbeit zu nehmen, welche eine absolute Fläche bilden, also
ganz glatt sind, da wellige Oberflächen viel Mühe und Aergerniß beim
Poliren bereiten. Hat man einen Gegenstand acquirirt, welcher nicht
tadellos eben und glatt ist, so lasse man ihn ehe man daran zu arbeiten
beginnt, nochmals vom Schreiner abziehen. Gerundete Gegenstände taugen
nichts zu Arbeiten dieser Art, ebensowenig wie gekehlte.
Was die Utensilien betrifft, so sehe man auf untadelhaften Zustand
derselben, da die exacte Herstellung von Holzmalereien, wenn anders
die Wirkung eine imponirende sein soll, Bedingniß ist. Unumgänglich
nothwendig sind mehrere Lineale, darunter ein recht kleines, eine
Reißschiene, ein Winkel, ein größerer Meßzirkel, sowie ein kleiner
mit einzusetzender +Stahlspitze+, Blei- und Reißfeder, eine Reißfeder
und für manche Arbeiten, wo, wie bei Mäandern, viele parallele Linien
in sehr geringen Abständen zu ziehen sind, ein flaches Maaßlineal
mit Millimetertheilung auf der einen und wo möglich einem andern
Maaßsystem auf der andern Seite. -- Zirkel ohne Stahlspitze vermeide
man thunlichst, da deren dreikantige Spitzen sich tief in das weiche
Holz bohren und unschöne Löcher verursachen.
Zum Ziehen großer Kreise, wie auf Tischplatten, bedient man sich zur
Verlängerung des Zirkels eines Streifens aus Pappdeckel oder dickem
Carton, welchen man mit einer Nadel im Mittelpunkt so befestigt, daß er
sich nicht zu schwer um dieselbe drehen läßt und mißt dann genau die
Stellen ab, an welchen man bei bestimmter Oeffnung des Zirkels solchen
mit der Spitze einzusetzen hat.
Was die anzuwendenden Farben betrifft, so kann zwar der Farbenkasten,
wie ich ihn früher für das Aquarell empfohlen habe, auch hier Anwendung
finden, allein es macht sich wünschenswerth, noch einige weitere Farben
zuzufügen, welche zwar auch durch Mischung erhalten werden können,
aber da die Farben gewöhnlich -- wenigstens bei größeren Arbeiten --
in größerer Menge erfordert werden, so sind solche in fertigen Farben
vorzuziehen.
Für alle Stoffe welche mit Farben geschmückt werden sollen, finden
sich gewisse Farben, welche sich, abgesehen von den Zwecken, für
das betreffende +Material+ vorzugsweise eignen und so stehen uns für
Holzmalerei vorzugsweise die zahlreichen und besonders die +ruhigeren+
Nüancen von Gelb, Orange, Roth, Braun, Grau, bis zum tiefen, ernst
wirkenden Schwarz, mit andern Worten jene Farbengruppen zu Gebot,
welche mehr oder weniger nach Roth neigen können und auch in den
Reihen der natürlichen Holzarten vorkommen. Die der Gegenseite
angehörenden Töne, Grün, Blau, grelles Roth liegen dieser Verwendung
viel ferner, obgleich sie nicht ausgeschlossen sind und an Figürlichem,
Naturalistischem und z. B. in Wappen oft pompöse Wirkung zu entfalten
im Stande sind. Im Allgemeinen verlangen solche jedoch vorsichtige und
sparsame Verwendung -- mehr als Aufputz -- da sie sonst sehr leicht den
Totaleindruck einer Arbeit in hohem Grade beeinträchtigen können.
Arbeiten, welche den Eindruck von Pracht machen sollen, müssen hier mit
leuchtenden, hellen mit tieftönigen Farben wechselnden Tönen gemalt
werden und muß außerdem stets tiefstes Schwarz zur Geltung kommen.
Man verwendet hierzu von der billigsten Tusche, welche man in kleine
Stücke zerstößt und in einem Fläschchen mit ganz wenig Wasser zu einem
dickflüssigen Brei auflöst. Selbst diese dickflüssige Lösung deckt aber
gewöhnlich nicht mit einem Auftrag und muß derselbe wiederholt werden.
Für einen Normalfarbenkasten für Holzmalerei dürfte sich etwa folgende
Zusammensetzung empfehlen und zwar dürften Farben in Tuben zu wählen
sein, da solche gewöhnlich in größeren Quantitäten angerieben zur Hand
sein müssen.
~French Blue.~
~Cobalt.~
~Payne’s Grey.~
~Neutral Tint.~
~Madder Brown.~
~Pink Madder.~
Dunkler Krapp.
Marsroth.
Rothbrauner Krapp.
~Light Red. ~
~Indian Red.~
~Van Dyk Roth.~
~Indian Yellow.~
~Yellow Ochre.~
~Cadmium Orange.~
Goldocker.
~Mars Yellow.~
~Raw Sienna.~
Florentiner Braun.
~Laque Robert Nr. 7.~
Marsbraun.
~Asphalt.~
~Van Dyk Brown.~
~Raw Umber.~
~Burnt Sienna.~
~Burnt Umber.~
~Emerald Green.~
~Olive Green.~
~Brown Pink.~
Lampenschwarz.
~Chinese White.~
Goldbronze 1.
„ 2.
Silberbronze.
Außerdem würde ich auch noch zu Nußbeize und Ebenholzbeize rathen,
mit welch ersterer, je nach dem Grade der Verdünnung mit Wasser,
sich zahlreiche Abänderungen von schönen braunen Tönen herstellen
lassen und die letztere ein tiefes Schwarz gibt. Beide sind in den
Materialhandlungen zu äußerst billigen Preisen zu beschaffen.
Außerdem sind noch beizufügen Muschelgold in 3 Nüancen und Silber,
Tusche für die Contouren, statt welcher man auch unter Umständen
~Indelible Brown Ink~, eine unauslöschliche braune, jedoch leider etwas
allzudünne flüssige Tinte, verwenden kann. Sehr angenehm verarbeitet
sich die jetzt von Schönfeld & Co. bereiteten Gold- und Silberbronze
in Tuben. Nr. 1 ist rothes, Nr. 2 gelbes Gold. Gold und Silber finden
häufige Anwendung in Wappen, dann für Schriften und Monogramme, Linien,
kleine Ornamente und Detail, wie Köpfe von Schrauben. Man nehme immer
beste Qualität und trage es nicht zu sparsam auf. Es empfiehlt sich
auch die betreffenden Stellen zu untermalen und zwar bei Gold mit
~Indian Yellow~, bei Silber mit ~Chinese White~. Man kann auch, was
sich besonders für große Flächen empfiehlt statt des Muschelmetalls
trockene Gold- und Silberbronze auftragen, zu welchem Zwecke man bei
der wie vorher auszuführenden Untermalung etwas wenig Zuckerlösung
zusetzt, so daß die Farbe nach dem Trocknen glänzend wird, ohne aber zu
kleben. Das Bronzepulver wird alsdann mit einem Baumwollbäuschchen auf
die vorher angehauchte Stelle aufgetragen und der überflüssige Staub
mit einer Federfahne abgekehrt. Wählt man diese Art der Vergoldung, so
dürfen jedoch keine „~Moist Colours~“ in Tuben oder Näpfchen angewendet
werden, indem diese mit Glycerin versetzt sind und die Bronze auch
hier und da annehmen. Auch beim Fixiren muß diese Art Vergoldung sehr
vorsichtig behandelt werden. Weiß als Farbe wird bei Holzmalerei sehr
selten in Anwendung kommen, außer da, wo man eingelegte Elfenbeinlinien
imitiren will, in welchem Falle ein klein wenig ~Indian Yellow~ oder
~Raw Sienna~ zuzusetzen ist, um das Kreidige zu heben.
Schließlich ist noch der literarischen Hilfsmittel zu erwähnen, d. h.
der Sammlungen von Mustern und Motiven, welche sich für Holzmalerei
vorzugsweise eignen, und welche in der letzten Zeit immermehr zunehmen.
Die am meisten Empfehlung verdienenden Publikationen dieser Art sind
folgende:
1. +Benz+: Das geradlinige Ornament, welches sich für Anfänger
empfiehlt, da es nur Motive bietet, welche in Netze gezeichnet werden
können.
2. +Dieffenbach+: Geometrische Ornamentik. Enthält eine reichhaltige
Auswahl von Netzornamenten, sowie mittelst des Zirkels herzustellender
Verzierungen, darunter sehr viel Geschmackvolles und ist dabei
verhältnißmäßig sehr billig.
3. +Zahn+: Musterbuch für häusliche Kunstarbeiten. Heft 1, 2 und 3.
Für Geübtere. Bemerkenswerth für geschmack- und stilvolle Muster,
sowie schöne Gliederung der Flächen; enthält aber wenig für kleinere
Gegenstände passende Muster, so daß das nachstehende Werk eine
willkommene Ergänzung hierzu bildet.
4. +Schreiber+: Die Flachmalerei. Empfehlenswerthe, geschmackvolle
Auswahl kleinerer Muster der verschiedensten Stile in farbiger
Ausführung, welche sich sowohl für Anfänger wie für Geübtere eignen.
5. +Fink+: Geometrische Construktion der Flachmalerei. Für Holzmalerei
wenig geeignet, aber wegen des construktiven Werthes anzuführen.
6. +Zschimmer+: Vorlagen für Holzmalerei. 6 Hefte. Eigenartige, zum
Theil geniale, Compositionen für Geübte. Wegen des stark angewendeten
Goldes und so mancher für Holz wenig passender Farbentöne, (Smaragdgrün
u. a. m.) müßten meist andere Farben gewählt werden. Durch unnöthige
reiche Ausführung zu theuer.
7. +Schrödter+, Malvina: Holzmosaik. Geschmackvolle meist romanische
und maurische Ornamente für Geübtere. In Bezug auf Farben siehe Nr. 6.
8. ~+Racinet+~: Das polychrome Ornament. Reiche geschmackvolle Auswahl
von Ornamenten aller Stile. Für Geübtere.
9. ~+Owen Jones+~: Grammatik des Ornaments. Ebenfalls sehr reiche
Sammlung, aber mit vorzugsweiser Betonung der orientalischen Kunst. Wie
vorhergehende Nummer in Farben den Holzintarsien anzupassen.
10. ~L’Art pour tous.~ Verständnißvoll illustrirte französische
Zeitschrift für Kunstgewerbe. Reich an brauchbaren Details und Motiven
aller Art, ohne als Musterbuch im Sinne der übrigen hier aufgezählten
Werke dienen zu können. Bis jetzt 26 Jahrgänge ~à~ 25 Francs.
11. +Teyrich+: Die Intarsien der italienischen Renaissance. Prachtvolle
große Vorlagen für +Getäfelornamente+.