Schließlich will ich eine besonders in England sehr gebräuchliche
Malweise mittheilen, welche ich selbst häufig anwende und sehr
empfehlen kann. Sie besteht in der Anwendung +dicker+ und ziemlich
trockener Farbe, welche mit flachem Pinsel aufgetragen wird. Ich
kann diese Art der Behandlung um so mehr empfehlen, als sie mit
verhältnißmäßiger Schnelligkeit eine große +Kraft+ der Töne vereinigt
und dabei gestattet, jeden einzelnen Theil +vor dem Trocknen+ bis
ins Detail zu beenden. Auf diese Art behandelte Bäume, besonders
baumreiche Landschaften sehen Oelgemälden sehr ähnlich. Lichter können
schließlich, wenn nöthig, noch herausgenommen und einzelne Partien
durch Lasuren im Tone erhöht, oder gedämpft werden. Mit einigen
Druckern in den tiefsten Stellen und hier und da einer Verbesserung,
auch in der äußeren Form, ist ein so behandelter Baum fertig. Auch
+Nadelholz+ läßt sich mit dieser Behandlung, welche hier besonders der
Silhouette sehr zu Statten kommt, +äußerst+ naturwahr darstellen.
Der Lernende übe sämmtliche Darstellungsweisen und wähle dann, was
ihm am besten zusagt oder für den beabsichtigten Zweck am passendsten
erscheint. Ich selbst male meine Bäume, von dem Zeitpunkt erlangter
besserer Technik an, fast nur nach V., je nach dem Vorwurf indessen
auch nach I. und II., allein dem Anfänger ist erstere Methode nicht zu
empfehlen.
Wiederholt will ich indessen hier darauf aufmerksam machen, daß
~Indigo~, den Tönen in zu großer Menge zugesetzt, Schwärze erzeugt und
daß man sich in den dunkeln Partien des Laubes vor Schwärze und +Kälte+
sehr zu hüten hat. Sind aber dennoch solche Stellen zu dunkel oder
gar schwärzlich geworden, so läßt sich das Uebel durch vorsichtiges
Uebergehen der betreffenden Stellen mit einem +kräftigen+ Ton von
~Indian Yellow~ oder von ~Indian Yellow~ mit ~Oxyde of Chromium~
schnell heben. Nach dem Trocknen kann dann der erhaltene Ton durch
passende Lasuren in gewünschter Weise verändert werden.
Was +Stämme+ und +Aeste+ betrifft, so ist auf deren naturgemäße
Zeichnung die größte Aufmerksamkeit zu verwenden, da sonst nicht
allein diese selbst Noth leiden, sondern die ganze Arbeit verunstaltet
wird. Besonders vermeide man die unnatürlichen, absolut geraden
Linien und sehe da, wo Stämme oder Aeste nach längerem Verschwinden
sich wieder zeigen, auf entsprechende Verjüngung. Sie müssen stets so
gezeichnet sein, daß sie geeignet sind, eine genaue Vorstellung der
Verästelung vom Fuße bis in die Spitze zu geben. Die Schatten sind
erst breit anzulegen und ist dann später das Detail zu geben. Dabei
vergegenwärtige sich der Lernende stets, daß je weiter ein Gegenstand
zurücktritt, desto mehr das Detail verschwindet und die Localfarbe
neutralere Töne annimmt. Helle Stämme im Mittelgrund spart man, sobald
dies der Arbeit Eintrag thun würde, nicht aus, sondern nimmt sie
später heraus; ebenso wenn Stämme im Vordergrunde eine hinter ihnen
liegende größere Wasserfläche durchschneiden, da ein Aussparen die
einheitliche Behandlung der letzteren in hohem Grade beeinträchtigen
würde. Dunkele Stämme kleiner Dimension und von zweifelhaftem Charakter
im Mittelgrunde lassen sich gewöhnlich mit den dunkelsten Tönen der
Laubpartien in consistenterer Mischung geben. Stämme des Vordergrundes
dagegen verlangen Individualisirung, weßwegen fleißiges Studium der
Stämme der Waldbäume und sonst häufiger vorkommender Bäume, wie Weiden,
Pappeln etc. etc. nach der Natur dringend anzurathen ist und zwar aus
nächster Nähe, wie auf weitere Distanz. Die Birkenstämme betreffend
bemerke ich noch, daß man solche am zweckmäßigsten mit dickem ~Chinese
White~ anlegt und das tiefgefärbte Detail mit ~French Blue~, ~Chrimson
Lake~ und ~Burnt Sienna~ einsetzt.
Da in den meisten Fällen Grün im +Vordergrund+ eine mehr oder weniger
große Rolle spielt, wenigstens in landschaftlichen Darstellungen, so
ergreife ich hier die Gelegenheit, auf den Vordergrund etwas näher
einzugehen. Alles überhaupt Darstellbare kann mit wenigen Ausnahmen
Gegenstand des Vordergrundes sein, weßhalb sorgfältige Studien auch in
dieser Beziehung nothwendig sind. Dabei ist jedoch eine allzugenaue
und peinliche Nachahmung des Darzustellenden zu vermeiden, da hierdurch
die Breite starke Einbuße erleiden würde und man sich auch andererseits
sehr leicht an eine „+kleinliche+“ Manier zu gewöhnen Gefahr läuft,
weshalb man am besten auf breite Charakterisirung ausgeht. Der große
Reiz eines Vordergrundes liegt in feiner glanzvoller Farbe ohne
rohe Effekte, in Kraft ohne heftige Contraste, in einer schönen
Linienführung und in vollkommenem Anschluß an die anderen Theile des
Bildes.
Wiesen und Grasflächen in Mittel- und Vordergrund dürfen nicht mit
dicker Farbe behandelt, sondern müssen naß angelegt werden, zu welcher
Untermalung sich in vielen Fällen ~Gamboge~ mit ~Yellow Ochre~
eignet. Durch spätere Lasuren gibt man dann die geeigneten Töne in
kühnen Strichen und Lagen und mit nicht zu nasser Farbe. Indessen
empfiehlt es sich auch, die verschiedenen Farbentöne gleich Anfangs
naß ineinander zu malen. Zunächst betrachte man die Erhöhungen und
Senkungen des Terrains durch Eintragen der betreffenden Schatten, wobei
große Genauigkeit empfohlen werden muß. Sodann gibt man einzelnen
Stellen etwas mehr Detail, doch immer möglichst breit und lose, bis
in die nächste Nähe zum Erkennen der einzelnen Halme etc., deren
Darstellung ganz im Vordergrund oder an sonst passenden Stellen von
großer Wirksamkeit sein kann, wie z. B. am Ufer, vor Wasser etc.
etc. Größere Pflanzen lassen sich hier ebenfalls häufig mit Erfolg
verwenden. Auch durch Herausnehmen und entsprechende Lasuren lassen
sich einzelne Gräser etc. sehr getreu und präcise wiedergeben. Man
arbeite im Vordergrunde öfter mit der Seite des Pinsels, oder auch
mit flachem, etwas gespaltenem Pinsel und ziemlich trockener Farbe, so
daß mehrere Striche auf einmal gemacht werden können. Zufälligkeiten
in Form und Farbe lassen sich auch hier mit Geschick und Geschmack
verwerthen. Ueberhaupt ist der Vordergrund der Theil des Bildes, wo
man sich, nach Bewältigung der Technik, nicht selten dem Gefühl und
der Phantasie in Betreff der Gestaltung charakteristischer Formen
mit Erfolg hingeben kann. Hierbei ist jedoch darauf zu sehen, daß
man den Gegenständen die richtige perspektivische Größe gibt, da
Zuwiderhandlungen sehr schlimm wirken. Figuren und Staffage aller Art
kann man noch in letzter Stunde anbringen, wenn es wünschenswerth ist,
was in Stimmungsbildern indessen gewöhnlich +nicht+ der Fall ist.
Man zeichnet alsdann die Umrisse des betreffenden Gegenstandes mit
dickem ~Chinese White~, füllt sie aus und colorirt nach dem Trocknen
vorsichtig. Vieh etc. von kleineren Dimensionen -- größeres spart man
besser aus -- läßt sich auf diese Weise erfolgreich wiedergeben. Sehr
tiefe und dunkle Stellen des Vordergrundes erscheinen häufig nach
dem Trocknen der Farbe, besonders wenn man die Tiefe anstatt durch
viele und schwächere Aufträge, nur durch wenige mit concentrirterer
Farbe hergestellt hat, in sehr stumpfem Ton, oder aber zeigen solche
Stellen, wo sie Farbenunterschiede zeigen sollten, statt deren
ebenfalls stumpfes einfarbiges Colorit. Um die Farbe in solchen Fällen
zu erhöhen oder heraustreten zu lassen, hat man vorsichtiges Lasiren
solcher Stellen mit einer Lösung von arabischem Gummi empfohlen,
welchem Mittel ich jedoch nicht das Wort reden kann. Es bringt zwar
Glanz hervor und der beabsichtigte Zweck wird ebenfalls erreicht, aber
die Gummi-Lasur bildet zugleich einen glänzenden Fleck, welcher der
harmonischen Wirkung des Bildes erheblichen Eintrag thut. Professor
Schmidt empfiehlt für solche Fälle, den Finger mit sehr wenig Leinöl zu
befeuchten und solches sanft über die tiefste Stelle und deren nächste
Umgebung zu reiben, was mir geeigneter scheinen will. Ich habe noch
keine Gelegenheit gefunden, das Mittel anzuwenden, da ich vorziehe,
tiefe Stellen durch häufiges, mehr lasurartiges Uebergehen zu vertiefen
zu suchen, bei welcher Prozedur das beregte stumpfe Auftrocknen
nicht so leicht vorkommt. Im Allgemeinen zwar bietet der Vordergrund
Gelegenheit, die stärksten Drucker anzubringen, allein ich muß den
Lernenden doch darauf aufmerksam machen, daß im Ganzen genommen, die
Töne des +Mittelgrundes+ die größte Tiefe zeigen. Tiefe dunkle Stellen
halte man stets +warm+ im Ton, mische also nicht zu viel Blau hinein,
indem kalte dunkle Stellen höchst unerfreulich wirken und ein sonst
vielleicht gutes Bild schwer schädigen. Für Weiteres über Vordergrund
verweise ich noch auf die Kapitel über Wasser, Wege, Felsen etc. etc.
Ich werde nunmehr an einigen Beispielen die Technik zu erläutern
suchen, wiederhole aber zuvor nochmals, daß häufiges Malen nach
der Natur und zwar in den verschiedenen Jahreszeiten, Studien der
verschiedenen Bäume bei verschiedener Beleuchtung, besonders auch der
Stämme, mit aufmerksamer Behandlung der Aststellung, an welcher der
Kenner schon von fern den Baum erkennt, sowie möglichst ausgeführte
Studien von Vordergründen, behufs Erlangung einer brillanten Technik
und Emancipation von conventioneller Behandlung dringend nothwendig
sind. Ich betone nochmals die Beachtung der +äußeren Form+ der Bäume,
welche mit zu den wesentlichsten Bedingungen gehört, da wir bei
Beschauung der Natur von der äußeren Form in erster Linie berührt
werden. Wer das Ziel während einiger Zeit mit Ausdauer verfolgt, wird
die Schwierigkeiten rascher überwinden, als es zuerst möglich schien.