I.

Bäume in breiter Behandlung male man wie folgt:

Man lege die Localfarbe an und zwar ziemlich flüssig, übergehe damit

den ganzen Baum, sehe aber darauf, daß die zahlreichen Lichter zwischen

dem Laub, besonders in den äußeren Partien, möglichst ausgespart

bleiben. Man halte solche etwas größer, da sie sich später sehr leicht

verkleinern lassen, was mit hellen Tönen bewirkt sehr natürlich wirkt.

Ist dieser Auftrag trocken, so gibt man die Schatten mit einem weniger

flüssigen, entsprechenden Ton derselben Farben, welcher ebenfalls über

alle dunkleren Stellen gleichmäßig weggeführt wird und setzt dann mit

einem tieferen Ton und dickerer Farbe die dunkelsten Stellen ein. Ist

dies geschehen, so verbessert man, wo es nöthig erscheint, die äußere

Form durch etwas mehr Ausladung, hebt Lichter heraus, wo solche fehlen

oder verkleinert die zu groß gerathenen, worauf man das Astwerk etc. in

Behandlung nimmt. Kleine Aeste, welche sich +hell+ abheben, übergeht

man bei Anlage des Laubes und hebt sie später heraus.

Der Pinsel sei ein +flacher+, immer wohl gefüllt, ohne mit Farbe

überladen zu sein. Die äußere Form gibt man am besten scharf und

entschieden mit der Seite der Spitze desselben, besonders bei dünnem

Laub und ungewissen oder bewegten Formen, vermeide aber Farbenflecke.

Vor Anlage der Schatten kann man abwaschen, was jedoch in vielen Fällen

nicht nothwendig ist. Bei flüssiger Farbe hat man den Vortheil, daß die

Farbe nicht zu schnell trocknet und man sich an einer vielleicht etwas

schwierigeren Stelle nicht zu übereilen braucht, aus Furcht, daß die

Farbe an der Stelle wo man weiter zu malen hat, unterdessen auftrockne.

Handbuch der Aquarellmalerei Nach dem heutigen Standpunkte und mit vorzüglicher Anwendung auf Landschaft und Architektur nebst einem Anhange über Holzmalerei · 第 102 / 150 题