2. +Formen+ und Stellung der +Aeste+ und +Zweige+ und die +Winkel+
der Abzweigung.
3. Den Charakter des Stammes und die +Stelle der Verzweigung+ (ob
hoch oder nieder).
4. +Charakter+ und +Farbe+ der Rinde, ob zart oder rauh, in
horizontaler oder verticaler Lage abschälend, ob grau, braun,
röthlich etc. etc.
Das Skizziren eines Baumes besteht nun weder in ängstlicher Wiedergabe
der Blätter, noch des sonstigen Details, und würde ein derartiger
Versuch sich überhaupt als unausführbar erweisen. Es kommt vielmehr
lediglich auf Wiedergabe des +Totaleindrucks+ an. Eine große
Schwierigkeit liegt nun in der Darstellung der Idee des +Vielen+,
während wir nur die Masse geben. Feste, sichere Pinselführung, scharfe
Umrisse und was besonders betont werden muß -- +Wahrheit+ in +Licht+
und +Schatten+ gehören zu den unabweisbaren Erfordernissen. Kraft der
Farbe und der Contraste ist ebenfalls unerläßlich und hüte man sich,
namentlich bei größeren Laubmassen, in zu gleichmäßige und dann nicht
selten unerfreulich wirkende Färbung zu verfallen. Von Darstellung
der Blattformen ist selbst bei Bäumen des nächsten Vordergrundes
entschieden abzurathen und empfehle ich auch hier die breitere
Behandlung.
Das technische Verfahren ist ein sehr verschiedenes und es dürfte
kaum übertrieben sein, wenn ich sage, daß fast jeder Maler die Bäume
in anderer Weise behandelt. Während manche naß in naß arbeiten, malen
andere mit fast trockner Farbe und fächerartig auseinander gespreiztem
Pinsel.
Ich werde nunmehr die verschiedenen Darstellungsweisen näher erörtern.
Alle haben ihre Berechtigung und Manchem wird diese, Manchem jene
besser zusagen, wie nicht minder, je nach Art und Stimmung des Bildes,
häufig eine oder die andere Weise vorzugsweise angezeigt ist. Eine für
alle Fälle geltende Regel für die Darstellung so sehr im Charakter
verschiedener Gegenstände, wie Bäume, aufzustellen, würde nicht wohl
möglich sein.
Was die oben aufgeführten Farbentöne betrifft, unter welchen kein
in der Natur vorkommendes Colorit fehlen dürfte, so sind +alle+ vom
Lernenden zu prüfen (natürlich nur nach und nach), damit er die Farbe
beherrsche und im gegebenen Falle nicht ganz unpassend wähle. +Vorerst+
halte man sich an die gesperrt gedruckten Töne. Vieles Arbeiten nach
der Natur ist hier dringend geboten, um +Feinheit in der Farbe+ zu
erringen und ein guter Colorist zu werden. Auch im Winter kann der
Lernende, welcher die Anfangsgründe überwunden hat, sich durch Copiren
guter Oelstudien, in Technik sowohl wie in Farbe, sehr vervollkommnen.
Von den Mißerfolgen der ersten Versuche lasse sich Niemand abschrecken;
denn einigermaßen +befriedigende+ Leistungen erfordern schon längere
Uebung und Gewandtheit. Vor Allem hüte man sich zu +grün+ zu malen,
in welchen Fehler Anfänger zu verfallen sehr geneigt sind, sondern
beachte, daß unter gewöhnlichen Verhältnissen, und von Nadelholz
abgesehen, im Grün das +Gelb+ in der Regel vorherrscht und daß
andererseits fast alles Grün in der Farbe +gebrochen+ ist, also Zusatz
von Braun oder Roth bedarf. Die Bleistiftzeichnung skizzire +leicht+
die äußere Form, die Hauptabtheilungen des Laubwerkes, sowie Stämme und
Aeste. Vor Anlage der ersten Töne wasche man, wie früher bei Anlage der
Luft, ab, beginne aber nie mit der Anlage grüner Töne, bevor nicht die
Luft in allen Theilen vollendet ist.