V.

+Blauer Himmel, zur Linken eine Wolke mit weißem Rand und wärmeren

Schattentönen, nach der Mitte hin, welche mit zunehmender Tiefe kälter

werden.+

Luft: ~+Cobalt.+~ -- Wolke: ~+Cobalt+~ mit ~+Light Red+~.

Nachdem das Papier selbstverständlich genäßt und hierauf mit

Löschpapier behandelt worden ist, übergeht man das Blau mit nicht

zu vollem Pinsel mit ~Cobalt~. Man gebe mit der +Seite+ des Pinsels

und der +Seite der Spitze+ desselben die Grenze der Wolke +scharf+

und +entschieden+, da die Brillianz und der Charakter des Lichts

hiervon abhängig ist. Deßhalb halte man in solchen Fällen sich nicht

zu ängstlich an die genaue Form der Wolke, sondern lasse dem Pinsel

einen gewissen Grad von Freiheit, da es besser ist, eine nicht absolut

genaue Form der Wolke zu geben, als Kraft und Schärfe zu opfern.

Bei Darstellung von einzelnem Gewölk bei heiterer Luft beachte man

überhaupt als allgemeine Regel niemals die Ränder der Wolken zu

verwaschen, wenigstens nicht an den oberen Grenzen, da der zarte

Effekt immerhin eine gewisse Entschiedenheit zeigen muß. Man hüte sich

jedoch, nicht zu wenig Farbe im Pinsel zu führen. Das richtige Maß wird

sich nach einigen Versuchen von selbst ergeben. -- Ist dieser Auftrag

trocken, so übergehe man mit Wasser etc. und setze dann in der Nähe der

oberen Ränder der Wolke, welche mehr oder weniger breit bleiben können,

einen hellen Ton von ~Light Red~ mit etwas ~Cobalt~ ein, welchem man,

nach den inneren Partien und den tiefsten Schatten hin, immer mehr

~Cobalt~ zusetzt. Nach dem Trocknen verstärkt man die Schatten mit

~Cobalt~ und ~Light Red~ und die tiefsten Stellen mit ~Cobalt~ allein.

+Anmerkung.+ Bei heiterem Himmel mit vielen kleinen, weißen Wölkchen,

was bei windigem Wetter nicht selten beobachtet wird, gebe man das

Blau zwischen den Wölkchen mit nicht zu vollem Pinsel, mehr druckweise

und mit Strichen von der Seite abwechselnd, was sehr natürlich wirkt.

Bei derartigem Gewölk vermeide man ganz besonders gerundete Formen.

Gewölk dieser Art zeigt häufig nach der Mitte hin einen kalten grauen

Ton, welcher mit ~Cobalt~, ~Rose Madder~ und ~Yellow Ochre~ sehr

getreu wiedergegeben wird. Die Herstellung des entsprechenden grauen

Tones erfordert indessen einige Uebung, da er bei nicht richtigem

Mischungsverhältniß in’s Röthliche oder Grünliche fällt. Der Anfänger

nehme ~Cobalt~, setze ein wenig ~Rose Madder~ zu, bis der Ton in’s

Violette neigt und mische jetzt wenig ~Yellow Ochre~ zu, wodurch ein

feines Silbergrau entsteht. Feinheit in diesem Ton kann nur durch

Aufmerksamkeit und ein geübtes Auge hervorgebracht werden.

Handbuch der Aquarellmalerei Nach dem heutigen Standpunkte und mit vorzüglicher Anwendung auf Landschaft und Architektur nebst einem Anhange über Holzmalerei · 第 91 / 150 题