VI.

+Dunkle, rasch ziehende Gewitterwolke nach unten in röthlichen Tönen

und mit einzelnen vom Winde getriebenen, abgerissenen Fetzen auf

hellerem Grunde+, (etwa wie unter IV.)

Wolken: ~Indigo~ und ~Indian Red~. Luft: ~Cobalt~.

Man befeuchte das Papier und ehe die Nässe verdampft ist, übergehe man

dasselbe, mit Ausnahme der hellen Lichter, mit einem Ton von ~Indigo~

und ~Indian Red~ und setze zu gleicher Zeit in die helleren Stellen

der Luft für das durchscheinende Blau etwas ~Cobalt~ ein. Nachdem dies

getrocknet, übergeht man die Wolke abermals mit obigem Ton, setzt aber

nach dem unteren Rande hin mehr ~Indian Red~ zu, so daß man fast ganz

in Letzteres übergeht. Man hüte sich indessen vor einem Uebermaß, denn

~Indian Red~ ist eine +starke+ Farbe. Beim dritten Auftrag verstärkt

man den Ton der Wolke nochmals und zwar mit schiefen Strichen von Unten

links nach Oben rechts, um die Windrichtung zu erhalten. Den unteren

Rand halte man recht zerrissen, wozu eine rasche Hand und ein nicht zu

voller Pinsel erforderlich ist. Alle runden Formen sind zu meiden, da

durch solche der Eindruck des Windes verloren ginge. Hierauf setzt man

obiger Mischung etwas ~Cobalt~ zu und setzt damit einige Schatten in

das hellere Gewölk ein. Haben sich durch Anwendung zu flüssiger Töne

oder eines zu vollen Pinsels harte Linien gebildet, so kann man solche

durch Waschungen mit Wasser wieder entfernen, wodurch zugleich alle

etwaigen sonstigen Härten vermieden werden.

Darstellungen dieser Art sind nicht leicht und erfordern öftere Uebung,

um erfreuliche Wirkungen zu liefern.

* * * * *

Ich gehe nunmehr zu Lüften mit beträchtlicherer Farbenstimmung über.

Die natürliche Wiedergabe solcher, besonders der Sonnenuntergänge,

ist ziemlich schwierig und erfordert schon bedeutendes Geschick und

Studium. Der große Reiz einer farbenreichen Luft liegt zum größten

Theile in der Durchsichtigkeit der Töne, weßhalb zwischen den einzelnen

Farbenlagen Waschungen mit reinem Wasser unerläßlich sind. Bei Gemälden

dieser Art, welche größere Vollendung beanspruchen sollen, empfiehlt

es sich weiter, kein Löschpapier in Anwendung zu bringen, sondern

den zum weiteren Auftrag wünschenswerthen Zustand des Papieres ruhig

abzuwarten, da die zarten Töne Gefahr laufen, durch das Löschpapier,

zum Theil wenigstens, wieder weggenommen zu werden.

Handbuch der Aquarellmalerei Nach dem heutigen Standpunkte und mit vorzüglicher Anwendung auf Landschaft und Architektur nebst einem Anhange über Holzmalerei · 第 92 / 150 题