5. Pinselführung.

Die Art und Weise, wie man den Pinsel zu handhaben versteht, ist von

großer Wichtigkeit, da von einer sicheren, leichten Pinselführung,

besonders bei Behandlung des Details, häufig zum großen Theil die

Wirkung eines Gemäldes abhängig ist. Im Allgemeinen lege man die Hand

leicht auf, ohne jedoch die freie Bewegung des Handgelenkes und der

den Pinsel führenden Finger zu beeinträchtigen. Die ersten Töne lege

man stets kühn und mit einem Strich dem Umrisse entlang an, nicht mit

ängstlichem Vor- und Rückwärtsschleppen des Pinsels. Es muß auch schon

hier auf die Wichtigkeit der korrekten Zeichnung hingewiesen werden,

indem Mangel an Bestimmtheit in der Anlage der Töne in den meisten

Fällen aus der mangelhaften Zeichnung der Umrisse resultirt. Zu einer

wirksamen Pinselführung, besonders bei Behandlung größerer Laubmassen,

sowie in der Bedeckung größerer Flächen mit gleichmäßigem Ton, was in

nicht ganz geringen Dimensionen bei erster Anlage häufig nothwendig

ist, gehört ein gewisses Maß von Schnelligkeit und Gewandtheit, und

diese zu erlangen erfordert Uebung. Der Anfänger beherzige jedoch, daß

diese mechanischen Schwierigkeiten bei Aufmerksamkeit und Fleiß sehr

schnell zu überwinden sind. Bei erster Anlage von Tönen sehe man auch

besonders darauf, eine genügende Portion Farbe angerieben zu haben,

damit dieselbe nicht schon während der Arbeit aufgebraucht wird, man

den Pinsel stets füllen kann und die Farbe leicht fließt, denn hierauf

beruht die Reinheit der Töne. Man vermeide jedoch andrerseits den

Pinsel mit Farbe zu überfüllen, damit nicht Flecken entstehen. Farbe,

welche nicht flüssig ist, dringt nicht in das Papier ein, indessen

verwässere man nicht zu sehr, sondern verdünne nur so weit, als es

die nothwendige Stärke des Tones erfordert, wobei man beachte, daß

die Farben im Trocknen stets +heller+ werden. Bei Behandlung von

Detail ziehe man den gefüllten Pinsel vor der Anwendung etwas seitwärts

über ein zu diesem Zwecke bereit zu haltendes Papier, damit man eine

gute Spitze erhält.

Wichtig ist ferner noch, daß man den Pinsel stets in der Richtung

der Formen führe, also daß man z. B. eine aus horizontalen Brettern

bestehende Wand nicht etwa mit senkrechten Pinselstrichen anlege.

Der Anfänger mag vielleicht von seinen ersten Farbenaufträgen wenig

befriedigt sein, denn gleichmäßiger Auftrag und Ton, sowie geschicktes

Einhalten der Linien erfordern Uebung. Wiederholte Versuche werden

jedoch erkennen lassen, daß die Technik bei einigem Fleiße weniger

schwierig ist, als sie Manchem anfangs erscheinen mag.

Man werfe übrigens nie eine Skizze oder ein Bild weg, wie wenig

befriedigend die Arbeit auch zur Zeit erscheinen möge, indem manches

gar nicht so schlechte Werk auf diese Weise in momentaner übler Laune

vernichtet wird, was sehr häufig in der Zeit der ersten Studien nach

der Natur vorkommt. Ich habe dies vielfach an mir selbst erfahren und

Skizzen, von welchen ich anfangs sehr wenig erbaut zu sein Ursache zu

haben glaubte, wurden von Künstlern nicht selten als gelungen erachtet.

Ist man einer Arbeit überdrüssig, indem man solche für mißrathen hält,

so lege man sie auf längere Zeit aus den Augen. Betrachtet man sie

dann später einmal wieder, so sieht man sie in den meisten Fällen mit

anderen Augen an und findet nicht selten manches Schöne darin, was

veranlaßt, daran weiter zu arbeiten und dieselbe einem erwünschten

Ende zuzuführen. An Studien nach der Natur lasse man sich jedoch nicht

beikommen, etwa zu Hause angekommen, noch etwas +verbessern+ zu

wollen.

Handbuch der Aquarellmalerei Nach dem heutigen Standpunkte und mit vorzüglicher Anwendung auf Landschaft und Architektur nebst einem Anhange über Holzmalerei · 第 78 / 150 题