Die Art und Weise, wie man den Pinsel zu handhaben versteht, ist von
großer Wichtigkeit, da von einer sicheren, leichten Pinselführung,
besonders bei Behandlung des Details, häufig zum großen Theil die
Wirkung eines Gemäldes abhängig ist. Im Allgemeinen lege man die Hand
leicht auf, ohne jedoch die freie Bewegung des Handgelenkes und der
den Pinsel führenden Finger zu beeinträchtigen. Die ersten Töne lege
man stets kühn und mit einem Strich dem Umrisse entlang an, nicht mit
ängstlichem Vor- und Rückwärtsschleppen des Pinsels. Es muß auch schon
hier auf die Wichtigkeit der korrekten Zeichnung hingewiesen werden,
indem Mangel an Bestimmtheit in der Anlage der Töne in den meisten
Fällen aus der mangelhaften Zeichnung der Umrisse resultirt. Zu einer
wirksamen Pinselführung, besonders bei Behandlung größerer Laubmassen,
sowie in der Bedeckung größerer Flächen mit gleichmäßigem Ton, was in
nicht ganz geringen Dimensionen bei erster Anlage häufig nothwendig
ist, gehört ein gewisses Maß von Schnelligkeit und Gewandtheit, und
diese zu erlangen erfordert Uebung. Der Anfänger beherzige jedoch, daß
diese mechanischen Schwierigkeiten bei Aufmerksamkeit und Fleiß sehr
schnell zu überwinden sind. Bei erster Anlage von Tönen sehe man auch
besonders darauf, eine genügende Portion Farbe angerieben zu haben,
damit dieselbe nicht schon während der Arbeit aufgebraucht wird, man
den Pinsel stets füllen kann und die Farbe leicht fließt, denn hierauf
beruht die Reinheit der Töne. Man vermeide jedoch andrerseits den
Pinsel mit Farbe zu überfüllen, damit nicht Flecken entstehen. Farbe,
welche nicht flüssig ist, dringt nicht in das Papier ein, indessen
verwässere man nicht zu sehr, sondern verdünne nur so weit, als es
die nothwendige Stärke des Tones erfordert, wobei man beachte, daß
die Farben im Trocknen stets +heller+ werden. Bei Behandlung von
Detail ziehe man den gefüllten Pinsel vor der Anwendung etwas seitwärts
über ein zu diesem Zwecke bereit zu haltendes Papier, damit man eine
gute Spitze erhält.
Wichtig ist ferner noch, daß man den Pinsel stets in der Richtung
der Formen führe, also daß man z. B. eine aus horizontalen Brettern
bestehende Wand nicht etwa mit senkrechten Pinselstrichen anlege.
Der Anfänger mag vielleicht von seinen ersten Farbenaufträgen wenig
befriedigt sein, denn gleichmäßiger Auftrag und Ton, sowie geschicktes
Einhalten der Linien erfordern Uebung. Wiederholte Versuche werden
jedoch erkennen lassen, daß die Technik bei einigem Fleiße weniger
schwierig ist, als sie Manchem anfangs erscheinen mag.
Man werfe übrigens nie eine Skizze oder ein Bild weg, wie wenig
befriedigend die Arbeit auch zur Zeit erscheinen möge, indem manches
gar nicht so schlechte Werk auf diese Weise in momentaner übler Laune
vernichtet wird, was sehr häufig in der Zeit der ersten Studien nach
der Natur vorkommt. Ich habe dies vielfach an mir selbst erfahren und
Skizzen, von welchen ich anfangs sehr wenig erbaut zu sein Ursache zu
haben glaubte, wurden von Künstlern nicht selten als gelungen erachtet.
Ist man einer Arbeit überdrüssig, indem man solche für mißrathen hält,
so lege man sie auf längere Zeit aus den Augen. Betrachtet man sie
dann später einmal wieder, so sieht man sie in den meisten Fällen mit
anderen Augen an und findet nicht selten manches Schöne darin, was
veranlaßt, daran weiter zu arbeiten und dieselbe einem erwünschten
Ende zuzuführen. An Studien nach der Natur lasse man sich jedoch nicht
beikommen, etwa zu Hause angekommen, noch etwas +verbessern+ zu
wollen.