Nachdem das Papier aufgespannt worden, was ich beim Malen im Zimmer
unbedingt empfehle, und nachdem es absolut trocken geworden ist,
gilt es, das Darzustellende zu zeichnen. Die Zeichnung, welche sich
lediglich auf Umrisse ohne Schatten beschränkt, ist hierbei von solcher
Wichtigkeit, daß ich mich etwas umständlicher darüber zu verbreiten
für nothwendig erachte, umsomehr, als Manche oberflächlich darüber
hinwegeilen, in der Meinung, unter dem Malen würde sich alles finden
und manches Undeutliche oder Unrichtige ließe sich noch verbessern,
was aber in vielen Fällen zu Enttäuschungen führt. Eine korrekte
Zeichnung dagegen erspart vieles Unangenehme und läßt eine weit
sicherere Pinselführung zu, wodurch die Töne hell und klar bleiben.
Die Umrißlinien zeichne man leicht, aber doch immer so sorgfältig,
daß unbestimmte, vage Deutungen vermieden werden, sofern solche der
Gegenstand an und für sich nicht schon mit sich bringt. Wolken zeichne
man als sehr veränderliche Gegenstände nur äußerst leicht oder noch
besser gar nicht, sondern gebe sie erst mit dem Pinsel. Die Ferne,
Gebirg etc. ist ebenfalls nur leicht und zart zu geben, aber doch
korrekt und mit nicht zu geraden Strichen. Ferne Gegenstände zeichne
man stets nur in der allgemeinen Form, ohne Detail, wie z. B. bei
Gebirg die Silhouette genügt. Beim Zeichnen von Bäumen hat man sich
ebenfalls +bestimmter+ Umrißlinien zu enthalten und letztere sehr
flüchtig zu geben, da die Ausladungen, wie überhaupt die äußeren Formen
der Laubtheile eine eigenthümliche, durchaus freie, ungezwungene
Pinselführung erfordern, welche sich, ohne das Gemälde zu schädigen,
nicht an eine streng vorgeschriebene Linie binden läßt. Stämme und
Aeste, soweit solche sichtbar, wie Gegenstände des Vordergrundes
erfordern schon größere Berücksichtigung des Details. Besonders große
Aufmerksamkeit bedingen aber architektonische Entwürfe, namentlich die
Fenster, Thüren, Schornsteine, Giebel, sowie etwaige ornamentale Theile.
Stets vermeide man jedoch die Bleistiftstriche zu stark zu markiren;
auch reibe man nicht allzuviel mit Gummi, da ein zu starker Gebrauch
des letzteren die Textur des Papieres angreift.
Nachdem eine korrekte Zeichnung hergestellt ist, bereitet man in einem
nicht zu flachen Porzellannäpfchen einen flüssigen blassen Ton von
~Yellow Ochre~, welchem man etwas ~Brown Madder~ zusetzt. Von diesem
Ton, welcher eine schwache Orangefarbe besitzen muß, bereite man eine
hinreichende Quantität, nehme dann einen breiten, flachen Pinsel
und übergehe das ganze Bild mit diesem Ton. Das Brett bringe man in
geneigte Lage, damit die Farbe nach unten zu fließen geneigt ist, halte
den Pinsel stets gefüllt und führe solchen in leichten Strichen über
die Fläche.
Das Bild erhält diesen Unterton aus dem Grunde, weil das weiße
Papier in den hellsten Lichtern, besonders in denen der Luft, etwas
roh wirkt. Es bleibt aber zu beachten, daß obiger Ton nur für helle
Tagesbeleuchtung und sonnige Effekte geeignet ist, während bei
Abendbildern oder düsteren Stimmungen ~Brown Madder~ vorherrschen
muß. Statt der angegebenen Mischung lassen sich auch ebensogut ~Mars~
und ~Neutral Orange~ verwenden, welchem letzteren man für düstere
Stimmung etwas ~Brown Madder~ zusetzt. Nachdem dieser Ton vollständig
aufgetrocknet ist, ja nicht früher, übergeht man das Bild sanft mit
flachem Pinsel und reinem Wasser, wodurch alle nicht in das Papier
gedrungene Farbe entfernt wird. Man sehe darauf, daß dieser erste
Ton sich vom weißen Papier nur schwach abhebe, außer bei Darstellung
intensiv gefärbter Abendhimmel, wo er um mehrere Grade farbiger sein
darf, da ein zu starker Orangeton bei normaler Beleuchtung das Blau der
Luft vollständig zerstören würde. Häufigere Praxis wird indessen, wie
überall so auch hier, der beste Lehrmeister sein.
+Anmerkung.+ Beim Malen nach der Natur verliere man keine Zeit mit
Untermalen, wo es nicht gerade wünschenswerth oder unbedingt nöthig
erscheint, wie z. B. bei Abendhimmeln.