Lichter und hellere Gegenstände sind, wo es thunlich ist, am
besten auszusparen. Da dies jedoch nicht immer ohne Schädigung der
einheitlichen Behandlung des Colorits der Umgebung geschehen kann, so
müssen die Lichter in vielen Fällen ganz unbeachtet bleiben, übermalt
und später erst, gegen Beendigung der Arbeit hin, hergestellt werden.
Die nachträgliche Herstellung von Lichtern läßt sich auf dreierlei
Weise erreichen und zwar: 1) durch +Ausradiren+, 2) durch +Auswaschen+
mit Wasser und 3) durch +Aufsetzen+ mittelst des Chinesischen Weiß.
1. Der Gebrauch des Radirmessers, welches scharf sein muß, empfiehlt
sich besonders da, wo viele kleinere und glanzvolle Lichter verlangt
werden, wie z. B. auf Baumstämmen mit rauher Rinde, beim Schaume von
Wasserfällen oder dem Spritzen von Wellen, bei Vögeln vor dunkeln
Wolken, für Grashalme etc. Muß die radirte Stelle, was in der Regel der
Fall ist, nachträglich noch mit einem leichten Ton übergangen werden,
so reibe man zuvor mit +reinem+ Gummi -- nicht mit Radirgummi leicht
darüber weg, glätte alsdann mit dem Elfenbeinstiele des Messers oder
mit einem Falzbein, worauf das Papier die Farbe so gut annimmt, als sei
die Fläche nicht verletzt worden.
2. Eine andere in vielen Fällen noch empfehlenswerthere Manier
besteht darin, daß man die Stelle oder den Strich, welchen man von
der Farbe befreien will, mit reinem Wasser und nicht zu gefülltem
Pinsel übergeht (Stellen, welche ihre Farbe behalten sollen, dürfen
nicht berührt werden), ein wenig wartet, bis die Feuchtigkeit beinahe
aufgetrocknet ist und dann mit weichem Waschleder, oder Gummi, oder mit
fest um den Zeigefinger gewickeltem, zartem Löschpapier scharf darüber
wischt. Diese Prozedur erfordert indessen einige Uebung und man thut
wohl, sich erst an irgend welchen Farbenklecksen die erforderliche
Geschicklichkeit anzueignen. Helle, kleinere Gegenstände der Ferne,
Lichter auf Wasserflächen sowie Grashalme etc. im Vordergrunde lassen
sich sehr täuschend auf diese Weise wiedergeben.
3. Eine dritte Manier besteht im entsprechenden Auftrage von
Chinesischem Weiß, welches mit einem spitzen Pinsel in ziemlicher
Consistenz und mit entschiedenem Strich aufgetragen werden muß.
Dieses Verfahren ist besonders da zu empfehlen, wo auf dunklerem
Grunde +farbige+ Gegenstände aufgemalt werden sollen. Angenommen,
im Vordergrund sei ein Flußufer mit üppiger Vegetation und gelben,
sich von dem dunklerem Grunde abhebenden Irisblumen darzustellen, so
würde das Aussparen der Irisblüthen einerseits sehr zeitraubend sein,
andererseits aber der breiten Behandlung der grünen Blätterbüsche
entschieden Eintrag thun. In solchem Falle würde man daher besser diese
Blüthen erst bei Beendigung des Bildes mit Weiß aufsetzen und dieselben
nach dem Trocknen mit ~Indian Yellow~ oder ~Cadmium~ koloriren, womit
eine naturgetreue Wiedergabe erzielt würde. Nicht zu empfehlen wäre
aber, wenn man Gelb und Weiß zusammen mischen und die Blüthen in
+einem+ Auftrag geben wollte, was eine weit weniger glanzvolle Wirkung
zur Folge haben würde. Dasselbe Verfahren empfiehlt sich auch, wo nach
Vollendung eines Bildes einige kleine Figürchen als Staffage aufgesetzt
werden sollen, deren Aussparen ebenfalls in den meisten Fällen sehr
hinderlich sein würde. Hier wird die ganze Figur mit ~Chinese White~
dick aufgesetzt und nach dem Trocknen wie jede andere weiße Fläche
gemalt, mit dem Unterschiede jedoch, daß hier eine entschiedene
Pinselführung nothwendig ist, damit nicht durch zu vieles Stricheln und
Uebergehen der weiße Grund ausgearbeitet werde, was dann nichts weniger
als erfreulich wirken würde.
Welche von diesen drei Verfahrungsweisen man in einem gegebenen Falle
anwende, hängt einerseits von der Natur des Gegenstandes, andererseits
aber auch von dem Geschmack und der Geschicklichkeit des Darstellers
ab. Es ist jedoch stets im Auge zu behalten, daß man Lichter und
hellere Stellen größerer Dimensionen besser ausspart, wo nicht
erhebliche Hindernisse im Wege stehen. Würde z. B. das Gemälde einen
dunkelgrünlichen See darstellen und im Vordergrunde befänden sich in
Abständen einige hohe Bäume, deren Stämme vertikale, helle Streifen
über den See bildeten, so würde das Aussparen dieser Stämme die
nothwendige, gleichmäßige Behandlung der Wasserfläche fast unmöglich
machen. Man würde daher die Stämme unbeachtet lassen, solche mit allen
Wassertönen übergehen und erst nach Fertigstellung der Wasserfläche
dieselben nach dem unter 2) angegebenen Verfahren herauswischen, dann
mit den nothwendigen Tönen übermalen und fertig modelliren. Dasselbe
Verfahren wendet man auch an, wo es gilt, zu dunkel aufgetragene Töne
aufzuhellen, wobei man in der Regel nur nöthig hat, die betreffende
Stelle mehrmals mit reinem Wasser zu übergehen und solches dann
mit Löschpapier aufzutrocknen, worauf der Ton nach dem Trocknen
heller geworden sein wird. Sollte dies jedoch nicht genügt haben, so
wiederhole man diese Procedur und reibe nach dem Auftrocknen mit
Löschpapier die Stelle sanft mit etwas Brodkrume, doch nicht von zu
frischem Brod.
Im +Allgemeinen+ dürfte das Verfahren des Auswaschens noch am meisten
zu empfehlen sein und zwar vorzüglich aus dem Grunde, weil an Lichtern,
welche durch das Radirmesser oder mit Weiß hergestellt worden sind,
häufig nicht mehr viel zu ändern ist, ohne daß unerwünschte Wirkungen
hervorgerufen werden. Immerhin sei der Lernende nicht ängstlich, da man
Aengstlichkeit dem Bilde sofort ansieht und ein keckes Licht, selbst
wenn es nicht ganz korrekt ausgefallen sein sollte, immer noch besser
aussieht, als ein ganz korrektes, welches die Aengstlichkeit, unter
welcher es zu Stande gekommen ist, zur Schau trägt. Weiter ist noch
zu beherzigen, daß man, welches Verfahren man auch anwende, nie mit
dem Einsetzen von Lichtern beginne, bevor das Papier absolut trocken
geworden ist, indem das Bild andernfalls erheblich beschädigt würde.
Viele Lichteffekte, und nicht selten gerade die wirkungsvollsten, sind
indessen ganz zufällige Resultate, denn sehr häufig laufen die nassen
Töne in ganz unerwarteter Weise in einander und liefern Effekte, welche
vielleicht die beste Absicht des Malers nicht wohl in der erhaltenen
Weise erreicht hätte. Es kommt dies besonders häufig beim Malen nach
der Natur vor und zwar in Folge der Schnelligkeit, mit welcher man zu
arbeiten alsdann in der Regel gezwungen ist. Aus solchen Zufälligkeiten
Vortheil zu ziehen erfordert aber schon einen gewissen Grad von
Geschicklichkeit und Uebung wie nicht minder Geschmack und etwas
Phantasie.
Lichtstrahlen, wie sie nicht selten aus Oeffnungen zwischen Wolken
dem Auge erscheinen, lassen sich sehr vortheilhaft auf folgende Weise
darstellen. Man nimmt ein Stück starkes Papier mit gerade geschnittenem
Rand und legt es in der Richtung, welche die darzustellenden Strahlen
verfolgen, auf den Himmel. Hierauf übergeht man den Theil der Luft
längs des Papierstreifens mit einem breiten, flachen Pinsel und
reinem Wasser oder auch mit einem zarten Schwämmchen und trocknet mit
Löschpapier auf, was den gewünschten Effekt sehr naturgetreu wiedergibt.