Die besten Pinsel sind die englischen ~Sable brushes~. Sie sind
fest, sehr elastisch und behalten, selbst wenn vollständig gefüllt,
ihre feine Spitze. Da sie jedoch sehr theuer sind und die ihnen
nachgemachten zehnmal billigeren französischen und deutschen Pinsel
ganz dieselben Dienste leisten, so rathe ich zu letzteren, sowie zu den
elastischen Marderpinseln.
Die Pinsel wurden früher allgemein in Federkiele gefaßt, weßhalb in
England noch die verschiedenen Nummern nach den dazu verwendeten
Federkielen genannt werden und zwar die stärksten „~Eagle~“, hierauf
„~Swan~“ in fünf Größen, -- ~Extra large~, ~large~, ~middle~, ~small~
und ~Extra small~, -- dann „~Goose~“, „~Duck~“ und die kleinsten
„~Crow~“. Ein englischer „~Eagle~“ Zobelpinsel kostet beispielsweise
bei Winsor & Newton ℳ. 21. 60.
Angenehmer und haltbarer sind die neueren, nach Art der Oelpinsel, in
Blech gefaßten Pinsel mit langen Stielen, welche in denselben Größen
geliefert werden. Man hat solche auch flach gebunden, in welcher Form
sie für Laub, Gras und wo es auf entschieden scharfe oder eckige
Pinselführung ankommt, sehr zu empfehlen sind. Als billige Bezugsquelle
kann ich Schönfeld & Co. in Düsseldorf empfehlen.
Außerdem bedarf man zur ersten Befeuchtung des Papiers sowie zur
Anlage umfangreicherer Lüfte einen +großen+, +weichen+, etwa 20 bis 25
Millimeter +breiten+, +flachen+ in Blech gefaßten Pinsel (~Sky-brush~).
Die besten sind die aus Eichhörnchen-Haaren, welche unter dem Namen
„~camel-hair~“ gehen. Ihrer Weichheit wegen bedient man sich derselben
bei allen Waschungen mit reinem Wasser, da kleinere Pinsel hierzu nicht
ausreichen, sowie zum Uebergehen zu starker Töne.
Als größere Verwaschpinsel sind in den letzten Jahren die doppelten
in Blech gefaßten Pinsel allenthalben beliebt geworden, da man hier 2
Pinsel verschiedener Nummern an einem Stiele hat, was auch für sonstige
Zwecke Annehmlichkeit bieten kann. Zweckmäßige Combinationen bieten die
Nummern 8/6, 14/10, 16/12.
Die flachen, in der Oelmalerei dienenden Dachspinsel, lassen sich
ebenfalls in gewissen Fällen vortheilhaft verwenden, besonders wo dicke
Farbe von kräftigem, tiefem Ton aufgesetzt werden soll, da letztere
sich mit den gewöhnlichen, weicheren Pinseln nicht so effektvoll
auftragen läßt.
Von flachen wie runden Pinseln, deren Nummern von 1 bis 12 gehen
(Abbildungen in Schönfeld’s Katalog), schaffe man sich die Nummern
1 bis 7, von den runden auch noch mehrere stärkere an. Spezielle
Vorschriften betreffs Anwendung der einzelnen Nummern lassen sich
selbstverständlich nicht geben, doch werden folgende Angaben für die
Praxis genügen. Im Allgemeinen stehe die Größe des Pinsels stets
im Verhältniß der mit Farbe zu bedeckenden Fläche, damit weder
augenblicklicher Ueberschuß oder andererseits Mangel an Farbe dem
Auftragen Eintrag thue. Große Flächen erfordern daher große, kleinere
Flächen kleinere Pinsel; doch gewöhne man sich nicht an zu kleine, da
solche der anzustrebenden breiten Behandlung schaden und zu Tüftelei
verleiten. Für Schatten nehme man, sofern nicht größere Schattenpartien
zu behandeln sind, den Pinsel nicht zu stark, da dann der Ton leicht
zu voll gegeben oder der Rand des Schattens überschritten wird. Für
Bäume in Bildern mittlerer Größe eignen sich die flachen Pinsel 3 bis
5 und für architektonisches Detail, Umrißlinien, wie überhaupt zum
Zeichnen, Markiren und für die letzten Drucker die kleineren Nummern.
Chinesisches Weiß trage man mit der Spitze der kleinsten Pinsel auf.
Das Arbeiten mit den flachen Pinseln erfordert Uebung und eine
eigenthümliche Pinselführung, mehr mit der Seite und in Absätzen, d.
h. indem man nach jeder Berührung des Papiers den Pinsel wieder vom
Papiere wegnimmt.