Die besten Papiere sind die aus der Fabrik von Balston & Co. und zwar
diejenigen mit dem Wasserzeichen Whatmann, welche früher in Deutschland
mit diesem Zeichen nachgeahmt und als englisches Fabrikat verkauft
wurden. In Bezug auf Qualität sind die so bezeichneten Papiere indessen
sehr verschieden.
Die Güte des Papieres ist im Allgemeinen von seiner Schwere,
beziehungsweise von seiner Dicke abhängig; wichtiger für seine
Beurtheilung ist jedoch seine Textur oder das Korn seiner Oberfläche.
Je nach der Größe und Schwere der Bogen führen die Aquarellpapiere
verschiedene Namen, wie aus der Preisliste von Schönfeld & Co.
in Düsseldorf zu ersehen ist. Es sind dies von den schwächsten
Sorten beginnend ~Medium~, ~Royal~, ~Superroyal~, ~Imperial~,
~Double-Elephant~ und ~Antiquarian~, zwischen welchen meist noch
extradicke Zwischensorten eingeschaltet sind. Jede dieser Sorten ist
in drei verschiedenen Texturen zu haben: glatt, halbrauh und ganzrauh
(Torchon), wobei zu bemerken ist, daß, je schwerer das Papier, desto
rauher die Textur ist. Die glatten Sorten empfehle ich nicht. Man
wendet sie auch nur selten zu Gemälden an, da sie nicht die glanzvolle
Darstellung ermöglichen, welche aus der Anwendung rauheren Papiers
resultirt und etwas flache Bilder liefern. Sehr zu empfehlen ist
indessen das glatte Papier für kleinere, miniaturartige Darstellungen
mit vielem Detail, wozu sich das rauhe nicht eignet. Für gewöhnliche
Zwecke sollte die Oberfläche nicht zu rauh sein, jedoch hinreichende
Textur besitzen, da das Korn sehr wesentlich den Reiz der Luft im
Aquarell bedingt. Ich rathe daher dem Anfänger mit Royal zu beginnen,
halbrauh und Torchon, später zu Imperial überzugehen und nach einiger
Zeit das Papier zu benutzen, welches ihm am angenehmsten und für seine
Zwecke dienlichsten erscheint. Die starken, ganzrauhen Papiere sind nur
Geübteren zu empfehlen, da die Bewältigung des starken Kornes bereits
eine große Geschicklichkeit in der Technik voraussetzt, indem das Malen
darauf mit besonderen, in der groben Textur begründeten Hindernissen
verknüpft ist. Starkes rauhes Papier, Double Elephant oder Antiquarian
ist erwünscht für größere Werke mit farben- und wolkenreicher Luft,
welche vieles Waschen und gelegentliche Anwendung des Schwammes
erfordert. Immerhin sei man aber in Bezug auf die Textur vorsichtig
und beachte, daß zu grobes Korn bei ungeschickter Behandlung leicht
rohe Effekte liefert und Details auf demselben häufig nicht mit der
gewünschten Klarheit und Schärfe gegeben werden können. Rauhes Papier
ist übrigens vortrefflich für flüchtige Skizzen geeignet, da die durch
das bloße Korn hervorgebrachten glänzenden Lichter und Schatten die
Wirkung in besonders angenehmer Weise unterstützen und nicht selten
zufällige Formen liefern, welche mit Geschmack und Geschick sehr
erfolgreich zu verwerthen sind. Im Allgemeinen halte ich übrigens
Imperial sowohl für kecke Skizzen wie für durchgearbeitete Bilder
gleich geeignet und hinreichend, da es Luft und Ferne sehr wirksam
wiederzugeben gestattet.
Das grober gekörnte Papier verlangt eine kräftigere Behandlung,
begünstigt aber in hohem Grade die breite Malweise, da es geleckte,
kleinlich genaue Ausführung nicht zuläßt. Aus diesem Grunde wird es
daher auch von Allen gemieden, welche die Kunst lediglich in einer
gewissen +materiell+ technischen Vollendung zu erkennen vermeinen,
während der wahre Kunstkenner vor einem naturwahren, flott gemalten
Originalwerke gerade in den verschiedenen Rauhheiten und technischen
Zufälligkeiten den Stempel der Kunst erblickt. Der glatte Malgrund ist
denn auch mit sehr seltenen Ausnahmen von den besten Meistern aller
Schulen gemieden worden.
Harding ist ein recht gutes Papier, etwas weicher als Whatmann, scheint
mir aber die Waschungen mit dem Schwamm nicht so gut zu ertragen,
obwohl es fraglich ist, ob ich das +englische+ Fabrikat, welches sehr
gerühmt wird, erhalten habe. Das Creswick-Papier, welches ebenfalls mit
dem Wasserzeichen Whatmann versehen von Balston & Co. geliefert wird,
ist gelblich im Ton, stark gekörnt und fast noch besser als Whatmann.
Es ist zum Theil Nachahmung, als solche, -- ~Imitation Creswick~ --
vom ächten kaum zu unterscheiden. Als Curiosum sei hier auch erwähnt,
daß Winsor und Newton in London vor mehreren Jahren ein Aquarellpapier
unter dem Namen Griffin Antiquarian in den Handel gebracht haben,
welches von den englischen Malern sehr gerühmt wird, allein der Preis
desselben, ℳ. 7. 20. per Bogen schließt seine allgemeinere Anwendung
zur Zeit noch aus.
Vor der Anwendung anderer, nicht speziell für das Aquarell bestimmter
Papiere muß ich warnen. Zu stark geleimtes Papier läßt die Farbe nicht
gut fließen und breite Farbenanlagen lassen sich auf solchem nicht mit
der nothwendigen Leichtigkeit herstellen, während zu wenig geleimtes
Papier die Farbe begierig einsaugt und nach dem Trocknen der Farbe ein
mattes, todtes Ansehen verleiht. Das Aquarelliren ist an sich schon
schwierig genug, weßhalb man durch Anwendung unpassender Materialien
nicht die Schwierigkeiten noch vermehren sollte.
Schließlich sei noch bemerkt, daß das Aquarellpapier mit dem Alter
besser wird und die Farbe leichter annimmt.
Als zuverlässige Bezugsquelle für die oben angeführten verschiedenen
Papiere, wie für englisches Material überhaupt, kann ich F. Schönfeld
und Comp. in Düsseldorf, sowie F. A. C. Prestel in Frankfurt a/M.
empfehlen.