Achtzehnter Auftritt

Fiesco. Verrina. Bourgognino. Sacco. Calcagno.

Fiesco (unterbricht eine Pause des Erstaunens). Dachtet ihr, der

Löwe schliefe, weil er nicht brüllte? Waret ihr eitel genug, euch zu

überreden, daß ihr die Einzigen wäret, die Genuas Ketten fühlten? die

Einzigen, die sie zu zerreißen wünschten? Eh ihr sie nur fern

rasseln hörtet, hatte sie schon Fiesco zerbrochen. (Er öffnet die

Schatulle, nimmt ein Paket Briefe heraus, die er alle über die Tafel

spreitet.) Hier Soldaten von Parma--hier französisches Geld--hier

vier Galeeren vom Papst. Was fehlt noch, einen Tyrannen in seinem

Nest aufzujagen? Was wißt ihr noch zu erinnern? (Da sie alle

erstarrt schweigen, tritt er von der Tafel mit Selbstgefühl.)

Republikaner, ihr seid geschickter, Tyrannen zu verfluchen, als sie

in die Luft zu sprengen. (Alle, außer Verrina, werfen sich sprachlos

Fiesco zu Füßen.)

Verrina. Fiesco!--Mein Geist neigt sich vor dem deinigen--mein Knie

kann es nicht--Du bist ein großer Mensch!--aber--Steht auf, Genueser.

Fiesco. Ganz Genua ärgerte sich an dem Weichling Fiesco. Ganz Genua

fluchte über den verbuhlten Schurken Fiesco. Genueser! Genueser!

Meine Buhlerei hat den arglistigen Despoten betrogen, meine Tollheit

hat eurem Fürwitz meine gefährliche Weisheit verhüllt. In den

Windeln der Üppigkeit lag das erstaunliche Werk der Verschwörung

gewickelt. Genug. Genua kennt ich in euch. Mein ungeheuerster

Wunsch ist befriedigt.

Bourgognino (wirft sich unmuthig in einen Sessel). Bin ich denn gar

nichts mehr?

Fiesco. Aber laßt uns schleunig von Gedanken zu Thaten gehn. Alle

Maschinen sind gerichtet. Ich kann die Stadt von Land und Wasser

bestürmen. Rom, Frankreich und Parma bedecken mich. Der Adel ist

schwierig. Des Pöbels Herzen sind mein. Die Tyrannen hab' ich in

Schlummer gesungen. Die Republik ist zu einem Umgusse zeitig. Mit

dem Glück sind wir fertig. Nichts fehlt--Aber Verrina ist

nachdenkend?

Bourgognino. Geduld. Ich hab' ein Wörtchen, das ihn rascher

aufschrecken soll, als des jüngsten Tages Posaunenruf. (Er tritt zu

Verrina, ruft ihm bedeutend zu.) Vater, wach' auf! Deine Bertha

verzweifelt.

Verrina. Wer sprach das?--Zum Werk, Genueser!

Fiesco. Überlegt den Entwurf zur Vollstreckung. Über dem ernsten

Gespräch hat uns die Nacht überrascht. Genua liegt schlafen. Der

Tyrann fällt erschöpft von den Sünden des Tages nieder. Wachet für

beide!

Bourgognino. Eh wir scheiden, laßt uns den heldenmüthigen Bund durch

eine Umarmung beschwören. (Sie schließen mit verschränkten Armen

einen Kreis.) Hier wachsen Genuas fünf größte Herzen zusammen, Genuas

größtes Loos zu entscheiden. (Drücken sich inniger.) Wenn der Welten

Bau auseinander fällt und der Spruch des Gerichts auch die Bande des

Bluts, auch der Liebe zerschneidet, bleibt dieses fünffache

Heldenblatt ganz! (Treten auseinander.)

Verrina. Wann versammeln wir uns wieder?

Fiesco. Morgen Mittag will ich eure Meinungen sammeln.

Verrina. Morgen Mittag denn. Gute Nacht, Fiesco! Bourgognino, komm!

Du wirst etwas Seltsames hören. (Beide ab.)

Fiesco (zu den Andern). Geht ihr zu den Hinterthoren hinaus, daß

Dorias Spionen nichts merken. (Alle entfernen sich.)

Die Verschwörung des Fiesco zu Genua: Ein republikanisches Trauerspiel · 第 46 / 105 题