Neunzehnter Auftritt

Fiesco, der nachdenkend auf und nieder geht.

Welch ein Aufruhr in meiner Brust! welche heimliche Flucht der

Gedanken--Gleich verdächtigen Brüdern, die auf eine schwarze That

ausgehen, auf den Zehen schleichen und ihr flammroth Gesicht

furchtsam zu Boden schlagen, stehlen sich die üppigen Phantome an

meiner Seele vorbei--Haltet! haltet! Laßt mich euch ins Angesicht

leuchten--ein guter Gedanke stählet des Mannes Herz und zeigt sich

heldenmäßig dem Tage.--Ha! ich kenne euch!--das ist die Liverei des

ewigen Lügners--verschwindet! (Wieder Pause, darauf lebhafter.)

Republikaner Fiesco? Herzog Fiesco?--Gemach--Hier ist der gähe

Hinuntersturz, wo die Mark der Tugend sich schließt, sich scheiden

Himmel und Hölle--Eben hier haben Helden gestrauchelt, und Helden

sind gesunken, und die Welt belagert ihren Namen mit Flüchen--Eben

hier haben Helden gezweifelt, und Helden sind still gestanden und

Halbgötter geworden--(Rascher.) Daß sie mein sind, die Herzen von

Genua? Daß von meinen Händen dahin, dorthin sich gängeln läßt das

furchtbare Genua?--O über die schlaue Sünde, die einen Engel vor

jeden Teufel stellt--Unglückselige Schwungsucht! uralte Buhlerei!

Engel küßten an deinem Halse den Himmel hinweg, und der Tod sprang

aus deinem kreißenden Bauche--(Sich schaudernd schüttelnd.) Engel

fingst du mit Sirenentrillern von Unendlichkeit--Menschen angelst du

mit Gold, Weibern und Kronen! (Nach einer nachdenkenden Pause, fest.)

Ein Diadem erkämpfen ist groß. Es wegwerfen ist göttlich.

(Entschlossen.) Geh unter, Tyrann! Sei frei, Genua, und ich (sanft

geschmolzen) dein glücklichster Bürger!

Die Verschwörung des Fiesco zu Genua: Ein republikanisches Trauerspiel · 第 47 / 105 题