Da stand nun der greise Standesherr in silberweißem Haare inmitten

seiner geliebten Kinder. Außerhalb des Pavillons fielen, wie Myriaden

von Sternchen, die Schneeflocken zur Erde, und der Sturm löschte

die Fackeln aus. Dunkel deckte die heimathliche Flur und unter der

Herrschaft des Winters war sie erstarret; aber wie Blumen des Lenzes

blühten in dem Herzen der Versammelten herrliche Erinnerungen auf.

Es war eine jener Stunden in einem Familienleben gekommen, wo der

Freude, des Wiedersehens Macht den höchsten Lebensgenuß bringt, wo

die Lippe schweigt, aber das Auge thränt und in dem Herzen das Wort

ist: „Herr, wir sind zu geringe aller der Treue und Barmherzigkeit,

die du auch an uns gethan hast!“ -- Jener Punkt der Berge ist seitdem

der Familie immerdar eine heilige Stätte gewesen. Oft hat ihn in der

Erinnerung an seine Lieben der greise Standesherr erstiegen, dem nur

noch wenige Jahre seines Lebens zugemessen waren, oft sein Sohn, oft

dessen Tochter, die Erbin Muskaus. Der Zahn der Zeit hat bald an einem

Gebäude genagt, welches nur für einen seligen Augenblick errichtet

war. Mannigfache Gestalten bis zu seiner jetzigen hat seitdem der

Pavillon angenommen. Als sich dort der selige Archidiakonus Langner

des aus seiner Asche wieder emporsteigenden Muskaus, besonders seiner

wendischen Kirche freute, stand auf jenem Berge ein massives Häuschen

s. das Gedicht in d. actenmäß. Berichte &c. S. 49. --

Gleich als sorgte die Natur für die Stätten, welche Menschen einst

heilig waren, verbürgt diesem Punkte der Berge die herrliche Fernsicht,

die er besonders in den Frühstunden gewährt, eine Auszeichnung vor

allen andern. Im Süden sind Felder und Wiesen mit herrlichen, alten

Eichen. Sie werden vom Walde umschlossen, hinter welchem am fernen

Horizonte die blauen Häupter der Berge, die Landeskrone, Tafelfichte u.

a. emportauchen. Im Nordwesten lagert sich unermeßliches Waldgrün über

das Flachland, aus welchem sich hie und da einige Hügel mit Fichten

bewachsen erheben. Hinter uns wird der Blick durch den Wald wie durch

eine Mauer gehalten. Jenseit der Neiße aber sind die Bergabhänge, an

welche sich die Stadt lehnt, die Schluchten, das Bad, die Bergkirche,

das Plateau des Dorfes Berg. Doch am lohnendsten ist der Blick in

das Neißthal. Da ziehet die Neiße durch des Parkes Haine; da sind

Baumgruppen aufgethürmt, eine lieblicher, als die andere. Zwischen

ihnen tauchen die Gebäude des freundlichen Städtchens hervor, die

deutsche und wendische Kirche, das Rathhaus u. a. In den Vordergrund

des reichen Panoramas tritt das Schloß mit seinen Thürmen. Die dort

weilten, die längst entschlafen, feierten einst auf dieser anmuthigen

Höhe des Parks eine Stunde frohen Wiedersehens, und einen eigenen Reiz

hat des Hügels Gipfel wegen seiner herrlichen Fernsicht, eine Bedeutung

in der Geschichte der Familie der Reichsgrafen von Callenberg, denen

Jahrhunderte die Standesherrschaft gehörte.

_Anmerk._ Der Freiherr v. Diede st. 1807 als der Letzte seines

Geschlechtes. Vergl. über diese Familie Justi’s hessische

Denkwürdigkeiten II. 240-254. Die Höhe des Zapfenhäuschens erhebt

sich 452′ über den Spiegel der Nordsee. In dem Werke des Fürsten

„Andeutungen über Landschaftsgärtnerei“ heißt es: „Auf diesem

Punkte steht jetzt ein halbverfallener Pavillon, und befand sich in

ganz alten Zeiten, der Sage nach, ein Schloß oder Wartthurm, von

dem auch noch einige Rudera zertrümmerter Mauern und Keller übrig

sind, wie man deren auch in dem nahen Walde von Keula findet.“

Das Zapfenhäuschen, diese der Familie so liebe Stätte, ist später

zu dem Geburtstage der Standesherrin, am 9. November 1781 von

deren Gemahl, Herrmann v. Callenberg, in andrer Form und reicherem

Schmucke erneut worden.

XXI. Sonst und Jetzt.

Muskau mit seinen Umgebungen hat sich im Laufe der Zeit sehr verändert.

Die vorzüglichsten dieser Veränderungen und Umgestaltungen sollen

zeigen, wie das Sonst dem Jetzt gewichen.

Wahrscheinlich ist der Ort gleich anfänglich im Neißthale und zwar von

Slaven erbaut worden. Darauf führet der Name, welcher derselben Wurzel

entsprossen ist, wie der der alten heiligen Hauptstadt Rußlands. Die

Slaven berücksichtigten bei ihren Ortsbenennungen hauptsächlich das

Terrain. So wurde die an einem sumpfigen, moorigen Landstriche, an

einem Muzk, gegründete Ansiedlung Muzkow genannt. Weil aber die Wenden

Muskau Mužakow nennen, so hat sich die Meinung verbreitet, daß der

Name von dem ungewöhnlichen Augmentativ Mužak d. h. ein großer Mann,

herkomme, welche zu der Sage Veranlassung gegeben hat, daß einst um

Muskau ein Heldenvolk gewohnt und gegen die Feinde des deutschen Reichs

tapfer gestritten habe, s. Langner S. 11. Eine historische Fiction

ist das Referat A. Hoßmanns, daß sich um 300 n. Chr. ein römischer

Feldoberst Muskau mit seinen Mannen hier niedergelassen und die Stadt

erbaut habe.

Die Deutschen errichteten hier, wie anderwärts, eine Burgwarte, welche

zunächst dazu bestimmt war, ihre Herrschaft über den Gau zu befestigen

und die wohl auch später zur Schutzwehr in den Fehden, vielleicht

auch als Feste gegen die Feinde des Reiches gedient hat. In der Nähe

des also geschützten Ortes mochten sich Viele ansiedeln, und so mag

die Neustadt und die Schmelze entstanden sein. Wo aber das Schloß

ursprünglich gestanden hat, läßt sich nicht bestimmen. -- Wenn Langner

S. 12 behauptet, Muskau sei einst viel größer gewesen und habe sich

1½ Stunde weit über den Berg bis Keula hingezogen, so ist dies

wohl ebenso eine Dichtung, wie die Angabe Hoßmanns, daß der Ort durch

Heinrich I. Stadtrechte und die herrlichsten Privilegien erhalten habe.

Muskau ist erst den 29. September 1452 von Wenceslaus von Bieberstein

mit Stadtgerechtigkeit begnadet worden. Verz. oberl. Urk. I, 2. S.

69. Gleichwohl mochte sich schon früher unter der Obhut tüchtiger

Herren der Gegend, unter den Herren von Ileburg, Kittlitz, Penzig,

ein kräftiges Gemeindewesen entwickelt haben. Deshalb konnte Hoßmann

dichten, daß ein Probst von Muskau Folgendes an einen Markgrafen von

Oesterreich geschrieben habe: „In diesem Städtlein wird die Religion

mit sonderbarer Andacht auf die Nachkommen gepflanzet und täglich mit

Ernst geübt. Die Bürger allhier trachten nicht nach Ehren, sondern nach

dem gemeinen Nutzen, und wird von der Obrigkeit den Armen, wie den

Reichen Schutz gehalten, und ist in unserm Städtlein kein heimlicher

Haß bei den Menschen zu finden; man hütet sich auch allhier vor

kindischen Rathsherrn, sondern trachtet nach ehrbaren Personen &c.“

-- Nach dem astrologischen Aberglauben des Mittelalters standen die

Orte unter dem Einflusse gewisser Sternbilder. Ueber Muskau sollen

der Mercur und die Jungfrau ihre Macht ausgeübt haben, was Hoßmann

auch gar nicht zweifelhaft findet, denn die Bewohner der Stadt haben

sich von je her durch ihre Geschicklichkeit ausgezeichnet; auch ist

ihnen eine jungfräuliche Schamhaftigkeit eigen gewesen; dazu haben sie

feine ~ingenia~ besessen, wie sich ja auch Viele in Künsten und

Wissenschaften hervorgethan haben. -- Nach dem Chronisten ist also

Muskau und seine Umgegend nie ein Böotien der Lausitz gewesen. --

Wie die Herren von Bieberstein, sorgten später die Herren von

Schönaich für die Stadt. -- Fabian von Schönaich, derselbe, welcher

in der Schlacht bei Mühlberg am 24. April 1547 den Herzog Ernst von

Braunschweig-Lüneburg gefangen nahm, ließ 1564 die 1502 aus Zimmerholz

in der Leschzina, nicht weit von der Neißbrücke, erbaute Kapelle

abbrechen und auf dem neuen Kirchhofe vorm Thore am Wege nach Forst

wieder aufsetzen. Dieser Kirchhof ist zuvor des alten Paul Tharin Acker

gewesen und 1550 eingeweiht worden. Die hölzernen Wände des Kirchleins

wichen 1595 soliden Mauern, seinen jetzigen, und 1662 bekam es ein

neues Sparrwerk. In der Begräbnißkirche wurden 1812 die typhuskranken

Franzosen untergebracht; 1855 ließ sie der jetzige Standesherr zu einer

Zierde der Stadt und des Parkes renoviren. Auf Fabians von Schönaich

Anordnung wurde auch 1555 die Bergkirche im Innern renovirt, deren

Dach den 23. Nov. 1660 durch einen fürchterlichen Orkan abgerissen

wurde. 1555 fing man auch an die Neugasse aufzuführen. In demselben

Jahre hat auch Fabian v. Schönaich „die Mühle auf der Neiße“ bauen

lassen; 1603 ist diese Mühle aufs Neue gebaut worden, 1666 abermals

vom Grund aus durch den Landvoigt, 1785 ist sie wiederum erneuert

worden, und 1787, wie öfters, das Wehr bei derselben. 1556 hat Fabian

v. Schönaich die Papiermühle auf der Stelle aufführen lassen, wo die

Niedermühle gestanden hatte. Die andere Papiermühle bei Podrosche an

der Neiße war von dem Burggrafen K. Christoph zu Dohna 1612 erbaut

worden. -- Durch die Burggrafen zu Dohna wurde der Stadt die schöne,

neue deutsche Kirche, welche den 19. Mai 1622 eingeweiht ward. -- Von

dem, was der Landvoigt von Callenberg für die Stadt gethan hat, sagt

Crusius Anm. z. V. 169 „Wer Muskau vor etwa 20 Jahren gesehen, wie es

durch den Krieg und Brand zugerichtet gewesen, und sieht es jetzo, wie

es, Gott Lob! wieder -- ob zwar nicht prächtig -- angebaut und bewohnet

ist, der wird traun bekennen müssen, daß S. Hoch-Freiherrl. Gnaden

diesen Ort, ja die ganze Herrschaft, trefflich gebessert haben“. In

dem dreißigjährigen Kriege hatte Muskau viel gelitten. Im September

1631 lag der kaiserliche General-Feldmarschall von Teuffenbach mit

seinem Corps in der Herrschaft, und die Dörfer Weißkeissel, Neudorf,

Werdig, Gablenz und Mühlrose gingen in Flammen auf; 1632 starben in der

Stadt allein 367 Personen; 1633 den 8., 11. u. 12. Octbr. plünderten

die Kroaten und mißhandelten die Bewohner der Stadt; den 26., 27. u.

28. Octbr. stand Wallenstein mit seiner Armee in der Herrschaft; 1634

den 24. Sept. wurde die Stadt in Brand gesteckt. Am ärgsten wurde die

Herrschaft 1637 von dem kaiserlichen und kursächsischen Kriegsvolke vom

2.-18. Mai geplündert. Damals war auch der fürchterliche Waldbrand.

1639 kam eine große Theurung, und Muskau ist in jenen Zeiten schwer

heimgesucht worden. -- Die Zahl der Bürger hatte im Kriege bedeutend

abgenommen. Callenberg nahm viele Fremde, besonders aber die, welche

unter ihm gefochten hatten, in die Stadt auf. So berief er auch

1646 den ~M.~ J. Stöckerus, welcher 1630 Feldprediger bei der

sächsischen Armee war und dann resignirte, von Eisleben als Pastor

und Inspector nach Muskau, einen um die Kirchen der Herrschaft

hochverdienten Mann. Von der Weisheit und dem Ernste der Verordnungen

des Landvoigts zeigt u. A. seine Polizei-Ordnung ~d. a.~ 1647. --

Damals hob sich besonders das Alaunwerk, die Töpferei und Brauerei. Das

Muskauer Bier war von vorzüglicher Güte und sehr gesucht. Crusius Anm.

z. V. 199 sagt: „Das hiesige Bier ist an Farbe weißlicht, an Geschmack

lieblich, giebt gute subtile Spiritus und mehret die naturlich Wärme

und ist gesund und nähret wohl.“ In V. 70 heißt es:

„Man pflegt schon manche Zeit ein Sprüchwort hie zu sagen:

Das Schloß, die neue Kirch’ und dann das weiße Bier,

Das sind -- und ist gewiß -- o Muskau, deine Zier.“ --

Das Schloß wurde den 7. April 1643, am Osterdienstage, von den Schweden

in Brand gesteckt, so daß es zum Steinhaufen ward. Durch den Landvoigt

war es so prächtig restaurirt worden, daß Crusius V. 105 sagt:

„Und wenn ich Alles noch im Schlosse sollt’ erzählen,

An Worten würd’ es mir eh’ als an Sachen fehlen,

Die werth zu sehen sind.“ --

Die Decken der Zimmer waren von welscher Künstler Hand durch

historische Plafonds geziert; auch zeigte das Schloß: „Wie hoch die

Bildekunst im schweren Gypse steigt“. Schöne Stuckatur-Arbeit schmückt

auch die deutsche Kirche, s. Crusius Anm. z. V. 555. -- In einem der

Thürme des Schlosses war die Wasserkunst. Das Wasser wurde vom Berge

durch das Thal bis in eine Grotte in dem obersten Gemache des Thurmes

durch verborgene Röhren geleitet.

„Da spritzt und rieselt es und stürmet hin und wieder,

Bald hie, bald da, bald dort, durch unterschiedne Glieder

Der Wasserweiberlein, der Kinder und der Thier,

Bald rauschet anderswo ein neuer Strom herfür,

Daß, wer zugegen ist, nicht anders wird vermeinen,

Als ob an solchem Ort könnt’ keine Sonne scheinen,

Bis daß der trübe Sturm und Regen sei vorbei;

Und dieser Wasserguß, der wird auf mancherlei,

Und unterschiedne Art vom Meister nach Belieben

-- Der sich verborgen hält -- geleitet und getrieben.

Da sind viel Seegewächs’ und Muscheln schön versetzt,

Daran sich sonderlich des Menschen Aug’ ergötzt.“

Ehe der Landvoigt das zerstörte Schloß wieder aufbaute, ließ er 1646

die deutsche Kirche in- und auswendig renoviren, das Ziegeldach

ergänzen und den Thurm zieren. Folgendes Distichon an der Kirche

oben unterm Dach, nach der Neustadt zu, pries diese Verbesserung des

Gotteshauses:

~Extra quod fulget dat Callenbergicus heros~;

~Lucis at interius spiritus acta probat~.

Die Zier von außen giebt der Held von Callenberg;

Inwendig aber prüft der Geist des Lichtes Werk.

Das Obertheil des Thurmes war anfänglich von Holz, mit Ziegeln

ausgesetzt; 1646 wurde es gemauert und der mit Dachziegeln belegte

Schurz wich „einem luftigen Umgange.“ Nach dem Brande 1766 erhielt der

Thurm seine jetzige Gestalt. Das goldene Kreuz desselben hat die selige

Frau Fürstin Pückler errichten lassen, als ihr Gemahl glücklich von

seinen weiten Reisen im Oriente zurückgekehrt war. Obwohl schon auf dem

Rathhausthurme eine Schlaguhr war, hat doch der Landvoigt 1646 auch für

den Kirchthurm eine solche weit größere verfertigen lassen mit zwei

Seigerglocken unter der Haube und drei großen, schönen Spurtafeln --

gemalt von Gottfried Ulrich zu Görlitz. --

Muskau ist oft von zwei Elementen verheert worden, vom Feuer und

Wasser. Die Neiße in ihrem starken Falle schwillt bisweilen in dem

engen Thale zu einer beträchtlichen Höhe an. Den 15. Juni 1804 um

Mitternacht ergossen sich ihre Fluthen urplötzlich über das ganze

Neißthal. Felder und Wiesen wurden übersandet, es ertrank viel Vieh,

und selbst die Brücke vor dem Amthause ward zertrümmert. Hie und da

hatten sich Menschen, von den Fluthen überrascht, auf Bäume gerettet,

und der Fluß wühlte Löcher zwölf Ellen tief. -- 1703 den 2. u. 3. Aug.

ward das Wasser so groß, daß Einige fürchteten, es käme eine zweite

Sündfluth. Andere verheerende Ueberschwemmungen waren: den 12. Juli u.

30. März 1613, den 14. Jan. 1611, den 18. Aug. 1595, den 5. Juli 1593,

besonders 1583, Montag nach Palmarum. Starke Dämme wehren jetzt dem

Elemente, wenn es sich empört. Die Schleuse unweit der Brücke ist 1856

aus Stein aufgeführt worden.

Mehr noch als durch die Fluthen hat Muskau durch die Flammen gelitten.

In der waldreichen Gegend mochte man das Holz bei Bauten nicht gespart

haben. 1532 am Ostermontage brannte das ganze Städtlein nieder, 1598

am Sonntage Exaudi 16 Scheunen beim Kirchhofe. Das Feuer am 30. Mai

1603 zerstörte 50 Häuser und 20 Scheunen. 1634 den 24. Sept. wurde von

den Soldaten in einem Gehöfte am Markte Feuer angelegt, welches die

Stadt bis nahe an die neue Kirche sammt Pfarr- und Schulgebäuden und

der wendischen Kirche vernichtete. Am 1. Advent 1686 rief Feuerlärm

die Gemeinde aus dem Gotteshause, und es sanken wieder 27 Häuser, die

wendische Kirche und die Schulen in Asche. -- Der fürchterlichste

Brand war am 2. April 1766. Die Flammen brachen in einem Hause vor

dem Schmelzthore aus. Der Wind trieb sie der innern Stadt zu. Bald

war Muskau mit seinen öffentlichen und Privatgebäuden ein Schutt-

und Aschen-Haufen. Die meisten, jetzigen Häuser Muskaus sind bald

nach jenem Brande gebaut worden. Daß aber der Ort ein so nettes,

freundliches Städtchen geworden ist, ist ein Verdienst der Grafen

Johann und Herrmann von Callenberg. Sie standen den Bürgern mit Rath

und That bei. Lang. S. 52. Den Abgebrannten wurde die kurfürstliche

Baubegnadigung, nach welcher jeder, der nach dem Reglement baute, 15

Thlr. auf’s Hundert vergütet bekam. Herrmann von Callenberg hat selbst

sieben ganz neue Häuser erbauen lassen. Lang. S. 20.

Es giebt ein Bild, welches Muskau vor dem Brande, im Jahre 1742

darstellt. Die Stadt ist von einem Punkte jenseit der Neiße, unweit der

Brücke aufgenommen. Schritt man über jene Brücke, so stieß man zunächst

auf die Neißschenke. Zwischen dem Wege von da nach der Stadt und der

Straße, welche von dem Amtshause her nach der Neißmühle führte, dehnten

sich Wiesen und Aecker aus. Ueber der Stadt und einigen Terassengärten

der Bürger präsentirte sich das Dorf Berg auf dem Höhenzuge mit der

alten Kapelle und dem herrschaftlichen Vorwerke, welches jetzt auf

ein Gebäude reduzirt ist. Eins der größten Häuser der Neustadt war

die Forstmeister-Wohnung. Das Schießhaus mit seiner Schußlinie in

den Schluchten war damals am Ende der Schmelze. Es wurde später auf

einer Anhöhe auf der nordwestlichen Seite der Stadt aufgeführt und

nachdem es daselbst vom Feuer zerstört worden war, hat es unter dem

jetzigen Herrn der Herrschaft seine gegenwärtige Gestaltung erhalten,

in welcher es, von den Höhen jenseit der Neiße gesehen, in seiner

Laubholz-Umgebung ein freundliches Bild gewährt. Der Thurm hat auf

jenem Bilde der Stadt im Jahre 1742 noch sein Obertheil mit Haube und

Spitze. Die Superintendentur brannte 1634, dann 1766 nieder und war

1775 wieder aufgeführt; das Archidiaconat, dessen Baukosten sich auf

1200 Thlr. beliefen, konnte erst 1803 vollendet werden. Die Schule

stand einst seitwärts der Kaplanei. 1785 kaufte die Bürgerschaft

ein Paar von der Herrschaft am Kirchhofe auf dem Burglehn erbaute

Häuser und richtete dieselben zur Schule und Wohnung des Rectors und

Kantors ein. Die wendische oder St. Andreas-Kirche ist öfters ab- und

ausgebrannt. 1754 hatte sie der Graf Johann Alexander von Callenberg

auf ihrem alten Grunde wieder aufführen lassen. Nach dem Brande 1766

sollte das neue Gotteshaus nach dem Willen Herrmanns von Callenberg,

des Erbauers desselben, dem Rathhause gegenüber zu stehen kommen; aber

die Wenden wollten nicht weichen von der alten Stätte ihres Tempels.

Den 4. April 1781 wurde der Grundstein der Kirche gelegt, und am 27.

November 1788 wurde sie feierlich eingeweiht. Der Riß des Gebäudes so

wie des Frontons mit seinen vier dorischen Säulen ist von dem Grafen

selbst entworfen worden, und das C. im sächsischen Rautenkranze der

Kuppel erinnert an den, dessen Freude der Bau dieser Kirche war und der

in ihr ruht. Das Rathhaus wurde 1556 gebaut. Erst den 29. September

1826 war es nach dem Brande wieder hergestellt. An diesem Tage Morgens

6 Uhr schlug die Uhr auf dem Thurme desselben zum ersten Male, und

alsbald tönte der Choral: Nun danket Alle Gott &c. Eine Erinnerung an

ein eingegangenes, einst blühendes Gewerk war das Gewandhaus neben

dem Rathhause. Lang. S. 21. Die Thore der Stadt, das Köbelner und

das Schmelzthor, sind verschwunden. In der Mitte des Marktes war

nach dem Brande eine Barriere, an welcher Kastanienbäume standen. --

1799 zählte Muskau 191 Häuser, unter welchen 12 Burglehnhäuser und

96 brauberechtigte waren, und 1330 Einwohner, meist evangelische; s.

Merkel Erdbeschreibung von Kursachsen VI., 74. Nach der statistischen

Tabelle von 1856 hat der Ort 248 Wohnhäuser und über 2300 Einwohner. --

Wir wenden uns von der Stadt noch einmal zu dem Schlosse mit seinen

früheren Umgebungen. Das Schloß bestand schon vordem aus einem

~Corps de Logis~ und zwei Flügeln. Es war ringsum von einem tiefen

Graben umgeben, über welchen von Osten her eine Zugbrücke, eine

andere von Süden her in dasselbe führte. Um die Gräben zog sich der

mit Fruchtbäumen besetzte Wallgang. Nördlich vom Schlosse standen

Gartenhäuser und ein Stück weiter das Fasanenhaus. Südlich vom Schlosse

war das Amthaus mit dem Zobelsteine, das Wagenhaus, der Marstall, das

neue Haus, das Schloßvorwerk mit den Scheunen, das neue Brauhaus.

Dann folgten links davon die Gärtnerwohnung, das Waschhaus und andere

Gebäude, welche die Straße zur Neißmühle bildeten. Noch stehet das

Amthaus, ein uraltes Gebäude. Dort, vor demselben, wollte einst

der Fürst dem sagenhaften Ahnherrn seines Geschlechtes, dem treuen

Rüdiger von Pechlarn, jenem tapfern Recken des Nibelungenliedes, eine

Reiterstatue weihen. -- In der Nähe des Schlosses waren herrschaftliche

Gärten. Unter den Anlagen sind zu nennen: die Lindenallee, von welcher

noch einige herrliche Bäume übrig sind, der Kirchdamm, der Mühlendamm,

der Clementinengang, welcher vom sel. Superint. Vogel in einer eigenen,

kleinen Schrift beschrieben ist, und die seit 1784 an den Bergen

angelegten Promenaden.

* * * * *

So war einst Muskau und seine Umgebung, als der Fürst seine Schöpfungen

begann. Das Gebiet, welches ihm zum Canevas dienen sollte, hat er

selbst in seinem Werke „Andeutungen über Landschaftsgärtnerei“ näher

beschrieben. Es bot ihm manchen Vortheil bei seinem Unternehmen.

Dahin gehört der malerische Wurf des Bodens, der Wechsel von Berg

und Thal, der schöne Fluß, die Fernsicht auf die schlesischen und

oberlausitzischen Gebirge, das Vorhandensein vieler alter, prächtiger

Bäume, namentlich von Eichen und Linden. Doch größer waren die zu

überwindenden Schwierigkeiten. Es mußten mehr als 2000 Morgen Landes

bisweilen für den drei- bis sechsfachen Werth der Grundstücke angekauft

werden, und der sterile Boden, der namentlich in der Nähe des Schlosses

aus Sand und eisenhartem Lehm bestand, war erst auf mancherlei Weise

fruchtbar zu machen. Ein großes Hinderniß des Werkes waren die alten,

beengenden Gebäude in der Nähe des Schlosses. Sie wurden sammt der

Straße, welche zur Neißmühle führte, cassirt, und der einmal gefaßte

Plan consequent und ohne Rücksicht durchgeführt. Das Wort des Dichters:

Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit,

Und neues Leben blüht aus den Ruinen,

sollte auch hier Wahrheit werden.

Nachdem der Plan des Ganzen einmal fest stand, wurde das Werk seinen

Hauptpartien nach fast gleichzeitig in Angriff genommen, dann folgte

die Ausführung des Details. Der Park von Muskau ist kein Conglomerat

einzelner, schöner Parthien; er ist ein einheitsvolles, harmonisches

Ganze, und wie jede Gruppe desselben mit ihrer nächsten Umgebung

meisterhaft vermittelt ist, so findet auch dieses Verhältniß zwischen

den Haupttheilen des Parkes statt. Aber gerade in dieser Harmonie

und Ruhe des Ganzen, so wie darin, daß die lokalen und historischen

Voraussetzungen auf’s Beste benutzt und das Gegebene bereichert wurde,

besteht der erhabene und ausgezeichnete Charakter der Schöpfungen

des Fürsten. Sein Park ist eine Verklärung der heimathlichen Flur.

-- Es ist bewunderswerth, was hierin geleistet worden ist! Ja könnte

das Sonst das Jetzt schauen, es würde kaum in ihm seinen blühenden

Nachkommen erkennen! Da sind öde Sandflächen verschwunden und mit

herrlichen Rasenteppichen überkleidet worden; da sind bodenlose

Sümpfe ausgetrocknet und in liebliche Anlagen verwandelt worden; da

hat sich um das Schloß der glatte, klare Wasserspiegel eines Sees

mit seinen Buchten und Inseln gelegt, und wird das Wasser desselben

abgelassen, so tauchen, wie Erinnerungen aus der Vergangenheit, die

Grundmauern abgetragener Gebäude aus der Tiefe empor; da sind über

den zugefüllten Schloßgräben prächtige Blumenstücke in deren einem,

wie sonst das H, jetzt das F in den frischesten, glühendsten Farben

der Blüthen gezeichnet ist; da sind überall herrliche Baumgruppen

geschaffen, Wege und Gänge in schönen Windungen angelegt, Abgründe

und Schluchten überbrückt, selbst die Häuser eines nahen Dorfes über

die Neiße versetzt worden, da ist ein Pflanzen, ein Arbeiten, ein

Ringen nach einem erhabenen Urbilde gewesen. Hunderte von Arbeitern

hiesiger Gegend haben sich gemüht ob des Werkes Gelingen; über enormen

Summen, einer erhabenen Idee zum Opfer gebracht, hat sich die Pracht

und Schönheit entfaltet, die Schloß und Stadt umgiebt; Viele, welche

an dem Kunstwerke arbeiteten, die sich seines Fortganges freuten, sind

schlafen gegangen, und unter ihnen der Ehrenmann, der Jahre lang,

unter mancher Schwierigkeit, des Meisters Pläne treu und mit vielem

technischem Talent ausführte[C]; noch ist es dem Fürsten vergönnt, im

hohen Alter, wie einst hier, so anderwärts, öden Strecken der Lausitz

die höchste Schönheit und Verklärung zu bringen. --

Sagen und Bilder aus Muskau und dem Park · 第 6 / 7 段