freundliche Städtchen, das Schloß. Er bildet ein harmonisches,
erhabenes Ganze; er ist eine Objectivirung dessen, was ein reiches
Gemüth, einen genialen, kräftigen Geist erfüllte, in und durch
die Landschaft; er ist ein grünes, blühendes Denkmal des Fürsten,
herrlicher als die in Stein und Erz. -- Und er gleichet einem jener
klassischen Musikwerke, in welchem sich der eine Grundton, die eine
Grundmelodie in den verschiedensten Wendungen und Schattirungen aus
einander legt und dennoch in jeder mächtig das Herz erhebt; er gleichet
in seiner Einheit und reichen Mannigfaltigkeit einem herrlichen,
mächtigen _Dithyrambos der Alten_, der scheinbar regellos, dennoch in
seinen Theilen ein und dieselbe Macht wiederspiegelt, die glühendste
Begeisterung für die Natur und ihre Schönheit; er gleichet einer Ode,
einer Hymne, geschrieben zum Preise des Schöpfers. -- Doch es gleichet
der Park vor Allen einem herrlichen Gemälde. In hoher Begeisterung
hat es der Meister entworfen, unübertrefflich hat er es ausgeführt;
aber nicht er allein! Er hat sein Bild aus der Hand und den Kräften
der Natur hingegeben zur Vollendung. Die Mächte der Natur haben es
liebevoll aufgenommen und immer reicher gestaltet und entfaltet bis
hierher. Und wie sie an demselben gearbeitet haben, so werden sie
an demselben rastlos schaffen. Deshalb aber wird die Pracht jenes
Landschaftsbildes, das da vollendet und dennoch in stetem Werden ist,
nie bis zu Ende erzählt werden, deshalb wird es immer neue Reize
entfalten. Jeder neue Lenz mit seinen frischen Trieben, mit seinem
jungen Grün, mit seinen Leben weckenden Sonnenstrahlen ist auch ein
neuer Commentar zu des Werkes Herrlichkeit; jeder Herbst mit seiner
Blätterfärbung bringt dem Bilde neue, eigenthümliche Züge; jeder
Sonnenauf- und -Untergang, jede Mondschein-Nacht giebt ihm besondere
Reize; ohn’ Aufhören arbeitet und webt und gestaltet es sich in dem
grünen Reviere nach den Gesetzen der Schönheit; unerschöpflich an
lieblichen Bildern ist dies Naturgedicht, und wunderbar treffen seine
Töne das Gemüth.
In das herrliche Gemälde des Fürsten, in sein schönes, lebendes Bild,
ist Muskau hineingezeichnet worden. Der Blick von dem Jetzt auf das
Sonst zeigt uns die Verschiedenheit beider und den Triumph des Ersteren
über das Letztere.
Herrn der Herrschaft: Ditericus de Muzcowe um 1258, s. Stenzel:
Urk. z. Gesch. des Bisth. Bresl. S. 20. -- Hanke v. Muskow -- s.
Sommersberg III, 142 -- ist wohl Heinrich v. Kittlitz. -- Botho
v. Ileburg um 1360. Er hatte eine Schwester Heilwich, welche mit
Heinrich v. Kittlitz vermählt war. Dieser erhielt Muskau, Schloß
und Zugehör, als Brautschatz der Heilwich, und Kaiser Karl IV.
bestätigte den Vertrag zu Nürnberg 1361, Mittw. nach ~Miser.
Dom.~ S. Verz. oberl. Urk. I, 374. Scheltz: Gesch. d. Ober- u.
Niederl. I, 497. Einer seiner Söhne, Johann, war Bisch. zu Meißen,
ein anderer, Otto, v. 1406-1410 Landvoigt der Oberl. -- Hans v.
Penzig ist 1389 im Besitze der Herrsch. -- Er hatte viel Streit
mit denen von Hakeborn auf Priebus u. Anderen. -- Hans v. Penzig
zu Musca „der Junge“ ist wahrscheinlich des eben Genannten Sohn.
Als 1427 ein starkes Heer gegen die Hussiten zog, wohnte er, wie
auch 1428, der Heerfahrt bei. -- Nickel u. Christoph v. Penzig
werden 1441 zuerst genannt. -- Im Jahre 1452 veräußerten die
v. Penzig Muskau an Wenzeslaus v. Bieberstein, welcher Muskau
den 29. Sept. 1452 mit Stadtgerechtigkeit begnadet. Er hatte im
Verein mit Anderen gegen die Anhänger des Königs Georg Podiebrad
zu kämpfen, welche der Umgegend von Muskau viel Schaden zufügten.
Zwei derselben, Friedrich v. Schönberg u. Melchior v. Löben wehrten
sich in Hoyerswerda 11 Monate lang. -- Nach Wenzels Tode 1471 ist
im Besitze Muskau sein Sohn Johann V. v. Bieberstein bis 1490,
dann dessen Bruder Ulrich V. v. Bieberstein, welcher 1519 starb.
-- Siegmund v. Bieberstein starb 1545 zu Prag ohne Leibeserben.
-- Die Herrschaft kam an seinen Bruder Hieronymus v. Bieberstein,
welcher den 30. Juni 1549 ohne männliche Erben starb. -- Die Brüder
desselben, Johann u. Christoph v. Bieberstein, übernehmen Muskau;
doch ist der Letztere bald alleiniger Herr derselben. In seiner
Jugend fanatischer Katholik, wurde er durch die Bekanntschaft
mit dem Superintendenten zu Sorau, M. Joachim Belitz, ein treuer
Anhänger der evang. Lehre bis zu seinem Tode den 15. December 1551.
-- Kaiser Ferdinand I. nahm die Herrschaft als heimgefallenes
Lehen in Besitz. -- Adam oder Tham Pflugk ist wohl nur kaiserl.
Administrator derselben gewesen. -- Georg Friedrich, Markgraf zu
Brandenburg-Anspach hat Muskau v. 1552-1554 pfandweise besessen
und, als die Pfandsumme nicht eingelöst wurde, 1556 abermals Besitz
ergriffen bis 1558. -- Fabian v. Schönaich erkaufte 1558 den 23.
April die Herrsch. Muskau v. Kaiser Ferdinand I. für 45000 Gld.
-- Hans Georg v. Schönaich kommt 1572 als Herr v. Muskau vor. Er
starb den 28. Juni 1587, wahrscheinl. kinderlos, weshalb sein
Oheim, Fabian v. Schönaich, wieder Besitzer von Muskau wurde. --
Kaiser Rudolph II. nahm Muskau als heimgefallenes Lehen ein -- nach
der Consignation der Musk. Privilegien schon am 19. Aug. 1589.
-- Wilhelm, Burggraf zu Dohna, soll schon den 22. Mai 1595 die
Herrsch. von den kaiserlichen Commissarien übernommen, der Kauf
selbst aber 1596 zu Stande gekommen sein. Das Kaufinstrument ist
erst vom 17. Nov. 1597. Seine Gemahlin Catharina, geb. Burggräfin
zu Dohna a. d. H. Carschen starb den 5. Mai 1609; er selbst den
24. Octbr. 1606. Kinder: Elisabeth, Wilhelm, Otto, Caspar, welche
jung starben, und Carl Christoph, Burggraf zu Dohna. Dieser besaß
Muskau bis zu seinem Tode den 4. Jan. 1625. Seine Gemahlin war
Ursula Brigitta von der Schulenburg. Kinder: Caspar Wilhelm,
welcher nur einige Monate alt wurde, und Ursula Catharina. Die
Vormünder derselben, Sigismund u. Seyfried v. Kittlitz veranlaßten
die Verwandlung der Herrsch. aus Lehn in Erbe. Carpz. Ehrent.
II, 30. Den 11. Decbr. 1644 vermählte sie sich mit Curt Reinicke
v. Callenberg, Herrn auf Wettesingen u. Westheim, Landvoigt der
Oberl., gest. 7. Mai 1672. Kinder: Herrmann, Cath. Eleonore, Carl
Christoph, welche den Eltern im Tode vorangingen, u. Curt Reinicke
II. Reichsgraf v. Callenb., gest. den 20. April 1709. Gemahlin:
Ursula Regina Freiin v. Friesen. Sechszehn Kinder, s. S. 28.
Johann Alexander, Reichsgraf v. Callenberg, gest. 13. Febr. 1776.
Gemahlin: Helene Mariane Charlotte, Tochter des Grafen G. F. v.
Tenczin; dann Rahel Louise Henriette, Tochter Georgs, Reichsgraf v.
Werthern. Vier Kinder aus zweiter Ehe, s. S. 30. -- Georg Alexander
Heinrich Herrmann, Reichsgraf v. Callenberg, gest. 4. Mai 1795.
Ludwig Carl Hans Erdmann, Reichsgraf v. Pückler, gest. 16. Jan.
1811. August Heinrich, Reichsgraf v. Pückler, gest. 9. Febr. 1810,
Administrator der Herrschaft.
Ludwig Heinrich Herrmann, Fürst v. Pückler-Muskau. -- Die Grafen
Nostitz und Hatzfeld. --
Wilhelm Friedrich Carl, Prinz der Niederlande.
Fußnote:
[C] Jacob Heinrich Rehder, des Fürsten hochverdienter Garteninspector.
Anm. d. Herausgebers.
XXII. Des Parks Erhaltung.
Oft hat es geheißen, Muskau sei verkauft worden. Der Kauf der
Standesherrschaft mit ihrem herrlichen Park, dessen Erhaltung die
innige Liebe zur Natur und Kunst voraussetzt, war nicht für Jeden.
Während der langen Verhandlungen mit verschiedenen Käufern hat der
Fürst noch über 100000 Thaler auf seine Anlagen und die Bauten
verwendet in beständiger Liebe zu seiner Idee, zu seinem Werke. Welches
Loos aber wird dir werden, parkumschlossenes Muskau? frug damals so
Mancher, dem in den Schöpfungen des Fürsten die freudigste Erhebung
geworden war, und ein Wort der Befürchtung, das einst der Gründer des
Parks in der Sorge um sein Werk gesprochen, trat in die Seele. Es
heißt: ~Tutti Frutti~ I, 135.
„Noch einmal berührte mich mit magischem Stabe der Zauberer. Ich
erblickte die Fluren wieder, deren Verschönerung ich den besten Theil
meines Lebens gewidmet. Was seh’ ich? Schiffbar ist der Fluß geworden,
der meinen Park durchströmt; aber Holzhöfe, Bleichen, Tuchbahnen,
nützliche Dinge, nehmen die Stelle meiner blumigen Wiesen, meiner
dunklen Haine ein! Das Schloß -- darf ich meinen Augen trauen? -- beim
Himmel! es ist in eine Spinnanstalt umgeschaffen. „Wo wohnt der Herr?“
ruf’ ich ungeduldig aus. -- „In jenem kleinen Hause, das ein Obst- und
Gemüsegarten umgiebt“ tönet die Antwort. „Und gehört meinem Urenkel
denn das Alles nicht mehr, was ich einst mein nannte?“ „O nein, das hat
sich mit der Zeit wohl unter hundert verschiedene Besitzer vertheilt.
Wie könnte Einer so viel haben und Freiheit und Gleichheit bestehen!“ --
Reiches, frisches Grün schmücket den Park. Das Grün ist ein Sinnbild
der Hoffnung, die erst mit dem Leben scheidet. Das Grün der Haine des
Parks war ein Sinnbild, ein Unterpfand der fröhlichen Hoffnung auf
seine Erhaltung.“ --
* * * * *
Wiederum nahte der liebliche Frühling der heimathlichen Lausitz, und
das fröhliche Osterfest kam heran. Doch schüchterner als sonst öffnete
sich das Auge des Baumes, dem Lenze entgegen zu schauen, langsamer
schwoll die Knospe, es säumte das Reis in seinem Wuchse, und es
zögerte das Jahr, neue, herrliche Parkbilder zu zeichnen. Wie Furcht
und bange Erwartung, welche freudige Gefühle des Herzens fesselt, war
es allenthalben in der erstehenden Natur. Der Würfel fiel. Muskau
wurde verkauft. An des Lenzes Grenze verließ 1845 der Fürst seiner
Väter Schloß, seine Herrschaft, seinen herrlichen Park. -- So muß oft
der Mensch von dem, was er geschaffen, grade da scheiden, wo es ihm
einen neuen Genuß, eine reiche Freude nach vielen Mühen gewähren soll!
Düsteres Gewölk trübte den Himmel und verhüllte dem Scheidenden an der
Grenze seiner Herrschaft den Blick nach rückwärts. Dort waren die Räume
seiner Kindheit, die Stätten hoher Freuden, dort waren die Fluren, in
deren Verherrlichung und Verklärung ihm ein reiches, immer neues Glück
geworden war. -- Doch zu dem Scheidenden gesellte sich eine Freundin --
die Erinnerung. Frei von allem Mangelhaften, dem Loose des Irdischen,
herrlich verklärt führt sie die Vergangenheit in die Gegenwart und
Zukunft hinein; die Welt, die uns einst umgab, in der wir wirkten und
schafften, der wir das Gepräge unseres Geistes und Herzens gaben, ist
wiederum so ganz unsere eigene geworden -- sie ist in unserm Innern und
dort schöner als je.
* * * * *
Von den Grafen Hatzfeld und Nostitz ging die Standesherrschaft,
welche in dem Laufe der Jahrhunderte auch den Kaisern Ferdinand I.
und Rudolph II., sowie dem Markgrafen zu Brandenburg-Anspach, Georg
Friedrich, gehört hatte, bald über an Wilhelm Friedrich Karl, Prinzen
der Niederlande, Gemahl der Prinzessin Louise Auguste Wilhelmine
Amalie, der Tochter der unvergeßlichen Königin von Preußen, Louise. --
Die Acquisitation der Standesherrschaft durch einen Prinzen aus dem
glorreichen, hochherzigen Hause Nassau-Oranien ist eine That, welche
Muskau zu hohem Segen gereichte, sie ist aber auch eine That, gethan
aus Liebe zu der Schönheit der Natur, zum Schutze der Kunst, des
Idealen gegen den Materialismus und die Prosa der Zeit.
* * * * *
Das Jahr hatte bereits die Hälfte seiner Bahn zurückgelegt und die
Fülle seiner Pracht und seines Schmuckes ausgetheilt. Im Juni 1846
kam der königliche Prinz in seine neue Standesherrschaft und den 19.
August hielt er mit seiner hohen Familie seinen feierlichen Einzug
in dieselbe. Wohl waltete da allenthalben hohe festliche Freude;
aber es war, als theilte sie mitfühlend des Parks herrliches Revier.
Reicher breiteten sich die grünen, blumigten Teppiche der Wiesen aus;
feierlicher erhoben sich die Hallen der Haine; wie zur Huldigung
traten aus der Tiefe des schönen Ganzen die lieblichen Gruppen hervor;
ein Urbild aus dem Reiche des Schönen, geschaut einst in heiliger
Osternacht, verwirklicht durch den fürstlichen Meister, grüßte innigst
seinen neuen, königlichen Herrn. Und wie geheimes Wehen erging in
feierlicher Stunde aus der verklärten Natur ein Wort an den, dem sie
in ihrer Schönheit huldigte, das Wort: Gestatte mir, o Herr dieser
Fluren, mir, der es nicht vergönnt ist, sich selbst zu schauen, daß ich
in deinem Auge mich spiegle! Laß mich dir werden eine Quelle stiller,
reiner Freuden! Schütze und schirme mich in meinem Weben und Schaffen
nach den Gesetzen der Schönheit bis in die ferneste Zeit hinaus! Wie
jeder Lenz mir frisches Grün bringt, so spende dir jedes Jahr hohes
Lebensglück, und meiner tausendjährigen Eichen majestätische Pracht sei
eine Weissagung auf deines Hauses immer währende Herrlichkeit! --
* * * * *
Auch die Natur ist ein Buch der Offenbarung unseres Gottes. Seine Ehre
verkündet der Blume Farben-Pracht, der Wiese frisches Grün, Baumes
fröhliches Wachsen, und hoch in Andacht und Freude schlägt des Christen
Herz, wenn er in dieser wunderbaren, herrlichen Schrift liest. In der
verklärten Natur, welche das lausitzer Muskau umgiebt, tritt ein altes,
heiliges Wort des Lobes und Preises und Dankes in unsere Seele: „Herr,
unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen -- auch auf
dieser Flur!“ Ps. 8, 1.
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