»Laß gut sein!« Ihr Nähzeug zusammenraffend, erhob sie sich.
»Aber Madl?« fragte er verdutzt. »Was is denn?«
»D' Nahterei heb ich auf. 's Licht wird a bißl schwach. Und wann mir du
d' Schachtel allweil verräumst!« Sie ging zur Tür und trat in die Hütte.
In Friedls Augen brannte die Sorge. Hatte er zuviel gesprochen? Hatte
sie aus seinen Worten erraten, _welches_ Dach und _welchen_ anderen er
meinte? Und warum ging sie so schnell davon? War es Verlegenheit? Oder
eine verblümte Warnung vor dem Weitersprechen? »Herrgott, Herrgott, wann
ich nur wüßt, wie ich dran bin!« Und nun fortmüssen, für vierzehn Tage,
und die Ungewißheit immer mit sich herumschleppen auf Schritt und Tritt,
bei Rast und Arbeit, bei Tag und Traum!
Da klang mit flüsterndem Laut sein Name aus den Latschenbüschen, die
neben der Hütte standen und im Abendwind ihre Nadelfahnen bewegten. Der
Jäger wandte sich rasch und sah im Grün zwei funkelnde Augen. »Lenzl?
Du? Was willst denn?«
»Kurasch, sag ich dir! Schenier dich net! Sag's ihr grad aussi!«
»Kurasch?« Ein bedrückter Atemzug. »Du hast leicht reden! Haushoch über
a Wand abispringen? Da hätt ich Kurasch gnug. Aber da --«
Modei trat aus der Hütte, und Lenzl verschwand. Mit zwei blühenden
Nelkenstöcken auf den Armen ging das Mädel zu der Scheiterbeuge neben
der Hüttentür.