Sie zog den Faden von der Spule und krümmte sich plötzlich tief
hinunter, von lautlosem Schluchzen geschüttelt.
»Mar' und Joseph!« Erschrocken rüttelte Friedl sie an der Schulter,
rückte näher, stieß die Schachtel fort und umschlang das Mädel. »Jesses,
geh, so schaam dich doch a bißl! Hör auf, hör auf, ich kann's net
vertragen. Wann ich wem gut bin, kann ich's net anschaun, daß er leiden
muß!« Er versuchte sie aufzurichten. »Komm, laß dich a bißl trucken
legen!« Schwer schnaufend, zerrte er sein Taschentuch heraus, trocknete
ihre Wangen und fuhr sich auch flink über die eigenen Augen. »Geh, sei
gscheid und nimm a bißl Verstand an! Schau, jetzt is halt amal alles a
so, und da muß man sich einischicken wie der Fuchs in sein' Bau.«
»Freilich, ja!« Mit zitternden Händen begann sie die Arbeit wieder.
»Weißt, mit allem muß man fertig werden. Wann der Mensch net a bißl
nachgeben kunnt, müßt er Tag und Nacht a Sauwut aufs Leben haben. Fest
anschauen muß man halt die harten Sachen. Und hat man gsehen, wie s'
sind, nacher muß man sagen: In Gotts Namen, wie's is, so muß man's
haben.« Nachdenklich schwieg der Jäger eine Weile. »Freilich, wann's
einer so nimmt, da tut er gar oft ebbes, was ander Leut für an Unsinn
halten. Aber z'erst muß ich mit _mir_ zfrieden sein. Nacher kann's gehn,
wie's mag. Drum schau, tu dich net kränken! A Madl wie _du_! Und einer
wie _der_? Na! Der is gar net wert, daß d' a Tröpfl Wasser fallen laßt
um seintwegen.«
»Wegen _dem_, meinst?« Sie schüttelte den Kopf. »Wegen _dem_ lauft mir
's Brünndl nimmer über. In _den_ hab ich einigschaut. Aber um mich
allein geht's net her. 's Kindl halt!« Modei beugte sich über die
Arbeit. »So an arms Häuterl!«
»Arm? Und hat a Mutter wie du!«
»A Mutter is viel. Aber net alles. Tag und Nacht muß ich drüber
nachdenken. So a Kindl! Und hat kei' Schuld. Und is net gfragt worden,
wie man's eini gschutzt hat in d' Welt. Und muß leiden drunter. So an
Ungrechtigkeit sollt unser Herrgott net zulassen.«
Sinnend guckte Friedl hinauf zum glühenden Abendhimmel. »Den da droben,
den hab ich schon oft ebbes gfragt. Aber gsagt hat er mir nie was. So a
_ganz_ Gscheider is allweil a Stader. Weil er ihm denkt: wann ich ebbes
sag, versteht mich ja doch keiner, da halt ich lieber 's Maul! Aber
weißt, bei der Stang is er allweil. Da brauchst ums Kindl kei' Sorg net
haben. So a Käferl so a liebaugets! Dös findt schon sein Dach, paß auf!
Und a Madl wie du, gsund, sauber, fleißig, wirtschäftlich -- wirst schon
bald wieder an andern Schatz finden!«
»An andern?« Sie lachte müd. »Wie der Anfang war, weiß ich. Was
nachkommt, sagen d' Leut, is allweil minder.«