Unbeweglich stand Modei am Herd und sah in die Flamme. »Gott? -- Gott?
-- Allweil sagen s': Gott! 's erste und 's letzte Wörtl: _Grüß_ Gott!
Und: _Pfüe_ Gott! Und zwischendrei und hintnach is alles a Grausen.« Sie
lachte leis. »Ob unser Herrgott weiß, was für schauderhafte Sachen sein
heiliger Nam bei die Menschenleut einrahmen muß?« Auf die Herdmauer
hinfallend, griff sie nach einem Scheit, mit dem sie die glühenden
Kohlen aus der Asche schob und gegen die klein gewordene Flamme
hinhäufelte.
Von der Schwelle schrie Lenzl in die Nacht hinaus: »Gelt, du! Vergiß
dein' versteckten Hinterlader net!«
Undeutlich antwortete Blasis Stimme: »Wart, du Täpp! Wir zwei wachsen
noch zamm.«
»Du und ich? Ah na! Wann der Tuifi dich amal beim Gnack derwischt, hat
er kei' Zeit mehr für an andern. Da hat er Arbeit gnug mit dir allein!«
Draußen ein fideler Juhschrei und ein vergnügtes Gedudel, das sich
entfernte.
In der Hütte begann das niedergebrannte Kienlicht müd zu flackern.
Lenzl ging auf die Schwester zu, beugte sich zu ihr hinunter und sagte
mit einem plumpen Versuch, zu scherzen: »Um so ein' mußt dich net
kränken. Den schlechten Nußkern speit einer aus und sucht sich an süßen.
Sei froh, daß d' a Witib bist! Jetzt nimmst dir an andern.«
Sie schob ihn mit dem Ellbogen von sich. »Geh schlafen! Jeds Wörtl is
mir wie a Nadel im Ohr.«
Lenzl schlurfte zum Kreister hinüber. Auf halbem Wege blieb er stehen.
»Hab gmeint, ich müßt a bißl Spaßetteln machen. Jetzt merk ich: dös war
ebbes Gscheids. Is einer gwöhnt ans Zwieschichtige, so derleidt er's in
der Einschicht nimmer. Da kunntst ebba dursten müssen an Seel und Blut.
Wann 's Viecherl Hunger hat, muß 's Viecherl Futter kriegen. Bloß _ich_
kann 's Hungerleiden. Ich muß warten, allweil warten --«
In der Nachtferne ein dumpfes Rollen und Gerassel.
Das Gesicht des Weißhaarigen erstarrte. »Hörst es?« Seine Stimme war
schrill und knabenhaft dünn. »Du? Hörst es?«