Will man größere Hautbezirke örtlich mit Bogenlicht behandeln, so eignet
sich am besten hierzu ein regulierbarer ~elektrischer Scheinwerfer~.
(Fig. 33 ^a^, ^b^, ^c^.) Derselbe besteht im wesentlichen aus einer
Bogenlampe von 20 bis 25 Ampères, deren Kohlenstifte horizontal gestellt
sind. Der Apparat ist mit einem Metallspiegel (Reflektor) und einer
Einrichtung zur Verschiebung des Voltabogens vom Spiegel versehen. Zur
Ausschaltung der Wärmestrahlen benutzt man Glaslinsen, welche mit
verdünnter, ammoniakalischer Kupfersulfatlösung gefüllt sind. Durch
diese läßt man das Licht gehen. Der Scheinwerfer hat schwächere Wirkung
als der Finsen’sche Apparat.
^d^) ~Das farbige Licht~.
Auch die einzelnen ~Farben~ des Lichtes hat man sich für die
Körperpflege nutzbar zu machen gesucht. Dieselben äußern ihre
Hauptwirkung auf ~Gemüt und Nerven~. Rotes Licht erregt die Nerven, ist
daher zur Anregung melancholisch und hypochondrisch Verstimmter
erfolgreich verwendet worden; grünes, blaues und violettes Licht
beruhigt die Nerven, deshalb eignet es sich zur Behandlung nervöser
Menschen, die sich in abnormer Erregung befinden. Bei ~Hautentzündungen~
der verschiedensten Art, bei der ~Rose~, dem ~Exzem~, bei ~Blattern~
etc. bedient man sich zur Behandlung des roten Lichtes, indem man die
chemischen Strahlen, welche ja die bereits entzündete Haut noch mehr
entzünden würden, abfiltriert. Die erfolgreiche Behandlung der Blattern
mittels roten Lichtes ist deswegen von besonderer Bedeutung, weil sie
eventuell die Schutzpockenimpfung überflüssig macht.
[Abbildung: Fig. 34. Röntgenstrahlenapparat.]
^e^) ~Röntgen- und Becquerelstrahlen~.
Prof. ~Röntgen~ in Würzburg, jetzt München, machte die Entdeckung, als
er eine Hittorf’sche Röhre (= luftleergemachte Röhre, in welcher die
Entladung elektrischer Induktionsströme erfolgt) mit schwarzem und
undurchsichtigem Karton umhüllte, in die Nähe eines mit
fluoreszierendem Bariumplatincyanür bestrichenen Schirmes brachte, daß
derselbe aufleuchtete. Es mußte also etwas, obwohl für unser Auge
unsichtbar, von der Röhre ausstrahlen, welches ungehindert durch den
Karton hindurch wirkte. Diese Strahlen, die von der Kathode ausgehen,
aber keine Kathodenstrahlen sind, weil sie vom Magnet nicht abgelenkt
werden, nannte Röntgen ^X^-Strahlen. (Fig. 34.) Dieselben entladen
elektrische Körper, interferieren nicht, werden weder regelmäßig
reflektiert noch gebrochen, durchdringen dagegen fast alle Stoffe. Auf
die photographische Platte wirken sie ebenso wie die Lichtstrahlen. Sie
durchdringen die Weichteile des menschlichen Körpers leichter als die
Muskeln, am schwersten die Knochen, werden also nicht wie die chemischen
Lichtstrahlen vom Blute verschluckt, und können deshalb Tiefenwirkung
äußern.
Man verwendet das ~Röntgenlicht~ zur Erkennung der kranken Teile des
Körpers, aber auch zu deren Heilung. Leider verbrennt dasselbe ungemein
leicht die Haut und muß deshalb sehr vorsichtig angewendet werden. Bei
Hautkrankheiten, zur Enthaarung und einigen anderen Erkrankungen leistet
es gute Dienste, ja es wird immer häufiger von ~Krebsheilungen~ durch
Röntgenlicht berichtet.
Ob den sogenannten ~Becquerelstrahlen~ nützliche Einwirkungen auf den
menschlichen Körper zuzuschreiben sind, ist mit Sicherheit bisher noch
nicht festgestellt. Es sind dies diejenigen Strahlen, welche von dem
metallischen Uran ausgehen und leuchtfähige Körper zum Leuchten bringen.
Sie haben im menschlichen Körper keine Tiefenwirkung.[6]
[6] Näheres über die Heilkraft der Röntgen- und Becquerelstrahlen s.
~Riecke~, Hygiene der Haut, Haare und Nägel, (Bibliothek der
Gesundheitspflege Bd. 12.)
^f^) ~Blondlot-Strahlen (^N^-Strahlen)~.
Hochinteressant sind schließlich die von dem Nancyer Professor
~Blondlot~ entdeckten Strahlen, welche er zu Ehren der Stadt Nancy die
(^N^-) Nancy-Strahlen genannt hat. Er fand nämlich bei der Untersuchung
der von Röntgen-Röhren abgehenden Strahlen gewisse Strahlen, welche
einen schwachen elektrischen Funken verstärken. Wie die ^X^-Strahlen
durchdringen sie undurchsichtige Körper z. B. dünne Metallplatten, Holz,
Papier, werden aber andererseits durch eine 3 ^mm^ dicke
Steinsalzschicht oder durch Wasser und andere Substanzen aufgehalten.
Sie unterscheiden sich ferner von den ^X^-Strahlen dadurch, daß sie den
Gesetzen der Reflexion gehorchen, polarisierbar und refraktibel sind.
Diese merkwürdigen Strahlen werden von den meisten Lichtquellen so
besonders von der ~Sonne~ ausgesandt und von der Mehrzahl der Körper
aufgenommen. Sie können durch Kompression eines Körpers hervorgerufen
werden; sie werden von Pflanzen und vom Tierkörper ausgesandt. Der
menschliche Körper sendet die ^N^-Strahlen in verschiedener Intensität
aus je nachdem der Muskel ruht oder sich zusammenzieht, je nachdem ein
Nerv oder Nervenzentrum in stärkerer oder schwächerer Erregung ist.
Diese Strahlen sind bisher nur zu diagnostischen Zwecken verwendet
worden; wie weit sie hygienisch oder für Heilzwecke brauchbar sind ist
bisher noch nicht festgestellt.