Mit dem Sonnenbade werden nützlich häufig Massage- und Gymnastikkuren
verbunden. Den Beschluß des Bades bildet je nach der Krankheit eine
abkühlende Wasserprozedur, ein Halbbad, Vollbad, Rumpfbad, Kneipp’scher
Guß oder kühles Regenbad.
[Abbildung: Fig. 26. Geöffnetes Glühlicht-Vollbad zum Sitzen.]
[Abbildung: Fig. 27. Elektrisches Glühlicht-Vollbad mit 36 Glühlampen
zum Liegen.]
^b^) ~Das elektrische Lichtbad~.
Da man nicht immer das Sonnenlicht in genügender Intensität zur
Verfügung hat, so macht man sich das elektrische Licht zu nutze und baut
zu diesem Zwecke Lichtkästen, welche man inwendig mit elektrischen Glüh-
oder Bogenlampen bewaffnet. Diese Lichtkästen (Fig. 26, 27[5]) sind im
wesentlichen Kästen von verschiedenster Form und Größe, meist zum
Sitzen des Patienten, seltener zum Liegen eingerichtet. An den mit
Milchglas ausgelegten Innenwänden befinden sich meist 48 Lampen, in 8
Reihen gleichmäßig verteilt; jede Lampenreihe ist, zum Schutz gegen
Verbrennung des Patienten durch Berührung mit senkrecht stehenden
Metallstäbchen versehen. Oben wird der Kasten durch einen verschiebbaren
Deckel geschlossen, so daß der Kopf des Patienten außerhalb des Kastens
ist, vorn befindet sich die verschließbare Tür, durch welche der Patient
eintritt. In derselben befindet sich eine Oeffnung zur Pulskontrolle,
zur Darreichung von Herzkühlern und für irgend welche physiologischen
Experimente. Zur Beruhigung für ängstliche Patienten ist im Kasten
selbst eine elektrische Klingel angebracht und Tür- und Verschlußdeckel
so eingerichtet, daß sie mit Leichtigkeit vom Patienten selbst
geöffnet werden können. Ein im Deckel angebrachtes Thermometer gestattet
die Kontrolle der Temperatur. Die Lichtreihen sind einzeln oder
paarweise auszuschalten.
[5] Die Abbildungen der Lichtheilapparate sind uns von der Firma
Reiniger, Gebbert u. Schall in Erlangen, welche diese Apparate
fabriziert, freundlichst zur Verfügung gestellt worden.
[Abbildung: Fig. 28. Elektrisches Rumpflichtbad.]
[Abbildung: Fig. 29. Elektrisches Armlichtbad.]
[Abbildung: Fig. 30. Elektrisches Fußlichtbad.]
Die ~Glühlichtkastenbäder~ sind saubere Schwitzbäder feinster Art,
welche mancherlei Vorzüge vor den Dampfkasten- und Heißtrockenluftbädern
haben und überall da angezeigt, wo Schwitzbäder überhaupt am Platze
sind. Sie werden als Voll- und Teilbäder verabreicht. (Fig. 28, 29, 30).
Gegenüber den anderen schweißerregenden Proceduren, welche den Körper
durch ~Leitung~ mit Wärme laden, wirkt beim Glühlichtbad die ~strahlende
Wärme~, welche tiefer in den Körper eindringt und meist angenehmer von
den Patienten empfunden wird. Schon bei relativ geringen Temperaturen
von 30 bis 35° ^C^ treten Schweiße auf, die reichlicher bei 40° ^C^ und
darüber werden. 60° ^C^ sollen möglichst nicht überschritten werden. Der
frühzeitige Schweißausbruch ermöglicht eine relativ kurze Dauer des
Bades (15-20 Minuten). Die Wärmezuführung kann durch Ein- und
Ausschalten gut abgestuft werden. Kongestionen zur Lunge sind nicht zu
fürchten, weil der Kopf außerhalb des Kastens ist und der Lunge auf
diese Weise gute, kühle Luft zugeführt werden kann. Das Herz wird bei
dem Schwitzen mittelst Glühlichts nur wenig angestrengt. Spezifische
~Lichtwirkung~ kommt den Glühlichtbädern nicht zu. Diese findet man
vielmehr in den ~Bogenlichtbädern~.
[Abbildung: Fig. 31. Kombiniertes Lichtbad.]
Das Bogenlicht in Kästen nach Art der Glühlichtkästen gebracht, ist
weniger eingeführt, weil die Kästen zu schnell zu heiß werden, örtliche
Hautentzündungen entstehen und Gefahr der Verbrennung der Haut durch
abspritzende, glühende Kohlenbestandteile besteht. Diese Gefahr und
Unbequemlichkeit sind in dem kombinierten Lichtkasten der Firma
Reiniger, Gebbert & Schall beseitigt, in welchem Achteckkasten die
Armatur wie in dem beschriebenen Glühlichtkasten vorgesehen ist,
außerdem 4 Bogenlampen, die durch blaue Scheiben das Spritzen der Funken
verhindern. (Fig. 31.) ~Finsen~ hat sich zur Vermeidung der Uebelstände
einen ~Lichtbaderaum~ eingerichtet, in welchem ein paar Meter über dem
Fußboden einige Bogenlampen von 80 bis 100 Ampères Stromstärke
aufgehängt sind. Die Temperatur des Baderaumes ist eine mäßige; in
demselben bewegen sich die Patienten wie im Sonnenlichtbade nackend, nur
mit gelben oder rauchgrauen Schutzgläsern bekleidet, zum Schutze der
Augen. Die Anwendung dieser Art von Bogenlichtbädern ist da geboten, wo
man spezifische Licht- nicht Wärmewirkung gebraucht.
[Abbildung: Fig. 32. Lichtsammelapparat von Prof. Dr. ~Finsen~.]
^c^) ~Das konzentrierte Sonnen- und elektrische Licht~.
Bereits im Altertum bemühte man sich die Wirkung des Sonnenlichtes
möglichst energisch auszunutzen. So wirkte ~Porta~ mittels eines
Glashutes bereits örtlich auf die Haut ein, so sammelten die Amerikaner,
Thayer und Barnes, in den sechziger Jahren das Sonnenlicht mittels
Brenngläsern, um Warzen, gutartige und bösartige Neubildungen zu
verbrennen, so benutzte der Laie Mehl den ~Lichtbrand~, um die fressende
Flechte und andere Hautkrankheiten zu beseitigen. Und ~Strebel~-München
gelang es, eine Hand- oder Stativlampe zu konstruieren, welche ein
Linsen- oder Spiegelsystem trägt, welches die Wärmestrahlen eines
Voltabogens konzentriert. Der Sonnenlichtbrand ist damit durch den
~jederzeit~ zu gebrauchenden ~elektrischen Lichtbrand~ ersetzt. In
gleicher Weise, wie die Sammlung der Wärmestrahlen durch Linsen erreicht
wurde, gelang auch die Sammlung der chemischen Strahlen der Sonne und
des elektrischen Lichts. Der Kopenhagener Professor ~Finsen~
konstruierte einen Lichtsammelapparat mit Bergkrystallinsen (Fig. 32),
die Wärmestrahlen schaltete er durch Abkühlung des Lichtes mittels einer
30 ^cm^ breiten Schicht destillierten Wassers aus. Um die
lichtaufsaugende Wirkung des Blutes auszuschalten und somit ein tieferes
Eindringen in die Haut zu ermöglichen, konstruierte er eine plankonvexe,
doppelumränderte Linse aus Bergkrystall, in deren Innerem stets kaltes
Wasser strömt. Diese wird auf den zu behandelnden Hautabschnitt
aufgedrückt. Dieses Druckglas (Kompressorium) macht den bedrückten
Hautabschnitt blutleer und gestattet so das Eindringen der gesammelten
chemischen Lichtstrahlen. Durch diese Art der Lichtbehandlung ist es
~Finsen~ gelungen, sein Vaterland von der Seuche der fressenden Flechte
zu befreien, und viele andere Hautkrankheiten bakteriellen und nicht
bakteriellen Ursprungs erfolgreich zu behandeln.
[Abbildung: Fig. 33.
Schutz-Marke
REINIGER GEBBERT & SCHMALL
ERLANGEN.