V. Teil.

Die Körperpflege durch Licht und Luft.

Um die Einwirkung von Licht und Luft auf den Körper richtig zu schätzen,

muß man ihre ~physikalischen Eigenschaften~ kennen.

1. Physikalische Eigenschaften des Lichtes; Einfluß auf Pflanzen,

Bakterien und den tierischen Organismus.

Man nimmt an, daß das Licht aus transversalen Schwingungen des Äthers

besteht. Die durch die Erschütterung des Lichtäthers entstandenen Wellen

sind verschieden lang und von verschiedener Dauer. Unser Auge empfindet

diese Verschiedenheit als ~farbiges~ Licht. Das Sonnenlicht, das uns

gleichmäßig weiß erscheint, ist ein zusammengesetztes, farbiges Licht,

welches nur in seiner Gesamtheit auf unser Auge einen weißen Eindruck

macht. Wir können dasselbe in seine einzelnen Bestandteile zerlegen,

indem wir das Sonnenlicht durch einen feinen Spalt auf ein Glas- oder

Quarzprisma auffallen lassen und dann sehen wir die Regenbogenfarben

rot, orange, gelb, grün, hellblau, dunkelblau, violett. Schließlich gibt

es noch farbiges Licht, das wir mit unseren Augen nicht erkennen können,

welches aber wissenschaftlich nachgewiesen ist, das sogenannte

ultraviolette Licht. Das rote Licht hat vorwiegend wärmebringende, das

blaue, violette und ultraviolette Licht dagegen mehr chemisch wirksame

Strahlen, die gelben und grünen Strahlen sind mehr optischer Natur und

heißen kurzweg Lichtstrahlen. Das Sonnenlicht wechselt seinen Reichtum

an chemischen Strahlen, es ist reicher an denselben in höheren Regionen

und im Süden, ärmer in der Niederung und im Norden. Die verschiedenen

Körper lassen je nach ihrer Eigenart die eine oder andere Lichtart

oberflächlicher oder tiefer eindringen. Wohin auch immer in der

organischen Welt das Licht dringt, äußert es seinen Einfluß.

Die ~Pflanzen~ gebrauchen zur Blütenbildung, zum Wachstum, zur

Assimilation, zur Richtung ihrer Form, zur Entrichtung des Blattgrüns,

zur Entfaltung ihrer Farben und ihres Duftes nachgewiesenermaßen eine

bestimmte Stärke der Beleuchtung, und zwar ist für sie das elektrische

Bogenlicht nicht minder wertvoll als das Sonnenlicht. Ein Zuviel oder

ein Zuwenig der Lichtmenge bedroht ihre Existenz, ebenso die Permanenz

der Lichtwirkung. Licht- und Dunkelheitsbedürfnis stehen in einem

gewissen Verhältnis.

Interessant ist der Kampf des Lichtes gegen die ~Bakterien~, jener

kleinen Pilze, welche unter geeignete Lebensbedingungen gebracht, trotz

ihrer Kleinheit durch ihre außerordentlich schnelle und starke

Vermehrung und durch ihre Virulenz (Giftigkeit) eine fabelhafte

Wirksamkeit entfalten können. Dieselben sind imstande, durch ihre

Ansiedlung auf kranken Organen des menschlichen Körpers denselben völlig

zu zerstören. Eine große Reihe wissenschaftlicher Versuche haben

gezeigt, daß das Licht und zwar sowohl das Sonnen-, als auch das

elektrische Licht ~hemmend, ja vernichtend auf die Entwicklung der

Bakterienzellen wirkt, daß ihre Virulenz gemindert wird~. Diese

immunisierende, baktericide oder Desinfektionskraft ist weniger dem

Einfluß der Wärme, als der chemischen Wirksamkeit des Lichtes

zuzuschreiben. Selbst diejenigen Bakterien, welche der trockenen und

feuchten heißen Luft und den stärksten chemischen antiseptischen Mitteln

widerstehen, werden durch Lichtwirkung vernichtet. Dabei ergaben die

Experimente die wichtige Tatsache, daß nicht nur das direkte

Sonnenlicht, sondern auch das ~diffuse Tageslicht~ das Wachstum der

Bakterien hemmte und dieselben tötete, wenn auch die Wirkungszeit

desselben viermal länger war.

In der Wissenschaft liebt man es, physiologische Erkenntnisse, die für

den menschlichen Organismus nutzbar gemacht werden sollen, zuvor durch

Tierexperimente zu erhärten. Deshalb ist die Tatsache, daß auch der

~tierische Organismus bestimmte Beeinflussung durch Licht zeigt~, von

großer wissenschaftlicher Bedeutung.

Der Tierkörper zeigt zunächst eine deutliche Beeinflussung seines

~Nervensystems~, besonders durch die chemischen Strahlen des Lichtes.

Der normale, elektrische Strom der Nerven wird erhöht, die

Reflextätigkeit gesteigert. Der ~Stoffwechsel~ wird besonders durch die

stark brechenden Strahlen angeregt und gesteigert. Sauerstoffaufnahme

und Kohlensäure und Wasserdampfabgabe sind wesentlich vermehrt, der

Kohlenstoffumsatz erhöht. Die Stoffwechselerhöhung geschieht nicht nur

auf dem gewöhnlichen Wege, sondern hauptsächlich von der Haut aus,

indem das Licht auf die im Hautorgan gelegenen Nervenendigungen erregend

wirkt. Dieser Antrieb wird nach innen zu den großen Nervencentren im

Gehirn und Rückenmark fortgeleitet und von dort auf die Muskel- und

Drüsennerven weitergegeben, welche die erhöhte Zersetzung und Arbeit in

den zugehörigen Organen veranlassen. Licht erhöht ferner die

~Wachstumsvorgänge~. Denn läßt man Tiere gleicher Art und Gattung sich

vergleichsweise im Dunkeln und im Licht entwickeln, so sind die

belichteten an Länge und Gewicht überlegen. Bei Fischen und Amphibien

heilen verstümmelte Glieder im Lichte schneller als im Dunkeln. Gewisse

niedere Tierarten zeigen wie die Pflanzen die Erscheinung des

Heliotropismus, sich nach der Sonne hinzukehren, um den richtenden

Einfluß der Sonnenstrahlen sich nutzbar zu machen. Die direkte

Einwirkung des Lichts auf das ~tierische Eiweiß~ ist ebenfalls

nachgewiesen, indem durch plötzliche Beleuchtung sich dasselbe

zusammenzieht, also in Bewegung gebracht wird. Die ~roten

Blutkörperchen~ verändern unter Belichtung ihre Gestalt, ihre Bildung

wird durch Lichtmangel verlangsamt. Besonders stark wird unter

Lichtwirkung der ~Blutfarbstoffgehalt~ vermehrt und derselbe an die

Peripherie fortbewegt zum Schutz gegen die zu starke Belichtung. Bei zu

intensiver Belichtung kann Sonnenbrand der Haut entstehen. Nicht

unerwähnt darf schließlich das ~hohe Lichtbedürfnis~ vieler Tiere

bleiben und die ~umstimmende~ und lebenerweckende Kraft des Lichtes,

sowie endlich die Eigenschaft einiger Tierkörper, selbstleuchtend zu

werden.

Körperpflege durch Gymnastik, Licht und Luft · 第 40 / 72 题