Die Körperpflege durch Licht und Luft.
Um die Einwirkung von Licht und Luft auf den Körper richtig zu schätzen,
muß man ihre ~physikalischen Eigenschaften~ kennen.
1. Physikalische Eigenschaften des Lichtes; Einfluß auf Pflanzen,
Bakterien und den tierischen Organismus.
Man nimmt an, daß das Licht aus transversalen Schwingungen des Äthers
besteht. Die durch die Erschütterung des Lichtäthers entstandenen Wellen
sind verschieden lang und von verschiedener Dauer. Unser Auge empfindet
diese Verschiedenheit als ~farbiges~ Licht. Das Sonnenlicht, das uns
gleichmäßig weiß erscheint, ist ein zusammengesetztes, farbiges Licht,
welches nur in seiner Gesamtheit auf unser Auge einen weißen Eindruck
macht. Wir können dasselbe in seine einzelnen Bestandteile zerlegen,
indem wir das Sonnenlicht durch einen feinen Spalt auf ein Glas- oder
Quarzprisma auffallen lassen und dann sehen wir die Regenbogenfarben
rot, orange, gelb, grün, hellblau, dunkelblau, violett. Schließlich gibt
es noch farbiges Licht, das wir mit unseren Augen nicht erkennen können,
welches aber wissenschaftlich nachgewiesen ist, das sogenannte
ultraviolette Licht. Das rote Licht hat vorwiegend wärmebringende, das
blaue, violette und ultraviolette Licht dagegen mehr chemisch wirksame
Strahlen, die gelben und grünen Strahlen sind mehr optischer Natur und
heißen kurzweg Lichtstrahlen. Das Sonnenlicht wechselt seinen Reichtum
an chemischen Strahlen, es ist reicher an denselben in höheren Regionen
und im Süden, ärmer in der Niederung und im Norden. Die verschiedenen
Körper lassen je nach ihrer Eigenart die eine oder andere Lichtart
oberflächlicher oder tiefer eindringen. Wohin auch immer in der
organischen Welt das Licht dringt, äußert es seinen Einfluß.
Die ~Pflanzen~ gebrauchen zur Blütenbildung, zum Wachstum, zur
Assimilation, zur Richtung ihrer Form, zur Entrichtung des Blattgrüns,
zur Entfaltung ihrer Farben und ihres Duftes nachgewiesenermaßen eine
bestimmte Stärke der Beleuchtung, und zwar ist für sie das elektrische
Bogenlicht nicht minder wertvoll als das Sonnenlicht. Ein Zuviel oder
ein Zuwenig der Lichtmenge bedroht ihre Existenz, ebenso die Permanenz
der Lichtwirkung. Licht- und Dunkelheitsbedürfnis stehen in einem
gewissen Verhältnis.
Interessant ist der Kampf des Lichtes gegen die ~Bakterien~, jener
kleinen Pilze, welche unter geeignete Lebensbedingungen gebracht, trotz
ihrer Kleinheit durch ihre außerordentlich schnelle und starke
Vermehrung und durch ihre Virulenz (Giftigkeit) eine fabelhafte
Wirksamkeit entfalten können. Dieselben sind imstande, durch ihre
Ansiedlung auf kranken Organen des menschlichen Körpers denselben völlig
zu zerstören. Eine große Reihe wissenschaftlicher Versuche haben
gezeigt, daß das Licht und zwar sowohl das Sonnen-, als auch das
elektrische Licht ~hemmend, ja vernichtend auf die Entwicklung der
Bakterienzellen wirkt, daß ihre Virulenz gemindert wird~. Diese
immunisierende, baktericide oder Desinfektionskraft ist weniger dem
Einfluß der Wärme, als der chemischen Wirksamkeit des Lichtes
zuzuschreiben. Selbst diejenigen Bakterien, welche der trockenen und
feuchten heißen Luft und den stärksten chemischen antiseptischen Mitteln
widerstehen, werden durch Lichtwirkung vernichtet. Dabei ergaben die
Experimente die wichtige Tatsache, daß nicht nur das direkte
Sonnenlicht, sondern auch das ~diffuse Tageslicht~ das Wachstum der
Bakterien hemmte und dieselben tötete, wenn auch die Wirkungszeit
desselben viermal länger war.
In der Wissenschaft liebt man es, physiologische Erkenntnisse, die für
den menschlichen Organismus nutzbar gemacht werden sollen, zuvor durch
Tierexperimente zu erhärten. Deshalb ist die Tatsache, daß auch der
~tierische Organismus bestimmte Beeinflussung durch Licht zeigt~, von
großer wissenschaftlicher Bedeutung.
Der Tierkörper zeigt zunächst eine deutliche Beeinflussung seines
~Nervensystems~, besonders durch die chemischen Strahlen des Lichtes.
Der normale, elektrische Strom der Nerven wird erhöht, die
Reflextätigkeit gesteigert. Der ~Stoffwechsel~ wird besonders durch die
stark brechenden Strahlen angeregt und gesteigert. Sauerstoffaufnahme
und Kohlensäure und Wasserdampfabgabe sind wesentlich vermehrt, der
Kohlenstoffumsatz erhöht. Die Stoffwechselerhöhung geschieht nicht nur
auf dem gewöhnlichen Wege, sondern hauptsächlich von der Haut aus,
indem das Licht auf die im Hautorgan gelegenen Nervenendigungen erregend
wirkt. Dieser Antrieb wird nach innen zu den großen Nervencentren im
Gehirn und Rückenmark fortgeleitet und von dort auf die Muskel- und
Drüsennerven weitergegeben, welche die erhöhte Zersetzung und Arbeit in
den zugehörigen Organen veranlassen. Licht erhöht ferner die
~Wachstumsvorgänge~. Denn läßt man Tiere gleicher Art und Gattung sich
vergleichsweise im Dunkeln und im Licht entwickeln, so sind die
belichteten an Länge und Gewicht überlegen. Bei Fischen und Amphibien
heilen verstümmelte Glieder im Lichte schneller als im Dunkeln. Gewisse
niedere Tierarten zeigen wie die Pflanzen die Erscheinung des
Heliotropismus, sich nach der Sonne hinzukehren, um den richtenden
Einfluß der Sonnenstrahlen sich nutzbar zu machen. Die direkte
Einwirkung des Lichts auf das ~tierische Eiweiß~ ist ebenfalls
nachgewiesen, indem durch plötzliche Beleuchtung sich dasselbe
zusammenzieht, also in Bewegung gebracht wird. Die ~roten
Blutkörperchen~ verändern unter Belichtung ihre Gestalt, ihre Bildung
wird durch Lichtmangel verlangsamt. Besonders stark wird unter
Lichtwirkung der ~Blutfarbstoffgehalt~ vermehrt und derselbe an die
Peripherie fortbewegt zum Schutz gegen die zu starke Belichtung. Bei zu
intensiver Belichtung kann Sonnenbrand der Haut entstehen. Nicht
unerwähnt darf schließlich das ~hohe Lichtbedürfnis~ vieler Tiere
bleiben und die ~umstimmende~ und lebenerweckende Kraft des Lichtes,
sowie endlich die Eigenschaft einiger Tierkörper, selbstleuchtend zu
werden.