In den ~drei ersten Schuljahren~, in welchem der Zahnwechsel statthat
und auch sonst das Knochenskelett sich entwickelt, ist das Kind durch
die verminderte Bewegung und durch das Sitzen in der wenig guten Luft
der Schulräume gefährdet. Die Atmung ist eine oberflächliche, der
Stoffwechsel verlangsamt, der Wachstumreiz herabgesetzt.
~Systematische Marsch- und Schnelligkeitsübungen~ bringen den Ausgleich.
Letztere sind am besten in Form des Tanzes, der Bewegungsspiele im
Freien und Gleichgewichtsübungen vorzunehmen.
In den ~nächsten fünf Schuljahren~, in welchen das Längenwachstum
fortschreitet, die Knochen bereits fester und die Muskeln ausdauernder
werden, treten zu dem bisherigen Uebungsprogramm der Dauerlauf, das
Schlittschuhlaufen, der Hoch-, Weit- und Stabsprung, Klettern und
Schwingübungen, Freiübungen ohne stärkere Bewaffnung, schließlich
Gerätübungen, bei welchen eine Pressung ausgeschlossen ist. Vom 12.
Lebensjahre ab können auch Griffkunde, Reiten und mäßiges Schwimmen
Nutzen stiften. In der ~Zeit der geschlechtlichen Reifung~ und der
Vollendung des Längenwachstums, also etwa vom 13. bis 22. Lebensjahre
vollzieht sich auch das Hauptwachstum des Herzens und der Lungen. Um
diesen Organen die nötige Anregung zur Entwicklung zu geben, bedarf der
Körper starker Bewegungsreize. Der Schnellauf, der Bergsport,
Wettspiele, kurzdauernde Ringkämpfe, Wettschwimmen auf kurze Distanzen,
Gerätübungen aller Art, Fechten, Boxen, Radfahren, Rudern und Skilauf
sind vorzügliche Uebungen, die möglichst vielseitig betrieben werden
sollen. Vom 22. bis 30. ~Jahre~ vollzieht der Körper hauptsächlich sein
Breitenwachstum und festigt sich innerlich. Dies ist die Zeit des
Uebermutes und der Waghalsigkeit, aber leider auch der Ausschweifung.
Kraftübungen aller Art sollen hier mit Gewandtheitsübungen in stetem
Wechsel bleiben, Leichtgewichtsathletik systematisch die
Schwergewichtsathletik vorbereiten und durch letztere ergänzt werden.
Ringen soll die allseitige Ausbildung erhalten und fördern und Umsicht,
Schlagfertigkeit und Willensstärke fördern.
In der ~Vollkraft der Jahre~ vom 30. bis 40. Lebensjahre muß man sich
die bisher erworbene Schnelligkeit und Gewandtheit zu erhalten und die
höchste Ausbildung der Kraft und Ausdauer zu erwerben suchen. Kraft- und
Dauerübungen sind maximal zu steigern.
Schwergewichtsathletik vernünftig und mäßig betrieben, kann durch
Verarbeitung der Reservestoffe nützlich wirken.
Nach dem 40. Lebensjahre muß man sich die erworbene Kraft, Gelenkigkeit
und Ausdauer möglichst lange zu erhalten suchen; man gebraucht hiezu
Frei- und Dauerübungen, sowie Gerätübungen, die bereits in Fleisch und
Blut übergegangen sind. In vorgerückterem Alter soll man alle Uebungen
meiden, welche den Kopf längere Zeit nach unten bringen. Für jedes
Lebensalter aber gilt die goldene Regel zu ~individualisieren~. Die
schwachen Stellen des Körpers müssen aufgesucht und so lange geübt
werden, bis sie nach Aussehen und Leistungsfähigkeit in den gesamten
Körperrahmen hineinpassen.