Das ~deutsche Turnen~ hat ~drei Arten~ der Körperausbildung, ~die
Gerät-, die Ordnungs- und die Freiübungen~.
[Abbildung: Fig. 16. Turnen am Barren.]
Beim ~Gerätturnen~ werden alle Muskeln ausgebildet und die Koordination
geschult. Bock, Pferd und Springschnur dienen der Ausbildung der Beine,
Reck, Ringe und Barren (Fig. 16 u. 16^a^) der der Arme. Die Ausbildung
der Beine durch die verschiedene Art des Sprunges (Fig. 17) sollte man
nicht durch Benutzung von Sprungbrettern gefährden, weil durch
ungeschickten Absprung von denselben leicht Verstauchungen der Füße
vorkommen. Verletzungen des Fersenbeins und Gehirnerschütterungen beim
Niedersprung können durch „Federn” in den Zehengelenken und durch
Weichheit der Niedersprungsstelle vermieden werden. Zur Stählung des
Mutes ist der Sprung über ~feste~ Sprunggeräte wie Pferd, Sprungkästen
geeigneter. Eine aufmerksame und geschulte Hilfe sollte nie fehlen. Bei
den Stütz-Uebungen am Barren, am Reck und an den Schaukelringen besteht
die Gefahr der Pressung, die sorgfältigst ausgeschaltet werden muß.
[Abbildung: Fig. 16 ^a^. Hochsprung.]
Der Vorwurf, der dem deutschen Gerätturnen öfters gemacht wird, daß er
die obere Extremität einseitig auf Kosten der unteren ausgebildet,
existiert für den ~vernünftigen~ Turner nicht. Auch hat man behauptet,
daß das Geräteturnen langweilig sei, weil nur einer jedesmal am Gerät
beschäftigt sei und die übrigen gelangweilt umherstehen. Dieser Nachteil
besteht jedoch nur da, wo die Anregung und das Vorbild des Lehrers oder
Vorturners fehlt. Der Nachturner nimmt sinnlich das Bild der ein- oder
mehrfach vorgeführten Uebung auf, schafft sich ein geistiges Bild von
derselben und wird so leichter die Uebung nachbilden können, er hat Muße
bis zur nächsten Uebung auszuruhen und Kräfte zu sammeln. Die
Koordinationstätigkeit ist dadurch eine wesentlich leichtere, weil sie
vorbereitet ist, und der richtige Wechsel von Anstrengung und Erholung,
von körperlicher und geistiger Arbeit gegeben.
[Abbildung: Tafel VI.