Alle ~Sportübungen~ haben ein ~gemeinsames Charakteristikum~, nämlich
das, daß sie ziemlich erhebliche ~Anforderungen an die Kraft und
Gewandtheit der Sinne und des Geistes stellen~. Dem Reiter, wie dem
Radfahrer, Schwimmer, Ruderer etc. begegnen bei der Ausübung des Sportes
ungezählte, unvorhergesehene Dinge, die, wenn sie seiner Aufmerksamkeit
entgehen, ihm Gefahr bringen können. Der Reiter muß nicht nur auf den
Reitweg, sondern auch auf die Individualität seines Pferdes acht haben;
für den Radfahrer, Segler etc. gilt ähnliches. Er muß, wenn er mit
Vorteil seinen Sport ausüben will, eine gewisse innere Ruhe besitzen und
in der Handhabung des Sportinstrumentes geübt sein.
~Der Sport setzt~ demnach, soll er mit Vorteil ausgeübt werden, ~eine
turnerische Ausbildung und geschulte Sinne voraus~. Meist wird der Sport
leider einseitig und unvernünftig betrieben, und übt häufig nur einzelne
Muskelgruppen und wird dadurch zum Schädigungsmittel des Körpers.
Betreibt man denselben jedoch mit genügender Rücksicht auf die Hygiene
und die Aesthetik, so kann dies angewandte Turnen nicht nur zu einer
vorzüglichen Schulung der Sinne und des Geistes, sondern auch der
Gelenkigkeit des Körpers werden.
Welche Uebungen wir auch immer treiben, wir müssen dieselben stets
sowohl zur Entwicklung unserer Körperkräfte, als auch der Gelenkigkeit
betreiben. Denn gerade ~Gewandtheit gebrauchen wir im gewöhnlichen Leben
mehr als Kraft~. Meistens gebrauchen wir in der Praxis des Lebens nur
leichte Gegenstände, diese aber im schnellen Wechsel und in schneller
Aufeinanderfolge. Genau so wie dem Muskelapparat ergeht es unseren
Sinnen und unserem Denkvermögen. Die Gewandtheit der Sinne, schnell die
Gegenstände wahrzunehmen, wird im praktischen Leben mehr Erfordernis,
als schwer wahrnehmbare durch die Kraft der Sinne zu eruieren, und die
Lösung schwieriger Probleme wird von uns für gewöhnlich nicht gefordert,
als vielmehr nur leichte Denkübungen zu treiben, um den schnellen
Wechsel einfacher Lebensverhältnisse auch schnell zu erfassen.
~Kraft und Gelenkigkeit stehen nun aber in einem gewissen gegenseitigen
Verhältnis~.
Treibt z. B. der berufs- und gewohnheitsmäßig viel Sitzende täglich
körperliche Uebungen um den hygienischen Ausgleich gegen die
aufgezwungene Ruhe und die Einseitigkeit der Denkarbeit zu schaffen, und
verwendet auf diese Uebungen seine volle Kraft, so wird er in Wochen,
Monaten und Jahren zu einer bestimmten Höhe der Kraftentwicklung
gelangen. Schränkt der Uebende nun im täglichen Uebungspensum die Zahl
der Kraftübungen ein und veranstaltet an deren Stelle eine Zahl
Gelenkigkeitsübungen, so wird er zu seiner Freude bemerken, daß der
Fortschritt in dieser Uebungsperiode mindestens der gleiche, wenn nicht
sogar ein größerer ist.
~Daraus folgt, daß die Kraftentfaltung eine schnellere und größere ist,
je mehr die Kraftübungen mit Gelenkigkeitsübungen abwechseln~.
Diejenige Uebung, welche ~gleichmäßig~ Kraft und Gelenkigkeit ausbildet,
ist deswegen auch als die naturgemäße zu bezeichnen und deswegen auch
die schöne und zweckmäßige.
Ein Körper, welcher ~nur~ Kraftübungen treibt, wird plump und
vierschrötig und bleibt frühzeitig in der Entwicklung stehen. Ein Körper
hingegen, welcher ~nur~ Gewandtheitsübungen macht, entbehrt bald der
schönheitlichen, kraftstrotzenden Abrundung. Ausdauer, Schnelligkeit und
Sicherheit der Gewandtheit wachsen rasch bei gleichzeitigen
Kraftübungen. Nur durch die innige Durchdringung beider Uebungsarten
wird die ~architektonische Schönheit~ und gleichzeitig die Schönheit der
Bewegung, die sog. ~Anmut~, erworben, und nur so wird die ~Würde~ der
Bewegung erreicht. Deswegen gebührt z. B. auch den bei uns so sehr
vernachläßigten und mißverstandenen Uebungen des ~Tanzens~ und ~Ringens~
eine hervorragende Stelle in der körperlichen Erziehung.
In der Schule der Kraft- und Gelenkigkeitsentfaltung unseres Körpers,
unserer Sinne und unseres Geistes steht aus denselben Gründen aber auch
ein vernünftig betriebener Sport obenan. Nur darf nicht eine Sportart
allein, sondern müssen mehrere Sportarten die sich gegenseitig ergänzen,
zur vernünftigen Leibeserziehung herangezogen und diese wiederum
hygienisch und ästhetisch betrieben werden.
^a^) ~Das Reiten~.
Das Reiten, soweit es nur der Fortbewegung dient, beansprucht relativ
geringe Kraft. Die Allgemeinermüdung ist eine relativ geringe, weil der
Reiter „sich nur in einer gewissen Haltung heben läßt”, also zunächst
mehr passiv tätig ist. Herz und Lunge werden nur wenig beansprucht.
Dagegen ist die örtliche Ermüdung der Adduktoren des Oberschenkels
(Anzieher des Oberschenkels) eine erhebliche. Günstig wirkt das dauernde
Erschüttern des Körpers auf die Verdauung und die stetige Aufmerksamkeit
auf den Weg und das Pferd vorzüglich geistig ableitend, besonders bei
denjenigen Menschen, welche sich gewohnheitsgemäß und krankhaft viel mit
sich selbst beschäftigen, also auf Hysterische, Hypochonder und
Neurastheniker. Anders liegen natürlich die Verhältnisse bei demjenigen
Reiter, welcher liebevoll die Individualität resp. die Rasse seines
Pferdes erfaßt, und nur so kann er das Reiten zu einer Reitkunst
erheben. Wer die Leistungfähigkeit seines Pferdes entwickeln will, muß
die Eigentümlichkeit seines Pferdes berücksichtigen, sonst wird er eben
aus demselben nichts zu machen wissen und dasselbe verderben,
andernfalls jedoch dasselbe voll und ganz beherrschen. Die
Kraftanstrengung ist dementsprechend eine höhere, namentlich beim
Dressieren oder Zureiten eines unbändigen Pferdes, wo der Reiter bald,
wie man sagt, bis aufs Hemd naß ist. Hierbei gebraucht der Reiter nicht
nur die Bein-, sondern vor allem auch die Armmuskulatur.
^b^) ~Das Radfahren~.
Billiger als das Reiten ist bekanntlich das Radfahren, das, wie das
Reiten eine Bewegung in frischer Luft ist. Die Reinheit der Luft läßt
allerdings häufig viel zu wünschen übrig, weil ja der Radfahrer die
staubigen Chausseen benutzen muß. Der Stoffverbrauch ist beim Radfahren
ein sehr bedeutender, während das Ermüdungsgefühl ein sehr geringes ist.
Der Körper verbrennt erhebliche Mengen Eiweiß und Fett und verliert
große Mengen Körperwassers; deshalb wirkt dieser Sport so vorzüglich bei
fettsüchtigen Menschen und durch die Erhöhung des Stoffwechsels bei
gleichzeitiger Erschütterung des Körpers auch befördernd auf schlechte
Verdauung. Der Radfahrer hat ein hohes Sauerstoffbedürfnis und vertieft
deswegen ausgiebig seine Atmung, während die Zahl der Atmungszüge bei
vernünftigem Training nicht vermehrt wird. Wer daher die ruhige
vertiefte Atmung beim Radfahren übt, der übt in hervorragender Weise
seine Lungen und kann aus seinem schwachen Atmungsapparat einen
äußerst kräftigen entwickeln. Trotzdem ist dem beginnenden
Lungenschwindsüchtigen wegen der Gefahr der Blutung und des vielen
Staubschluckens vom Radfahren abzuraten. Die Gefahr des Staubatmens wird
durch eine reine Nasenatmung vorgebeugt.
Ein großer Vorteil des Radfahrens ist auch das geringe Ermüdungsgefühl.
Deshalb wirkt dieser Sport so hervorragend gut bei leichteren Graden der
Nervenschwäche und sonstigen nervösen Zuständen. Abgesehen davon, daß
der Nervenschwache sich in frischer Luft bewegt und damit der
gleichzeitigen günstigen Einwirkung des Lichtes auf Körper und Geist
ausgesetzt ist, daß die Abwechselung in der Natur nie Langeweile oder
nervöse Verstimmungen aufkommen läßt, macht er sich die Vorteile der
sogenannten Förderungsbewegung zu nutze. Und das Radfahren ist eine noch
viel bessere Förderungsbewegung als das Gehen. Ein Radfahrer gebraucht,
wenn er einen Weg von 7 Kilometern noch einmal so schnell zurücklegt,
als ein gemütlich ausschreitender Wanderer, nur die Hälfte der von
diesem aufgewendeten Energie und diese Ersparnis wächst entsprechend dem
schnelleren Tempo beider für den Radfahrer. Dies Verhältnis besteht
natürlich nur so lange zu Recht, als das Radfahren eine ~automatische~
Bewegung ist. Das Radfahren ist nur für den Geübten eine
Förderungsbewegung; ~wer es erst erlernen muß, für den ist es eine
Anstrengung, der er in Krankheitsfällen~ eventuell nicht gewachsen ist,
und er muß auf das gesundmachende Mittel verzichten, weil er in gesunden
Tagen diese Kunst nicht erlernt hat.
Kann das geringe Ermüdungsgefühl des Radfahrens daher von großem Vorteil
sein, so kann es auch bedeutende ~Nachteile~ mit sich bringen. Denn der
Fahrer täuscht sich leicht über die Erschöpfung seines Herz- und
Gefäßapparates hinweg, wie die Erfahrung gezeigt hat, weil er sie nicht
rechtzeitig fühlt und erwirbt sich Zustände der akuten Herzerweiterung,
der Verletzung des Herznervenapparates und der Herzmuskelverdickung mit
ihren Folgezuständen. Deswegen ist dem Herzleidenden im Allgemeinen der
Radfahrsport gefährlich. Ganz verwerflich ist es ferner, wenn Radfahrer
Mittel gebrauchen, welche sie scheinbar erfrischen aber im Grunde nur
über das Ermüdungsgefühl hinwegtäuschen, wie dies durch den Kokagenuß
geschieht. Im Gegenteil, jeder Radfahrer muß sorgfältig auf den Beginn
der Herzermüdung achten. Gewisse Sportregeln sollte ferner der Fahrer
nie außer Acht lassen.
Die Fahrgeschwindigkeit auf ebenem Terrain soll die von 15 Kilometern in
der Stunde nicht übersteigen, sie soll eine geringere sein auf
gepflasterter Straße, bei Gegenwind und bei Steigungen. Diese
Sportregeln müssen um so mehr beachtet werden, je größer die
Uebersetzung des Rades ist, weil sich die Muskelarbeit auf weniger
Umdrehungen konzentriert.
Wichtig ist ferner Sitz und Haltung des Radfahrens für die Gesundheit.
Der Sattel, auf welchem der Fahrer sitzt, darf nicht nach vorn zu schmal
werden und keine nach oben gewendete Spitze haben, weil er sonst das
Dammfleisch und die benachbarten Organe beleidigt, sondern muß so
eingerichtet sein, daß der Fahrer bequem auf den beiden Sitzknorren
sitzt.
Damit die Lungen ausgiebig atmen und das Zwerchfell bequem nach abwärts
steigen kann, muß das Rad so gebaut sein, daß der Fahrer aufrecht sitzen
kann. Der Sattel muß so hoch über den Pedalen liegen, daß beim
Durchtreten der Fuß und das Knie nur mäßig nach abwärts gebeugt werden
brauchen. Unter den genannten Voraussetzungen ist das Fahrrad dann auch
für Kinder und Frauen zu empfehlen. Letztere dürfen natürlich nicht
durch den Panzer des Korsetts die vorteilhaften Wirkungen auf Atmung
und Herz illusorisch machen.
^c^) ~Das Rudern und Segeln~.
Im Gegensatz zu der Gelenkigkeitsübung des Radfahrens ist das Rudern
eine Kraftübung, welche in staubfreier und meist etwas kühlerer Luft auf
dem Wasser statt hat. Die Gefahren der Staubeinatmung und der
Ueberhitzung werden damit beseitigt. Vorwiegend werden beim Rudersport
die Muskeln des Rumpfes und der Arme geübt. Wenn die Arme die Ruder an
den Körper heranziehen, so werden dabei nicht nur die Armmuskeln
gebraucht, sondern auch die vom Brustkorb zu den Armen verlaufenden
Muskeln, die wir als Hilfsmuskeln der Atmung kennen gelernt haben; aber
auch die Brust-, Leib- und Rückenmuskeln werden gleichzeitig gebraucht,
um den Rumpf als Stützpunkt fest zu machen. Dazu kommt das Vorwärts- und
Rückwärtsneigen des Rumpfes, welches Bauch- und Rückenmuskulatur
kräftigt und die normale Bewegung der Verdauungsorgane steigert, und,
sofern der Ruderer das Tempo der Ruderführung nach der Atmung einstellt,
resp. auf ruhige Atemführung achtet, der Atemschulung förderlich wird.
Aber auch die Beine nehmen schließlich an der Körperarbeit teil,
wenigstens, wenn die Ruderschläge weit ausholen; denn gegen das
Stemmbrett gestützt, müssen sie durch Beugen und Strecken die
Körperbewegungen begleiten. In den Sportsbooten mit ihren Gleitsitzen
wird den Beinen die Hauptarbeit übertragen, dadurch aber der Oberkörper
weniger geschult. Diese Art der Sportsübung ist daher wie jede andere
Höchstleistung in der sportlichen Konkurrenz eine vorzügliche Schulung
des Willens, aber sie bringt körperliche Schädigungen mit sich, die nur
ein völlig gesunder und ausgewachsener Körper gelegentlich sich zumuten
darf.
Als körperliche Uebung kommt der ~Segelsport~ wenig in Frage. Abgesehen
davon, daß er dem Segler einen Einblick und Urteil in marinetechnischen
und Weltverkehrsfragen verschafft, erzieht er denselben zur
Kaltblütigkeit.
^d^) ~Das Schwimmen~.
Wichtiger für die Körperpflege ist der Schwimmsport. Derselbe bietet wie
der Rudersport die Staubfreiheit der Wasserfläche; die Abhärtung und
Reinlichkeitspflege der Körperoberfläche sind weitere Vorteile. Eine
Ueberhitzung durch forcierte Bewegung ist durch die gleichzeitige
Wasserabkühlung ausgeschlossen. Letztere setzt aber auch soviel Blut und
Wärme voraus, daß der Schwimmende sich durch die Bewegung die nötige
Reaktion verschaffen kann. Die Schwimmbewegung nimmt besonders die
Extremitätenmuskulatur in Anspruch, aber auch Herz- und Lungenkraft,
besonders beim Schwimmen gegen den Strom und beim Schnellschwimmen.
Schwimmt man jedoch in ruhigem Tempo, so kann man die Schwimmübung zur
Dauerübung erheben, der erst die je nach der Temperatur des Wassers mehr
oder weniger schnell eintretende starke Abkühlung, Einhalt gebietet.
Menschen mit Fehlern im Kreislaufsystem kann Schwimmen gefährlich
werden.
^e^) ~Das Gehen in der Ebene und das Bergsteigen~.
Eine der vorzüglichsten ~Förderungs~bewegungen ist das ~Gehen in der
Ebene~, das automatisch wie die Atmungstätigkeit geschieht, weil es sich
ohne Aufmerksamkeit und rhytmisch vollzieht. Der Kraftverbrauch ist ein
relativ geringer. Die Muskelarbeit wird von den besttrainierten Muskeln
des Körpers, den Beinmuskeln geleistet, die 56% der Gesamtmuskulatur
ausmachen. Die Ermüdung tritt daher nicht durch die Beinmuskulatur,
sondern durch die Erschöpfung von Lungen und Herz ein, denn der Gehsport
regt ungemein stark die Atmungs- und Kreislauftätigkeit an. Da aber die
Steigerung der Ermüdung eine allmähliche ist, so kann nur durch starke
Uebertreibung der Organismus geschädigt werden. Aus demselben Grunde ist
der Gehsport der heranwachsenden Jugend und alten Leuten ohne Bedenken
zu empfehlen.
Das Gehen gegen einen gewissen Widerstand ist der ~Bergsport~. Er bietet
zunächst die Vorteile der Höhenluft, die im wesentlichen in einer
Anregung auf die Tätigkeit unserer Organe besteht und damit dieselben
zur körperlichen Uebung zwingt. Da heißt es Ausdauer beweisen, bald
bergauf bald bergab zu steigen. Beim Anstieg werden Herz- und
Lungenkraft stärker beansprucht, und kann man gerade deswegen, wenn man
systematisch vorgeht die Herzkraft steigern. Beim Absteigen hat der
Körper je nach dem Grade der Neigung eine verschieden große Bremsarbeit
zu leisten. Ist man zum Klettern gezwungen, so schafft der Vorteil der
Abwechslung Anregung, andererseits wird der Bergsteiger zur sachgemäßen
Handhabung des Bergstocks oder des Eispickels gezwungen, dazu kommt die
Anstrengung des Seilhaltens. Die Arme sind also nunmehr in ähnlicher
Weise wie die Beine zur Arbeit gezwungen. Je schwieriger die Bergpartien
werden, um so mehr wird das Nervensystem beansprucht. Denn Auge und Ohr
werden intensiv gebraucht, die äußerste Aufmerksamkeit, Kaltblütigkeit
und Schwindelfreiheit sind erforderlich, will man nicht einen Unfall
erleiden. Deshalb ist der Bergsport nur für den absolut gesunden
Menschen brauchbar und jede Uebertreibung desselben aufs sorgfältigste
zu meiden.
^f^) ~Das Schlittschuh- und Schneeschuh-Laufen~.
Zum Wintersport gehören das Schlittschuh- und das Schneeschuh-Laufen.
Beide sind in sofern sehr schätzenswert, als sie uns aus der durch
mangelnde Lüftung, durch Beleuchtung und Heizung verdorbenen
Stubenluft ins Freie locken. Die Kräfte, die wir beim Eislauf
gebrauchen, sind nicht erhebliche, wenigstens nicht für den geübten
Läufer, und solange das Laufen nicht zum Kunstlauf erhoben wird, ist der
Eislauf eine gute Förderungsbewegung. Einer Ueberhitzungsgefahr ist der
Läufer wegen der Kälte des Luftmediums nicht ausgesetzt. Gegen Erfrieren
einzelner Körperteile kann er sich durch verstärkte Eigenbewegung und
Bekleidung schützen. Der Kunstlauf ist abgesehen von der stärkeren
örtlichen Muskelermüdung eine vorzügliche Uebung der Geschicklichkeit.
[Abbildung: Tafel V.
Fig. 15. Die Meisterschaftsringer Jakob Koch und Saurer im Bodenkampf.
(Beispiel der Widerstandsbewegung.)]
Wesentlich größeren Kraftaufwand erfordert der Schneeschuhlauf, weil der
Schnee eine stärkere Reibung als das Eis und damit einen größeren
Widerstand bedingt. Dies gilt wenigstens für die Aufwärtsbewegung, die
bei schwierigem Terrain sogar zu Erschöpfungszuständen, besonders des
Herzens führen kann. Dagegen ist beim windschnellen Abflug die Arbeit
eine minimale und wird nur zum Balanzieren des Körpers und zum Bremsen
gebraucht.
^g^) ~Fechten, Boxen und Ringen~.
Hohe Anforderungen an die ~Sinnes- und Nervenkraft~ stellen die Uebungen
des Fechtens, Boxens und Ringens. Die Aufmerksamkeit ist aufs höchste
gespannt, um die Blöße des Gegners schnell zu erkennen und auszunutzen.
Die Muskelarbeit beim Fechten und Boxen ist eine geringere als beim
Ringen, bei welchem der Widerstand des Gegners gleichzeitig zu
überwinden ist. ~Das Ringen ist eine Widerstandsgymnastik ^par
excellence^, die ebenso Gewandtheit als Kraft und Ausdauer von allen
Teilen des Körpers, von den Sinnen, Organen und Muskeln~ erfordert.
(Fig. 15.) Voraussetzung ist eine allseitige Ausbildung des Körpers. Die
Kraftübung ist hier zur Dauerübung gemacht und stellt die höchsten
Anforderungen an Atmung und Herztätigkeit. Zustände von Herzdehnung und
Herzübung findet man bei Ringern sehr häufig und die meisten
Berufsringer sterben relativ frühzeitig an Herzleiden, zumal wenn sie
die Herzarbeit durch Flüssigkeitszufuhr noch erhöhen, wie dies durch
Trinken besonders alkoholischer Getränke geschieht. Die wenigsten
Berufsringer haben ihre Atmung gut geschult und glauben eine gute
Atemschule nicht notwendig zu haben, weil sie während des Ringens nur
sparsam und oberflächlich atmen. Hat der Ringer jedoch gelernt, die
Pressung während der größten Kraftanstrengung auf ein Mindestmaß zu
beschränken und die Atmung unabhängig von der Muskelarbeit zu gestalten,
so würde sein Herz langsamer ermüden, ebenso wie der ganze Körper und
müßte er gegen einen gleich starken und gleich gewandten Gegner
notwendig durch seine Ausdauer siegen.
~Der Ringkampf ist so recht eigentlich das Examen für die leibliche
Tüchtigkeit und die stetige Repetition des einmal Erlernten und müßte in
erster Linie zur Erziehung leiblicher Gesundheit auf unseren Schulen
gepflegt werden~. Er ist vor allem geeignet, echte ~Ritterlichkeit~ in
unserer Jugend heranzubilden, wofern die Ringenden angehalten würden,
ihre Ueberlegenheit dadurch zu beweisen, daß sie den Gegner nicht roh zu
Falle bringen, sondern gleitend und schonend.