1. Der Sport.

Alle ~Sportübungen~ haben ein ~gemeinsames Charakteristikum~, nämlich

das, daß sie ziemlich erhebliche ~Anforderungen an die Kraft und

Gewandtheit der Sinne und des Geistes stellen~. Dem Reiter, wie dem

Radfahrer, Schwimmer, Ruderer etc. begegnen bei der Ausübung des Sportes

ungezählte, unvorhergesehene Dinge, die, wenn sie seiner Aufmerksamkeit

entgehen, ihm Gefahr bringen können. Der Reiter muß nicht nur auf den

Reitweg, sondern auch auf die Individualität seines Pferdes acht haben;

für den Radfahrer, Segler etc. gilt ähnliches. Er muß, wenn er mit

Vorteil seinen Sport ausüben will, eine gewisse innere Ruhe besitzen und

in der Handhabung des Sportinstrumentes geübt sein.

~Der Sport setzt~ demnach, soll er mit Vorteil ausgeübt werden, ~eine

turnerische Ausbildung und geschulte Sinne voraus~. Meist wird der Sport

leider einseitig und unvernünftig betrieben, und übt häufig nur einzelne

Muskelgruppen und wird dadurch zum Schädigungsmittel des Körpers.

Betreibt man denselben jedoch mit genügender Rücksicht auf die Hygiene

und die Aesthetik, so kann dies angewandte Turnen nicht nur zu einer

vorzüglichen Schulung der Sinne und des Geistes, sondern auch der

Gelenkigkeit des Körpers werden.

Welche Uebungen wir auch immer treiben, wir müssen dieselben stets

sowohl zur Entwicklung unserer Körperkräfte, als auch der Gelenkigkeit

betreiben. Denn gerade ~Gewandtheit gebrauchen wir im gewöhnlichen Leben

mehr als Kraft~. Meistens gebrauchen wir in der Praxis des Lebens nur

leichte Gegenstände, diese aber im schnellen Wechsel und in schneller

Aufeinanderfolge. Genau so wie dem Muskelapparat ergeht es unseren

Sinnen und unserem Denkvermögen. Die Gewandtheit der Sinne, schnell die

Gegenstände wahrzunehmen, wird im praktischen Leben mehr Erfordernis,

als schwer wahrnehmbare durch die Kraft der Sinne zu eruieren, und die

Lösung schwieriger Probleme wird von uns für gewöhnlich nicht gefordert,

als vielmehr nur leichte Denkübungen zu treiben, um den schnellen

Wechsel einfacher Lebensverhältnisse auch schnell zu erfassen.

~Kraft und Gelenkigkeit stehen nun aber in einem gewissen gegenseitigen

Verhältnis~.

Treibt z. B. der berufs- und gewohnheitsmäßig viel Sitzende täglich

körperliche Uebungen um den hygienischen Ausgleich gegen die

aufgezwungene Ruhe und die Einseitigkeit der Denkarbeit zu schaffen, und

verwendet auf diese Uebungen seine volle Kraft, so wird er in Wochen,

Monaten und Jahren zu einer bestimmten Höhe der Kraftentwicklung

gelangen. Schränkt der Uebende nun im täglichen Uebungspensum die Zahl

der Kraftübungen ein und veranstaltet an deren Stelle eine Zahl

Gelenkigkeitsübungen, so wird er zu seiner Freude bemerken, daß der

Fortschritt in dieser Uebungsperiode mindestens der gleiche, wenn nicht

sogar ein größerer ist.

~Daraus folgt, daß die Kraftentfaltung eine schnellere und größere ist,

je mehr die Kraftübungen mit Gelenkigkeitsübungen abwechseln~.

Diejenige Uebung, welche ~gleichmäßig~ Kraft und Gelenkigkeit ausbildet,

ist deswegen auch als die naturgemäße zu bezeichnen und deswegen auch

die schöne und zweckmäßige.

Ein Körper, welcher ~nur~ Kraftübungen treibt, wird plump und

vierschrötig und bleibt frühzeitig in der Entwicklung stehen. Ein Körper

hingegen, welcher ~nur~ Gewandtheitsübungen macht, entbehrt bald der

schönheitlichen, kraftstrotzenden Abrundung. Ausdauer, Schnelligkeit und

Sicherheit der Gewandtheit wachsen rasch bei gleichzeitigen

Kraftübungen. Nur durch die innige Durchdringung beider Uebungsarten

wird die ~architektonische Schönheit~ und gleichzeitig die Schönheit der

Bewegung, die sog. ~Anmut~, erworben, und nur so wird die ~Würde~ der

Bewegung erreicht. Deswegen gebührt z. B. auch den bei uns so sehr

vernachläßigten und mißverstandenen Uebungen des ~Tanzens~ und ~Ringens~

eine hervorragende Stelle in der körperlichen Erziehung.

In der Schule der Kraft- und Gelenkigkeitsentfaltung unseres Körpers,

unserer Sinne und unseres Geistes steht aus denselben Gründen aber auch

ein vernünftig betriebener Sport obenan. Nur darf nicht eine Sportart

allein, sondern müssen mehrere Sportarten die sich gegenseitig ergänzen,

zur vernünftigen Leibeserziehung herangezogen und diese wiederum

hygienisch und ästhetisch betrieben werden.

^a^) ~Das Reiten~.

Das Reiten, soweit es nur der Fortbewegung dient, beansprucht relativ

geringe Kraft. Die Allgemeinermüdung ist eine relativ geringe, weil der

Reiter „sich nur in einer gewissen Haltung heben läßt”, also zunächst

mehr passiv tätig ist. Herz und Lunge werden nur wenig beansprucht.

Dagegen ist die örtliche Ermüdung der Adduktoren des Oberschenkels

(Anzieher des Oberschenkels) eine erhebliche. Günstig wirkt das dauernde

Erschüttern des Körpers auf die Verdauung und die stetige Aufmerksamkeit

auf den Weg und das Pferd vorzüglich geistig ableitend, besonders bei

denjenigen Menschen, welche sich gewohnheitsgemäß und krankhaft viel mit

sich selbst beschäftigen, also auf Hysterische, Hypochonder und

Neurastheniker. Anders liegen natürlich die Verhältnisse bei demjenigen

Reiter, welcher liebevoll die Individualität resp. die Rasse seines

Pferdes erfaßt, und nur so kann er das Reiten zu einer Reitkunst

erheben. Wer die Leistungfähigkeit seines Pferdes entwickeln will, muß

die Eigentümlichkeit seines Pferdes berücksichtigen, sonst wird er eben

aus demselben nichts zu machen wissen und dasselbe verderben,

andernfalls jedoch dasselbe voll und ganz beherrschen. Die

Kraftanstrengung ist dementsprechend eine höhere, namentlich beim

Dressieren oder Zureiten eines unbändigen Pferdes, wo der Reiter bald,

wie man sagt, bis aufs Hemd naß ist. Hierbei gebraucht der Reiter nicht

nur die Bein-, sondern vor allem auch die Armmuskulatur.

^b^) ~Das Radfahren~.

Billiger als das Reiten ist bekanntlich das Radfahren, das, wie das

Reiten eine Bewegung in frischer Luft ist. Die Reinheit der Luft läßt

allerdings häufig viel zu wünschen übrig, weil ja der Radfahrer die

staubigen Chausseen benutzen muß. Der Stoffverbrauch ist beim Radfahren

ein sehr bedeutender, während das Ermüdungsgefühl ein sehr geringes ist.

Der Körper verbrennt erhebliche Mengen Eiweiß und Fett und verliert

große Mengen Körperwassers; deshalb wirkt dieser Sport so vorzüglich bei

fettsüchtigen Menschen und durch die Erhöhung des Stoffwechsels bei

gleichzeitiger Erschütterung des Körpers auch befördernd auf schlechte

Verdauung. Der Radfahrer hat ein hohes Sauerstoffbedürfnis und vertieft

deswegen ausgiebig seine Atmung, während die Zahl der Atmungszüge bei

vernünftigem Training nicht vermehrt wird. Wer daher die ruhige

vertiefte Atmung beim Radfahren übt, der übt in hervorragender Weise

seine Lungen und kann aus seinem schwachen Atmungsapparat einen

äußerst kräftigen entwickeln. Trotzdem ist dem beginnenden

Lungenschwindsüchtigen wegen der Gefahr der Blutung und des vielen

Staubschluckens vom Radfahren abzuraten. Die Gefahr des Staubatmens wird

durch eine reine Nasenatmung vorgebeugt.

Ein großer Vorteil des Radfahrens ist auch das geringe Ermüdungsgefühl.

Deshalb wirkt dieser Sport so hervorragend gut bei leichteren Graden der

Nervenschwäche und sonstigen nervösen Zuständen. Abgesehen davon, daß

der Nervenschwache sich in frischer Luft bewegt und damit der

gleichzeitigen günstigen Einwirkung des Lichtes auf Körper und Geist

ausgesetzt ist, daß die Abwechselung in der Natur nie Langeweile oder

nervöse Verstimmungen aufkommen läßt, macht er sich die Vorteile der

sogenannten Förderungsbewegung zu nutze. Und das Radfahren ist eine noch

viel bessere Förderungsbewegung als das Gehen. Ein Radfahrer gebraucht,

wenn er einen Weg von 7 Kilometern noch einmal so schnell zurücklegt,

als ein gemütlich ausschreitender Wanderer, nur die Hälfte der von

diesem aufgewendeten Energie und diese Ersparnis wächst entsprechend dem

schnelleren Tempo beider für den Radfahrer. Dies Verhältnis besteht

natürlich nur so lange zu Recht, als das Radfahren eine ~automatische~

Bewegung ist. Das Radfahren ist nur für den Geübten eine

Förderungsbewegung; ~wer es erst erlernen muß, für den ist es eine

Anstrengung, der er in Krankheitsfällen~ eventuell nicht gewachsen ist,

und er muß auf das gesundmachende Mittel verzichten, weil er in gesunden

Tagen diese Kunst nicht erlernt hat.

Kann das geringe Ermüdungsgefühl des Radfahrens daher von großem Vorteil

sein, so kann es auch bedeutende ~Nachteile~ mit sich bringen. Denn der

Fahrer täuscht sich leicht über die Erschöpfung seines Herz- und

Gefäßapparates hinweg, wie die Erfahrung gezeigt hat, weil er sie nicht

rechtzeitig fühlt und erwirbt sich Zustände der akuten Herzerweiterung,

der Verletzung des Herznervenapparates und der Herzmuskelverdickung mit

ihren Folgezuständen. Deswegen ist dem Herzleidenden im Allgemeinen der

Radfahrsport gefährlich. Ganz verwerflich ist es ferner, wenn Radfahrer

Mittel gebrauchen, welche sie scheinbar erfrischen aber im Grunde nur

über das Ermüdungsgefühl hinwegtäuschen, wie dies durch den Kokagenuß

geschieht. Im Gegenteil, jeder Radfahrer muß sorgfältig auf den Beginn

der Herzermüdung achten. Gewisse Sportregeln sollte ferner der Fahrer

nie außer Acht lassen.

Die Fahrgeschwindigkeit auf ebenem Terrain soll die von 15 Kilometern in

der Stunde nicht übersteigen, sie soll eine geringere sein auf

gepflasterter Straße, bei Gegenwind und bei Steigungen. Diese

Sportregeln müssen um so mehr beachtet werden, je größer die

Uebersetzung des Rades ist, weil sich die Muskelarbeit auf weniger

Umdrehungen konzentriert.

Wichtig ist ferner Sitz und Haltung des Radfahrens für die Gesundheit.

Der Sattel, auf welchem der Fahrer sitzt, darf nicht nach vorn zu schmal

werden und keine nach oben gewendete Spitze haben, weil er sonst das

Dammfleisch und die benachbarten Organe beleidigt, sondern muß so

eingerichtet sein, daß der Fahrer bequem auf den beiden Sitzknorren

sitzt.

Damit die Lungen ausgiebig atmen und das Zwerchfell bequem nach abwärts

steigen kann, muß das Rad so gebaut sein, daß der Fahrer aufrecht sitzen

kann. Der Sattel muß so hoch über den Pedalen liegen, daß beim

Durchtreten der Fuß und das Knie nur mäßig nach abwärts gebeugt werden

brauchen. Unter den genannten Voraussetzungen ist das Fahrrad dann auch

für Kinder und Frauen zu empfehlen. Letztere dürfen natürlich nicht

durch den Panzer des Korsetts die vorteilhaften Wirkungen auf Atmung

und Herz illusorisch machen.

^c^) ~Das Rudern und Segeln~.

Im Gegensatz zu der Gelenkigkeitsübung des Radfahrens ist das Rudern

eine Kraftübung, welche in staubfreier und meist etwas kühlerer Luft auf

dem Wasser statt hat. Die Gefahren der Staubeinatmung und der

Ueberhitzung werden damit beseitigt. Vorwiegend werden beim Rudersport

die Muskeln des Rumpfes und der Arme geübt. Wenn die Arme die Ruder an

den Körper heranziehen, so werden dabei nicht nur die Armmuskeln

gebraucht, sondern auch die vom Brustkorb zu den Armen verlaufenden

Muskeln, die wir als Hilfsmuskeln der Atmung kennen gelernt haben; aber

auch die Brust-, Leib- und Rückenmuskeln werden gleichzeitig gebraucht,

um den Rumpf als Stützpunkt fest zu machen. Dazu kommt das Vorwärts- und

Rückwärtsneigen des Rumpfes, welches Bauch- und Rückenmuskulatur

kräftigt und die normale Bewegung der Verdauungsorgane steigert, und,

sofern der Ruderer das Tempo der Ruderführung nach der Atmung einstellt,

resp. auf ruhige Atemführung achtet, der Atemschulung förderlich wird.

Aber auch die Beine nehmen schließlich an der Körperarbeit teil,

wenigstens, wenn die Ruderschläge weit ausholen; denn gegen das

Stemmbrett gestützt, müssen sie durch Beugen und Strecken die

Körperbewegungen begleiten. In den Sportsbooten mit ihren Gleitsitzen

wird den Beinen die Hauptarbeit übertragen, dadurch aber der Oberkörper

weniger geschult. Diese Art der Sportsübung ist daher wie jede andere

Höchstleistung in der sportlichen Konkurrenz eine vorzügliche Schulung

des Willens, aber sie bringt körperliche Schädigungen mit sich, die nur

ein völlig gesunder und ausgewachsener Körper gelegentlich sich zumuten

darf.

Als körperliche Uebung kommt der ~Segelsport~ wenig in Frage. Abgesehen

davon, daß er dem Segler einen Einblick und Urteil in marinetechnischen

und Weltverkehrsfragen verschafft, erzieht er denselben zur

Kaltblütigkeit.

^d^) ~Das Schwimmen~.

Wichtiger für die Körperpflege ist der Schwimmsport. Derselbe bietet wie

der Rudersport die Staubfreiheit der Wasserfläche; die Abhärtung und

Reinlichkeitspflege der Körperoberfläche sind weitere Vorteile. Eine

Ueberhitzung durch forcierte Bewegung ist durch die gleichzeitige

Wasserabkühlung ausgeschlossen. Letztere setzt aber auch soviel Blut und

Wärme voraus, daß der Schwimmende sich durch die Bewegung die nötige

Reaktion verschaffen kann. Die Schwimmbewegung nimmt besonders die

Extremitätenmuskulatur in Anspruch, aber auch Herz- und Lungenkraft,

besonders beim Schwimmen gegen den Strom und beim Schnellschwimmen.

Schwimmt man jedoch in ruhigem Tempo, so kann man die Schwimmübung zur

Dauerübung erheben, der erst die je nach der Temperatur des Wassers mehr

oder weniger schnell eintretende starke Abkühlung, Einhalt gebietet.

Menschen mit Fehlern im Kreislaufsystem kann Schwimmen gefährlich

werden.

^e^) ~Das Gehen in der Ebene und das Bergsteigen~.

Eine der vorzüglichsten ~Förderungs~bewegungen ist das ~Gehen in der

Ebene~, das automatisch wie die Atmungstätigkeit geschieht, weil es sich

ohne Aufmerksamkeit und rhytmisch vollzieht. Der Kraftverbrauch ist ein

relativ geringer. Die Muskelarbeit wird von den besttrainierten Muskeln

des Körpers, den Beinmuskeln geleistet, die 56% der Gesamtmuskulatur

ausmachen. Die Ermüdung tritt daher nicht durch die Beinmuskulatur,

sondern durch die Erschöpfung von Lungen und Herz ein, denn der Gehsport

regt ungemein stark die Atmungs- und Kreislauftätigkeit an. Da aber die

Steigerung der Ermüdung eine allmähliche ist, so kann nur durch starke

Uebertreibung der Organismus geschädigt werden. Aus demselben Grunde ist

der Gehsport der heranwachsenden Jugend und alten Leuten ohne Bedenken

zu empfehlen.

Das Gehen gegen einen gewissen Widerstand ist der ~Bergsport~. Er bietet

zunächst die Vorteile der Höhenluft, die im wesentlichen in einer

Anregung auf die Tätigkeit unserer Organe besteht und damit dieselben

zur körperlichen Uebung zwingt. Da heißt es Ausdauer beweisen, bald

bergauf bald bergab zu steigen. Beim Anstieg werden Herz- und

Lungenkraft stärker beansprucht, und kann man gerade deswegen, wenn man

systematisch vorgeht die Herzkraft steigern. Beim Absteigen hat der

Körper je nach dem Grade der Neigung eine verschieden große Bremsarbeit

zu leisten. Ist man zum Klettern gezwungen, so schafft der Vorteil der

Abwechslung Anregung, andererseits wird der Bergsteiger zur sachgemäßen

Handhabung des Bergstocks oder des Eispickels gezwungen, dazu kommt die

Anstrengung des Seilhaltens. Die Arme sind also nunmehr in ähnlicher

Weise wie die Beine zur Arbeit gezwungen. Je schwieriger die Bergpartien

werden, um so mehr wird das Nervensystem beansprucht. Denn Auge und Ohr

werden intensiv gebraucht, die äußerste Aufmerksamkeit, Kaltblütigkeit

und Schwindelfreiheit sind erforderlich, will man nicht einen Unfall

erleiden. Deshalb ist der Bergsport nur für den absolut gesunden

Menschen brauchbar und jede Uebertreibung desselben aufs sorgfältigste

zu meiden.

^f^) ~Das Schlittschuh- und Schneeschuh-Laufen~.

Zum Wintersport gehören das Schlittschuh- und das Schneeschuh-Laufen.

Beide sind in sofern sehr schätzenswert, als sie uns aus der durch

mangelnde Lüftung, durch Beleuchtung und Heizung verdorbenen

Stubenluft ins Freie locken. Die Kräfte, die wir beim Eislauf

gebrauchen, sind nicht erhebliche, wenigstens nicht für den geübten

Läufer, und solange das Laufen nicht zum Kunstlauf erhoben wird, ist der

Eislauf eine gute Förderungsbewegung. Einer Ueberhitzungsgefahr ist der

Läufer wegen der Kälte des Luftmediums nicht ausgesetzt. Gegen Erfrieren

einzelner Körperteile kann er sich durch verstärkte Eigenbewegung und

Bekleidung schützen. Der Kunstlauf ist abgesehen von der stärkeren

örtlichen Muskelermüdung eine vorzügliche Uebung der Geschicklichkeit.

[Abbildung: Tafel V.

Fig. 15. Die Meisterschaftsringer Jakob Koch und Saurer im Bodenkampf.

(Beispiel der Widerstandsbewegung.)]

Wesentlich größeren Kraftaufwand erfordert der Schneeschuhlauf, weil der

Schnee eine stärkere Reibung als das Eis und damit einen größeren

Widerstand bedingt. Dies gilt wenigstens für die Aufwärtsbewegung, die

bei schwierigem Terrain sogar zu Erschöpfungszuständen, besonders des

Herzens führen kann. Dagegen ist beim windschnellen Abflug die Arbeit

eine minimale und wird nur zum Balanzieren des Körpers und zum Bremsen

gebraucht.

^g^) ~Fechten, Boxen und Ringen~.

Hohe Anforderungen an die ~Sinnes- und Nervenkraft~ stellen die Uebungen

des Fechtens, Boxens und Ringens. Die Aufmerksamkeit ist aufs höchste

gespannt, um die Blöße des Gegners schnell zu erkennen und auszunutzen.

Die Muskelarbeit beim Fechten und Boxen ist eine geringere als beim

Ringen, bei welchem der Widerstand des Gegners gleichzeitig zu

überwinden ist. ~Das Ringen ist eine Widerstandsgymnastik ^par

excellence^, die ebenso Gewandtheit als Kraft und Ausdauer von allen

Teilen des Körpers, von den Sinnen, Organen und Muskeln~ erfordert.

(Fig. 15.) Voraussetzung ist eine allseitige Ausbildung des Körpers. Die

Kraftübung ist hier zur Dauerübung gemacht und stellt die höchsten

Anforderungen an Atmung und Herztätigkeit. Zustände von Herzdehnung und

Herzübung findet man bei Ringern sehr häufig und die meisten

Berufsringer sterben relativ frühzeitig an Herzleiden, zumal wenn sie

die Herzarbeit durch Flüssigkeitszufuhr noch erhöhen, wie dies durch

Trinken besonders alkoholischer Getränke geschieht. Die wenigsten

Berufsringer haben ihre Atmung gut geschult und glauben eine gute

Atemschule nicht notwendig zu haben, weil sie während des Ringens nur

sparsam und oberflächlich atmen. Hat der Ringer jedoch gelernt, die

Pressung während der größten Kraftanstrengung auf ein Mindestmaß zu

beschränken und die Atmung unabhängig von der Muskelarbeit zu gestalten,

so würde sein Herz langsamer ermüden, ebenso wie der ganze Körper und

müßte er gegen einen gleich starken und gleich gewandten Gegner

notwendig durch seine Ausdauer siegen.

~Der Ringkampf ist so recht eigentlich das Examen für die leibliche

Tüchtigkeit und die stetige Repetition des einmal Erlernten und müßte in

erster Linie zur Erziehung leiblicher Gesundheit auf unseren Schulen

gepflegt werden~. Er ist vor allem geeignet, echte ~Ritterlichkeit~ in

unserer Jugend heranzubilden, wofern die Ringenden angehalten würden,

ihre Ueberlegenheit dadurch zu beweisen, daß sie den Gegner nicht roh zu

Falle bringen, sondern gleitend und schonend.

Körperpflege durch Gymnastik, Licht und Luft · 第 33 / 72 题