Fig. 17. Der Diskuswurf.]

Die ~Ordnungsübungen~ imponieren zwar dem Auge, sind aber zeitraubend

und belasten als Gedächtnisübung zu sehr das Gehirn, welches ohnehin bei

den heutigen Ansprüchen an unserem Schul- und Berufsleben schon stark

beansprucht wird. Die notwendige stärkere Ausarbeitung des Körpers aber

fällt bei den Ordnungsübungen fast ganz fort. Sie sind also nur für die

noch durch keine geistige Arbeit in Anspruch genommenen Kinder und den

Spielschulen zu empfehlen, oder da, wo ein sogenannter Drill

wünschenswert ist.

Bei den ~Freiübungen~ unterscheidet man solche mit und ohne Fortbewegung

des Körpers und solche, welche unbewaffnet oder bewaffnet mit Keulen,

Hanteln oder Stäben ausgeführt werden. Die Bewaffnung hat den Zweck, die

Uebung schwerer, schwungreicher und energischer zu machen, sie als eine

Widerstands- oder Förderungsbewegung zu charakterisieren. Die

Freiübungen sind für das Atmungs- und Herztraining, für die Schulung des

Willens, für den Ausgleich fehlerhafter Körperhaltungen, für den

individuellen und systematischen Aufbau von Körperkraft, für Erzielung

von Anmut und architektonischer Schönheit und in der Schulung der

Gelenkigkeit von ungeheurem Wert, zumal sie wenig Platz und wenig

Handhaben benötigen und deshalb für die Hausgymnastik unersetzbar. Eine

vorzügliche Schule für Lunge und Herz sind die Freiübungen mit

Ortsbewegung, das Gehen und Laufen. Der ~militärische Marsch~ kräftigt

die Muskeln der Beine und des Rückens, vergrößert die Schrittweite und

erhöht die Ausdauer namentlich wenn er im sogenannten ~Beugegang~

ausgeführt wird, d. h. wenn mit der ganzen Fußsohle aufgetreten, mit

gebeugten Knieen und mit nach vorn geneigtem Oberkörper marschiert

wird. Der ~Parademarsch~ hat weniger Wert für die Gesundheit, als für

den Drill. Der ~Kunstgang~ ist hygienisch wenig ausnutzbar.

Der ~Lauf~ bringt je nach der Art der Ausführung einen verschiedenen

Nutzen. Der ~Schnellauf~ stellt hohe Anforderungen an die Herzkraft und

sollte entsprechend dem großen Bewegungsbedürfnis der wachsenden Jugend

derselben überlassen bleiben. Bei dem noch im Wachstum begriffenen

Körper entwickelt sich das Herz relativ stärker als die übrigen Organe,

es gebraucht also auch einen größeren Wachstumsreiz durch die Bewegung,

das Gefäßrohr ist vermöge seiner Jugendlichkeit elastischer, kann sich

deshalb besser den gesteigerten Anforderungen anpassen. Für den

erwachsenen Körper hat der ~Dauerlauf~ größeren hygienischen Wert, zumal

wenn die Dauer der Leistung nur eine allmähliche und systematische

Steigerung erfährt und mit gebeugten Knieen gelaufen wird.

Die ~Turnspiele~ teilt man ein in ~Ball~- und ~Laufspiele~. Barlauf,

„Fürchtet euch nicht vor dem schwarzen Mann”, Dritten abschlagen,

Lawn-Tennis, Vierball, Schleuderball, Fußball, Cricket etc. sind solche

Spiele, welche mit den hygienischen Vorteilen des Laufens noch die

Uebung der Geschicklichkeit, der Dispositionsfähigkeit und des

Charakters verbinden und auch die Ausbildung der oberen Extremität

befördern. Alle Turnspiele sind besonders für die kalte Jahreszeit

geeignet und erfahrungsgemäß eine vorzügliche Erholung von geistiger

Ermattung. So hoch zu schätzen nun aber auch die Turnspiele sind, so

machen sie Freiübungen und Gerätturnen doch nicht unentbehrlich.

[Abbildung: Tafel VII.

Körperpflege durch Gymnastik, Licht und Luft · 第 35 / 72 题