7. Wirkung der Leibesübung auf den Geschlechts-Apparat.

Ferner darf die Wirkung gesundheitlich betriebener Leibesübungen auf den

~Geschlechtsapparat~ nicht unerörtert bleiben.

Das durch Leibesübung betäubte (narkotisierte) Zentralnervensystem

beruhigt auch die Geschlechtssphäre. Dazu kommen die durch

Körpertätigkeit hervorgebrachten Veränderungen im Zirkulationsapparat.

Die häufigen und reichlichen Monatsblutungen (Menstruationen) der Frauen

werden meist am besten durch geeignete Leibesübungen reguliert, die

unfreiwilligen Samenergüsse (Pollutionen) eines abnorm reizbaren

Genitalapparates verlieren sich durch richtig dosierte Körperbewegungen.

Dem vorzeitigen Eintritt der Geschlechtsreife, dem geschlechtlichen

Ausschweifen der Phantasie in der Reifungszeit (Pubertätsperiode) wird

am besten durch systematisch betriebene Leibesübungen vorgebeugt.

So sehen wir denn, daß alle Teile des Körpers und des Geistes

wesentliche Vorteile von einer vernünftig und individuell betriebenen

Körperübung haben können.

Wichtig ist eine richtige Ernährung des Körpers, damit derselbe den

erhöhten körperlichen Anforderungen gewachsen bleibt. Zur Bewertung

derselben muß man den Einfluß der Leibesübung auf den Stoffwechsel und

die Wärmeregulation kennen.

8. Wirkung der Leibesübungen auf den Stoffwechsel und die

Wärmeregulation.

Daß der Gaswechsel von Sauerstoff und Kohlensäure (^CO^₂) durch

Muskeltätigkeit gesteigert wird, habe ich bereits besprochen. Nun haben

die Wärmemessungs- (kalorimetrischen) Versuche von ~Atwater~ und

~Benedict~ ergeben, daß die Wärmeerzeugung sowohl in der Ruhe, als

auch bei Muskeltätigkeit dem Gaswechsel und dem Verbrennungswerte,

der nach den Ausscheidungen bemessenen Verbrauchsnährstoffe entspricht.

Die zum Stoffwechsel verwendeten Nährstoffe werden also unter

normalen Verhältnissen ~vollständig~ zu Wasser, Kohlensäure und

Harnbestandteilen verbrannt. Nur bei Sauerstoffmangel in den

arbeitenden Muskeln steigt der respiratorische Quotient (Verhältnis von

Sauerstoff zu Kohlensäure = ^CO^₂). Man kann demnach aus der

Verbrauchsmenge der durch Harn und Schweiß ausgeschiedenen

Stickstoffsubstanzen und dem gleichzeitigen Gaswechsel die Höhe des

Nährstoffumsatzes während der Muskeltätigkeit berechnen. Da uns nun die

Verbrennungswärmen der Nährstoffe bekannt sind, so ergibt sich mit

Leichtigkeit die bei der Arbeit aufgewandte Energie. Die Arbeit ist nach

Meterkilogrammen meßbar. So fand man, daß für gewöhnlich bei

Muskeltätigkeit ⅓ (ca. 35%) der erzeugten Energie mechanische Arbeit, ⅔

Wärme werden. Bei starker Muskelermüdung, sowie bei Arbeiten, für welche

wir nicht trainiert sind, verringert sich der mechanische Nutzeffekt.

Uebung und guter Ernährungszustand setzen den Stoffverbrauch erheblich

herab. ~Der vernünftig Trainierte wird also den relativ geringsten

Stoffverbrauch haben~. Nun hat sich durch ~Zuntz’s~ Versuche

herausgestellt, daß Eiweiß, Fette und Kohlehydrate ~gleichwertig~[4] für

die Erzeugung der Muskelleistungen sind, jedoch kann nach ~Pflueger~ das

Eiweiß für sich allein zu hohen Muskelleistungen befähigen, während die

stickstoffreien Fette und Kohlehydrate gleichzeitig noch einen

bestimmten Eiweißumsatz nötig machen. Dagegen hat sich gezeigt, daß

durch körperliche Uebungen der Eiweißzerfall nicht entsprechend

(proportional) der geleisteten Arbeit gesteigert wird, wie dies beim

Umsatz der stickstoffreien Nährstoffe der Fall ist. Das stimmt auch

genau mit den Resultaten von ~Pettenkofer~ und ~Voit~ überein.

[4] Chauveau und Seegen nahmen den Zucker als ~einzige~

Muskelkraftquelle an und glaubten, daß Eiweiß und Fett nur insofern

zur Bildung mechanischer Leistungen zu gebrauchen wären, als aus ihnen

erst Zucker gebildet werden müßte. Diese Annahme ist aber deswegen

eine irrige, als durch diese Umbildung ja große Wärmemengen für die

Muskelarbeit verloren gehen müßten. Die aus Fett und Eiweiß gebildeten

Kalorien müßten also einen geringeren Nutzeffekt haben. Das stimmt mit

den physiologischen Tatsachen jedoch nicht überein.

~Der Stoffverbrauch während der Leibesübung betrifft also in erster

Linie die Kohlehydrate und Fette~.

Damit ist bewiesen, daß der Muskel imstande ist, für die Arbeitsleistung

die benötigte Spannkraft aus Fett oder Kohlehydraten zu entnehmen, es

ist aber damit nicht gesagt, daß die Muskeln etwa gar kein Eiweiß

gebrauchen und verbrauchen können. Es wird im Gegenteil nach den

übereinstimmenden Resultaten aller Physiologen eine gewisse Menge der

Eiweißzufuhr gefordert zur Erhaltung der Kraft und zur Wärmebildung

besonders bei gesteigertem Stoffwechsel, wie er bei Leibesübungen

auftritt.

Da nun Eiweiß eine höhere Verdauungsarbeit als die stickstoffreien

Körper beansprucht, den arbeitenden Muskeln also mehr Blut entzieht, als

sie zu ausgiebiger Arbeit gebrauchen, da sie ferner die durch die

Leibesübung an sich gesteigerte Wärmebildung noch erhöhen, so ist es

nicht ratsam, während der Leibesübungen eine eiweißreiche Kost zu

genießen. ~Casparis~ Versuche haben ferner gelehrt, daß bei längere Zeit

betriebenem Training der Eiweißzerfall stetig geringer wird, ein Umstand

mehr, der dem Trainierenden zu gute kommt und ihn heißt, ~die

Eiweißzufuhr auf ein physiologisches Minimum herabzusetzen~.

Für die ~schnelle Beseitigung~ einer bereits eingetretenen ~Ermüdung~

während der Dauer einer Leibesübung eignet sich am besten der ~Zucker~,

wahrscheinlich deswegen, weil er am schnellsten verdaut wird.

Leibesübungen ~steigern~ in jedem Falle ~die Körpertemperatur~ und zwar

erheblich stärker in der Peripherie, als im Körperinnern. Die periphere

Erwärmung der Extremitätenmuskeln befördert den Stoffwechselumsatz und

damit die Arbeitsleistung. Die Muskeln leisten daher zu Anfang weniger,

als wenn sie 10-15 Minuten gearbeitet, und damit einen Kalorienzuwachs

von ca. 50 Kalorien erfahren haben.

Auf die näheren Wärmeverhältnisse während des Trainings komme ich später

erst zurück, hier sei nur die Tatsache der Erhöhung der Arbeitsleistung

durch Erhöhung der Wärmeproduktion bei den Uebungen festgelegt.

Bezüglich der Trainingdiät sei weiter gesagt, daß es nun nicht allein

auf den genügenden Stoffersatz ankommt, sondern auch darauf, ~daß

möglichst wenig Ermüdungstoffe entstehen~, und wofern sie entstanden

sind, ~leicht zum Export gelangen~. Nach den praktischen Erfahrungen hat

sich eine harnsäurefreie, reizlose und mehr feste Ernährung

herausgestellt als diejenige, die am wenigsten zur Ermüdung disponiert,

und bei der die Ermüdung am schnellsten überwunden wird. Die Nahrung

darf ~nicht heiß~ genossen werden, und nicht in größerer Menge, als vom

Körper ~mit Leichtigkeit~ vollständig verbrannt werden kann.

Körperpflege durch Gymnastik, Licht und Luft · 第 27 / 72 题